Archiv der Kategorie: Ziegen

Neuer Verpaechter!

Oder auch: Nicht das Jahr der Ziege!

IMG-20130803-00868Nachdem wir ja schon Euterverletzungen, einen Beinbruch, eine Blutung, einen Abszess etc.pp. hatten und ich sowieso im Ziegen-Abschaff-Modus bin, seht ihr hier den Chef, umgeben von den kleinen Katzen, wie er die groesste der Kleinkatzen beobachtet. Bild unscharf und verwackelt, weil ich das alles ganz schoen aufregend fand.

Heute war Kathrin hier, und wir hatten einen schoenen kleinen Spaziergang gemacht, dann wurschtelte der Chef draussen an der Wachsschmelze rum, ich spuelte drinnen, und die Ziegen frassen draussen. Irgendwann sah ich sie alle zusammen vorm Haus stehen und Richtung Osten gucken und dachte noch, es gibt wieder ein Grillfeuer oder irgendetwas aufregendes. Als ich rausging, guckten sie immer noch, und als ich in dieselbe Richtung blickte, entdeckte ich eine Ziege, die offensichtlich am Waldrand im Zaun hing und (vermeintlich) strampelte. Wir rasten los, Gereon schneller als ich, und als er fast bei der Ziege war, da sah ich ganz kurz nur ungefaehr sowas bei der Ziege:

cougarQuelle

Wir sind schnell zurueck zum Haus, weil der Ziege sowieso nicht  mehr zu helfen war. (Sie strampelte nicht, sie war bereits mausetot, dies zur Beruhigung der Gemueter, was wir sahen, war der Versuch, sie durch den Zaun zu ziehen.) Eine Kopfzaehlung ergab, dass nicht nur eine, sondern zwei Ziegen fehlten. Und wir hatten nichts gemerkt! Natuerlich sind jetzt alle Ziegen und Schweine eingesperrt, und wir hoffen, dass der Puma sich nicht an einem Lama vergreifen will.

Es dauerte nicht lange, da entdeckten wir das Tier wieder in der Naehe der Ziege. Fernglas und Hocker schnell auf den Balkon geschafft, und dann haben wir den Krimi weiterverfolgt. Der Puma bewegte sich wirklich sehr katzenartig durch den dichten Wald, um die schon recht sperrig gewordene Ziege, Tinki, abzuholen. Das ging allerdings nicht ohne viel Aestegekrache. Bei dem Gedanken, dass wir nur wenige Stunden vorher an genau der Stelle vorbeigegangen und noch mit Schwein Lili geredet hatten, und dass wahrscheinlich erst zwei Stunden vorher ich aus dem Fenster die Ziegen beim Fressen beobachtet hatte, wird mir schon ein bisschen schwummrig.

Waehrend wir den Puma bei der Ziege beobachteten, fing Emmi an zu bellen, und man konnte an seinem Verhalten sehen, dass er sich nicht bedroht fuehlte. Natuerlich muessen wir annehmen, dass er heute bzw. gestern oder vorgestern, als er sich das erste Zicklein, ebenfalls ohne grosses Geschrei und Tumult holte, nicht zum ersten Mal hier war.

Schoenes Wetter – haha…

IMG-20130701-00803Sowas macht mir schlechte Laune! Es ist gerade 12 Uhr vorbei, und die Temperaturen auf der Westseite werden natuerlich wieder mindestens so weit steigen wie gestern, wo sie auf diesen haesslichen 40 standen. Trotz dieser Sonne haben wir nicht genuegend Strom, weil die Tiefkuehltruhe(n) permanent laufen muessen.

IMG-20130701-00804Alle haengen nur schlaff herum – bis auf die Moskitos, denen die Hitze so gar nichts ausmacht, zumal ueberall noch ausreichend Wasser steht.

On the Plus-Side: „Unsere“ Elche haben wieder Kinder, genau wie im vorigen Jahr einmal Zwillinge und einmal ein Einzelkind.

