beaver – neulich (am 25.10.) in Beaverlodge (wie originell!)
. Natürlich gibt es hier auch „The World’s Biggest Bee“ in Falher, Bee Capital of the world oder zumindest of Canada oder allermindestens of Alberta – who knows?! Und es gibt The „World’s Biggest Easter Egg“ in Vegreville, meiner Albtraumstadt, weil dort die Behörde sitzt, die unsere Anträge auf Arbeitserlaubnis bearbeitet oder auch nicht! Diese riesigen Roadside Attractions sind eine Manie in diesem Land.
Heute morgen dann ein ziemlicher Wetterwechsel, eingeleitet oder begleitet von heftigem Wind
Natürlich sind wir froh, dass er von der Scheune weg und nicht auf sie drauf gekracht ist – da hätten die Ziegen ja einen Herzinfarkt bekommen. Laute Geräusche mögen sie nämlich gar nicht.
Und für die geneigten Leserinnen unter den Lesern/innen ;-): in „meiner Bibliothek“ gibt es solche herzigen Serientitel wie „Ranch Rogues“ oder „Reckless Renegades“, alle geschmnückt von den wohl bereits erwähnten künstlerisch extrem wertvollen Titelbildern – einfach zum Niederknien. Leider, leider komme ich selbst gar nicht zum Lesen derartiger Bücher. Doch oft darf ich sie aus- und einräumen, weil sie durch das ganze Alberta reisen, um andere Leserinnen-Herzen zu erfreuen. Ich glaube ja fast, die sind noch besser als Marilyn & Co…
Archiv des Autors: Petra
Schneespaziergang
Ihr mögt ja alle einen goldenen Oktober haben – aber wir haben einen schneeweißen, wunderschönen Sonntag heute, sonnig und frisch. Beim Spaziergang mit der Ziegenhorde haben wir letztes Alfalfa unterm Schnee gesucht. Und Billy hat Leinenführigkeit geübt, allerdings mit kleinen Widerständen. Ich sehe ihn noch nicht so ganz Gepäck-schleppend mit Gereon durch die Foothills zockeln, aber er hat ja noch Zeit zum Üben. Billy ist übrigens der kleine Dicke im Vordergrund auf dem ersten Bild.


Sommer ade!
Jetzt aber wirklich. Nachdem wir ja Anfang September schon ein bisschen Schnee hatten, mussten sich alle mit der Ernte (und wir mit dem Heu!) wirklich beeilen. Am 2. Oktober ruhten die Ziegen noch in den warmen Sonnenflecken auf dem Hof, doch die Pelzchen wurden schon etwas dichter.
Am 10. Oktober haben wir wirklich mit der Kartoffelernte angefangen, der kleine Hund macht hier noch einmal die Streichholzschachtel zum Größenvergleich – ich finde die Kartoffel schon ganz schön groß, aber später kamen dann noch deutlich dickere.
Am 11. Oktober war hier Thanksgiving, und wir haben drei Tage lang sozusagen Erntedank gefeiert (auch wenn im Garten immer noch was war), haben uns Rotwein und Videos gegönnt und Cookies und waren jeden Abend gemütlich faul. Der Wetterbericht wurde immer bedrohlicher, es wurde kühl und regnerisch, und die allerletzten Reihen Heu hat Gereon leider liegen lassen müssen. Und seit vorgestern Nacht schneit es nun also immer mal wieder, und die heutige Höchsttemperatur ist mit -1° gemeldet. Zoe und ich sind schnell in den Garten, um Reste zu ernten.
Die Blümchen sind nun wohl wirklich hin
Zoe findet auch im Schnee was zu schnuffeln
Ich hab sie immer gern bei mir, weil ich glaube, dass die Bären noch nicht schlafen und ich mir immer vorstelle, dass die unseren Garten auch ziemlich lecker finden könnten. Zum Beispiel diese immensen Rosenköhle
Ich bin hin und futsch, vielleicht kann man auch ohne Streichholzschachtel erkennen, dass diese Dinger monstergroß sind und überwiegend fest und bilderbuch-schön.
