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Ach wie schoen war das!

Nachdem der Schnee sich wieder verzogen hatte und stattdessen eine ordnungsgemaesse Herbststimmung aufkam, starteten Corinne Moor und ich endlich zu unserem schon lange angepeilten Roadtrip. Nur zur Erinnerung noch mal: Corinne und ihr Mann Sam kamen vor (ziemlich) vielen Jahren aus der Schweiz nach Kanada. Wir lernten sie schon frueh kennen, als wir noch auf die Kuehe aufpassten. Von ihnen kauften wir unsere ersten Ziegen, und seitdem sind sie Lieferanten fuer fast alles: mehr Ziegen, eine Katze, unseren ganzen Solar-Krams, Hund Sixty… Und jetzt auch noch Reisefuehrung – wie praktisch ist das denn?!

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Fuer diese Strecke hatten wir uns zwei Tage Zeit genommen, und der Himmel spielte mit. Corinne hatte die Tour schon gemacht und konnte viel erzaehlen zu den Sehenswuerdigkeiten, kleinen und groesseren. Mich faszinieren besonders die kleinen. Wie zum Beispiel dieser himmlische kleine Laden in Cleardale, wo es buchstaeblich ALLES gab, und wo die (leeren) Benzinkanister friedlich neben der MoPro-Kuehlung parkten (MoPro fuer die die Nicht-Bioladen-Versierten: Molkereiprodukte 😉 )

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Tankstellen muessen hier nicht immer so aussehen wie in Deutschland 😉

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Meine Fotografen-Faehigkeiten liessen rueckblickend stark zu wuenschen uebrig. Corinnes Fotos dagegen vermitteln viel besser die Weite und das Wetter und die Landschaft etc.pp. Mit ihrer freundlichen Genehmigung verwende ich also ueberwiegend ihre Fotos, naemlich die rechteckigen. Quadratisch und Karten sind von mir.

Unser erstes „echtes“ Ziel war Fort St. John (keine Fotos). Da kannte Corinne ein nettes kleines Cafe-Restaurant mit europaeischem Flair, also Holztische, Holzstuehle, keine Cafe-Kette, sondern unabhaengig. Und lecker war’s. Weiter ging es nach Hudson’s Hope, gut 1000 Menschen in der gesamten Gemeinde, also sehr ueberschaubar. Der Weg dorthin fuehrt am Peace River entlang, und das weite Flusstal ist Schauplatz und Gegenstand von Protesten und Aktionen.

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Es soll naemlich zu einem grossen Teil geflutet werden fuer einen riesigen Stausee und die Gewinnung von Strom. Das ganze Projekt wird sehr kontrovers diskutiert, ich gestehe, ich habe den neuesten Stand nicht. Der Text auf der Seite unten erklaert, dass damit knapp 6500 Hektar fruchtbares Land verloren gingen.

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Aber Stausee hin, Stausee her, wir fuhren durch wunderschoene Herbstlandschaft.

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Wie man sieht, waren verstopfte Strassen so gar nicht unser Problem. Aber B.C. hat Kurven – ganz ungewohnt.

Ein Stueckchen hinter Hudson’s Hope beginnt oder endet der W.A.C. Bennett Dam, ein schon bestehender Stausee, der groesste in B.C. und der siebtgroesste der Welt. Auch dieser hatte natuerlich immense Auswirkungen auf die Menschen und die Natur in der Gegend, viele First Nations Gruppen mussten umgesiedelt werden.

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Wie die Informationstafeln angaben, produzieren die beiden vom Stausee betriebenen Kraftwerke zusammen etwas ueber 17.000 GWh, der durchschnittliche Haushalt in B.C. verbraucht jaehrlich 11.000 kWh. Das liess mich doch mal nachdenken. Die letzte Jahresabrechnung fuer die Datscha in Deutschland war ueber 277 kWh. Ich weiss, dass das kein Vergleich ist, weil ja fast nie jemand da war. Aber 11.000 ist schon eine ganz ordentliche Zahl, scheint mir… In Deutschland verbraucht laut http://www.stromverbrauch.de ein Haushalt mit 5 Personen im Schnitt 5.900 kWh und ein paar Zerquetschte. Erstaunlich.

Wir fuhren weiter, um in einem Hotel/Ferienhausbetrieb einen Kaffee zu trinken und die Aussicht zu geniessen. Zwar war der Himmel manchmal bewoelkt, aber das hat auch seinen Reiz. Die Berge tragen schon Schneehauben.

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Uebernachtet wurde in Chetwynd, einem Oertchen, das von der Forstindustrie lebt, in dessen Umgebung aber auch Kohle abgebaut wird. Keine Fotos. Aber gut gegessen und geschlafen.

Am naechsten Tag hielten wir auf dem Weg nach Tumbler Ridge kurz am Gwillim Lake, den ich auf der Karte gar nicht eingetragen habe. Dramatisches Licht, wunderschoener kleiner See, keine Menschenseele weit und breit. So gehoert das.

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Naechster Halt: Tumbler Ridge. Sehr nette Tourist Information, ich konnte mir einen kleinen Einkauf nicht verkneifen. Wieder keine Fotos. Wieder gegessen und die Haeuschen bewundert, die dort irgendwie bunter sind als hier bei uns in (theoretisch) Nord-Alberta, fast skandinavisch. Nett jedenfalls. Und dann ging es weiter zu den Kinuseo Falls. Von denen hatte ich schon gehoert und auch Fotos gesehen. Gute 60 km suedlich von Tumbler Ridge und erreichbar groesstenteils ueber Schotterstrasse. Die war zwar ganz gut, aber wir waren uns einig: unsere albertanischen Schotterstrassen sind „weicher“ und klingen weniger bedrohlich fuer die Reifen. Wir kamen heil an, auch wenn es ueber ein paar interessante Bruecken ging. Auf dem Parkplatz an den Wasserfaellen stand ein dicker Truck mit einem Platten…. Glueck gehabt!

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Die Wasserfaelle sprechen fuer sich selbst, und zwar laut. Die Kinuseo Falls sind tatsaechlich hoeher, wenn auch nur wenig, als die Niagara Falls. Sie bewegen aber bei weitem nicht so viel Wasser und sind auch nicht so steil. Beeindruckend trotzdem, vor allem fuer mich, die ich mich mit Hoehen ein bisschen schwer tue. Immerhin habe ich mich bis auf die zweite Aussichtsplattform im Steilhang gewagt – keine Fotos. Die erste Plattform hatte den Vorteil, dass ich sie nicht von unten sehen konnte…IMG_8739

 

 

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Zurueck ging’s ueber Dawson Creek, wo offiziell der Alaska Highway beginnt.

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Schoen war’s! Grosser Dank an Corinne, nicht nur fuer die schoenen Fotos! Ich wuerde sofort wieder in’s Auto steigen und nochmal fahren, und ich habe auch beschlossen, dass der naechste Besuch diese Tour bekommt. Und naechstes Jahr dann Yellowknife?!