Archiv des Autors: Petra

Ordnungsgemäße Abenteuer

Nun ist also der Uli hier, und erst liessen sich doch wirklich die Elche lumpen, sprich: nicht sehen. Doch dann kooperierten sie brav, kaum zog er alleine los. Frau Elchin gleich um die Ecke hier:
Natürlich mussten wir den Uli auch schon zum Wunschland schleifen, ausgerüstet mit neuen Klapp-Kombi-Finger-Fausthandschuhen (gibt’s laut Uli nur in Kanada!!!) konnte da auch gar nix schiefgehen Und damit hier keiner denkt, Biberburgen sind ein bisschen größer als Maulwurfshaufen, haben wir für euch mal den Uli daneben und dadrauf gestellt, als Streichholzschachtel sozusagen
Zwischendurch darf der Uli auch wieder selbst knipsen, dann wundert sich Tallulah so sehr, dass ihr die Augen untergehen
Und schließlich gab es schon wieder Hundefutter, wir ersparen euch hier die Anatomie-Serie, die der Uli auch gemacht hat, und lichten nur den Pansen ab, um den sich die Hunde zanken wollten (Nini hatte eine leichte Kehlkopfreizung, nachdem Annie sie anscheinend mal sich zur Brust genommen hatte – gar nicht so schön).
Was leider nicht fotografisch festgehalten wurde, war das Haus, was uns heute auf einer Nebenstrasse auf einem Tieflader entgegenkam. Hier ja nicht ungewöhnlich, war es für Uli doch eher neu, und er wunderte sich ein wenig, ich glaube, vor allem darüber, dass WIR anhielten, der Tiefladerfahrer jedoch unbeirrt weiter auf die Pinne trat. Tja, wer bremst, verliert, das wissen die hier auch!

Der Uli spinnt schon!

Dies wird geschrieben unter besonderer Berücksichtigung der Anliegen und Bitten von Frau Claudi und Anna.
Also: Jawoll, der Herr Uli ist heile angekommen, sein Koffer leider IMMER NOCH NICHT! Na ja, Kanada halt. Jawoll, ich wurde gedrückt (allerdings ohne Absender, aber nun weiß ich es ja) und jawoll, der kleine Hund wurde bereits durchgewurschtelt. Heute wurde auch der große Hund vom Herrn Uli spazierengeführt, weil nämlich das Wetter kanadisch blau-schön ist. Und ich arbeitete und der Herr Hö. arbeitete und der Bus kaputti ist und so der Uli festsaß.
Aus der braunen Wolle will ich einen Pullover stricken, irgendwann mal, wenn ich genug habe. Ich habe ja aber noch VIEL mehr Wolle. Der Uli hat sich schon eingehend und technisch erkundigt, und so haben wir ihn gleich drangesetzt. Sehr hübsch, gelle? Leider hatte er noch keinen Einfluss auf die Drehrichtung des Rades und verursachte gleich ein kleines Chaos auf meiner heiligen kleinen Spule, deswegen musste ich ihm das Spinnrad für den Moment wieder entziehen. Wenn er aber mal das Treteln geübt hat, dann lerne ich ihn wirklich an. Und wenn er dann mindestens so gut wäre wie ich (was nicht gut ist), dann dürfte er Sassy spinnen Das Niedliche ist nämlich, dass die Verkäuferin der Vliese sie teilweise mit Namen versehen hat. Das Schwarze, was im Moment auf dem Spinnrad ist, ist also Lisa’s Black Shetland Lamb, und Sassy ist Sassy eben, auch Shetland, glaub ich. Zurück zum Uli: Das Ergebnis, wenn er denn wirklich spönne, könnte dann ungefähr so aussehen

Und zurück zur Frau Claudi und Anna: Herzlichen Glückwunsch zum Zeugnis – wobei, einsen in Mathe, die sind mir persönlich ja unheimlich. Nomaal ist das nämlich nicht, oder?
Wir geloben mehr Fotos, morgen geht es auf den Farmers Markt und wir hoffen, Ersatzteile für das Auto zu finden.

