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Das Wetter, der Luxus und der Besuch

So, da hatte ich das gestern alles geschrieben – und dann nicht veroeffentlicht. Das Wetter ist naemlich wieder prima. Und die Veroeffentlichung erfolgt jetzt, unredigiert.

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Das Wetter ist nicht immer noch, aber wieder etwas blah. Neulich hatten wir sogar einen kleinen Nachtfrost, den meine ausgepflanzten Tomaten aber zum Glueck lebend und unbeschadet ueberstanden haben.

Jetzt troepfelt es, der Himmel ist bedeckt, die Temperatur einstellig und somit ofen-faehig.

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Der Garten ist bisher kaum erwaehnenswert, vielleicht bis auf den Rhabarber, der dieses Jahr brav mitspielt. Ansonsten herrscht das uebliche Chaos, und es ist kaum zu glauben, dass aller Wahrscheinlichkeit nach so im August dort eine Menge Essbares waechst und geerntet werden kann. Ich hatte in den vergangenen Tagen nicht wirklich Zeit, die restlichen Pflanzen bzw. Samen in die Erde zu bringen, denn schon letztes Wochenende war Besuch. Kathrin S. kam aus Wembley angereist, hilfswillig und Stille suchend. Und so hat sie Ikea-Schraenkchen zusammengeschraubt, die Porch gereinigt, alles schoen angeordnet, um es vorgestern alles wieder ruinieren zu lassen, aber das kommt spaeter. Zwischendurch gab’s Stille und Ruhe fuer alle 🙂 Geholfen hat sie auch – und hier kommen wir zum ersten Luxus – beim Einbau unseres neuen Nordfensters.

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Das Foto gibt, wegen Wetter, wirklich in keiner Weise den deutlich erhoehten Fensterstandard wieder, den wir jetzt geniessen. Das alte Fenster fing weiter oben kann, also jetzt mehr Aussicht. Ausserdem war die Isolierverglasung undicht, also immer bewoelkt, und es liess sich nicht oeffnen. Jetzt dagegen: ein sauberes, zu oeffnendes, mit einem intakten Moskitogitter versehenes groesseres Fenster – einfach wunderbar!

Weil sich Freundin MJ aus Vernon angekuendigt hatte, war ich sehr begeistert, dass der Einbau schon mal glatt vonstatten gegangen und die Fensterbank und der angrenzende Tisch einigermassen aufgeraeumt waren. Die restlichen Fenster aber sahen immer noch so aus, wie sie halt so sind nach XY Monaten des Nicht-Geputzt-Werdens (und „Monate“ schreibe ich hier nur, um mich nicht so ganz direkt zu outen… meine arme Mutter bekaeme sofort Ausschlag, wenn sie wuesste, was hier mit den Fenstern nicht passiert.) Also erwarb ich eine frische Flasche Windex in der Stadt (weil ich sowieso den naechsten Luxus abholen musste, siehe weiter unten) und putzte zumindest alle Fenster im Untergeschoss. Der Unterschied ist unglaublich – es lohnt sich wirklich, Fenster mal richtig lange nicht zu putzen, um sich dann fuer wenig Geld und relativ wenig Arbeit wie in einem neuen Haus zu fuehlen. Es ist das reinste Spiegelkabinett!

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Und dann – naechster Luxus – rief am Fensterputztag noch der Chef von der Arbeit an: Der Kuehlschrank ist angeliefert! Den hatte ich naemlich kurzer Hand bestellt, nach nur kurzer, leichtfertig geaeusserter und moeglicherweise etwas vager Zustimmung des Herrn Chef. Aber so mach ich das jetzt! Ueber das gemeinsame Abladen eines voellig grifflosen, hohen, unhandlichen Kuehlschranks (mit grossem Gefrierfach) von der Pritsche eines nicht niedrigen Trucks will ich ueberwiegend schweigen, der Chef und ich stossen da manchmal auf extreme Kommunikationsprobleme. Die Essenz ist: in Erinnerung an meinen Vater schlug ich den Einsatz einer Sackkarre (und der vorhandenen Quad-Ladeschienen) vor, der genehmigt wurde und dann auch sehr erfolgreich war. Da siehste mal.

