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Rueckblick Teil 3: Neuland – 2006-2008

So waren wir also seit September 2006 auf „unserem“ Land. Zwei so genannte Quarter Sections, also zwei Quadrate von jeweils einer halben Meile Seitenlaenge macht etwa 130 Hektar. Wald in alle Richtungen. Und wo kein Wald war, war es nass. So richtig nass. Biberteiche, Suempfe, alles nass. Keinerlei Infrastruktur, also keine Strom- oder Telefonleitung, kein Gasanschluss, selbstverstaendlich kein Wasser (das ist hier auf dem Land sowieso jedermanns eigene Angelegenheit). Ich aber war immer noch naiv, hatte ich doch die Illusion, dass mein Mann im Rubbeldikadetz ein schickes, wenn auch rustikales kleines Haeuschen hinstellen wuerde, mit Holzofen, Strom (irgendwie – was ich da so genau gedacht habe, bleibt mir heute verborgen) und Wasser (siehe oben). Natuerlich alles Quatsch, wie wir heute wissen. Und waehrend meine Illusion sich so langsam im Wald aufloeste, lernte ich weiter. Naemlich, dass man auch mit viel weniger auskommen kann. Dass Winter ernst bis sehr ernst sein kann, aber auch schoen bis wunderschoen. Und dass man ihn auch unter eher einfachen Verhaeltnissen durchaus ueberstehen und dabei noch Spass haben kann. Dass woechentliche oder gar taegliche Duschen voellig, aber sowas von voellig ueberbewertet werden. Dass gute Nachbarn mit Geld nicht zu bezahlen sind, und dass wir welche haben – was fuer ein Segen.

Ich arbeitete ein paar Tage in der Buecherei in Valleyview, und Gereon fand sofort eine neue Arbeitsstelle ebenfalls in Valleyview. Diese Stelle – das sei hier mal erwaehnt – hat er seitdem. Er ist mit Sicherheit der dienstaelteste Mitarbeiter im Betrieb, und seit etwa acht Jahren, als der Kollege in der Werkstatt wegzog und er nun allein fuer alles dort zustaendig war, hat er nie mehr als zwei, hoechstens drei Tage hintereinander frei genommen. Ich finde das einerseits bewundernswert. Andererseits erklaert das, warum es hier sehr, sehr langsam weitergeht. Doch schon ganz am Anfang hoerte ich den Spruch: Canada is next-year country. Inzwischen weiss ich, dass das eher untertrieben ist.

Zwei Jahre lang spielte sich unser Leben in der „Kueche“, einem nicht isolierten Gebaeude ohne Fussboden, und dem „Schlafzimmer“, einem kleinen, isolierten, propan-beheizten Kaemmerchen im Pole Shed, ab. Na, und draussen natuerlich. Im Garten, im Wald. Morgens kurz nach fuenf wankte ich aus dem Kaemmerchen ueber einen Holzsteg in die Kueche und machte Feuer im Ofen, fuer Kaffee und Tee. Auch im Winter. Auch bei minus 30 oder kaelter. Nie wieder habe ich seitdem soooo viele Sternschnuppen und Nordlichter und traumhaft schoene Nachthimmel gesehen. Aber auch nie wieder Traenen vergossen ueber gefrorenem Spuelmittel, gefrorenem Wasser, gefrorenem alles. Strom aus einer Autobatterie reichte gerade mal fuer eine, max. zwei Gluehbirnen und das Ladegeraet fuer’s Handy, unsere grosse Errungenschaft. Maeuse waren immer ein Thema, alles musste sicher untergebracht werden, und manchmal klaute das Wiesel Kekse.

Weil die Ziegen immer mehr wurden, schafften wir einen dritten Hund an, die zweite Emmi, die die Aufgabe des Draussen-Wachhundes uebernahm, weil Zora mit ihrem duennen Fell sich dann doch als ungeeignet erwies (jedenfalls fand sie es drinnen viel schoener, und das kann man ihr nicht veruebeln). Auch die Ziegen zogen zumindest zum Melken und dann auch zum Kinderkriegen in die Kueche um – das war nicht nur fuer die Ziegen, sondern vor allem auch fuer meine Finger wesentlich angenehmer.

