Archiv für den Monat Oktober 2007

Mittelalter

Jaja, liebe Helga, mittelalterlich fuehlt es sich hier auch oft an, wenn auch nicht nur, weil wir noch kein Haus haben und immer noch kein Geld. Aber das wollen wir ja online nicht mehr alles beschreiben, sonst schmeisst uns die Regierung raus. Was ich wieder fuer einen Spass mit der Telefongesellschaft hatte in den letzten Wochen – ihr koennt es euch nicht vorstellen. Dabei ergab sich, dass auch unsere lieben Nachbarn, mit denen ich ja haeufiger telefoniere, theoretisch und laut den Computer-Aufzeichnungen der Telefongesellschaft, man hoere und staune – KEIN Telefon haben. Margaret hat sich sehr gewundert, als ich ihr das sagte. Inzwischen bin ich mit meinem Gejammere bei der Landtagsabgeordneten angelangt, aber die hat sich noch nicht wieder gemeldet. Wahrscheinlich hat sie derlei Klagen zu Dutzenden auf dem Tisch!!!

Derweil machte der Bau kleine Fortschritte. Ich stelle mir so vor, dass die Holzbilder euch ja doch bald langweilen muessen, ein Pinnchen nach dem anderen senkrecht, aber nicht wirklich was zu erkennen. Dennoch: Hier noch zwei vom letzten Wochenende, an dem freundlicherweise Jody und Rory helfen kamen, und dann auch noch Bob hereinschneite. suedseite_fertig.jpg rohbau_von_dugout.jpg Dieses letzte hier ist die Ansicht vom Teich aus, ich finde, das macht doch was her, oder? Natuerlich mache ich mir inzwischen Gedanken, ob wirklich genuegend Fenster eingeplant sind. Drei grosse auf der Suedseite, aber dann wird das grosse auf der Westseite ja von der inzwischen eingeholzten Veranda und dem darueberliegenden Serenaden-Balkon etwas beschattet. Doch im Herbst und Winter steht die Sonne tief, da kriege ich sicher noch Licht in die Kueche. Und im Sommer bin ich eh draussen. Fuer die Ostseite gilt es aehnlich. Nach Norden haben wir ein relativ grosses Fenster ueber dem Esstisch geplant, und dann natuerlich eines fuer das WC ohne W, stattdessen mit SP (steht fuer Spaene). Trudy und ich sitzen gern schon mal in der Verandatuer… Trudy liegt auch gern auf mir drauf, wo immer Platz ist… trudes_schlafplatz.jpg Derweil zeichnet Gereon die schwierigen Bauteile auf, z.B. die Treppe. Alles aber nur sehr rudimentaer, der ganze Rest ist in seinem Kopf, hoffentlich… Nun sind aufgrund des Holzkaeferproblems in B.C. und des zusammenbrechenden Wohnungsmarktes in den USA die Holzpreise hier heftig gesunken, was fuer uns nicht schlecht ist. So wird wohl doch in absehbarer Zeit das ganze Kistchen mit Sperrholz verkleidet und erst spaeter mit huebschen Brettern versehen werden. Sperrholz geht schnell und stabilisiert, sagt der Architekt. Der heute jagen ist, mit Norwin, dem Jungjaeger. Ich hab da ja immer gemischte Gefuehle, wisst ihr ja.
Vorgestern abend hatte wir ein interessantes Intermezzo mit einer Barred Owl (strix varia) barred_owl.jpg und Trudy, der Furchtlosen. Die Eule, die uns aus einem Baum anschaute, entdeckte Trudy und flog gemaechlich hinter ihr her. Da entdeckte Trudy auch die Eule und „stellte sich ihr“. Das fand zweimal statt, dann hat Gereon Trudy lieber voruebergehend aus dem Verkehr gezogen – die Eule schien mir doch ganz schoen gross und mindestens so furchtlos wie Trudy. Und heute sass am Strassenrand in einem Baum so was golden_eagle.jpg. Ich bin dann doch immer recht beeindruckt – die sind ganz schoen gross, diese „Ageler“.