Unser elegantes Zora

Nur, damit ihr einen Eindruck habt, wie elegant sich „unser Zora“ inzwischen ausgewachsen hat. Es macht ja gern Yoga-artige Verrenkungen, das Zora. Und es hält sich brav an Sofa- und Bettverbot, jawohl! Aber anlehnen muss es sich meist. Leider ist es im Moment wieder gehbehindert (3-Bein-Modus), weil es sich (mal wieder) in den Fuß geschnitten hat irgendwo.
Im Vordergrund übrigens das Spinnrad. Mit der Wolle von Lisa’s Lamb drauf und in Arbeit – alles sehr spannend. Ich hab noch nicht genug zum Vorzeigen, aber es macht einen Riesenspaß, das Kardieren und das Spinnen. Und weil ich diese letzte Shetland-Wolle anscheinend nicht so ganz heiß gewaschen habe, ist es auch – wegen des verbleibenden Wollfettes – sehr schön für die Hände, immer gut gefettet.

Reichtumsscheck

Leider kann ich gerade kein Bild hochladen, doch ich wollte kurz berichten, politisch sozusagen, dass wir alle hier in Alberta, die wir im Jahr 2004 eine Steuererklärung abgegeben haben, pro Person $400 so genannte „Ralph Bucks“ bekommen haben. Kurz zur Erinnerung: der konservative Ministerpräsident der Provinz heißt Ralph Klein. Es schadet seinem Ansehen anscheinend nicht, dass er öffentlich verkündet, dass es ihm viel besser geht, seit er nicht mehr exzessiv trinkt und nur noch selten einen Kater hat…
Die Provinz ist also so reich, dass sie, begleitet von einem freundlichen Dankesschreiben für den Beitrag zum Aufbau der Provinz, jedem Bürger einen Scheck geschickt hat. Oh Manno! Haben wir natürlich dankend entgegengenommen, $800 für nix, ist ja fein.
Heute morgen hörte ich in den Nachrichten, dass die Provinz aber nach wie vor im Geld schwimmt. Man spricht von einem HaushaltsÜBERSCHUSS von 14 Milliarden Dollar (das muss man ganz langsam sprechen, vorstellen kann man es sich ja schlecht).
Derweil schneit es draußen, Uli-Pilot ist sozusagen im Anmarsch, er wird wohl sonniges Winterwetter bekommen, nicht schlecht, Herr Specht! Auf dem Herd köchelt die Putensuppe, gleich fahr ich wieder in die Stadt, um ein Darlehen betteln, und alles in allem ist das Leben gerade mal gut.

Snipe Lake

7:39, draußen bläst der Wind den Schnee gegen die Haustür – zur Abwechslung mal sieht es nach Winter aus, und fallende Temperaturen werden gemeldet. Am Wochenende aber sind wir nochmal, ich zum ersten Mal, zum Snipe Lake gefahren, das anvisierte Grundstück erforschen. Windig zwar, doch wunderbares Wetter, so dass wir nach einem kurzen Blick mit Bob und den Nachbarn Jim und Clara erstmal zum Snipe Lake, nur ein paar Straßenkilometer bzw. etwa 2 km Luftlinie entfernt, gefahren sind, um zu picknicken. Der See ist gefroren, doch überwiegend schneefrei, etwa 9 km von Norden nach Süden, 7 km an der breitesten Stelle von Ost nach West. Bilder ohne viel Kommentar.

Clara und Jimmy düsten heim, und wir wanderten los, auf das Land, zuerst entlang der N-S Grundstücksgrenze, die freigeschnitten ist, weil dort offensichtlich ein Trapper entlang arbeitet. Dann tiefer hinein nach Osten, über große zugefrorene Biberteiche, durch dichten Busch, Nadel- und Laubholz, Birkenbestände, jede Menge Balsamtanne, rauf und runter über die doughnut-artigen Höhen und Tiefen. Was im Hintergrund aussieht wie ein Haufen Zweige, ist eine der Biberburgen, ziemlich dicke Dinger Und wenn die Bäume ab sind, frühstücken die Biber die Rinde Ein völlig mit Old Man’s Beard (einer Flechte) überwachsener Baum. Im Hintergrund sieht man schön, wie gestaffelt die Balsamtannen im Alter sind (und die RIECHEN vielleicht lecker!)
Nun will die Bank überzeugt werden! Heute mach ein Seminar zum Thema „Environmental Farm Plan“ (Umweltplan für die Land- und Forstwirtschaft), Bob hat beschlossen, das muss sein. Er ist sehr engagiert, weil er ziemlich begeistert ist von dem Land mit seinen alten Bäumen, und wir sind froh darüber – er kennt tausend Leute und kann natürlich viel besser reden als wir.
Gereon arbeitet in der Nachbarschaft in einer Firma, die riesige Tanks für die Ölindustrie, aber auch als Weizensilos schweißt. Kein Traumjob, aber es kommt Geld rein. Und er kann viele Überstunden machen.

