Ein guter Start? Und ein kleiner Rueckblick

Endlich tropft wieder Molke aus einem Quarkpaket! So lange hab ich keinen gemacht, es hat irgendwie nie gepasst. Aber jetzt, mit Pflaumenmus und Johannisbeermarmelee, kann es einfach kein gekaufter Cream Cheese mehr sein, mit 87 Zutaten etc.pp. Sondern der Gute, der echte Quark von mir persoenlich bekannten Ziegen.

Was man auf dem Foto noch sieht, sind kleine Anregungen fuer den Rueckblick.

Jetzt sind wir seit sechs Jahren auf unserem Land. Nach zwei Jahren in einer unisolierten „Kueche“ ohne Fussboden und einem zwar isolierten, dennoch nicht immer frostfreien „Schlafzimmer“ (von den ersten beiden Monaten auf der „Empore“ des Planengebaeudes wollen wir jetzt mal gar nicht reden…) stieg meine Hochachtung fuer die Frauen, die dies alles vor mir durchgestanden hatten, ins Unermessliche. Im Gegensatz zu mir hatten diese Wunderwesen kein Telefon, kein Auto, keine Nachbarn mit Heizung und Dusche. Und die meisten hatten Kinder zu bekommen und/oder aufzuziehen. Hut ab! Dennoch war ich mehr als froh, als wir im Dezember 2008 in das vom Herrn Chef mit Unterstuetzung von Freunden, Bekannten, Nachbarn etc. selbst gebaute Haus umziehen konnten. Natuerlich war es mehr oder minder noch ein Rohbau. Und, fast ebenso natuerlich, hat sich daran nicht viel geaendert… Kann man auf dem Foto an den nach wie vor im Urzustand befindlichen Sperrholzplatten erkennen, die theoretisch irgendwann mit „schoenem“ Holz verkleidet werden sollen. Ich bezweifle, dass ich das erleben werde. Wirklich wichtig ist es auch nicht.

Dann der Quark. Der sagt, dass ich immer noch Ziegen habe. Lt. Chef zu viele, sein Wunschzahlen gehen gegen Null. Ich sage ihm nicht, was ich alles fuer Plaene habe, das wuerde ihn nur unnoetig beunruhigen.

Dann die Pflaume unten rechts. Das ist ein Problem. Sie ist naemlich angefressen von einer unserer resident mice! Maeuse – irgendwie muss ich sie auch bewundern, vollbringen sie doch trotz ihrer minimalen Koerpergroesse ungeheure Leistungen. So z.b. hat vorletzte Nacht eines dieser Tierchen eine Tuete Reis in der Suedostecke des Hauses angefressen und dann, wie wir wissen, in halsbrecherischen Balanceakten ueber unter der Decke aufgehaengte Verlaengerungskabel ein bis zwei Mausmuender voll der Koerner in der diagonal gegenueberliegenden Ecke auf der Schuhbank deponiert. Das alles wahrscheinlich unter den geschlossenen Augen von Trudi und dem Kittikatzi. Nicht gut. Eine Maus hat der Chef gestern morgen erlegt (ueber das Wie hat er sich nicht geaeussert). Den anderen habe ich nach gutem Zureden und null Reaktion nun Fallen aufgestellt, aber die interessieren sie nicht. Abhilfe erwarte ich mir von den in Auftrag gegebenen Tueren! Es gibt allerdings auch, weil unser Haus voelliges Eigendesign ist, ohne Beruecksichtigung der hiesigen Baustandards, noch ein paar andere Stellen, wo Maeuse Zugang finden koennten. Also werde ich mehr verschliessbare Schraenke aufstellen muessen. Die liegen schon im Haus, warten nur noch auf meine Zuwendung.

Dann das Licht. Es war kein Blitzfoto, die Beleuchtung kommt von einer Energiesparlampe, die ihre Sparenergie von unserem Solarenergiesystem bezieht. Letzteres wurde letzten Winter endlich in Betrieb genommen und wartet nun auf eine Verdoppelung der PV-Kapazitaet. Die Photovoltaik-Elemente, die ich bestellt habe, werden pro Stueck doppelt soviel Strom liefern wie die bereits vorhandenen, kosten aber nur die Haelfte. Im Moment ist die Anlage arg belastet, weil wir die Tiefkuehltruhe, die seit unserem Einzug hier bei den Nachbarn lebte, ans Haus geholt haben. Solarenergie, jedenfalls in der Form, wie wir sie haben, macht einem bewusst, wieviel Strom man wofuer braucht. Ich weiss nun, dass Licht gar nichts ist, Telefone und Computer wenig, meine hoch geschaetzte Kuechenmaschine auch nicht viel, aber die Getreidemuehle und vor allem die Gefriertruhe richtig hungrig. Getreidemuehle laeuft ja nur selten und kurz, aber fuer die Truhe musste Abhilfe her. So habe ich eine super-energiesparende, deutlich kleinere Truhe gekauft, die nun ebenfalls auf Anschluss wartet. Sie funktioniert naemlich mit 12V, hatte ich uebersehen, und so muessen Spezialkabel etc.pp. her. Der „Solar Cowboy“, wie ich meinen urspruenglich schweizerischen Lieferanten von Ziegen und Solaranlagen nun nenne, ist schon bestellt!