Und vorgestern morgen heulten die Woelfe so heftig, dass wir abends dann doch lieber unsere Ziegenbrut aus dem Wald reingeholt haben. Emmy ist naemlich im Moment nachts zur Kette verdonnert, weil sie laeufig ist und heftigst in den Nachbarrueden verliebt – die beiden bieten morgens Heulduette dar vom Allerfeinsten, allerdings nichts gegen die Woelfe, die offensichtlich bzw. hoerbar Weltschmerz haben, und zwar XXL. Ganz anders die Kojotenchoere, die immer sehr froehlich und schrill klingen. Den Toenen nach koennten Kojoten gut in Pink und Lila und Limonengruen gekleidet sein. Woelfe dagegen natuerlich in grau, grau und nochmals grau, mit schwarzen Akzenten, wie im richtigen Leben. Jedenfalls ist das alles ziemlich schoen, und das Wetter ist bilderbuch-herbstlich, und ich ernte sogar noch letzte Reste aus dem Garten. Und ich spinne und stricke und habe viel Spass dabei.

Es schneit!

Nu isses also wieder soweit: der erste Schnee, und massive Schneefallwarnungen fuer einen Bergpass, bis zu 25 cm im Laufe der naechsten 24 Stunden. Jaja, und minus sieben diese Nacht. Mir tun schon wieder die Finger weh, aber das ist bestimmt nur das Alter.
So, jetzt schnell heim und den Ofen anstochen!