In den ersten beiden Wintern gab es viel, richtig viel Schnee. Im ersten Jahr begann es im Oktober richtig zu schneien, und im Mai gab’s immer noch Schnee. Wir denken, dass wir seitdem nie wieder einen so schneereichen Winter hatten. Es gab jede Menge Ziegen in diesem Jahr, und dann auch im Fruehjahr jede Menge Matsche, vor allem IN der Kueche.

2007 kam das schwere Geraet. Zuerst der Bagger, um einen Teich zu buddeln. Es regnete, und ich musste wieder weinen, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese ungeheure Matsche und Zerstoerung je wieder gut werden koennte. Konnte sie aber, weiss ich heute. Wieder was gelernt.

Dann kamen unsere inzwischen leider beide verstorbenen Freunde Chris und David und halfen mit ihrem Quad beim Umzug so einiger Restbestaende, Honigfaesser und Huehnerstaelle. Ein Holzschuppen wurde gebaut. Der Garten bekam einen ziegendichten Zaun. Die Kueche eine Veranda. Und ich Hochbeete. Trudi, die besondere Katze, gesellte sich zu unserer Menagerie. Der Bauplatz fuer das geplante Haus wurde abgesteckt und die Fundamente gegossen. Die Nachbarin zeigte mir, wie man Pfirsiche und Co. einkocht. Die Tiere waren entspannt.

Der Hausbau begann. Ich war – wie meist – optimistisch. Doch es wurde noch ein Winter in der „alten Kueche“, und dann noch ein Sommer, und dann noch ein Winteranfang, bevor wir in das neue Haus einziehen konnten. Gebaut wurde praktisch bei jedem Wetter, und ohne die Hilfe der Bussemeier-Crew und einiger anderer Freunde haetten wir wahrscheinlich gar kein Haus. In der alten Kueche gab es immerhin noch einen Teilfussboden, bevor ein weiterer schneereicher Winter begann. Thomas B. reiste sogar noch an Gereons Geburtstag an, um zu bauen. Und wie man sieht, kann selbst in der aermsten Huette ein Fernseher aufgebaut und Schokolade gegessen werden, zur Feier des Tages.

Irgendwann im Fruehjahr 2008 kam dann eine Raupe, ein Caterpillar aus Gereons Firma, der von David uebers Land gefahren wurde. Als er fertig war, hatten wir etwa 7 km „Wegenetz“, rauh, aber begehbar. Viele Baeume fielen, es gab viel Chaos, aber die Wege existieren auch jetzt noch, ueberwiegend begehbar. Auf dem Suedland, auf der anderen Strassenseite, wurde ein grosses Rechteck freigeschoben, ein kleiner Teich ausgebuddelt und sowas wie eine Fenceline, also eine Schneise fuer einen Zaun, erkaempft. Ich war mal wieder optimistisch und naiv, sah Zaeune und Ziegen in froehlicher Koexistenz. Auch da wissen wir, wie’s ausgegangen ist, naemlich nicht.

Ebenfalls im Fruehjahr 2008 gesellten sich diese beiden zu unserer wachsenden Tierschar. Ludwig und Lilli. Inzwischen mit Trudi und dem Lama die dienstaeltesten Mitbewoehner, wobei das Lama natuerlich die Krone traegt. Im Sommer kam mein aelteres Kind tapfer in die Wildnis und das halbfertige Haus. Vielleicht traegt die erste Einweisung in die Imkerei heute Fruechte. Wir fuhren zusammen zum Olds College (Fiber Week), genossen die Zivilisation und brachten George mit. Es kam noch mehr Besuch aus Deutschland, es wurde weiter gebaut, Kings liehen uns noch einmal ihre Pferdestaerken, und das Saegewerk hielt seinen Einzug. Der Garten war ueppig und produktiv. Bussis halfen weiter beim Bauen. Derweil produzierte ich Quark. Es gab den Wichtigvogel und eine tolle Tomatenernte. Im November kam der Schnee. Wir waren noch nicht im Haus, konnten es aber zum Zerlegen von Ziegen nutzen. Immerhin. Und am 22.11. endlich: Die Erstbefeuerung des kleinen Oefchens, das mein Vater uns in weiser Voraussicht in den Container gepackt hatte.

