Archiv der Kategorie: Huehner

Kuekenzeit

Heute schluepf(t)en ca 25 bis 30 Kueken unter zwei Hennen, die nahe beieinander gebruetet hatten. Verwirrung bei den Kueken: Bist du meine Mama? Den Hennen scheint’s gleich zu sein, ich glaube, in solchen Faellen nehmen die einfach alles mit, was piepst.
Das tut zur Zeit auch Frau Habicht, die schon vier Kueken und eine Henne abgeholt hat, wie es scheint. Wahrscheinlich hat sie selbst Jungvolk zu versorgen. Sie jagt tolldreist, fliegt in rasantem Tempo DURCH die Stahlgatter und gestern dem Chef fast ins Gesicht.

50 Farben Grau

 

IMG_20160422_132747So sieht der Himmel im Moment aus, und heute morgen hat es sogar ein bisschen geregnet und geschneit. Plus fuenf Grad, wirklich usselig, aber im Moment durchaus willkommen. Wir braeuchten Regen, Regen, Regen! Kaum zu glauben fuer den Durchschnitts-Oberberger, aber hier ist es super-trocken. Die Feuerturm-Frau, Megan, erzaehlte, dass diese Gegend hier im letzten Winter nur 60% der ueblichen Niederschlaege bekommen hat, und weil normalerweise der Winter die Zeit ist, in der praktisch die Speicher aufgefuellt werden, koennte es ziemlich bloed werden, wenn da nicht noch was kommt. Dazu ist es aber windig, so dass die Feuertuerme auf hohem Risiko sind und Megan den ganzen Tag in der Kuppel sitzen muss. Sie hatte schon zwei Feuer zu melden, und eines davon entstand, als ein Bauer mit der Egge ueber’s Feld fuhr, einen Stein traf, der einen Funken schlug – und schwuppididu, stand der ganze Acker in Flammen! So kann’s gehen!

Gestern war es nicht grau, sondern blau und sonnig, wenn auch windig. Nach einem schoenen Morgen-Kaffee bei der Nachbarin – man hat sich nach 6 Monaten viel zu erzaehlen – verbrachte ich den ganzen Nachmittag im Garten, wo ich immerhin vier von fuenf Hochbeeten auf Vordermann gebracht habe. Eines ist sogar schon mit Glas abgedeckt, denn ich will saeen. Megan hat bereits so einiges in der Erde, und ich will jetzt auch loslegen. Hochbeete haben den Vorteil, dass sie schweinesicher sind und relativ leicht huehnersicher gemacht werden koennen.

IMG_20160422_124126Natuerlich tut mir jetzt der Ruecken weh… Das kommt von der mangelnden Uebung. Die merkte ich auch, als ich eben Kochhoelzchen hackte.

IMG_20160422_123936Die Axt doppelt so schwer wie in Deutschland, die Hoelzer doppelt bis dreimal so unhandlich. Aber mir ist nach Kuchen! Und die Truhe muss umgewaelzt werden, da habe ich noch tausendjaehriges Obst gefunden, das wird jetzt verarbeitet, zusammen mit den Milliausen von Eiern, die es um diese Jahreszeit ja immer gibt. Heute morgen habe ich allerdings einen Raben beobachtet, der sich ganz nah an die Lamas traute. Ich sah dann, dass er ein Off-Limits-Nest im Gras gefunden hatte und nach und nach alle Eier wegtrug. Spaeter musste ich ihn scheuchen, denn da war er offensichtlich hinter den relativ frischen Kueken her, der Knilch. Ich habe ihm erklaert, dass der Chef da inzwischen nicht lange fackelt und schon ein Rabe auf diese Tour sein Leben gelassen hat. Hoffentlich hat er das begriffen!

So, los geht’s. Ofen heizen, Butter erweichen, Eikes aufschlagen, ach, und erst Mehl mahlen.

