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Hochsommer!

Und schwupp! Schon wieder ein Monat rum. Den Titel vom letzten Monat haette ich fast rumdrehen koennen. Aurora b. kraenkelte naemlich ein bisschen, und sowas macht mir immer Sorge. Geschwollene Lymphknoten, ich fuerchtete Druse, aber sie scheint sich berappelt zu haben.

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Die Puten aber, die Puten – das ist ein interessantes Kapitel. Ganz kurz gesagt: Bis jetzt haben alle ueberlebt, bis auf diejenigen, die ich glaubte retten zu muessen. Gestern kam die dritte Henne aus ihrem Versteck, mit 4 winzigen Kinderchen. Diesmal habe ich nur tief Luft geholt und mich zurueckgehalten. Das Wetter ist perfekt fuer kleine Pruttels, warm, sonnig, kein Regen, nicht zuviel Tau. Und so arbeitet sich Frau Putenmutter langsam mit ihren Kindern vom Schlupfplatz, den ich nicht gefunden habe, in Richtung Huehner-/Putenstall vor. So hoffe ich jedenfalls. Gestern abend ist sie einfach wieder umgedreht und wandert heute wieder ganz langsam im dicksten Gestruepp herum mit ihren Zwergen. (Leider schaffe ich es nicht, ein vernuenftiges Video klar und senkrecht hochzuladen. Irgendwelche Tips?)

Die „alten“ Putenkinder sehen inzwischen schon richtig putig aus und wandern den ganzen Tag mit ihren Eltern durch die Gegend, gern auch mal auf die Strasse. Dabei unterhaelt man sich angeregt… Ich sperre sie nachts nicht mehr ein, sie fuehren jetzt ein wirklich wildes Leben, mit allen Freiheiten und Risiken, aber ich freue mich, wenn ich sie morgens um sechs schon unter meinem Fenster reden hoere.

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Wild ist das naechste Stichwort. Der Garten, wie eigentlich jedes Jahr, geht wieder ueber ins Dschungelstadium. Diesmal aber ein produktives. Nachdem der Start ein bisschen frustrierend war, sieht jetzt alles ziiiieeemlich prima aus. Ich muss nur beherzt reinklettern, dann kann ich ernten.

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Auf dem letzten Foto ist der Himmel von heute: Rauch ist in der Luft. Der fuer uns im Moment noch sehr gute Sommer hat anderswo natuerlich auch wieder zu Waldbraenden gefuehrt, und der Westwind bringt uns den Rauch. Aus Deutschland hoere ich auch allerhand Klagen ueber die Hitze und die Trockenheit – ich denke, wir haben es hier mal wieder recht gut getroffen. Ich habe noch kaum giessen muessen, und immer wieder mal gibt es einen kleinen Regen. Der Chef hofft auf eine prima Honigernte, denn nach dem nassen Fruehjahr blueht der Klee ueberall und ueppig.

Fast haette ich ja eine Jersey-(Leih-)Kuh bekommen.

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Eine wundernette kleine Jersey-Kuh, mit einem rehaeugigen Stierkaelbchen, ihrem ersten Kind. Sie kannte noch nichts vom Melken, benahm sich aber den Umstaenden entsprechend ausgezeichnet. Leider sind diese Umstaende aber meines Erachtens so „suboptimal“ und fuehrten dann auch bei meinem vierten Melkversuch, weder durch mich noch durch die Kuh verschuldet, zu einem haesslichen Unfall mit, wiederum meines Erachtens, fast toedlichem Ausgang fuer die Kuh, so dass ich die Brocken hingeschmissen habe. Schade, sehr schade, aber da hielten meine Nerven nicht durch. Aber ich glaube, ich bin angefixt. Es war soviel Sahne auf der Milch. Und die Kuh roch lecker… Und eigentlich melke ich gern, das habe ich wieder gemerkt. Und: ein Nachbar war Feuer und Flamme von der Idee einer Kuh und bot sofort an, er werde die Kuh gern uebernehmen, wenn wir mal weg wollten. Nicht, dass ich uns je zusammen mehr als einen Tag verreisen sehe, aber zu wissen, es waere moeglich, das ist schon schoen.