Wir hatten das grosse Glueck, dass uns eine meiner Marktkolleginnen einen (Holz-)Kuechenherd schenkte und sogar anlieferte. Ich schleifte nach und nach die wichtigsten Moebel ins Haus, und ein kleines bisschen konnten wir auch auf dem kleinen Oefchen kochen. Und so zogen wir um. In ein himmlisch leeres Haus. Das blieb natuerlich nicht lange so. Und dem kleinen Hund war auch trotz neuem Haus gern noch kalt.

Rueckblick Teil 2: Wir mieten ein Haus und suchen Land – 2005 + 2006

2005 klang aus mit fuer mich schwieriger Stimmung auf der Farm, wo wir uns bzw. in allererster Linie ich mich zwei Jahre mit einer Umgebung auseinandersetzen musste, die ich so nicht mochte, die ich aber auch nicht aendern konnte. Auch menschlich fand ich es zunehmend anstrengend, und so war ich sehr froh, als wir nach erhaltener Aufenthaltsgenehmigung uns nach einem Haus umschauten, das wir mieten konnten. Vorher gab es noch mehr Besuch aus Deutschland und einen zweiten Hund, Zora.

Im Sommer schon hatte ich angefangen, Honig auf dem Farmers‘ Market im „Nachbarort“ Valleyview zu verkaufen, mit fuer mich erstaunlichem Erfolg. Als unsere Vereinbarung mit den Bauersleuten auf der Mutterkuh-Farm ablief, fand Gereon schnell Arbeit in der Naehe, und wir begannen, uns nach Land umzusehen.

Vorher aber mussten alle Tiere umziehen und dann wurde auch der in Deutschland gepackte Container mit unserem Hausstand avisiert – wie aufregend!

Es gab mehr Besuch aus Deutschland, ich entdeckte eine neue Leidenschaft, das Spinnen, und wir fanden unser Land, das wir dann ganz offiziell im Maerz 2006 kauften.

Ab da verbrachte Gereon immer mal wieder Zeit dort, in einem geliehenen Truck mit Camper-Aufsatz, und fing an, Baeume zu faellen, um Platz fuer ein Haus zu schaffen. Auch ein ganz kleines Stueckchen Land wurde umgegraben – der Grundstein fuer den Gemuesegarten war gelegt. Mit Hilfe der Kings und ihrer Pferde wurden jede Menge Stangen zum Bauplatz geschleppt, ich durfte schaelen – das riecht lecker und macht tolle Harzflecken.

Wir bekamen ein Lama, einen neuen Ofen fuer das neue „Gebaeude“, und freundliche Helfer kamen, um mehr Platz zu schaffen. Und mittendrin gab es kleine Ziegen. Und eine neue, elektrische Honigschleuder!

Im August wurde die neue „Kueche“ eingeweiht und das „Pole Shed“ ging seiner Vollendung entgegen. Anabel kam zu Besuch aus Deutschland und erwies sich als hervorragende Unterstuetzung. Wir lernten unsere neuen Nachbarn kennen, die uns seitdem treu mit Heu beliefern und immer zur Hand waren und sind, wenn wir mal wieder Unterstuetzung brauchten und brauchen. Und im September, ein Jahr nachdem wir unser gemietetes Haus bezogen hatten, ging es auch schon wieder weiter. Nie in meinem Leben war ich so oft umgezogen. Und das echte Abenteuer fing gerade erst an!

