Weil die knirschenden -35 von heute morgen um acht doch recht schnell milden -25, -24, -23 wichen, beschlossen der Chef und ich, schon mal einen Weg zu spuren Richtung Biberteich. Falls Walter & Co. hoffentlich zu Silvester anreisen, nachdem sie fuer heute wegen Krankheit absagen mussten. Auch der Chef, wirklich hart im Nehmen, wunderte sich, wie tief er einsackte. Dennoch blieb er in der Pole Position – man will sich nicht lumpen lassen, und mir war’s recht. Alle drei Hunde dachten zwischendurch, sie muessten eigene Wege gehen. Vor allem fuer den kleinen Hund ein sehr schwieriges Unterfangen, fuehlt er sich doch glaube ich innerlich ungefaehr so geformt wie die Zora und wundert sich dann, dass er bei einem kuehnen Sprung in den Schnee einfach verschwindet… Aber schoen war’s! Und jetzt haben wir uns das Elchgulasch verdient, das, sehr exotisch mit „Waldeslust“ gewuerzt (enthaelt Steinsalz, Orangengranulat, schwarzen Pfeffer, Ingwer, Bockshornklee, Piment, Kakao (!), Zimt, Kardamom, Fenchel) auf dem Ofen schmurgelt. Gleich werde ich noch die von Adam gesammelten Schwammerl hinzufuegen, die auch auf der Gewuerzdose erwaehnt sind! Ich bin gespannt.
Archiv des Autors: Petra
Kleiner weihnachtlicher Bilderreigen
Auch wenn ihr wahrscheinlich gar keinen Schnee mehr sehen wollt – hier ist noch ein bisschen! Leider hatte ich keine Kamera bei mir, als Zora und ich heute leichtfertig einen kleinen Spaziergang machen wollten, ich immerhin auf Schneeschuhen. Alles war gut, solange wir auf dem vom Chef gespurten Pfad blieben. Aber dann bog ich ab! Gute 50cm pulveriger Schnee sind auch mit Schneeschuhen nicht ganz einfach zu navigieren, durfte ich feststellen. Manchmal hat Zora fuer mich gespurt, doch auch sie war bis fast Mitte Rumpf im Pulver. Aber gefroren haben wir beide nicht! Und die Luft ist wunderbar bei solchem Wetter, und alles glitzert, und Silhouetten zeichnen sich ganz scharf ab vor dem weissen Hintergrund. All die vielen Schneehuete sind doch an sich schon ein Gesamtkunstwerk, finde ich.
Die Kerzen vorm Haus werde ich gleich anzuenden, dazu eine ganze Menge im Haus. Der Chef ist noch in der Firma, irgendwas basteln, aber ich, ich Glueckspilz, habe mir um 13 Uhr kanadische Zeit einfach MEZ verordnet und die beiden Weihnachtspaeckchen von meinen wunderbaren Toechtern ausgepackt. Meine Kinder scheinen gar keine Zweifel daran zu haben, dass Schokolade etwas ausgezeichnetes fuer mich ist. Recht haben sie. Es sind natuerlich keine gewoehnlichen Schokoladen, sondern ueberwiegend Bio-Schoki und/oder handgeschoepfte in ueberaus exotischen Geschmacksrichtungen. Sogar Schoko/Kaffee-Gewuerz gibt’s! Und Waldeslust fuer den Elch. Nur das kleine Glaeschen vorn rechts war nicht im Paeckchen, das ist der Likoer, selbst gemacht, der mir nach Stunden draussen an der frischen Luft jetzt mal zusteht. Und aus dem Bild gerutscht, weil bereits fast in Bearbeitung, ist das Logisch-Denksport-Heft, das mich schier zur Verzweiflung bringen kann. Ich fang sicher mal mit der Wortsuche an… Aber erstmal ein Marzipankartoeffelschen… In Bio-Qualitaet! Nomnomnom… Oder vielleicht auch zwei… Ich hab’s gut! Und wuensche allerseits ein schoenes Weihnachtsfest und ein wunderbares neues Jahr. In aller Kuerze werde ich meinen Flug buchen, so Mitte Maerz bis Mitte April ist geplant.