Die wahrscheinlich beste Entwicklung dieses Monats zum Schluss. Vor einigen Jahren schon hatte ich die „China-Rolle“ bestellt, eine Vorrichtung, mit der wir Wabenmuster auf Wachs praegen koennen und so unsere eigenen Mittelwaende fast wie am Fliessband herstellen. Also, fast… Diese nicht billige kleine Maschine stand lange nur herum, und ich hatte ihren Einsatz schon gar nicht mehr erwartet. Doch der Chef, der kommt dann irgendwann aus dem Quark und los geht’s. Es wurden noch mehr Draussen-Oefen gebaut und so allerhand Behaelter und Zeugs geschweisst und jetzt ist es soweit: Wir haben einen geschlossenen Wachskreislauf. Das bedeutet, dass wir nicht mehr mit den fiesen Plastik-Mittelwaenden arbeiten muessen, die man nicht aufbereiten kann, sondern, wenn sie verhunzt sind, in den Muell schmeissen muss. Vor allem aber bedeutet es, dass wir oefter unser Wachs reinigen koennen und so hoffentlich Krankheitsdruck fuer die Bienen verringern. Davon mal abgesehen, ist Wachs sowieso ein besonderer Stoff, riecht lecker und sieht, in unserem Fall jetzt, auch noch wunderschoen aus. Die Bilder zeigen, wie gereinigtes Wachs zuerst zu Platten gegossen wird, die dann durch die „Nudelmaschine“ gedreht, auf Mass abgeschnitten und schliesslich in die fertig gedrahteten Raehmchen eingeloetet werden. Hugo fuehrt die Oberaufsicht.

Grosser Spass! Und grosser Fortschritt!

Und jetzt pumpe ich Wasser fuer die Tiere und dann geht’s weiter mit den Erbsen. Draussen ist die Luft immer noch rauchig, aber auch voller Libellen.

 

Esel-Erfolge. Gefluegel-Dramen.

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Mehr Ausrede brauche ich nicht, um jetzt zu schreiben. Die Tiere sind versorgt, der Ofen knistert, der Generator muss leider laufen, weil: Das Wetter ist aeusserst bescheiden. Hitze ist ja doof, aber immer nasse Jeans bis an die Knie ist auch nicht so prickelnd. Also erstmal lecker fruehstuecken. Und dabei erzaehle ich euch von meinem tapferen Hugo. So ein guter Junge!

Man muss sich vielleicht noch einmal vor Augen fuehren, dass Esel in der Steppe heimisch sind, im Mittleren Osten bzw. Nordafrika, wo es eher trocken, eher heiss, eher steinig ist. Sie sind jedoch offensichtlich sehr anpassungfaehig, wenn auch nicht immer gluecklich damit. Gestern also beschloss ich, ein wenig leichtfertig, wie sich nach kurzer Zeit herausstellte, dass Hugo uns zur Wildkamera begleiten sollte. Seit er von seiner Mutter getrennt und zwangsweise mit den Lamas vergesellschaftet wurde, neigt er ein bisschen zur Niedergeschlagenheit, und ich wollte ihm Abwechslung und Herausforderung bieten – das soll ja fuer die jungen Leute gut sein. Wie ein Hund, der das Geraeusch der Leine, wie sie vom Haken genommen wird, kennt und sofort kommt, so marschiert auch Hugo von wo immer herbei, wenn ich das Halfter in die Hand nehme. Chef vorneweg, Hugo und ich hinterher, zogen wir los. Leider habe ich keine Fotos von meinem kleinen tapferen Eselchen, wie es die erste (und einzige!) Bruecke meistert. Ich bin so stolz auf ihn! Nur dreimal sind ihm seine immer noch kleinen Huefchen zwischen die Bohlen geraten, dann hatte er es gelernt. Erst an der dritten wirklich sehr waessrigen Stelle wollte ich aufgeben, weil er so lange ueberlegen musste und sich bitten liess, waehrend ich von Moskitos foermlich aufgefressen wurde. Aber der Chef schlug vor, ueber den Biberdamm zu gehen. Und als kein Wasser vor seinen Fuessen zu sehen war, liess sich der tapfere Hugo dazu tatsaechlich ueberreden. Das kleine Filmchen zeigt eine weitere Wasserueberquerung, diesmal mit Schmackes! Es war eine bemerkenswerte kleine Wanderung!

