Archiv der Kategorie: Wetter

Ein schoener schaden :-)

Endlich hat eine steife brise aus, glaub ich, SW die von mir bestgehasste plane um die west-„veranda“ zerpretschelt – wie gut! Vielleicht verleiht das meinem antrag auf montage einer hellgelben segeltuch-lkw-plane bis zur geplanten verglasung der veranda entscheidendes gewicht 🙂
Die inzwischen ueber sechs jahre alte heuplane auf dem planengebaeude haelt wundersamerweise immer noch wind und wetter stand. Wenn die aber mal fliegen geht, wird es hektische betriebsamkeit geben muessen. Immerhin schuetzt sie ein mehr als sechs mal zwoelf meter grosses gebaeude ueber zwei etagen, das voller krams ist, darunter immer noch unausgepackte kisten aus dem container.

Sonja will lieber Regen! ;-)

Sagt sie jedenfalls. Na, ich will lieber Schnee und knackig. Und bei solchem Wetter kommt, auch dank der beiden zusaetzlichen PV-Platten, der Strom geradezu in Stroemen (pardon the pun). Liebe Sonja, den Regen darfst Du fuer Dich behalten ;-), aber wenn Du mal schoen schneeschuhlaufen willst, komm vorbei!

Old Man Winter

So, der Van ist fast fertig betrauert. Ein anderer, juengerer mir angebotener Mini-Van, so wie mein geliebter, aber auch verschrotteter Plymouth Voyager, entpuppte sich als viel zu teuer. So werden Madame Delphine und ich uns einen weiteren Winter mit Hinterradantrieb durchschlagen/-schlittern. Und der Winter ist da! Nach dem ersten, sehr unangenehmen Nassschnee, als der Van verstarb, fielen die Temperaturen, und es gab „richtigen“ Schnee. Im Anmarsch sieht das so aus:

Ungemuetlich! Man denkt an Rilkes Herbstgedicht, gluecklicherweise habe ich ein Heim und ausreichend Holz. Dennoch verlangt solches Wetter relativ hektische Aktivitaeten. Alles, was im Schnee versinken koennte – und das ist je nach Schneemenge viel! – muss noch schnell gesucht und irgendwie gesichert werden, entweder durch Senkrechtstellen oder, indem man es unter ein Dach raeumt. Davon haben wir irgendwie nie genug, Daecher sind im Winter Mangelware. Auch die Gaense wurden, wenn auch nicht hektisch, so doch sehr organisiert und zielstrebig. Die Gruppen wuchsen zu Hunderten und Aberhunderten an. Fuer sowas fahre ich rechts ran, um zu gucken und, vor allem, zu lauschen. Ich liebe Gaenserufen. Diese Gruppe hier wurde begleitet von einem Schwan (GAENSEHAUT!!) und war durchsetzt von einigen Schneegaensen.

Die Ernten waren gut dieses Jahr, und so finden die Gaense auf vielen Feldern noch Reste, die sie sich, genau wie wir, auf die Hueften und an andere sinnvolle Stellen packen. Seit aber vor zwei Tagen etwa der Schnee so richtig begonnen hat, hoere ich keine mehr. Ab nach Sueden!

Nach einer recht langen Phase der Bequemlichkeit und Weicheiigkeit (vornehmlich auf dem Sofa) besinnt Emmi sich auf das, was sie persoenlich am Herbst/Winter liebt und wofuer sie gern Schnee im Pelz in Kauf nimmt: Der von ihr bewachte Schatz ist ein Ziegenkopf. Es gab den unvermeidlichen Schlachttag, diesmal mit einem „richtigen“ Metzger.

