Archiv für den Monat Juni 2019

Es regnet – und ich bin schlecht gelaunt, aber sowas von…

Geschrieben gestern, dann haengte sich wordpress auf – auch das passiert an solchen Tagen…

Das Video zeigt die unschoene Realitaet dieser Tage. Es regnet naemlich nicht, es schuettet. Alles steht unter Schlamm. Das macht mir ueberhaupt keinen Spass. Mitten in diesen Schlamm schluepfen sieben Miniatur-Puten. Plus die Huehnerhenne mit ihren verbliebenen drei Kueken. Immer Gefahr laufend, dass eines davon in ein Gefaess mit geraden Waenden stuerzt… Leben bei uns ist lebensgefaehrlich, wenn man noch so klein ist.

Schon bei meinen ganz normalen taeglichen Arbeiten werde ich plitschnass, mehrfach. Und dann gab es ja auch noch den Melkstand ohne Dach, oben im Video zu erkennen. Und der Chef hat nie Zeit oder beginnt Saetze mit „Eigentlich…“ – DAS hilft dann meiner Laune noch viel weniger. Aber nuetzt ja nix – ist die Devise. Und so greife ich in solchen Wettersituationen zu dem anderen Freund der Farmfrau, naemlich dem Sperrholz. Und suche mir alle moeglichen anderen Resthoelzchen zusammen. Das Design geht stark in Richtung „Zero Waste“, also „kein Abfall“, denn ich habe nur eine schlichte Handsaege, sowas Fuchschwanzartiges. Ich wuerde ja gern irgendwann mal lernen, diese Tischkreissaege zu bedienen, die auch so tolle Winkel schneiden kann. Vielleicht im naechsten Leben. Bis dahin geht es auch noch von Hand.

Zuerst also der Melkstand. Voran ging diesem Projekt ein sehr unerquicklicher Morgen mit Plempe und unleidlicher Kuh und ungespueltem Eimer und keinem Dach. Ich musste den Herrn Hoe. anschnauzen, was der gar nicht gut vertraegt, und prompt war der Tag nicht mehr mein Freund. Und der Herr Hoe. voruebergehend auch nicht. Und gemolken hab ich dann nicht. Ich war soooo fratzig! Als die Wogen sich ein bisschen geglaettet hatten, bin ich auf Sperrholzsuche gegangen. Hier das Ergebnis, totaaaal oeko, nicht nur ohne Metall, sondern gaenzlich ohne Befestigungsmittel, allein auf die Schwerkraft vertrauend. So echten Sturm von Norden oder Osten darf es aber jetzt mal nicht geben.

Kuehne Praxis-Architektur, geschickte Ausnutzung der Nebenstrukturen, blah-blah-blah… – funktioniert!

Dann die Putenmutter, die wir zum Glueck zumindest schon in einen steinalten Mini-Perk bugsiert hatten, der aber kein Dach hat. Als es immer mehr schuettete, ging das nicht. Aber es gab noch Sperrholzplatten…

Avantgarde-Puten-Perk

Das ist schon mehr so Avantgarde-Stil- und Material-Mix. Es gibt schlichtes und kesseldruckimpraegniertes Sperrholz, dazu – gegen Rabenangriffe – Plastik-Gartengeflecht, und da, wo die beiden schiefen Gatter sich treffen, sieht man auch den anderen Freund der Farmfrau, naemlich ein Heukoerdelchen. Im Vordergrund uebrigens Aurora, die sich gerade erfolgreich einen neuen Namen erarbeitet hat, naemlich Grusela vom Schnepfensee. Sie ist in einer extrem usseligen Teenager-Phase, immer strubbelig, mit etwas merkwuerdigen Proportionen und ueberhaupt eher unsortiert. Grusela steht ihr gut.

Fuer Tangram-Liebhaber

Und dies ist mein heutiges, sehr ambitioniertes Projekt. In der Theorie tragbar, also mobil, doch in der Praxis ist es mir dann etwas zu schwer geraten fuer die geringe Stabilitaet. Aber es hat zwei Griffe, und so wird der Herr Chef mir helfen. Kuekendraht made in China, das ist vielleicht was Doofes, nur unwesentlich stabiler als Billiggardinen. Aber immerhin neu. Der Rest der Bauelemente ist natuerlich recycled. Gedacht als sichere Aufbewahrung fuer die Putenmutter, deren Kinder naemlich jetzt am laufenden Band sehr abenteuerlustig durch die Gatterritzen schluepfen und dann Ausfluege machen, waehrend ihre Mutter hinter Holzgittern die Krise kriegt. Die Winzlinge wissen natuerlich nicht, dass der Rabe wahrscheinlich bald wieder auf Patrouille sein wird. Leider habe ich noch keinen genauen Plan, wie ich die Familie umziehe… aber das wird sich finden.

