Esel-Erfolge. Gefluegel-Dramen.

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Mehr Ausrede brauche ich nicht, um jetzt zu schreiben. Die Tiere sind versorgt, der Ofen knistert, der Generator muss leider laufen, weil: Das Wetter ist aeusserst bescheiden. Hitze ist ja doof, aber immer nasse Jeans bis an die Knie ist auch nicht so prickelnd. Also erstmal lecker fruehstuecken. Und dabei erzaehle ich euch von meinem tapferen Hugo. So ein guter Junge!

Man muss sich vielleicht noch einmal vor Augen fuehren, dass Esel in der Steppe heimisch sind, im Mittleren Osten bzw. Nordafrika, wo es eher trocken, eher heiss, eher steinig ist. Sie sind jedoch offensichtlich sehr anpassungfaehig, wenn auch nicht immer gluecklich damit. Gestern also beschloss ich, ein wenig leichtfertig, wie sich nach kurzer Zeit herausstellte, dass Hugo uns zur Wildkamera begleiten sollte. Seit er von seiner Mutter getrennt und zwangsweise mit den Lamas vergesellschaftet wurde, neigt er ein bisschen zur Niedergeschlagenheit, und ich wollte ihm Abwechslung und Herausforderung bieten – das soll ja fuer die jungen Leute gut sein. Wie ein Hund, der das Geraeusch der Leine, wie sie vom Haken genommen wird, kennt und sofort kommt, so marschiert auch Hugo von wo immer herbei, wenn ich das Halfter in die Hand nehme. Chef vorneweg, Hugo und ich hinterher, zogen wir los. Leider habe ich keine Fotos von meinem kleinen tapferen Eselchen, wie es die erste (und einzige!) Bruecke meistert. Ich bin so stolz auf ihn! Nur dreimal sind ihm seine immer noch kleinen Huefchen zwischen die Bohlen geraten, dann hatte er es gelernt. Erst an der dritten wirklich sehr waessrigen Stelle wollte ich aufgeben, weil er so lange ueberlegen musste und sich bitten liess, waehrend ich von Moskitos foermlich aufgefressen wurde. Aber der Chef schlug vor, ueber den Biberdamm zu gehen. Und als kein Wasser vor seinen Fuessen zu sehen war, liess sich der tapfere Hugo dazu tatsaechlich ueberreden. Das kleine Filmchen zeigt eine weitere Wasserueberquerung, diesmal mit Schmackes! Es war eine bemerkenswerte kleine Wanderung!

Auf der anderen Seite diese Puten! Vor einiger Zeit hatte ich ja von den fuenf Neuzugaengen berichtet, zwei Haehne, drei Hennen. Sie haben sich tatsaechlich prima eingelebt, viel besser als erwartet. Ihr Brieftaubenverhalten haben sie voellig abgelegt, das ist gut. Die 18 Eier, die ich unter Huehnerhennen geparkt hatte, sind leider nix geworden. Zwei mutig geoeffnete Eier zeigten (aus der geruchssicheren Ferne) einen kleinen Embryo und in dem anderen Ei nur undefinierbare Plempe. War also nix. ABER: die drei Damen verschwanden kurz hintereinander alle im Busch, um sich nur selten und kurz zum Fressen wieder blicken zu lassen. Ich notierte mir die Daten. Eine kam nach 14 Tagen wieder, ohne Kueken. Die naechste kam am 28. Juni wieder – mit sieben Kueken! Sie geriet allerdings direkt in eine taetliche Auseinandersetzung mit der Kollegin. Das sah ich vom Fenster, als ich noch keine Kueken erkennen konnte. Ich raste raus, mit Butterbrot in der Hand, wie das so meine Art ist, und entdeckte erst eins, dann noch eins und noch ein Kueken, und dann wurde mir klar, dass um mich herum potentiell ueberall kleine Fluffbaelle sein koennten. Still stehen, nachdenken… Mein Fruehstueck wollte ich nicht aufgeben, aber mit nur einer Hand fluechtige Kueken einfangen, das sah ich auch nicht. Also rein, Fruehstueck abgelegt, Kiste geschnappt, auf Kuekenfang. Inzwischen war die Henne wieder Richtung Busch unterwegs mit ihrer Mini-Bande! Ich fand sechs Stueck, aber mir fehlte ein schwarzes, das ich definitiv gesehen hatte. Erstmal alle in den Stall, mit aufgeregt folgender Henne, dann wieder raus, weiter gesucht – fuendig geworden! Im Stall, den ich sehr provisorisch vorbereitet hatte mit einer Abtrennung fuer Mutter und Kinder, war die Henne so derart panisch, dass ich um die Kueken fuerchten musste, und ausserdem war es super-usselig und kuehl. Ergo alle wieder eingepackt, im Haus auf eine Waermflasche gesetzt, dann alle verfuegbaren Verlaengerungskabel aneinander gesteckt (das darf man gar nicht verraten, eigentlich) und eine Waermelampe aufgehaengt. 250 W Dauerleistung, geht nur mit Generator und ist demnach ein Unding, aber fuer die Kueken…. Nachdem die Lampe brannte, die Temperatur darunter in Ordnung und die Kuekenschar aufgewaermt war, schleppte ich alle wieder runter, setzte sie unter die Lampe – und sie liefen sofortissimo zu ihrer Mama, die sich dann – endlich, endlich – auch beruhigte und ordnungsgemaess die Brut unter ihre Fittiche nahm. Es erfolgte ein tiefes Ausatmen meinerseits.

