Maedels aller Art

Gibt es hier. Echt. Und in meinen verschiedenen Rollen habe ich mit vielen verschiedenen zu tun. Im Moment machen mir meine Marktleiterin-Begegnungen manchmal Kopfzerbrechen. Unproblematisch sind solche hier:

Die kommen mit ihren Mamas, leiern ihr einen Tutu aus dem Portemonnaie (Barzahlung auf meinem Markt, jawohl!) und sind dann zufrieden und ziemlich niedlich. Man beachte die Cowboystiefel mit Straussenlederpraegung! Aber es gibt auch die anderen. Die sitzen hinter den Tischen und hauen sich gegenseitig in die Pfanne und greinen mir dann die Ohren voll. Inzwischen nenne ich es das „Cream-pie-Phaenomen“, denn Sahnetorten bildeten den Stein des Anstosses. Malle, ich sag’s euch. Es wird mit Eifer darueber gestritten, wer wann wo eine Sahnetorte in Stueckchen schneiden darf, denn – das habe ich inzwischen begriffen – in den Augen der kanadischen Gesundheitsbehoerden sind Sahnetorten nur unwesentlich ungefaehrlicher als, sagen wir mal, Arsen oder so. Und somit koennten sie ein prima Mittel sein, ungeliebte Konkurrent(innen) aus dem Markt zu schubsen, und sei es auch nicht durch Verabreichung, sondern durch die Behauptung, dass man das oeffentliche Wohl im Auge habe und daher derlei Produkte dringend verboten werden muessten. Und dann gibt es noch abgelehnte Moechtegern-Verkaeuferinnen, die mangels Frustrationstoleranz auf Facebook ueber mich herziehen, dass es nur so rauscht. ICH habe inzwischen saemtliche Streitschlichtungsliteratur aus der Buecherei auf meinen Tischen und ums Bett verteilt. Wollte das alles lesen und dann am Chef ueben, aber es ist soooo langweilig, ich glaube, ich geb’s auf. Das Lesen, meine ich. Das Streitschlichten wird wohl bleiben muessen. In solchen Zeiten will naemlich auch keiner meinen Job, und natuerlich bin ich ausserdem der Meinung, dass ich den auch behalten sollte, sonst geht der Markt womoeglich voellig den Bach runter…

Und dann gibt es noch Maedels wie Katrin. Zankt nicht. Ist praktisch. Und war mit mir bei IKEA! Mit’m Truck. Noch besser als Treckerfahren! Freitag abend dueste ich schon zu Katrin und Adam, die mir ihren gesamten neuen Strom vorgefuehrt haben. Ich bin soooo neidisch! Die haben naemlich geschafft, was ich nach wie vor bei uns nicht sehe: Innerhalb kurzer Zeit eine Solaranlage installiert, die ihnen genug Strom fuer die gute Ausleuchtung ihres schoenen Hauses (incl. Aussenlampe, die Angeber) liefert, und fuer eine Tiefkuehltruhe und diverse Computer und eine Kochplatte und demnaechst noch eine Geschirrspuelmaschine (pure Dekadenz!). Der Chef vertroestet mich immer weiter – ob ich wohl doch noch mal nach den Buechern greifen sollte, den oben erwaehnten? Samstag morgen verschlafen, dennoch um 7:30 auf der Schotterpiste, beladen mit 13 Eimern Honig fuer einen kleinen Weinhersteller in der Naehe von Edmonton, ein Biologen-Ehepaar, das mit unserem Honig ziemlich leckeren Himbeerwein macht.

Erst haben wir uns verfahren, das passiert leicht. Dann hat Katrin auf dem Parkplatz ein anderes Auto getitscht. Es war naemlich langes Wochenende, und der Parkplatz pickepackevoll. Und so ein Truck ist ja zum Ein- und Ausparken nicht lustig. Aber wie ich schon sagte, Katrin zankt nicht und ist praktisch. Und sie hatte beschlossen, dass wir IKEA nicht eher verlassen, als bis wir mindestens eine schoene Stehlampe fuer meinen gemuetlichen Leseplatz in der Sofaecke gekauft haetten. Gesagt, getan. Sechs Stunden spaeter waren wir immer noch gut gelaunt, Katrin hatte bei IKEA noch schnell ein Regal demoliert, lachend, und ich war um ein bisschen Ueberstundengeld vom Chef aermer, dafuer reicher um zwei Kuechenschraenke, einen Kuechenwagen, einen Arbeitstisch, eine Garderobe, ein Schuhbaenkchen, diverses Kuechenmoebelzubehoer UND die schoene Leselampe! Woooohoooo!

Als wir aufgeladen hatten, stand neben uns ein Mini-Van und eine Familie, die das soeben gekaufte Bett leider nicht in den Van laden konnte, passte nicht. Kurzerhand baten sie uns, ihnen doch beim Transport in ihr nur 5 Minuten entferntes Heim behilflich zu sein, wir hatten naemlich noch Platz fuer eine ganze Wohnungseinrichtung. Gefragt, getan. Das bescherte uns einen kleinen Trip durch eine funkelnagelneue Ansiedlung suedlich von Edmonton, an einem wahrscheinlich kuenstlich angelegten, kleinen See. Ja sach mal – Haeuser gibt es hier! Palastartige Gebilde, die so tun, als seien sie aus Bruchsteinen. Mit Unmengen Winkelchen und Daechelchen und Tuermchen und Vorgaertchen und GARAGEN (nix -chen da) und auf alt getrimmten Fenstern in allen Groessen. Merkwuerdig, irgendwie merkwuerdig, fanden wir. Und man mag gar nicht dran denken, was so was kostet, obwohl die Steine alle nur aufgeklebt sind.Da kann man sich dann wahrscheinlich bestenfalls noch IKEA-Moebel leisten.

Auf der Rueckfahrt wieder ein bisschen verfahren, aber macht nix. Jetzt habe ich diese Weihnachtskisten hier stehen, aufgebaut bis jetzt nur den Kuechenwagen, ziemlich schick, Martha waere stolz auf mich! Und alle sind wir froh, dass wir wieder im Wald sitzen duerfen und nicht in Edmonton Summerside.