Archiv der Kategorie: Rund ums Haus

#monochromemonday (fuer Frau Claudi)

 

IMG_3912 2.JPG

Oder auch „Neutrals“. Das sind die Farben, die sich mir beim Blick aus dem Fenster bieten. Ich finde das gar nicht so schlimm nach blauen sonnigen Tagen. Und mein freundschaftliches Verhaeltnis zum Schnee ist ja sattsam bekannt.

Wir haben langes Wochenende – Thanksgiving, Erntedank. Unsere Puten leben aber alle noch, und ich finde, Thanksgiving ist immer. In diesem Herbst faellt mir so ganz besonders auf, wie gut wir es haben. Immer oefter sind die Abendmahlzeiten komplett aus der Nachbarschaft, bis auf die Gewuerze. Gemuese aus dem Garten, Fleisch und Schmalz vom Nachbarhof, Eier von unseren Hennen, Milch, Sahne und Butter von meinem offiziellen Kuh-Anteil. Manchmal sogar Wein von Nachbarn!

IMG_3916

Und weil es gestern auch schon grau war, habe ich Dinge getan, die vor dem Winter noetig sind. Mal wieder die Asche rausgetragen, aber diesmal auch Ecken saubergemacht, in denen ICH noch nie war (der Chef dankenswerterweise aber schon). Mein Kuechenherd kommt urspruenglich aus Ontario, wie ich herausgefunden habe. Die Giesserei Findlay wurde 1974 geschlossen, mein Ofen scheint aus den 1930ern zu stammen. Er hat keine „schicken“ Chrom-Schnoerkel, und darueber bin ich sehr froh. Alles Staubfaenger, und Staub produzieren diese Oefen ja sehr erfolgreich.

IMG_3905 2IMG_3909 2

Zwei solche Aschekisten voll mit schwarz-grauem Staub habe ich rausgetragen. Fuer die mehr technisch Interessierten: Wenn ich das nicht tue, heizt der Ofen bescheiden, weil die Luft vor lauter Asche nicht gut zirkuliert. Beim Brotbacken hoert es dann ganz auf. Ebenso wichtig ist aber auch das Entfernen des manchmal entstehenden schwarzen Russes – der koennte naemlich unter unguenstigen Bedingungen an manchen Stellen Feuer fangen. Alles, was ich aus dem Ofen hole, kommt in den Garten. Im Grunde ein geschlossener Kreislauf: Baeume vom Land werden zu Asche vom Land wird zu Gemuese vom Land wird zu uns auf dem Land – und vielleicht irgendwann dann mal wieder zu Baeumen vom Land. Der Gedanke gefaellt mir.

Im monochromen bzw. neutralen Farbthema bleiben auch die Puten, obwohl sie inzwischen sehr an ihrer Faerbung gearbeitet haben und sich fast alle deutlich voneinander unterscheiden. (Bitte beachten Sie die bunten Metallteile: Das ist der Chef, der immer Farbreste in der Firma aufbraucht! Primaerfarben, ich mag nur das Rot. Aber werde ich gefragt? – Nicht wirklich. Macht nix.)

IMG_3907 2

Die Fl(ederm)aeuse sammeln sich in allen moeglichen und unmoeglichen Ecken. Was die so fuer den Winter vorhaben, bleibt raetselhaft. Auf dem leider sehr unscharfen Foto sind mindestens drei zu sehen, die zusammen ungefaehr so gross wie meine Faust sind, eher kleiner.IMG_3908 2

Hugo goennt sich als Farbtupfer das gruene Halfter, doch der Federschmuck, von den Puten, ist ebenfalls dezent. Beim Spaziergang am Samstag musste ich sehr an meine ersten Esel in Deutschland denken. Ich war ein beginnender Teenager, bestenfalls, vielleicht auch erst 11 oder 12 Jahre alt. Wenn ich mit meinen Eseln die Strasse ueberquerte, suchte und fand oft einer die ausgetrocknete Pfuetze am Strassenrand, in der man ein wunderbares Staubbad nehmen konnte. Der Verkehr, obwohl er mit dem heutigen nicht mehr zu vergleichen ist, wurde dadurch auch damals schon sehr verlangsamt. Und auch mein Hugo musste sich dringend waelzen.