Ueblicherweise kaufen die Menschen, die nicht selbst schlachten, und das ist natuerlich die Mehrzahl, ihr Fleisch im Supermarkt. Wo genau das herkommt, weiss ich nicht, will man vielleicht auch nicht wissen, wenn man es sowieso nicht kauft. Es gab kuerzlich wieder einen massiven Lebensmittelskandal, in einem Monster-Schlachtbetrieb im Sueden Albertas. E.coli wurde in Fleisch entdeckt, es gab Krankheitsfaelle, der Betrieb mit 2.200 (!) Mitarbeitern wurde voruebergehend geschlossen. 4700 Kuehe am Tag konnten „durchgeschleust“ werden, und die Produkte wurden ueber das ganze Land und auch in die USA verteilt. Eine Rueckrufaktion umfasste ueber 2000 Fleischprodukte. Die USA ergriffen natuerlich sofort Massnahmen, die Grenze wurde geschlossen, und die Rinderpreise hier in Alberta fielen zu einer kritischen Zeit, wo die Bauern naemlich Kaelber und aussortierte Kuehe verkaufen, drastisch, vor allem fuer die alten Kuehe. Die Beteiligten, naemlich XL-Meats und die Canadian Food Inspection Agency, schienen sich gegenseitig Vorwuerfe zu machen, und die CFIA hat extra eine Seite eingerichtet, auf der ueber den ganzen Skandal behoerdenmaessig berichtet und Fragen beantwortet werden. Natuerlich ist es einfach, der kontrollierenden Behoerde vorzuwerfen, sie haette nicht genug kontrolliert, doch die wirklich Frage scheint mir: Warum kann das ueberhaupt passieren? Und weil ich ein Simpel bin, sage ich mir, dass diese Betriebe einfach viel zu gross sind, um ueberhaupt noch irgendetwas kontrollieren zu koennen. Die Arbeiter sind ueblicherweise eingewandert, mit Arbeitsvisa oder auch Daueraufenthaltsgenehmigung, viele kommen aus afrikanischen Laendern. Ueber die Loehne kann ich nur spekulieren. Und was ist die kanadische Loesung: Der Betrieb wurde aufgekauft, von einem noch groesseren, multinationalen Unternehmen, basiert in Brasilien, doch zustaendig ist nun die USA-Niederlassung. Er laeuft wieder, bisher noch nicht mit voller Nutzung, aber immerhin.

Derweil bei uns: in Valleyview gibt es seit kurzem einen ganz kleinen Fleischverarbeitungsbetrieb, und der Metzger kommt aus der Schweiz. Wir lernten uns auf dem Farmers‘ Market kennen, und weil Hans eine Mobile Schlachterlaubnis hat, konnte er am Freitag kommen und professionell einige Ziegen schlachten, die jetzt im Betrieb zerlegt und teilweise verwurstet werden. Wir sind gespannt. Es wird u.a. Keule nach Art des Buendner Fleisches geben! Alles ohne E.coli, und falls es Probleme gaebe, wuesste ich, wo der Metzger wohnt. Das ist m.E. eine prima Absicherung gegen Schlamperei am Fleisch. Solche Betriebe sind leider selten, weil die Kunden immer Bequemlichkeit, also das beruehmte One-Stop-Shopping, und natuerlich niedrige Preise wollen. Nun, nicht bei uns, und so kann Emmi sich weiterhin ueber ihre Schaetze freuen, und auch die Haeher sind sofort eingeflogen und teilen sich Fettstuecke mit den Meisen.

Und waehrend ich dies schrieb und zwischendurch noch – ein Segen der Technik – lange mit meinem einen Kind telefonierte, ist es hell geworden, und ich kann euch den aktuellen Schneestand zeigen. Mein deutscher Zollstock meldet 28 cm, und dazu zeigt das Thermometer -15 Grad C. Old Man Winter, wie ich sagte…

Der nachbar!

Ich glaube, das ist der nachbar, den ich um luftaufnahmen gebeten hatte 🙂

Sent on the TELUS Mobility network with BlackBerry

Alles zurueck auf Anfang?

Vor ein paar Tagen habe ich meinen voellig ausser Kontrolle geratenen „Gemuese“garten mit der Sense abgemaeht. Ganz schoener Frust! Drei Wochen Norwegen bzw. Deutschland, waehrend hier tropische Wachstumsbedingungen herrschten, haben so gar nicht geholfen. Und statt die paar Erbschen und Boehnchen zu haetscheln, habe ich beschlossen, dass tabula rasa der einzige Ausweg ist und danach eine gepflegte Sommerbrache. Gestern haben Nadja und ich dann versucht, diese Brache zu organisieren. Gar nicht so einfach. Der abgemaehte Dschungel aus Hemp Nettle und Vogelmiere wickelte sich um Nadjas Werkzeuge, ich hatte viel Arbeit, den ganzen Schmodder wieder rauszuporkeln, aber jetzt sieht der Garten so aus. Ernten werden wir wohl nur ein paar Tomaten, etwas merkwuerdigen Gruenkohl, Salat, Sellerie, Petersilie und – hoffentlich – viele Kartoffeln. Ich muss sagen, ich hab mir ein paar Traenchen zerdrueckt, als ich die Markierungsstaebe aus meinen urspruenglich ordentlich angelegten Beeten gezogen habe. So ein Mist!

