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Sommer, die zweite

Es ist immer noch Sommer, auch wenn Dieter vom Sweathouse Tower behauptet, dass SEIN Wetterbericht abnormal niedrige Temperaturen fuer heute und morgen ankuendigt. Ich sitze in der Buecherei und draussen ist es windig und bewoelkt, aber noch nicht wirklich kalt. Aber im Garten ist alles abgedeckt, sozusagen in trockenen Tuechern. So trocken, dass mir versehentlich der wegen der Abdeckung von den Huehnern unangetastete Sellerie diesmal halb vertrocknet ist. Ich weiss es nicht. Vielleicht sollte ich Sellerie aufgeben.
Am Sonntag waren wir bei Katrin und Adam, die ja ein Stackwall-Haus bauen. Das ist eine interessante Bauweise, die auf den ersten Blick ein bisschen wie ein Brennholzstapel mit Zement dazwischen aussieht. Ein bisschen so ist es auch, aber was man nicht sieht, ist dass zwischen den aeusseren Zementschichten eine dicke Schicht Isolierung steckt. Waermetechnisch ist das alles also ziemlich gut. Und dann sammeln die beiden schon seit laengerem schoen gefaerbte Flaschen, die statt Holz an ausgesuchten Stellen in die Waende eingearbeitet werden – das sieht sehr schoen aus! Wir sind gespannt. Gereon hat jedenfalls geholfen, Baeume zu faellen – da ist er in seinem Element, wie man sehen kann.
Auch seht ihr hier nun auf Internet-Zelluloid den bereits beschriebenen „Brueckenbau“. Besonders interessant finde ich dabei den Belaubungsstatus im Vergleich zum Bild mit den Ziegen. Man bedenke: Vor drei Wochen hatten wir Schnee, und jetzt ist wirklich alles gruen. Ueberall sind Schmetterlinge, vor allem die Schwalbenschwaenze sind auffaellig. Kaulquappen habe ich gesichtet, wo ich auch immer noch hoch interessante Laichschnuere sehe. Machen Froesche auch Schnuere? Ich weiss das gar nicht. Mein Apfelbaeumchen blueht, aber mein Crab Apple ist leider verstorben. Goesselchen wurden schon gesichtet, und eine Miniatur-Ente, die tapfer im Strassengraben rumpaddelte.

Das mag euch nun nicht so sehr beeindrucken, ich weiss ja, dass Familie Dew-Schu schon das Heu unter Dach und Fach hat, aber fuer uns hier ist das doch ziemlich prima. Der kleine Hund flaezt sich gern auf dem Hof rum, und sogar Zora rennt nicht mehr immer gleich in den Busch (wo sie naemlich hofft, das erspaehte Groundhog-Tier zu fangen…, oder wenigstens ein Hoernchen), sondern streckt sich platt vorm Haus aus. Der Weidenhonig ist geruehrt und fast komplett abgefuellt. Weil ich auf Anweisung des Chefs zwecks guter Fliesseigenschaften des Honigs das Haus lieber warmhalten sollte und heizen, hatte ich dann gestern auch einen kleinen Kaminbrand, sehr interessant.

Ach, und das Quad. Ausnahmsweise mal hat der Chef den Schluessel nicht abgezogen, und das haben die Zickis dann uebernommen. Nu isser wech… der einzige, natuerlich. Das sind die kleinen Vergnuegungen des Alltags.

Ach, und die Waschmaschine. Also ich habe ja Margarets alte Waschmaschine, weil sie jetzt einen Vorderlader hat, den sie gar nicht so schoen findet. Weil kanadische Toplader ja nicht so schleudern, wie wir das von Miele und Co. gewohnt sind, bestand kein Risiko, das Ding auf dem Deck vor der Eingangstuer waagerecht auszurichten und an den Generator anzuschliessen. Gelernt habe ich: Kanadische Waschmaschinen brauchen pro Waschgang bei der Einstellung fuer den niedrigsten Wasserstand mindestens 60 Liter Wasser. Dieses schleppe ich also in drei Gaengen ins Haus, wo ich es auf dem Herd erhitze, um es dann wieder raus und in die Waschmaschine zu schleppen. Dann werfe ich den Generator an, druecke den Knopf und mit grossem Gerumpele und Geaechze setzt sich die Waschmaschine zoegerlich in Bewegung. Das Waschen dauert nur etwa 20 Minuten, und so scheinen mir auch die Ergebnisse. Schleudern will sie nicht, da hat sie sich wohl beim Umzug was verrenkt. Gereon ist optimistisch, dass er das reparieren kann. Nur ueber den Termin gibt es noch keine Angaben… Als naechstes habe ich aber auch gelernt, dass Dugoutwasser seine Farbe stellenweise an die Waesche weitergibt. Auf keinen Fall darf man die Waesche zum Abtropfen ein bisschen im Waeschekorb stehen lassen. Die Stellen, die dann in der Sonne trocknen, werden gleichzeitig mit einem Dugout-Wasser-braunen Rand gekennzeichnet. Ob der wieder rausgeht, wissen wir noch nicht. Teile, die ich tropfnass aufgehaengt hatte, zeichnen sich nach dem Trocknen durch einen batikartiken Braunschleier aus, auch recht attraktiv. Besonders an Unterwaesche… Das Auswringen hilft etwas, gestaltet sich aber bei Jeans doch schwieriger als erwartet. Ich habe schon ueberlegt, ob ich in Zukunft also meine Kleidung und auch Gereons in strategisch guenstigen Farben kaufen muss. Das wuerde sowieso helfen. Schlammbraun ist immer eine gute Idee und passt zu allem, insbesondere zu matschegrau in allen Schattierungen. Nur die weissen Haare, was machen wir mit denen? Denn die bleiben ja bekanntlich hier in der Waesche, es sei denn, wir benutzen einen Trockner. Tun wir aber nicht.
Jedenfalls habe ich heute meine geliebte Spitzl-Kollektion mit in die Buecherei genommen und werde gleich den Waschsalon besuchen. Da wollen wir mal kein Risiko eingehen.

Eben marschierte auf der Valleyviewer Hauptstrasse eine Schuelerparade entlang, es handelte sich wohl um die erfolgreichen Sportler des Jahres. Begleitet wurde der Zug natuerlich von RCMP vorne und hinten, mit Sirenen und Blaulicht und Krams, und von dem unvermeidlichen Cowgirl, diesmal auf einem typischen Appaloosa. Irgendwie niedlich.