Widerstand zwecklos

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Das war die Vorhersage Anfang der Woche. Dazu irgendwann heute oder morgen -9 ueber Nacht. Da wird die Gaertnerin dann ein bisschen eilig(er).

Gestern endlich kam ich in die Kartoffeln.

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So etwa zwei Drittel habe ich geschafft, dazu einen grossen Korb dicke Bohnen, aber dann hatte ich genug und mein Ruecken auch.

In der Nacht war ich mal kurz auf, und da sah ich die Bescherung schon. Heute morgen sieht mein (Kartoffel)garten so aus:

IMG_3666Es gibt entgeisterte Junghuehner. Denen ich schon seit Tagen empfohlen habe, in den Stall zu gehen  – aber auf mich hoert ja keiner.

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Auch die Esel sind nicht so froehlich.

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Die Puten waren voellig verdattert, schien mir, und die Schweine klangen eher entruestet. So war das ja wohl nicht geplant, eigentlich wollte man noch ein bisschen im Garten nachsuchen. Na, fuer in 10 Tagen etwa sind schon wieder Temperaturen um die 18 Grad PLUS gemeldet. Das Laub ist auch ueberwiegend noch auf den Baeumen, so dass einiges jetzt unter der Last des nassen Schnees sich biegt und womoeglich auch noch brechen wird – denn es schneit weiter.

Ich mag ja Winter, hatte ich vielleicht schon erwaehnt. Und meistens, aber dieses Jahr ganz besonders, weil so frueh und ziemlich heftig, laesst mich der Wintereinbruch tief ausatmen. Man kann nichts dagegen tun, muss es hinnehmen, und dann kann man es auch einfach mal schoen finden. Nuetzt ja eh nix… Also habe ich ein paar der abgeknickten Sonnenblumen gepflueckt (aus dem Schnee gebuddelt, eher so) und hoffe, dass die drinnen noch ein paar Tage sein koennen. Alle Tiere sind versorgt, der Ofen ist an, und ich habe Gemuetlichkeitsgedanken und -projekte im Kopf. Sofa… Vorhaenge… Beleuchtung… Mehr Teppiche… Vielleicht doch einen groesseren Bildschirm fuer die Krimis… Wintergedanken eben. Natuerlich kneife ich ein paar Augen feste zu, denn: im Honeyhouse stehen 4 Kisten Obst, die eingekocht oder sonstwie verarbeitet werden muessen, und gestern bekam ich einen Anruf von der Gaertnerei, wo ich Kohl, Zwiebeln und Tomaten fuer den Winter bestellt hatte. Das hole ich dann alles morgen ab, ebenso wie den Zucker, den die Bienen jetzt ganz dringend brauchen. Und ein Schwein soll auch noch in die Truhe. Es ist nicht so, dass die Arbeit ploetzlich aufhoert, aber fuer einen Moment, einen halben Tag, kann ich sie jetzt einfach mal ignorieren. Vielleicht gucke ich noch eine Folge „The Crown“, zum Beispiel… Ist doch auch sehr nett!

Und euch gebe ich noch ein paar Winterimpressionen, damit das Gejammere ueber den zu heissen, zu trockenen Sommer mal aufhoert 😉

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Fire Season – es brennt (in B.C.)

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Das sagt der Wetterbericht aktuell. Sonnig. Das stimmt nicht so ganz, und wenn man die Temperatur anschaut, koennte man schon ans Nachdenken kommen. Schliesslich ist, wie ich im letzten Eintrag beschrieb, Hochsommer. Aber das ist auch die Waldbrandsaison, und der orange-farbene Balken, der auf eine Info zur Luftqualitaet hinweist, der erklaert dann so in etwas, was los ist. British Columbia brennt so wild wie noch nie, wenn auch noch nicht auf soviel Flaeche wie im letzten Jahr.

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Wir sind, glaube ich, ein Stueckchen links vom Schriftzug Alberta auf der Karte, und der Rauch zieht schon seit Tagen ueber uns hinweg bzw. durch unsere Waelder. Das sieht dann heute, wirklich extrem, so aus.