Da isse!
Und noch einmal, weil’s so schoen ist
Als ich mir heute morgen die Fotos der King Tide anschaute und vor allem auch den Wetterbericht fuer Vancouver, fuehlte ich mich wieder in unserer Wahl bestaetigt. Unser Winter ist schoen! Und man muss es erlebt haben, um es zu glauben. Gestern war ich nach laengerer Zeit mal wieder mit dem Chef raus zum Hochsitz, Kameras kontrollieren. Es war nur etwa -5 Grad, und das Schneeschuhlaufen kann mich ganz schoen ins Schwitzen bringen. Aber welche Pracht! Alles glitzert und glaenzt, man watet durch Brillianten, der Himmel ist unglaublich blau, die Formen der Baeume wunderschoen, insbesondere liebe ich die Aspen und denke dabei immer an Lothlorien – es ist ein Elfenwald (oder hab ich das jetzt falsch im Kopf? Ist schon so lange her…) Die Luft ist klar, es ist still, hin und wieder hoert man einen Grauhaeher, ein kleiner Schwarm Red Polls sitzt in den Birken, wir sehen Elchbetten, Wieselspuren, der kleine Hund regt sich ueber Hoernchenspuren auf (Gesocks!!!) und verschwindet dabei komplett im Schnee. Fuer die Fotos habe ich ein bisschen auf dem umgekippten Schlitten in der Sonne gelegen, waehrend der Chef die Kamera mit neuen Batterien bestueckte. Und ja, das kann man auch noch bei -20 oder -25 tun, auch da wird einem ganz schoen warm beim Wandern.
Derweil zu Hause:
Farmer Style
Ich gehe bei jedem Wetter raus, denn: Unser Essen waechst (noch) nicht in klimatisierten Innenraeumen. Jedenfalls ueberwiegend nicht, so weit ich informiert bin. Ich sehe mich nicht als Landwirtin, aber einen Teil unseres Essens „produzieren“ wir hier ja doch selbst. Und die Tiere, die uns mit Milch, Fleisch und Eiern versorgen, wollen immer essen, auch und gerade bei solchen frischen Temperaturen.
Ich gehe also raus, damit es so aussehen kann:

Und wie man hier immer betont: Legal kann man nur eine begrenzte Anzahl von Kleidungsstuecken AUSziehen, aber noch eine Lage ANziehen geht immer 😉 Weswegen ich manchmal das Honigschleudern in der Sommerhitze viel unangenehmer finde als das Fuettern im Winter.
Ich habe auch -32 grad!
Aus einem krankenhausfenster in grande prairie, wo wir heute leider zu einem ueberraschenden schnellbesuch waren, sieht das so aus. Gar nicht schlimm, oder? Nur nicht so lustig, weil wir wegen des besuches einige stunden aus dem haus waren, so dass es hier bei unserer rueckkehr ziemlich frisch war. Die temperatur haelt uebrigens den chef nicht davon ab, draussen mit kopflampe holz zu hacken, um dann metzger hansens salami „kalt“ zu raeuchern. Ich haette ja sorge, dass sie friert, aber er meint, er schafft das, mit zweimal aufstehen in der nacht. Muss ich diesen mann verstehen? wahrscheinlich nicht.
Parallel zum theoretischen deutschen strom und den vielen bzw arg wenigen knackigen graden haben wir auch kein benzin mehr, so dass die batterien nicht nachgeladen werden koennen und auch das auto nicht vorgewaermt, mit dem ich morgen zur massage fahren wollte. Wehe, wehe, das klappt nicht!

Ich habe deutschen strom!
Zumindest theoretisch kommt aus diesem blauen geraet, dessen einzige steckdose ich nicht so genial abgelichtet habe, strom mit 230V 50Hz. Schick, oder? Schliesslich habe ich eine deutsche getreidemuehle, einen krups 3mix, einen puerierstab, diverse lampen, stereoanlage etc.pp., die sich ueber die 50hz freuen. Jetzt fehlen mir nur noch die entsprechenden verlaengerungskabel und mehrfachsteckdosen, und dann geht es mit dem kabelgehaekele weiter.

