Emma treckerte weiter

Jetzt bin ich so weit hintenan, da muss ich die „wichtigen Mitteilungen“ in Stueckchen schneiden. In chronologischer Ordnung also zuerst ein kleines Emma-Update: Heu ist gemacht, und meine bestellten Ballen liegen nunmehr unter zwei Planen bei mir am Haus. Das ist ein gutes Gefuehl. Dennoch kommt es mir schon wieder wenig vor, und mein Ziegenfutter-Sicherheitsbeduerfnis hat mich vorsichtshalber noch weitere 10 Rundballen reservieren lassen. Schliesslich habe ich dank meines persoenlichen Einsatzes ein Vorkaufsrecht.

In Stunden gerechnet, habe ich eine fast normale kanadische Arbeitswoche auf dem Treckersitz verbracht, knapp 60 Stunden. Und dabei, ich muss jetzt mal angeben, knapp 100 Hektar gemaeht, auf Wellen geschlagen und teilweise gepresst. Ein grosser Spass!! Ohne weitere Vorkommnisse, bis auf die Tatsache, dass mir doch einmal im Eifer des Gefechts der Wellenschlaeger verloren ging – tztztz. Das lag aber natuerlich nicht an irgendwelchen Maengeln in meinem Fahrstil, sondern war eher durch die „Kanadisch-Keit“ der Anhaengerkupplung bedingt. Hatte ich nicht schon berichtet, dass es da gewisse Schwaechen gab, will sagen, ein dicker Bolzen ohne Splint sollte das jeweils angehaengte Geraet vor Ort halten? Das geht auch – wenn man eine prima glatte Wiese hat. Aber wer hat die schon? Mein letzter Tatort jedenfalls war ziemlich puckelig, und ich habe auch einen ganzen Haufen beste Wackersteine eingesammelt, jeden Wolf koennte man damit prima beschweren. Und so tuckerte ich frohen Mutes und mutterseelenallein auf „meiner“ wunderbaren Heuwiese den Berg hinan, hinter mir semi-perfekte Wellen von noch weniger perfektem Heu schlagend, da aenderte sich ploetzlich das Geraeusch, das ich durch meine leuchtorangenen Ohrstoepsel vernahm. Ich blickte mich um, und siehe da, mein Wellenschlaeger (wie heisst das Ding denn nun eigentlich offiziell in Deutschland, hier heisst es Rake, und so nenne ich es jetzt, weil das ein kuerzeres Wort ist), jedenfalls, also der Rake hatte sich vom Traktor getrennt und parkte nun mit der Nase im Dreck ein paar Meter hinter mir. Mit meiner Erfahrung jedoch konnte mich das nicht mehr bangemachen – schliesslich hatte ich eine Idee, wo der Rueckwaertsgang war. In einem Praezisionsmanoever fuhr ich also die Anhaengerkupplung in das dafuer vorgesehene Maul, das ich auf ziemlich exakt die korrekte Hoehe hochgekurbelt hatte, haengte die Hydraulikschlaeuche ordnungsgemaess ueber den mir von Marvin fuer so einen Zweck beschriebenen merkwuerdigen Haken, amuesierte mich ueber das abgerissene Spanngummi, das ich aber – kanadisch – in der Wiese liegen liess, steckte den nicht weit gefallenen Bolzen wieder in die Kupplung und tuckerte weiter. Nach einigen Metern fiel mir auf, dass die Zahnraeder, die uebrigens bei meinem Einsatz ziemlich karioes geworden sind, zu tief standen. Ich waehlte aus meinen milliausen Hydraulikhebeln, insgesamt zwei, den richtigen, um sie anzuheben, aber nichts geschah. Und da daemmerte es Emma: Hydraulikschlaeuche gehoeren in dieser Geraetekombination nicht auf merkwuerdige Haken, sondern angeschlossen. Aaaahhh! Doch auch das focht mich nicht an, hatte Marvin mir schliesslich erklaert, wie ich und wo ich die Dinger anzuschliessen haette. Also wieder angehalten an einem guenstigen Ort (weil ich naemlich es nicht schaffte, die Handbremse zu betaetigen, musste ich eine ebene Stelle anpeilen), Hydraulikschlaeuche in die vorgesehenen Nupsis geschoben. Aber das ging nicht. Ich habe probiert und probiert, aber nichts tat das, was Marvin mir erklaert hatte. Also rief ich seine Frau an, die mich troestete, er sei nunmehr wieder unterwegs zum Heufeld. Und waehrend er mit dem dicken Truck durch die Reihen angeknattert kam, fiel mir das Problem auf: Ich hatte ein Teil verloren! Schade eigentlich. Damit hatte ich naemlich eine Situation geschaffen, die man als die „Nadel im Heuhaufen“ bezeichnen koennte. Ein Glueck, dass ich das abgerissene Spanngummi liegengelassen hatte. Das fand ich naemlich beim Abschreiten der Welle, und direkt dabei, wenn auch unterm Heu verborgen, entdeckten wir das Adapterteil. Alle Teile wieder verbunden, nix kaputt, und weiter ging das. Marvin sagt, das zaehlt trotzdem als Erfahrung. Na bitte!

Am letzten Abend haben wir dann noch im schwindenden Licht Ballen gepresst und gestooked (Maryjane meint, so schreibt man es). Im vorigen Beitrag war ein Foto von dem Stooker, einem Uralt-Teil aus Rohren und Brettern, auf dem Marvin hinter der Presse hergezogen wurde und die fertigen Ballen entgegennahm, sie auf eine Laengskante in die vorgesehenen Oeffnungen stellte und jeweils nach 10 Ballen einen kleinen Fusshebel trat, der das Ganze abgleiten laesst. Die Idee ist, dass sie so zum einen ein bisschen besser einen moeglichen Regenschauer aushalten und – und das habe ich deutlich gemerkt – das Aufladen natuerlich viel einfacher ist, weil man nur jeweils einen Zehnerpacken anfahren muss. Aussehen tut das so:

Nun habe ich die kleine Hoffnung, dass ich doch diesen Herbst noch auf den bereits erwaehnten dicken John Deere komme, den mit den acht Raedern. Es muss naemlich gescheibeneggt werden, und Marvin hat zugesagt, dass ich auch noch mal drankomme. Ein bisschen denke ich aber, dass er den ganzen Spass fuer sich haben will… I’ll keep you posted 🙂