Weiter ging’s mit dem sehr typischen Nasenschuffeln. Das muss doch weh tun!

Heute morgen wechselte das Farbthema dann zu Schwarz-Weiss, unsichtbar. Doch nicht unriechbar.

IMG_3913 2.JPG

Irgendwann war da ein Stinktier unterm Holzschuppen! Der ganze Hof riecht danach, leider der kleine Hund auch, vom blossen Suchen. Aber: Ich bin ja Frettchen-erprobt, und so schlimm, wie alle sagen, finde ich es gar nicht. Ich hoffe nur, dass es nicht in den Huehnerstall geht. Die Hunde jedenfalls sind in hellem Aufruhr.

 

 

 

Tauziehen

So kommt es mir im Moment vor. Herbst und Winter machen sich gegenseitig die Buehne streitig. Der Ausgang ist nicht ungewiss. Es gibt Tage wie diesen.

IMG_3854

Kalt, aber blau und sonnig. Als ich um fuenf Uhr morgens aus dem Fenster guckte, war alles weiss, und an Nordboeschungen bleibt der Schnee von gestern, buchstaeblich, schon liegen.

Und es gibt Tage wie diesen.

IMG_3830IMG_3839

Die Baeume scheinen ein bisschen ueberrascht von dem fruehen Kaelteeinbruch, und bieten vielleicht deswegen besonders interessante Farbwechsel. Nach einer (weiteren) kalten Nacht bringt jeder noch so kleine Windhauch Wolken von losen Blaettern in Bewegung, einer der Baeume vorm Fenster wurde fast ueber Nacht kahl.

Die Damen tragen schon Wintermaentel incl. Winterohren. Und Alma findet, Rippenpolster sind voll im Trend.

IMG_3866

Heute morgen ist der Dugout zum ersten Mal komplett zugefroren. Ich habe noch nicht herausgefunden, wo unser neuester Nachbar, ein Bisam, jetzt aus seinem Bau kommt. Stelle ich mir ziemlich klaustrophobisch vor, so eine Wohnsituation.

IMG_3859

Der Chef tut Herbstdinge. Sitzt morgens frueh auf dem Hochsitz. (Leider jagen offensichtlich viele Albertaner vom Auto aus, und zu diesem Zwecke fahren sie extrem langsam bei uns vorbei – da kriege ich natuerlich sofort einen Hals GT, tolerant und sanftmuetig, wie ich bin.) Der Chef aber jagt zu Fuss. Und zu Hause raeuchert er Wurst und Schinken.

IMG_3856IMG_3802

Und bastelt schoenste Wachskuchen. Die Einfahrt ist winterfertig, und alle Fundamente fuer neue Gebaeude sind gegossen. Eigentlich war der Plan, jedenfalls nach meinem Verstaendnis, dass diese Gebaeude in diesem Jahr gebaut wuerden, aber da hab ich wohl wieder was missverstanden 😉

IMG_3847IMG_3852IMG_3871IMG_3872IMG_3869

Die Brennholzvorraete sind leider schon wieder arg geschrumpft, da wird er  nachbessern muessen.

Im Garten sind immer noch die Moehren. Der Speiseplan wird winterlicher, mir ist nach Wurzelgemuese, Suppe und warm. Und statt der vielen Sommereier (z.B. in den kleinen Kloesschen in der Suppe) gibt’s demnaechst mehr Wurst.

Jetzt mach ich noch ein bisschen Apfelmus und Sauerkraut. Und mehr Apfelkuchen sehr fein. Schoenen Herbst allerseits!

 

Widerstand zwecklos

fullsizeoutput_3d8.jpeg

Das war die Vorhersage Anfang der Woche. Dazu irgendwann heute oder morgen -9 ueber Nacht. Da wird die Gaertnerin dann ein bisschen eilig(er).

Gestern endlich kam ich in die Kartoffeln.

IMG_3654

So etwa zwei Drittel habe ich geschafft, dazu einen grossen Korb dicke Bohnen, aber dann hatte ich genug und mein Ruecken auch.

