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Fruehsommermorgen in Sunset House

Es ist Ende Mai, definitiv. Woanders ist da Sommer. Hier zwar irgendwie auch, aber nur, weil Fruehling nicht wirklich stattfindet. Als ich gegen sieben Uhr rausging, sah ich das hier.

Die Tiere stoert sowas natuerlich schon laengst nicht mehr. Schliesslich liegt kein Schnee, und es friert auch nicht wirklich. Emmi prueft die Luft, d.h. in Wirklichkeit guckt sie neidisch (sind Hunde neidisch?) hinter dem kleinen Roten her, das mal wieder allein unterwegs ist, wichtig „checken“.

Mancher ist aber um sieben noch nicht so wirklich wach…

Andere sind schon mit so einer Art Fruehstueck beschaeftigt (allerdings wiedergekaeut, pre-processed, sozusagen)

Nur das Lila-Lama ist schon auf dem Posten und laesst sich die Sonne, die heute offiziell um 5:25 aufgegangen ist, auf den Latz scheinen. (Als ich gestern nach Mitternacht das kleine Rote reinliess – das noch eine spaete Checker-Runde drehen musste -, war es nicht wirklich dunkel!)

Und hier ist das Ergebnis des gestrigen Arbeitstages im ersten Sonnenlicht: Gartenzaun ist fertig. Nix mehr Ludwig in den Kartoffeln, und keine Ziegen mehr in den Himbeeren. Fuer letztere kommt vielleicht diese Hilfe zu spaet, aber die Kartoffeln sind noch nicht im Boden fuer dieses Jahr. Ueberhaupt ist noch nix im Garten ausser Geruempel vom vorigen Jahr. Es wartet eine Herkuleanische Aufgabe auf mich, aber ich bin streckenweise optimistisch. Es ist schon ein bisschen wie ein weisses Blatt Papier, wenn auch mit Flecken drauf…

Derweil wachsen im Haus merkwuerdige Topfpflanzen…

Ein Biber macht noch keinen Fruehling

Aber zwei vielleicht doch! Zwar hat es offensichtlich in der Nacht ein bisschen Frost gegeben, und gestern hat es heftigst geregnet, aber heute morgen ist der Himmel wieder strahlend blau, und in der fruehen Sonne steigt Nebel ueber den vielen Tuempeln im Wald auf. Und das, was ich mit schlaftrunkenen Augen zuerst als Bisam ansah, entpuppte sich als ein Biber auf der Durchreise. Obwohl ich die Hunde erst nach ein paar Minuten rausgelassen habe und der Biber laengst ausser Sicht war, gingen sie noch zielstrebig in seine Richtung. Sind aber alle heile zurueck!

Heute ist P (wie Palle… wir hatten da frueher mal so ein Buch, mein „kleiner“ Bruder und ich 🙂 allein auf der Welt. Und fest entschlossen, nur Seligkeitsdinge zu tun. Na ja, von den echten Pflichten mal abgesehen. Gestern sind der Chef und die Chef-Mutter mit einem schniekeligen Mietwagen Richtung Rockies getuckert. Leider hatten sie auch viel Regen gestern, aber fuer heute sagt der Wetterbericht Sonne an. So dass Helga hoffentlich noch die bisher verpassten Wapitis aus der Naehe und in bunt sehen kann. Sind ja bei Jasper bekanntlich immer angeschraubt…

Den Fruehling erkennt man uebrigens noch daran, dass das Spuelwasser, positiv betrachtet, einen goldenen Ton hat. Weil es naemlich gerade mal wieder aus dem Teich kommt. Weil naemlich gerade mal kein Auto so richtig fahren will. Gestern habe ich es nur sehr muehsam aus GP nach Hause geschafft, nachdem wir morgens schon den Chevy gegen den Plymouth tauschen mussten, weil ersterer noch vorm Postamt aufgeben wollte. Aber das ist glaube ich nicht so schlimm, denn ich habe mich in GP eingedeckt mit Gruenzeugs und Milch und drei Tage halte ich allemal durch.