Dann kam der Moment, in dem Kathrins durchdachte Anordnung von Schraenkchen und Garderobenhaken Makulatur wurde, alles wieder in grosses Chaos gestuerzt wurde, incl. Kuechen- und Essbereich (der Rest war und ist sowieso immer noch sehr unsortiert), aber dann stand sie da, die himmlische 12-Volt-Luxus-Kuehl-/Gefrierkombi. Fluesterleise. Sauber! Vom Chef korrekt angeschlossen, daher voll funktionsfaehig. Mit Beleuchtung. Gemuesefach. Ich bin hin und futsch und koennte den ganzen Tag Tuer-auf-Tuer-zu-spielen – aber das waere natuerlich kontraproduktiv.

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Im Winter wird er dann uebrigens ins Haus ziehen, der gute Schrank. Aber da ist im Moment noch kein Platz, wegen der Batterien, die „eigentlich“ schon letztes Jahr ins Honeyhouse haetten umziehen sollen, was aber noch nicht ging, weil da noch Bauarbeiten noetig sind, die aber noch nicht moeglich waren, weil vorher… – das sind so die ueblichen Probleme hier. Ich gewoehne mich wieder langsam dran. Denn gefuehlt, gefuehlt ist gerade Luxus.

Zur Erinnerung vielleicht nochmal: Wir hatten vor Jahren einen kleinen Wohnwagen-Kuehlschrank von unseren leider vor einiger Zeit schon verstorbenen Freunden Chris und David geschenkt bekommen. Der lief eine ganze Zeit, wie er sollte, mit Propan oder Strom. Aber irgendwann wurde was falsch angeschlossen, er stieg aus und wurde nie repariert. Seit mehreren Jahren erfolgte die Kuehlung in diesem kleinen Geraet dann ueber in der Truhe gefrorene Kuehlakkus, die ich taeglich austauschen musste. Laestig, nicht wirklich zuverlaessig und auch fies, weil die beim Auftauen immer nass wurden. Ich kann das kleine Ding jetzt gut gehen lassen, wirklich.

Alma findet, der Dreck von den Sackkarren-Raedern wird ihre Mineraldosis fuer heute. Bye-bye, kleiner Kuehlschrank, du hast deinen Dienst getan.

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Als MJ gestern ankam, war alles wieder sortiert, der Kuehlschrank kuehl und eingeraeumt, das Essen vorbereitet und ich entspannt. Ich sagte oefter so Saetze wie: Der Wein ist im Kuehlschrank. Oder: Ich stell das schnell in den Kuehlschrank. Und musste gar nicht zucken, wenn jemand anderes den Kuehlschrank oeffnete, weil: sauber, hell und wundervoll!

Heute morgen, weil es gestern so schoen funktioniert hatte, gab ich mich ans Aufraeumen des Obergeschosses. Und entdeckte dabei (unter anderem…) ein paar alte Papiere, aus 2004.

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Meine allerersten Lohnzettel! Wie man sehen kann, arbeitete ich zuerst fuer 11 (Bueroangestellte in der Kuechenfabrik), dann fuer 10 (Honeyhouse-Helferin in der Imkerei) und schliesslich fuer 8 Dollar die Stunde, letzteres als Buechereiangestellte, bezahlt von der Stadt. Aber bis auf den ersten Job hat alles grossen Spass gemacht. Und wir hatten so wenig Geld damals, dass jeder Dollar zaehlte.

Viel Geld haben wir nach wie vor nicht, aber wir haben uns so langsam vorwaerts gearbeitet, und mit dem Miele, dem Fenster und dem Kuehlschrank habe ich dieses Jahr den Jackpot geknackt, wie meine Nachbarin sagt. Hach, der Miele… Ich erzaehl jetzt nicht, wie wundervoll wir gestern zusammen gearbeitet haben…

In Anbetracht all dieser luxurioesen Entwicklungen sitze ich jetzt also hier drinnen, bei Nieselregen, mit annenem Ofen, und geniesse mein Luxusfruehstueck, Obst, Haferflocken und Joghurt aus dem Kuehlschrank. Ihr koennt gern darueber spekulieren, warum der Joghurt KREMA heisst 😉

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Und ja, das Gemuesefach duerfte ruhig doppelt so gross sein… aber alles ist gut.

Spaeter oder morgen oder irgendwann gibt’s vielleicht Fotos von noch einem Luxus.

