Woodstock revisited?

OK, das eine, Woodstock, war vor 42 Jahren, dann aber nie wieder, das andere (wo ich war) gibt es immerhin schon seit 33 Jahren alljaehrlich. Und natuerlich hinkt der Vergleich. Aber wenn auch die Besucherzahlen sehr unterschiedlich sind, so aehneln sich doch wahrscheinlich die „Schlaemme“. Wir, d.h. ich spreche von der North Country Fair, benannt nach einem Begriff in Bob Dylans unvergesslichem, von mir heiss geliebten Girl From the North Country, im Volksmund auch als Hippy Days bezeichnet oder Hippy Daze, wie es auf einem von Bob geschenkten T-Shirt steht. Freund Bob hatte mich und dann auch Maryjane schon seit Jahren gedraengt, mit ihm zu kommen, wir haben es beide nie geschafft. Dabei ist Maryjane ja „echt eingeborene“ Kanadierin aus Sexsmith, aber sie ist viel in der Welt herumgekommen, nur nie bis zur NCF.

Freitag hinterliess sie mir eine Nachricht: Ich will zur North Country Fair, kommst du mit? Und spontan, wie wir aelteren Damen nunmal sind, schoss ich andere Plaene in den Wind (eher in den Regen) und am Samstag um 11 Uhr brausten wir, mit Regenzeugs und Wanderschuhen bzw. Stiefeln, Muetzen, Hueten, warmen Lagen ausgestattet gen Nordosten, ins noch schlechtere Wetter. Bei unablaessig mal mehr, mal weniger heftig fallendem Regen haben wir es erstmal nicht gefunden. Aber wir sind ja keine Maenner, wollten also gerade nach dem Weg fragen, da standen wir auch schon am einzigen Hinweisschild. Also ab von der Teerstrasse, rein in die Plempe. Gravel Road, irgendwie ohne Gravel, dafuer mit Unmengen von Schlagloechern, und bei Gegenverkehr sassen wir in milchkaffeefarbener Finsternis, bis die Scheibenwischer wieder fuer ein Guckloch sorgten. But: A roadtrip is a roadtrip, und wir waren fest entschlossen, uns zu amuesieren. Nach einigen Kilometern Schlammpiste entdeckten wir ein Begruessungsschild. Dann den Eingang und dann den Parkplatz. Wir warfen uns in Regenschutzschale, nachdem wir klug geparkt hatten, schon wieder mit Nase in Heimatrichtung und auf einer kleinen Anhoehe. Ab da war naemlich Schlamm. Was aber die Menschen nicht davon abhielt, Spass zu haben. Und wir mittendrin. Musik gab es auch, aber ich fand es fast noch interessanter, mir die Leute anzuschauen. Ich haette mir sehr gewuenscht, besser mit meiner Kamera umgehen zu koennen oder gar eine bessere Kamera zu haben. Etwas hinderlich auch die Regentropfen, die sich immer wieder auf die Linse setzten. Aber hier habt ihr einen kleinen Eindruck von der Szenerie rund um die Main Stage. Es gab abenteuerlichste Outfits, manche sehr der Umgebung angepasst, andere eher schrill. Innovativer Einsatz von Muelltueten und eigens produzierten muelltuetenartigen Regencapes war zu sehen. Dreadlocks in allen Formen und Farben (Wo sind diese Leute, wenn sie nicht auf der NCF sind? Das habe ich mich bei vielen der Typen gefragt.) Sogar manche Musiker trugen Gummistiefel, und wie man auf den Bildern sehen kann, passen schwarze Gummistiefel zu allem, ob das nun ein Paillettenrock oder ein Tutu, ein Brokatjaeckchen oder ein Laptop ist – alles geht.

Fast noch spannender fand ich allerdings unsere kleine Tour durch den Campground. Die Herren mit dem Harley Davidson Feuerring haben uns sogar in ihr Zelt eingeladen, aber Maryjane hat abgelehnt, tztztz… Es gab Trucks in allen Groessen, Formen und Farben und jeglichen Alters. Aeusserst kreativer Einsatz von Planen ebenfalls aller Groessen, Formen und Farben war zu verzeichnen. Es gab eine Couch, eine leicht veraenderte Canada-Flagge, Blumentoepfe, Peters vornehmen Airstream Wohnwagen auf dem letzten Bild, interessante Spuelideen und vieles mehr. Und Schlamm. Ueberall. Und ein Verbot fuer „Canned Music“, ergo viele Gitarren. Freundliche Menschen, unglaublich schmutzige Fuesse, viele Kinder, das ganze durchzogen von stetig wehenden Wolken altbekannter Gerueche, hier fiel haeufig der Begriff Skunk, den ich natuerlich mir erst einmal erschliessen musste. Da merkt man dann, dass mir ein paar Jahre in der Entwicklung fehlen… Natuerlich wurde Maryjane in diesem Zusammenhang auf ihren Namen angesprochen, haha. Der aber kein Spitzname ist, sondern echt.

MJ’s abschliessender Kommentar, als wir bei heftigst stroemendem Regen wieder auf der Schlammpiste gen Heimat waren: Now we’re not virgins anymore. Na bitte! Und wir wiederholen das!

Und uebrigens: Ich habe natuerlich kein Telefon… Aber davon spaeter mehr.