STILLE

Als erstes faellt mir auf, dass ich eigentlich jetzt auch beim Tippen eine Brille braeuchte. Mist! Habe aber keine Lust auf eine weitere Wanderung durch den Schnee zum Schlafzimmer.
So, nun bin ich also wieder zurueck in meinem stillen Kloster hier. Das war das Allerauffallendste: die Stille. Abends um halb neun deutsche Zeit flog ich wohl ueber Baffin Island, so ungefaehr das erste kanadische Land auf meinem Weg. Im Flugzeug natuerlich noch relativer Laerm. In einer Hoehe von 40.000 Fuss war es -52 Grad. Dann ueber Calgary, nach sechs Stunden ununterbrochenem Sonneruntergang wieder zurueck in den sonnigen Nachmittag, immer noch 40.000 Fuss oder etwas weniger, aber -65 Grad. Da moechte man nicht aussteigen muessen! Zum Weiterflug nach Grande Prairie zum ersten Mal wieder raus an die eisige Luft. Zwar stank es natuerlich nach bloedem Sprit, aber es war ziemlich schoen, kalte Luft zu spueren. In Grande Prairie -26 und jede Menge Schnee! Das Auto muckte den ganzen Rueckweg, aber schliesslich kamen wir doch an. Samstag dann blauer Himmel und STILLE. Ich musste ein paar Mal an Nachbar Roland denken, der mir mal erzaehlte, dass er in Schweden einfach manchmal das Radio anstellen musste, weil ihm die Stille zuviel war. Ich glaube, das passiert mir so schnell nicht.
Inzwischen ist schon wieder fast eine Woche um, es hat weiter geschneit, fast ein halber Meter liegt, so denke ich. Das Lama steht jedenfalls bis ueber die Sprunggelenke im Schnee, laesst sich jedoch davon nicht beirren.
Es gab ein paar Verluste, waehrend ich weg war, unter den Huehnern und den Vorraeten, wohl wetterbedingt, doch ansonsten scheint alles beim Alten, unveraendert. Die Bilder, die ich zu liefern habe, sind demgemaess auch fast exakte Kopien der Bilder vom letzten Jahr um diese Zeit. Ausser, dass wir da den Elch hatten und Hirsche. Dieses Jahr wird’s wohl mehr Gemuese werden, na, macht mir nix. Also, hier die obligatorischen Schneebilder. Und extra fuer Elke W., falls sie liest, etwas zum Thema Klo (Du erwaehntest es ja…) Bei -26 macht es Sinn, auch auf dem Klo die Handschuhe nur kurz abzulegen, und ueberhaupt alles sehr kurz zu gestalten – nix Lesezimmer…
schnee_dez_2007.jpg emmy_himmelt_an.jpg odette_am_fenster.jpg die_burschen.jpg
Morgens, wenn ich aufstehe, bin ich ja immer ganz philosophisch, muss man einfach, wenn man den Sternenhimmel sieht. Noch gut bettwarm, kann man es draussen auch gut aushalten, bis das Feuer schliesslich brennt und der erste Tee dampft. Mit der Philosophie will ich euch aber nicht belatschern. Falls jedoch jemand schnelles Internet sein eigen nennt und gern mal schoenes Radio hoeren moechte, so empfehle ich das, was ich morgens um fuenf hoere (kommt ja dann in D nachmittags um 13.00, muesste fuer einige recht gut zum Mittagsschlaf passen…): http://www.ckua.com, und dort laeuft dann „The road home“ mit dem ziemlich ausgezeichneten Bob Chelmick. Bob naemlich wohnt auch in einer Cabin in the Woods (obwohl ziemlich schnoeselig ausgestattet, glaube ich), und im Geiste rede ich morgens mit ihm.
Ansonsten rede ich jetzt wieder nicht mehr viel, eigentlich erstaunlich, dass ich nach diesen drei Wochen nicht total heiser war. Bestimmt habe ich in dieser kurzen Zeit mehr Autos gesehen und mehr Menschen und mehr geredet als in den gesamten letzten zwei Jahren.
So, viel mehr gibt es oeffentlich nicht zu sagen. Ich versuche, mich mit dem im Moment unvermeidlichen, naemlich einem weiteren Winter ohne Haus, zu arrangieren. Das fuehrt zu Anfaellen von ziemlich schlechter Laune, kann sein, dass ich mir diverse Troesterchen goennen muss, die Buecherliste wird laenger und laenger…, und vielleicht noch eine Spindel? Oder doch die himmlischen Wollkaemme? Mal schauen. Derzeit spinne ich wie verrueckt, damit ich den naechsten Pullover bzw. wohl eine Strickjacke anfangen kann.
Ganz vielen Dank schon mal an alle, die mich freundlich aufgenommen und bewirtet und mir zugehoert haben – meinen kleinen Ausflug in die Zivilisation und auch in eine Welt voller Menschen, mit denen zu reden interessant, amuesant, spannend war, habe ich sehr genossen. Ich hoffe zwar, noch im Einzelnen zu schreiben, aber das Next-Year-Country greift schon wieder nach mir… Derweil zehre ich von den vielen Eindruecken.

5 Gedanken zu „STILLE

  1. helga

    schnellgruß von helga .bücherwunsch zu weihnachten ? geburtstagswunsch von gereon bekanntgeben ! ist er noch da ?

  2. Andrea und Wolfgang

    Hallo Gereon,
    wir wünschen dir alles erdenklich Gute zum Geburtstag. Leider haben wir deine e-mail Adresse verbaselt. Wir haben dich natürlich nicht vergessen, aber seit März arbeiten wir beide in Vollzeit und haben deshalb verdammt wenig Zeit gehabt. Wolfgangs Vertrag ist inzwischen unbefristet und meiner bis 31.12.2008 verlängert worden.
    Was ist denn mit eurem Haus – sollte das nicht längst fertig sein? Schick`uns doch mal eine e-mail, dann haben wir deine Adresse!

    bis in Kürze

    viele Grüße auch von Annika und Silke

    Andrea u. Wolfgang

    PS.Viele Grüße auch an Petra

  3. helga

    nun das neue jahr, also auch für euch : glück und segen auf allen wegen, allen feldern und wäldern……

  4. Ursina

    Hallo Petra und Gereon,
    ich bin irgendwie auf eure Seiten gestossen und dann habe ich mich — zum Teil — durchgelesen. Spannend und doch so
    vertraut sind mir eure Geschichten. Urs und ich haben 2001 in der Naehe von Creston BC unseren Sunny – Hill gekauft. Da haben wir auch als Homesteader angefangen und waren die ersten 2 1/2 Jahre ohne Wasser. Wir sind voller Plaene, aber alles geht bei uns langsam….auch wegen dem Budget.
    Euch beiden wuensche ich von Herzen alles Gute fur das neue
    Jahr und ich werde gerne wieder reinschauen auf euren Seiten. Petra, ich habe mir zu Weihnachten ein Spinnrad geschenkt und lerne nun spinnen. Der Grund dafur sind unsere 2 Alpacadamen und ihre wunderbare Wolle.
    Herzliche Gruesse an euch alle
    Ursina

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