1 mm Niederschlag, 55% Wahrscheinlichkeit

Das war die Wettervorhersage fuer heute. Wolkig sollte es auch sein. Kaum zu glauben nach gestern.

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Da schien allerdings schon die Sonne um die Ecke auf’s Thermometer.

Heute morgen tatsaechlich eine andere Sonne.

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Aber wenigstens war es etwas kuehler, und meine fruehe Gartenzeit war recht moskitoarm. Der Chef hatte sich freigenommen und fing an, tote Baeume abzusaegen. Wir haben naemlich laut seiner Aussage noch nie soviel Brennholz verbraucht wie im letzten Winter. Und sind jetzt fast „aus“. Das geht gar nicht.

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Umfallende Baeume machen mich immer traurig. Diese waren zwar schon hinne, aber nur wegen uns. Birken sind scheinbar hier super empfindlich gegen Eingriffe in ihre Umgebung. Wenn man ihnen den Fluff von den Fuessen nimmt, wollen sie sterben. Sag ich mal so laienhaft, wahrscheinlich ist das nicht ganz korrekt.

Ich bastelte derweil Beize fuer Putenbrust. Bin gespannt. Morgen geht’s damit weiter.

Der kleine Hund betrachtet die Chef’schen merkwuerdigen Elchschaedel-Einweich-Konstruktionen. „Das gehoert da nicht hin!“ Ich konnte ihn foermlich denken sehen…

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Ich fand ueberall diese entzueckenden kleinen Veilchen.

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Derweil wurde es im Osten dunkler, es fing an zu grummeln, und dann oeffnete der Himmel seine Schleusen.

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Von wegen 1 mm – im Hundenapf waren eben mindestens 2 cm, brutto. Und leider lief es – nie dagewesen – auf dem Ostbalkon unter der Tuer her ins Haus. Grosser Spass! Gut, dass ich gerade oben war und mit dicken Bett- und Handtuechern direkt Barrieren bauen konnte.

Ebenso schnell, wie das Unwetter kam, verschwand es dann auch wieder. Auroras erste grosse Waesche. Ich glaube, sie ist ein bisschen eingelaufen, teilweise. Die Ohren aber haben offensichtlich Superwash-Ausruestung, und ihr Frohsinn hat auch nicht gelitten, im Gegenteil. Sie war huepfiger denn je.

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So eine kleine Abkuehlung hat uns allen gut getan, Aurora knattert ueber den Hof, die Muetter waelzen sich im nassen „Staub“, wahrscheinlich gegen Moskitos, Hugo hat sich wieder beruhigt, und die Welt sieht frisch gewaschen und irgendwie gruener aus.

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Den Garten haette ich wirklich nicht giessen muessen…

 

 

 

 

 

 

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Team Nadja

War mal Schnee? Kann mich gar nicht erinnern…

Vermutlich war es in vielen Fruehjahren so, aber diesmal kommt mir der Uebergang vom Winter (tief) zum Sommer (heiss) extrem zackig vor. Fruehling dauert etwa 3 Wochen. Und na ja, heiss ist immer relativ, bei mir faengt es je nach Tagesform bei plus 15 Grad an. Fuer heute jedoch sind 26 Grad gemeldet, und da wird meine rot markierte Obergrenze deutlich ueberschritten. Ich sitze auf der frueheren Jurtenplattform, im Schatten, mit Blick auf den gruenenden Wald und mit Vogel- und Froschgesang im Ohr. Und fruehstuecke lecker und ausgiebig, mehr so eine Frueh-Mittag-Kombo. Das habe ich mir verdient.

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Nadja und ich waren naemlich schon echt fleissig, gestern und heute. Beete getillert, Kompost umgearbeitet. Das haben Nadja und ich im Team erledigt, laut und stinkig, aber effizient. Das wirklich schweisstreibende waren die vielen Schubkarren Kompost, die ich dann auf die Beete gefahren habe. Die sind das Fruehstueck wert.

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Jetzt muessen Nadja und ich nochmal ran, einarbeiten, und dann kann gesaet werden. Die Hochbeete brauchen auch noch Kompost. Unkrautarm sind sie ueberwiegend schon, das ist immer Handarbeit. In den Kaesten muss ich besonders vorsichtig sein, weil sich Selbstaussaeer finden. Salat ist zum Beispiel sehr zuverlaessig. Und es gibt viele ueberwinterte Pastinaken. Auf die bin ich mal gespannt.