In der Nacht war ich mal kurz auf, und da sah ich die Bescherung schon. Heute morgen sieht mein (Kartoffel)garten so aus:

IMG_3666Es gibt entgeisterte Junghuehner. Denen ich schon seit Tagen empfohlen habe, in den Stall zu gehen  – aber auf mich hoert ja keiner.

IMG_3660

Auch die Esel sind nicht so froehlich.

IMG_3670

Die Puten waren voellig verdattert, schien mir, und die Schweine klangen eher entruestet. So war das ja wohl nicht geplant, eigentlich wollte man noch ein bisschen im Garten nachsuchen. Na, fuer in 10 Tagen etwa sind schon wieder Temperaturen um die 18 Grad PLUS gemeldet. Das Laub ist auch ueberwiegend noch auf den Baeumen, so dass einiges jetzt unter der Last des nassen Schnees sich biegt und womoeglich auch noch brechen wird – denn es schneit weiter.

Ich mag ja Winter, hatte ich vielleicht schon erwaehnt. Und meistens, aber dieses Jahr ganz besonders, weil so frueh und ziemlich heftig, laesst mich der Wintereinbruch tief ausatmen. Man kann nichts dagegen tun, muss es hinnehmen, und dann kann man es auch einfach mal schoen finden. Nuetzt ja eh nix… Also habe ich ein paar der abgeknickten Sonnenblumen gepflueckt (aus dem Schnee gebuddelt, eher so) und hoffe, dass die drinnen noch ein paar Tage sein koennen. Alle Tiere sind versorgt, der Ofen ist an, und ich habe Gemuetlichkeitsgedanken und -projekte im Kopf. Sofa… Vorhaenge… Beleuchtung… Mehr Teppiche… Vielleicht doch einen groesseren Bildschirm fuer die Krimis… Wintergedanken eben. Natuerlich kneife ich ein paar Augen feste zu, denn: im Honeyhouse stehen 4 Kisten Obst, die eingekocht oder sonstwie verarbeitet werden muessen, und gestern bekam ich einen Anruf von der Gaertnerei, wo ich Kohl, Zwiebeln und Tomaten fuer den Winter bestellt hatte. Das hole ich dann alles morgen ab, ebenso wie den Zucker, den die Bienen jetzt ganz dringend brauchen. Und ein Schwein soll auch noch in die Truhe. Es ist nicht so, dass die Arbeit ploetzlich aufhoert, aber fuer einen Moment, einen halben Tag, kann ich sie jetzt einfach mal ignorieren. Vielleicht gucke ich noch eine Folge „The Crown“, zum Beispiel… Ist doch auch sehr nett!

Und euch gebe ich noch ein paar Winterimpressionen, damit das Gejammere ueber den zu heissen, zu trockenen Sommer mal aufhoert 😉

IMG_3671IMG_3664IMG_3663IMG_3662

 

Fire Season – es brennt (in B.C.)

IMG_4016997EA093-1

Das sagt der Wetterbericht aktuell. Sonnig. Das stimmt nicht so ganz, und wenn man die Temperatur anschaut, koennte man schon ans Nachdenken kommen. Schliesslich ist, wie ich im letzten Eintrag beschrieb, Hochsommer. Aber das ist auch die Waldbrandsaison, und der orange-farbene Balken, der auf eine Info zur Luftqualitaet hinweist, der erklaert dann so in etwas, was los ist. British Columbia brennt so wild wie noch nie, wenn auch noch nicht auf soviel Flaeche wie im letzten Jahr.

img_b45f639a1680-1.jpeg

Wir sind, glaube ich, ein Stueckchen links vom Schriftzug Alberta auf der Karte, und der Rauch zieht schon seit Tagen ueber uns hinweg bzw. durch unsere Waelder. Das sieht dann heute, wirklich extrem, so aus.