Und in dem Zusammenhang kommt dann hoffentlich auch endlich das heisse Wasser, fliessend, aus dem bereits seit Jahren vorhandenen Wasserhahn! Die benoetigte Technik ist teilweise bereits vorhanden, muss aber von einem offiziellen Klempner installiert werden. Und solche Menschen sind hier rar und immer sehr beschaeftigt. Aber dann! Ich plane eine Party mit Heisswasser und Beleuchtung, dazu vielleicht Eis am Stiel! Oder so aehnlich.

Noch ein bisschen mehr Rueckblick: Der Chef arbeitet nach wie vor in derselben Firma. Keine Aenderung gewuenscht und auch anscheinend keine in Sicht. Das ist sicher gut. Die Bienen haben sich, nach einigen Auf’s und Ab’s, in diesem Jahr wieder einmal gut gemacht, so dass der Imker nun ueber eine Verdoppelung der Voelker nachdenkt. Seit wir das Honey House gemietet haben, wird er uebermuetig 😉 Das hier vor Ort geplante Honey House ist ueber die Punktfundamente mit Eisenstuetzen bis jetzt nicht hinausgekommen.

Ich bin nach meinen Teilzeitjobs zuerst in der Buecherei, dann in der Tierarztpraxis, nun seit einiger Zeit „Nur-Hausfrau“. Was fuer ein wunderbares Wort! Bei mir heisst das, dass ich fast nur zu Hause bin. Meistens ist das in Ordnung, manchmal brauche ich Menschen, und manchmal muss ich nach Grande Prairie, ich kombiniere das dann, und nach zwei Stunden hab ich die Faxen meist schon wieder dicke und will nach Hause.

Menschen sind ein schwieriges Thema hier auf dem Land. Es gibt nur wenige, „few and far between“, wie man hier sagt. Und die, mit denen man oefter und/oder regelmaessig zu tun haben wollte, sind noch seltener. Ich glaube, eine Hand reicht dicke zum zaehlen. Allgemeine Einstellungen zur Umwelt, zur Politik und zur Religion erweisen sich fuer mich da oft als Hindernisse. Das hier ist Redneck Country, und man muss es erlebt haben, um es zu glauben. Und weil das so ist, ist die geringe Bevoelkerungsdichte auch ein Segen, finde ich.

Und jetzt geh ich melken! Vorher aber bastele ich euch noch ein paar Bildchen rein.

So fing es an im Honey House: Ordentlich gestrichener Fussboden, Schleuder, Tank. Siebe an der Wand, sehr schoen.

Ungefaehr einen Monat spaeter: Drei Tanks und schon jede Menge Honig abgefuellt. Vorgestern habe ich den letzten Tank in Behaelter geleert, und wir wissen: In diesem Jahr haben wir 2661 kg Honig abgefuellt. Nicht schlecht, oder? Eine Tonne mehr als letztes Jahr.

Feldkueche vorm Honey House. Es geht gar nix ohne Tee/Kaffee, und weil Besuch da war, gab’s auch kranke Chips, Schokimandeln und Diet Coke (nicht fuer mich!). Leider geht auch nix mehr ohne Brille…

2 Gedanken zu „Ein guter Start? Und ein kleiner Rueckblick

  1. SonjaM

    Obwohl wir uns beide Kanada ausgesucht haben, koennten unsere Lebensumstaende nicht verschiedener sein. Du bist quasi Selbstversorger im Busch, waehrend ich jeden Tag im zwei Minuten entfernten Supermarkt einkaufen gehe. Mein Arbeitsplatz ist ein Buero, Deines die Kueche, der Stall, die Weide, der Wald. Und doch haben wir neben dem Land unserer Wahl ein paar Dinge gemeinsam: Bloggen ueber den Alltag und unsere selbst gewaehlte Distanz zu Menschenansammlungen.

    Wenn es der Job zuliesse, wuerde ich auch gern irgendwo weiter draussen leben (allerdings mit Stromanschluss und fliessend Warmwasser…). Ich finde toll, dass Du neben Deinen ganzen Taetigkeiten immer noch Zeit findest, Bilder zu machen und dem geneigten Leser einen Einblick in Dein Leben zu gewaehren. Vielleicht solltest Du ein Buch schreiben. Viele traeumen von so einem Ausstieg, nur wenige wagen es.

  2. pattex

    Ich finde Sonjas Buch-Idee sehr gut. Ich würde es jedenfalls lesen wollen.

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