Und ploetzlich war sie da

Mit den Verkaeufern der Kuh hatte ich besprochen, dass ich sie mit ihrem Kuhkalb kaufen und erst im naechsten Fruehjahr geliefert bekommen wollte. Das haette mich zwar ab November sozusagen Stallmiete (ohne Stall) gekostet, schien mir aber die sinnvolle Loesung, weil hier noch nichts vorbereitet war. Bei laengerem Nachdenken kam ich dann zu dem Entschluss, sie doch sofort nach positiver Traechtigkeitsuntersuchung und nicht mit ihrem eigenen Kalb, sondern mit einem fremden Stierkalb zu uebernehmen. Denn: ohne ein bisschen Druck passiert hier nix. Fuer mich bedeutete das, ich musste zuegig mehr Stahlpanels kaufen, um die Eseldamen und Hugo weiterhin sicher, aber getrennt unterbringen zu koennen, waehrend Brontë und Kalb im Paddock direkt vorm Haus sein sollten, damit wir uns miteinander vertraut machen koennten. Brontë war diesen Sommer fuer etwa drei Monate gemolken worden, angelernt sozusagen. Mein Plan war, einen provisorischen Melkstand zu bauen (bis die vom Chef zugesagte „Kuhanlage“ in der neuen Remise fertig waere) und die Kuh womoeglich doch noch ein bisschen zu melken. Lilli ging davon aus, dass die Kuh auch das fremde Kalb, mit ein bisschen Ueberredung, noch trinken lassen wuerde.

Aufgeregt war ich schon! Meinen Teil, also die Stahlpanels und den Bau der neuen Paddocks, hatte ich zuegig erledigt. Das Dach auf dem voruebergehenden Kuhschuppen fehlt immer noch. Von Lilli kam die Nachricht, dass Brontë traechtig sei und am 19.11. angeliefert wuerde. Meine Aufregung wuchs. Dann kam ein Anruf von Peter, dem Farmer, dass er aus terminlichen Gruenden am liebsten schon am 17. kaeme, ob das wohl moeglich sei. Es war. Ich war bereit und dachte schon ueber Melkeimer, Schemel, und derlei schoene Dinge nach.

Der 17. kam, und mit ihm glatte Strassen und ein bisschen Schnee. Aber Peter und sein italienischer Praktikant Angelo tauchten puenktlich mit dem dicken Truck und dem ueblichen Riesen-Viehanhaenger vorm Tor auf. Rangieren koennen diese Leute ja alle – Hut ab! Rueckwaerts zirkelte er bis weit in die Einfahrt, alle Fluchtwege waren versperrt und dann wurden die Anhaengertueren geoeffnet. Waehrend wir uns unterhielten, stiegen Brontë und das Kind (das ich vorlaeufig mal Hackepeter nenne *huestel*) vorsichtig aus. Vor lauter Aufregung habe ich kein einziges Foto gemacht.

Auftritt: Die Kuh

Als ich Ende 2013 nach Deutschland reiste und nicht wusste, wie es fuer mich weitergehen wuerde, hatte ich mich vorher allerschwersten Herzens von meinen Ziegen getrennt. Wirklich viele Traenen habe ich ihnen nachgeweint, jedes Ziegenfoto erinnerte mich und machte  mich traurig. Jetzt denke ich, dass das Leben ohne Ziegen zwar einerseits deutlich aermer, andererseits aber auch deutlich einfacher ist. Keine Sorge mehr um Ausbrecherkoeniginnen, hungrige Grosskatzen, giftige Pflanzen, Euterentzuendung, Geburtsprobleme (die letzten drei Punkt waren bei uns allerdings immer eher theoretisch, zum Glueck). Aber auch keine frische Milch mehr bzw. inzwischen nur mit mehr Aufwand und, sagen wir mal, legalen Unsicherheiten. Mehr und  mehr wuchs in mir der Wunsch nach einem neuen Melktier. Ziegen waren tabu, das hatte der Herr Chef ziemlich klar gemacht, und ich war guten Willens. Schafe erschienen nur unwesentlich weniger problematisch, ueber Kamele, Wasserbueffel, Yaks muss man hier nicht nachdenken, also blieb nur die Kuh. Das Thema wurde von mir immer mal wieder strategisch klug auf den Tisch gebracht, bis eine Chefliche Genehmigung erfolgte. Dann machte ich mich auf die Suche, doch leider waren meine ersten beiden Quellen gerade nicht lieferfaehig. Ich aber ungeduldig. Als dritte Kuhquelle entdeckte ich den Hof der Lundgards, die mit ihrer deutschen Schwiegertochter zusammen farmen. Sie zuechten Canadienne Cattle, also eigentlich schlicht „kanadische Kuehe“. Die Canadiennes sind die einzige in Kanada entstandene Kuhrasse, in Quebec gebastelt aus Importen aus der Normandie, der Bretagne und der Gascogne. Das war Anfang des 17. Jahrhunderts. Gezuechtet mit dem Ziel einer milchbetonten Zwei- oder sogar Dreinutzungsrasse, die das kanadische Wetter verkraften kann und dabei relativ leichtfuttrig ist, kam die kleine Kuh Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Mode, so dass nur sehr wenige reinrassige Tiere uebrig blieben. Erhaltungsbemuehungen waren aber anscheinend erfolgreich, und die Canadienne erlebt zur Zeit eine kleine Renaissance bei den kleinen Kuhhaltern, die Milch mit hohem Butterfettgehalt wollen. Man nennt sie wohl auch die „schwarze Jerseykuh“.

