Amuesiert euch ruhig!

Wie ich vernehme, amuesieren sich einige von euch ueber Emma Noltes Erlebnisse. Das ist gut. Emma hat inzwischen, wahrscheinlich aufgrund ihres fuer NW-albertanische Verhaeltnisse extrem guten Ausbildungsstandes als Traktorfahrerin, bereits mehrere, allerdings nicht ganz ernst gemeinte Arbeitsangebote. Marvin sagt, so was haette er schon befuerchtet: kaum bildet man die Leute ordentlich aus, werden sie einem weg-engagiert. Tja. Aber ich bin eine loyale Mitarbeiterin und so werde ich wohl auch gleich wieder losziehen. Zwar hat es ja geregnet letzte Nacht, aber anscheinend nur wenig, und heute morgen hat ein frisches Windchen den Himmel schon blau geputzt und wahrscheinlich auch das Heu getrocknet.

Am Sonntag waren wir mit Walter und Sabine erst auf der Heuwiese, wenigstens schon mal gut 100 Ballen nach Hause holen. Das hat prima geklappt. Und danach, bzw. nach Kaffee und Kuchen, sind wir dann Richtung Biberteich gezockelt. Diese Naturfuehrungen vom Herrn Hoe., die haben es in sich. D.h. in erster Linie hatten wir nachher Wasser in Schuhen und Stiefeln. Der Wald ist jetzt wunderschoen: Ueberall bluehen blaulila Astern, dazwischen Goldrute und andere gelbe Bluemchen. Der Boden ist uebersaet mit Beeren aller Art. Unser Weg fuehrte uns durch einige ziemlich gute Blaubeerstellen. Ausserdem waechst ueberall kanadischer Hartriegel, das ist so eine kleine Pflanze, die man in Deutschland, wahrscheinlich fuer gutes Geld, in den Gaertnereien als Bodendecker kaufen kann. Hier deckt sie den Boden fuer umsonst und beschert uns jetzt bueschelweise kleine, orange-rote Beeren – sehr huebsch. Ausserdem gibt es High Bush Cranberries – nichts anderes als Schneeballbeeren, aus denen man ein schoenes, saeuerliches Gelee machen kann, wenn man denn Zeit bzw. einen Eimer bei sich hat. Das Gras steht manns- bzw. fraushoch, weil es immer noch so sehr feucht ist. Der kleine Hund war streckenweise nur noch an der Grasbewegung auszumachen, und an der Leine geschwommen ist er auch mal. Wasser findet er naemlich gut, so lange es unten ist. Dann springt er hemmungslos in jede Pfuetze. Regen dagegen ist unbeliebt. Emmi findet das ja genauso: Biberteiche sind zum Plantschen da. Die Biber uebrigens finden diesen Sommer wahrscheinlich superklasse. Ausbaumoeglichkeiten ohne Ende, und sie werden gut genutzt. An jeder Ecke gibt es neue Lehmdaemme, an denen anscheinend noch heftig gebaut wird.

Dies ist glaube ich mein Lieblingswetter. Ach, und die Moskitos sind auch merkwuerdigerweise weniger. Die Libellen schwirren immer noch zu vielen um uns herum, wenn wir abends schon mal am nunmehr offiziell genehmigten Feuerplatz sitzen. Jetzt hoert man auch wieder Gaense, die mit ihrem Teenies fliegen ueben. Ein bisschen wehmuetig macht einen das schon, der Sommer ist so gut wie vorbei, und ein bisschen graust mir immer vor dem Winter. Obwohl – laengst nicht so sehr wie in Deutschland.

Gestern abend habe ich alte Beitraege von mir gelesen, aus dem ersten Winter hier in Sunset House. Da war ich aber noch optimistisch, du meine Guete! Das Leben lehrt einen dann manchmal etwas anderes. Noch nicht mal die Schaukel habe ich jemals bekommen. Von den anderen Annehmlichkeiten ganz zu schweigen. Aber die Sonne scheint, neben mir knackt das Kaetzchen, draussen zanken sich die idiotischen Ziegenmaenner (bis einer weint, ich sage es euch, da bricht noch mal ein Horn ab!), und ich, ich esse Dark Chocolate Dreams, von der Peanut Butter & Co., und zwar mit dem Messer direkt aus dem Topf, jawoll! Die Freuden des mehr oder minder Solo-Lebens (der Herr Hoe. isst das naemlich nicht so gern, sind keine Kartoffeln drin…)

Und jetzt haltet mir die Daumen, dass dieses letzte Heu wenigstens mit nur einem Regenguss reinkommt!