Ostermorgen

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Sozusagen ein ganz normaler Fruehlingsmorgen in Alberta. Der Chef ist wieder zum Basteln in die Firma gefahren, und ich hatte mir einen stillen Vormittag vorgestellt, um Eiszapfen abzuschlagen, die bei aller Schoenheit ein wenig bedrohlich fuer die Photovoltaik werden.

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So schoen werden die, weil es nachts minus 30 und heute nur minus 28 war, tagsueber aber die Sonne schon mit viel Kraft scheint und aus Schnee Kunst macht. Ich hingegen mache aus Schnee wieder mal Kubikmeter Spuelwasser, weil wir am Karfreitag alles Wasser beim Putenschlachten gebraucht haben, gleichzeitig aber Helfer und Gaeste hatten und deswegen kein sauberes Geschirr mehr da ist. Heute muss es also passieren: sauberes Porzellan!

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Was fuer uns an Pute uebrig blieb, ist teilweise als Suppe in diesen Toepfen – sehr praktisch, dass man das jetzt ueber Nacht einfach draussen schockfrosten kann. Nicht so praktisch, dass ich die Kaelte unterschaetzt und mein Gemuese zu dicht an der Tuer gelagert hatte – Paprika-Eis! Die Bruststuecke und die Schenkel liegen in Lake und werden geraeuchert. Aber ich will solche Puten nicht mehr, das ist ja schrecklich. Die werden so gross und schwer, dass sie gar nicht anders als gehbehindert sein koennen. Wenn ueberhaupt, dann gibt’s nur noch welche in einer sinnvollen Groesse.

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Wie ihr seht, hatte ich also hehre Plaene, und eigentlich wollte ich auch was Poetisches ueber den Winter schreiben und darueber, wie schoen ich das alles finde – aber dann kam der Nachbar, der eigentlich gestern abend schon Eier abholen wollte. Der ist Junggeselle und hat 300+ Schafe und ca. 100+ Kuehe. Da ist schon von allein Chaos vorprogrammiert, aber verstaerkt durch seine Neigung zu krausen Arbeitszeiten und seinem voelligen Desinteresse am Haushalt wird alles noch extremer. Wir haben erstmal zusammen gefruehstueckt, Haferpamps. Anstaendiges Essen ist fuer Diabetiker wichtig. Und dabei haben wir uns unterhalten darueber, dass wir, er und ich, niemals ohne Tiere im Haus sein wollen. Bei ihm bedeutet das auch, dass er in der Kueche eine Ecke fuer Laemmer abgetrennt hat: Das ist ein Dreck, sagt er! Aber die muessen sich bewegen koennen, nur eine Waermelampe reicht nicht! Sagt er. Sein Auto ist immer voller Hunde, heute morgen war auch ein Lamm dabei, zum Aufwaermen. Unsere Nachbarin findet das alles kaum zum Aushalten, aber ich verstehe ihn. Beim Essen, als wir uns die fette Jerseymilch in Tee und Haferpamps kippten und ich ihm das Konzept von Fettaugen (hier gibt’s das Wort nicht!) auf Tee erklaerte, sprachen wir natuerlich auch ueber meinen Drang in Richtung Melktier. Und wie es der „Zufall“ will, hat er zwei Jerseykuehe, aber kaum Zeit zum Melken. Er bot mir einen Cow Share an. Da gucken wir dann mal. Betsy… Angeblich eine anstaendige Kuh ohne Hang zum Treten. Jetzt muss ich nur noch den Chef ueberzeugen, genug Gras finden, einen Zaun bauen, und dann koennte ich so im Mai Leih-Chefin einer Kuh mit evtl. zwei Kaelbern werden. Da sollte dann fuer uns noch genug uebrig bleiben. Er will natuerlich auch noch Milch fuer Laemmer, aber ich denke, im Mai muesste der Grossteil seines Nachwuchses schon gut auf den Beinen stehen, da sollte nicht mehr zuviel Bedarf sein. Betsy… mmmh. Mal schauen.

Na, jetzt ist es 11 Uhr durch und ich habe noch nicht einmal meine Tiere versorgt. Und keine Poesie verfasst. Egal. Ich geh jetzt raus, in den knirschenden Schnee, und fuettere die hungrigen Maeuler und Schnaebel und geniesse die Sonne und entferne die Eiszapfen – und euren Regen, den koennt ihr behalten!