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Das erste Foto ist von 11:42, da sieht man die Sonne winzig und orange getoent. Das letzte ist von 14:21, da war die Sonne schon lange unsichtbar, und draussen konnte ich fast nur noch raten, wo ich war. Inzwischen ist es wieder etwas heller, aber das kann sich offensichtlich je nach Bewegung der Rauchwolken und Luftschichten ganz schnell aendern. Gereon berichtet aus Valleyview, dass bei ihm schon eine ganze Zeitlang Nacht ist und keine Aenderung am Horizont zu erkennen. Zum Glueck scheint der wirklich verdunkelnde Rauch in hoeheren Luftschichten zu schweben, so dass die Luftqualitaet auszuhalten ist. Und zum Glueck brennt es bei uns nicht auch noch.

Das Licht ist merkwuerdig gelb. Die Tiere sind still. Die Moskitos benehmen sich, leider,  wie in der Daemmerung, das waere nun nicht auch noch noetig. Die Bienen – und das ist das bedauerlichste im Moment – fliegen nicht. Die Bedingungen waeren eigentlich ideal, denn wir hatten ausreichend Niederschlag, der Klee blueht wie bloede, und ueber dem Rauch scheint ja praechtig die Sonne. Doch fuer die Bienen ist Nacht, ohne Sonne geht nix, und so wurde die heutige Honigernte abgesagt. Ob es morgen was wird, ist die grosse Frage. Jetzt wird uns eine Besserung der Lage ab morgen nachmittag in Aussicht gestellt, aber das koennte auch Wunschdenken sein. Ich glaub, ich geh ins Bett.

Hochsommer!

Und schwupp! Schon wieder ein Monat rum. Den Titel vom letzten Monat haette ich fast rumdrehen koennen. Aurora b. kraenkelte naemlich ein bisschen, und sowas macht mir immer Sorge. Geschwollene Lymphknoten, ich fuerchtete Druse, aber sie scheint sich berappelt zu haben.

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Die Puten aber, die Puten – das ist ein interessantes Kapitel. Ganz kurz gesagt: Bis jetzt haben alle ueberlebt, bis auf diejenigen, die ich glaubte retten zu muessen. Gestern kam die dritte Henne aus ihrem Versteck, mit 4 winzigen Kinderchen. Diesmal habe ich nur tief Luft geholt und mich zurueckgehalten. Das Wetter ist perfekt fuer kleine Pruttels, warm, sonnig, kein Regen, nicht zuviel Tau. Und so arbeitet sich Frau Putenmutter langsam mit ihren Kindern vom Schlupfplatz, den ich nicht gefunden habe, in Richtung Huehner-/Putenstall vor. So hoffe ich jedenfalls. Gestern abend ist sie einfach wieder umgedreht und wandert heute wieder ganz langsam im dicksten Gestruepp herum mit ihren Zwergen. (Leider schaffe ich es nicht, ein vernuenftiges Video klar und senkrecht hochzuladen. Irgendwelche Tips?)

Die „alten“ Putenkinder sehen inzwischen schon richtig putig aus und wandern den ganzen Tag mit ihren Eltern durch die Gegend, gern auch mal auf die Strasse. Dabei unterhaelt man sich angeregt… Ich sperre sie nachts nicht mehr ein, sie fuehren jetzt ein wirklich wildes Leben, mit allen Freiheiten und Risiken, aber ich freue mich, wenn ich sie morgens um sechs schon unter meinem Fenster reden hoere.

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Wild ist das naechste Stichwort. Der Garten, wie eigentlich jedes Jahr, geht wieder ueber ins Dschungelstadium. Diesmal aber ein produktives. Nachdem der Start ein bisschen frustrierend war, sieht jetzt alles ziiiieeemlich prima aus. Ich muss nur beherzt reinklettern, dann kann ich ernten.

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Auf dem letzten Foto ist der Himmel von heute: Rauch ist in der Luft. Der fuer uns im Moment noch sehr gute Sommer hat anderswo natuerlich auch wieder zu Waldbraenden gefuehrt, und der Westwind bringt uns den Rauch. Aus Deutschland hoere ich auch allerhand Klagen ueber die Hitze und die Trockenheit – ich denke, wir haben es hier mal wieder recht gut getroffen. Ich habe noch kaum giessen muessen, und immer wieder mal gibt es einen kleinen Regen. Der Chef hofft auf eine prima Honigernte, denn nach dem nassen Fruehjahr blueht der Klee ueberall und ueppig.

Fast haette ich ja eine Jersey-(Leih-)Kuh bekommen.