Neulich hatte ich eine kleine Korrespondenz zum Thema Redundanz, die mir immer noch durch den Kopf geht. Es ging um die Redundanz meiner Ziegenberichte, wo ich doch eigentlich ueber, ja was denn eigentlich, Spannenderes schreiben koennte. Aber in Wirklichkeit ist das mein taegliches Leben. Redundanz. Garten, Ziegen, alltaegliche Tragoedien (das Kueken hat es uebrigens nicht geschafft…) und Frustrationen und kleine Mirakel, Honig und Bienen, Markt, Rednecks und Road Trips. Alles andere waere aufgesetzt, zwar vielleicht gut beobachtet, aber nicht mein Leben. Draussen scharren die beiden Hennen, die sich fuenf Kueken teilen, im Ziegenzaun herum. Fast wie jedes Jahr.

Valleyview am Sonntag

Heute gehe ich einbmal wieder einer „Lieblingsbeschaeftigung“ nach: waschen. Andere Valleyviewer tun das auch. Alle Trockner sind besetzt, dabei ist es draussen bestimmt 25 Grad, die Sonne knallt, und es weht ein schoenes Lueftchen. Aber echte Albertaner halten nichts von Waeschleinen. Gern sitzt man also im laufenden Truck (Klimaanlage!) vor der Waescherei und wartet und wartet und wartet. Ich brauche den Trockner nur, um die Milliausen Hundehaare von der Bettwaesche zu trennen…

Eine andere Sonntagsbeschaeftigung, die ich heute sah: auf dem alten Co-Op-Parkplatz stand einer dieser Monsterpferdeanhaenger, daneben ein Wagen, wie ich ihn genauso von meinen Hufschmieden in Deutschland kenne. Da traf man sich also vielleicht auf halber Strecke, um ein Pferd zu beschlagen. Sehr netter, sehr junger Hufschmied, der den in unserer Gegend seltenen Heissbeschlag praktizierte („Ich bin nicht so’n starker Kerl, da ist das einfacher fuer mich.“)

Sent on the TELUS Mobility network with BlackBerry

Zusammenfassung Mai 2012

Draussen regnet es wie doof, ich hatte schon einen schoenen Beitrag geschrieben, aber dann hab ich ihn versehentlich verschwinden lassen. Wie ich das hasse! Aber vielleicht ist das symptomatisch, im Rueckblick, fuer den Mai. Und den April. Und den Maerz. Besuch hueben, Besuch drueben, oder hier und da – jedenfalls Besuch. Lange. Jetzt bin ich erschoepft. Aber ich gebe euch Bilder. Zum Beispiel von unserer (Schwiemu’s und meiner) Wohnwagentour nach Edmonton. Chris und David haben so ein Monster-Wohnwagen-Teil, 15 Meter lang, mit Truck 20 Meter. Esszimmer, Schlafzimmer und Kueche werden seitlich ausgefahren. Die Doppelmatratzen im Hinterteil, das auch als Garage fuer das Luxusquad genutzt wird, haengen an Ketten und werden elektrisch rauf und runter gefahren. Es gibt ein Gaesteklo. Die Campingplaetze, die man mit solchen Gefaehrten ansteuert, sind Staedte mit allen Annehmlichkeiten. Frischwasser, Abwasseranschluss, Strom und der Rasen vorm Haus werden geliefert. Ebenso Unmengen von Nachbarn. Es gibt hier Menschen, die gar kein Haus mehr haben, sondern nur neo-nomadisch durch die (nordamerikanische) Welt reisen. Es war ein Erlebnis. Wiederholen muss ich es nicht. Das schoenste war fuer mich der Besuch der Art Gallery in Edmonton.

Das Maiwetter war mal so, mal so, meist schoen. So wurden meine Geburtstagskinder in die Sonne geboren.

Fuer Samstag hatte ich kuehn eine Feier geplant und Menschen eingeladen. Morgens sah es dann so aus, und das gab meiner Stimmung und Motivation den Rest. Gut, dass es Telefon und SMS gibt, so konnte ich kurz entschlossen alles absagen. War bestimmt auch besser so.