M2E77L219-219R385B330 M2E77L219-219R385B330Und die Herren der Elchschoepfung sind dabei, sich merkwuerdige Gebilde auf den Koepfen wachsen zu lassen.

M2E91L238-239R379B320Was ist das bloss mit diesem kleinen Kasten?

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Old Man Winter

So, der Van ist fast fertig betrauert. Ein anderer, juengerer mir angebotener Mini-Van, so wie mein geliebter, aber auch verschrotteter Plymouth Voyager, entpuppte sich als viel zu teuer. So werden Madame Delphine und ich uns einen weiteren Winter mit Hinterradantrieb durchschlagen/-schlittern. Und der Winter ist da! Nach dem ersten, sehr unangenehmen Nassschnee, als der Van verstarb, fielen die Temperaturen, und es gab „richtigen“ Schnee. Im Anmarsch sieht das so aus:

Ungemuetlich! Man denkt an Rilkes Herbstgedicht, gluecklicherweise habe ich ein Heim und ausreichend Holz. Dennoch verlangt solches Wetter relativ hektische Aktivitaeten. Alles, was im Schnee versinken koennte – und das ist je nach Schneemenge viel! – muss noch schnell gesucht und irgendwie gesichert werden, entweder durch Senkrechtstellen oder, indem man es unter ein Dach raeumt. Davon haben wir irgendwie nie genug, Daecher sind im Winter Mangelware. Auch die Gaense wurden, wenn auch nicht hektisch, so doch sehr organisiert und zielstrebig. Die Gruppen wuchsen zu Hunderten und Aberhunderten an. Fuer sowas fahre ich rechts ran, um zu gucken und, vor allem, zu lauschen. Ich liebe Gaenserufen. Diese Gruppe hier wurde begleitet von einem Schwan (GAENSEHAUT!!) und war durchsetzt von einigen Schneegaensen.

Die Ernten waren gut dieses Jahr, und so finden die Gaense auf vielen Feldern noch Reste, die sie sich, genau wie wir, auf die Hueften und an andere sinnvolle Stellen packen. Seit aber vor zwei Tagen etwa der Schnee so richtig begonnen hat, hoere ich keine mehr. Ab nach Sueden!

Nach einer recht langen Phase der Bequemlichkeit und Weicheiigkeit (vornehmlich auf dem Sofa) besinnt Emmi sich auf das, was sie persoenlich am Herbst/Winter liebt und wofuer sie gern Schnee im Pelz in Kauf nimmt: Der von ihr bewachte Schatz ist ein Ziegenkopf. Es gab den unvermeidlichen Schlachttag, diesmal mit einem „richtigen“ Metzger.

Ueblicherweise kaufen die Menschen, die nicht selbst schlachten, und das ist natuerlich die Mehrzahl, ihr Fleisch im Supermarkt. Wo genau das herkommt, weiss ich nicht, will man vielleicht auch nicht wissen, wenn man es sowieso nicht kauft. Es gab kuerzlich wieder einen massiven Lebensmittelskandal, in einem Monster-Schlachtbetrieb im Sueden Albertas. E.coli wurde in Fleisch entdeckt, es gab Krankheitsfaelle, der Betrieb mit 2.200 (!) Mitarbeitern wurde voruebergehend geschlossen. 4700 Kuehe am Tag konnten „durchgeschleust“ werden, und die Produkte wurden ueber das ganze Land und auch in die USA verteilt. Eine Rueckrufaktion umfasste ueber 2000 Fleischprodukte. Die USA ergriffen natuerlich sofort Massnahmen, die Grenze wurde geschlossen, und die Rinderpreise hier in Alberta fielen zu einer kritischen Zeit, wo die Bauern naemlich Kaelber und aussortierte Kuehe verkaufen, drastisch, vor allem fuer die alten Kuehe. Die Beteiligten, naemlich XL-Meats und die Canadian Food Inspection Agency, schienen sich gegenseitig Vorwuerfe zu machen, und die CFIA hat extra eine Seite eingerichtet, auf der ueber den ganzen Skandal behoerdenmaessig berichtet und Fragen beantwortet werden. Natuerlich ist es einfach, der kontrollierenden Behoerde vorzuwerfen, sie haette nicht genug kontrolliert, doch die wirklich Frage scheint mir: Warum kann das ueberhaupt passieren? Und weil ich ein Simpel bin, sage ich mir, dass diese Betriebe einfach viel zu gross sind, um ueberhaupt noch irgendetwas kontrollieren zu koennen. Die Arbeiter sind ueblicherweise eingewandert, mit Arbeitsvisa oder auch Daueraufenthaltsgenehmigung, viele kommen aus afrikanischen Laendern. Ueber die Loehne kann ich nur spekulieren. Und was ist die kanadische Loesung: Der Betrieb wurde aufgekauft, von einem noch groesseren, multinationalen Unternehmen, basiert in Brasilien, doch zustaendig ist nun die USA-Niederlassung. Er laeuft wieder, bisher noch nicht mit voller Nutzung, aber immerhin.