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Von Schnee zur ersten Rhaberberernte in circa 3 Wochen. Alberta eben.

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Auch ausserhalb des Gartens hat alles Fahrt aufgenommen. Die ersten Froesche hoerten wir ja schon, als noch ordentlich Eis im Dugout schwamm. Jetzt sind die Konzerte vielstimmig und richtig laut. Es ist so eine Art Saengerwettstreit zwischen Wood Frogs, Boreal Chorus Frogs (das sind die, die auf dem Kamm rumratschen) und Kroeten (die singen am schoensten). Eben fand ich den erwarteten Laich.

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Und natuerlich erscheinen wie aus dem Nichts um diese Mai-Zeit immer die Ranunkelbluemchen, die Sumpfdotterblumen, in Mengen.

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Dieses Jahr habe ich mir aber auch – mit Muttertag als Ausrede – frueh genug eine Blume fuer vor’s Kuechenfenster gegoennt.

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Und, mit derselben Ausrede, einen lang gehegten Wunsch erfuellt 🙂

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Ein anderer Wunsch (ich habe, glaube ich, immer viel zu viele) wurde bereits (ueber)erfuellt. Nachdem wir die Monster-Riesenputen vom letzten Jahr alle geschlachtet hatten, fehlte mir richtig was. Ich sagte mehrfach zum Herrn Chef, dass so ein Putenpaerchen, das sich normal vermehren und auch seine Kinder selbst aufziehen kann, dafuer dann aber natuerlich deutlich kleiner ist, mir gut in den Kram passen wuerde. Sind ja prima Gezieferjaeger und haben eine Vorliebe fuer Heuschrecken, von denen ich die ersten heute im Garten gesehen habe. Wie es der beruehmte Zufall wollte, hatte der Chef-Kollege (der, auf den ich wegen seines trojanischen Geschenkes von gleich zwei Pferden gar nicht so gut zu sprechen bin) Nachbarn, die genau solche Puten im Ueberfluss ums Haus und auch bis zum Chef-Kollegen laufen hatten. Der Herr Chef brachte dann, logisch eigentlich, nicht ein Paar, sondern drei Damen und zwei Herren mit. Hochfluechtig, deswegen schwer zu fotografieren. Puten-Maenner-Gesichter sind aber ja sowieso nicht jedermanns Favoriten 😉

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Angeblich handelt es sich um Kreuzungen aus Merriam’s Turkeys (der Wildform) und Royal Palm Puten (sehen aus wie Croellwitzer), aber ob das stimmt, weiss niemand wirklich. Sie sind jedenfalls hoechstens halb so gross wie die „Industrie“puten, dreimal so schnell, flugfaehig, und als wir sie nach einer knappen Woche aus Stall- bzw. Gehegehaft in die Freiheit entliessen, machten sie sich wie ferngesteuert in Richtung Westen auf, wo sie hergekommen waren (sie haetten allerdings so ca. 40 km nach Westen laufen muessen!). Mit zwei langen Aesten konnte ich sie auf der Strasse (!) umlenken und wieder einpferchen. Ich befuerchte, die sind wie Brieftauben… Aber: sie haben schon 14 Eier gelegt, fuenf davon parken unter einer Huehnerhenne, und falls da was schluepft und ueberlebt, wird dieser Nachwuchs wohl wissen, wo er hingehoert.

So. Mittagspause zuende. Jetzt gibt’s noch einen Brownie, und dann schmeisse ich Nadja wieder an. Der Winter kommt bestimmt, und vorher muss ich noch was Gemuese ernten…

Ich geb euch noch schnell meine Lieblingsaspen, die so schoen gruen sind und fuer mich ein bisschen im Wind rauschen.

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Fruehling, blaues Band, laue Luefte etc.

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Mit dem blauen Band klappt das prima, und jetzt kommen dann auch die lauen Luefte hinzu. Mit allen Konsequenzen. Der Dugout taut. Der erste Robin sitzt im Baum.  Robins sind hier wie Schwalben in Deutschland: Fruehlingsboten. Und wie das in Alberta so zu sein scheint, geht’s gleich im grossen Gang weiter. Schwaene fliegen ueber den Hof, Gaense auch, endlich, und vorgestern sogar ein Weisskopfseeadler. Mehr Robins entdeckte ich an der Strasse, und trotz Schnee flatterten gestern auch schon Schmetterlinge.

