Bleibt alles anders

So sang vor Jahren schon Herr Groenemeyer, und das denke ich zur Zeit auch haeufig. Schon wieder mehr als zwei Monate, seit ich zuletzt geschrieben habe, aber passiert ist in diesen Monaten genug fuer ein ganzes Jahr, so fuehlt es sich an. Nur draussen, draussen sieht es immer noch so aus wie vor zwei Monaten. Die Sonne scheint, der Schnee glitzert, die Tiere wollen jeden Tag essen und fordern eine gleichbleibende Routine. Das hat etwas sehr Gutes in diesen Zeiten, wo sich alles irrwitzig schnell zu aendern scheint.

An den Februar erinnere ich mich schon kaum noch. Schnee, Brot, Wanderungen in den Wald – das Uebliche. Alma half mir, Feuerholz zum Haus zu ziehen, ich hielt die diversen Oefen am Laufen. Mittendrin ein sehr erschreckender Kaminbrand, den wir und das Haus aber ohne sichtbare Schaeden ueberstanden haben. Ein schoenes Wochenende mit den Young Agrarians, einer Organisation junger und nicht so junger, bereits aktiver oder Moechtegern-Landwirte. Ende Februar kam dann die Nachbarin und brachte einen Rundballen, nachdem sie mir drei (DREI!) auf den roten Rudolf geladen hatte. Rudolf, der kann was! Schliesslich wuerde ich am 1. Maerz nach Deutschland fliegen, und die Tiere sollten gut versorgt sein. Wir haben festgestellt, dass diese Heulieferungen unter uns Frauen mehr Spass machen als mit Maennern (nein, ich will hier niemanden diskriminieren, aber es war tatsaechlich irgendwie einfacher, praktischer und lustiger, das letztere sowieso!)

Dann bestieg ich mit zwei halbvollen Koffern erst den kleinen und dann den grossen Flieger, trotz Unkenrufen, ob ich denn wohl trotz Corona aus Deutschland wieder rauskommen wuerde. Ich war optimistisch, vielleicht auch ein bisschen naiv. Doch schliesslich gab es in Deutschland den Nachlass meiner Mutter zu regeln, und dafuer wollte ich mir den ganzen Monat Zeit nehmen.

In Deutschland wurde ich von regnerischem Wetter empfangen, es war ueberwiegend grau, was meiner Motivation so gar nicht half. Aber es gab auch schoene Zeit mit meinen Maedels, nette Abende mit Freunden und schliesslich dann schoenes Wetter, Gaenge mit den Hunden, und noch ein bisschen Sitzen an der Datscha, die ich mit sehr schwerem Herzen jetzt aufgebe. Ueberhaupt war dieser Aufenthalt gepraegt von einem Gefuehl von Aufgeben, Gehenlassen, Loslassen. Wichtige Uebungen, die jetzt wohl dran waren.

Und ueber allem schwebte die sich rapide entwickelnde Coronavirus-Situation. Aus Kanada kamen Fragen, ob ich denn nicht nach Hause kommen wolle, ob das denn alles so klug sei, etc. Ich blieb immer noch recht entspannt. Aber dann rief tatsaechlich der Herr Hoe. persoenlich an – ein seltenes Ereignis. Ob ich schon umgebucht habe? – Nein, warum? – Solltest du aber besser… – Tat ich dann auch, verkuerzte meinen Aufenthalt um 10 Tage, und es sieht so aus, als ob ich einen der letzten Air Canada Fluege nach Calgary erwischt habe.

Frankfurt war gespenstisch leer, mein Flug scheinbar laengst nicht ausgebucht. Calgary sah etwas belebter aus, aber der letzte Flug nach Grande Prairie hatte – bei moeglichen knapp 100 Passagieren – nur 18 Reisende an Bord.

Zu Hause bin ich jetzt in – inzwischen gesetzlich verpflichtender – haeuslicher Isolierung. Das ist nun natuerlich so gar nicht schwierig. Abgeholt wurde ich von Gereon und Freundin Katrin mit zwei Autos und chauffierte mich dann allein nach Hause, mit den beiden im nachfolgenden Auto. So wurde es moeglich, dass Gereon dennoch arbeiten gehen kann, weil er sich in seiner Werkstatt einschliessen und keinen sehen darf. Sogar Einkaeufe fuer uns uebernimmt seine Firma jetzt und stellt ihm alles vor die Werkstatttuer. Kommunikation erfolgt nur per Telefon

Eingekauft hatte aber auch Katrin schon fuer uns, nach meiner durchgetexteten Liste. Weil wir so leben, wie wir schon lange leben, sind 14 Tage ohne weiteres Einkaufen so gar kein Problem. Doch wie ich hoere, gibt es auch hier Hamsterkaeufe. Was fuer ein merkwuerdiges Verhalten! In Alberta sind relativ wenige Faelle, doch die Zahlen steigen natuerlich auch hier. Es wurden jedoch schon sehr frueh recht strikte Massnahmen ergriffen, und aufgrund unserer grossen raeumlichen Distanz hier auf dem Lande hoffe ich, dass in den Zentren genuegend Immunitaet entsteht und das Virus sich totlaeuft, bevor es bis zu uns durchdringen kann.