Jetzt kann der Winter (fast) kommen

Nicht, dass man jemals wirklich fertig waere fuer den albertanischen Winter, der sich da im Wetterbericht ankuendigt, jedenfalls nicht hier bei uns, aber das Groebste scheint geschafft: Jurte ist abgebaut, wenn auch noch nicht ganz verstaut. Heu liegt ja schon laenger unter Dach. Stroh ist bestellt und liegt abholbereit. Die Schweine haben einen „neuen“ Stall! Um synergistische Effekte nutzen zu koennen, habe ich kurzerhand die Haelfte des Huehnerstalls abgetrennt und mit Schweinebettzeug gefuellt. Das Tuerchen existierte bereits letztes Jahr, aber da war Ludwig sehr unzufrieden mit der Tatsache, dass die Huehner auf seiner Bettumrandung sassen und ihm auf den Ruecken kackten. Das duerfte jetzt unmoeglich sein, ausserdem ist mehr Platz zum Umdrehen im Bett, ist ja wichtig. Ludwigs einziges Problem im Moment ist das „Einschliefen“. Aufgrund seiner im Sommer immer zunehmenden Leibesfuelle tut er sich etwas schwer mit dem Tuerchen. Raus ist recht einfach, aber rein muss er auch noch eine kleine Stufe ueberwinden, und das ist nicht einfach fuer ein Schwein von seinem Format. Lili macht das natuerlich alles mit Bravour, sie ist schlank und fit. Der Huehnerkopf, der unten ueber der Trennwand zu sehen ist, gehoert zu einer Henne, die da auf 7 Kueken sitzt. War mir beim Brueten durch die Lappen gegangen, und als ich sie entdeckte, wollte ich die Eier auch nicht mehr umkommen  lassen. Ein Kueken ist gestorben, aber die restlichen sieben sind fidel. Ich fuettere ihnen Vitamine A, D und E zu, damit sie hoffentlich die sonnenarmen Tage schadlos ueberstehen. Unsere Huehnerherde ist naemlich aus ungeklaerten Ursachen von 16 auf 14 geschrumpft. Ein Huhn lag tot im Stall, ich befuerchte, durch Ziegeneinwirkung. Eines ist einfach futsch, da war womoeglich Frau Haak im Spiel, die uns ja letztes Jahr schon so einige Huehner abgenommen hatte und die der Chef wieder gesichtet hat. Jedenfalls ist ein bisschen Verstaerkung bzw. Verjuengung durchaus wuenschenswert. Von den Schweinen als Untermieter erhoffe ich mir eine gewisse Heizwirkung.

Und die Fundamentloecher wurden gebohrt, die Stuetzen reingestellt, der Beton gegossen, d.h. mit Schubkarren verfrachtet. Das Bohren war natuerlich, nicht ganz unerwartet, etwas komplizierter, weil es wieder der freundliche Nachbar  mit dem Bobcat erledigte und nicht der Unternehmer, der so etwas hauptberuflich und haeufig macht. So gab es Probleme mit dem Geraet, und es mussten Teile in Valleyview geholt werden. Also nix mit 1 Stunde Arbeit. Auch sieht der Stuetzenwald nicht so gerade aus, wie sich das der Chef sicher gewuenscht haette. Aber wenn ein Teil der Hilfe zu spaet eintrudelt und es ausserdem keinen Masterplan gibt, was will man erwarten?! Der Chef scheint jedenfalls nicht unzufrieden, das ist die Hauptsache.

Frau Haak und die Huehner

Vorgestern rief mich Gereon raus, damit ich mir was anschaue. Ich sah Frau Haak:

Frau Haak, ihres Zeichens eine Goshawk-Dame und damit sowas wie ein Habicht, nur glaube ich etwas groesser als unsere deutschen Habichte, kannten wir schon. Auch ihren Gatten. Noch neulich hatten die Hunde sie von einem Baum am Strassenrand aufgescheucht, als wir da entlang marschierten. Und ich dachte noch: Na, wenn das mal gut geht! Als ich zurueckkam, war kein Huhn in Sicht – immer ein Zeichen fuer Luftalarm. In Dugout-Naehe stiess ich dann auf Frau Haak, die auf einem schon arg toten Huhn sass und sich den Kropf vollschlug. Sie hatte die Ruhe weg, ich war hoechstens 5 Meter entfernt, als sie aufflog. Das Huhn hab ich ihr woanders hin gelegt, wo wir sie nicht so stoerten, und dann haben wir sie ueber mehrere Stunden beim Fressen beobachtet.

Vorgestern, eine knappe Woche nach diesem Vorfall, hatte sie also wieder Hunger. Ich war unmittelbar vorher ueber den Hof gegangen, da, wo sie sass. Und ich hatte auch ein Huhn sich aus dem Stall wagen sehen. Dumm gelaufen! Die Bilder sind natuerlich unscharf, weil ich die Kamera nicht beherrsche und der Vogel auch etwas nervoes wurde. Abstuetzen musste er sich uebrigens wohl, weil – wie ich dann zu meinem Graus bemerkte – das Opfer noch lebte. Als Gereon sich naeherte, um das Huhn hoffentlich umzubringen, zog der Vogel, muehsam und Huhn schleifend, ein Stueck weiter, wo wir nicht mehr dran konnten.Sie frisst dann einen halben Tag, gegen Ende mit langen Pausen, wahrscheinlich, weil sie wirklich pappsatt ist. Und sie hat die Ruhe weg.