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Eine wundernette kleine Jersey-Kuh, mit einem rehaeugigen Stierkaelbchen, ihrem ersten Kind. Sie kannte noch nichts vom Melken, benahm sich aber den Umstaenden entsprechend ausgezeichnet. Leider sind diese Umstaende aber meines Erachtens so „suboptimal“ und fuehrten dann auch bei meinem vierten Melkversuch, weder durch mich noch durch die Kuh verschuldet, zu einem haesslichen Unfall mit, wiederum meines Erachtens, fast toedlichem Ausgang fuer die Kuh, so dass ich die Brocken hingeschmissen habe. Schade, sehr schade, aber da hielten meine Nerven nicht durch. Aber ich glaube, ich bin angefixt. Es war soviel Sahne auf der Milch. Und die Kuh roch lecker… Und eigentlich melke ich gern, das habe ich wieder gemerkt. Und: ein Nachbar war Feuer und Flamme von der Idee einer Kuh und bot sofort an, er werde die Kuh gern uebernehmen, wenn wir mal weg wollten. Nicht, dass ich uns je zusammen mehr als einen Tag verreisen sehe, aber zu wissen, es waere moeglich, das ist schon schoen.

Die wahrscheinlich beste Entwicklung dieses Monats zum Schluss. Vor einigen Jahren schon hatte ich die „China-Rolle“ bestellt, eine Vorrichtung, mit der wir Wabenmuster auf Wachs praegen koennen und so unsere eigenen Mittelwaende fast wie am Fliessband herstellen. Also, fast… Diese nicht billige kleine Maschine stand lange nur herum, und ich hatte ihren Einsatz schon gar nicht mehr erwartet. Doch der Chef, der kommt dann irgendwann aus dem Quark und los geht’s. Es wurden noch mehr Draussen-Oefen gebaut und so allerhand Behaelter und Zeugs geschweisst und jetzt ist es soweit: Wir haben einen geschlossenen Wachskreislauf. Das bedeutet, dass wir nicht mehr mit den fiesen Plastik-Mittelwaenden arbeiten muessen, die man nicht aufbereiten kann, sondern, wenn sie verhunzt sind, in den Muell schmeissen muss. Vor allem aber bedeutet es, dass wir oefter unser Wachs reinigen koennen und so hoffentlich Krankheitsdruck fuer die Bienen verringern. Davon mal abgesehen, ist Wachs sowieso ein besonderer Stoff, riecht lecker und sieht, in unserem Fall jetzt, auch noch wunderschoen aus. Die Bilder zeigen, wie gereinigtes Wachs zuerst zu Platten gegossen wird, die dann durch die „Nudelmaschine“ gedreht, auf Mass abgeschnitten und schliesslich in die fertig gedrahteten Raehmchen eingeloetet werden. Hugo fuehrt die Oberaufsicht.

Grosser Spass! Und grosser Fortschritt!

Und jetzt pumpe ich Wasser fuer die Tiere und dann geht’s weiter mit den Erbsen. Draussen ist die Luft immer noch rauchig, aber auch voller Libellen.

 

Esel-Erfolge. Gefluegel-Dramen.

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Mehr Ausrede brauche ich nicht, um jetzt zu schreiben. Die Tiere sind versorgt, der Ofen knistert, der Generator muss leider laufen, weil: Das Wetter ist aeusserst bescheiden. Hitze ist ja doof, aber immer nasse Jeans bis an die Knie ist auch nicht so prickelnd. Also erstmal lecker fruehstuecken. Und dabei erzaehle ich euch von meinem tapferen Hugo. So ein guter Junge!

Man muss sich vielleicht noch einmal vor Augen fuehren, dass Esel in der Steppe heimisch sind, im Mittleren Osten bzw. Nordafrika, wo es eher trocken, eher heiss, eher steinig ist. Sie sind jedoch offensichtlich sehr anpassungfaehig, wenn auch nicht immer gluecklich damit. Gestern also beschloss ich, ein wenig leichtfertig, wie sich nach kurzer Zeit herausstellte, dass Hugo uns zur Wildkamera begleiten sollte. Seit er von seiner Mutter getrennt und zwangsweise mit den Lamas vergesellschaftet wurde, neigt er ein bisschen zur Niedergeschlagenheit, und ich wollte ihm Abwechslung und Herausforderung bieten – das soll ja fuer die jungen Leute gut sein. Wie ein Hund, der das Geraeusch der Leine, wie sie vom Haken genommen wird, kennt und sofort kommt, so marschiert auch Hugo von wo immer herbei, wenn ich das Halfter in die Hand nehme. Chef vorneweg, Hugo und ich hinterher, zogen wir los. Leider habe ich keine Fotos von meinem kleinen tapferen Eselchen, wie es die erste (und einzige!) Bruecke meistert. Ich bin so stolz auf ihn! Nur dreimal sind ihm seine immer noch kleinen Huefchen zwischen die Bohlen geraten, dann hatte er es gelernt. Erst an der dritten wirklich sehr waessrigen Stelle wollte ich aufgeben, weil er so lange ueberlegen musste und sich bitten liess, waehrend ich von Moskitos foermlich aufgefressen wurde. Aber der Chef schlug vor, ueber den Biberdamm zu gehen. Und als kein Wasser vor seinen Fuessen zu sehen war, liess sich der tapfere Hugo dazu tatsaechlich ueberreden. Das kleine Filmchen zeigt eine weitere Wasserueberquerung, diesmal mit Schmackes! Es war eine bemerkenswerte kleine Wanderung!