Es hat noch mehr Schnee gegeben, doch die Temperaturen sind bis auf einen kleinen Ausreisser einstellig nach oben und nach unten. Morgens beginne ich den Tag mit dem NDR-Podcast mit Prof. Drosten, dann lese ich die neuen Berichte des Robert-Koch-Instituts. Nachmittags gibt’s den Video-Bericht der Chef-Medizinerin der Provinz, zu dem sich hin und wieder auch der Ministerpraesident gesellt. Nachrichten liest nach wie vor nur der Herr Hoe., ich traue denen eher nicht. Und dazwischen sind meine Tage wie immer. Bleibt eben alles anders. Im Moment bin ich recht gelassen.

Euch, liebe Leser, wuensche ich gute Nerven und klare Koepfe. Passt gut auf euch und eure Nachbarn auf.

Alles ist relativ

Ich bin relativ faul. Das liegt aber daran, dass ich die ELEKTRIKER IM HAUS habe. Es ist fast nicht zu glauben, aber in sehr absehbarer Zeit, etwa einer Woche, werden die vielen verworrenen Verlaengerungskabel aus meinem Leben verschwunden sein, es wird Lichtschalter geben und Steckdosen. Alles im Industrielook, also auf „Putz“ und in Stahl, aber das ist mir nur recht. Alles ist gut sichtbar und tut nicht so, als ob es etwas anderes waere.

Weil das Haus klein ist und total voller Kram – wer haette das gedacht? – bin ich hauptsaechlich damit beschaeftigt, den beiden jungen Maennern, Chuck und Cole, aus dem Weg zu gehen bzw. fuer sie Schneisen zu schlagen, Betten zu ruecken, Krempel von A nach B zu schubsen, damit sie ihre Arbeit tun koennen.

Fabrik-Stil oder so aehnlich. Schalter in der Entstehung.

Und wenn ich schon sonst nix Sinnvolles tun kann ausser natuerlich die Tiere zu versorgen, erzaehl ich euch noch mal vom Winter. Der ist naemlich gerade so wirklich voll zugange. Der Wetterbericht hatte schon letztes Wochenende mit sehr niedrigen Temperaturen gedroht, und diesmal lagen die Wetterfroesche richtig. Gestern morgen hatten wir uns bis auf -40 heruntergearbeitet. Das war dann natuerlich auch der Moment, wo der Generator in die Knie ging. Und die Elektriker kommen wollten. Der Chef war nicht amuesiert, fand, ich haette ihnen absagen muessen. Ich habe sie naemlich, getreu meinem Motto fuer dieses Jahr „Selbst ist die Frau – jetzt erst recht!“, eigenmaechtig bestellt.

Also, Generator tot, demnach Auto nicht startbar, demnach Chef nicht zur Arbeit, demnach vier Menschen im Haus, aber praktisch kein Strom – das ist eine interessante Situation. Natuerlich haben Handwerker heutzutage alle Akkuschrauber, Akkubohrer, Akku-Alles. Und Kopflampen. Also kein Problem fuer die Jungs. Und natuerlich fingen sie IM Haus an und nicht mit den Zuleitungen von draussen. Als dann die Sonne kam und wunderbar lud, trotz minus 36 oder so, gab sie uns freundlicherweise genuegend Strom, dass der Chef sein Auto vorwaermen und dann abduesen konnte. Zum Glueck hatte der Generator, wie sich herausstellte, nur einen kleinen Schluckauf und laeuft jetzt wieder. In solchen Situationen waechst wieder meine Bewunderung fuer die Menschen, die in diesem kalten Winterland ohne all unsere als selbstverstaendlich hingenommenen Annehmlichkeiten gelebt haben. Da muss man sich schon wirklich was einfallen lassen.

Unsere Tiere kommen mit dem Wetter erstaunlich gut klar. Alle haben permanent Schnee auf dem Ruecken, was uns sagt, dass sie wenig Waerme abgeben – und das ist gut so. Schnee isoliert auch. Einen betraechtlichen Teil meines Tages verbringe ich damit, fuer alle aus Schnee Wasser zu produzieren, vorzugsweise handwarm. Von der Kuh kriege ich immer aergerliches Kopfschuetteln, wenn die Temperatur nicht korrekt ist, die Esel und Lamas sind nicht pingelig und trinken alles, Hauptsache fluessig. Letztere fressen auch Schnee, aber ich denke mir, dass es viel zusaetzliche Energie kostet, auch noch Schnee im Magen zu schmelzen, also goenne ich ihnen diesen kleinen Luxus.