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Dieser Schmetterling suchte Wasser bzw mineralstoffreiche Fluessigkeit (naemlich praktisch Jauche!) – und da zeigt sich die Kehrseite des blauen Bandes. Die praesentiert sich in Abstufungen der hier sehr beliebten „Neutrals“, ueberwiegend schlammfarben. Der bisher so schoene Schnee verwandelt sich im Rubbeldikadetz in Wasser, und das wiederum verwandelt ebenso schnell und durchgreifend den Hof in eine Plempe-Wueste. Mit Spitzhacke, Schaufel (der Chef) und kleinen Stoeckchen (ich, grosser Spass!) versuchen wir, es in gewollte Bahnen zu lenken. Gummistiefel sind Pflicht. Wo noch viel Schnee liegt, ist er so weich, dass man sich jeden Schritt gut ueberlegen muss, um nicht immer noch bis ueber die Knie einzusinken.

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Um das Abtauen zu beschleunigen, graebt der Chef ein grosses, tiefes Loch auf der Nordseite hinterm Haus. Irgendwo am Grunde des Loches liegt naemlich das Geruest, das eigentlich schon letztes Jahr aufgebaut und von dem aus ein neues Fenster in die Nordwand eingebaut werden sollte. Jetzt soll es aber endlich werden!

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Hugo hatte am Montag einen schlechten Tag: Er ist jetzt 8 Monate alt, mit dem Fruehling kommen die Hormone, und so habe ich ihn von seiner Mama getrennt. Seitdem ist er schlecht gelaunt, verstaendlich. Mama Alma findet diese Trennung glaube ich gar nicht schlecht, sie verbringt viel Zeit mit sozialer Fellpflege mit ihrer Schwester/Freundin Luise und faellt nur selten in Hugos wiederholtes Jammergeschrei ein. Zum Ausgleich – und eher widerwillig – lernt Hugo jetzt Manieren. Jeden Tag habe ich ihn angebunden, seine Fuesse aufgehoben, saubergemacht, den ganzen Hugo ein bisschen abgeschrubbelt, und ihm dann ein paar Leckerchen im Eimer serviert. Erst bei diesem letzten Teil wird er enthusiastisch… Sozialverhalten uebt er mit den Lamas, ob er will oder nicht. Man kann da sehr interessante Studien zur Koerpersprache unter Tieren machen. Lamas sind wunderbare Studienobjekte, ihre Koerpersprache ist sehr klar, selbst fuer grummelige kleine Esel.

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Tja, und dann geht das Fruehlingsgedicht weiter. Auf laue Luefte reimen sich suesse Duefte, jedenfalls bei Herrn Moerike. Hier eher nicht. Ich sage nur: Mephitis mephitis!

Der kleine Hund kam gestern abend nach einer Bellorgie mit dem grossen Hund irgendwo im Wald zurueck und sah so aus.

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Koennte Wasser sein – war es aber nicht. Es gibt kein Geruchsinternet, und da braucht ihr jetzt mal nicht traurig zu sein. Der herbeigerufene Chef zog das Naeschen kraus und erkannte sofort klar: Skunk!

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Als wir anfangs in Kanada waren, galten Stinktiere hier im Norden als Seltenheit, doch das hat sich in den letzten Jahren geaendert. Ob das nun am Klimawandel oder an den schwindenden Waeldern und der fortschreitenden Erschliessung auch unserer Gegend liegt, habe ich nicht herausfinden koennen. Tatsache ist, dass sie da sind. Wir haben schon einige gesehen, auch in der Naehe, und die Nachbarn haben schon mehrere erlegt, denn: Was keine Kuh ist, ist der Feind! Aber Hinterland Who’s Who, wohin der zweite Link oben fuehrt, erklaert mir einleuchtend, dass Stinktiere auch sehr nuetzlich sind. Huebsch sind sie allemal, es ist eine Schande, dass sie nicht nur stinken, sondern auch Uebertraeger von Tollwut sind.