Drei Waende durchsichtig

Waehrend der arme Gereon ziemlich muede heute morgen (Montag, 1. Oktober) wieder zur Arbeit musste (weil das Geld schmilzt, obwohl es kuehl ist – zu und zu schade), geniesse ich das Privileg, bei strahlend blauem Himmel und goldenen Baeumen in unserem entstehenden Haus, na, Haeuschen, rumzuwandern! Und noch nicht mal was zu spuelen, obwohl gestern streckenweise doch einige Menschen hier waren. Und das kam so: Nachdem sich fuer Sonntag bis zu zehn Helfer angesagt hatten, wurde Gereon gegen Donnerstag doch etwas nervoes. Nie wuerde er es alleine schaffen, alles so vorzubereiten, wie er das gerne wollte. Also rief er Thomas an. Und Thomas kam, Freitagabend, mit Schlafsack bewaffnet und motiviert. Fuer Samstag hatten sich uns recht unbekannte Nachbarn angekuendigt, Eltern und zwei Soehne, die ich aus der Buecherei fluechtig kannte und die Hilfe angeboten hatten. Ich war deswegen sehr nervoes, weil eben so unbekannt. Margaret, die inzwischen voellig unverzichtbare Nachbarin, hatte Hilfe bei der Verkoestigung zugesagt. Dann sagten die Unbekannten ab. Ich fand das gut, wegen meiner Nerven, aber Gereon war sich nicht so sicher. Er und Thomas haemmerten also unentwegt, Fussboden wurde weiter vorbereitet, sehr langwierig und laestig, anscheinend, und Thomas kloppte wie ein Wilder Fenster- und Tuerstuerze. Margaret koechelte derweil zu Hause an Riesentoepfen Chili, waehrend ich recht unsortiert aufzuraeumen versuchte und das Abendessen vorbereitete, man kennt das ja…
Zu unserem grossen Glueck konnte Thomas bis Sonntag bleiben, denn zur angekuendigten Uhrzeit, nachdem ich einigermassen praepariert war und Margaret in den Startloechern stand, kamen von den insgesamt avisierten moeglicherweise 10 Helfern insgesamt doch schon drei… Na ja. Da wussten wir das auch schon mal. ABER: Freund Bob rief an, was wir denn so machten. Ich sagte, Haus bauen, heute, mit Helfern. Ach, sagt er, dann komme ich wohl besser mit meinem Hammer, was braucht ihr sonst noch? Er nannte das einen Fall von maennlicher Intuition, waehrend Hanna und ich uns einig sind, dass es so was ja nicht gibt. Aber in einer solchen Situation streitet man darueber natuerlich nicht. Auch Hanna hatte inzwischen die Anreise ihrer restlichen Maenner angekuendigt.
Unterbrochen von Margarets leckerem Mittagessen, mit von Amanda gebackenen Biscuits (mein Liebstes, ich weiss gar nicht, warum man so was in Deutschland nicht macht, ein echter Fehler!) bauten die Burschen also fleissigst. Das Wetter gebaerdete sich unbestimmt, wolkig, truebe, mit ein paar Tropfen Regen just zum Essen. Irgendwann am fruehen Nachmittag sollte dann die erste Wand aufgestellt werden. Die Fotografin (naemlich ich) stieg auf ihr Podest (naemlich die lange Werkbank) und sah zu ihrem Entsetzen, dass die Fenster vertauscht waren. Dadurch dauerte das Aufstellen der ersten Wand etwas laenger, so ein 9.30 m langes, recht wackeliges Gebilde wie einen Pfannkuchen umzudrehen, geht naemlich nicht. Kann man an den Bildern vielleicht erkennen. Hanna musste dann mal die ganze Verantwortung in Form des Halteseils uebernehmen. Irgendwie logisch, weil sie die meisten Familienmitglieder in die Wand geklebt gehabt haette – waere sie denn umgekippt. Ist sie aber nicht. Die zweite, die Suedwand, ging dann doch deutlich schneller, obwohl inzwischen die ersten drei Helfer, die Kollegen, wieder abgereist waren. Stattdessen werkelten aber ja vier fleissige Bussemeier-Maenner, waehrend wir Frauen die Oberaufsicht fuehrten und hilfreiche oder nicht so hilfreiche Kommentare abgaben. Bob: So wurden die Pyramiden gebaut. Hanna: Ja, aber mit mehr Sklaven. Bob: Und Kommentare von Frauen GAB es NICHT.
Im schwindenden Licht haemmerten dann nur noch Bob und Gereon, Nachbar Albert begutachtete das Ganze kommentarlos, waehrend Margaret und ich von drinnen natuerlich wieder heftigst kommentierten. Kurz vor totaler Dunkelheit, 19:30 sagt meine Kamera, war die dritte Wand an Ort und Stelle. Wie schoen!! Und waehrenddessen sorgte Margaret hier in der Kueche fuer einen reibungslosen Ablauf der Verkoestigung, sie hatte naemlich auch noch Cinnamon Buns (Zimtschnecken) gebacken und mehrere Apple Pies. Ich hab bestimmt jede Menge zugenommen. Und gespuelt hat sie immer zwischendurch, weswegen ich hier nun in einer relativ aufgeraeumten und gespuelten Kueche sitze. Was fuer ein Glueck! Draussen schreddert zwar ein Riesen-Baggerding jetzt unsere Seite der Strasse und macht schrecklichen Laerm und alles haesslich, aber ich koch mir jetzt noch einen Tee und simuliere dann wieder im Haus verschiedene Situation. Vom Klo z.B. guckt man in die Baumkronen. Daher werden wir dort keine Vorhaenge brauchen. Margaret naemlich frohlockte gestern schon: Das wird ein Spass, Vorhaenge fuer all die Fenster zu naehen (sie meinte das ernst, weil sie naemlich gut und gerne naeht). Ich sagte ihr, dass ich ja so gar kein Vorhang-Fan sei. Ja wie, sagt sie, keine Vorhangwoelkchen ueber den Fenstern? Wo soll denn dann der Staub hin? Hatte ich so noch gar nicht drueber nachgedacht… Vielleicht sollte ich…
Hier also die Bilder, chronologisch, und ganz am Schluss Trudy, wie sie so dringend Koerperkontakt braucht, und wenn es nur der kleine Zeh ist an dem kleinen Hund…

floorjoists.jpg nordwand1.jpg nordwand2.jpg nordwand3.jpgnordwand_steht.jpg norwin_am_bau.jpg suedwand1.jpg suedwand_steht.jpg westwand1.jpg bob_kuechenfenster.jpg westwand_steht.jpg
Und wir wollen nicht vergessen, zu erwaehnen, dass ein paar Kilometer die Strasse runter auch ein Haus gebaut wird: Vor einigen Monaten schon zogen sie den Keller hoch, aus diesen Styropor-Baukloetzen, die mit Beton gefuellt werden. Dann, kuerzlich, kamen zwei riesige Tieflader mit zwei Haushaelften, und spaeter kam noch ein kleines drittes Stueck, und ratzfatz, ist ein 200 qm grosses Haus vor Ort. Mit Dach, Fenstern und allem pipapo. Nicht, dass wir sowas woellten, aber es waere schon schoen, schnell fertig zu werden.
Trudy ist das alles egal, Hauptsache Kontakt: trudy_zehenkontakt.jpg