Auf der anderen Seite diese Puten! Vor einiger Zeit hatte ich ja von den fuenf Neuzugaengen berichtet, zwei Haehne, drei Hennen. Sie haben sich tatsaechlich prima eingelebt, viel besser als erwartet. Ihr Brieftaubenverhalten haben sie voellig abgelegt, das ist gut. Die 18 Eier, die ich unter Huehnerhennen geparkt hatte, sind leider nix geworden. Zwei mutig geoeffnete Eier zeigten (aus der geruchssicheren Ferne) einen kleinen Embryo und in dem anderen Ei nur undefinierbare Plempe. War also nix. ABER: die drei Damen verschwanden kurz hintereinander alle im Busch, um sich nur selten und kurz zum Fressen wieder blicken zu lassen. Ich notierte mir die Daten. Eine kam nach 14 Tagen wieder, ohne Kueken. Die naechste kam am 28. Juni wieder – mit sieben Kueken! Sie geriet allerdings direkt in eine taetliche Auseinandersetzung mit der Kollegin. Das sah ich vom Fenster, als ich noch keine Kueken erkennen konnte. Ich raste raus, mit Butterbrot in der Hand, wie das so meine Art ist, und entdeckte erst eins, dann noch eins und noch ein Kueken, und dann wurde mir klar, dass um mich herum potentiell ueberall kleine Fluffbaelle sein koennten. Still stehen, nachdenken… Mein Fruehstueck wollte ich nicht aufgeben, aber mit nur einer Hand fluechtige Kueken einfangen, das sah ich auch nicht. Also rein, Fruehstueck abgelegt, Kiste geschnappt, auf Kuekenfang. Inzwischen war die Henne wieder Richtung Busch unterwegs mit ihrer Mini-Bande! Ich fand sechs Stueck, aber mir fehlte ein schwarzes, das ich definitiv gesehen hatte. Erstmal alle in den Stall, mit aufgeregt folgender Henne, dann wieder raus, weiter gesucht – fuendig geworden! Im Stall, den ich sehr provisorisch vorbereitet hatte mit einer Abtrennung fuer Mutter und Kinder, war die Henne so derart panisch, dass ich um die Kueken fuerchten musste, und ausserdem war es super-usselig und kuehl. Ergo alle wieder eingepackt, im Haus auf eine Waermflasche gesetzt, dann alle verfuegbaren Verlaengerungskabel aneinander gesteckt (das darf man gar nicht verraten, eigentlich) und eine Waermelampe aufgehaengt. 250 W Dauerleistung, geht nur mit Generator und ist demnach ein Unding, aber fuer die Kueken…. Nachdem die Lampe brannte, die Temperatur darunter in Ordnung und die Kuekenschar aufgewaermt war, schleppte ich alle wieder runter, setzte sie unter die Lampe – und sie liefen sofortissimo zu ihrer Mama, die sich dann – endlich, endlich – auch beruhigte und ordnungsgemaess die Brut unter ihre Fittiche nahm. Es erfolgte ein tiefes Ausatmen meinerseits.

Seitdem pilgere ich alle paar Stunden zu den Puten, um zu zaehlen und Zustaende zu pruefen. In Deutschland habe ich ja erlebt, wie schnell die von lebendig zu ganz tot koennen. Gestern, sowieso ein eher schwieriger Tag, geriet zweimal ein Kueken aus der Abtrennung. Diese Mini-Teile kuehlen ganz schnell aus und liegen dann leblos in den Ecken. Zweimal also hatte ich ein Kueken im Hemd, den Gatten mit der Bereitstellung einer Waermflasche beauftragt, und wickelte Nestchen aus einem Handtuch. Zweimal klappte es wie ein kleines Wunder: Waerme fuer eine gute Stunde, und ein rasselnd atmendes Pruttelchen mit geschlossenen Augen und haengendem Koepfchen verwandelt sich wieder in ein piepsendes, flitzendes Federbaellchen. Ich habe versucht, die Ausbruchsluecken zu finden und zu stopfen, und trotzdem fand ich heute morgen wieder eines ausserhalb der Einkastelung, diesmal wirklich ganz tot.