Nun wandern auch die Truter nach und nach in die Truhe – nur drei sind noch übrig. Bei diesem Wetter saßen sie nämlich den ganzen Tag vor der Haustür, bei gleichzeitig unverminderter Verdauung – das will man ja wohl auch nicht.
Gestern abend fiel dann – ABENTEUER – alles aus, was mit Gas zu tun hat. Sprich: kein heißes Wasser, keine Heizung, kein Herd/Backofen. Gut, dass wir den Holz-Küchenherd und Holz haben. Da köchelt jetzt eine Trutersuppe vor sich hin, mit allem, was der Garten noch so hergegeben hat heute. Ich glaub, Winter ist gar nicht so schlecht – plötzlich wird die Welt wieder kleiner, so scheint es, mit dem Herd als Zentrum des Wilden Westens.
Noch was, leider ohne Bild: Neulich fuhr ich morgens zu „meiner“ Bibliothek. Da parkte vor dem „Blue Apple Café“ (was mich ja an das Bagdad Café aus „Out of Rosenheim“ erinnert) ein schmuddeliger Pickup mit allerhand Gerät hintendrauf, angehängt ein sehr kleiner, löcheriger Viehanhänger. Darin standen, mit Blick hintenraus, doch schräg, denn nebeneinander hätten sie nicht gepasst, zwei gesattelte Pferdchen, hübsche kleine Dingerchen, mit Trensen an den Sattelhörnern. Wahrscheinlich mussten sie später Kühe treiben, doch für den Moment saßen die zugehörigen Cowboys im Café und frühstückten. Dann denke ich immer wieder, ich bin in einem Film!
Extra für den lieben Ruedi…
…hier nochmal eine kleine Ziegen-Info. Wir haben ja nur eine Ersatzziege, und die wurde auch nicht, wie geplant, eingetauscht gegen zwei Zicklein, sondern zusätzlich erworben, weil wir gerade reich waren. Und das ist nämlich die Guste – Augusta, benannt nach der Tante aus Graham Greenes „Reisen mit meiner Tante“. Namensgebung ist logisch, weil nämlich die Guste und ich aus Fairview, hab schon wieder vergessen, wieviele Kilometer, im winzigen Mazda (der so aussieht wie Gereons oberbergisches kleines uraltes rotes Auto aussah, nur VIEL rostiger und klapperiger) zusammen nach Hause gefahren sind und dabei einige erstaunte Blicke von überholenden Fahrzeugführern auf uns gezogen haben, jawoll! Ich verweise hier mal auf meine poetischen Schreibseleien zu diesen Themen früher, als noch Sommer war:
Dairyland ade again! und Travels with my goat (Achtung, dauert eine Weile mit den Links)
Guste hat sich prima eingefügt in die Ziegentruppe, sie ist natürlich Chefin, und Lieblingsbeschäftigung ist Verbrecher-Kegeln (sprich: Durch-die-Gegend-Schubsen der Jungziegen, aber richtig mit Schmackes!). Findet immer statt, wenn Essen im Spiel ist. Da frage ich mich dann, ob Hörner wirklich gefährlich sind, wie ja natürlich hier im haar- und hornfeindlichen Nordamerika alle behaupten. Sonst liegt man Bauch an Bauch und ruht und wiederkäut gemeinsam. Auch Verbrechen werden inzwischen manchmal gemeinsam begangen: Flieder-Schälen zum Beispiel, Futtertonnen umschmeissen, Gereons Bienenmaterial-Stapel kippeln (führt fast zu Ehekrisen, weil nämlich meist ich die Ziegen freilasse, er nicht so viel), oder Judys heilige Fichten anfressen – oh Himmel! Meinetwegen könnten sie die ja haben, plöde Kornifären – aber hier sind die Menschen da ganz anderer Meinung als ich.