Das erste Putenkind uebrigens, das dieses Jahr schluepfte, ging verloren, seitdem steht der Rabe tatsaechlich auf der Abschussliste. Jedoch: vor ein paar Tagen fand ich das tote Mini-Putchen, offensichtlich einem Eselfuss zum Opfer gefallen. Rabe fuer nix verdaechtigt.

So, jetzt scheint ausnahmsweise mal kurz die Sonne, da bring ich der Kuh noch was zu essen, und dann hole ich gleich meine mit Ras el Hanout und Honig gewuerzten Nuesse aus dem Backofen – heute Abend gibt’s Heimkino.

Es regnet nicht, aber ich bin faul

Oder so aehnlich… Ein spaetes Mittag- oder fruehes Abendessen macht mich schlaefrig, ausserdem hab ich Ohrenschmerzen, wie ueberfluessig ist das denn??!! Um mich abzulenken, erzaehle ich euch noch ein bisschen. Zum Beispiel von Martina. Die heisst so, weil sie aller Wahrscheinlichkeit nach (95+%) ein so genannter Freemartin ist. Das heisst auch im Deutschen so, hab ich nachgeguckt, merkwuerdig. Ein Freemartin entsteht, wenn verschiedengeschlechtliche Zwillinge in der Kuh (und nicht nur in Kuehen, aber dort am haeufigsten) heranwachsen. Irgendwann waehrend der Tragzeit verbinden sich irgendwelche Blutkreislaeufe (so genau weiss ich das schon wieder nicht mehr), und das Buebchen gibt seine Hormone an das Maedel weiter – und gewinnt! Je frueher die Verbindungen zwischen den Embryonen entsteht, desto groesser die Chance auf ein nur aeusserlich maedchenhaftes Kalb. Innendrin ist alles durcheinander, sozusagen, populaerwissenschaftlich erklaert, und das Kalb ist maskulinisiert und unfruchtbar. Wenn ich von Martinas Benehmen schliessen sollte, dann waere ich davon zu 100 Prozent ueberzeugt. Sie ist ein wildes Geraet! Ihr Bruder Red Bull ist die reinste Lusche dagegen. Zaeune zum Beispiel, durch die sie irgendwie durchpasst, existieren einfach ueberhaupt nicht. Der Herr Hoe aber hofft immer noch, dass sie sich als Vollblut-Maedchen entpuppt.

Martina – als Kalb getarnte Ziege

Andererseits ist es irgendwie sehr niedlich, dass die beiden sich abends, so gegen 19 Uhr, haeufig selbst und freiwillig zu Bett begeben. Auch darueber hatte ich gelesen, und auch das hielt ich fuer uebertrieben. Ich bin aber noch ein bisschen lernfaehig, glaube ich.

Gemuetlich im Bett
Beim kleinen Red Bull sieht man schon die Hoernchen

Morgens warten sie fein, bis ich mit dem Melken fertig bin, dann lasse ich sie raus, und sie diskutieren ein bisschen mit ihrer Mutter. Die „Vereinbarung“ ist naemlich, dass ich die hinteren beiden Euter-Viertel leeren darf (so gut ich kann…), und die beiden die vordere Haelfte zwischen sich aufteilen. Hinten finden sie aber besser, und dann wird Mutter Brontë ziemlich mistig und tritt, bis alle richtig stehen. Trotzdem bin ich natuerlich froh, dass die beiden das Nachmelken uebernehmen und ich mir ueber die Mastitis-Gefahr wirklich keine Sorgen machen muss. Und so sieht es dann aus, wenn die Profis am Werk sind: Schaum, Schaum, Schaum…

Milchschaeumer!

Bei so viel Engagement auf allen Seiten gibt es dann jetzt auch mehr Kaese. Ich habe schon ein paar Versuche mit Quark hinter mir, keiner war wirklich befriedigend. Deswegen nenne ich das jetzt Frischkaese, und dann geht es. Mal pur mit Salz, mal auch – bisher Herrn Hoe’s liebste Variante – mit Schnittlauch. Und heute dann zum ersten Mal mit Kraeutermantel und eingelegt in Olivenoel. Da bin ich gespannt, wie das wird.

