Wasser schneiden

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Die Gewinnung von Brauchwasser tritt mal wieder in ihre „interessante“ Fruehlingsphase: Der Schnee sackt zusammen, was ihm pro Kubikmeter sicher mehr Wassergehalt gibt. Gleichzeitig aber kann man ihn nicht mehr so einfach mit der Schuessel in den Topf schaufeln. Also schneide ich ihn mit einem grossen Messer in Quader. Und weil schon bald Mai ist, muss ich immer weiter laufen, um einigermassen sauberen Schnee zu finden. Es ist erstaunlich, was so alles aus den Schornsteinen rausfliegt – der Schnee bzw. die wenigen Schneereste direkt vorm Haus haben eine Russschicht, haesslich.

Ich wuerde, weil es tagsueber kaum noch friert, gern wieder mit dem Tank Wasser holen, aber der Hof ist eine derartige Matschewueste, dass ich zum einen Sorge habe, mich festzufahren, zum anderen auch das dickere Fahrzeug vom Herrn Chef so umgebaut wurde, dass ich es nicht so ganz einfach zum Wasserholen nutzen kann und mein schoener dicker Bus ja verschrottet werden musste. In solchen Situationen sind Morgenfroeste der reinste Segen, dann ist die Matsche begeh- und befahrbar.

Um mich zu troesten, denke ich dann immer an all die Frauen, die mit sowas schon vor mir oder auch immer noch zu kaempfen haben, dabei aber nicht in der Lage sind, sich im Internet zu beklagen oder einfach zur Nachbarin zu fahren, und sei es, um gemeinsam zu jammern.

Wir unterbrechen diesen Blog fuer Werbung!

Waehrend ich Wasche faltete und Wolldecken (!), liess ich in Gedanken Teile meiner Deutschlandreise Revue passieren. Und landete bei Schumacher-Dewenters. Die sich nicht nur liebevoll und wunderbar um unsere alte Frau Puckendorf  kuemmern, sondern auch noch Schafe zuechten. Kurz zu Frau Puckendorf: Sie hat inzwischen zwar keine Zaehne mehr, dafuer aber Hahnentritt, ansonsten aber sieht sie prima aus und geniesst die Gesellschaft der beiden anderen Esel (oder nervt sie, die anderen, da bin ich mir nicht so sicher). Das Foto ist von 2009, aber ich finde, sie hat sich kaum veraendert.

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Doch zurueck zu den Schafen. Und den Produkten. Nicht nur naemlich kann man bei den Fischbachern Lammfleisch kaufen, was sogar ich frueher schon mal getan habe, als ich noch nicht ahnte, dass ich mal in Kanada meine eigenen Ziegen essen wuerde. Inzwischen haben sie auch eine Moeglichkeit entdeckt, die Wolle ihrer Schafe zu verarbeiten bzw. verarbeiten zu lassen. Ich schlafe schon seit Jahren auf dem Fell eines Bentheimer Landschafes, aber jetzt kann ich auch meinen Kopf auf ein Wollkissen betten, waehrend mich ein Decke mit Wollfuellung warmhaelt. Danke nochmal, lieber Thomas, fuer das schoene Kissen.

Was  mich aber eigentlich noch mehr begeistert, sind die Teppiche. Da bin ich dann schon traurig, dass ich so weit weg bin und die Teppiche schwer. Sonst haette ich einen vorm Bett, einen vor der Spuele, einen unterm Esstisch. Und aus einem dicken Knaeuel Teppichgarn strickte ich mir, mit Besenstielen, Sitzkissen. Und ein Kissen fuer’s Katzi. Und vielleicht eines fuer den Hund. Ich ueberlege allen Ernstes, ob ich einen Laeufer aus dunkler Wolle bestellen koennte, unempfindlich und robust, fuer vor meine Kuechenzeile. Muss ich noch ein bisschen nachdenken.

Ihr aber, ihr deutschen Leser, koennt jetzt, wenn ihr eine Decke, ein Kissen, einen Teppich (auch pflanzengefaerbt!), Sitzkissen fuer Bierzeltgarnituren, ein Schaffell oder sonst was Wolliges braucht/wollt, das bei Schu-Dews erwerben. Auch Strickwolle und einfach nur kardierte Wolle kann man haben. Letztere filzt gut, hab ich ausprobiert. Schoene Bildchen gibt’s bei der Fischbacher Schafzucht , und das Ganze ist doppelt gut, weil man damit nicht nur einen Familienbetrieb unterstuetzt, sondern auch noch die Lebensgemeinschaft Sassen, wo naemlich die Wolle verarbeitet wird. Los geht’s!

