Statt Upupa epops* – 8 Ohren und 10 Fuesse

Bei uns gab’s am Samstag Bubo. Zwar nicht Bubo bubo, aber Bubo virginianus und Ursus americanus. Der Chef und ich sind naemlich – fuer mich zum ersten Mal seit Schwiemu’s Abreise – mal wieder in den Busch Richtung Hochsitz gewandert. Weil der Wasserstand stellenweise immer noch sehr hoch ist, mussten wir uns ueber Biberdaemme statt entlang der „frei“geschobenen Wege bewegen. So sieht man aber eindeutig noch mehr Flora, wenn auch keine Biberfauna. In den Bibersuempfen blueht jetzt ueberall die Sumpfcalla. Dazwischen noch was kleines Gelbes, das aussieht wie eine Kreuzung aus Loewenmaeulchen und Orchideenbluete – kann ich leider im Moment noch nicht identifizieren. An trockeneren Stellen sah ich dann ziemlich viele Wintergruens, die ich auch sehr huebsch finde. Es ist schon erstaunlich, was alles wuchert und waechst in so einem nassen Fruehsommer. Und wenn man die Moskitos und die nassen Fuesse mal ausser acht laesst, ist so ein Spaziergang sehr erfrischend. Am Hochsitz angekommen, haben wir es uns gemuetlich gemacht, was wirklich nur unter Einsatz einer guten Dosis Moskitospray gelang. Doch das Warten wurde belohnt: ein kleinerer Baer (Ursus americanus!) kam aus dem Wald und hat uns eine ganze Zeitlang mit seiner Randaliererei amuesiert. Er war naemlich offensichtlich auf der Suche nach Larven, und zu diesem Zweck demolierte er mit lautem Krachen Totholzstuecke. Man konnte gleich erkennen, dass er sich in keinster Weise bedroht fuehlte, denn im Gegensatz zu den Pflanzenfressern wie Hasen oder Hoernchen oder Hirschen war er so gar nicht auf der Hut, schmiss sich auch mal hin und rollte rum, wenn etwas mehr Koerpereinsatz gefragt war. Und gab sich keinelei Muehe, seine Anwesenheit zu vertuschen. Wir sind irgendwann leise von dannen geschlichen, hoerten ihn aber immer noch in der Gegend rumpoltern. Das waren dann vier der Beine und zwei der Ohren. Gehoert, aber leider nicht gesehen haben wir auch den „Biber in residence“. Den hatte naemlich offenkundig der kleine Baer erschreckt, so dass er mit lautem Klatschen den Schwanz auf’s Wasser schlug.

Auf dem Rueckweg wies mich Gereon auf Vogelschreie hin, die ich anderenorts vielleicht fuer aergerliche Wellensittiche gehalten haette. Es waren aber die beiden jungen Uhus, die in der Naehe des Hochsitzes ausgebruetet wurden. Ein paar Meter weiter sahen wir sie dann auch. Bubo virginianus, interessanterweise sehr verschieden gefaerbte Jungvoegel, einer braeunlich, einer sehr hell sandfarben. Und noch ein Stueckchen weiter sass ein Altvogel hoch oben auf einer Fichtenspitze und wehrte mit ausgebreiteten Schwingen die (Schein?)angriffe von kleineren Singvoegeln ab. Das macht sechs weitere Beine, und, na gut, bei den Ohren haben wir ein bisschen gepfuscht. Zwar haben die drei Uhus natuerlich sechs Ohren, aber die Feder“ohren“ hatte noch nur der Altvogel.

Schoener Spaziergang! Und die nassen Fuesse uebrigens bekam nur der Chef, ich hatte naemlich in dickere Gummistiefel investiert, ha!

*Upupa epops ist der Wiedehopf, im Englischen fast genauso lustig Hoopoe (gesprochen Huhpuh, tztztz). Ich erwaehne ihn an dieser Stelle, weil mein Kind mich an eine beliebte Beschaeftigung aus den jungen Jahren der Familie M. erinnerte: In Bestimmungsbuechern lustige lateinische Namen finden. Upupa war bestimmt unter den Top Ten. Und wie ich gerade lese, wird er u.a. auch als der Puvogel bezeichnet. Namen sind was Tolles. Bufo bufo. Anser anser.  Caprimulgidae (dazu gehoere ich). Ich weiss schon, warum ich gern Telefonbuch lese…