Ich goenn‘ ihr die Huehner. Hab mir ausgerechnet, dass, wenn sie jede Woche eines frisst, wir wahrscheinlich immer noch genug haetten. Natuerlich warnt jeder „normale“ Albertaner, dass sie viel mehr will, wenn sie Junge hat und dass man sowas loswerden muss. Was man aber offiziell nicht darf. Was natuerlich keinen „richtigen“ Albertaner stoeren wuerde. Mir gefaellt sie, die Frau Haak. Und ich ueberlege, ob ich nicht eines der eingefrorenen Wiesel-Opfer antaue und ihr hinlege, vielleicht kann ich sie so von Frischfleisch ablenken und die gefrorenen Huehner einer sinnvollen Verwendung zufuehren.

Die Strecke einer Nacht

Am Markttag herrschte natuerlich hier morgens Hektik. D.h., ich war ja allein, der Chef war schon zur Arbeit. An Fruehstueck war gar nicht zu denken, denn Etiketten wollten noch ausgedruckt werden, die Tiere gefuettert und gewaessert, was im Moment, bei 5 cm Eis auf dem Dugout, ein ziemliches Unterfangen ist. Den ganzen Honig musste ich noch ins Auto packen, weil ich am Vorabend zu muede war. Und mich selbst nach all diesen schweisstreibenden Arbeiten einer gruendlichen Waesche unterziehen. Als erstes merkte ich, nachdem ich Laptop, Licht und Drucker ausgeschaltet hatte, dass mir Etiketten fehlten. Also Kommando zurueck, alles wieder an und gedruckt. Dann raus und gefuettert, mit Kopflampe. Dabei das Wiesel gesucht, dessen Spuren ich ueberall sehen konnte. Es ist immer sehr lustig, wenn man es mit der Kopflampe erwischt – die beiden Aeuglein leuchten wie LED-Anzeigen. Also brabbelte ich so vor mich hin mit dem Wiesel, das ich ganz in der Naehe vermutete. Und tatsaechlich, als ich den Huehnern fluessiges Wasser bringen wollte, lugten die LED’s unterm Huehnerstall hervor. Ich redete freundlich mit ihm, weil ich mir Maeusevertilgung erhoffe. Und oeffnete die Huehnerstalltuer – und fand sechs tote Huehner! Die juengsten Kueken waren hin, eines fehlt, aber das muss das Wiesel irgendwo reingezerrt haben oder vorher schon erwischt, denn Tueren und Fenster waren geschlossen. Es hat mal wieder eine Luecke gefunden. Und dann hat es zu meiner grossen Verwunderung auch noch eine meiner dicken Orpington-Hennen gemeuchelt – eine ziemliche Grosstat fuer ein Wiesel, stelle ich mir vor. Was mich dabei ein bisschen aergert, ist diese Verschwendung, tztztz. Sechs Huehner, alle nur mit einem kleinen Loch im Hals, und es isst sie noch nicht mal auf. Ich hab dann mal mit ihm geschimpft, doch ob’s was bringt? Ich mag es aber immer noch.

Das war aber natuerlich nicht die einzige Herausforderung am Markttag. Auch noch hatte ich viele Etiketten einfach vergessen auszudrucken. Und als ich gerade aus dem Haus wollte, hoerte ich was tropfen. Eine Ueberpruefung ergab, dass zur Abwechslung mal der Abfluss zugefroren war und das Wasser sich bis in die Spuele zurueckstaute. Na prima. Jetzt haben wir also – auf Grund eines, sagen wir mal, Konstruktionsproblems – wieder einen verkuerzten Abfluss, der in einen Eimer unter der Spuele fuehrt. Als der Chef das heute so eingerichtet hat, merkte ich auch, dass die Tropfen, die sich von der Spuele geloest hatten, auf dem Fussboden (wohlgemerkt nur etwa einen Meter vom Kuechenherd entfernt) zu Stalagmiten gefroren waren. Sehr lustig. Da weiss ich ja jetzt, wo ich die Dinge hinstelle, die im Kuehlschrank gleich gefrieren (Milch z.B.) – naemlich in gebuehrenden Abstand vom Abflussauslass. Dabei haben wir uns letzten Sonntag gemeinsam (!) Duschwannen in Grande Prairie angeschaut. Das war wohl ein Fall von verfruehtem und uebertriebenem Optimismus. Aber es gab eh keine schoenen, also nicht so schlimm.

Der Markt verlief dann trotz des holperigen Starts schoen glatt. Meine lieben Helferlein waren bei Auf- und Abbau zur Stelle, meine Haendler waren zufrieden, und die Kundschaft hoffentlich auch. Ich habe jedenfalls gut verkauft.