Und heute, nach den -40 von gestern, die auch noch von einem kleinen Windchen begleitet waren, kamen uns die -32 am Morgen relativ warm vor. Das zum Thema Relativitaet. Im Moment ist es -25, die Kuh liegt draussen am Heuballen, und alles ist – relativ – entspannt.

Die Kuh hat jetzt ganz frei. Martina das Kalb wanderte kurz vor Weihnachten Richtung Truhe, und ich fing an, die Kuh wieder zu melken. Der Anfang war schrecklich, sie wollte sich an nichts Gutes erinnern, sondern nur wieder Krawall machen. Aber ich war ja vorgewarnt, und so hielt ich durch, und nach zwei, drei Tagen bekam ich endlich die lang ersehnte richtige, echte Milch mit Sahne. Was fuer ein Spass und Genuss, waere da nicht der Wetterbericht mit seinen Drohungen gewesen.

Die Fotos habe ich schon bei -22 gemacht, und ich habe auch noch bis -30 gemolken, aber dann wurde die Kuh wieder grantelig, meine Finger, vor allem die kleinen, immer kaelter, die Milch fing mir im Eimer an zu frieren – und dann war auch gut. Es gibt Grenzen. Ich muss nicht mehr alles versuchen. Und in der kurzen Melkzeit hatte ich immer genuegend Milch, um noch einige Liter fuer uns einfrieren zu koennen. Die werden wir jetzt noch zu schaetzen wissen, und dann muessen wir bis Mai wieder anderweitig einkaufen, das geht auch. Und die Kuh nimmt in der Zeit hoffentlich ein kleines bisschen zu. Sie ist immer noch klapperig, aber mehr Futter brachte nur mehr Milch, wie das eine gute Milchkuh so regelt.

Die Tage sind jetzt schon spuerbar laenger, und wenn die Sonne scheint, ist Winter – auch mit Kaelte – immer noch mein liebstes.

Jetzt geh ich mal wieder Holz nachfuellen, drei Oefen, zwei im Haus, einer im Hof, wollen gefuettert werden.

Ach, und weil das Oberbergische jetzt ja „Wolfserwartungsland“ ist, kriegen die oberbergischen unter meinen potentiellen Lesern hier schon mal ein Bildchen, damit sie wissen, worauf sie achten muessen. Das war unser Weihnachtswolf, liess sich Heiligabend ablichten.

Weihnachts-Wolf

Monochromer Montag

Wir nähern uns dem kürzesten Tag des Jahres, und alles ist langsam, so scheint es. Vor allem ich. Winterschlaf ist Wirklichkeit, ich freue mich über lange Nächte, frühe und späte Dunkelheit, noch mehr Stille und sogar über die fast verschwundenen Farben draußen. Als ich eben, zwischen halb fünf und fünf, meine Tiere versorgte, gab es fast nur noch kleine Flecken von Primärfarben in all den vielen Abstufungen zwischen Weiß und Grau. Sogar der Hund passt da hinein. Der Himmel im Nordwesten ist und bleibt mein liebster.

Einerseits: Winterschlaf…

Wie es scheint, ist der Winter jetzt wirklich da. Heute Morgen zeigte das Thermometer -21 Grad, und schon gestern Abend hatte ich den zweiten kleinen Ofen angefeuert. Ein Blick aus dem Fenster aber zeigt mir mein Lieblingswetter, ihr wisst schon: Blitzeblauer Himmel, strahlender Sonnenschein, glitzernder Schnee. (Haha, das war noch im November, dann kam mal wieder was dazwischen, inzwischen ist Dezember und heute ist es grau, aber kein Problem.) Warmes Fruehstueck gibt es trotzdem, Haferschrot mit Wasser, Milch und eingemachten Birnen und Pflaumen. „Ausnahmsweise“ mal ein bisschen angesetzt unten im Topf…

Doch erstmal zurueck zum Oktober.

Kurz nachdem ich den kleinen Hund unter dem Weißdorn beerdigt hatte, drohte sich der Winter schon wieder an, und zum Glück schaffte Schreiner Jeremy es noch früh genug, die porch, den Vorflur oder wie ich das nennen soll, einzukasteln.

Sogar ein Katzenklaeppchen gibt es, wie ihr seht. Ist aber etwas schwergaengig, und unsere verwoehnten Katzen erwarten ueberwiegend dass jemand (ich natuerlich) es bitte sehr gefaelligst fuer sie oeffnet. Wenn sie denn ueberhaupt ins Wetter wollen, meistens bleiben sie jetzt einfach im Haus und lassen sich bedienen.

Ein bisschen winter-weihnachtliche Stimmung kann ich mir nicht verkneifen.