Freitag war ich ja auch in GP, und da waren die Haenge am Smoky River noch grau mit einem allerwinzigsten Hauch gruen. Helga hatte sich so gewuenscht, noch Blaetter zu sehen. Und vorgestern abend, als wir zu den Bienen gingen, waren sie ploetzlich da! Die Flusshaenge waren gestern deutlich gruen, und das Gras scheint auch ratzfatz zu spriessen. Ist auch besser so. Die Ziegen scharren buchstaeblich, und Ludwig hatte ja aufgrund seiner sitzenden Lebensweise heftige Verdauungsprobleme, die nunmehr mit Frischkost und Rohfaser behoben zu sein scheinen. Jedenfalls steht er wieder frueh auf und geht frueh zu Bett, erschoepft von den vielen Grabearbeiten. Entlang der Strasse finden wir ueberall kleine Krater, die bei der Suche nach Schmacko-Wurzeln entstehen.

Die Fotos vom Eis auf dem Dugout und von heute liegen 14 Tage auseinander, und vorgestern hatten wir 20 Grad.

Nachfolgend eine Aufnahme der beruehmten (beruechtigten?) Lamalaus, die besonders im Fruehjahr bei uns vermehrt auftritt. Die Befallenen wissen oft nicht, ob sie schnurren oder knurren sollen, pflueckt doch die Lamalaus einerseits mit spitzen Lippen Heu- und Strohreste aus dem Fell und fuehrt eine mehr oder weniger sanfte Klopfmassage mit vier Endgliedmassen durch, andererseits nimmt sie aber fuer diese Behandlung gern schwungvoll Anlauf und springt aus dem Galopp auf. Man weiss nicht, man weiss nicht….

Das erste Fruehlingskind!

Man wartet und wartet – und oft verpasst man es doch: Mafalda legte ihre beiden diesjaehrigen Soehnchen unbemerkt ins Stroh. Helga und ich kommen also ab sofort wieder in den Genuss des exklusiven Ziegen-TV – wunderbar!

Die uebrigen Damen geben „mixed signals“, und es laeuft gerade eine hausinterne Wette, wer zuerst abwirft und wann. Ich mag mich da gar nicht mehr drauf einlassen, je mehr kleine Ziegen ich habe, desto weniger vorhersehbar scheint mir das.

Tief Petra

Hat ja was, dass ich jetzt auch noch an eurem Wetter schuld sein soll… Wo ich doch neulich an dieser Stelle ausdruecklich publiziert habe, dass ich Winter eigentlich schoen finde. Da hat sich der Winter gedacht, er gibt mir noch eins drauf. Einen ganzen Tag und wahrscheinlich eine halbe Nacht hat es geschneit. Gut, dass ich mit einem Schneeschieber verheiratet bin. Der allerdings nur einen ganzen Tag Schnee schieben konnte, weil er sich am Vorabend, als es naemlich den besagten ganzen Tag geschneit hatte, selbst mal in den Graben begeben hat. Beim Versuch, mit meinem kleinen Bus rueckwaerts aus unserer Einfahrt zu kommen, durfte ich mich und die Einfahrt etwa dreimal freischaufeln. Natuerlich nicht annaehernd so schoen, wie das der Chef macht. Wir haben halt etwas verschiedene Prioritaeten. Jedenfalls war am naechsten Morgen nicht an eine Fahrt zur Arbeit zu denken. Der Schneepflug liess auf sich warten, und unsere Schotterstrasse hatte nur eine Spur, die zu treffen aber Glueckssache war.

Heute isser dann aber wieder arbeiten, die Lohnerhoehung will schliesslich auch ausgenutzt werden. Ich habe eben eine kleine halbe Runde mit Schneeschuhen gedreht. Es flogen naemlich so einige Raben um mich rum, und aus dem Wald vernahm ich seltsame, nie gehoerte Toene. Also Hunde bei Fuss (na ja, so gut es geht mit unerzogenen Hunden im Tiefschnee…), Schneeschuhe an und raus. Ich hab mich aber nicht aus dem Ziegenzaun getraut und nichts sehen koennen. Wenn der Chef heute frueher kommt, zerre ich ihn noch mal mit. Sowas ist doch immer sehr spannend. Auf dem Rueckweg habe ich noch eine kleine Spitzmaus hoffentlich gerettet. Wie diese Winzlinge ueberleben, ist mir ein voelliges Raetsel. Die Temperaturen gehen lt. Wetterbericht im Moment nicht ueber -17 oder so am Tag, nachts natuerlich etwas frischer. Unsere Thermometer luegen und geben uns immer -10 bis -15.