Wieder Land in Sicht?

Es gab so gar nicht viel zu berichten in der letzten Zeit. Wir hatten uns ein Stück Land angeschaut südlich von Valleyview, also etwa 80 km von hier entfernt, eher in Richtung Edmonton, aber der Preis ist wohl zu hoch, obwohl uns das Land sehr gut gefiel. Gereon hat noch keine neue Stelle, er hat einige Kurse gemacht, die hier üblicherweise verlangt werden und sucht nun. Ich wurschtele so vor mich hin, es gibt immer noch jede Menge Kisten, und manches lade ich schon wieder zurück in den Container, weil es im Moment nicht gebraucht wird.
Gestern aber dann tauchte in den Immobilienanzeigen ein Stück Land wieder auf, das wir bereits abgeschrieben hatten. Wiederum „hinter“ Valleyview, etwa 90 km von hier, zwei „bush quarters“, also knapp 320 Hektar Busch, in der Nähe eines größeren Sees. Gereon und Nachbar Bob Cameron sind heute gleich los, um das Gelände zu inspizieren, und Gereon ist ganz angetan. Birkenbestände, was hier eher selten ist; dicke alte Bäume, Urwald also, was es leider auch nicht mehr so oft gibt (weil die Kanader ja alles abholzen – hatte ich schon mal gegreint???), Vielfalt und unterschiedliche Altersstufen. Jetzt geht der Gang durch die Behörden wieder los, Maklertermin, Banktermin, Anwalt, alles ganz schön aufregend. Ich bitte um heftige Daumendrückung. Dafür gibt’s auch Bilder. Wie man auf dem ersten sieht, ist eine Holzfällertruppe schon vor Ort tätig. Durchaus ansehnliche Birken Natürlich auch Aspen und Wasser (damit sicher auch ca. 20 Moskitos im Sommer)

Wahlen in Kanada

Gestern waren Wahlen. In Alberta nicht wirklich spannend… Wer sich interessiert, wie es in den anderen Bayerns der Welt so aussieht, der schaue hier
http://enr.elections.ca/Provinces_e.aspx“ und wähle dann links bei den Provinzen Alberta. Ich weiss, dass man/ich da theoretisch einen Link „korrekt“ hinterlegen könnte, hab ich aber vergessen wie das geht. Müsst ihr halt kopieren und in die Adresse reinbasteln – tut mir jetzt auch leid.
Ansonsten: Was soll man mehr sagen?

Total vergessen!

Eine Zwischenstufe hab ich glatt vergessen. Natürlich gibt’s auch schon ein Sofa!! Und der Chef kann ein Innüngerchen halten. Und Zora hat Sofaverbot, doch Dranschlängeln ist erlaubt
Und für die landwirtschaftlich Interessierten: So sieht unser Ziegendorf inzwischen aus Und so der Billy Wie lange zahnen die eigentlich? Der Billy hat seltsame Zähne…

Kohlhobel-Rätsel endlich gelöst!