Fuer Lenzi: Raben-Reigen

Ich finde, es sieht aus wie eine Jahreshauptversammlung. Einer ruft, viele kommen, zoegerlich oder mit Schwung, die meisten fliegen ein, andere gehen ein Stueck zu Fuss. Vielleicht sind es auch Politiker – schliesslich gibt es Augenbrauen. Wechselnde Redner, Grueppchenbildung, manche hoeren ueberhaupt nicht zu. Ploetzlich verlassen alle den Saal, Mittagspause, rauchen? Es geht auch nicht immer friedlich zu. Und ja, der Rufer rief an einem ganz anderen Tag, aber wir wissen ja, dass zur JHV fruehzeitig eingeladen werden muss. Vierzehn Tage im voraus. Am Schluss bleiben die sitzen, die wahrscheinlich immer da sind – und die Arbeit tun.

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Wie soll man da in Ruhe essen?!

Nach dem Jungadler kam ein Altvogel. Die Raben und auch Elstern zeigen eine erstaunliche Dreistigkeit! Der Adler war ziemlich genervt, waehrend die beiden Raben ganz unbeeindruckt und verliebt sich fuetterten (jedenfalls sieht das aus menschlicher Sicht so aus).

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Eine komplette Adlerserie

Aber nur eine, es gab naemlich noch mehr als nur den Jungadler. Man sieht, dass die Raben nach Abreise des grossen Huhns einiges zu besprechen haben.

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Un ich sach noch…

Natuerlich kann ich mich nicht beherrschen, ich muss jetzt ohne weiteres Nachdenken und ohne die schoenen Geschichten, die ich im Geiste schon formulierte, schnell ein Foto einstellen. Gestern haben wir die Karten aus den Kameras geholt und uns die Ausbeute von 4 Wochen angeschaut. Weit ueber zehntausend Fotos, viel Schnee, relativ viel vom Fischer, aber auch ein paar, wie ich finde, aufregende Bilder. Und beim Gucken sagt der Chef noch so: Ich will ja eigentlich, dass da jetzt mal ein Adler kommt. Und was kommt?

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Das ist ein junger Weisskopfseeadler, der da sowohl den Kopf von der Kuh (danke, liebe Kuh, dass du uns so gute Dienste leistest!) als auch den dicken Raben klein aussehen laesst. Hinter dem Raben und dem Kuhkopf sind die Rippen der Kuh – nur mal so statt der beruehmten Streichholzschachtel zum Groessenvergleich.

Mehr Bilder, von vielen verschiedenen Tieren und vielleicht mit Geschichten, folgen spaeter.

Jetzt muss ich mich erstmal weiter re-akklimatisieren. So eine Reise ermuedet nicht nur den Koerper, sie beschaeftigt auch den Geist noch lange nach Beendigung. Nachdem in den ersten paar Stunden nach der Heimkehr selbst die alltaeglichen Handgriffe (Ofen anmachen, Schweinchenfutter mischen…) ein wenig fremd erscheinen, falle ich da doch (leider?) schnell wieder in den Trott. Aber noch bin ich gefuehlt mit einem halben Fuss in Deutschland, mein Hirn vergleicht die verschiedenen Eindruecke. Wenn man nie von zu Hause weg geht, kann man auch nie richtig heimkommen, dachte ich gestern oft. Und: Obwohl ich nach wie vor keine enthusiastische Fernreisende bin, gewoehne ich mich doch selbst mit nur einer alljaehrlichen Reise an das Fliegen, den Wechsel von Fremdheit und Vertrautheit, und mir kommt die Distanz zwischen den Kontinenten gar nicht mehr so gross vor. Will sagen, all ihr lieben Menschen, die ihr mich mal wieder beherbergt, bekocht, mit Kaffee und netten Gespraechen versorgt habt, ihr seid im Moment in meinem Kopf noch nur gleich um die Ecke. Vielleicht mach ich heute Reibekuchen – wer mag, kann ja vorbeikommen!

