klapperbibberzitter…

Ob das nu noetich waere?

Ich meine nicht. Aber mich fragt ja niemand. Anscheinend  kann der Wetterbericht bei derartig haesslichen Kaeltegraden uns noch  nicht einmal ein huebsches Wettersymbol zeigen. Es soll aber laut einem anderen Wetterbericht durchwachsen sein, teilweise wolkig oder so. Und so sitze ich im kleinen gelben Haus und klappere. Denn heute habe ich – nach einer ziemlich kalten Nacht, trotz Zora unter der Decke – festgestellt, dass die Einzelteile des Hauses, das ja aus einem langen Rechteck mit angefuegten kleinen Rechtecken besteht, wirklich  nicht so ganz zusammengeschoben sind, d.h. es gibt gut daumenbreite Ritzen, und durch diese kommt ein Minusgrad nach dem anderen hereingezogen. Jetzt habe ich ganze Alpakas in die Ritzen gestopft, soweit ich sie erreichen konnte (die Ritzen, nicht die Alpakas), aber eine Tuere schliesst auch nicht so ganz dicht. Und am ebenfalls aufgehaengten, ziemlich geblaehten Vorhang kann ich erkennen, dass aus dem „Flur“ immer noch jede Menge kalte Luft hereinkommt. Schade, schade, schade! Wenn sich das nicht gleich ziemlich aendert, werde ich wohl alles Frostgefaehrdete einpacken, u.a. diesen Rechner, und fuer ein paar Naechte wieder nach Norden ziehen.

Doch eigentlich darf ich nicht quengeln, bis jetzt hatten wir einen (viel zu) milden und schneearmen Winter. Das Kuehefuettern war der reinste Spass, und inzwischen bin ich befoerdert worden. Ich fahre nunmehr einen John Deere 7510. Ich weiss nicht, wie sich der im Vergleich so darstellt, aber mir kommt er schon ganz schoen gross vor. 16 Gaenge, und dann ja noch Schildkroete bis Hase – und vorwaerts und rueckwaerts. Wenn ich 4-4 fahren will, dann muss ich schon freies Feld haben, sonst trau ich mich nicht. Und das Ding hat statt zwei Zinken diesen Grapple, fuer den mir noch immer niemand das deutsche Wort gesagt hat – Herr Lieblingsnachbar, bitte sehr!! Die Befoerderung auf das groessere Geraet erfolgte versehentlich, weil der Bauer vergessen hatte, mir den Schluessel fuer den „Kleinen“ dazulassen. Die Einweisung erhielt ich – passend zur modernen Technik – mit zwei SMS, die eigentlich nur sagten: wenn du dich traust, dann mal los! Na, das hab ich mir nicht zweimal schreiben lassen. Dieses Grapple-Ding bedarf allerdings einiger feinmotorische Koordination, und da musste ich doch ganz schoen ueberlegen, welchen Knopf ich wann druecke und in welche Richtung ich den Joystick bewege, damit ich den Kuehen nicht versehentlich die Ballen auf den Kopf regne. Wenn der Bauer selbst faehrt, ist das Ganze sehr fluessig und zuegig, bei mir eher ruckelig und lahm – aber alle werden trotzdem satt.

Der Kleine

Der Grosse

Ordentlich eingeworfen!

Leider ist der Bauer ganz viel zuhause, so dass ich nicht so oft in den Genuss komme. Weil er aber so oft zuhause ist, hatte er neulich auch Zeit, die Dicken vom Feld zu holen und anzuspannen. Das war ein Spass! Die beiden Damen, Belgierinnen namens Jill und Judy, waren ein Jahr lang praktisch nicht angefasst worden, und am Anfang, in der Scheune, zeigten sie sich ein bisschen hibbelig, so dass ich uns schon mit dem Schlitten hinter durchgehenden Pferden herfliegen sah. Der Bauer sah das nicht. Gereon war auch mit von der Partie, und trotz Hinfahrt zum See bei Gegenwind und eisiger Kaelte hatten wir Spass, und ich war aeusserst beeindruckt von der Feinfuehligkeit und dem Gehorsam der wuchtigen Damen. Die Fotos heute sind alle mit dem Handy geschossen, daher qualitativ nicht dolle, aber ich wollte euch das nicht vorenthalten. Wie im Film war’s, nickende Koepfe, klingelnde Gloeckchen, Dampfwolken aus Pferdenuestern, Knirschen von Hufen und Kufen, kitschiger Himmel – ziemlich wunderbar! Da muss man sich die steifgefrorenen Lippen einfach mal wegdenken…

