Konditionierung

Man kann Ziegen auf Motorsaegengeraeusche konditionieren. Das wissen wir nun wirklich. Heute morgen fuhr ich mit meiner Heuschubkarre zu den wartenden, quengelnden Ziegen, die sich nach wie vor im abgefressen Zaun rumtreiben
Dann warf Gereon im Hintergrund die Motorsaege an. Hoch gehen die Koepfe, und schwuppididu, wenden sich alle Ziegen „wie ein Mann“ von mir ab und rennen in Richtung Motorsaegengeraeusch. Sie wissen naemlich inzwischen genau, dass da dann gleich Baeume mit gruenem (!!) Laub umfallen, lecker!
Wer aber jemals all das abgefressene Holz da aufraeumen soll/will, das weiss der liebe Himmel. Any volunteers? Walter??? 🙂

Ansonsten: Die Wirtschaftskrise scheint uns nun doch ernsthaft zu erreichen. Zwar sieht Gereon das immer noch nicht so, aber ich gehe davon aus, dass er in kurzer Kuerze seine Arbeit verlieren wird. Sein Chef hat ihm angeboten, ihn zu entlassen, weil er sich mit Arbeitslosengeld besser steht als mit einem Tag Arbeit pro Woche. Logisch. So ergab es sich fuer mich guenstig, dass Karla gerade mal wieder Unterstuetzung sucht. Nachdem ich mich schweren Herzens zum Einstellen meines Melkbetriebes durchgerungen habe, ist nun der Weg frei fuer eine Arbeit gegen Geld. Im Moment sieht es nach drei Tagen pro Woche aus. Der allergroesste Vorteil, meiner Meinung nach, ist der, dass wir dann weiterhin Benefits haben. Denn zwar ist ja die medizinische Grundversorgung inzwischen voellig kostenlos, aber Medikamente und Sondergeschichten bezahlt man selbst, und vor allem geht der Zahnarzt auf die eigene Rechnung. Und der ist richtig teuer! Ueber die so genannten Benefits sind aber auch Zahnarztkosten zumindest teilweise abgedeckt. Ich faende das wichtig. Zudem gibt es wohl auch noch Nachlaesse bei tieraerztlichen Einsaetzen. Und das ist auch nicht von Schaden, scheint mir. So ist es dann ab naechste Woche vorbei mit dem „sorglosen Leben der Hausfrau“, und ich muss wieder oefter auf die Uhr schauen. Aber nuetzt ja nix, Bargeld muss her.

Schade, dass man keine Huehner gewinnbringend verkaufen kann. Seit etwa 14 Tagen stuerzen die Kueken nur so auf uns ein. Wir sind jetzt auf insgesamt 43. Noetig war das alles nicht gewesen. Was zwei Haehne fuer ein Unheil anrichten koennen. Aber es wird keinen Mangel an Huehnersuppe geben, da darf man von ausgehen. Und Gemuese fuer in die Suppe ist auch ausreichend vorhanden. Der Garten sieht derzeit so aus

Und meine zweiten Sieglinde-Testkartoffeln so!

Und ja, die Beissspuren am „Kloesschen“ sind wohl von Zora, als sie noch jung und unvernuenftig war. Ueber die Kartoffeln freut sich glaube ich Gereon am meisten. Ich mache mir schon wieder Gedanken, wo ich sie wohl lagern kann. Denn in dieser Hinsicht ist ja noch kein Land in Sicht. Koennte sein, dass dieses Jahr sogar Sellerieknollen gewachsen sind, das waere natuerlich ziemlich wunderbar. Dafuer faengt mein Lauch heftig an zu bluehen, Dieter meint, es liegt am mangelnden Wasser. Doof.

Der Farmers‘ Market ist jetzt runter auf einmal monatlich, aber die Honigverkaeufe sind nach wie vor recht gut. Beim vorletzten Schleudern rief Gereon mich, um mir den auslaufenden Honig zu zeigen: Dunkel wie Ruebensirup! Ich war eher entsetzt. Nun zeigt sich, dass das Honigtau-Honig ist, von den Birken, die in diesem Jahr ganz besonders von Blattlaeusen geplagt wurden. Ich hatte schon ueberlegt, wie ich den wohl an die wenig experimentierfreudige Valleyviewer Kundschaft verticke, aber ein Gespraech heute mit Adony Melithopoulos (ist das nicht ein wunderbarer Name??!) von der Beaverlodge Research Farm ergab, dass, jedenfalls lt. Adony, Honigtau-Honig hier noch nie bewusst geerntet worden ist, oder so aehnlich jedenfalls. Also haben wir eine absolute Raritaet (die uebrigens meiner bescheidenen Meinung nach auch schmeckt wie Ruebensirup, also nix wirklich besonderes…), die wir versuchen werden, zu einem hoeheren Preis in Kleingebinden an die interessierte Kundschaft abzugeben. Irgendwo, wie gesagt, muss Bares herkommen. Und ungewoehnlich ist er mit Sicherheit. Suess, suess, suess. Sollte eigentlich fuer die Einheimischen genau richtig sein.

Fuer das Wochenende steht nun was von Null Grad im Wetterbericht. Mal sehen. Bis jetzt ist es noch gut gegangen, obwohl Bohnen und Tomaten praktisch ein Totalausfall sind. Ansonsten koennen wir ueber das Wetter kaum klagen, blauer, unglaublich blauer Himmel, warm, heute sind 27 Grad gemeldet, manchmal eine leichte Brise, angenehm kuehle Naechte. Ideales Urlaubswetter. Doch auch hier eine Downside: Es ist nach wie vor extrem trocken, so dass die Waldbrandgefahr auch immer noch extrem hoch ist. Und unser Dugout ist mindestens einen Meter runter.

Gestern abend sassen wir zum Abkuehlen in der Abenddaemmerung vorm Haus auf der Bank (wie die alten Leute das so tun), da schwirrte ploetzlich wieder die Luft ueber uns, es klingt wie ein frischer Wind, aber es sind Hunderte von kleinen Enten, die, aus Norden kommend, anscheinend zum Uebernachten auf den Snipe Lake fliegen. Als Gereon das letzte Mal am Biberteich war, berichtete er von etwa 1000 solcher Entchen auf dem Teich. Leider hat er auch entdeckt, dass die Biber unsere womoeglich dickste Aspe schon halb durch haben – schade. Inzwischen liegt sie sicher am Boden.

Und waehrend wir gestern abend da also mit Dieter, der in Kuerze nach B.C. faehrt, um seinen Hausstand dort einzuladen und in unsere Nachbarschaft zu ziehen, waehrend wir also da sassen und quatschten (mit einem kurzen „a“!), geht das Heulen wieder los. Kojoten im Sueden und Woelfe im Norden. Ziemlich beunruhigend nach dem letzten Intermezzo. Die Hunde natuerlich voellig aus dem Haeuschen. Ich konnte kaum einschlafen, so viel und lange musste die arme Emmi bellen. Ein Nachteil unserer schoenen Wege ist natuerlich, dass das auch fuer die Wildtiere die reinsten Autobahnen sind.

Und noch: Das Buecherei-Team der „Dewey Decimals“ (zu dem ich gehoere), hat seinen Titel bei der diesjaehrigen Spelling Bee an einer Valleyviewer Schule erfolgreich verteidigt. Zu buchstabierende Woerter waren u.a. „Whippoorwill“, „marbleize“, „onomatopoeia“ (ha, einfach fuer den Altsprachler), „caterwaul“ (haeh?? hatten wir natuerlich falsch!).