Beim sonntaeglichen Spaziergang zum Biberteich praesentierten sich Wetter und Landschaft aber schon wieder so.

Bei so schoenem Wetter machten sich der Chef und die Schwiemu dann am 25. oder so wieder auf den Weg nach Calgary, durch die Berge.Und Lili liess sich von einem Huhn die auf ihren Ruecken gefallenen Futterkoernchen abpicken. Da wuerde ich glaube ich auch stillhalten 🙂

Die Bauern waren bei diesem Wetter natuerlich alle hektisch bei der Arbeit. In unserer relativen Nachbarschaft ist viel Land an grosse Getreidebauern aus den noerdlicheren Gemeinden verkauft. Und so wird kahlgeschlagen und dann mit Riesenmaschinen gearbeitet. Ich sah z.b. dieses Aussaat-Geraet: Schlepper (acht Raeder, natuerlich) – Saatgutbehaelter – pneumatisches Saegeraet – pneumatisches Saegeraet – Saatgutbehaelter. Einen ziemlich grossen Wendekreis hatte das Ding. Zum Bild gehoeren dann natuerlich auch Tieflader, die den ganzen Krams zum Feld transportieren, ausserdem Trucks mit Tanks hintendrauf und Trucks, die die Fahrer transportieren. Hier wird nicht gekleckert!

Indessen geht es bei uns langsam und kleinformatiger weiter. Die Ziegen haben sich – nicht so magisch – von sieben nach der Herdenreduktion letztes Jahr wieder auf 24 vermehrt, und es sind noch mehr im Anmarsch. Ehe-erschwerend, sag ich nur… Aber mein Herz huepft trotzdem, und zwar auf nette Weise, wenn ich sie sehe. Weil mein Garten letztes Jahr so ein Desaster war und ich dieses Jahr nicht sehen konnte, wie ich das Desaster mit meiner Muskelkraft in den Griff bekommen koennte, habe ich mir, waehrend Gatte und Schwiemu im Gebirge waren, kurz entschlossen eine Fraese gekauft. Fraesen heissen hier Tiller. Und so gibt es jetzt Nadja, und einen Garten nach Nadja-Einsatz. Ich bin begeistert! Und dann war am Sonntag noch Walter hier, und Walter und Nadja im Team sind immer noch Klasse! Er half mir, den Garten wieder ziegensicher und wahrscheinlich auch huehnerfest einzuzaeunen. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Parallel zu meiner Nadja-Erwerbung hatte sich der Chef ebenso still und heimlich einen Traktor gekauft, der gestern angeliefert wurde. Baujahr 1953! Mal schauen, wie das so wird.

Neun PS uebrigens, die Nadja. Auch hier wird nicht gekleckert!

Zum Abschluss noch ein paar „Kopfstudien“, mit mehr oder weniger Nase…

Zehn Tage im April

Waehrend die Schwiemu und der Herr Chef im stroemenden Regen (!), gestaerkt durch nicht unerhebliche Portionen Reibekuchen, unterwegs sind, um die zweite (!) Wildkamera zu installieren, nutze ich die Zeit, um euch anhand von ein paar Bildchen zu zeigen, wie Fruehling in Alberta aussehen kann. Wie gut, dass ich heute den Regenmesser aufgehaengt habe! Aber auch wenn die nachfolgenden Fotos nicht fuer jedermann schoenes Wetter signalisieren, moechte ich an dieser Stelle anmerken, dass in der Tat der Himmel meist blau ist und wir ausserdem und zu meiner grossen und staendigen Freude Unmengen Strom produzieren! Es ist ein Vergnuegen, manchmal einfach ein Licht unnoetig lange brennen zu lassen – man weiss kaum, wohin mit dem Zeug! Ich ueberlege an einer Kuechenmaschine, einem Fernseher (gross und flach, haha), mehr Lampen… Mixer? Puerierstab? Mmmmmh – morgen fahren wir nach Grande Prairie…

Wer braucht schon einen Sommer,

… wenn der Winter so ist?