Noch im Oktober fuhr ich zu einem lange ersehnten Kaesekurs in die Gegend von Edmonton. Was fuer ein Erlebnis! David Asher ist ein rebellischer Kaese-Macher, der aufgrund seiner Erfahrungen der Ansicht ist, dass Milch sowieso Kaese werden will (naemlich im Magen des Kalbes) und dass sie demnach alles, was zur Kaeseherstellung erforderlich ist, schon mehr oder weniger in sich hat. Also braucht niemand industriell (und teilweise fragwuerdig) hergestellte Kaesekulturen, etwas, was mich bei meinen bisherigen Versuchen auch schon immer gegraetzt hatte. Man laesst die Milch natuerlich saeuern, und los geht es. Braucht man nur noch Lab, das sinnvollerweise von einem Kaelber- oder Zickleinmagen gewonnen wird (da wird es dann fuer die Laktovegetarier schwierig, aber lasst euch gesagt sein: Mikrolab oder wie es heisst ist auch nicht ohne). Es war eine spannende, hirn-beanspruchende und sehr leckere Woche, die ich – als Tuepfelchen auf dem i – auf dem Hof verbringen durfte, der die Milch lieferte. Ich hatte Gelegenheit, Ziegen und Kuehe zu melken, auch nach Kursende noch mit David zu reden und ueberhaupt spannende Menschen und Konzepte kennenzulernen. Obwohl ich so eigenbroetlerisch geworden bin, tut sowas einmal, vielleicht sogar zweimal im Jahr richtig gut.

Hier zuhause klappt nix davon – zu meinem Graus. Der wunderbare Kefir, von dem ich ein Stueckchen mit nach Hause nehmen durfte, ist mir nach kleiner Ueberhitzung *huestel* verstorben, und schon vorher schmeckte alles, was er produzierte, wie Milchwein, alkoholisch. Und der Joghurt ist auch hinne – sehr tragisch. So bleibt mir also im Moment nur der Blick auf meine schoene Kuh, die leider zu duenn zum Melken ist, die mir aber hoffentlich ab naechsten Mai einen Neustart ermoeglicht.

Kaum war November, kam auch schon deutscher Besuch, die beiden Forstleute Luise und Ruediger, die 14 Tage bei uns blieben. Dafuer hatte ich unter Druck den Schuhkarton, das Gaestezimmer, einigermassen bewohnbar gemacht, aber es gab Tuecken und Ausfaelle, so war z.B. der Schornsteinausgang nicht dicht, und es kam Wasser durchs Dach herein. Ganz davon abgesehen, wurde es ausserdem noch richtig kalt – aber die beiden waren tapfer und hart im Nehmen, mein Angebot, doch im Haus zu naechtigen, lehnten sie mutig ab. Nach Abdichtung des Schornsteins aber, Einbau eines besseren Suedfensters (das usselige verberge ich geschickt hinterm Vorhang…) und Verbesserung der Tueren steht das Zimmer (mit eigenem „Bad“) dann im Fruehjahr mutigen Gaesten zur Verfuegung.

Es gab viel Waldarbeit, inklusive erfolgreicher Hirschjagd, ein Schwein wurde geschlachtet, vorher schon einige unserer vielen Puten, und jetzt sind die Truhen voll mit Wurst, Schinken, Gulasch, Braten und Hackfleisch. Nur unsere Kartoffelbestaende neigen sich schon fast ihrem Ende zu. Sehr schade.

Im Wald macht der Elch Yoga.

Zwar ist die Arbeit ums Haus deutlich reduziert, aber fuer das, was getan werden muss, gibt es viel weniger Zeit. Die Sonne geht erst um 9 auf und ist um halb fuenf schon wieder weg, und das wird ja noch ein bisschen weniger. Fuer meinen Schlaf ist das ungemein foerderlich, und ich verstehe all die Tiere, die Winterschlaf oder Halb-Winterschlaf halten. Es ist die Zeit, in der ich mehr lese, kostenlos meinen Plaenen und Projekten nachhaenge, viel mehr stricke und einfach im ganzen entspannter lebe. Weil ich sowieso ueberwiegend nur planen, nichts ausfuehren kann, kommt auch kein Frust auf, wenn mal wieder was nicht passiert. Im Winter passiert einfach grundsaetzlich nicht viel, und das ist gut so! Ausser vielleicht, ganz vielleicht… koennte ich mal meine Speisekammer zum x-ten Mal umbauen… oder oben eine Sitzecke basteln… oder den Schuhkarton weiter vervollstaendigen… mehr stricken… spinnen… filzen…

Oh, und jetzt fallen draussen Floeckchen – vielleicht tu ich auch einfach ueberhaupt nix und gucke mir das Wetter von drinnen an. Eine schoene Vorweihnachtszeit wuensche ich!

Update und Nachruf – oh je!