Diese Kueken-Dramen gehen mir jedes Jahr nahe. Immer, wenn ich so ein kleines Wesen in der Hand halte und den Mini-Schnabel auf meiner Haut spuere, das Klicken und das Rasseln hoere, dann habe ich ein Deja-Vu. Ich weiss gar nicht, wie oft ich das schon gemacht habe, mit allen moeglichen Federtieren, meist mit weniger Erfolg. Jedes Jahr wieder, und jedes Jahr habe ich die Hoffnung, dass man die Tierchen retten kann. Puten sind – aehnlich wie Esel – nicht von hier. Sie haben es auch lieber waermer und vor allen Dingen trockener. Da frage ich mich heute ganz besonders, ob wir so einen Versuch ueberhaupt haetten starten sollen, mit einer Naturaufzucht. Denn: Die dritte, erfahrene Henne sitzt noch irgendwo draussen, und naechsten Sonntag muessten die Kueken schluepfen. Es kann gut sein, dass sie bei dem Regen inzwischen auf einer Insel sitzt. Aber selbst, wenn das nicht der Fall ist, sehe ich gar nicht, wie sie bei diesem Wetter die Winzlinge trocken bis zum Haus bringen will. Naechste Tragoedien sind vorprogrammiert…

Die aktuellen Kueken aber habe ich heute neu eingekastelt, die Mutter damit einmal mehr voellig aus der Fassung gebracht, doch bei der letzten Kontrolle sassen alle ordnungsgemaess in der Ecke, Mutter auf Kindern.

Durchweg erfreulich allerdings war die Ausbeute von der Wildkamera gestern, auch wenn ich leider die besten Bilder versehentlich nicht kopiert, sondern geloescht habe.

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Diesen oder einen anderen Luchs sahen wir auch voriges Jahr schon. Am besten gefallen mir immer diese immensen Hinterfuesse!

Dann aber zeigte sich das fuer mich bisher erfreulichste Tier (weil es schoene Toene macht, und mich weder beissen noch stechen noch ueberhaupt potentiell aufessen will), und bei genauem Hinsehen hat es auch Nachwuchs bei sich.

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Gehoert hatte ich die Sandhill Cranes in letzter Zeit oft im Nordwesten, hatte auch schonmal ueberlegt, ob sie wohl in unserer Naehe sein koennten, aber dieses Foto, mit einem so kleinen Kueken, belegt ziemlich klar, dass sie in der Tat bei uns auf dem Land, ganz in der Naehe der Kamera brueten. Wie ich mich darueber freue!

 

 

Auro(h)ra b.

Letzte Woche hatten wir das, was meine Mutter immer „Wuppertaler Festwochen“ nannte. Es gab Muttertag (den ich hier noch einmal ausdruecklich als Kommerz-Event ablehne, jedoch als Ausrede gern heranziehe, ich berichtete bereits), Geburtstage, Hochzeitstag, Pfingsten fuer euch deutsche Leser und May Long Weekend, naemlich wegen Victoria Day, bei uns. Und mittendrin, d.h. nach den Geburtstagen, kam Aurora b. und bastelte sich ihren eigenen Geburtstag.

Am 19., also Samstag, guckte ich um 6 Uhr frueh aus dem Fenster und sah Luise an der Raufe fruehstuecken. Ich hatte sie sicherheitshalber weggesperrt, weil mir am Freitag schon was schwante. Als ich gegen 6:30 Uhr wieder aus demselben Fenster guckte, lag Luise neben der Raufe, hinter sich ein blaeuliches Handtuch. Merkwuerdig! Ich verdaechtigte Hugo. Aber dann ging bei mir das Laempchen an (aelter und frueh am Morgen = laaaaangsames Hirn). Ich raste im Bademantel (wenn ich den nicht haette – ich waere verloren) runter und raus, vorbereitet auf ein Desaster, weil sich weder Luise noch das Handtuch bewegten. Als ich aber direkt dabei stand, regte sich das Handtuch und blinzelte mich an.