Seitdem pilgere ich alle paar Stunden zu den Puten, um zu zaehlen und Zustaende zu pruefen. In Deutschland habe ich ja erlebt, wie schnell die von lebendig zu ganz tot koennen. Gestern, sowieso ein eher schwieriger Tag, geriet zweimal ein Kueken aus der Abtrennung. Diese Mini-Teile kuehlen ganz schnell aus und liegen dann leblos in den Ecken. Zweimal also hatte ich ein Kueken im Hemd, den Gatten mit der Bereitstellung einer Waermflasche beauftragt, und wickelte Nestchen aus einem Handtuch. Zweimal klappte es wie ein kleines Wunder: Waerme fuer eine gute Stunde, und ein rasselnd atmendes Pruttelchen mit geschlossenen Augen und haengendem Koepfchen verwandelt sich wieder in ein piepsendes, flitzendes Federbaellchen. Ich habe versucht, die Ausbruchsluecken zu finden und zu stopfen, und trotzdem fand ich heute morgen wieder eines ausserhalb der Einkastelung, diesmal wirklich ganz tot.

Diese Kueken-Dramen gehen mir jedes Jahr nahe. Immer, wenn ich so ein kleines Wesen in der Hand halte und den Mini-Schnabel auf meiner Haut spuere, das Klicken und das Rasseln hoere, dann habe ich ein Deja-Vu. Ich weiss gar nicht, wie oft ich das schon gemacht habe, mit allen moeglichen Federtieren, meist mit weniger Erfolg. Jedes Jahr wieder, und jedes Jahr habe ich die Hoffnung, dass man die Tierchen retten kann. Puten sind – aehnlich wie Esel – nicht von hier. Sie haben es auch lieber waermer und vor allen Dingen trockener. Da frage ich mich heute ganz besonders, ob wir so einen Versuch ueberhaupt haetten starten sollen, mit einer Naturaufzucht. Denn: Die dritte, erfahrene Henne sitzt noch irgendwo draussen, und naechsten Sonntag muessten die Kueken schluepfen. Es kann gut sein, dass sie bei dem Regen inzwischen auf einer Insel sitzt. Aber selbst, wenn das nicht der Fall ist, sehe ich gar nicht, wie sie bei diesem Wetter die Winzlinge trocken bis zum Haus bringen will. Naechste Tragoedien sind vorprogrammiert…

Die aktuellen Kueken aber habe ich heute neu eingekastelt, die Mutter damit einmal mehr voellig aus der Fassung gebracht, doch bei der letzten Kontrolle sassen alle ordnungsgemaess in der Ecke, Mutter auf Kindern.

Durchweg erfreulich allerdings war die Ausbeute von der Wildkamera gestern, auch wenn ich leider die besten Bilder versehentlich nicht kopiert, sondern geloescht habe.

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Diesen oder einen anderen Luchs sahen wir auch voriges Jahr schon. Am besten gefallen mir immer diese immensen Hinterfuesse!

Dann aber zeigte sich das fuer mich bisher erfreulichste Tier (weil es schoene Toene macht, und mich weder beissen noch stechen noch ueberhaupt potentiell aufessen will), und bei genauem Hinsehen hat es auch Nachwuchs bei sich.

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Gehoert hatte ich die Sandhill Cranes in letzter Zeit oft im Nordwesten, hatte auch schonmal ueberlegt, ob sie wohl in unserer Naehe sein koennten, aber dieses Foto, mit einem so kleinen Kueken, belegt ziemlich klar, dass sie in der Tat bei uns auf dem Land, ganz in der Naehe der Kamera brueten. Wie ich mich darueber freue!

 

 

Ein Gedanke zu „Esel-Erfolge. Gefluegel-Dramen.

  1. Sonja M

    Das Eselchen hat zum Schluss ja direkt einen Gämsen-artigen Sprung hingelegt. Mit Geflügel kenne ich mich gar nicht aus, ich esse ja nicht mal Eier… aber possierlich sind diese Küken ja schon.

    Antwort

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