Eben plauschte ich lange und nett mit Frau Claudi, die mich daran erinnerte, dass ich schon wieder so lange nichts geschrieben hatte. Wie recht sie hat – ueber einen Monat ist es her, dass ich von den erhofften Fortschritten berichtete. Dann aber ging die Herbst-Hektik los, mit mehr „Wetter“ und vielen Dingen, die erledigt, gerettet, versorgt werden wollten. Auch gab es im September noch drei Maerkte, aber jetzt ist an der Markt-Front ein bisschen Ruhe eingekehrt. Es koennte eine vor dem Sturm sein, aber das stellt sich vielleicht naechste Woche heraus.

Ich berichtete ja im August von den elektrischen Entwicklungen und der Hoffnung auf weniger Verlaengerungskabel-Jonglage. Letztere hat sich (noch) nicht erfuellt, aber die Elektrik als solche macht mich fast taeglich sehr froh.

Nachdem naemlich mit Hilfe der freundlichen „Nachbarn“ die zusaetzlichen Panels auf dem Dach montiert waren und dann der Herr Hoe. ratzi-fatzi einen Leitung zum Haus (ueber die ueberaus provisorische Ausfuehrung schweigen wir mal wieder) gelegt hatte, gab es ploetzlich ungeahnte Mengen Strom – mir wurde am ersten Tag fast bange. Dann aber hatten sich die Batterien, der Inverter, die Anzeige im Haus und ueberhaupt alle Elemente an die veraenderte Lage gewoehnt, und ich wollte schon morgens den Staubsauger anwerfen, einfach nur so, weil ich naemlich gekonnt haette! Wenn sonst so gegen 11 Uhr die Anzeige auf Ladung umschaltete, tat sie das in den ersten Tagen (wir erinnern uns: VOR der Herbst-Tag- und Nachtgleiche) bereits VOR 8 Uhr morgens. Das hat es noch nie gegeben. Inzwischen sind die Tage schon wieder erheblich kuerzer, aber dennoch kommt bei Sonnenschein total viel Strom bei uns an, und es macht richtig Spass. Der Generator, dieses laermige Ding, ist auch umgezogen, so dass mein Haus gar nicht mehr vibrieren muss. Rundum wunderbar! Und deswegen kann ich ueber die kleinen nach wie vor existierenden Unannehmlichkeiten (Mehlmahlen im Honeyhouse, immer noch keine „ordentlichen“ Steckdosen) problemlos hinwegsehen.

Der naechste Fortschritt wurde von Thomas dem Carpenter gebracht.

Tee auf dem Ostbalkon!

Auch hier ist noch nicht alles getan, die Moskitogitter fehlen noch, aber inzwischen fehlen auch die Moskitos, und das ist sehr schoen.

Der Schuhkarton sieht auch schon ganz anders aus.

Jetzt warten wir auf das bestellte Fenster, und dann werden sich Gereon und der neu gefundene Schreiner/Zimmermann an das Basteln von Tueren geben. Wir moechten naemlich immer noch keine kanadischen Tuerbeschlaege, und so habe ich den Lieblingsnachbarn in Deutschland einmal mehr um Unterstuetzung gebeten. Und wenn das dann alles geregelt ist, haben wir wieder Platz fuer Besuch! Ach, und einen Ofen habe ich auch schon bekommen, ungefaehr so:

Kleiner geht’s kaum.

Ja, da steht eine Tasse drauf. Ja, er ist wirklich so winzig. Dieser hier wird allerdings inzwischen hoffentlich Europa bereisen. Meiner ist ein kleines bisschen groesser, damit geschaetzter Besuch nicht froesteln muss.

Na, und dann gab es mehr Herbstdinge. Winteressen vorbereiten, der Hackepeter zieht um in die Truhe. Es wird eingekocht, heute abend noch schnell, liebe Frau Claudi, Zwetschgen/Pflaumen mit Birnen, wie es das bei meiner Oma gab. Vorher jede Menge Tomatensosse, und ohne Bild, weil auch optisch sehr tomatig und aehnlich, Salsa und Relish. Halloween ist auf dem Anmarsch, und direkt danach Weihnachten, jedenfalls bei Costco. Die Baeume kleiden sich golden, die Wolken machen manchmal Drama (mit ungeheurem Regen, wie ich ihn erst einmal, vor Jahrzehnten in Deutschland, beim Autofahren erlebt habe), die Eberesche schmeisst die Blaetter ab, noch eine Henne taucht mit 7 Kueken auf, obwohl es regelmaessig nachts friert. Bis jetzt hat sie noch keines verloren! Leider will irgendwer mal wieder nicht alles so hochladen wie ich moechte. Die Weihnachtsbaeume am 15. September oder so muesst ihr euch also denken. Bekloppt sind sie schon, die Kanader!

