Auf mehrfache Anfrage nun ein Fruehlings-Update

Dieses wurde geschrieben am 21.4., ist also schon wieder „alt“. Inzwischen hat es wieder nett geschneit, gestuermt und auch sonst noch ein bisschen haessliches Wetter gegeben. April eben. Aaalso:

Ja, ja, ja, ich schreib ja schon! Obwohl ich das hassen kann, wenn ich gedraengelt werde.
Ich sitze hier an meinem Tisch und hoere, nachdem ich es dann doch geschafft habe, meine kleinen Boxen an den Rechner anzuschliessen, CSN in ziemlich guer Qualitaet – vielen Dank, lieber Bruder! Irgendwann versteh ich auch die Technik noch mal, heute hatte ich bereits ein Aha-Erlebnis.
Deutschland also. Ganz schoen viele Autos auf engen Strassen. Dann gleich wieder Regen, und mir schwante schon Boeses. Doch diesmal spielte das Wetter ziemlich prima mit, und ich habe nach fuenf Jahren nochmal einen richtigen Fruehling gesehen, in Oberberg und in Hannover. Und mit Schafen. Und wir haben die Frau Puckendorf besucht, die eigentlich fuer Alter prima aussieht. Dass einem hin und wieder mal die Knochen wehtun, das kann ich nachempfinden. Koennt ihr die Hoechsttemperatur auf dem Thermometer sehen? OK, ein bisschen gefuscht, weil es ja da am Fenster haengt. Aber immerhin „nur“ ein Ostfenster.




Fuer meine gut drei Wochen hatte ich eine Liste mit 16 Namen, ich habe nicht alle „geschafft“ und hatte, wie auch beim vorletzten Besuch, das Gefuehl, dass die Zeit rast. Doch die Begegnungen, die ich hatte, waren sehr schoen. Nett gekakelt, gemeinsam gegessen, getrunken, und viel gelacht. Ferngesehen habe ich soviel wie lange nicht. Wer wird Millionaer? Saemtliche Zoosendungen (gefuehlt jedenfalls) und noch so ein bisschen Episodenkrams. Und dann komm ich nach Hause, und Gereon hat VIDEOS gekauft. Ich war platt. Hatte schon ueberlegt, ob ich einfach den Fernseher wieder still wegstelle. Tja. Nu wohl doch erstmal nicht.
Eingekauft, immer und ueberall. In Koeln habe ich wieder gesehen, was die Welt alles nicht braucht. Bei Anette Spitzl in Hannover dagegen fand ich viel zu viel, was ich haette brauchen koennen. Aber sicherheitshalber hatte ich ja gleich bei der ersten Koeln-Tour einen grossen Koffer erworben, nix mehr Seesack. Den habe ich dann fuer den Rueckweg auch prall gefuellt, in erster Linie mit WOLLE, jawohl. Opa hat den ganzen letzten Dienstag Vormittag damit verbracht, einmal mehr in einem raffinierten System die Wolle in Muellbeuteln zu vakuumieren. War naemlich in D soviel billiger, dass ich mich nicht beherrschen konnte. Na, und die noch freien Stellen (nicht sehr viele) habe ich mit Spitzl-Design, Birkenstocks und Manufactum-Einkauf gefuellt. Ein bisschen wie Weihnachten.

In Hannover im Berggarten rumgelaufen – wunderbar. Zwar waren wir wahrscheinlich ungefaehr eine Woche zu frueh, doch auch so wurde mir das Herz ein bisschen schwer angesichts der Vielfalt, die hier im kuehlen Kanadien einfach nicht waechst. Und die dicken Baeume – unglaublich. Und die Singvoegel! Mir ist frueher nie aufgefallen, wie viele es offensichtlich in deutschen Doerfern gibt. Dagegen ist der hier so heiss ersehnte Robin wirklich laecherlich.