Der kleine Hund jedenfalls hat die Nacht im Exil vor der Haustuer verbracht, dort liegt er auch heute morgen noch und will den Kopf gar nicht heben, fast koennte man glauben, das Missgeschick sei ihm bewusst und er schaemt sich,. Angeblich hilft ein Bad in Tomatensaft…

 

Einmal Sueden und zurueck

Kurz nach Ostern stieg ich einmal mehr ins Flugzeug, um meine Freundin in Vernon, British Columbia zu besuchen. Als ich den Trip plante, mit all den Meilen, die ich gesammelt hatte und dann doch nicht vernuenftig in ein Business Class Ticket hatte umwandeln koennen, schwebten mir Sitzungen in Strassencafes vor. Doch je naeher meine Abreise kam, desto klarer wurde es, dass der Wetterbericht fuenf Tage Regen orakelte. Und so aehnlich war es dann auch. Das tat dem meisten Vergnuegen und dem so lange ueberfaelligen Nachholen von langen Gespraechen bei gutem Essen und zuviel Wein allerdings keinen Abbruch. Auch ein bisschen Yoga gab’s bei der netten Lehrerin, die da in den Seilen haengt, zu Demonstrationszwecken. Und eine kleine Wanderung am Kalamalka Lake entlang, an der Kekuli Bay. Ich schreibe das, weil ich die Namen so wundervoll finde! Mitgebracht habe ich mir Wolle aus dem entzueckenden Wollladen, in dem die Mitarbeiterinnen bei klassischer Musik ein wichtiges Arbeitsfruehstueck hatten, naemlich um Strickmuster auszuprobieren. Da will ich auch arbeiten! Und, so gar nicht noetig, hatte ich auch eine dicke Erkaeltung im Gepaeck. Der Sueden ist meiner Ansicht nach voellig ueberbewertet, mir war k-a-l-t!

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Gebt mir Schnee! Gebt mir blauen, also, ich meine, richtig blauen Himmel!

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Aaaah! Wuensche erfuellt. Mir ist warm, wer haette das gedacht? Und es sind weitere 15-20 cm Schnee in der Vorhersage. Das waere nun nicht noetig, aber ok, da machste nix. Auch sieht man auf dem ersten Schneebild, was ich fuer das neue Normal hielt, naemlich, dass ich jetzt nicht mehr im Schnee einsinke, die Schneeschuhe bleiben schoen obenauf. Der grosse Hund kann – mit absichtlich gespreizten Yoga-Zehchen – ebenfalls auf dem Schnee laufen. So dachten wir beide. Der Hund sackte schon vor mir ein paar Mal tief ein, aber ich dann kurz vorm Ziel so richtig, incl. Schneeschuhen, bis zur Huefte. Da fuehlt man sich ganz schoen bloed, denn es gibt nichts zum Abstuetzen. Jede noch so breit gespreizte Hand versinkt bis zur Achselhoehle. Ich weiss das, ich habe das ausprobiert. Also erstmal alle Reissverschluesse schliessen, damit weder Handy noch Brille noch sonst was wichtiges fuer immer oder zumindest bis zum Tauwetter im Schnee verschwinden. Und dann alle moeglichen merkwuerdigen Verrenkungen ausprobieren (leider, leider konnte ich das nicht fotografisch festhalten… ist auch besser so), bis man sich mit einer Hand an einem Ende eines Schneeschuhs buchstaeblich selbst aus der Tiefe ziehen kann. Inbegriffen sind ein prima Hueftoeffner sowie eine Rueckbeuge und eine Drehung – Yoga im Tiefschnee…

Jetzt werde ich noch ein bisschen meine Erkaeltung bei ihrer Abreise begleiten – ich las soeben einen Artikel ueber Shelf Care, und da ging es um nette Buecher, die wollen studiert werden.

Ostermorgen

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Sozusagen ein ganz normaler Fruehlingsmorgen in Alberta. Der Chef ist wieder zum Basteln in die Firma gefahren, und ich hatte mir einen stillen Vormittag vorgestellt, um Eiszapfen abzuschlagen, die bei aller Schoenheit ein wenig bedrohlich fuer die Photovoltaik werden.

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So schoen werden die, weil es nachts minus 30 und heute nur minus 28 war, tagsueber aber die Sonne schon mit viel Kraft scheint und aus Schnee Kunst macht. Ich hingegen mache aus Schnee wieder mal Kubikmeter Spuelwasser, weil wir am Karfreitag alles Wasser beim Putenschlachten gebraucht haben, gleichzeitig aber Helfer und Gaeste hatten und deswegen kein sauberes Geschirr mehr da ist. Heute muss es also passieren: sauberes Porzellan!