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Wat soll ich sagen? Auro(h)ra* b. Donkey. geboren um 6:30 Uhr, sagen wir mal, am 19.5.2018. Gewicht unbekannt. Ungeplant. Seit ca. 2 Monaten eigentlich dann doch erwartet. Ich habe somit ein wirklich gutes Geschaeft gemacht, theoretisch, als ich zwei Eselstuten kaufte und nun drei Stuten und einen (noch) Hengst habe. Ich mach jetzt einfach mal Bilder hier rein. Zur allgemeinen Erbauung. Kleine Esel sind das Beste, denn im Gegensatz zu Baby-Lamas, die optisch auch immens was hergeben, sind kleine Esel, jedenfalls bei uns, knuddel-willig – dem Herrn Hoe. laeuft es schon nach, und er kriegt einen ganz merkwuerdig-ungewohnt-seligen Gesichtsausdruck, wenn er auf den Knien hockt und das Eselchen verkrault.

(* Das „h“ ist ein Aeltere-Tochter-Vorschlag, aus den ganz offensichtlichen Gruenden. Ohren und Beine haben bei der Geburt fast Endmass! Das „b“ steht fuer „borealis, und im Insgesamten ergibt der Name dann das Nordlicht – nur falls jemand fragen wollte.)

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Nach 10 Minuten.IMG_3051

Kurze Zeit spaeter war das Fruehstueck gesichert. Es war da viel schneller als Bruder Hugo. Allerdings lief ihm auch offensichtlich das Wasser im Schnuetchen zusammen…IMG_3054

Die Lamas haben etwas Neues gesichtet – man ist skeptisch.IMG_3057

Bruder Hugo gibt sich cool. Er wirkt wie ein Elefant gegen das zierliche (Halb- oder Dreiviertel-)Schwesterchen.IMG_3070

Genau einen Tag alt.IMG_3076

Nach einer ausfuehrlichen und schnellen (mach mal Galopp!!) Hoferkundung ist es platt wie eine Briefmarke.IMG_3094

Inzwischen sind bis auf Bruder Hugo alle Hofbewohner wieder zaunlos zusammen. Hugo ist ja noch intakt, und das wird wohl auch noch dauern. Die deutsche Tieraerztin hier aus der Naehe, die ich kontaktierte, riet mir von einer Kastration zum jetzigen Zeitpunkt ab. Die Hoden sind noch nicht unten, und sie sagt, bei Eseln kann das typischerweise deutlich laenger dauern als bei Pferden. Ich war froh, dass jemand bestaetigt, was ich eigentlich auch wusste, naemlich dass Esel nicht einfach merkwuerdige Pferde sind. Also richte ich mich auf massivere Zaeune und ein bisschen Nervenkitzel ein, und Hugo wird sich weiter mit den Lamas abgeben muessen. Die aber gar nicht schlecht fuer ihn sind, haben sie doch ganz klare Grenzen, deren Beachtung sie energisch einfordern. Weswegen Hugo jetzt oefter vorgekautes Gras auf dem Ruecken hat… Und dankbar wirkt, wann immer ich mit dem Halfter komme. Es kann, so scheint er zu denken, nur besser werden.

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Team Nadja

War mal Schnee? Kann mich gar nicht erinnern…

Vermutlich war es in vielen Fruehjahren so, aber diesmal kommt mir der Uebergang vom Winter (tief) zum Sommer (heiss) extrem zackig vor. Fruehling dauert etwa 3 Wochen. Und na ja, heiss ist immer relativ, bei mir faengt es je nach Tagesform bei plus 15 Grad an. Fuer heute jedoch sind 26 Grad gemeldet, und da wird meine rot markierte Obergrenze deutlich ueberschritten. Ich sitze auf der frueheren Jurtenplattform, im Schatten, mit Blick auf den gruenenden Wald und mit Vogel- und Froschgesang im Ohr. Und fruehstuecke lecker und ausgiebig, mehr so eine Frueh-Mittag-Kombo. Das habe ich mir verdient.