Auf der anderen Seite diese Puten! Vor einiger Zeit hatte ich ja von den fuenf Neuzugaengen berichtet, zwei Haehne, drei Hennen. Sie haben sich tatsaechlich prima eingelebt, viel besser als erwartet. Ihr Brieftaubenverhalten haben sie voellig abgelegt, das ist gut. Die 18 Eier, die ich unter Huehnerhennen geparkt hatte, sind leider nix geworden. Zwei mutig geoeffnete Eier zeigten (aus der geruchssicheren Ferne) einen kleinen Embryo und in dem anderen Ei nur undefinierbare Plempe. War also nix. ABER: die drei Damen verschwanden kurz hintereinander alle im Busch, um sich nur selten und kurz zum Fressen wieder blicken zu lassen. Ich notierte mir die Daten. Eine kam nach 14 Tagen wieder, ohne Kueken. Die naechste kam am 28. Juni wieder – mit sieben Kueken! Sie geriet allerdings direkt in eine taetliche Auseinandersetzung mit der Kollegin. Das sah ich vom Fenster, als ich noch keine Kueken erkennen konnte. Ich raste raus, mit Butterbrot in der Hand, wie das so meine Art ist, und entdeckte erst eins, dann noch eins und noch ein Kueken, und dann wurde mir klar, dass um mich herum potentiell ueberall kleine Fluffbaelle sein koennten. Still stehen, nachdenken… Mein Fruehstueck wollte ich nicht aufgeben, aber mit nur einer Hand fluechtige Kueken einfangen, das sah ich auch nicht. Also rein, Fruehstueck abgelegt, Kiste geschnappt, auf Kuekenfang. Inzwischen war die Henne wieder Richtung Busch unterwegs mit ihrer Mini-Bande! Ich fand sechs Stueck, aber mir fehlte ein schwarzes, das ich definitiv gesehen hatte. Erstmal alle in den Stall, mit aufgeregt folgender Henne, dann wieder raus, weiter gesucht – fuendig geworden! Im Stall, den ich sehr provisorisch vorbereitet hatte mit einer Abtrennung fuer Mutter und Kinder, war die Henne so derart panisch, dass ich um die Kueken fuerchten musste, und ausserdem war es super-usselig und kuehl. Ergo alle wieder eingepackt, im Haus auf eine Waermflasche gesetzt, dann alle verfuegbaren Verlaengerungskabel aneinander gesteckt (das darf man gar nicht verraten, eigentlich) und eine Waermelampe aufgehaengt. 250 W Dauerleistung, geht nur mit Generator und ist demnach ein Unding, aber fuer die Kueken…. Nachdem die Lampe brannte, die Temperatur darunter in Ordnung und die Kuekenschar aufgewaermt war, schleppte ich alle wieder runter, setzte sie unter die Lampe – und sie liefen sofortissimo zu ihrer Mama, die sich dann – endlich, endlich – auch beruhigte und ordnungsgemaess die Brut unter ihre Fittiche nahm. Es erfolgte ein tiefes Ausatmen meinerseits.