Cowboy/Cowgirl Christmas
Gestern war ich mal wieder in Grande Prairie. Friseur. Ist eigentlich ein bisschen sehr luxurioes oder bescheuert, je nach Wetter und Spritpreisen. Gestern startete ich bei relativ gutem Wetter, die Strassen in unserer Gegend waren gut geraeumt, natuerlich immer mal ein bisschen eisig, aber das kann eine Fast-Albertanerin ja nicht schrecken. Leider erledige ich die Hinfahrt nach GP ueblicherweise mit einem leeren Auto, was die Wintertauglichkeit von Madame Delphine auf den Nullpunkt bringt, aber „Nuetzt ja nix!“ (Eben hoerte ich zu diesem meinem Motto David Crosby und Graham Nash: I surrender! – Wie wahr und klug!)
Bis ich in Grande Prairie war, hatte sich das Wetter deutlich verschlechtert, White-out! Ich konnte die Strasse kaum erkennen, was ich aber an der ersten Ampel deutlich merkte, war das Eis unterm Schnee. Bremsen ging nicht. Gluecklicherweise war die Nebenspur frei, so dass ich ausweichen konnte. Da ist vorausschauendes Fahren angesagt. Hat dann auch weiterhin geklappt. Treffen mit Sabine und Hanna bei Jeffrey’s zum Lunch, wie Frauen das hier so machen. Und nein, es gibt hier nicht NUR Ketten- und Schnellrestaurants, und in Jeffrey’s Cafe sitzt es sich ganz nett und isst es sich noch netter.
Fuer den Rueckweg hielt ich bei Keddie’s an, um meine ueblichen 10 20-kg-Saecke Ziegenfutter zu kaufen, mit deren Hilfe sich naemlich Madame Delphine’s Wintertauglichkeit exponentiell verbessert. Mein Lieblingsladen, ohne Frage. Und jetzt, in der Vorweihnachtszeit, ist es ganz besonders entzueckend – immer denke ich, ich bin im Kino. Begruesst wird man von Charlie, der je nach Saison unterschiedliche Outfits vorfuehrt.
Ich musste dann ein bisschen durch den Laden wandern und knipsen. Die Bildchen sind nicht ganz scharf, weil das Telefon zwischendurch klingelte und ich abgelenkt war, aber Sachen gibt’s! Unglaublich, finde ich nach wie vor.
Und das haetten meine Maedels in frueheren Jahren bestimmt auch haben wollen 😉

So, jetzt habt ihr’s mal wieder. Ich sitze – logisch – immer noch drinnen im Warmen, 8:31 AM sagt mein Rechner. Draussen liegt bestimmt ein halber Meter Schnee, und der Wetterbericht sagt mir, dass es tatsaechlich schneit. Ich seh nix. Macht aber auch nix. Aber jetzt muss ich mich glaube ich mal anziehen und meine Vier- und gefiederten Zweibeiner fuettern. Minus 20, hatte ich das erwaehnt?
Ach, und noch eine Kleinigkeit. Ich mag Facebook nicht. Twitter finde ich geradezu absolut oberbloede. Aber ich bin aus mehr oder minder geschaeftlichen Gruenden mit unserem Honig bei Facebook. Wer also auch da ist, moege bitte sofortissimo uns (Gereon’s Honey) dort aufsuchen und „liken“ (ein graessliches Wort, und einen Link kriege ich gerade auch nicht. Facebook! *schauder*)
Kinder-Winter-Wunschflocken
Es schneit kinder-winter-wunschflocken: dick und schwer und langsam und ergiebig. Ich sitze im warmen und gucke zu. Passend dazu hatte ich ein wunderbares textchen in der mailbox von thomas trofimuk, einem edmontoner poeten, dessen woechentliches „sorbet“ ich abonniert habe. Leider nur fuer die englischsprachigen unter euch:
if it snows
Wake me if it snows.
Always. If it is snowing and you are up and I am sleeping, wake me, please.