Biberteich Nummer 1

Als ich das letzte Mal schrieb, war es kalt. Und zwar dann doch so kalt, dass ich das kleine Haeuschen verlassen musste, sehr schweren Herzens. Und jetzt bin ich eben schon ungefaehr vier Wochen wieder im „alten“ Haus. Immer noch sind nicht alle Rubbermaid-Kisten ausgepackt! Fuerchterlich, wie schnell sich etwas ansammelt bzw. wie schnell Dinge ihren Platz verlieren. Ploetzlich scheint es, als ob der Kisteninhalt nie hier ins Haus gepasst haette. Und ausserdem rueckte ja der erste Markt des Jahres mit Riesenschritten heran, und das hat mich ziemlich nervoes gemacht. Nach dem Markt gab es naemlich die Jahreshauptversammlung, die erste dieser Art ueberhaupt fuer unseren Markt, und irgendwie bin ich schuld, weil ich mir die Satzung genau durchgelesen, aber vielleicht nicht ganz richtig verstanden und daraufhin so einige Aenderungen angeleiert habe. Bin ich aber nicht traurig wegen, ich glaube, das wird gut!

Zudem hat der Chef einen Aktivitaetsschub. Und so wurde die Oeffnung ueberm Esstisch, die seit zweieinhalb Jahren „provisorisch“ abgedeckt war, von ihren Sperrholzplatten befreit, und wir haben nun ueber dem Tisch das, was man hier eine „cathedral ceiling“ nennt, will sagen, der Raum ist bis unter’s Dach auf! Ein ganz neues Gefuehl. Eigentlich wollte ich eine permanente Abdeckung, damit ich dort Kleiderregale aufstellen koennte, und der Chef hatte nur zoegernd zugestimmt. Als er aber dann die ersten Platten abmontiert hatte, gefiel mir das Offene so gut, dass ich kurzerhand meine Meinung und meinen Antrag geaendert habe. Heute wurden Bretter und Bauholz gehobelt: es wird an den beiden Seiten der Oeffnung Regalwaende geben – irgendwo muss der Kram ja hin.

Kalt ist es inzwischen ueberhaupt nicht mehr, heute abend z.b. nur noch plus 1 Grad, und heute morgen nur minus 4, kein Wunder, dass mir immer warm ist. Vorige Woche Sonntag waren wir mit Jim und den dicken Damen unterwegs zum See. Katrin, Juri und Walter waren auch mit, dazu ein Paar aus der Naehe mit Sohn. Auch da war das Wetter wunderschoen (Fotos leider wieder nur mit Handy, und meines kann einfach keine so schoenen, oder es liegt an mir – wer weiss?). Wir haben ein Feuerchen am Seeufer gemacht und Wuerstchen gebraten und Gluehwein getrunken, Kakao fuer die Kleinen… Jim hat ja eine ganze Menge Land, etwa 14 oder 17 Quarter Sections, so genau weiss ich das nicht (zur Erinnerung nochmal: eine Quarter Section = 800 x 800 m, = etwa 64 Hektar). So brauchten wir fuer die schoene Fahrt sein Land gar nicht zu verlassen. Und so ein eigenes Stueck Seeufer ist schon was Schickes, muss ich sagen.

Gereon und ich waren an einem anderen schoenen Tag statt mit den Hunden mal mit Lulu, dem grosshoernigen Ziegenwallach unterwegs. Ich wusste zwar, dass er gut an der Leine geht, aber so ein angenehmes Begleittier hatte ich nicht erwartet. Besser als die Hunde, niemals wollte er sich verheddern oder auf der anderen Seite des Baumes her. Mit der Nase praktisch immer an meiner Hosentasche, die die Leckerlis enthielt, marschierte er ohne zu zoegern wie magnetisiert hinter mir her. Netter Kerl! Seinen schwarzweissen Halbbruder, der zunehmend granteliger wurde, hat dagegen ein ganz anderes, sehr endgueltiges Schicksal ereilt. Nuetzt ja nix. Grantler brauchen wir hier nicht. Aber die Netten kriegen von mir Leckerchen!

Und weil immer noch Winter ist und die Baeren gefaelligst noch schlafen, geh ich auch oefter allein mit den Hunden zum ersten Biberteich, als erstes oben im Bild. Das ist eine schoene Runde, die man im Sommer, wenn der Teich fluessig ist, nicht gehen kann. In der Naehe der Biberburg liegt ein umgefallener Baum, da sitze ich dann in der Sonne und geniesse das Leben, waehrend der kleine Hund wichtig ist und Emmi die Umgebung scannt. Und dann denke ich wirklich immer wieder, dass der Winter hier, auch wenn er kaelter ist als im Moment, so schoen ist, dass mir der Sommer kaum lieber ist, ausser fuer’s Gemuese…

Zwei Damen im Schnee, da war's kalt!