Mit der Milchproduktion isses nich mehr so dolle im Moment – irgendwelche Tipps? Wir kriegen nur einen knappen Liter am Tag. Das reicht zwar, doch mehr wäre hier einfach mehr für Quark und so.
So langsam überlegen wir, wann und wieviele Ziegen wir wieder decken lassen wollen und von wem überhaupt. In meiner Eigenschaft als Dorfbibliothekarin habe ich entdeckt, dass eine Dame einen Haufen Bücher über Milchziegen bestellt hat und habe gleich messerscharf geschlossen, dass ich der bestimmt unsere beiden „zuvielen“ Zicklein aufschwatzen sollte und außerdem mit ihr vereinbaren, dass wir uns am besten einen Leihbock teilen. Macht doch Sinn, oder? Einen Bock hätte ich nämlich eventuell schon ausfindig gemacht.
Gereon und ich sind immer wieder erstaunt, WIE nett und menschenfreundlich die Ziegen sind. Guste geht gern in Tuchfühlung mit einem spazieren, so Nase in Hand gelegt oder so. Und nach dem Melken besteht sie geradezu auf einer ausführlichen Verkraulung, mit genüsslich geschlossenen Augen und langem Hals lässt sie dann Futter Futter sein und wird schon fast gelee-artig schlaff vor Begeisterung.
Grrummpffh!
Wer immer mir zum Thema Hire and Fire einen Kommentar geschrieben hat: Das Kommentar-Dings funktioniert nicht! Leider – wo ich doch so neugierig bin. Wenn es also was Weltbewegendes oder extrem Geistreiches war, bitte ich um erneute Eintippung, vielleicht an dieser Stelle?
Mir schwirrt der Schädel vor lauter englischen Bibliotheksbegriffen, die mir der m.E. sprachlich leicht unorganisierte scheidende Bibliothekar zu vermitteln versucht hat. Beispiel: „The kids stay here more longer.“ Na ja. Das scheint sich hier so langsam durchzusetzen. So sagen auch inzwischen viele Leute: „We should have went home earlier.“ Und derlei grammatikalische Irrungen mehr. Oh Graus!
Nicht zu vergessen: "hire and fire"
Also: meinen Küchenjob bin ich los! Kurz und eher schmerzlos, zack, weg war er, offiziell wegen Arbeitsmangel. Aber schon kurz vorher hatte ich mich schwungvoll um den Posten der Dorfbibliothekarin beworben, so mit der Idee: wer lesen kann und einen Computer ein- und ausschalten, darüber hinaus noch des Alphabetes in seiner korrekten Reihenfolge einigermaßen mächtig ist – der sollte das schaffen. Ich hab die Stelle bekommen (wir rätseln immer noch, ob ich die einzige Bewerberin war) und habe nun schon zwei Tage auf der Konferenz der Rural Libraries verbracht und ganz viel gelernt und bin mir jetzt nicht mehr ganz so sicher, was die Simplizität des Jobs angeht. Aber sehr nett war’s: etwa 120 Frauen (+ 1 Mann), und weil ich tatsächlich gleich was gewonnen hab und vor versammelter Mannschaft zum Podium marschieren musste, kennen mich nun alle als „die Neue“. Als nächste große Prüfung steht mir das Halloween-Basteln mit irgendwelchen Dorfkinderchen ins Haus – oh Graus!
Noch ein paar Bildchen…
…vom Lenz, vom Herbst und von der Ernte. So gibt’s jede Menge Tomaten, aber noch überwiegend grün. Der kleine Hund bildet sich ein, er hat einen Elch erlegt. Und Lena, Gereon und ich ziehen mal wieder los, am Zaun entlang. Ach ja, und am 8. September sah es im schönen frischen Heulager so aus: 
Hier der kleine Hund 
Und hier die Tomaten (jede Menge, wirklich, lieber Opa!)
Die liegen nun im Shop und werden hoffentlich noch ritzerot.
Auch Mangold und Kürbisse gibt’s, die den Kälteeinbruch unterschiedlich gut überstanden haben, Mangold spurlos, Kürbisse zickig und mit faulen Stellen. Nun denn. 