Seitdem pilgere ich alle paar Stunden zu den Puten, um zu zaehlen und Zustaende zu pruefen. In Deutschland habe ich ja erlebt, wie schnell die von lebendig zu ganz tot koennen. Gestern, sowieso ein eher schwieriger Tag, geriet zweimal ein Kueken aus der Abtrennung. Diese Mini-Teile kuehlen ganz schnell aus und liegen dann leblos in den Ecken. Zweimal also hatte ich ein Kueken im Hemd, den Gatten mit der Bereitstellung einer Waermflasche beauftragt, und wickelte Nestchen aus einem Handtuch. Zweimal klappte es wie ein kleines Wunder: Waerme fuer eine gute Stunde, und ein rasselnd atmendes Pruttelchen mit geschlossenen Augen und haengendem Koepfchen verwandelt sich wieder in ein piepsendes, flitzendes Federbaellchen. Ich habe versucht, die Ausbruchsluecken zu finden und zu stopfen, und trotzdem fand ich heute morgen wieder eines ausserhalb der Einkastelung, diesmal wirklich ganz tot.

Diese Kueken-Dramen gehen mir jedes Jahr nahe. Immer, wenn ich so ein kleines Wesen in der Hand halte und den Mini-Schnabel auf meiner Haut spuere, das Klicken und das Rasseln hoere, dann habe ich ein Deja-Vu. Ich weiss gar nicht, wie oft ich das schon gemacht habe, mit allen moeglichen Federtieren, meist mit weniger Erfolg. Jedes Jahr wieder, und jedes Jahr habe ich die Hoffnung, dass man die Tierchen retten kann. Puten sind – aehnlich wie Esel – nicht von hier. Sie haben es auch lieber waermer und vor allen Dingen trockener. Da frage ich mich heute ganz besonders, ob wir so einen Versuch ueberhaupt haetten starten sollen, mit einer Naturaufzucht. Denn: Die dritte, erfahrene Henne sitzt noch irgendwo draussen, und naechsten Sonntag muessten die Kueken schluepfen. Es kann gut sein, dass sie bei dem Regen inzwischen auf einer Insel sitzt. Aber selbst, wenn das nicht der Fall ist, sehe ich gar nicht, wie sie bei diesem Wetter die Winzlinge trocken bis zum Haus bringen will. Naechste Tragoedien sind vorprogrammiert…

Die aktuellen Kueken aber habe ich heute neu eingekastelt, die Mutter damit einmal mehr voellig aus der Fassung gebracht, doch bei der letzten Kontrolle sassen alle ordnungsgemaess in der Ecke, Mutter auf Kindern.

Durchweg erfreulich allerdings war die Ausbeute von der Wildkamera gestern, auch wenn ich leider die besten Bilder versehentlich nicht kopiert, sondern geloescht habe.

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Diesen oder einen anderen Luchs sahen wir auch voriges Jahr schon. Am besten gefallen mir immer diese immensen Hinterfuesse!

Dann aber zeigte sich das fuer mich bisher erfreulichste Tier (weil es schoene Toene macht, und mich weder beissen noch stechen noch ueberhaupt potentiell aufessen will), und bei genauem Hinsehen hat es auch Nachwuchs bei sich.

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Gehoert hatte ich die Sandhill Cranes in letzter Zeit oft im Nordwesten, hatte auch schonmal ueberlegt, ob sie wohl in unserer Naehe sein koennten, aber dieses Foto, mit einem so kleinen Kueken, belegt ziemlich klar, dass sie in der Tat bei uns auf dem Land, ganz in der Naehe der Kamera brueten. Wie ich mich darueber freue!

 

 

Manche pumpen Eisen…

… wir Holz. Brennholz (Brandholz, sagt der Chef.) Weil der Winter lang, kalt und schneereich war und dann entsprechend viel Feuchtigkeit ueberall, kam der Chef im Januar, Februar, Maerz nicht zum Holzmachen. Und dann war zu allem Ueberfluss auch ich noch ab Januar da und wollte nicht frieren, dafuer aber kochen und backen. Die Holzschuppen leerten sich mit Schwung, und jetzt koche ich auf den letzten Stoeckchen – es wurde also allerhoechste Eisenbahn. Wie so einiges andere auch, ist die Gewinnung von Brennholz manchmal ein heikles Thema. Ich befuerworte die Verwendung von bereits toten oder sterbenden Baeumen, gern auch Aspe oder Schwarzpappel, der Herr Chef sagt, das kann ich dann bitte allein machen, das haelt er fuer Quark, weil der Heizwert geringer, der Ascheanfall hoeher und ueberhaupt das nicht sein Ding ist. Er will Birke. Oder fuer Sonderzwecke (anstochen, raeuchern) Weide. Der Kompromiss sind die toten oder sterbenden Birken. Neulich die hinterm Dugout. Etwas anspruchsvoller, was die Erreichbarkeit angeht. Das sieht dann so aus.