Die Damen auf dem Parkplatz am See

Picknick

Chef mit Lieblings-Lulu

Der Lieblingslulu

Und dann entdeckte ich heute bei den Recyclingcontainern diesen Karton. Quintessential Alberta! Bin mal gespannt, ob ich erfahre, wer von den Nachbarn das Ding gekauft hat. Wenn jemand von euch mal ein Kalb auf der Anhaengerkupplung transportieren moechte – sagt Bescheid, ich kann das Geraet  mitbringen! Vielleicht gibt’s die auch zwei- bzw. dreiarmig fuer Schaf- oder Ziegenhalter…

So transportieren wir hier Kaelber - manchmal...

klapperbibberzitter…

Ob das nu noetich waere?

Ich meine nicht. Aber mich fragt ja niemand. Anscheinend  kann der Wetterbericht bei derartig haesslichen Kaeltegraden uns noch  nicht einmal ein huebsches Wettersymbol zeigen. Es soll aber laut einem anderen Wetterbericht durchwachsen sein, teilweise wolkig oder so. Und so sitze ich im kleinen gelben Haus und klappere. Denn heute habe ich – nach einer ziemlich kalten Nacht, trotz Zora unter der Decke – festgestellt, dass die Einzelteile des Hauses, das ja aus einem langen Rechteck mit angefuegten kleinen Rechtecken besteht, wirklich  nicht so ganz zusammengeschoben sind, d.h. es gibt gut daumenbreite Ritzen, und durch diese kommt ein Minusgrad nach dem anderen hereingezogen. Jetzt habe ich ganze Alpakas in die Ritzen gestopft, soweit ich sie erreichen konnte (die Ritzen, nicht die Alpakas), aber eine Tuere schliesst auch nicht so ganz dicht. Und am ebenfalls aufgehaengten, ziemlich geblaehten Vorhang kann ich erkennen, dass aus dem „Flur“ immer noch jede Menge kalte Luft hereinkommt. Schade, schade, schade! Wenn sich das nicht gleich ziemlich aendert, werde ich wohl alles Frostgefaehrdete einpacken, u.a. diesen Rechner, und fuer ein paar Naechte wieder nach Norden ziehen.

Doch eigentlich darf ich nicht quengeln, bis jetzt hatten wir einen (viel zu) milden und schneearmen Winter. Das Kuehefuettern war der reinste Spass, und inzwischen bin ich befoerdert worden. Ich fahre nunmehr einen John Deere 7510. Ich weiss nicht, wie sich der im Vergleich so darstellt, aber mir kommt er schon ganz schoen gross vor. 16 Gaenge, und dann ja noch Schildkroete bis Hase – und vorwaerts und rueckwaerts. Wenn ich 4-4 fahren will, dann muss ich schon freies Feld haben, sonst trau ich mich nicht. Und das Ding hat statt zwei Zinken diesen Grapple, fuer den mir noch immer niemand das deutsche Wort gesagt hat – Herr Lieblingsnachbar, bitte sehr!! Die Befoerderung auf das groessere Geraet erfolgte versehentlich, weil der Bauer vergessen hatte, mir den Schluessel fuer den „Kleinen“ dazulassen. Die Einweisung erhielt ich – passend zur modernen Technik – mit zwei SMS, die eigentlich nur sagten: wenn du dich traust, dann mal los! Na, das hab ich mir nicht zweimal schreiben lassen. Dieses Grapple-Ding bedarf allerdings einiger feinmotorische Koordination, und da musste ich doch ganz schoen ueberlegen, welchen Knopf ich wann druecke und in welche Richtung ich den Joystick bewege, damit ich den Kuehen nicht versehentlich die Ballen auf den Kopf regne. Wenn der Bauer selbst faehrt, ist das Ganze sehr fluessig und zuegig, bei mir eher ruckelig und lahm – aber alle werden trotzdem satt.

Der Kleine

Der Grosse

Ordentlich eingeworfen!

