Kühe und so

Zum Hof gehören so etwa 90 Kühe, darunter 4 Bullen, und dann ab Mitte März die entsprechende Anzahl Kälber. Die Kühe sind ganzjährig draußen, und im Sommer weiden sie nicht nur auf „normalen“ Wiesen, sondern können sich auch in einem für unsere Verhältnisse recht großen Waldgebiet rumtreiben, was sie auch tun, wenn’s auf den Wiesen dünner wird. Jetzt im Winter sind sie in Hausnähe und fressen Heu und anderes Rauhfutter. Es sind wohl überwiegend freundliche Kühe, und auch die Bullen machen hier höchstens einmal im Leben Ärger (wenn sie das tun, endet dieses Leben wohl abrupt, denn das ist einfach zu gefährlich).
Kleiner Blick in die Herde:


Man trägt Puderzucker-Schnee auf dem Rücken, Löckchen auf dem Kopf, eher keine Hörner, und natürlich trägt man „Bauch“. Wie man auf dem zweiten Foto sieht, gibt es immer kleine Ausrutscher, so dass auch jetzt noch recht kleine Kälber bei der Herde sind. Am 6. Januar jedoch kam der Bauer aufgeregt reingeflitzt, es war dunkel, -22°C, nicht so wirklich gemütlich, und er rief nach Gereon. Er hatte nämlich beim Hereinfahren ein frisch geborenes Kalb auf der Wiese entdeckt. Das kommt immer mal wieder vor, war jetzt jedoch nicht erwartet. Es gibt für solche Fälle eine Gitterbox auf Kufen, hinein kommt Stroh und das Kalb, das ganze wird an den Truck gehängt und zur „Barn“ geschleppt. Normalerweise kommt die Frau Mama dann hinterher, das Kalb kommt in eine Wärmebox, bis es trocken ist, und dann darf es trinken. In diesem Fall jedoch musste der Bauer wegen der Kälte das Kind einfach hinten auf den Pickup-Truck laden und husch-husch in die beheizte Werkstatt bringen. Mama kam natürlich nicht hinterher. Dort kam es unter Rotlicht in die Gitterbox. Glücklicherweise war es zwar noch pitschnass, doch auch noch relativ warm. Es gibt nämlich wohl auch immer wieder mal Fälle, wo das Kalb in der Badewanne aufgetaut werden muss, und das klappt leider nicht immer. Nun, „unser erstes“ sah so aus:


Es hatte ein ziemlich krummes Hinterbeinchen, und weil die Mama nicht zur Hand war, um Kolostrum zu spenden, sollte es aus der Flasche aus Pulver angerührtes Kolostrum trinken. Das fand es eklig, und alles lief daneben. Allerdings war es da schon von selbst aufgestanden und machte einen durchaus munteren Eindruck. Der erste „Schrei“ war sehr beeindruckend! Also wurde eingefrorenes Kolostrum aufgetaut – und siehe da, in einem Zug (so ungefähr) war die Flasche leer. Morgens wurde es dann auf Gereons Schoß luxuriös zu seiner Mama transportiert (es hatte natürlich dort im Auto eine kleine Verdauung ;-))), dann in die angehängte Gitterbox verfrachtet, Mama konnte sich erinnern: Da war doch was gestern nachmittag! Und ab ging’s auf dem Schlitten in die Barn. Nach fünf Tagen sahen die beiden so aus wie auf Bild 3 und 4 von links, und nach einem Neuschnee und noch einige Zeit und eine Ohrmarke später wie auf den rechten Bildern. Das Bein ist nun gerade, und Baby hüpft schon recht ordentlich, wenn es nicht gerade mitten im Heuballen ruht. Und mein Mann hat ja ein weiches Herzchen: als es neulich so wirklich eklig kalt war, hat er Stroh in die Scheune geschleppt und stolz am nächsten Morgen berichtet, dass Mama, Kind und Tante dort auch geschlafen haben! Wenn das der Bauer wüsste, dass wir seine Kühe verweichlichen!