Am Zaun entlang ging es mal wieder durch Kappes und Tabak, bzw. in diesem Falle auch durch ein kleines Rinnsal mit ziemlich steilen Ufern – Abenteuer!!!

Hier sind noch Blätter auf den Bäumen – inzwischen fast nicht mehr.

Lena macht natürlich auch Galopp
Und vorher reitet sie probehalber auch mit Handpferd 
Ne Strumpfbandnatter gab’s auch 
Und dann war Lena wieder weg, und der kleine Hund hat sie gesucht und nicht gefunden. Na ja, muss er halt allein in Lenas Bett schlafen 
Mehr Bilder
Hier kommen – wie gewünscht – Bilder mit Ziegen, Bilder mit Katze, keine Bilder mit Bär.
Lena ist nun für das Kraulen nach dem Melken zuständig, Augusta schließt gleich die Äuglein. Die kleinen Eisbär-Verbrecher tun noch ein bisschen schüchtern, doch klein Odetteken traut sich
Keinerlei Berührungsängste hat natürlich cross-eyed Susie – eher mal so im Gegenteil 
Der Lenz ist da!
Lange erwartet, flog der Lenz am Sonntag nach Calgary ein. Mehr Bilder vom Zoo vielleicht später oder an anderem Ort, doch hier gleich in die Vollen. Frisch war’s, als wir das erste Bergdorf erreichten und gleich einen Ausflug in die kanadische Supermarkt-Kultur machten:
Eingedeckt mit einem kleinen Proviant, brausten wir nach einer Nacht in einem netten Hotel mit Fake-Kaminfeuer (!!) im Zimmer mitten in die Rockies. Zuerst mal zum Lake Louise, kann man einfach nicht auslassen
Leichtfertig wanderten wir auch noch zum Mirror Lake, es war steiler und dadurch länger als gedacht, aber doch der Mühe wert. Hier bei einer kurzen Rast
Und weiter, am Bow River entlang der grossen Continental Divide zu, wo sich die Flüsse entscheiden müssen, in welche Richtung sie fließen 
Nun sind wir wieder im platten Land, der kleine Hund hat ordnungsgemäß gekreischt, der Puppinger ist brav umgefallen (rückwärts, das gab’s noch nie, ist wohl für Besucher aus Europa reserviert), und Auguste hat sich auch schon ausgiebig kraulen lassen.
(Noch) ohne Bild
Aber vielleicht gibt’s morgen ein Bild – alles weiß oder so! Ich nehme ja kaum an, dass jemand meine mühsam eingebauten Links unten links 😉 auf der Seite anschaut, wo sich auch der Wetterbericht befindet. Darum jetzt nur zum Lesen: für morgen werden 5-10 cm Schnee gemeldet. Ich finde das ungeheuer spannend! Allerdings lügt der Wetterbericht überwiegend, und die Meteorologen geben das sogar öffentlich zu, indem sie nachträglich darlegen, wie oft sie danebengelegen haben. Und da kommt raus, dass bei der 3-Monats-Vorschau, die sich nur auf wärmer, kälter, Durchschnitt beschränkt, die Vorhersagen selten besser als Zufall sind. Als ich das entdeckt habe, musste ich doch arg lachen. Dennoch – Schnee ist gemeldet, heute nacht schon Flurries, also Schneegriesel oder wie man das nennt. Die Büffel haben sich schon wieder riesige Buckel angefressen, und ihre Vorderhälfte ist sehr puschelig, so dass sie anscheinend auch mit einem baldigen Kälteeinbruch rechnen. Die Pferde werden schon ein wenig velours-artiger, die kleinen Ziegen sehen aus wie die Eisbären, na ja, und die Gänse ziehen sowieso schon hin und wieder in keilförmigen Ketten über uns nach Süden. Und ich habe heute mal vorab 50 von wahrscheinlich 400 kg Zucker für unsere Bienen gekauft – ebenfalls ein sicheres Wetterzeichen 😉