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Nadja und ich waren naemlich schon echt fleissig, gestern und heute. Beete getillert, Kompost umgearbeitet. Das haben Nadja und ich im Team erledigt, laut und stinkig, aber effizient. Das wirklich schweisstreibende waren die vielen Schubkarren Kompost, die ich dann auf die Beete gefahren habe. Die sind das Fruehstueck wert.

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Jetzt muessen Nadja und ich nochmal ran, einarbeiten, und dann kann gesaet werden. Die Hochbeete brauchen auch noch Kompost. Unkrautarm sind sie ueberwiegend schon, das ist immer Handarbeit. In den Kaesten muss ich besonders vorsichtig sein, weil sich Selbstaussaeer finden. Salat ist zum Beispiel sehr zuverlaessig. Und es gibt viele ueberwinterte Pastinaken. Auf die bin ich mal gespannt.

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Von Schnee zur ersten Rhaberberernte in circa 3 Wochen. Alberta eben.

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Auch ausserhalb des Gartens hat alles Fahrt aufgenommen. Die ersten Froesche hoerten wir ja schon, als noch ordentlich Eis im Dugout schwamm. Jetzt sind die Konzerte vielstimmig und richtig laut. Es ist so eine Art Saengerwettstreit zwischen Wood Frogs, Boreal Chorus Frogs (das sind die, die auf dem Kamm rumratschen) und Kroeten (die singen am schoensten). Eben fand ich den erwarteten Laich.

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Und natuerlich erscheinen wie aus dem Nichts um diese Mai-Zeit immer die Ranunkelbluemchen, die Sumpfdotterblumen, in Mengen.

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Dieses Jahr habe ich mir aber auch – mit Muttertag als Ausrede – frueh genug eine Blume fuer vor’s Kuechenfenster gegoennt.

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Und, mit derselben Ausrede, einen lang gehegten Wunsch erfuellt 🙂

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Ein anderer Wunsch (ich habe, glaube ich, immer viel zu viele) wurde bereits (ueber)erfuellt. Nachdem wir die Monster-Riesenputen vom letzten Jahr alle geschlachtet hatten, fehlte mir richtig was. Ich sagte mehrfach zum Herrn Chef, dass so ein Putenpaerchen, das sich normal vermehren und auch seine Kinder selbst aufziehen kann, dafuer dann aber natuerlich deutlich kleiner ist, mir gut in den Kram passen wuerde. Sind ja prima Gezieferjaeger und haben eine Vorliebe fuer Heuschrecken, von denen ich die ersten heute im Garten gesehen habe. Wie es der beruehmte Zufall wollte, hatte der Chef-Kollege (der, auf den ich wegen seines trojanischen Geschenkes von gleich zwei Pferden gar nicht so gut zu sprechen bin) Nachbarn, die genau solche Puten im Ueberfluss ums Haus und auch bis zum Chef-Kollegen laufen hatten. Der Herr Chef brachte dann, logisch eigentlich, nicht ein Paar, sondern drei Damen und zwei Herren mit. Hochfluechtig, deswegen schwer zu fotografieren. Puten-Maenner-Gesichter sind aber ja sowieso nicht jedermanns Favoriten 😉

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Angeblich handelt es sich um Kreuzungen aus Merriam’s Turkeys (der Wildform) und Royal Palm Puten (sehen aus wie Croellwitzer), aber ob das stimmt, weiss niemand wirklich. Sie sind jedenfalls hoechstens halb so gross wie die „Industrie“puten, dreimal so schnell, flugfaehig, und als wir sie nach einer knappen Woche aus Stall- bzw. Gehegehaft in die Freiheit entliessen, machten sie sich wie ferngesteuert in Richtung Westen auf, wo sie hergekommen waren (sie haetten allerdings so ca. 40 km nach Westen laufen muessen!). Mit zwei langen Aesten konnte ich sie auf der Strasse (!) umlenken und wieder einpferchen. Ich befuerchte, die sind wie Brieftauben… Aber: sie haben schon 14 Eier gelegt, fuenf davon parken unter einer Huehnerhenne, und falls da was schluepft und ueberlebt, wird dieser Nachwuchs wohl wissen, wo er hingehoert.