IMG_3571IMG_3575IMG_3576IMG_3577IMG_3580

Das erste Foto ist von 11:42, da sieht man die Sonne winzig und orange getoent. Das letzte ist von 14:21, da war die Sonne schon lange unsichtbar, und draussen konnte ich fast nur noch raten, wo ich war. Inzwischen ist es wieder etwas heller, aber das kann sich offensichtlich je nach Bewegung der Rauchwolken und Luftschichten ganz schnell aendern. Gereon berichtet aus Valleyview, dass bei ihm schon eine ganze Zeitlang Nacht ist und keine Aenderung am Horizont zu erkennen. Zum Glueck scheint der wirklich verdunkelnde Rauch in hoeheren Luftschichten zu schweben, so dass die Luftqualitaet auszuhalten ist. Und zum Glueck brennt es bei uns nicht auch noch.

Das Licht ist merkwuerdig gelb. Die Tiere sind still. Die Moskitos benehmen sich, leider,  wie in der Daemmerung, das waere nun nicht auch noch noetig. Die Bienen – und das ist das bedauerlichste im Moment – fliegen nicht. Die Bedingungen waeren eigentlich ideal, denn wir hatten ausreichend Niederschlag, der Klee blueht wie bloede, und ueber dem Rauch scheint ja praechtig die Sonne. Doch fuer die Bienen ist Nacht, ohne Sonne geht nix, und so wurde die heutige Honigernte abgesagt. Ob es morgen was wird, ist die grosse Frage. Jetzt wird uns eine Besserung der Lage ab morgen nachmittag in Aussicht gestellt, aber das koennte auch Wunschdenken sein. Ich glaub, ich geh ins Bett.

Esel-Erfolge. Gefluegel-Dramen.

IMG_3315

Mehr Ausrede brauche ich nicht, um jetzt zu schreiben. Die Tiere sind versorgt, der Ofen knistert, der Generator muss leider laufen, weil: Das Wetter ist aeusserst bescheiden. Hitze ist ja doof, aber immer nasse Jeans bis an die Knie ist auch nicht so prickelnd. Also erstmal lecker fruehstuecken. Und dabei erzaehle ich euch von meinem tapferen Hugo. So ein guter Junge!

Man muss sich vielleicht noch einmal vor Augen fuehren, dass Esel in der Steppe heimisch sind, im Mittleren Osten bzw. Nordafrika, wo es eher trocken, eher heiss, eher steinig ist. Sie sind jedoch offensichtlich sehr anpassungfaehig, wenn auch nicht immer gluecklich damit. Gestern also beschloss ich, ein wenig leichtfertig, wie sich nach kurzer Zeit herausstellte, dass Hugo uns zur Wildkamera begleiten sollte. Seit er von seiner Mutter getrennt und zwangsweise mit den Lamas vergesellschaftet wurde, neigt er ein bisschen zur Niedergeschlagenheit, und ich wollte ihm Abwechslung und Herausforderung bieten – das soll ja fuer die jungen Leute gut sein. Wie ein Hund, der das Geraeusch der Leine, wie sie vom Haken genommen wird, kennt und sofort kommt, so marschiert auch Hugo von wo immer herbei, wenn ich das Halfter in die Hand nehme. Chef vorneweg, Hugo und ich hinterher, zogen wir los. Leider habe ich keine Fotos von meinem kleinen tapferen Eselchen, wie es die erste (und einzige!) Bruecke meistert. Ich bin so stolz auf ihn! Nur dreimal sind ihm seine immer noch kleinen Huefchen zwischen die Bohlen geraten, dann hatte er es gelernt. Erst an der dritten wirklich sehr waessrigen Stelle wollte ich aufgeben, weil er so lange ueberlegen musste und sich bitten liess, waehrend ich von Moskitos foermlich aufgefressen wurde. Aber der Chef schlug vor, ueber den Biberdamm zu gehen. Und als kein Wasser vor seinen Fuessen zu sehen war, liess sich der tapfere Hugo dazu tatsaechlich ueberreden. Das kleine Filmchen zeigt eine weitere Wasserueberquerung, diesmal mit Schmackes! Es war eine bemerkenswerte kleine Wanderung!

