Archiv für den Monat Oktober 2006

Neues aus Matsche-Land

Also, wir pionieren hier so vor uns hin, und die Zeit vergeht wie im Fluge. Das muss daran liegen, dass die Tageslichtzeit immer kürzer wird und wir spät aufstehen und früh ins Bett gehen. Ist halt so, Leben mit der Natur…
Heute habe ich mich mühsam aufgerafft und bin extra für‘s Internet zur lieben Pat gefahren. Na gut, ich muss auch Hühnerfutter holen und waschen, aber es ist mir schon lästig, diese Fahrerei. Hanna hat ja immer Sorge, dass wir ver-waldschraten, und das ist sicher nicht unberechtigt. Ich weiss nur nicht, und Gereon weiss natürlich gar nicht, was daran so schlimm sein sollte.
Wir sind inzwischen umgezogen in unsere „Winterhöhle“. Schnell hat der Herr Hö. uns noch ein Bett gebaut Und schon waren wir im „neuen Haus“. Wurde auch Zeit. Am 16. Oktober kam ein richtiger Schnee, 5 cm an diesem Tag. Da, wo die Holzwand in unserem Pole Shed schwach zu sehen ist, rechts, da gedenken wir zu überwintern. Den Schnee fand ich ja gar nicht schlimm. Emmy auch nicht. Sie ist überhaupt sehr wetterfest, wie es scheint. Und weil sie buddelt und in Pfützen hüpft und im Dreck liegt, bin ich auch sehr froh, dass sie ein „Draußenhund“ ist. Übernachten tut sie derzeit in dieser Kiste, die wir mit Heu und Wollsäcken schön gepolstert haben und vor die zur Nacht zuerst ein Gitter und dann eine Decke kommt. Tagsüber aber muss Zora da schonmal ruhen, und weil es kühl ist und der Platz knapp, gesellen sich auch mal die debil-distanzlosen Hühner dazu. Das sind, falls Du liest, Anabel, die Waisenhühnchen. Nach wie vor im Team zusammen und irgendwie lustig. Im Gegensatz dazu, also zu diesen recht großen Hühnchen, gibt es den gleichaltrigen „Wellensittich“. Ungefähr so gross wie eine Amsel und nach wie vor eher behaart als befiedert, überlege ich immer, ob ich dieses Ding nicht zähmen und als Zimmerhuhn auf dem neu eingebauten Regal halten sollte. Es könnte uns, so es denn sich als Hahn entpuppt, morgens prima wecken, oder? Und die Frisur….!!
Parallel baut der Herr Hö. immer an mehreren Projekten. Neben dem Winterzimmer wurde auch die Küche perfektioniert. So sieht es inzwischen dort aus (na ja, mit dem Aufräumen komme ich noch nicht so recht nach, komisch eigentlich, wo ich doch sonst so eine Pingelige bin) Nini geht das alles am Knie vorbei, sie liegt meist auf der Gartenbank im Schlafsack
Das Blumenfenster zeigt sehr schön auch, dass inzwischen leider wieder alles matschig ist. Zwar ist Regen nach wie vor hoch willkommen, theoretisch, aber praktisch macht er das Leben doch schwieriger. Das Auto haben wir letztens unten an der Einfahrt stehen lassen, sicherheitshalber. Man fährt derartige Rillen, da kommt man dann nie wieder raus. Außerdem ist der Lehm ja wie Schmierseife, und die kleinste Neigung in der Oberfläche führt zu interessanten Rutschpartien, immer Richtung Wald… und Böschung nach unten…
Was noch? Der erste Hirsch wurde erlegt, das ist gut, nun haben wir lecker Gulasch, und die Hunde haben eine Zeitlang geschlemmt. Wir wissen nun auch, dass die kleine Emmy offensichtlich weiß, wie man sich im Rudel durchsetzt und nicht zu kurz kommt – Nini weiß es nicht und verliert.
Mehr fällt mir nicht ein. Ich muss jetzt Wäsche waschen gehen. Ich könnte euch erzählen, wie mein Blutdruck steigt, wenn ich nach einer ¾ Stunde am Telefon von Telus, meinem Handy-Provider, höre, dass ich nur ins Ausland telefonieren darf, wenn ich $1000 hinterlege, obwohl ich einen 3-Jahres-Vertrag habe. Das lasse ich aber, weil er sonst wieder steigt, der Blutdruck. Über die Kanader in dieser Erscheinungsform lasse ich mich einfach nicht aus, nein, ich tue es nicht – obwohl, ich könnte euch Sachen erzählen…. Aber das ist nicht gesund, bestimmt nicht. Und wenn man sich die Bürokratie wegdenkt und die Firmen und so einiges andere, dann ist es sehr prima. Im Moment, nach dem Schnee und mit dem Regen, haben die Gänse ernsthaft beschlossen, sich vom Acker zu machen. So kreischen sie nun über uns hinweg, zu Hunderten, mindestens, eher auch Tausenden.