Ja, und dann passierte in all der Herbst-Hektik und bei dem schoenen Wetter etwas Schreckliches. Unser heiss und innig geliebter kleiner, wichtiger Hund ging morgens raus, wurde wegen eines Stueckes Fleisch vom grossen Hund attackiert und dabei so schwer verletzt, dass nach eingehender Untersuchung und Einschaetzung durch den Tierarzt wir uns schweren Herzens entschlossen haben, ihn, also eigentlich sie, einschlaefern zu lassen.

Der wichtige Hund: ? – 01/2010 – 1.10.2019

Im Januar 2010 brachte ich sie aus der Tierarztpraxis mit und rettete sie damals vor der letzten Spritze. Nach einem einjaehrigen Intermezzo bei einer Nachbarin kam sie 2011 zu uns zurueck und war seitdem – neben Zora – der beste Hund, den wir je hatten. Nach anfaenglichen kleinen Fehlern, wir erinnern uns an das tote Huhn, vertrug sie sich mit allem und jedem, besonders aber liebte sie Kinder. Sie liess sich allerdings von nichts und niemandem einschuechtern, auch nicht von den beiden grossen Hunden, zuerst Emmi, dann Sixty, mit denen sie zusammenlebte. Zora war ja selbst so ein Seelchen, da wurde nicht gestritten. Und der kleine Hund war innendrin sowieso der groesste und Chefin ueber alles. Es gab immer mal kleinere oder auch beaengstigende Scharmuetzel, immer wegen Essen, und niemals gab sie nach. Am Dienstag aber konnte ich gleich hoeren, dass etwas anders war.

Wie oft hat der kleine Hund mit uns draussen gesessen, bei einem Glas Wein (fuer uns) und mit dem Blick ueber sein Reich. Immer alles im Blick, immer wichtig, nie untergeordnet, immer eigensinnig, immer total loyal. Ein wildes, freies Leben, wie mein Tochterkind sagte.

Jetzt: Herbst

Ich habe das mal so beschlossen. Den Sommer koennen wir sowieso komplett abhaken, deswegen will ich mich jetzt lieber auf einen schoenen Herbst konzentrieren. Die Anfaenge sind da.

Eberesche revisited

Ganz frueher, im Bitzengarten, hatten wir auch eine Eberesche. Und tatsaechlich gedeihen die auch hier ganz gut, und diese im Bild hatte ich mir letzten Herbst gegoennt. Sie war der einzige von mehreren Baeumen, den ich direkt eingepflanzt hatte, und im Fruehjahr lebte sie noch. Dann kam das Lama und beschloss, dass wir eine Saeulenform schoener finden sollten. Ich hatte grosse Sorgen um die Eberesche, aber sie hat sich nichts draus gemacht und ist schoen weitergewachsen. Blauer Himmel, weisse Woelkchen, rote Ebereschenbeeren – das ist doch schon mal ein Anfang.

Es gab einen Bienenschwarm, entzueckende Kueken in ueberschaubaren Zahlen, erste Herbstfermente (Knoblauch-Bluetenstiele, ich weiss gar nicht, wie die auf deutsch heissen, Guerkchen, Blumenkohl, zwei Sorten Sauerkraut, eingekochte Pfirsiche, und mittendrin den ersten und zweiten Frost. Garten zu einem Teil ade, keine Tomaten, keine Bohnen, wenig Erbsen, allerdings Kartoffeln scheinbar in Ordnung, Moehren so la-la, Lauch ziemlich schoen, Zwiebeln sehr schoen, ueber die roten Bete schweigen wir. Kohl – siehe oben – war ok, der Rotkohl steht noch und wird bis jetzt vom Geziefer verschoent. Immerhin.

Zur Zeit aber am aufregendsten: Die Bauprojekte in der unteren Reihe. Links der „Schuhkarton“. Ein hoffentlich in Kuerze Maeuse- und Moskito-sicheres Raeumchen, in dem ich z.B. Einmachglaeser und andere frostsichere Dinge zu lagern gedenke, aber auch Gaeste (ohne Heizung natuerlich nur im Sommer, aber heimlich denke ich schon ueber ein Oefchen nach). Deswegen die Tuer zum Garten und zwei bis drei Fenster. Der Boden wird noch besser, ehrlich! Daneben kriegt die Kuh dann ihr Winterquartier. Aber da gibt es noch Planungsunsicherheiten. Mit denen muss ich sowieso immer leben, weil die meisten Plaene nur beim Herrn Hoe. im Kopf sind, oft weiss ich gar nicht so wirklich, was da abgebildet ist, und noch oefter bekomme ich Revisionen nicht mit. Ich gewoehne mich glaube ich dran. Rechts das, was der Herr Hoe. „Zaehlerkaesten“ nennt. Das sind Relikte aus seinem Deutschsein, die er nicht los wird. Er rechnet auch noch in D-Mark… Zaehlen brauchen wir aber unseren Strom nicht, und so sind es in Echtigkeit natuerlich Sicherungs- und Verteilerkaesten fuer – tadaaa – den Strom, der hoffentlich in sehr absehbarer Zeit vom Honeyhouse zum Wohnhaus kommt und dort in wandmontierten Steckdosen landet. Das waere sooooo schoen, wenn ich nicht mehr mit Verlaengerungskabeln hantieren muesste. Aber bis dahin ist es noch ein bisschen hin. Es kommen naemlich auch noch vier zusaetzliche Photovoltaik-Platten auf das Dach vom Honeyhouse, die uns dann hoffentlich selbst beim nur maessig guten Zustand unserer Batterien deutlich mehr Strom liefern. Die Maenner, also Solar-Sam und Heavy-Duty-Hoe, werkeln draussen rum, und wenn mich meine Antennen nicht taeuschen, ist die Stimmung immer mal ein bisschen angespannt. Ich versuche, ueber den Dingen zu schweben und Kaffee zu liefern, ich hoffe, das hilft.