Derweil bei uns: in Valleyview gibt es seit kurzem einen ganz kleinen Fleischverarbeitungsbetrieb, und der Metzger kommt aus der Schweiz. Wir lernten uns auf dem Farmers‘ Market kennen, und weil Hans eine Mobile Schlachterlaubnis hat, konnte er am Freitag kommen und professionell einige Ziegen schlachten, die jetzt im Betrieb zerlegt und teilweise verwurstet werden. Wir sind gespannt. Es wird u.a. Keule nach Art des Buendner Fleisches geben! Alles ohne E.coli, und falls es Probleme gaebe, wuesste ich, wo der Metzger wohnt. Das ist m.E. eine prima Absicherung gegen Schlamperei am Fleisch. Solche Betriebe sind leider selten, weil die Kunden immer Bequemlichkeit, also das beruehmte One-Stop-Shopping, und natuerlich niedrige Preise wollen. Nun, nicht bei uns, und so kann Emmi sich weiterhin ueber ihre Schaetze freuen, und auch die Haeher sind sofort eingeflogen und teilen sich Fettstuecke mit den Meisen.

Und waehrend ich dies schrieb und zwischendurch noch – ein Segen der Technik – lange mit meinem einen Kind telefonierte, ist es hell geworden, und ich kann euch den aktuellen Schneestand zeigen. Mein deutscher Zollstock meldet 28 cm, und dazu zeigt das Thermometer -15 Grad C. Old Man Winter, wie ich sagte…

Zusammenfassung Mai 2012

Draussen regnet es wie doof, ich hatte schon einen schoenen Beitrag geschrieben, aber dann hab ich ihn versehentlich verschwinden lassen. Wie ich das hasse! Aber vielleicht ist das symptomatisch, im Rueckblick, fuer den Mai. Und den April. Und den Maerz. Besuch hueben, Besuch drueben, oder hier und da – jedenfalls Besuch. Lange. Jetzt bin ich erschoepft. Aber ich gebe euch Bilder. Zum Beispiel von unserer (Schwiemu’s und meiner) Wohnwagentour nach Edmonton. Chris und David haben so ein Monster-Wohnwagen-Teil, 15 Meter lang, mit Truck 20 Meter. Esszimmer, Schlafzimmer und Kueche werden seitlich ausgefahren. Die Doppelmatratzen im Hinterteil, das auch als Garage fuer das Luxusquad genutzt wird, haengen an Ketten und werden elektrisch rauf und runter gefahren. Es gibt ein Gaesteklo. Die Campingplaetze, die man mit solchen Gefaehrten ansteuert, sind Staedte mit allen Annehmlichkeiten. Frischwasser, Abwasseranschluss, Strom und der Rasen vorm Haus werden geliefert. Ebenso Unmengen von Nachbarn. Es gibt hier Menschen, die gar kein Haus mehr haben, sondern nur neo-nomadisch durch die (nordamerikanische) Welt reisen. Es war ein Erlebnis. Wiederholen muss ich es nicht. Das schoenste war fuer mich der Besuch der Art Gallery in Edmonton.

Das Maiwetter war mal so, mal so, meist schoen. So wurden meine Geburtstagskinder in die Sonne geboren.