Auf der anderen Seite diese Puten! Vor einiger Zeit hatte ich ja von den fuenf Neuzugaengen berichtet, zwei Haehne, drei Hennen. Sie haben sich tatsaechlich prima eingelebt, viel besser als erwartet. Ihr Brieftaubenverhalten haben sie voellig abgelegt, das ist gut. Die 18 Eier, die ich unter Huehnerhennen geparkt hatte, sind leider nix geworden. Zwei mutig geoeffnete Eier zeigten (aus der geruchssicheren Ferne) einen kleinen Embryo und in dem anderen Ei nur undefinierbare Plempe. War also nix. ABER: die drei Damen verschwanden kurz hintereinander alle im Busch, um sich nur selten und kurz zum Fressen wieder blicken zu lassen. Ich notierte mir die Daten. Eine kam nach 14 Tagen wieder, ohne Kueken. Die naechste kam am 28. Juni wieder – mit sieben Kueken! Sie geriet allerdings direkt in eine taetliche Auseinandersetzung mit der Kollegin. Das sah ich vom Fenster, als ich noch keine Kueken erkennen konnte. Ich raste raus, mit Butterbrot in der Hand, wie das so meine Art ist, und entdeckte erst eins, dann noch eins und noch ein Kueken, und dann wurde mir klar, dass um mich herum potentiell ueberall kleine Fluffbaelle sein koennten. Still stehen, nachdenken… Mein Fruehstueck wollte ich nicht aufgeben, aber mit nur einer Hand fluechtige Kueken einfangen, das sah ich auch nicht. Also rein, Fruehstueck abgelegt, Kiste geschnappt, auf Kuekenfang. Inzwischen war die Henne wieder Richtung Busch unterwegs mit ihrer Mini-Bande! Ich fand sechs Stueck, aber mir fehlte ein schwarzes, das ich definitiv gesehen hatte. Erstmal alle in den Stall, mit aufgeregt folgender Henne, dann wieder raus, weiter gesucht – fuendig geworden! Im Stall, den ich sehr provisorisch vorbereitet hatte mit einer Abtrennung fuer Mutter und Kinder, war die Henne so derart panisch, dass ich um die Kueken fuerchten musste, und ausserdem war es super-usselig und kuehl. Ergo alle wieder eingepackt, im Haus auf eine Waermflasche gesetzt, dann alle verfuegbaren Verlaengerungskabel aneinander gesteckt (das darf man gar nicht verraten, eigentlich) und eine Waermelampe aufgehaengt. 250 W Dauerleistung, geht nur mit Generator und ist demnach ein Unding, aber fuer die Kueken…. Nachdem die Lampe brannte, die Temperatur darunter in Ordnung und die Kuekenschar aufgewaermt war, schleppte ich alle wieder runter, setzte sie unter die Lampe – und sie liefen sofortissimo zu ihrer Mama, die sich dann – endlich, endlich – auch beruhigte und ordnungsgemaess die Brut unter ihre Fittiche nahm. Es erfolgte ein tiefes Ausatmen meinerseits.

Seitdem pilgere ich alle paar Stunden zu den Puten, um zu zaehlen und Zustaende zu pruefen. In Deutschland habe ich ja erlebt, wie schnell die von lebendig zu ganz tot koennen. Gestern, sowieso ein eher schwieriger Tag, geriet zweimal ein Kueken aus der Abtrennung. Diese Mini-Teile kuehlen ganz schnell aus und liegen dann leblos in den Ecken. Zweimal also hatte ich ein Kueken im Hemd, den Gatten mit der Bereitstellung einer Waermflasche beauftragt, und wickelte Nestchen aus einem Handtuch. Zweimal klappte es wie ein kleines Wunder: Waerme fuer eine gute Stunde, und ein rasselnd atmendes Pruttelchen mit geschlossenen Augen und haengendem Koepfchen verwandelt sich wieder in ein piepsendes, flitzendes Federbaellchen. Ich habe versucht, die Ausbruchsluecken zu finden und zu stopfen, und trotzdem fand ich heute morgen wieder eines ausserhalb der Einkastelung, diesmal wirklich ganz tot.