Draussen uebrigens, blaest jetzt, um halb acht morgens, ein frischer und bestimmt ekliger Wind den ueber Nacht gefallenen Schnee vom Poleshed, und gestern abend habe ich im Wetterbericht gesehen, dass es in Oberberg nun wirklich Fruehlinig werden will. Aber wartet, wir holen euch noch wieder ein!

ich will’s nur mal zeigen…

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fuer diejenigen, die in deutschland sitzen: links im bild ist die SONNE! es ist kurz vor acht, der himmel NOCH nicht ganz blau, aber das koennte werden. UND die photovoltaikanlage laedt schon wieder! wie das geht, ist mir uebrigens ein raetsel, denn die platten scheinen mir noch so gar nicht von der sonne gekuesst. minus 8 ist es draussen, das ist gut, sonst waere ich heute beim ersten rundgang in bademantel und birkenstocks sicher gleich in der matsche abgeschmiert. der chef hat alles gut versorgt, emmi ist heftig uebergewichtig, und mein osterkaktusartiges pflaenzchen hat knospen, wie schoen. und die sterne, die sterne! als ich in der nacht mal draussen beim hund war, hatten sie sich alle ueber mir versammelt, dicht an dicht und wunderschoen – gaensehautmaterial, auch ohne minus-temperaturen.

Ist jetzt auch nicht aufregend…

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jetzt bin ich wieder in calgary, und das wetter ist sehr aehnlich dem vom 12. maerz in oberberg. immerhin habe ich schon zwei gaense gesehen, und ueber den wolken war es natuerlich wunderschoen. ich konnte mich mal wieder kaum sattsehen an groenland mit seiner teilweise bizarren schnee- und eislandschaft. erstaunt war ich darueber, wieviel offenes wasser es zwischendurch, also zwischen groenland und baffin island, schon gab, obwohl die anzeige eine viel noerdlichere route angab als auf dem hinflug. weil alles so gleichmaessig weiss ist und keinerlei anzeichen menschlicher ansiedlungen zu sehen sind, kann ich mir gar nicht vorstellen, wie gross das wohl alles ist. aber von oben sieht es so aus, als ob ich da gern mal mit einem hundeschlitten drueberzischen wollen wuerde. hier auf dem flughafen fahren die ganze zeit riesige schneekehrmaschinen rum, aber eigentlich sieht alles nur nass aus. immerhin sehe ich jetzt downtown calgary, beim landeanflug ging es nur durch dichte wolken, aus denen wir erst herauskamen, als wir unmittelbar ueber der landebahn waren. und nun latsche ich wieder los, einmal mehr durch den sicherheits-check und um halb sieben ab nach grande prairie. dann noch anderthalb stunden flug und knapp zwei stunden autofahrt… sunset house ist wirklich nicht mal gerade um die ecke. jetzt freue ich mich auf zuhause, mein bett, die stille (hier plaerren hits aus den siebzigern und achtzigern aus den lautsprechern…) – und morgen frueh hoffentlich wieder tee im bett.

frau odysseus sagt jetzt „gute nacht“

meine guete, was fuer ein tag – oder waren es zwei? eben haben wir eltern naemlich auch noch unsere tochter an der autobahnausfahrt aufgefangen – die arme hatte in drei stunden drei kilometer geschafft und war fix und fertig. schnee ist offensichtlich nichts fuer deutsche strassen.
ich dagegen hatte eine recht angenehme bahnfahrt, war allerdings einmal mehr entgeistert von den kalten, zugigen koelner bahnsteigen.
jetzt, um viertel nach eins, liegen wir alle in den betten. statt der eigentlich gut geplanten etwa 15stuendigen reise war ich eher sowas wie 28 stunden unterwegs.

frau odysseus sagt jetzt „gute nacht“

meine guete, was fuer ein tag – oder waren es zwei? eben haben wir eltern naemlich auch noch unsere tochter an der autobahnausfahrt aufgefangen – die arme hatte in drei stunden drei kilometer geschafft und war fix und fertig. schnee ist offensichtlich nichts fuer deutsche strassen.
ich dagegen hatte eine recht angenehme bahnfahrt, war allerdings einmal mehr entgeistert von den kalten, zugigen koelner bahnsteigen.
jetzt, um viertel nach eins, liegen wir alle in den betten. statt der eigentlich gut geplanten etwa 15stuendigen reise war ich eher sowas wie 28 stunden unterwegs.