Der Wolf und die 25 Geisslein

Adrenalin am Morgen! Jetzt hab ich also noch mal eine echte Kanada-Busch-Geschichte fuer die geneigte Leserschaft.
Wecker klingelt um 5, wir drehen uns noch einmal um, dann faengt Emmi in der Kueche an zu bellen wie bloede. Zora springt auf und steht am Fenster, und auch auf Gereons freundlichen „Schnauze-halten“-Klaps beruhigt sie sich nicht. Ich gucke mal raus, und da laeuft was ueber den Hof! Kojote? Also Zora rausgelassen, der Gatte aus dem Bett, Emmi aus der Kueche, grosses Tohowabohu, Hunde in die falsche und richtige Richtung (wer lief wohl in die falsche Richtung???), Riesen-Gebell, nix mehr zu sehen bis auf die total aufgeregten Schweine, die mit einer Kopfhaltung, so nah, wie ein Schwein an was Arabisches rankommt, ueber den Hof flitzen. Wir wieder ins Bett. Gebell geht weiter, dann aus einer anderen Richtung, direkt neben dem Haus. Ich gucke doch sicherheitshalber nochmal nach den Ziegen, die beim ersten Aufruhr wie ein Mann, ein Lama vorn, ein Lama hinten, zur hausnahen Ecke gerannt kamen. Und da sehe ich das Tier stehen. Fuenf Meter vom Ziegenzaun, die Hunde davor, und man liefert sich einen klassischen Standoff, die Parteien bewegen sich immer unisono vor- und rueckwaerts und versuchen, sich niederzustarren, Motto: „Wer blinzelt, verliert.“ Der Herr Hoe. ist wie der Wind aus dem Bett, Gewehr geholt, geladen und raus, natuerlich in der Unterwaesche. Wenn uns einer gesehen haette!!! Dann knallt der Schuss, doch der Wolf (das inzwischen war klar) faellt nicht um, sondern laeuft weg! Hunde hinterher, aber nix. Gereon in die Klamotten, auch hinterher. Nun kommt auch Severin aus seinem „Bau“, hatte die ganze Aufregung fast verpasst. Bei Ueberpruefung finden wir Blut an der Stelle, wo der Wolf die Ziegen gezaehlt hatte. Also Nachsuche! Emmi zeigt sich desinteressiert (zu bange?). Doch, wer haette das gedacht, der kleine Hund erweist sich an der Leine als prima Schweisshund und fuehrt uns durch das Gestruepp zu dem inzwischen verstorbenen Wolf (was die grossen Hunde sich nicht getraut hatten). Blieb tatsaechlich ein paar Meter vor dem Tier stehen und zeigte mit der Nase immer in die richtige Richtung, aber naeher ran wollte er nicht mehr. Auch ein typisches Foto mit kleinem Hund als Streichholzschachtel fand Nini so total ueberfluessig. Der Schuss hatte dann doch eigentlich sehr gut gesessen, weit war der Wolf, ein Ruede, nicht mehr gekommen. Schade isses schon! Sind ja beeindruckende Tiere, mit immens grossen Zaehnen und Riesenfuessen. Inzwischen habe ich die Beinlaengen mal verglichen: Der Wolf hat locker 10cm mehr Vorderbein als Zora. Wenn er sich verduennisiert haette oder hinterm Dugout geblieben waere, haetten wir ihn auch nur fotografiert. Aber er hatte ganz klar einen Plan, und da kamen Ziegen drin vor. Inzwischen denke ich, dass der unsere gesamten Aktivitaeten schon seit Monaten beobachtet haben muss, Gereon hatte ja auch im Winter immer wieder Spuren eines einzelnen, des sprichwoertlichen Einsamen Wolfes gesehen. Und jetzt waren die Ziegen die zweite Nacht draussen, und da fand er wohl, es sei an der Zeit. Bilder hier nicht, nach der Reaktion auf die Sache mit dem Baerchen wollen wir das lieber lassen. Jedenfalls waren wir dann alle ziemlich wach. Und das alles am 31. Juli im Sommer!

2 Gedanken zu „Der Wolf und die 25 Geisslein

  1. Hanna

    Da sieht man mal wieder wie wichtig Hunde hier sind!
    Wir wollen aber Bilder sehen, diese verweichlichten Deutschen haben halt keine Ahnung!! Wahrscheinlich haetten sie gewollt das ihr den Wolf lebend fangt und dann irgendwo aussetzt.
    Oder so wie Willi faengt den Fuchs in einer lebend Falle und schlaefert ihn dann fachmaenisch ein.

  2. Judith

    spannender Bericht (und mein Sohn verschläft den ersten Akt des Dramas), Ihr Lieben, klar würde ich auch gerne Fotos sehen von der Gefahr, der ihr Aug´in Aug´ gegenübergestanden habt, oder besser eure 25 Zicklein. Zu Hanna´s Kommentar eine Ergänzung: Wir haben als Kinder immer die Mäuse lebendig gefangen und 5 Kilometer weiter ausgesetzt, das hat keine Woche gedauert, dann waren die wieder im Haus. Bin gespannt auf eure weiteren Erlebnisse in der Wildnis – Grüße an euch und eure Fan-gemeinde (Fangemeinde wirkt bei dem Thema so doppeldeutig) – Grüße aus dem alten Europa – Judith

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