Nachdem meine Familie sich schon mehrfach nach dem Verbleib des mitgesandten Kohlhobels erkundigt hatte, konnte dieses Rätsel gestern nun mit Entschlossenheit endlich gelöst werden. Der kleine Hund half, und was wir ursprünglich für 2 Schubladen hielten, entpuppte sich als Schublade + Kohlhobel in XL-Format. Der Sauerkrautproduktion im Wege steht nun nur noch die bedauerliche Tatsache, dass die Köhle vergammelt sind (Farm-Wurzelkeller!) Zum Vergleich: Kohlhobel fast antik, von den netten Nachbarn geliehen, und Kohlhobel fuschneu – von den lieben Eltern geschickt, ganz herzlichen Dank!!
Und noch eine nie gestellte Frage konnte beantwortet werden. Wie reist Febreze? Antwort: Duftend! Und wie verhält es sich bei Frost? Es knistert, platzt aber nicht – zum Glück! Auf der Suche nach Papierkörben fand ich diese Anordnung
Was lernen wir daraus noch: Wenn man einen Übersee-Umzieher beauftragt, selektiv Sachen zu verpacken, dann muss man alles, wirklich alles, was NICHT verpackt werden soll, hüten wie einen Schatz, anketten, verstecken oder sonstwas. Febreze sollte nämlich nicht reisen (ham wer schon längst!)
Ansonsten kann ich nur sagen: Auspacken macht einen Riesenspaß. Täglich eine Kiste hab ich mir verordnet/gegönnt, weil wir sonst in Kisten ersticken und ich zwischendurch immer wieder neue Regale etc. aufbauen muss. Aufgetaucht sind inzwischen jede Menge gute Kochtöpfe, Tischsets, Besteck, alles was der Mensch so braucht, um sich das Leben angenehm zu machen. Wir nähern uns nunmehr den Teppichen und Vorhängen, doch auf letztere verzichte ich glaube ich weiterhin, weil der Blick nach draußen gar zu schön ist, immer noch jede Menge blauer Himmel und dicker Raureif. Gut ist das nicht, es hat seit Monaten nicht wirklich geregnet oder sonstwie niedergeschlagen, die Feuchtigkeit würde dringend benötigt. Aber schön ist es.

Das deutsche Weihnachtspaket

Heute war also der große Tag: Der Container sollte kommen. Chris reiste aus Nose Creek an, um zu helfen, wartende Blicke schweiften über den Platz, den der Container nachher einnehmen sollte. Man sieht leider auch, dass unser Deck schon kanadische Formen angenommen hat, was die Prötteln angeht. Dann kam der erwartete Anruf: Container on the Road! Gereon düste los, um ihn entgegenzunehmen, gezeigt wird die erste Sichtung des gesuchten Objektes. Sieht schon irgendwie gut aus, so ein einsamer Container in der weiten Prairie, oder? Einbiegen in unsere für kanadische Verhältnisse bescheidene Einfahrt ein wenig spannend für Nicht-Experten (die Jungs meinten nachher, das sei ein easy job gewesen, ganz entspannt) Container schwebt schon, die Spannung wächst. Gelandet! Kleine Zirkuseinlage beim Lösen der Ketten. Plastikplombe abmachen – kann ja so schwer nicht sein. Tja, irgendwie doch nicht so einfach! Bis wir feststellten, dass das Ding einen Stahlkern hat. Musste der Herr Hö. zur Farm fahren, die Eisensäge holen, denn das Werkzeug ist ja IM Container. So, jetzt aber. Annie ist auch schon ungeduldig (siehe unten rechts) Die Tür öffnet sich quietschend. Weihnachten XXL – wo fangen wir mit dem Auspacken an? Das klappert, was mag da drin sein? (stellte sich später heraus: eine Badematte und ein Diamagazin) Der Herr Hö. hat seine Geschenke schon gefunden und freut sich: Endlich wieder Messkluppen und Kanthaken! Vom praktischen Axtsortiment mal ganz zu schweigen. Was aussieht wie Entsetzen, ist die reine Freude. Ein Paket von Röschens, unerwartet, doch mit Begeisterung geöffnet. Lang vermisste Leckerchen wie Nugat-Marzipan-Stämme und Lebkuchen – mmmmhhh, von den anderen illegalen Dingen wollen wir schweigen… Kurze Zeit später tauchte auch die Tüte mit den Rittern auf. Und tatsächlich: Opa hatte angedeutet, man habe ein Männlein und ein Weiblein einpackt, vielleicht würden sie sich während der Reise vermehren. Und wie sie das getan hatten! Zwischendurch bekamen alle einen kleinen Snack, Räucherfisch von Chris – die Hunde waren natürlich auch begeistert. Den ganzen Tag wurde gestaunt, geschleppt, sich gefragt: Wo bloß hin mit allem? Nachdem wir abends ungefähr die Hälfte gesichtet und einen Bruchteil eingeräumt hatten, gab’s das übliche schnelle Essen, mit Olivenöl von Mario und Rotwein von Mario – fast wie in Winterborn, nur dass die Hacke hier vom Elch kam und nicht von der oberbergischen Kuh.
Morgen geht’s weiter!