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Da liegt die Birke. War so halbtot, ist also mindestens noch halbschwer. Der Chef saegt sie in „passende“ Stuecke, d.h. passend fuer den Holzspalter.

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Die Schubkarre steht ein wenig hangaufwaerts – einfach waere ja langweilig. Es ist da aber auch wirklich nicht anders zu loesen, glaube ich. Der Transport per Schubkarre geht buchstaeblich ueber Stock und Stein bis zu dem roten Anhaengerlein am Teich. Zu ueberqueren ist dabei diese Luxusbruecke. (Ich hatte uebrigens auch, halb ernst, angeregt, die ganzen Staemme ueber den Teich zu floessen… abgelehnt. Waere bestimmt lustig gewesen…)

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Erstaunlicherweise sind wir keinmal vom Brettchen gefallen.

Angekommen.

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Der Hund will uebrigens nicht helfen, sondern bewacht den Elchschaedel, der da im Hintergrund mal wieder einweicht. Irgendwie haben die beiden, Chef und Hund, die Besitzverhaeltnisse nicht so ganz klar.

Das Haengerchen wird befuellt bis an den – schon arg demolierten – Rand, und dann zieht, noch, das Quad. Ich traeume ich ja von einer Zukunft mit ES = Eselstaerken…

Bisher haben wir jede Wagenladung sofort gespalten. Auf dem vom Chef selbst gebauten Spalter, den ich anfangs fuer ein Weichei-Geraet hielt – schliesslich gibt es schoene Spaltaexte. Inzwischen aber weiss ich das Ding sehr zu schaetzen, ich gebe es zu. Und weil es in Heavy-Duty-Hoentgesberg-Bauweise zusammengestellt ist, viertelt es richtig dicke Kloetze ohne Murren. Und beeindruckt mich damit durchaus.

Gestern allerdings haben wir die „mundgerechten“ Stuecke erstmal gesammelt, weil Gewitter angekuendigt war. Der erste kleinere Schuppen ist voll, beruhigend. Die anderen beiden sind aber groesser und muessen beide noch voll werden.

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Die gestern geernteten Kloetze stehen jetzt am naechsten zu befuellenden Holzschuppen und warten auf Weiterverarbeitung.

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So 20 bis 25 dicke, habe ich gezaehlt. Und einige kleinere, die sind einfach. Bei den schweren hatte ich wirklich zu kaempfen, und die dicksten habe ich dem Chef ueberlassen. Mein Wunsch nach Halbierung dieser Oemmeser wurde als „unwirtschaftlich“ abgelehnt. Ich musste dann heute mal so einen mittelgrossen Klotz wiegen, rechts im Foto steht er auf der Personenwaage.

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Den duerfte ich so gerade noch als Gepaeckstueck fuer den Flieger aufgeben… wenn er keine Rinde haette… (oben auf der Skala lbs, unten kg). Kein Wunder, dass ich mich heute wie nach 3 Stunden Fitness-Studio fuehle. Jedenfalls stelle ich mir das so vor. Es liegen aber immer noch Baeume hinterm Dugout. Ich glaube, ich backe erstmal Brot.

Und noch ein Luxus!

IMG_3197So naemlich verbrachte ich gestern mein Innuengerchen (fuer nicht Initiierte: den Mittagsschlaf). In der neuen Haengematte. Mit Moskitonetz. The bee’s knees! The cat’s meow! Die beste Erfindung seit geschnittenem Brot (was ich wirklich nicht brauche). Voriges Jahr brachte unsere Helferin Michal mich auf die Idee, ich hatte gar nicht geahnt, dass das so genannte „Hammocking“ (haengematten as Tu-Wort, wie merkwuerdig) ein „Ding“ ist. Ist es aber. Und weil ich meine ganz untrendige Haengematte in Deutschland so sehr gern mag, bin ich im Internet eine Weile lang um die Angebote herumgeschlichen, habe recherchiert und auch ein bisschen verglichen und mir dann eine bestellt. Mit Moskitonetz, wie erwaehnt. Ebenfalls mit Regenplane. Und doppelt gross, demzufolge auch doppelt stabil. Das war mir wichtig *raeusper*.