Fuer Samstag hatte ich kuehn eine Feier geplant und Menschen eingeladen. Morgens sah es dann so aus, und das gab meiner Stimmung und Motivation den Rest. Gut, dass es Telefon und SMS gibt, so konnte ich kurz entschlossen alles absagen. War bestimmt auch besser so.

Beim sonntaeglichen Spaziergang zum Biberteich praesentierten sich Wetter und Landschaft aber schon wieder so.

Bei so schoenem Wetter machten sich der Chef und die Schwiemu dann am 25. oder so wieder auf den Weg nach Calgary, durch die Berge.Und Lili liess sich von einem Huhn die auf ihren Ruecken gefallenen Futterkoernchen abpicken. Da wuerde ich glaube ich auch stillhalten 🙂

Die Bauern waren bei diesem Wetter natuerlich alle hektisch bei der Arbeit. In unserer relativen Nachbarschaft ist viel Land an grosse Getreidebauern aus den noerdlicheren Gemeinden verkauft. Und so wird kahlgeschlagen und dann mit Riesenmaschinen gearbeitet. Ich sah z.b. dieses Aussaat-Geraet: Schlepper (acht Raeder, natuerlich) – Saatgutbehaelter – pneumatisches Saegeraet – pneumatisches Saegeraet – Saatgutbehaelter. Einen ziemlich grossen Wendekreis hatte das Ding. Zum Bild gehoeren dann natuerlich auch Tieflader, die den ganzen Krams zum Feld transportieren, ausserdem Trucks mit Tanks hintendrauf und Trucks, die die Fahrer transportieren. Hier wird nicht gekleckert!

Indessen geht es bei uns langsam und kleinformatiger weiter. Die Ziegen haben sich – nicht so magisch – von sieben nach der Herdenreduktion letztes Jahr wieder auf 24 vermehrt, und es sind noch mehr im Anmarsch. Ehe-erschwerend, sag ich nur… Aber mein Herz huepft trotzdem, und zwar auf nette Weise, wenn ich sie sehe. Weil mein Garten letztes Jahr so ein Desaster war und ich dieses Jahr nicht sehen konnte, wie ich das Desaster mit meiner Muskelkraft in den Griff bekommen koennte, habe ich mir, waehrend Gatte und Schwiemu im Gebirge waren, kurz entschlossen eine Fraese gekauft. Fraesen heissen hier Tiller. Und so gibt es jetzt Nadja, und einen Garten nach Nadja-Einsatz. Ich bin begeistert! Und dann war am Sonntag noch Walter hier, und Walter und Nadja im Team sind immer noch Klasse! Er half mir, den Garten wieder ziegensicher und wahrscheinlich auch huehnerfest einzuzaeunen. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Parallel zu meiner Nadja-Erwerbung hatte sich der Chef ebenso still und heimlich einen Traktor gekauft, der gestern angeliefert wurde. Baujahr 1953! Mal schauen, wie das so wird.

Neun PS uebrigens, die Nadja. Auch hier wird nicht gekleckert!

Zum Abschluss noch ein paar „Kopfstudien“, mit mehr oder weniger Nase…

Wer braucht schon einen Sommer,

… wenn der Winter so ist?

Biberteich Nummer 1

Als ich das letzte Mal schrieb, war es kalt. Und zwar dann doch so kalt, dass ich das kleine Haeuschen verlassen musste, sehr schweren Herzens. Und jetzt bin ich eben schon ungefaehr vier Wochen wieder im „alten“ Haus. Immer noch sind nicht alle Rubbermaid-Kisten ausgepackt! Fuerchterlich, wie schnell sich etwas ansammelt bzw. wie schnell Dinge ihren Platz verlieren. Ploetzlich scheint es, als ob der Kisteninhalt nie hier ins Haus gepasst haette. Und ausserdem rueckte ja der erste Markt des Jahres mit Riesenschritten heran, und das hat mich ziemlich nervoes gemacht. Nach dem Markt gab es naemlich die Jahreshauptversammlung, die erste dieser Art ueberhaupt fuer unseren Markt, und irgendwie bin ich schuld, weil ich mir die Satzung genau durchgelesen, aber vielleicht nicht ganz richtig verstanden und daraufhin so einige Aenderungen angeleiert habe. Bin ich aber nicht traurig wegen, ich glaube, das wird gut!