Leider ist der Bauer ganz viel zuhause, so dass ich nicht so oft in den Genuss komme. Weil er aber so oft zuhause ist, hatte er neulich auch Zeit, die Dicken vom Feld zu holen und anzuspannen. Das war ein Spass! Die beiden Damen, Belgierinnen namens Jill und Judy, waren ein Jahr lang praktisch nicht angefasst worden, und am Anfang, in der Scheune, zeigten sie sich ein bisschen hibbelig, so dass ich uns schon mit dem Schlitten hinter durchgehenden Pferden herfliegen sah. Der Bauer sah das nicht. Gereon war auch mit von der Partie, und trotz Hinfahrt zum See bei Gegenwind und eisiger Kaelte hatten wir Spass, und ich war aeusserst beeindruckt von der Feinfuehligkeit und dem Gehorsam der wuchtigen Damen. Die Fotos heute sind alle mit dem Handy geschossen, daher qualitativ nicht dolle, aber ich wollte euch das nicht vorenthalten. Wie im Film war’s, nickende Koepfe, klingelnde Gloeckchen, Dampfwolken aus Pferdenuestern, Knirschen von Hufen und Kufen, kitschiger Himmel – ziemlich wunderbar! Da muss man sich die steifgefrorenen Lippen einfach mal wegdenken…

die dicke Judy

Jill, Judy, Jim und Gereon (v.l.n.r.)

Nach einigem Hin und Her (der Chef war eher dagegen) habe ich dann kurzentschlossen vor Neujahr noch ein Auto gekauft! Nicht neu, aber mit sehr wenigen Kilometern, weiss (!!!), Pickup, schicke Box mit einem so genannten Canopy (nennt man das Hardtop?), der Vorbesitzer hat eine hoelzerne Box eingebaut, und die Ladeflaeche ist so lang, dass ich darin schlafen koennte. Die Fenster im Canopy haben Moskitonetze! Die Sparsamkeit laesst ziemlich zu wuenschen uebrig, aber weniger als der dicke dunkelrote Chevy trinkt der kleine Ford Ranger allemal. Und er war so sauber und ordentlich. Das laesst natuerlich schon langsam nach. Katrin und ich haben ihn „Madame Delphine“ getauft. Fuer Freunde „Madame“. Es ist ein ungewohntes und ziemlich wundersames Gefuehl fuer mich, in ein Auto zu steigen, in dem (fast) alles funktioniert (Scheibenwischer klemmt manchmal). Vor allem die Heizung ist ausgezeichnet und schnell. Und ’nen CD-Spieler hab ich nun auch. Purer Luxus! Preislich war das Ding anscheinend geschenkt. Hinten auf dem Canopy steht „Joycraft“! Hihi!

Madame Delphine

Seit Silvester oder kurz nachher hatten wir Glatteis von der feinsten Sorte. Madame streikt dann gern und stellt sich quer. Ich konnte (und kann) mich auf ebener Flaeche festfahren, das muss mir erstmal jemand nachmachen. Um das nicht zu haeufig tun zu muessen, habe ich mir heute bei Karla drei schwere Gehwegplatten eingeladen. Da koennen die Hunde immer noch drauf sitzen, und das Gewicht hilft.

Du meine Guete, um mich herum knistert und knackt es, das muss die Kaelte sein. Da ist frau ja dankbar fuer menopausale Hitzewellen! 😉

Draussen muhen die Kuehe ganz dolle. Heute war eigentlich ein trauriger Tag. Man mag mich unrealistisch nennen oder romantisch, aber heute wurden die Kaelber aussortiert, in zwei riesige Viehtransporter geladen und in solche widerlichen Maestereien transportiert, wo sie bis an den Bauch im Mist stehen und sich kaum bewegen koennen, aber alles natuerlich draussen, und das finde ich nach wie vor scheusslich und unanstaendig. 140 Kaelber, 10 Kuehe und zwei unflaetige Bullen auf dem Highway, und das bei diesen Temperaturen in einem Transporter, der an den Seiten gelocht ist. Ich mag nicht drueber nachdenken, was es da an Verlusten geben kann und wie es fuer die armen Viecher weitergeht. Morgen beim Fuettern muss ich dann gut aufpassen, dass mir die verwirrten Muetter nicht auf der Suche nach ihren Kindern durch’s Tor flitschen.

Und schliesslich: Flug ist gebucht, ich reise am 4. Maerz an und am 13. April wieder ab. Vielleicht sieht man sich 🙂

Gerade gucke ich nochmal nach dem Wetter: inzwischen ist es -30. Und fuer Mittwoch ein HOCH von -30. Auweiah! Immerhin scheint mein Alpaka in den Ritzen hier seine Arbeit zu tun, es ist ausreichend warm. Und die gute Emmi waermt schon mal das Bett vor.