die dicke Judy

Jill, Judy, Jim und Gereon (v.l.n.r.)

Nach einigem Hin und Her (der Chef war eher dagegen) habe ich dann kurzentschlossen vor Neujahr noch ein Auto gekauft! Nicht neu, aber mit sehr wenigen Kilometern, weiss (!!!), Pickup, schicke Box mit einem so genannten Canopy (nennt man das Hardtop?), der Vorbesitzer hat eine hoelzerne Box eingebaut, und die Ladeflaeche ist so lang, dass ich darin schlafen koennte. Die Fenster im Canopy haben Moskitonetze! Die Sparsamkeit laesst ziemlich zu wuenschen uebrig, aber weniger als der dicke dunkelrote Chevy trinkt der kleine Ford Ranger allemal. Und er war so sauber und ordentlich. Das laesst natuerlich schon langsam nach. Katrin und ich haben ihn „Madame Delphine“ getauft. Fuer Freunde „Madame“. Es ist ein ungewohntes und ziemlich wundersames Gefuehl fuer mich, in ein Auto zu steigen, in dem (fast) alles funktioniert (Scheibenwischer klemmt manchmal). Vor allem die Heizung ist ausgezeichnet und schnell. Und ’nen CD-Spieler hab ich nun auch. Purer Luxus! Preislich war das Ding anscheinend geschenkt. Hinten auf dem Canopy steht „Joycraft“! Hihi!

Madame Delphine

Seit Silvester oder kurz nachher hatten wir Glatteis von der feinsten Sorte. Madame streikt dann gern und stellt sich quer. Ich konnte (und kann) mich auf ebener Flaeche festfahren, das muss mir erstmal jemand nachmachen. Um das nicht zu haeufig tun zu muessen, habe ich mir heute bei Karla drei schwere Gehwegplatten eingeladen. Da koennen die Hunde immer noch drauf sitzen, und das Gewicht hilft.

Du meine Guete, um mich herum knistert und knackt es, das muss die Kaelte sein. Da ist frau ja dankbar fuer menopausale Hitzewellen! 😉

Draussen muhen die Kuehe ganz dolle. Heute war eigentlich ein trauriger Tag. Man mag mich unrealistisch nennen oder romantisch, aber heute wurden die Kaelber aussortiert, in zwei riesige Viehtransporter geladen und in solche widerlichen Maestereien transportiert, wo sie bis an den Bauch im Mist stehen und sich kaum bewegen koennen, aber alles natuerlich draussen, und das finde ich nach wie vor scheusslich und unanstaendig. 140 Kaelber, 10 Kuehe und zwei unflaetige Bullen auf dem Highway, und das bei diesen Temperaturen in einem Transporter, der an den Seiten gelocht ist. Ich mag nicht drueber nachdenken, was es da an Verlusten geben kann und wie es fuer die armen Viecher weitergeht. Morgen beim Fuettern muss ich dann gut aufpassen, dass mir die verwirrten Muetter nicht auf der Suche nach ihren Kindern durch’s Tor flitschen.

Und schliesslich: Flug ist gebucht, ich reise am 4. Maerz an und am 13. April wieder ab. Vielleicht sieht man sich 🙂

Gerade gucke ich nochmal nach dem Wetter: inzwischen ist es -30. Und fuer Mittwoch ein HOCH von -30. Auweiah! Immerhin scheint mein Alpaka in den Ritzen hier seine Arbeit zu tun, es ist ausreichend warm. Und die gute Emmi waermt schon mal das Bett vor.