Und am Montag, also morgen, geht’s weiter mit Thomas the Carpenter. Plaene gehen mir ja nicht aus, das hab ich von meinem Herrn Papa, und so beschloss ich, die Balkone muessen jetzt verkleidet werden. Immer und immer naemlich koetteln mir die Fledermaeuse alles zu, und so gern wie ich die kleinen Flatscher habe, so wenig brauche ich ihre Verdauungsprodukte auf meiner Waesche oder ueberhaupt auf irgendwas ausser der Erde. Also wird nach oben verkleidet und zum Giebel hin wird es Moskitogitter geben, damit ich dann da hoffentlich im Osten meinen Morgentee trinken und im Westen meinen Wochenend-Wein sueffeln kann, ungestoert von Moskitos, Maeusen und anderen Unannehmlichkeiten.

Es kommt mir vor wie der reine Luxus. Wird aber auch wirklich Zeit. Und ueber die Wasserversorgung reden wir mal lieber immer noch nicht… Auch nicht darueber, dass Sam im Sicherungskasten, der seit Jahren im Obergeschoss installiert war, jede Menge Sonnenblumenkerne fand… Wir sehen eigentlich nie eine Maus im Haus, aber irgendwas ist da schiefgegangen mit der Abdichtung.

So, jetzt muss ich mal wieder raus gucken gehen. Das Kabelgewirr im Honeyhouse will ich sicherheitshalber fotografieren und das Foto dann mit einer Legende versehen – da blickt sonst keiner mehr durch, fuerchte ich. Das simple Landleben…

Der Sommer – ich weiss nicht, ob ich den brauche…

Am Ende des Winters, also so im April zum Beispiel, bin ich ihn dann doch meist leid, den Winter. Genug Schnee, genug Kaelte, genug Dunkelheit – obwohl die im April ja schon weg ist. Aber den Sommer, den bin ich glaube ich noch viel schneller leid. Und dieses Jahr gibt er sich auch noch sehr waessrig, so dass die netten Seiten schwierig zu finden sind. Alles waechst wie bekloppt, vor allem da, wo es nicht soll. Die Kartoffeln kann ich vor Unkraut kaum sehen, und zum Anhaeufeln bin ich gar nicht gekommen – das wird spannend, wenn denn geerntet werden kann.

Den Hof hat zu groesseren Teilen die Kuh uebernommen. Zaeune naemlich wachsen auch bei Regen nicht, und so hat die Kuh immer noch einen zu kleinen, zu wenig bewachsenen „Auslauf“, der bei dem ueberwiegenden Wetter schnell zu Plempe wird, und ich bemuehe mich, ihr alles verfuegbare Gras auch wirklich verfuegbar zu machen. Das mit dem fehlenden Zaun ist sehr schade! So richtig frei lassen im Hof kann ich sie aber nicht, denn – ich hatte es bereits erwaehnt – sie richtet mit ihren drei Helferlein Schaeden an, mindestens so gravierend wie die Ziegen. Neulich zum Beispiel hat sich der Hackepeter einen Sonnenschirmbezug um die Hoerner drapiert – Ende des Sonnenschirms! Gestern rissen sie in gemeinsamer Arbeit eine sowieso schon arg verschlissene Plane vom alten Pole Shed, auch die drapierte sich der Hackepeter um die Hoerner, er hat irgendwie einen Hang zum Verkleiden. Da konnte ich dann mit viel Ueberredung ihnen die Plastikfaeden aus den Maeulern ziehen – wahrscheinlich muss ich gar nicht erklaeren, was das mit meiner Laune macht….