(George ist verwackelt, weil mir wahrscheinlich kalt war…)

So sahen die beiden Einfahrtshaelften nach fast einem Tag schaufeln aus. Ich moechte hier mal erwaehnen, dass ein nicht namentlich genannter Nachbar, allein und von Arbeitslosengeld im geheizten Haus und mit fliessend Wasser auf einem relativ kleinen Grundstueck lebend, einen Snow Blower hat. Ich weiss nie so genau, was ich dazu denken soll, bzw. ob ueberhaupt was. Vielleicht besser nicht. Wir suchen uns das ja aus. Also still jetzt!

Der Chef jedenfalls sieht nachher so aus:

Er fand, es sei schrecklich warm draussen…

Aus meinem Fenster sehe ich am liebsten sowas: fressende Tiere, die nicht frieren, ein schoener Himmel, und ich im Warmen.

Vorne rechts uebrigens mein derzeit liebstes Gefaehrt: der calf sled, also der Schlitten, mit dem theoretisch der Bauer ein neugeborenes Kalb aus der Kaelte reinschleppen kann. Kann aber auch fuer den Transport eines erlegten Wildes genutzt werden. Haelt drei Heuballen (ordentlich gestapelt und bei vorsichtiger Fahrweise!). Dito diverse Saecke Futter. Dito eine Wanne Feuerholz + einen Arm voll (fuer die alte Kueche).

Jetzt memmt also mal nicht mehr rum. Schnallt euch die Schneeschuhe unter und dann ab in den Wald!

Menagerie-Update

Fuer die tier-interessierten Leser:

Emmi hat den Verband ab. Zwei Schrauben und ein Draht sind raus, alles scheint ordnungsgemaess zu heilen. Nur benutzen mag sie ihr Bein ueberhaupt nicht, haelt es nach wie vor vorsichtig hoch und tritt nicht auf. Wir warten weiter geduldig…

Das kleine schwangere Kaetzchen wollte ja dann wirklich niemand. Also hab ich dem Chef gesagt, dass es hier bleiben muss. Am Montag hab ich es gleich sterilisieren lassen. Und es war gar nicht schwanger. Meine muehsam an den Mann gebrachte Hard-Luck-Story – Makulatur. Aber natuerlich bleibt es trotzdem. Und ist ueberaus entzueckend. Und noch knuddeliger als Frau Trudi.

Und wieder eine Neue!

An meinem vorlaeufig letzten Arbeitstag nahm ich schweren Herzens noch ein schwangeres Kaetzchen an, das einem aelteren Ehepaar zugelaufen war. Sie hatten es aufgepaeppelt, aber die Dame war allergisch, ausserdem hatten sie nur ein kleines Haeuschen in VV und kein Grundstueck und ueberhaupt – wer will schon eine schwangere Katze. Sie wuenschten sich aber sehr, dass man ein neues Zuhause fuer das Tierchen finden moege. Ich dachte mir schon mein Teil, sperrte das sehr umgaengliche Kaetzchen in einen Knast und verabschiedete mich im Geiste schon fuer immer von ihm. Gestern aber, als ich Verbandmaterial fuer die Patientin holte, war es noch da. Also bot ich mal wieder Wochenendversorgung an und fuhr nach meinem Trip nach GP in der Praxis vorbei, um es einzupacken. Gerade war ein Notfall in Arbeit – beide Tieraerztinnen steckten abwechselnd bis an die Schulter in einem Kuhbauch, Eingang war ein seitlicher Schnitt in der Kuh. Diese stand bei dem Prozedere ziemlich ungeruehrt da – Lidocaine wirkt offensichtlich Wunder. Auf meine Frage nach dem Problem sagte man mir: Ach, die hat sich den Magen verrenkt. Na dann.

Kaetzchen eingepackt. Das uebliche Prozedere. Hunde verwarnt, Tuerchen aufgemacht, Trudi entgeistert, Kaetzchen kommt raus, wandert durch die Gegend und schleimt sich unverzueglich und taktisch ueberaus geschickt gleich an den Herrn Chef ran, und zwar volle Socke, mit allen Mitteln der kaetzischen Kunst. Farblich passen die beiden ja auch prima zusammen, wie man sieht. Der Chef weiss es noch nicht, aber ich will, dass das Kaetzchen bleibt. Denn wir haben ja nun mal mindestens eine Maus im Haus. Die frisst Schokolade, und das geht wirklich gar nicht. Ausserdem hat Trudi blaue Augen, und das neue Kaetzchen gruene. Ich finde, das ist eine schoene Kombi. Trudi ist nicht einer Meinung mit mir.