Zudem hat der Chef einen Aktivitaetsschub. Und so wurde die Oeffnung ueberm Esstisch, die seit zweieinhalb Jahren „provisorisch“ abgedeckt war, von ihren Sperrholzplatten befreit, und wir haben nun ueber dem Tisch das, was man hier eine „cathedral ceiling“ nennt, will sagen, der Raum ist bis unter’s Dach auf! Ein ganz neues Gefuehl. Eigentlich wollte ich eine permanente Abdeckung, damit ich dort Kleiderregale aufstellen koennte, und der Chef hatte nur zoegernd zugestimmt. Als er aber dann die ersten Platten abmontiert hatte, gefiel mir das Offene so gut, dass ich kurzerhand meine Meinung und meinen Antrag geaendert habe. Heute wurden Bretter und Bauholz gehobelt: es wird an den beiden Seiten der Oeffnung Regalwaende geben – irgendwo muss der Kram ja hin.

Kalt ist es inzwischen ueberhaupt nicht mehr, heute abend z.b. nur noch plus 1 Grad, und heute morgen nur minus 4, kein Wunder, dass mir immer warm ist. Vorige Woche Sonntag waren wir mit Jim und den dicken Damen unterwegs zum See. Katrin, Juri und Walter waren auch mit, dazu ein Paar aus der Naehe mit Sohn. Auch da war das Wetter wunderschoen (Fotos leider wieder nur mit Handy, und meines kann einfach keine so schoenen, oder es liegt an mir – wer weiss?). Wir haben ein Feuerchen am Seeufer gemacht und Wuerstchen gebraten und Gluehwein getrunken, Kakao fuer die Kleinen… Jim hat ja eine ganze Menge Land, etwa 14 oder 17 Quarter Sections, so genau weiss ich das nicht (zur Erinnerung nochmal: eine Quarter Section = 800 x 800 m, = etwa 64 Hektar). So brauchten wir fuer die schoene Fahrt sein Land gar nicht zu verlassen. Und so ein eigenes Stueck Seeufer ist schon was Schickes, muss ich sagen.

Gereon und ich waren an einem anderen schoenen Tag statt mit den Hunden mal mit Lulu, dem grosshoernigen Ziegenwallach unterwegs. Ich wusste zwar, dass er gut an der Leine geht, aber so ein angenehmes Begleittier hatte ich nicht erwartet. Besser als die Hunde, niemals wollte er sich verheddern oder auf der anderen Seite des Baumes her. Mit der Nase praktisch immer an meiner Hosentasche, die die Leckerlis enthielt, marschierte er ohne zu zoegern wie magnetisiert hinter mir her. Netter Kerl! Seinen schwarzweissen Halbbruder, der zunehmend granteliger wurde, hat dagegen ein ganz anderes, sehr endgueltiges Schicksal ereilt. Nuetzt ja nix. Grantler brauchen wir hier nicht. Aber die Netten kriegen von mir Leckerchen!

Und weil immer noch Winter ist und die Baeren gefaelligst noch schlafen, geh ich auch oefter allein mit den Hunden zum ersten Biberteich, als erstes oben im Bild. Das ist eine schoene Runde, die man im Sommer, wenn der Teich fluessig ist, nicht gehen kann. In der Naehe der Biberburg liegt ein umgefallener Baum, da sitze ich dann in der Sonne und geniesse das Leben, waehrend der kleine Hund wichtig ist und Emmi die Umgebung scannt. Und dann denke ich wirklich immer wieder, dass der Winter hier, auch wenn er kaelter ist als im Moment, so schoen ist, dass mir der Sommer kaum lieber ist, ausser fuer’s Gemuese…

Zwei Damen im Schnee, da war's kalt!