Heute habe ich beschlossen, dass die zuverlaessigsten unserer Landschaftsgaertner uebernehmen duerfen und habe die Lamas in den Hof gelassen. Es sind ja seit einiger Zeit nur noch das Lila Lama und Sohn Hektor. George konnte aufgrund seiner Durchtrittigkeit so schlecht laufen, dass er ueberwiegend nur noch rumlag und ich Gereon den Auftrag/die Erlaubnis gegeben hatte, ihn in eine andere Welt umziehen zu lassen. Sowas kann er dann sehr schnell regeln, der Herr Chef, und kaum war ich mal wieder in Deutschland, war George nicht mehr unter uns.

Das Lama jedenfalls bzw. Lamas ueberhaupt, so nehme ich mal an, sind geniale Rasenmaeher. Mit ihren Gummifuessen (Musterbeispiel fuer oekologisch kleinen Fussabdruck) machen sie praktisch nix kaputt, arbeiten dabei sehr ordentlich an allen Ecken rum, die mit Whippersnappers und Rasenkantentrimmern und Rasenmaehern und Sensen (mit denen schon gar nicht) nur schwer oder kaum zu erreichen sind. Sie fressen die merkwuerdigsten Gewaechse, jedoch nie die giftigen. Heute zum Beispiel hat das Lama aus dem Blumenstrauss, der seit zwei Tagen in der Regentonne parkte, das Weidenroeschen rausgepickt, den leider giftigen, jedoch wunderschoenen wilden Rittersporn aber ordentlich zurueckgelassen. Auch mit Autos kann man sie allein lassen, schlimmstenfalls wandern sie wie eine weiche Portalwaschanlage an ihnen vorbei… niemals aber wollen sie auf Hauben springen, Gummiteile abnagen oder mal ausprobieren, wie so ein Auto klingt, wenn man unablaessig mit einem Horn dagegen demmelt. Ich liebe die Lamas – jeder sollte mindestens zwei haben.

Kantenschneiden am Honeyhouse
Unser dienstaeltestes Team-Mitglied, geschaetzte 15 – 16 Jahre alt.

Lili arbeitet auch ein bisschen im Verschoenerungsteam, aber sie macht mir Sorgen: Ihr Bauch sieht immer sehr voll aus, dabei weiss ich, dass sie Zahnprobleme hat und immer viel Essen wieder ausspuckt. Wenn sie auf der Seite liegt, atmet sie so schwer, dass es beaengstigend klingt. Aber sie ist froehlich, unser zweitaeltestes Team-Mitglied, 11 Jahre.

Lili in der Sonne – Lieblingsbeschaeftigung

Leider gehoeren gerade zum Sommer immer auch die Dramen. Von den sieben geschluepften Putchen leben heute morgen noch drei. Weil die Henne immer so aufgeregt war und die Fuetterung schwierig, hatte ich die bis dahin ueberlebenden fuenf Putchen mit ihrer Mutter in die gefaehrliche Freiheit entlassen. (Auch, weil ich mich ausserstande sah, taeglich circa eine Stunde mit der Putenaufsicht, dem Wieder-Einfangen entwichener Kueken, dem Zurechtstutzen des lauernden Hundes etc.pp.) zu verbringen. Nach einer sehr regnerischen und auch stuermischen Gewitternacht zaehlte ich morgens nur noch drei Kueken, und bei intensiver Suche fand ich ein totes und eines, das ich fuer tot hielt, bis es ein Auge oeffnete. Meine Versuche, es aufzuwaermen, gingen – wie eigentlich immer – schief. Und doch kann ich mich nie dazu durchringen, so ein kleines Wesen einfach draussen liegen zu lassen.

Die Waermflasche kam zu spaet

Also meinetwegen koennte es jetzt auch Herbst werden, mindestens, wenn nicht sogar Winter. Die Handwerker, die ich hoffte anzuheuern, sind sowieso bis Oktober/November ausgebucht. Die angefangenen Projekte drohen mal wieder im Sande bzw. in den Pfuetzen zu verlaufen. Meine Laune, … wie gesagt… Und weil ein Lippenstift schon lange nicht mehr reicht, um mich wieder aufzubauen, kaufte ich mir zur Abwechslung mal ein Auto!

So ein junges Auto hatte ich schon lange nicht mehr. Es faehrt sich – logisch – sehr deutsch, und ich hoffe sehr, dass es sich an die Schotterstrasse gewoehnen kann… Ob es dafuer wohl auch „ordentliche“ Reifen gibt? Auf jeden Fall kann man die Bodenfreiheit um etwa 4 cm erhoehen lassen, da denke ich schon drueber nach. Noch ist es fast total sauber innendrin, unglaublich. Kein Staub. Radio und CD-Spieler. Ich koennte vier (!) zusaetzliche Menschen transportieren, mit einigem Gepaeck, ausserdem viel, viel schneller fahren, als es buchstaeblich die Polizei erlaubt (der Tacho ist totale Verschwendung). Es gibt nur einen Schluessel, und den habe ich!