Shankleesh nach David Asher, The Art of Natural Cheesemaking

Kaese gibt es auch deswegen relativ viel, weil es keine Sahne gibt! Jedenfalls bis jetzt nicht in nennenswerten Mengen. Das ist eine kleine bis mittlere Enttaeuschung, den genauen Grund weiss ich noch nicht, doch wenn es an der Rasse liegt (und das koennte sehr gut sein), dann hat die Butter schlechte Karten bzw. wird aufwaendig in der Herstellung. Ich werde bei naechster Gelegenheit meine antike Zentrifuge ausgraben und gruendlich reinigen, und dann wollen wir mal sehen, ob da nicht doch noch was geht. Da hatte ich mich so richtig dran gewoehnt, an all die schoene Jersey-Sahne…

Auch der Joghurt ist nicht wie vorher, leider. Schmeckt prima, ist aber waessriger, sehr schade. Na, vielleicht gibt es demnaechst Fotos von der Antiquitaet, wenn ich sie denn sauber und ans Laufen bekomme. Und dann vielleicht auch wieder Sahnejoghurt… lecker!

Es regnet – Zeit fuer eine Pause

Es regnet ganz ordentlich – ein Segen fuer die Landwirtschaft, und nicht nur fuer die. Um uns herum brannte und brennt es schon wieder heftig. Das windige, trockene und sonnige Wetter foerdert die Braende natuerlich, und an manchen Tagen war es super-rauchig und sehr unangenehm. Der Garten staubte fast, und die Bauern klagten – eine bedrohliche Trockenheit.

Sonnenaufgang in Rauchwolken

Aber jetzt ist erstmal Regen angesagt, jedenfalls bei uns und jedenfalls fuer etwa eine Woche immer mal wieder. Hugo hat sich gerade noch mal gewaelzt, bevor vielleicht der wichtige Waelzplatz zum Schlammplatz wird. Es ist gerade erst 8 Uhr durch, aber ich habe mir schon eine Pause verdient, finde ich. Kuh ist gemolken. Lilli gefuettert. Steuern sind erledigt (gestern), so gut wie. Markt ist gerade mal ruhig. Honig ist abgefuellt.

Das ist Weidenhonig – ein Schaetzchen-Honig! Etwa 25 Kilo konnten wir ernten, und gestern habe ich ihn – Premiere – in ueberall erhaeltliche Standardeinmachglaeser abgefuellt. Ich wuerde so gern von den scheusslichen Plastikbehaeltern weg kommen, aber ob die Kundschaft das akzeptiert, wissen wir noch nicht. Einmachglaeser koennten ein Weg sein, denn hier auf dem Land werden sie nach wie vor haeufig eingesetzt, sind stabil und irgendwie auch nett.

Aber eigentlich wollte ich noch ein bisschen von der Kuh erzaehlen. Das letzte grosse Projekt in meinem Leben, so war der Plan. Und die Kuh tat erstmal alles, um es auch zu einem grossen Abenteuer zu machen. Okay, der Gatte half auch, in seiner bewaehrten Art und mit seinem ganz eigenen Timing. Der Melkstand naemlich liess auf sich warten, und so ging es mir zwar im Paddock mit der Kuh besser, aber ohne Melkstand keine Annaeherung, ohne Annaeherung kein Melken, ist ja irgendwie logisch. Am 22. April, Ostermontag wohl, kam die Kuh dann zum ersten Mal in den nicht ganz perfekten Stand. Wie man sieht, gab es keine Befestigungsmoeglichkeit fuer Brontë und auch nichts fuer die Futterschale. Aber immerhin liess sie sich anfassen und trat nicht um sich.

Der Melkstand wurde nach und nach verbessert, die Kuh betrat ihn relativ willig und verliess ihn im Rueckwaertsgang, gar kein Problem fuer sie. Aber immer noch gab es keine Befestigung. Und wenn das Futter alle war, legte sie diesen Rueckwaertsgang zackig ein und war weg. Melken waere spannend gewesen. Und ich hatte die Nerven schon wieder etwas blanker. Anfassen beim Fressen jedoch war so gar nicht schwierig, kein Zucken und Treten, das war ihr alles schnurzpiepe, so lange da was Leckeres vorne war.