Und so schaute ich mir die kleine Herde bei Lundgards neugierig an. Braun, schwarz und braunschwarz sind die typischen Farben, und weil der Hof biodynamisch orientiert ist, haben alle Kuehe Hoerner. Durchaus imponierend. Ich habe beim Melken zugeschaut, mir die besonders empfohlene Kuh Becca angesehen – aber es funkte nicht. Im Gegenteil, diese Becca war eine grosse schwarze Kuh, und egal wie nett sie mir beschrieben wurde – ich fand sie einschuechternd. Also nach Hause und weiter recherchiert und nachgedacht. Dann nochmal hingefahren. Den Rest der Herde angeschaut. Ein entzueckendes Kalb gesehen. Ja, sagte Lilli, das ist die Tochter von der Kuh, die ich dir zeigen wollte. Und so lernte ich Brontë kennen.


Und schwupp – da ist der Winter

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Und zwar alles inklusive, Schneefloeckchen – Weissroeckchen, -12 Grad, und die Abdeckung aller Dinge, die noch so draussen rumstanden oder -lagen. Ich habe das Gefuehl, dass das jetzt ernst ist. Sehr frei nach Rilke wuerde ich sagen: Was jetzt nicht im Haus ist, kommt auch nicht mehr rein, und was unterm Schnee ist, wird dort lange bleiben.

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In diesem Fall wohl auch der Tank… Das war nicht ganz so geplant.

Gestern und vorgestern hatten wir Hilfe, und so ist der zweite Holzschuppen fast voll geworden. Diese Woche soll es aber noch weitergehen. Die Antwort auf meine Frage, wieviel Brennholz wir denn wohl noch braeuchten, war: So viel wie moeglich. Na dann. Durch den Wegebau ist auch so allerhand Holz angefallen, jetzt gilt es nur, das nicht im Schnee zu verlieren.

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Heute habe ich dann noch schnell die optimistisch im Schlussverkauf erworbenen Baeume und Straeucher im Garten eingeschlagen, endgueltige Plaetze muss ich dann im Fruehjahr finden. Bei solchen Arbeiten wird mir auch schoen warm, bis in die Zaehnespitzen ;).

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Zwei Apfelbaeume, ein Rotdorn, drei Flieder, eine Kirsche (aber nicht wie in Deutschland mit Stamm, sondern als Strauch), Aroniabeeren, Traubenkirschen, Himbeeren, rote Johannisbeeren, und fuenf Saeulenaspenbabies. Ich hab sie schoen eingebuddelt, abgedeckt und ihnen einen guten Winter gewuenscht – jetzt kann ich nur hoffen, dass das klappt.

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Eisblumen an den Fenstern des alten Kuechenanbaus – die Tuer bleibt ueber Winter zu, weil sie festschneit. Aber selbst im Winter bleibt der Anbau einer meiner Lieblingsplaetze.

Die Esel und Lamas nehmen die Entwicklung noch ganz gelassen hin. Sie sehen immer runder aus, und ein paar Eiszapfen im Gesicht haben noch keinem geschadet, scheint es.