Jagdszenen aus Nieder-Alberta und mehr

1. Jagdzene: Auf der Strasse
Ach du meine Guete, was passiert so alles, waehrend der Mensch homesteadet und mehr oder weniger computerlos ist. Am letzten Montag z.B. hatten wir laengere Zeit Besuch von einem netten, sehr gruen gekleideten jungen Mann in seinem dicken Ford Pickup Truck. Diese Art junge Maenner wird von manchen Albertanern respektlos “Fish Cop” genannt, was andeuten soll, dass sie im Dienste von Fish and Wildlife Alberta stehen. Der junge Mann befragte uns zu einigen Vorfaellen und wollte wissen, ob wir ein Verfahren einleiten wollten… Und das alles kam so: Samstag abend wollten der Herr Hoe. und ich gerade zu einem Gang in die Laendereien aufbrechen, Waffe war bereits geladen, Frau Hoe. war etwas bange, aber kaum, da klangen in schneller Folge Schuesse ganz aus der Naehe unserer “Residence” (ja, so heisst das hier jetzt, ganz egal, was ihr davon halten moeget. Es heisst auch die “Farm”, jawoll!!) Der Herr Hoe. sprang sofort in das Auto und dueste zur Einfahrt hinaus – mir wurde immer mulmiger, schliesslich waren Waffen im Spiel. Ich hoerte Wortwechsel, nach einiger Zeit kam der Herr Hoe. im Rueckwaertsgang und schnell zurueck, mir war immer noch mulmig. Der Herr Hoe. war stinkesauer. Hatte es sich doch um Menschen gehandelt, die mit dem Auto die Strasse und den frisch gemaehten Graben entlangfuhren, anhielten, sobald sie Huehnchen (also Wildhuehnchen, Grouse), sahen und losballerten. Autonummer REDHOT1 – noch Fragen? Na, Nummer notiert, sich von den Leuten sagen lassen, dass sie das ja duerften, aber nicht geglaubt. Zorn gebaendigt, Wanderung ueber’s Land gemacht, Elch gesichtet, Weg nicht wirklich gefunden, fast in die Dunkelheit geraten, aber dennoch schoen! Am naechsten, wunderschoenen Sonntagmorgen dauerte es nicht lange, da kam wieder ein Auto, fuhr langsam, Schuesse fielen… Jetzt wussten wir ja bereits Bescheid. Wir verbrachten den Sonntag mit dem Lesen von Hunting Regulations, also Jagdvorschriften, und noch dreimal musste Gereon “ausruecken”, man stelle sich das vor! Rechtlich sind wir auf der sicheren Seite, DIE duerfen nicht tun, was sie taten, aber nur einer von vieren hat sich entschuldigt. Am naechsten Morgen also Fish und Wildlife angerufen, die uns extra um Meldung in derartigen Faellen gebeten hatten, tja, und so kam dann am Dienstag der nette Herr Fish Cop, und als wir nett geplauscht, uns derzeit noch gegen Verfahren, dafuer aber fuer ein heftiges Aufstellen von Schildern entschieden hatten, hatte er einen Platten, was seinen Aufenthalt um einige Zeit verlaengerte. So war das also.

2.Jagdszene: Im Wald (und auf der Strasse)
Hatte ich also nach beharrlicher Arbeit den Herrn Hoe. ueberzeugt, dass wir noch einen Hund braeuchten, fuer draussen, und zwar zuegig. Hatten wir bei Nachbarn einige wilde Mischungen angeschaut und ich war recht angetan von dreien, der Herr Hoe. von EINEM anderen. Weiter gearbeitet, schliesslich Montag hingefahren und dann doch den ausgeguckt, den ich so gern haben wollte. Pyrenaeen-Berghund-??-Mischung. Gegen einen 2.25-kg-Eimer Honig getauscht. Auf den Arm gepackt (wiegt eine Tonne!), ins Auto gesetzt, braves Huendchen. Fuhr sehr ruhig und ohne irgendwelche Absonderungen. Zu Hause, noch im Auto, Halsband dran, auf den Boden gesetzt, Hund bekommt sofort Panik, zieht rueckwaerts und den Kopf aus dem Halsband (weil ich naemlich IMMER Angst habe, die Halsbaender sind zu stramm, mache ich sie fast IMMER zu lose…, das wissen wir nun). Huendchen aus der Einfahrt raus, erstaunlich schnell, und weg war es . Herr Hoe. ins Auto, um die Ecke, ich mit den Hunden hinterher, da sahen wir es noch kurz, doch dann verschwand es im Busch. Oh Gram oh Graus, und ich war es Schuld, und es war MEIN ausgesuchtes. Und die Kojoten immer in der Naehe, und das Huendchen panisch und fern der Heimat, und die Autofahrer ruecksichtslos, und und und – wie habe ich mich schlecht gefuehlt. Also in den Busch, mit Hunden, von zwei Richtungen – doch kein Huendchen in Sicht. Weiss mit roten Flecken, muesste man doch sehen koennen… aber nix. Ich gab auf, ging in den Garten, dauerte nicht lange, da bellte erst Nini, dann Zora, die beiden rasten auf die Strasse, ich hoerte ein (Welpen-)Quieken: Sie war wieder da!! Grosse Freude und Aufregung, Gereon gerufen, angeschlichen. Das war aber nun nicht so einfach: Das Huendchen hatte immer noch Panik, schnappte wie wild nach den anderen Hunden, versteckte sich im Dornengestruepp und war eher unzugaenglich. So lenkte ich sie ab, so gut ich konnte, und Gereon schlich sich von hinten an. Schliesslich blieb ihm nichts anderes, als sich buchstaeblich auf sie zu stuerzen, was sie mit einer wilden Beissattacke und dann doch sehr unkontrollierten Absonderungen quittierte. Also Jacke ueber Kopf, Halsband STRAMM wieder dran und dann in einem wilden Rodeo zum Ziegenstall, dort reinbugsiert, alle mal tief durchgeatmet.
Ich war fertig: Das arme kleine Ding, zwar gerettet, doch wie! JEDOCH: Mit etwas Geduld und Futter und Zora ist es schon fast repariert, und so sieht es aus: wie eine kleine, neue Emmy, jawohl:

Dies hier ist dann uebrigens der weitere Neuzugang: Kater Namenlos, auch Glauser-Mauser genannt oder “der Fakir”
Und dann gibt es natürlich noch die Leihziegen) inzwischen sitze ich bei meiner netten Kollegin im Keller und schreibe weiter, daher habe ich völlig den Faden verloren. Egal. Also, es gibt Star und Clouds, von uns umgetauft in Frau Stern und Frau Wölkchen. Sternchen ist diejenige mit Sinn für farbige Accessoires, sie ist irgendwie Nubier-Alpine-Mix. Wölkchen sieht etwas vergilbt aus und hat fehlgeschlagene Hörner, daher zu kurz und nicht griffig. Ich glaube, sie ist eine Tochter unserer verkauften dicken Odette, der Schwester unserer verbliebenen Odette. Mafalda (von Glausers) hat die üblichen zerrupften, doch niedlichst getüpfelte Ohren und ist lieb. Und alle wollen immer gekrault werden.

Was ist sonst noch so passiert, das dokumentiert werden sollte? Der erste Schnee, dieses Jahr „spät“, am 14./15. September, hat mich deprimiert gemacht – das war meine schlechteste Nacht bisher Seitdem aber hat sich ja einiges getan, die Küche wächst sozusagen langsam vor sich hin und ist streckenweise sehr gemütlich. Und wir haben elektrisches Licht, was tatsächlich die Stimmung heben kann, wer hätte das gedacht. Hier also ein paar Eindrücke von unserer neuen Küche, die gerade gestern wieder etwas mehr rustikalen Fußboden bekommen hat – nämlich 3 Schubkarrenladungen Schotter von der Straße (wir haben schließlich einen relativen Haufen Steuern bezahlt…)
Bitte beachten Sie, dass die Küchenfenster sowie die „Terrassentür“ inzwischen geputzt sind!! Martha Stewart hätte ihre reinste Freude an unserem Setup. Und morgens, wenn wir uns aus unserem wirklich gemütlichen Bette schälen, dann leuchtet der Laternenbaum Wird wohl nicht mehr lange halten, die Pracht. Es ist wieder Frost gemeldet, und immer mal wieder windet es ein wenig. Inzwischen hat Gereon auch fleissig an unserer „Den“, der „Winterhöhle“ weitergebaut. Wände und Decke sind isoliert und verplankt, Fenster eingebaut, Tür eingebaut und das Ganze ist weiß gestrichen. Jetzt muss noch der Boden isoliert und belegt werden, aber schon jetzt merkt man, wie leicht die kleine Baustellen-Gasheizung das Zimmerchen warm bekommt. Da gehe ich der Kälte doch wesentlich beruhigter entgegen!
So, nun lasst mich wissen, ob das zuviele Bilder sind, ob das Hochladen problematisch ist, ob ich zuviel geschrieben habe und überhaupt! Ich will jetzt flinko-flugso heim, ins elektrische Licht und an den warmen Ofen, noch was Tee vielleicht trinken (Bier ist irgendwie alle gegangen…), und die Fahrt durch den nach wie vor wunderschönen Herbstwald genießen. Neulich abends haben wir bei Kerzenlicht über unserer halben Küchenwand gelehnt und (wahrscheinlich) den Uhu beobachtet, wie er über unseren „Yard“ hin und her flog… Es ist schon schön! Anabel schreibt, sie kann gar nicht beschreiben, wie wir leben, das müsse man gesehen haben. Wahrscheinlich hat sie Recht, so oder so…