Die Damen auf dem Parkplatz am See

Picknick

Chef mit Lieblings-Lulu

Der Lieblingslulu

Und dann entdeckte ich heute bei den Recyclingcontainern diesen Karton. Quintessential Alberta! Bin mal gespannt, ob ich erfahre, wer von den Nachbarn das Ding gekauft hat. Wenn jemand von euch mal ein Kalb auf der Anhaengerkupplung transportieren moechte – sagt Bescheid, ich kann das Geraet  mitbringen! Vielleicht gibt’s die auch zwei- bzw. dreiarmig fuer Schaf- oder Ziegenhalter…

So transportieren wir hier Kaelber - manchmal...

Emma rides again!

Emma reitet wieder!

Naemlich einen Traktor. Hier reitet man so etwas ja auch, wie auch ein Fahrrad…

Es hat sich so einiges hier getan seit dem letzten Bericht. Ich bin Teilzeitherrin ueber so etwa 150 Kuehe, die ich aber glaube ich noch nicht alle gesehen habe. Mein Job ist es, diese Kuehe in Abwesenheit des Bauern, Nachbar Jim, zu fuettern, die Traenken zu kontrollieren, die Huehner zu versorgen und den Hund. Ausserdem Alarm zu schlagen, wenn es im Haus ploetzlich kalt sein oder aehnliche Unannehmlichkeiten eintreten sollten. Im Gegenzug dafuer habe ich einen Dienststall, einen Diensthund, theoretisch einen Diensttruck und eine Dienstwohnung! Im Dienststall, hier Barn genannt, habe ich die Ziegendamen untergebracht. Raus aus dem Wetter. Einfach zu versorgen. Dafuer haetten sie mir dankbar sein sollen. Sind sie aber nicht. Sie finden es immer noch so gar nicht schoen in der Luxus-Unterkunft. Und ich ueberlege tatsaechlich, ob ich sie, wenn erstmal der Maennerueberschuss in der Truhe ist, nicht wieder gen Norden umziehen soll. Zu meinen vier Damen sind sechs Heimkehrer gekommen: Irinel hat mir ihre Hoernermaedels bis irgendwann im naechsten Fruehling uebergeben, weil die Familie umzieht und derzeit wenig Zeit und Platz fuer die ganze Bande hat.

Der Diensthund ist Dundee, ein Red Heeler (nehme ich mal an). Dundee ist sehr diensteifrig, wie sich das gehoert. Anfangs war mein Job noch sehr theoretisch, und Dundee hat mir immer nur im Corral nebenan, ohne meinen Einfluss oder mein Kommando, vorgefuehrt, was er so alles kann. Kuehe auf einen Klumpen treiben. Kuehe durch ein Tor wandern lassen, in Ecke, in eine andere Ecke, zurueck durch das Tor. Das geht mit einem ganzen Trupp, aber auch zum Beispiel mit dem durchaus beeindruckenden nachtschwarzen Bullen als Solonummer bzw. Pas de Deux. Vor Dundee hat man bittesehr Respekt. Haben die Kuehe, hat die Katze, nur die Ziegen, die haben’s noch nicht akzeptiert… Leider weiss ich nicht, mit genau welchen Kommandos Jim seinen Hund steuert, also arbeitet Dundee ein wenig unabhaengig. Aber heute habe ich zum ersten Mal allein gefuettert, und da fand ich ihn schon klasse. Zum Beispiel habe ich das Tor geoeffnet, und Dundee hat dann klar gemacht, dass man als Kuh da bitte nicht durchgeht. Und dass man gefaelligst auch mir als Fussgaengerin Platz macht. Das hat mir ziemlich gut gefallen. Insgesamt habe ich heute 12 Rundballen durch die Gegend kutschiert. Manche im Zweierpack, manche einzeln. Und 1A in die Rundraufen abgeladen. Jawoll. Zwei sogar in so eine grosse Rechteckeraufe, gleichzeitig und zielgenau. Ich fand mich zieeemlich klasse. Dundee hat mich bei jeder Tour begleitet, wobei er auch immer noch Zeit fuer ein eigenes Projekt findet und hin und wieder im Wald verschwindet oder einen geringfuegig anderen Weg geht, weil es anscheinend wichtige Dinge zu erledigen gibt. Und dann sind wir noch quer ueber die Wiesen, durch den Wald und ueber eine Heuwiese bis fast an den See getuckert, um nach der Traenke bei der dritten Gruppe Kuehe zu schauen. So ein richtiges kleines Treckertourchen (es gibt kein oe-ue, oder?). Als wir aus dem Wald auf das grosse Heufeld kamen, stand da eine Gruppe von zwoelf Hirschen (das waren mal dreizehn, das weiss ich, denn der Herr Chef hat einen rausgeschossen, der ist jetzt in unserer Truhe). Dundee nahm Mass und beschloss, dass die zusammengetrieben und irgendwohin gehoerten. Und ab ging die Post, im weiten Bogen, so dachte er sich anscheinend, um die Hirsche rum und dann Richtung Traktor oder Corrals oder was weiss ich wohin mit ihnen. Hirsche lassen sich aber nicht gut hueten, das haben wir dann beide schnell verstanden. Sind einfach zu flott, die Dingerchen. Wissen nicht, was sich gehoert, wenn Dundee angeflogen kommt.