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Bis auf wenige Hagebutten, die noch an den Rosen haengen, sind die Farben aus der Natur verschwunden. Die Esel passen sich der neutralen Farbpalette hervorragend an. Eben trabten sie froehlich durch den Wald und folgten mir auch mit Schwung auf einem Gang am Zaun entlang – der leider durch den Wind in den vergangenen Wochen doch ziemlich gelitten hat. Es wird bei einer kleinen Reparatur bleiben muessen.

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Denn Winter heisst auf jeden Fall: Alles wird heruntergefahren, bis auf die Oefen. Und heute merke ich zum ersten Mal ein bisschen von dem Winterschlafgefuehl und davon, dass der Druck weniger wird. Was mir ganz wichtig war, die Gehoelze, sind versorgt. Mit dem Brennholz koennten wir schon jetzt vielleicht hinkommen. Alles Gemuese ist sicher im Haus, und da wird es jetzt in der Vorratskammer auch kuehl genug. Ueber den nicht fertig eingebuddelten Tank denke ich einfach nicht nach, da kann ich eh nix machen. Es soll kraeftig weiter frieren, so sagt der Wetterbericht, dann werden auch die neuen Wege gut begehbar und die Matsche verschwindet, so dass der Nachbar problemlos Heu anliefern kann. Die Schweineheizung im Huehnerhaus funktioniert schon prima. Jetzt fehlt noch ein Hirsch in der Truhe. Der Mann arbeitet dran. Ich dagegen widme mich meinen Strickprojekten. Ich mag Winter.

 

 

Der Neue auf dem Gefluegelhof

Spass habe ich ja an unserem gesamten Zoo. Heute morgen beim Fuettern dachte ich noch so ueber die Aussage meines – nach wie vor sehr geschaetzten – frueheren Heilpraktikers nach, der meinte, ich habe nur so viele Tiere, weil ich Probleme mit Menschen haette. Mag sein. Aber inzwischen ist mir das egal, und wenn es stimmt, dann ist das doch eine wunderbare und ueberwiegend friedliche Loesung solcher Probleme.

Der Gefluegelhof ist sowas wie mein wasserarmes Aquarium. Ich koennte den Huehnern und Puten ewig zuschauen. Vor allem die Puten finde ich super-interessant und aehnlich schoen wie Elche. Sie sind so merkwuerdig, dass man sie einfach lieben muss. Finde ich jedenfalls. Die fuenf Alt- und sieben Jungputen bewegen sich meist wie ein einheitlicher Organismus ueber’s Land, auch wenn es zunehmend interne Querelen unter den Teenagern gibt (das scheinen ueberwiegend Haehne zu sein). Sie haben mir im Garten Unterstuetzung geleistet und Kleinkram aufgeraeumt, wie auch die Schweine sich sehr engagiert haben.

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Sehr untersuchenswert finden sie im Moment den Bagger. Je hoeher, desto besser, auf dem Honeyhouse-Dach waren sie auch schon.

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Gestern brachte ich mir von einer Fahrt zu IKEA (Mehr Projekte!) noch einen neuen Hahn fuer unsere (Huehner-)Hennen mit. Der kam nicht direkt von IKEA, war auch schon komplett zusammengebaut. Es ist ein Mechelner, wie reinrassig, weiss ich nicht, aber von der Optik koennte es gut hinkommen. Ein dickes Ding, Vertreter einer belgischen Fleischrasse, die aber auch noch anstaendig Eier legen soll. Ein typisches Zweinutzungs-Huhn also, und das ist, was wir hier anstreben. Schon seit Jahren versuchen wir, unsere Huehner zu vergroessern, mit bescheidenem, aber stetigem Erfolg. Vorbei sind die Zwerghuhn-Formate, leider damit auch die entzueckenden Frisuren, die uns die Seidenhuhn-Gene ueber viele Jahre bescherten. Was von den Seidenhuehnern immer noch zu spueren und zu sehen ist, sind starke Brutlust und Unmengen Zehen. Beides nicht immer nur guenstig.