Meine liebsten Aspen tragen mich und machen noch Gemuetlichkeits-Wisper-Geraeusche dazu, draussen brausen die Moskitos, drinnen liege ich muckelig, auf einem Schaffell von den guten Schu-Dew’s, und gucke in die Baumkronen und in den blauen Himmel. Und betrachte meine wieder ueber-zivilisierten Zehennaegel. Mit Glitzer. Was fuer ein Luxus!

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Und hier das ganze in bewegten Bildern – hach!

Das Wetter, der Luxus und der Besuch

So, da hatte ich das gestern alles geschrieben – und dann nicht veroeffentlicht. Das Wetter ist naemlich wieder prima. Und die Veroeffentlichung erfolgt jetzt, unredigiert.

…………

Das Wetter ist nicht immer noch, aber wieder etwas blah. Neulich hatten wir sogar einen kleinen Nachtfrost, den meine ausgepflanzten Tomaten aber zum Glueck lebend und unbeschadet ueberstanden haben.

Jetzt troepfelt es, der Himmel ist bedeckt, die Temperatur einstellig und somit ofen-faehig.

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Der Garten ist bisher kaum erwaehnenswert, vielleicht bis auf den Rhabarber, der dieses Jahr brav mitspielt. Ansonsten herrscht das uebliche Chaos, und es ist kaum zu glauben, dass aller Wahrscheinlichkeit nach so im August dort eine Menge Essbares waechst und geerntet werden kann. Ich hatte in den vergangenen Tagen nicht wirklich Zeit, die restlichen Pflanzen bzw. Samen in die Erde zu bringen, denn schon letztes Wochenende war Besuch. Kathrin S. kam aus Wembley angereist, hilfswillig und Stille suchend. Und so hat sie Ikea-Schraenkchen zusammengeschraubt, die Porch gereinigt, alles schoen angeordnet, um es vorgestern alles wieder ruinieren zu lassen, aber das kommt spaeter. Zwischendurch gab’s Stille und Ruhe fuer alle 🙂 Geholfen hat sie auch – und hier kommen wir zum ersten Luxus – beim Einbau unseres neuen Nordfensters.

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Das Foto gibt, wegen Wetter, wirklich in keiner Weise den deutlich erhoehten Fensterstandard wieder, den wir jetzt geniessen. Das alte Fenster fing weiter oben kann, also jetzt mehr Aussicht. Ausserdem war die Isolierverglasung undicht, also immer bewoelkt, und es liess sich nicht oeffnen. Jetzt dagegen: ein sauberes, zu oeffnendes, mit einem intakten Moskitogitter versehenes groesseres Fenster – einfach wunderbar!

Weil sich Freundin MJ aus Vernon angekuendigt hatte, war ich sehr begeistert, dass der Einbau schon mal glatt vonstatten gegangen und die Fensterbank und der angrenzende Tisch einigermassen aufgeraeumt waren. Die restlichen Fenster aber sahen immer noch so aus, wie sie halt so sind nach XY Monaten des Nicht-Geputzt-Werdens (und „Monate“ schreibe ich hier nur, um mich nicht so ganz direkt zu outen… meine arme Mutter bekaeme sofort Ausschlag, wenn sie wuesste, was hier mit den Fenstern nicht passiert.) Also erwarb ich eine frische Flasche Windex in der Stadt (weil ich sowieso den naechsten Luxus abholen musste, siehe weiter unten) und putzte zumindest alle Fenster im Untergeschoss. Der Unterschied ist unglaublich – es lohnt sich wirklich, Fenster mal richtig lange nicht zu putzen, um sich dann fuer wenig Geld und relativ wenig Arbeit wie in einem neuen Haus zu fuehlen. Es ist das reinste Spiegelkabinett!

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Und dann – naechster Luxus – rief am Fensterputztag noch der Chef von der Arbeit an: Der Kuehlschrank ist angeliefert! Den hatte ich naemlich kurzer Hand bestellt, nach nur kurzer, leichtfertig geaeusserter und moeglicherweise etwas vager Zustimmung des Herrn Chef. Aber so mach ich das jetzt! Ueber das gemeinsame Abladen eines voellig grifflosen, hohen, unhandlichen Kuehlschranks (mit grossem Gefrierfach) von der Pritsche eines nicht niedrigen Trucks will ich ueberwiegend schweigen, der Chef und ich stossen da manchmal auf extreme Kommunikationsprobleme. Die Essenz ist: in Erinnerung an meinen Vater schlug ich den Einsatz einer Sackkarre (und der vorhandenen Quad-Ladeschienen) vor, der genehmigt wurde und dann auch sehr erfolgreich war. Da siehste mal.