Diese Kueken-Dramen gehen mir jedes Jahr nahe. Immer, wenn ich so ein kleines Wesen in der Hand halte und den Mini-Schnabel auf meiner Haut spuere, das Klicken und das Rasseln hoere, dann habe ich ein Deja-Vu. Ich weiss gar nicht, wie oft ich das schon gemacht habe, mit allen moeglichen Federtieren, meist mit weniger Erfolg. Jedes Jahr wieder, und jedes Jahr habe ich die Hoffnung, dass man die Tierchen retten kann. Puten sind – aehnlich wie Esel – nicht von hier. Sie haben es auch lieber waermer und vor allen Dingen trockener. Da frage ich mich heute ganz besonders, ob wir so einen Versuch ueberhaupt haetten starten sollen, mit einer Naturaufzucht. Denn: Die dritte, erfahrene Henne sitzt noch irgendwo draussen, und naechsten Sonntag muessten die Kueken schluepfen. Es kann gut sein, dass sie bei dem Regen inzwischen auf einer Insel sitzt. Aber selbst, wenn das nicht der Fall ist, sehe ich gar nicht, wie sie bei diesem Wetter die Winzlinge trocken bis zum Haus bringen will. Naechste Tragoedien sind vorprogrammiert…

Die aktuellen Kueken aber habe ich heute neu eingekastelt, die Mutter damit einmal mehr voellig aus der Fassung gebracht, doch bei der letzten Kontrolle sassen alle ordnungsgemaess in der Ecke, Mutter auf Kindern.

Durchweg erfreulich allerdings war die Ausbeute von der Wildkamera gestern, auch wenn ich leider die besten Bilder versehentlich nicht kopiert, sondern geloescht habe.

lynx2018

Diesen oder einen anderen Luchs sahen wir auch voriges Jahr schon. Am besten gefallen mir immer diese immensen Hinterfuesse!

Dann aber zeigte sich das fuer mich bisher erfreulichste Tier (weil es schoene Toene macht, und mich weder beissen noch stechen noch ueberhaupt potentiell aufessen will), und bei genauem Hinsehen hat es auch Nachwuchs bei sich.

sandhillcrane2018

Gehoert hatte ich die Sandhill Cranes in letzter Zeit oft im Nordwesten, hatte auch schonmal ueberlegt, ob sie wohl in unserer Naehe sein koennten, aber dieses Foto, mit einem so kleinen Kueken, belegt ziemlich klar, dass sie in der Tat bei uns auf dem Land, ganz in der Naehe der Kamera brueten. Wie ich mich darueber freue!

 

 

Manche pumpen Eisen…

… wir Holz. Brennholz (Brandholz, sagt der Chef.) Weil der Winter lang, kalt und schneereich war und dann entsprechend viel Feuchtigkeit ueberall, kam der Chef im Januar, Februar, Maerz nicht zum Holzmachen. Und dann war zu allem Ueberfluss auch ich noch ab Januar da und wollte nicht frieren, dafuer aber kochen und backen. Die Holzschuppen leerten sich mit Schwung, und jetzt koche ich auf den letzten Stoeckchen – es wurde also allerhoechste Eisenbahn. Wie so einiges andere auch, ist die Gewinnung von Brennholz manchmal ein heikles Thema. Ich befuerworte die Verwendung von bereits toten oder sterbenden Baeumen, gern auch Aspe oder Schwarzpappel, der Herr Chef sagt, das kann ich dann bitte allein machen, das haelt er fuer Quark, weil der Heizwert geringer, der Ascheanfall hoeher und ueberhaupt das nicht sein Ding ist. Er will Birke. Oder fuer Sonderzwecke (anstochen, raeuchern) Weide. Der Kompromiss sind die toten oder sterbenden Birken. Neulich die hinterm Dugout. Etwas anspruchsvoller, was die Erreichbarkeit angeht. Das sieht dann so aus.

IMG_3225

Da liegt die Birke. War so halbtot, ist also mindestens noch halbschwer. Der Chef saegt sie in „passende“ Stuecke, d.h. passend fuer den Holzspalter.

IMG_3226

Die Schubkarre steht ein wenig hangaufwaerts – einfach waere ja langweilig. Es ist da aber auch wirklich nicht anders zu loesen, glaube ich. Der Transport per Schubkarre geht buchstaeblich ueber Stock und Stein bis zu dem roten Anhaengerlein am Teich. Zu ueberqueren ist dabei diese Luxusbruecke. (Ich hatte uebrigens auch, halb ernst, angeregt, die ganzen Staemme ueber den Teich zu floessen… abgelehnt. Waere bestimmt lustig gewesen…)

IMG_3227

Erstaunlicherweise sind wir keinmal vom Brettchen gefallen.