Bring me back from sleep. Because when it snows, something is protected. Loneliness is evened out. Heartache is patted down. The patterns of life are quietly disrupted. And the world is made new.
Wake me if it snows.
Always. Make tea. Or pour a scotch. Or open a bottle of wine. Pull up the comfortable chairs to the window and we will sit together in the dark and watch the snow fall. If you are cold, there is a soft and heavy blanket there in the blanket box. Or we can make a fire. Maybe we’ll light a candle across the room – let its shadows dart and fret against the blue wall. We can sit together and talk about the skeleton of a jaguar they found in the Yukon, or the hazy image of a massive planet one hundred and seventy light years away, or the idea of morality without God. Maybe you’ll tell me a story from when you were a girl. They didn’t call it bullying back then. They didn’t have a name for it. Maybe it was just cruelty. Maybe they used words like “hysterical” or lines like – “she’s so sensitive.” You might look up and nod and say: “nobody gets here without damage” and then you will carry on. You will be so nonchalant about this. It will neither diminish, nor underscore the damage. When you are finished your telling, I will love you again. I will be hopelessly in love with the woman who grew from that girl. To look into your eyes will be as if I am lost and found and suddenly angled in the world. It will frighten me a little to look there, but I will want to look because I will have rediscovered the gentle heart of you. And the whole while, it will be snowing. Maybe you will reach across the space between us – slip your hand into mine – and we will become silent, watch the snow as it dots the darkness. This soft brush that paints the night with white. We will not care what the time is. We will not mind getting up tired. You will sip your tea and smile. And still, the snow will be falling.

Vielen Dank, Herr Elch!
Das erste Wochenende in den Foothills brachte zwar die Sichtung von insgesamt 25 Elchen, aber keinen Jagderfolg. Sonntag morgen zog der Herr Chef dann wieder los, mit dem Campingkocher, meinem letzten Sprit, zwei Kochtoepfen (!?), dem dicken Schlafsack, einer Plane, einem Greifzug, einem Lastschlitten, einer selbstgebauten Rampe etc.pp. Montag morgen blies er sozusagen telefonisch Halali oder was auch immer, jedenfalls hatte er einen Elch. Weil er ja so ein Einzelkaempfer ist und niemanden mitgenommen hatte, brauchte er dreieinhalb Stunden, um das Tier die 60 Meter bis zum Weg und Auto zu schleifen (Greifzug!). Er erzaehlte, dass er sich schon gefragt hat, was er tun koennte, falls ein Grizzly auftauchte. Die lassen sich wohl nicht so leicht verscheuchen, und im Zweifelsfall gibt der Kluegere (?) nach und ueberlaesst dem Grizzly die Beute. Es klappte aber ohne Grizzly-Einmischung, und der Elch wurde zum groessten Teil in unserem kleinen Verarbeitungsbetrieb in Valleyview abgeliefert. Deren Kuehlhaus ist nicht hoch genug fuer Elche dieses Kalibers! Halbieren war angesagt. Leider haben wir nicht die Moeglichkeiten, die dicke Elchdecke zu gerben, das faende ich gut! Mitgebracht hat er natuerlich den Kopf. Ich habe noch ein bisschen Sorge, dass der hier irgendwo INS Haus soll – da muesste ich mich dann energisch gegen verwahren. Emmi und Sheba sind in hellem Aufruhr, und Sheba haelt trotz minus 20 Grad draussen ihre Wachschicht durch. Man darf dem dicken Emmi-Klops keine Chance geben! Das ist uebrigens auch das richtige Wetter, um beide Tiefkuehltruhen auszuschalten, sehr sparsam.
Dieser Elch duerfte uns fuer ein bis zwei Jahre mit Fleisch versorgen – vielen Dank also, Herr Elch! Als ich ein bisschen Zwiesprache mit dem Verstorbenen hielt, stellte ich uebrigens fest, dass Elchhaare im Gesicht anders verlaufen als Pferdehaare. Eine Elchnase nach unten zu streicheln geht gegen den Strich. Kein Wirbel auf der Stirn, jedenfalls nicht so wie beim Pferd. Interessant…













