Ein Tag im Leben…

Ein normaler (Sonn)tag im Leben des Ehepaares Höntgesberg sieht ungefähr so aus: Gegen 6 Uhr klingelt der Wecker. Das gilt aber nur als Anregung, sozusagen. Irgendwann später steht Gereon auf (das fällt im Moment relativ leicht, weil es nicht so kalt ist). Dann kommt der Luxus, nämlich Tee ans Bett für mich! Alle, denen ich das hier verrate, behaupten, er versaue mich und „verderbe die Preise“. Ich finde das völlig in Ordnung. Denn dann geht’s ja los. Wenn ich mich endlich aus dem Bett schäle, höre ich Gereon unten im Basement manchmal schon schnaufen. Warum? Tja, weil dort unser neu eingerichtetes, voll verkacheltes und sich auf dem neuesten Stand der Gerätetechnik befindliches „Fitness-Center“ wohnt. Dort sieht Schatzi natürlich nicht immer so entspannt aus wie hier , sondern er ächzt dann auch mit den Hanteln, von denen neben der Hantelbank eine (von zweien natürlich) liegt, oder er liegestützt, was das Zeug hält, oder er hängt an einer Klimmzugstange rum – was man halt so macht, damit man notfalls Elche rumwuchten kann. Sein versonnener Blick auf dem Foto will wahrscheinlich bedeuten, dass er in der Ferne, im Wald schon wieder „unseren“ Elch vermutet. Er ist ja elchsüchtig, hatte ich glaube ich bereits erwähnt.
Natürlich turnt auch die Frau Höntgesberg, wenn der Tee alle ist: . Sie strahlt dabei natürlich, weil sie sich nur halb so anstrengt wie ihr Gatte und außerdem weniger Hantelquälereien, sondern mehr so Fahrradtouren (vorne links im Bild, jawohl, so sahen die mal aus!) oder Ruderausflüge (hinten rechts im Bild, auch das gibt es, zum Zusammenklappen – High Tech eben!) unternimmt, um nämlich schnell und ausdauernd zu werden. Sie ist nämlich nicht elchsüchtig, sondern tendenziell bärenflüchtig. Da war ja neulich sowas: Ich ging zum Briefkasten, wie immer, fröhlich und forschen Schrittes, begleitet von meinem mutigen Hund. Am Ende der Auffahrt befindet sich nach Norden (jawohl, das weiß ich schon ganz locker) so ein kleiner Wald, und in diesen Wald laufen immer die Hunde rein und finden da irgendetwas spannend. Nini blieb stehen, streckte die Nase in den Wind oder die Luft, whatever, ich blickte in die Richtung, und da stand da was Großes, Dickes, höher als ich, mit hängenden Armen, so graubraun und guckte uns an. Mir fuhr es in den Magen, ich hatte ja schon länger den Verdacht, dass bei diesem warmen Wetter diese verflixten Bären vielleicht schon den Wecker hören. Ich guckte auf meinen Hund, der guckte in den Wald, ich guckte auch wieder in den Wald, und da stand es immer noch, es war so in Brustlatzhöhe ein bisschen heller und hielt den Kopf etwas schief. Ich wollte dann doch mal lieber nicht näher rangehen, drehte, forscheren Schrittes als vorher, wieder gen Westen um und vermeldete meinem die Kühe umtreibenden Gatten, das da was im Wald stehe und ich deswegen nicht zum Briefkasten könne. Er meinte, das sei sicher unser Elch. Ich entgegnete, wenn ich ja nicht wüsste, dass die Dinger eigentlich schliefen, dann täte ich sagen, es sei ein Bär. Fand er natürlich spannend. Wir trieben die Kühe um, und dann ging er, mit Kamera bewaffnet, nachschauen. NATÜRLICH war es nur ein Baumstamm, der vorher, mit viel Schnee drauf, eben nicht wie ein Bär ausgesehen hatte. Ich fand das prima, Schatzi fand es schade!
Doch zurück zur körperlichen Ertüchtigung. Inzwischen besitze ich ein eigenes Baby-Hantelpärchen. Erst, als Gereon sie mir freudigst zusammenschraubte, wurde mir klar, dass es sich (wieder mal) nicht um ein völlig uneigennütziges und romantisches Geschenk zum Valentinstag handelte, sondern um eine mögliche Erweiterung seiner eigenen. Aber vorerst hab ich damit noch heftig zu tun. Hoffentlich wachsen sie nicht, die Baby-Hanteln!
Wenn wir dann fit und außer Atem sind, wird gefrühstückt, Haferflockenpamps, wie wir es vom Bauern gelernt haben. Nur die hartgekochten Eier lassen wir weg! Und dann geht der brave Mann in den Wald und kümmert sich darum, dass die Frau es warm hat , während sie dafür sorgt, dass es nicht nur labberiges, süßes, nordamerikanisches Brot gibt. , sondern mit Hilfe der vorhandenen High-Tech-Küchengeräte und der mennonitischen Damen auch nicht süßes Hefebrot und inzwischen – Heiner sei Dank! – auch Backfermentbrot, mmmhhh, lecker! Das größte Anfangsproblem war es dabei für mich, ohne Waage, stattdessen mit Cups und ml zu arbeiten – ausgesprochen spannend, aber machbar.
Außerdem mussten wir ja noch 1 1/2 Kühe vom Meat Cutting und Packing Plant abholen , das sind 18 (in Worten: ACHTZEHN) schwere Kisten mit Tiefgefrorenem. Wir haben eine Truhe im Keller, aus der wurde das noch vorhandene Fleisch vom letzten Bullen umgeräumt in die (nicht angeschlossene) Truhe vor dem Haus, in der auch das Hundefutter wohnt (und der Hirsch und das Schwein und das Kolostrum und, und, und). Aber als die Kellertruhe voll war, waren immer noch Kisten übrig – wohin mit dem ganzen Segen? Gereon wurde bei seinen Verräumungen von den Hunden äußerst interessiert beobachtet. Und ich kann inzwischen ziemlich gut Fleischsuppe kochen. Sollte ich erwähnen, dass die Kühe hier ziemlich alt werden? Die 1 1/2 jedenfalls waren so ca. 15, jede, nicht zusammen, als sie in unsere Truhen zogen. Als jetzt das Tauwetter einsetzte, wurde uns ganz mulmig, und nun stehen noch ein paar Kisten mit Schnee AUF der Truhe draußen. Wird schon schiefgehen!