Nachdem unser Gandalf, der nette graue Hahn, das Zeitliche segnen musste, bekamen wir einen Ameraucana-Hahn geschenkt, der sehr schoen aussieht, aber kein frauenfreundliches Verhalten an den Tag legt. Die Damen moegen ihn nicht. Von ihm erhoffe ich mir aber im naechsten Fruehjahr die Gene fuer gruene oder blaugruene Eier!

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Der Neue ist nicht so schick, aber sehr interessant mit seinem Puschel-Popo und seinem merkwuerdig-stelzenden Gangwerk. Sehr beeindruckend finde ich seine Breite, wenn ich ihm auf den Ruecken schaue. Leider haelt er gar nicht still fuer aussagekraeftige Fotos. Zu aufregend sind die vielen Damen und der Konkurrent, mit dem er sich schon gleich heftige Gefechte geliefert hat. Da muessen sie jetzt durch, Platz ist genug, und Hennen sind auch ausreichend vorhanden – Frieden waere moeglich.

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Widerstand zwecklos

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Das war die Vorhersage Anfang der Woche. Dazu irgendwann heute oder morgen -9 ueber Nacht. Da wird die Gaertnerin dann ein bisschen eilig(er).

Gestern endlich kam ich in die Kartoffeln.

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So etwa zwei Drittel habe ich geschafft, dazu einen grossen Korb dicke Bohnen, aber dann hatte ich genug und mein Ruecken auch.

In der Nacht war ich mal kurz auf, und da sah ich die Bescherung schon. Heute morgen sieht mein (Kartoffel)garten so aus:

IMG_3666Es gibt entgeisterte Junghuehner. Denen ich schon seit Tagen empfohlen habe, in den Stall zu gehen  – aber auf mich hoert ja keiner.

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Auch die Esel sind nicht so froehlich.

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Die Puten waren voellig verdattert, schien mir, und die Schweine klangen eher entruestet. So war das ja wohl nicht geplant, eigentlich wollte man noch ein bisschen im Garten nachsuchen. Na, fuer in 10 Tagen etwa sind schon wieder Temperaturen um die 18 Grad PLUS gemeldet. Das Laub ist auch ueberwiegend noch auf den Baeumen, so dass einiges jetzt unter der Last des nassen Schnees sich biegt und womoeglich auch noch brechen wird – denn es schneit weiter.

Ich mag ja Winter, hatte ich vielleicht schon erwaehnt. Und meistens, aber dieses Jahr ganz besonders, weil so frueh und ziemlich heftig, laesst mich der Wintereinbruch tief ausatmen. Man kann nichts dagegen tun, muss es hinnehmen, und dann kann man es auch einfach mal schoen finden. Nuetzt ja eh nix… Also habe ich ein paar der abgeknickten Sonnenblumen gepflueckt (aus dem Schnee gebuddelt, eher so) und hoffe, dass die drinnen noch ein paar Tage sein koennen. Alle Tiere sind versorgt, der Ofen ist an, und ich habe Gemuetlichkeitsgedanken und -projekte im Kopf. Sofa… Vorhaenge… Beleuchtung… Mehr Teppiche… Vielleicht doch einen groesseren Bildschirm fuer die Krimis… Wintergedanken eben. Natuerlich kneife ich ein paar Augen feste zu, denn: im Honeyhouse stehen 4 Kisten Obst, die eingekocht oder sonstwie verarbeitet werden muessen, und gestern bekam ich einen Anruf von der Gaertnerei, wo ich Kohl, Zwiebeln und Tomaten fuer den Winter bestellt hatte. Das hole ich dann alles morgen ab, ebenso wie den Zucker, den die Bienen jetzt ganz dringend brauchen. Und ein Schwein soll auch noch in die Truhe. Es ist nicht so, dass die Arbeit ploetzlich aufhoert, aber fuer einen Moment, einen halben Tag, kann ich sie jetzt einfach mal ignorieren. Vielleicht gucke ich noch eine Folge „The Crown“, zum Beispiel… Ist doch auch sehr nett!

Und euch gebe ich noch ein paar Winterimpressionen, damit das Gejammere ueber den zu heissen, zu trockenen Sommer mal aufhoert 😉

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