Gemuetlicher Abend

Ich sitze am Schreibtisch, gerade hat mir Eliza Gilkyson gesungen vom „Heart of a Man“ – reines Wunschdenken, was sie da singt, aber trotzdem ’ne schoene Schnulze. Um mich herum verteilt jede Menge Huendchen, insgesamt drei. Und irgendwo Frau Trudi. Bananenbrot und Tee sind leider gerade alle. Ziegen sind versorgt, unter gefahrvollem Einsatz von kalten Fingern (wenn sich 6 Ziegen mit 12 Hoernern um einen Eimer zanken, dann kann das sehr schmerzhaft fuer die Finger am Eimergriff werden…) Der Gatte ist zu einer Politveranstaltung!! Der Generator laeuft, der Ofen bullert, ich muss mal gerade nicht meckern. Und da kriegt ihr ein kleines Update.

Ich habe ja inzwischen – vielen Dank – Bilder aus Deutschland gesehen. Schoenen Schnee habt ihr! Koennt ihr schoenes, klares Wasser von machen – aber tut ihr ja wahrscheinlich eher nicht 🙂 Hier fallen immer mal wieder ein paar kleine Floeckchen, aber nichts wirklich ernsthaftes. Die Temperaturen sind sehr moderat fuer einen Januar/Februar, so dass ich die eigentlich unvernuenftige Hoffnung habe, dass wir am tiefsten Winter vorbei sind. Minus 15 nachts ist ja nun wirklich „nothing to write home about“. Und am Wochenende soll es waermer werden. Das ist auch gut, denn da kommt unser neuester Mitbuerger nach Hause.

Das ist das ueberlebende Ergebnis der Teenie-Liaison zwischen dem von Amadeus auf Alfred umgetauften Toggenburger und unserer kleinen Pomona. Die war ja wegen einer haesslichen Verletzung in der Praxis, und wir dachten, sie wuerde umgehend lammen. Tat sie aber nicht. Stattdessen drohte sie mit einem Vorfall. Und nachdem Karla das ganze Wochenende ueber immer mal Fuesse hatte ertasten koennen, oeffnete sie am Montag schliesslich die Fruchtblase. Und da fing sozusagen der Aerger an. Die arme Pomona hat teuer bezahlen muessen fuer ihr Ziegenhirtenstuendchen. Schmerzensgeld, sozusagen. Und Ziegen sagen ja lautstark, wenn’s irgendwo wehtut. Die Kunden vorne am Empfang fragten schon nach… Und dann war er schliesslich da, dunkelbraun, mit Boemmelchen unterm Kinn und – ein Kerl. Also ganz der Papa. Hoffentlich vererbt der nicht weiterhin so konsequent sein Geschlecht. Na ja, sagte Gereon, wirklich noetig war das nicht. Was wir allerdings ueberhaupt nicht erwartet hatten, war ein weiteres Zicklein, das erst am Dienstag morgen ein Bein rausstreckte. Das andere aber hinten liess. Als Karla das morgens entdeckte, war es schon zu spaet. Und so wurde das zugehoerige, WEISSE Zwillingsboeckchen tot geboren. Zwar vermuten Gereon und ich, dass das alles nur so ungluecklich ausgegangen ist, weil die Ziege jetzt einige Wochen viel relativ still gelegen hat. Das waere hier in der Herde nie gegangen, immer muss ja „Reise nach Jerusalem“ gespielt werden, wenn die Chefinnen das so beschliessen. Aber wenn es wirklich so war, dass die beiden krumm und schief lagen, dann ist es natuerlich gut, dass dieser unser erster Fall einer echten Schwergeburt in der Tierarztpraxis stattfand.

Auch in der Tierarztpraxis fotografiert: Dieser mini-Zwergschnauzer. Den haette ich gleich einpacken koennen! Und heute war ein schwarzer Spitz-Mix da, aehnliches Format, eher kleiner, wog 1.36 kg – zum Stehlen!