So. Mittagspause zuende. Jetzt gibt’s noch einen Brownie, und dann schmeisse ich Nadja wieder an. Der Winter kommt bestimmt, und vorher muss ich noch was Gemuese ernten…

Ich geb euch noch schnell meine Lieblingsaspen, die so schoen gruen sind und fuer mich ein bisschen im Wind rauschen.

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Ostermorgen

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Sozusagen ein ganz normaler Fruehlingsmorgen in Alberta. Der Chef ist wieder zum Basteln in die Firma gefahren, und ich hatte mir einen stillen Vormittag vorgestellt, um Eiszapfen abzuschlagen, die bei aller Schoenheit ein wenig bedrohlich fuer die Photovoltaik werden.

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So schoen werden die, weil es nachts minus 30 und heute nur minus 28 war, tagsueber aber die Sonne schon mit viel Kraft scheint und aus Schnee Kunst macht. Ich hingegen mache aus Schnee wieder mal Kubikmeter Spuelwasser, weil wir am Karfreitag alles Wasser beim Putenschlachten gebraucht haben, gleichzeitig aber Helfer und Gaeste hatten und deswegen kein sauberes Geschirr mehr da ist. Heute muss es also passieren: sauberes Porzellan!

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Was fuer uns an Pute uebrig blieb, ist teilweise als Suppe in diesen Toepfen – sehr praktisch, dass man das jetzt ueber Nacht einfach draussen schockfrosten kann. Nicht so praktisch, dass ich die Kaelte unterschaetzt und mein Gemuese zu dicht an der Tuer gelagert hatte – Paprika-Eis! Die Bruststuecke und die Schenkel liegen in Lake und werden geraeuchert. Aber ich will solche Puten nicht mehr, das ist ja schrecklich. Die werden so gross und schwer, dass sie gar nicht anders als gehbehindert sein koennen. Wenn ueberhaupt, dann gibt’s nur noch welche in einer sinnvollen Groesse.

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Wie ihr seht, hatte ich also hehre Plaene, und eigentlich wollte ich auch was Poetisches ueber den Winter schreiben und darueber, wie schoen ich das alles finde – aber dann kam der Nachbar, der eigentlich gestern abend schon Eier abholen wollte. Der ist Junggeselle und hat 300+ Schafe und ca. 100+ Kuehe. Da ist schon von allein Chaos vorprogrammiert, aber verstaerkt durch seine Neigung zu krausen Arbeitszeiten und seinem voelligen Desinteresse am Haushalt wird alles noch extremer. Wir haben erstmal zusammen gefruehstueckt, Haferpamps. Anstaendiges Essen ist fuer Diabetiker wichtig. Und dabei haben wir uns unterhalten darueber, dass wir, er und ich, niemals ohne Tiere im Haus sein wollen. Bei ihm bedeutet das auch, dass er in der Kueche eine Ecke fuer Laemmer abgetrennt hat: Das ist ein Dreck, sagt er! Aber die muessen sich bewegen koennen, nur eine Waermelampe reicht nicht! Sagt er. Sein Auto ist immer voller Hunde, heute morgen war auch ein Lamm dabei, zum Aufwaermen. Unsere Nachbarin findet das alles kaum zum Aushalten, aber ich verstehe ihn. Beim Essen, als wir uns die fette Jerseymilch in Tee und Haferpamps kippten und ich ihm das Konzept von Fettaugen (hier gibt’s das Wort nicht!) auf Tee erklaerte, sprachen wir natuerlich auch ueber meinen Drang in Richtung Melktier. Und wie es der „Zufall“ will, hat er zwei Jerseykuehe, aber kaum Zeit zum Melken. Er bot mir einen Cow Share an. Da gucken wir dann mal. Betsy… Angeblich eine anstaendige Kuh ohne Hang zum Treten. Jetzt muss ich nur noch den Chef ueberzeugen, genug Gras finden, einen Zaun bauen, und dann koennte ich so im Mai Leih-Chefin einer Kuh mit evtl. zwei Kaelbern werden. Da sollte dann fuer uns noch genug uebrig bleiben. Er will natuerlich auch noch Milch fuer Laemmer, aber ich denke, im Mai muesste der Grossteil seines Nachwuchses schon gut auf den Beinen stehen, da sollte nicht mehr zuviel Bedarf sein. Betsy… mmmh. Mal schauen.