Dann kam der Moment, in dem Kathrins durchdachte Anordnung von Schraenkchen und Garderobenhaken Makulatur wurde, alles wieder in grosses Chaos gestuerzt wurde, incl. Kuechen- und Essbereich (der Rest war und ist sowieso immer noch sehr unsortiert), aber dann stand sie da, die himmlische 12-Volt-Luxus-Kuehl-/Gefrierkombi. Fluesterleise. Sauber! Vom Chef korrekt angeschlossen, daher voll funktionsfaehig. Mit Beleuchtung. Gemuesefach. Ich bin hin und futsch und koennte den ganzen Tag Tuer-auf-Tuer-zu-spielen – aber das waere natuerlich kontraproduktiv.

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Im Winter wird er dann uebrigens ins Haus ziehen, der gute Schrank. Aber da ist im Moment noch kein Platz, wegen der Batterien, die „eigentlich“ schon letztes Jahr ins Honeyhouse haetten umziehen sollen, was aber noch nicht ging, weil da noch Bauarbeiten noetig sind, die aber noch nicht moeglich waren, weil vorher… – das sind so die ueblichen Probleme hier. Ich gewoehne mich wieder langsam dran. Denn gefuehlt, gefuehlt ist gerade Luxus.

Zur Erinnerung vielleicht nochmal: Wir hatten vor Jahren einen kleinen Wohnwagen-Kuehlschrank von unseren leider vor einiger Zeit schon verstorbenen Freunden Chris und David geschenkt bekommen. Der lief eine ganze Zeit, wie er sollte, mit Propan oder Strom. Aber irgendwann wurde was falsch angeschlossen, er stieg aus und wurde nie repariert. Seit mehreren Jahren erfolgte die Kuehlung in diesem kleinen Geraet dann ueber in der Truhe gefrorene Kuehlakkus, die ich taeglich austauschen musste. Laestig, nicht wirklich zuverlaessig und auch fies, weil die beim Auftauen immer nass wurden. Ich kann das kleine Ding jetzt gut gehen lassen, wirklich.

Alma findet, der Dreck von den Sackkarren-Raedern wird ihre Mineraldosis fuer heute. Bye-bye, kleiner Kuehlschrank, du hast deinen Dienst getan.

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Als MJ gestern ankam, war alles wieder sortiert, der Kuehlschrank kuehl und eingeraeumt, das Essen vorbereitet und ich entspannt. Ich sagte oefter so Saetze wie: Der Wein ist im Kuehlschrank. Oder: Ich stell das schnell in den Kuehlschrank. Und musste gar nicht zucken, wenn jemand anderes den Kuehlschrank oeffnete, weil: sauber, hell und wundervoll!

Heute morgen, weil es gestern so schoen funktioniert hatte, gab ich mich ans Aufraeumen des Obergeschosses. Und entdeckte dabei (unter anderem…) ein paar alte Papiere, aus 2004.

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Meine allerersten Lohnzettel! Wie man sehen kann, arbeitete ich zuerst fuer 11 (Bueroangestellte in der Kuechenfabrik), dann fuer 10 (Honeyhouse-Helferin in der Imkerei) und schliesslich fuer 8 Dollar die Stunde, letzteres als Buechereiangestellte, bezahlt von der Stadt. Aber bis auf den ersten Job hat alles grossen Spass gemacht. Und wir hatten so wenig Geld damals, dass jeder Dollar zaehlte.

Viel Geld haben wir nach wie vor nicht, aber wir haben uns so langsam vorwaerts gearbeitet, und mit dem Miele, dem Fenster und dem Kuehlschrank habe ich dieses Jahr den Jackpot geknackt, wie meine Nachbarin sagt. Hach, der Miele… Ich erzaehl jetzt nicht, wie wundervoll wir gestern zusammen gearbeitet haben…

In Anbetracht all dieser luxurioesen Entwicklungen sitze ich jetzt also hier drinnen, bei Nieselregen, mit annenem Ofen, und geniesse mein Luxusfruehstueck, Obst, Haferflocken und Joghurt aus dem Kuehlschrank. Ihr koennt gern darueber spekulieren, warum der Joghurt KREMA heisst 😉

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Und ja, das Gemuesefach duerfte ruhig doppelt so gross sein… aber alles ist gut.

Spaeter oder morgen oder irgendwann gibt’s vielleicht Fotos von noch einem Luxus.