Derweil arbeitet sich hier zuhause das Fuechschen weiter vor und bohrt am Chef-Herz rum. Aber der ist hart, wie der buddhistische Staubsauger: „no attachments“. Und wenn es nicht beim Chef sitzt, liegt es gern auf dem Bett, „auf Ausguck“. Eine Interessentin hab ich, aber nach wie vor denke ich, ich wuerde es wirklich gern behalten, es ist ein so lustiges Tierchen.

Einen anderen „Stray“ habe ich wirklich um Haaresbreite vor der Todesspritze bewahrt, indem ich morgens schon Bob angerufen und ihm praktisch eroeffnet habe, dass ich ihm einen neuen Hund bringe. Konnt’er gar nich viel sagen. Ein grosser Rottweiler-Mischling, den trotz Namensschildchen und Impfplakette und Steuerschild fuer dieses Jahr anscheinend niemand abholen wollte und der nur zum Einschlaefern aus einer anderen Kleinstadt zu uns gekommen war. Aber er war sooo froehlich und freundlich – das kann man doch nicht durchgehen lassen. Und nun ist Zambo bei Bob, und die beiden verstehen sich anscheinend praechtig, und ich bin sehr froh.

Ansonsten: Es gab schon vor ein paar Wochen ein – wie wir finden – ziemlich wichtiges Urteil, nach dem ein deutschstaemmiger Bauer namens Michael Schmidt (sehr deutsch, oder?) die Rohmilch seiner 150 Kuehe zwar weiterhin nicht verkaufen darf, aber Anteile an seinen Kuehen darf er verkaufen, wodurch die Anteilseigner ein Recht auf die Rohmilch erwerben. – Analog geht das nun natuerlich erst recht auch mit Ziegen… Vorausgegangen ist dem ein jahrelanges Gezerre, im Verlaufe dessen es auch zu einer Hofdurchsuchung und Beschlagnahmung von Melkgeraetschaften durch – ich glaube – zwanzig bewaffnete Polizisten kam. Das muss man sich mal in Farbe vorstellen! Dass in sehr vielen Laendern, z.B. weitgehend in der EU, Rohmilchverkauf unter natuerlich strengen Bestimmungen legal ist, und auch sogar in einigen Staaten der USA, und dass dort die Konsumenten eben dieser Milch nicht sterben wie die Fliegen, das uebersehen die Kanadier geflissentlich. Man weiss es hier eben besser.

Wie die Interessierten vielleicht am rechten Rand erkennen, hat mich das Online-Kurs-Fieber gepackt. Neben meinem wunderbaren Stickkurs habe ich mich nun auch fuer einen Online-Filzkurs angemeldet, auf den ich mich sehr freue. Und im Rahmen meiner Reiseplanungen bin ich – aufregend – fuer einen Spinnkurs in Hamburg angemeldet bei Jana Muchalski, nach dessen Abschluss ich hoffe, tolles Nupsigarn spinnen zu koennen, oder zumindest eine Ahnung zu haben, wie das geht.

Und ich habe zu meiner weiteren grossen Begeisterung entdeckt, dass die Staudengaertnerei Maubach-Arends, meine „All-Time-Lieblingsgaertnerei“ am 20. Maerz ihr Fruehlingsfest veranstaltet. Ratet, wo ich hin will!! Wer will mit?

Ich glaub, jetzt muss ich noch was zu essen suchen. Der Weihnachtsschnuck ist leider endgueltig alle, so ein Pech. Da muessen Butellabrote herhalten. Nuetzt ja nix.
Und ihr habt jetzt nochmal genug gelesen.

Ein Gedanke zu „Gemuetlicher Abend

  1. Gregor Schneider

    Hallo meine liebe Petra, schön mal was von Dir zu lesen.
    Hoffe, es geht Euch immer noch gut im kalten Norden.
    Hier ist auch recht gemütlich im verschneit. frostigen Büschhof.
    Wünsch Dir noch einen schönen Restwinter, bis die Tage mal
    Gregor

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