Theoretisch mache ich diese Tour zur dritten Abladestelle mit dem Diensttruck, aber der im Moment mit dem Bauern unterwegs, weil er mit dem anderen einen Hirsch gerammt hat und jetzt ohne linkes Licht ist. Der Dienststruck ist dann jetzt endlich mal ein Dodge, so ein richtiges Cowboyauto. Der zugehoerige Spruch, gern als Aufkleber auf solchen Dodges, die in der dicken Truck-Version Ram heissen, ist: What I can’t dodge, I ram.

Und der Traktor ist natuerlich ein John Deere. Ich habe mal gezaehlt: hier auf dem Hof bin ich auf fuenf oder sechs gekommen, davon zwei solche Monsterteile mit acht Raedern. Und alle fahrtuechtig. Der, mit dem ich im Moment fahre, ist praktisch garagengepflegt oder wie das immer so schoen heisst. Zwar nicht neu, aber bestens in Schuss. Mit funktionierender Tuer, Heizung, Hydraulik, Licht, komplett gepolstertem Sitz (!!) und ueberhaupt. Sogar einen Rueckspiel gibt’s. Und die meisten Knoepfchen bzw. Drehregler haben eine Hase- und eine Igelstellung eingeteilt! Das gilt nicht nur fuer die Geschwindigkeit, sondern auch – zu meinem grossen Erstaunen – fuer die Scheibenwischer und das Geblaese (beides uebrigens funktioniert!!) Das ist schon ein bisschen anders als meine Sommergefaehrte – aber Spass macht beides. Wer weiss, vielleicht ist Treckerfahren meine Berufung. Macht schoen locker in der Huefte…

Na, und dann bietet sich mir jetzt die Moeglichkeit, die viele Albertaner nutzen: Ich kann fuer den Winter in den Sueden gehen. In meinem Fall zwar nur vier Kilometer und nicht viertausend oder so. Aber Sueden nichtsdestotrotz. Die Frau des Bauern hat ein kleines Haeuschen mit in die Ehe gebracht, das ungenutzt rumstand und mich schon lange rief. Durch unseren Deal habe ich nun eine sehr nette Rueckzugsmoeglichkeit. Es gibt zwei funktionierende Tueren, gute Fenster, einen Pioneer Maid Kuechenherd, der gleichzeitig auch ausgezeichnet heizt, einen pflegeleichten Laminatfussboden, eine Einbaukueche, Einbaukleiderschraenke, eine vorinstallierte Solaranlage, leider im Moment mit demolierten Batterien und ohne Panels, einen Wassertank (!), den ich aber nicht nutze. Ich sag’s euch, luxurioese Sachen!

So, und jetzt froene ich meiner neuen Feierabendsucht und spiele noch ein bisschen Solitaire…