Klares Wasser in beliebiger Temperatur jederzeit aus einem Wasserhahn – und wundersamerweise auch wieder weg durch den Abfluss – das ist schon schick!

Doch auch: die permanente Geraeuschkulisse, die ich wirklich als Laerm empfinde. Nie ist es mal tatsaechlich still. Irgendwas summt, brummt, braust immer, und ich meine keine natuerlichen Geraeusche. Und die wahnsinnig vielen Eindruecke, die vielen Menschen, der viele Konsum, dem man wirklich anscheinend nicht entfliehen kann. Ich merke, wie ich in einen ueblen Kauf- und Technikrausch geraten kann. Das lasse ich mal besser.

Und dann der Rueckflug. Fliegen uebrigens kann ich immer besser, bin schon fast wirklich entspannt, es plagt mich nunmehr nur noch das schlechte Gewissen. Drei Buecher auf dem Rueckflug fast fertig gelesen, unter anderem das Buch von Herrn Kerkeling, der in meiner Achtung um einiges gestiegen ist. Wieder Familien mit Winzlingskindern um mich rum, die irgendwie abwechselnd, aber dauernd schreien mussten, die armen. Groenland betrachtet und das Polarmeer und Baffin Island (glaube ich jedenfalls). Der Himmel scheint blauer und weiter als irgendwo sonst, wo ich war (ich war ja aber noch nicht an vielen Orten). Vorfreude jedenfalls auf den weiten Himmel, die kalte Luft, die wenigen Eindruecke. Der Flughafen in Calgary hilft da leider nicht wirklich. Das erste, was ich da noch waehrend der Landung sah, war allerdings eine Gans. Will man zwar nicht auf der Landebahn haben, aber gefreut habe ich mich doch. Im Flughafen dann gleich wieder jede Menge Billig-Krams aus Chinaland, und jede Menge eher nicht so tolle Buecher in der Buchhandlung. Ach ja, und schon in Frankfurt ein Deutsch-Kanadier, der 1938 ausgewandert war und sich berufen fuehlte, mir gegenueber ueber die Zigeuner und Ungarn in Bars in Calgary heutzutagezu schimpfen, die es frueher hier in Alberta nicht gegeben habe. Oh Himmel! Da wusste ich doch gleich, wohin ich unterwegs war.

Zu Hause Matsche als erster Eindruck. War mir egal, ich war sowas von muede, wollte nur noch umfallen. Am naechsten Tag sind wir dann aber gleich los, die strassenbaulichen Veraenderungen abschreiten. Sicherheitshalber nahm der Chef eine provisorische Bruecke mit. War auch besser so. Waehrend ich also in Deutschland duschte, wurde der Caterpillar angefahren, und Chris und David reisten fuer ein langes Wochenende an. Ergebnis: Ein Wegenetz von nunmehr ueber 6.4 km, asserdem mehrere Freiflaechen, davon eine fuer die Chef-Cabin am Biberteich. Dort, wo der Chef mit den Brettern wandelt, wird der Lumberyard entstehen, das Saegewerk soll dann da seine Heimat finden. Manche Wegstellen sehen im Moment noch aus wie „richtige“ Strassen, doch ich befuerchte, wenn erstmal der ganze Frost aus dem Boden ist bzw. in Form von Wasser ueber diesen laeuft, werden auch sie sich wieder in Matsche verwandeln.


Und dann hat noch Mafalda ganz anders als ausgerechnet ihre beiden Kinderchen bekommen. Sehr nett.

Das ganz normale Chaos hat mich also wieder, bzw. ich habe das Chaos wieder. Ich habe auch wenig Hoffnung, dass sich das in diesem Leben nochmal aendert. Man muss ja vielleicht nicht so ganz unbedingt eine Allwetter-Einfahrt, eine Dusche, Abfluesse (paah!) oder Tueren mit Griffen haben. Schliesslich haben wir dafuer seit gestern wieder Moskitos – wie schoen!