Na, jetzt ist es 11 Uhr durch und ich habe noch nicht einmal meine Tiere versorgt. Und keine Poesie verfasst. Egal. Ich geh jetzt raus, in den knirschenden Schnee, und fuettere die hungrigen Maeuler und Schnaebel und geniesse die Sonne und entferne die Eiszapfen – und euren Regen, den koennt ihr behalten!

Wieder eingewöhnen und staunen – Settling back in and marvelling

Ich hab mich dann am Freitag erstmal kränklich ins Bett gelegt. Hatte mir wohl aus dem Flieger was mitgebracht. Es gab heiße Zitrone mit Ingwer und Honig, gestern Abend Hühnersuppe, Zack – gesund.

So on Friday I decided I was a little sick and went back to bed after the dishes. Must have picked something up on the plane. I was supplied with hot lemon, ginger and honey, last night even chicken soup – hey presto – fine again.

Ein wichtiger Teil der Routine war gestern erstmal das Milchholen. Treffpunkt war wie haeufig die Kirche. Wie anders sieht doch der Kirchparkplatz aus als der in meinem Dorf, an dem ich auch immer vorbeifahre. Fast jeder, der einem Auto entsteigt, hat seine Bibel bei sich. Es gibt immer viele Cowboyhuete, dann sah ich direkt neben mir einen jungen Mann im kompletten Jagd-Tarn-Outfit, und zwei dicke Trucks hatten Schneemobile geladen. Man fragt sich… Keine Fotos…

Weil praktisch alle Geschäfte geöffnet sind, bestelle ich mal noch schnell einen Handstaubsauger! Die Hausfrau in mir… Und gehe Gemüse einkaufen.

Yesterday, to get back on track, I drove to town to pick up the good milk at our usual meeting point, a church. And marvelled at the different content of the parking lot from that of the church in our little German village. Almost everyone emerging from the vehicles carries their bible. I saw many cowboy hats, then a young man in full hunting camouflage, and two trucks had skidoos on their decks. One wonders… No pictures…

Since all stores are open I quickly order a handheld vac! The housewife in me… And I buy veggies.

Wie immer, gucke ich mir beim Fahren den Himmel an. Gestern mal grau, weil viel wärmer.

As always, I look at the sky while driving. Yesterday rather grey, because it has warmed up considerably.

Zuhause war schon die junge Hufschmiedin am Werk. Hugo hatte man ein pinkfarbenes Halfter verpasst – Lamagroesse geht naemlich gar nicht mehr! Hier fand er alles noch spannend, er ahnte nicht, warum er das Halfter trug.

At home, I found the young farrier already at work. They’d put a pink halter on Hugo, because he has definitely outgrown lama size. In this pic, he still thought this was all great fun, he had no clue why he was carrying this rope and halter around.

Und so sah es aus, nachdem er begriffen hatte, dass auch er eine Pediküre bekam. Er wurde sehr aergerlich, aber die Maedels haben ihn ausgelacht. Die Schande! Und Mama und Tante gingen einfach weg. Schweres Leben. Dafuer gab’s von den Schmiededamen nachher extra Kraulerchen, und es wird wohl keine Therapiestunde erforderlich sein. 😉

And that’s what happened after he realized he was in for a pedicure himself. He got very grumpy, but the girls just laughed at him. The humiliation! And then mom and auntie just left for the hay. Tough life. But he got extra scratches from the farrier ladies afterwards, so no therapy will be required. 😉

Es war ein guter Tag.

It was a good day.