Angekommen.

IMG_3224

Der Hund will uebrigens nicht helfen, sondern bewacht den Elchschaedel, der da im Hintergrund mal wieder einweicht. Irgendwie haben die beiden, Chef und Hund, die Besitzverhaeltnisse nicht so ganz klar.

Das Haengerchen wird befuellt bis an den – schon arg demolierten – Rand, und dann zieht, noch, das Quad. Ich traeume ich ja von einer Zukunft mit ES = Eselstaerken…

Bisher haben wir jede Wagenladung sofort gespalten. Auf dem vom Chef selbst gebauten Spalter, den ich anfangs fuer ein Weichei-Geraet hielt – schliesslich gibt es schoene Spaltaexte. Inzwischen aber weiss ich das Ding sehr zu schaetzen, ich gebe es zu. Und weil es in Heavy-Duty-Hoentgesberg-Bauweise zusammengestellt ist, viertelt es richtig dicke Kloetze ohne Murren. Und beeindruckt mich damit durchaus.

Gestern allerdings haben wir die „mundgerechten“ Stuecke erstmal gesammelt, weil Gewitter angekuendigt war. Der erste kleinere Schuppen ist voll, beruhigend. Die anderen beiden sind aber groesser und muessen beide noch voll werden.

IMG_3233

Die gestern geernteten Kloetze stehen jetzt am naechsten zu befuellenden Holzschuppen und warten auf Weiterverarbeitung.

IMG_3235

So 20 bis 25 dicke, habe ich gezaehlt. Und einige kleinere, die sind einfach. Bei den schweren hatte ich wirklich zu kaempfen, und die dicksten habe ich dem Chef ueberlassen. Mein Wunsch nach Halbierung dieser Oemmeser wurde als „unwirtschaftlich“ abgelehnt. Ich musste dann heute mal so einen mittelgrossen Klotz wiegen, rechts im Foto steht er auf der Personenwaage.

IMG_3231

Den duerfte ich so gerade noch als Gepaeckstueck fuer den Flieger aufgeben… wenn er keine Rinde haette… (oben auf der Skala lbs, unten kg). Kein Wunder, dass ich mich heute wie nach 3 Stunden Fitness-Studio fuehle. Jedenfalls stelle ich mir das so vor. Es liegen aber immer noch Baeume hinterm Dugout. Ich glaube, ich backe erstmal Brot.

Und noch ein Luxus!

IMG_3197So naemlich verbrachte ich gestern mein Innuengerchen (fuer nicht Initiierte: den Mittagsschlaf). In der neuen Haengematte. Mit Moskitonetz. The bee’s knees! The cat’s meow! Die beste Erfindung seit geschnittenem Brot (was ich wirklich nicht brauche). Voriges Jahr brachte unsere Helferin Michal mich auf die Idee, ich hatte gar nicht geahnt, dass das so genannte „Hammocking“ (haengematten as Tu-Wort, wie merkwuerdig) ein „Ding“ ist. Ist es aber. Und weil ich meine ganz untrendige Haengematte in Deutschland so sehr gern mag, bin ich im Internet eine Weile lang um die Angebote herumgeschlichen, habe recherchiert und auch ein bisschen verglichen und mir dann eine bestellt. Mit Moskitonetz, wie erwaehnt. Ebenfalls mit Regenplane. Und doppelt gross, demzufolge auch doppelt stabil. Das war mir wichtig *raeusper*.

Meine liebsten Aspen tragen mich und machen noch Gemuetlichkeits-Wisper-Geraeusche dazu, draussen brausen die Moskitos, drinnen liege ich muckelig, auf einem Schaffell von den guten Schu-Dew’s, und gucke in die Baumkronen und in den blauen Himmel. Und betrachte meine wieder ueber-zivilisierten Zehennaegel. Mit Glitzer. Was fuer ein Luxus!

IMG_3201IMG_3202

Und hier das ganze in bewegten Bildern – hach!