Einen Monat lang uebten wir, und dann kamen die beiden. Und der Melkstand hatte ein „Headgate“ – wie koennte das auf Deutsch heissen? Und die erste Milch kam ins Glas.

Wie man am Gesichtsausdruck der Kuh erkennen kann, war es aber eher ein Waffenstillstand, mit dem wir arbeiteten. Die Kaelber mischten sich beim Melken ein, die Kuh war unleidlich, der Herr Chef musste jedes Mal helfen, und eines Tages trat sie mit Schwung gegen den Eimer, aus purer Frackigkeit, so schien mir (vom regelmaessigen Pinkeln und Kacken im Melkstand will ich so gut wie schweigen) und ich klatschte ihr zornig gegen das Bein – und sie trat zurueck und traf mich und ich trat zurueck und traf sie – und ich hatte sie noch kaum beruehrt, da trat sie wieder zurueck und traf mich mit Schmackes! Tret-Wettbewerb verloren, also ich. Natuerlich war mir sofort klar, dass ich mich nicht haette hinreissen lassen sollen. Aber was willste machen? Ich neige in solchen Situationen zu spontanen Ausbruechen, die haben noch nie geholfen, das ist mir klar, sie kommen aber vor. Ich wollte die Kuh schon wieder essen, und zwar sofort. Der schoene blau-bunte Fleck kam erst am naechsten Tag so richtig… Was ich jetzt weiss: Kuehe koennen, genau wie ich gelesen hatte, aber fuer uebertrieben hielt, genial gezielt und irre schnell treten, nach hinten, nach vorne UND zur Seite. Eine Reaktionszeit wie ein Jet-Pilot, ehrlich! Bewundernswert, wenn ich nicht das Ziel gewesen waere. Was tun? Die naechsten paar Melkversuche waren unbefriedigend, weil ich immer Angst hatte, die Kuh keinen Spass und auch keinen Druck, denn die Kaelber behielten das Euter einigermassen im Griff. Dann aber hatte ich zweimal Glueck: Zum einen beriet mich Sam, unser Lieferant von allen Tieren, Solaranlagen und guten Ratschlaegen fuer beides. Sam war mal Schweizer, hat praktisch sein ganzes Leben lang gemolken und behandelt seine Tiere sehr ordentlich. Auf den konnte ich also hoeren. Er riet mir, auf jeden Fall die Kaelber ueber Nacht wegzusperren und dann morgens beim Melken es der Kuh so nett wie moeglich zu machen. Alles mit Liebigkeit, sozusagen.

Und dann kam Casci, die Hufschmiedin, die praktischerweise in einem Milchbetrieb arbeitet und eine Herausforderung liebt. Fuer sie parkte ich die Kuh nochmal im Melkstand, und dann zeigte Casci mir, was sie machen wuerde. Seil um’s Hinterbein, mit ein bisschen Spiel nach hinten weg an einem noch einzuschlagenden Pfosten festbinden. Schwuppi-didu – die Kuh steht bequem, aber Treten nach vorne und zur Seite ist praktisch unterbunden! Ich hatte auch davon in Foren gelesen, aber wie das in der Praxis aussah, hatte ich mir nicht vorstellen koennen. Casci „wuchtete“ die Kuh durch die Gegend, schob sie in die richtige Position, fixierte das Hinterbein, und die Kuh liess alles mit sich machen, und wir kraulten sie und fuetterten sie und alles war ruhig und sah einfach aus. Ich war begeistert.

Das Kaelber-Wegsperren ging aehnlich unproblematisch, wer haette das gedacht? Eine Nacht wurde seitens der Kuh ein bisschen gemeckert, aber seitdem fluppt es. Ich kann das alles alleine, und ich habe wieder Spass am grossen Projekt. Was fuer ein Segen!

Was ich aber anmerken muss: Meine heiss geliebten Ziegen wurden ja immer als extra destruktiv bezeichnet, aber ich sag’s euch: Kuehe koennen da auch was. Vor allem natuerlich mit Hoernern. Ich glaube, Hoerner sind Waffen, aber vor allem auch Werkzeuge, und wer die hat, der setzt sie ein, logisch. Und so wird montiert und umgeworfen und generell gern mal was durcheinandergebracht, und sich auch mal dekoriert…

Ich fuer meinen Teil fruehstuecke jetzt mal Brot mit Quark und Honig. Und mach den Ofen an, das hat sowas Gemuetliches… Die Esel stehen freiwillig im Regen – es muss wirklich noetig sein!