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Was fuer uns an Pute uebrig blieb, ist teilweise als Suppe in diesen Toepfen – sehr praktisch, dass man das jetzt ueber Nacht einfach draussen schockfrosten kann. Nicht so praktisch, dass ich die Kaelte unterschaetzt und mein Gemuese zu dicht an der Tuer gelagert hatte – Paprika-Eis! Die Bruststuecke und die Schenkel liegen in Lake und werden geraeuchert. Aber ich will solche Puten nicht mehr, das ist ja schrecklich. Die werden so gross und schwer, dass sie gar nicht anders als gehbehindert sein koennen. Wenn ueberhaupt, dann gibt’s nur noch welche in einer sinnvollen Groesse.

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Wie ihr seht, hatte ich also hehre Plaene, und eigentlich wollte ich auch was Poetisches ueber den Winter schreiben und darueber, wie schoen ich das alles finde – aber dann kam der Nachbar, der eigentlich gestern abend schon Eier abholen wollte. Der ist Junggeselle und hat 300+ Schafe und ca. 100+ Kuehe. Da ist schon von allein Chaos vorprogrammiert, aber verstaerkt durch seine Neigung zu krausen Arbeitszeiten und seinem voelligen Desinteresse am Haushalt wird alles noch extremer. Wir haben erstmal zusammen gefruehstueckt, Haferpamps. Anstaendiges Essen ist fuer Diabetiker wichtig. Und dabei haben wir uns unterhalten darueber, dass wir, er und ich, niemals ohne Tiere im Haus sein wollen. Bei ihm bedeutet das auch, dass er in der Kueche eine Ecke fuer Laemmer abgetrennt hat: Das ist ein Dreck, sagt er! Aber die muessen sich bewegen koennen, nur eine Waermelampe reicht nicht! Sagt er. Sein Auto ist immer voller Hunde, heute morgen war auch ein Lamm dabei, zum Aufwaermen. Unsere Nachbarin findet das alles kaum zum Aushalten, aber ich verstehe ihn. Beim Essen, als wir uns die fette Jerseymilch in Tee und Haferpamps kippten und ich ihm das Konzept von Fettaugen (hier gibt’s das Wort nicht!) auf Tee erklaerte, sprachen wir natuerlich auch ueber meinen Drang in Richtung Melktier. Und wie es der „Zufall“ will, hat er zwei Jerseykuehe, aber kaum Zeit zum Melken. Er bot mir einen Cow Share an. Da gucken wir dann mal. Betsy… Angeblich eine anstaendige Kuh ohne Hang zum Treten. Jetzt muss ich nur noch den Chef ueberzeugen, genug Gras finden, einen Zaun bauen, und dann koennte ich so im Mai Leih-Chefin einer Kuh mit evtl. zwei Kaelbern werden. Da sollte dann fuer uns noch genug uebrig bleiben. Er will natuerlich auch noch Milch fuer Laemmer, aber ich denke, im Mai muesste der Grossteil seines Nachwuchses schon gut auf den Beinen stehen, da sollte nicht mehr zuviel Bedarf sein. Betsy… mmmh. Mal schauen.

Na, jetzt ist es 11 Uhr durch und ich habe noch nicht einmal meine Tiere versorgt. Und keine Poesie verfasst. Egal. Ich geh jetzt raus, in den knirschenden Schnee, und fuettere die hungrigen Maeuler und Schnaebel und geniesse die Sonne und entferne die Eiszapfen – und euren Regen, den koennt ihr behalten!

Wieviele Beine hat ein Elch?

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Ich behaupte, dass wir die angekuendigten 30 cm Neuschnee schon haben – der Chef hat eine differenziertere Meinung (Wind, Lage, Sonne… pipapo). Jedenfalls ist es viel. Dennoch haben wir uns heute, weil er sich frei genommen hatte, auf den Weg zur Wildkamera gemacht. Die Ausbeute kann sich sehen lassen. Elche sind einfach wundervoll!

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Diese Mutter mit ihren halbstarken Kindern, wir vermuten Sohn und Tochter, war morgens um 9 lange da und kam dann gegen 18 Uhr zurueck fuer eine weitere Runde Gruppenkuscheln am Leckstein.

Vorher hatte sich noch dieser Nachbar ablichten lassen:

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