Wenn schon Winter, dann aber richtig!

Also, das Hermelinchen vom letzten Jahr (!) ist nicht wieder aufgetaucht. Keine Ahnung ob es einfach umgezogen ist oder umgebracht wurde. Doch entgegen Anabels Vermutungen ist inzwischen so einiges passiert. Vor allem Schnee, Schnee passiert hier im Moment dauernd. Das ist schoen, finde ich. Die Albertaner greinen: Es ist kalt, es ist viel Schnee. Ich kann das nicht verstehen. Schliesslich hat man uns in den ersten Jahren staendig zu verstehen gegeben, dass wir als weiche Europaeer uns schon noch wundern wuerden, wenn mal wieder ein „richtiger“ Winter kaeme, so wie es naemlich jetzt passiert. Aber wie sagt Nachbarin Margaret: Die Bauern sind auch nie zufrieden mit dem Wetter. Und: Only a newcomer or a fool predicts the weather. Na ja, und Environment Canada, aber die liegen auch oft schief.

Sonntag Nacht war es schon sehr windig, aber nicht widerlich kalt. Allerdings hatten wir schon Montag morgen Unmengen Schnee. Gereon konnte erst spaeter zur Arbeit, und als er abends viel zu spaet nach Hause kam, hatten sie ihm einen „Dienstwagen“ verpasst, was fuer ein Segen. Naemlich so was richtig kanadisches, ein so genannter 1-ton, keiner weiss so richtig, warum der so heisst. Wir haben ja schon so einen, aber in richtig alt. Der hier war nur mittelalt, aber dafuer Diesel und 4×4. Und hinten zwillingsbereift, das macht prima Spuren im Schnee. Fuer Dienstag naemlich hatten sie Gereon auch einen anderen Job verpasst: Rausfahren zu irgendwelchen Pipelines, um mit einem Kollegen zusammen irgendwas zu sandstrahlen. Fuer Dienstag war aber Blizzard angesagt. Also ich Dienstag morgen frueh, eklig frueh mit ihm in die Stadt, um den Van nach Hause zu holen und schnell nach Hause mit der strikten Anweisung, dort auch fein zu bleiben. Hab ich auch getan. Es hat ohne Ende geschneit. Abends immer noch Schneefall, aber kein Wind. Erst gegen 9 Uhr kam Gereon nach Hause, nach einem Tag, an dem er nicht gearbeitet, sondern nur zugeguckt hatte, wie der Bagger das Loch aufbaggerte, das, wie sich spaeter herausstellte, das falsche war. Rueckfahrt im Schneegestoeber kleine vier Stunden. Natuerlich besser bezahlt als der „normale“ Job und natuerlich Ueberstunden. Auch nicht schlecht.

Wir hatten uns dann auf eine unruhige Nacht vorbereitet, aber der angekuendigte Wind blieb zum Glueck bei uns aus. Morgens war nur noch mehr Schnee gefallen. Damit fiel meine Arbeit flach. Yvonne konnte gar nicht recht verstehen, warum ich nicht kommen koennte, aber das ist von der „Stadt“ zum Busch u.U. ein himmelweiter Unterschied. Nach dem Schnee kam die Kaelte zurueck, mit minus 30 oder kaelter vielleicht, unser Thermometer luegt etwas. Weil wir im Moment kein wirklich gutes trockenes Brennholz haben und ich noch nicht so eine Expertin im Stochen bin, habe ich einen kuehlen Mittwoch verbracht. Daraufhin bin ich am Donnerstag mit den Nachbarn bei strahlendem Winterwetter nach High Prairie (in die andere „Stadt“) gefahren, Waesche waschen etc.pp. Das war nett und auf jeden Fall warm! Waesche friert natuerlich, sowie ich den Korb in der Kueche auf den Boden stelle. Das Aufhaengen ist also eine kleine Herausforderung. Voruebergehend koennte ich sie auch hinstellen. Ueberhaupt ist mir mal wieder fast alles gefroren, Banane, Huettenkaese, Kaese (der wird total broeckelig!!) Zora war es eklig kalt im Schlafzimmer, weil dann der Boden so auskuehlt. Und natuerlich ging gestern das Gas fuer die Heizung aus, so dass das Sauerkraut voruebergehend runtergekuehlt wurde. Schade, aber ich hoffe, es funktioniert trotzdem.

Ich war die ganze Zeit damit beschaeftigt, Holz nachzulegen, den Ziegen frisches und mehr Stroh in die Staelle zu tun, Wasser aufzutauen, neues Wasser herzustellen (der Vorteil von frischem Schnee ist prima Wasser in unmittelbarer Hausnaehe). Alles dauert endlos, weil das Feuer ja nicht so perfekt ist, wenn ich es mache. Am Mittwochabend war ich es mal wieder leid. Man fragt sich natuerlich, was man hier tut, wer ueberhaupt diese bloedsinnige Idee hatte, in so ein Land zu gehen. Wo einem die Teeblaetter in der Kanne gefrieren, die Thermoskanne zufriert, die Ziegen klappern, ach und ueberhaupt. Spuelmittel wird uebrigens trueb, wenn es kalt wird, hatte ich das erzaehlt. Hart wird es aber erst bei etwa minus 25. Ich glaube, das wusstet ihr nun schon.

Aber wenn man im warmen Bett liegt und wenn morgens die Sonne aufgeht und man noch vorher in den schwarzen Baeumen Huehnchen umherhuepfen sieht (die Knospen fressen) und dann in die nicht so kalte Kueche gehen kann, wo noch Tee steht, und wenn dann das Lama froehlich den Weg entlang buckelt und die Hunde ein Raserchen im Schnee haben und der Himmel blitzblau ist und die Sonne einen Hauch von Waerme abgibt, aber nur, wenn man sich genau richtig hinstellt und kein Lueftchen weht, wenn der Schnee unter den Schuhen knirscht und alles wunderhuebsch aussieht – na, dann ist es keine Frage, warum wir hier sind. Weil es naemlich schoen ist.

Hier also unkommentiert noch ein paar Schneebilder, weil es so schoen ist!

3 Gedanken zu „Wenn schon Winter, dann aber richtig!

  1. Runa

    Da fällt mir gerade mal auf, dass ich diesen Winter noch keine(!) einzige Schneeflocke gesehen habe. Verrückt. Dafür knospt in Bonn alles, was Äste hat.

  2. Arne

    Da hier noch niemand einen Kommentr mit der Frage hinterlassen hat, wieso denn alles so anders aussieht, mache ich mir doch glatt Sorgen, dass die Kommentarfunktion unter Umständen nicht funktioniert.

    Nun ja, davon ausgehend, dass sie funktioniert, schreibe ich mal: Na also, funktioniert doch!

    Wer das lesen kann, weiß jetzt, dass ich Recht hatte.

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