Der Opa

IMG_3012

Heute waere er 94 geworden. Letzten Juli ist er gestorben. Ich denke viel an ihn, hier in Kanada, wo er nie hin wollte. Dabei bin ich sicher, es haette ihm gefallen. Immer erkundigte er sich nach der Anzahl der Passagiere im Flugzeug, immer wollte er wissen, ob denn die Baeren/Woelfe/Kojoten/Elche „boese“ seien. Wenn ich mal wieder meine Welt mit Heukoerdelchen zusammenhalte, denke ich an seine „Frickeleien“ – sein Material der Wahl war haeufig Draht. Meine Mutter war  nicht immer beeindruckt von seinen Kreationen. Auf der Suche nach irgendetwas, das ich an einem sicheren Ort verstaut habe, kommen mir seine grandiosen Suchen, z.B. nach Tomatensamen, in den Sinn. Wir beide haben unsere Liebe und Faehigkeit zur Ordnung bestens getarnt, vielleicht auch verlegt, wobei er aber immer behauptete, er wisse genau, wo er alle seine Dinge habe. Ich habe das aufgegeben, fast… Seine Neugierde hat er bis zum Ende seines Lebens behalten, ebenso wie sein technisches Interesse, das ich bestimmt zu grossen Teilen von ihm geerbt habe. („Lass mal gucken, das tu ich mal unters Lesegeraet…“) Auch meine Liebe zu den Tieren hat er wahrscheinlich begruendet. Er brachte den ersten Wellensittich an, und er kaufte mir den ersten Esel. Wahrscheinlich, weil er selbst sowas gern haben wollte (auch ich habe fuer meine Kinder Ratten angeschafft, weil ich die so spannend fand…) Sein „Charlie-Maennchen“ sass beim Essen immer neben ihm und hatte seinen eigenen kleinen Teller. Weil wir uns ziemlich aehnlich waren, haben wir uns natuerlich auch gezankt wie die Kesselflicker, aber zum Ende unserer Zeit miteinander sind wir wohl beide etwas milder geworden. Das war gut. In seinen Augen meine beste Leistung waren mit Sicherheit seine beiden Enkeltoechter, mit denen er wieder ganz neu die Abenteuer am Teich und im Garten erleben konnte, fuer die er bastelte, Schaukelpferd und Sandkasten, und Bildchen mit Nachrichten malte, und auch mal selbst das Reitpferd machte, auf allen Vieren, noch im Blaumann. Und als dann auch noch „was aus ihnen geworden ist“, war er sehr stolz.

Immer hatte er Zeit fuer ein Struengschen und ein Bier (oder mehr) mit Nachbarn und „Kumpels“, auch als er schon schlecht sah und hoerte.

Er hatte bestimmt, dass er keine Trauerfeier und kein „Gedoens“ haben wollte, und wir haben uns daran gehalten. Aber ich denke immer noch, dass eine richtig gute Feier, was man hier „Celebration of Life“ und nicht „Trauerfeier“ nennt, das sowas sehr in Ordnung gewesen waere, mit Kumpels, Freunden und Familie, mit vielen Geschichten, ein bisschen Nachdenklichkeit, aber auch viel Lachen. Und natuerlich mit Bier. Ich jedenfalls trinke heute abend einen auf Dich. Prost, Opa!

2 Gedanken zu „Der Opa

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.