Es schneit – und es scheint noch mehr Schnee zu geben. Geschätzt haben wir so mindestens 25 cm, doch guckt selbst.
Gereon muss nicht mehr ganz so viel blinzeln, seit er diese kleidsame Brille bei der Schneearbeit trägt
So ausgestattet, schaufelt er unter anderem den Hunden Wege in ihre Häuser frei 
Die Hunde sind, wohl weil es nicht so eklig kalt ist, sehr fröhlich bei diesem Wetter
Der kleine Hund hat sich heute versehentlich sogar einmal in den Tiefschnee gestürzt,
aber wie man hier noch am Schnee AUF dem Mäntelchen sehen kann, schlugen die Schneewogen über ihm zusammen, und er ließ sich leider nicht mehr in die Tiefe locken.
Wir prüfen derweil per Internet die Vorschriften für den Verkauf z.B. von Honig, Hähnchen, Puten, Eiern, Brot, Milchprodukten – und sind erschlagen von den Unmengen an Vorschriften und Einschränkungen, die es hier gibt. Ist das in Deutschland auch soooo schlimm, ihr Landwirte/Schweinhalter/Käseproduzenten? Alles unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes, deswegen gibt es hier wahrscheinlich E-coli-Todesfälle und natürlich auch BSE – ein neuer bestätigter Fall vorige Woche, doch natürlich niemals eine Gefahr für den Verbraucher… Doch wenn wir uns ansehen, was auf dem Farmers‘ Market so alles verkauft wird und da wir teilweise wissen, wo es herkommt, vermuten wir, dass es auch Wege UM die Vorschriften herum geben muss. Mal schauen!
Das Autofahren übrigens bei Schneefall und 60 km Nordwind ist insofern spannend, als man die Straße, die natürlich keine seitlichen Begrenzungspfählchen hat, manchmal einfach nicht sehen kann. Glücklich, wer auf einen Briefkasten oder sowas zielen kann!
Archiv des Autors: Petra
Neues Jahr…
… neuer Haystack
und Blick nach vorn (na ja, dieser hier geht nach Südosten, wenn man es genau nimmt!) 
Das ist die Devise hier im frisch-kühlen Nordwesten Albertas. Wir haben nicht gefeiert, bei den schrecklichen Bildern, die man in den Nachrichten sieht, steht einem da auch der Sinn nicht so nach. Allein waren wir auch, Wein gab’s keinen, Sekt sowieso nicht. Außerdem – und das finde ich ziemlich kanadisch – haben die hier die Stirn, einem nicht nur dieselbe einstündige Nachrichtensendung zweimal hintereinander zu zeigen, nein, auch am Silvesterabend, wo wir dachten, na ja, ein bisschen Comedy ist vielleicht ganz nett – da wiederholen sie am selben Abend ihr einstündiges Programm. Nicht wirklich überzeugend!
So sind wir einmal mehr mit unseren Büchern ins Bett gegangen und haben uns schlau gemacht für zukünftige landwirtschaftliche und behördliche Herausforderungen. Und wurden heute morgen zu strahlendem Sonnenschein, jedoch knackigen -28°C wach. Auf den Fotos kann man Whispers Eiszapfen am Bauch sehen! Er nimmt das jedoch gelassen, Hauptsache, der Haystack wird regelmässig nachgefüllt. Auch Kühe und Draußen-Hunde kommen mit dieser Kälte noch gut klar, nur der kleine Hund kam heute schreiend vom Toilettengang wieder rein und schrie dann noch eine Zeitlang auf der Couch, mit Mantel und unter der Decke, vor sich hin. Ich glaube aber, er hypochondert ein bisschen… Meine „Ski-Tour“ heute zeigte, dass der Schnee an manchen Stellen doch schon schön tief ist, etwa 25 cm, der vordere Teil der Langlaufskier fuhr regelmäßig ganz unterm Schnee. Wegen der Kälte hat Gereon aber den Traktor heute lieber gar nicht angeworfen. Die in der Praxis oft bewiesene Theorie ist nämlich, dass so ab -30°C alles, was schon ein bisschen geschwächt ist, kaputtgeht. Na, und für unser Farmequipment trifft das ja in überragendem Maße zu. Also nix Schneepflug – wir warten ab, bis es wieder wärmer wird, was in etwa 3 Tagen der Fall sein soll.
Wir wünschen euch ein gutes neues Jahr!
Weihnachten im Kanada
Das sieht im Moment so aus: Es wird kälter, jetzt hat’s schon nur noch minus 10°C (um halb eins mittags) und es ist windig, und es schneegrieselt – ziemlich ungemütlich. Was zu einer unfairen Arbeitsteilung führt. Ich sitze nämlich gemütlich drinnen, hinter mir der üppige Weihnachtstisch 😉
, neben mir die knackenden, weil auftauenden, weil vorher von mir draußen vergessenen und daher gefrorenen Wasserflaschen (hoffentlich sind die noch dicht!) und draußen der Weihnachtsmann Gereon, der mit der bewährten Motorsäge dafür sorgt, dass wir nicht frieren müssen – guter Mann! 
Ein bisschen traurig bin ich ja, dass niemand (fast) was zu unseren schönen Nikoläusen gemeldet hat – habt ihr die etwa nicht gesehen? Na los, guckt noch mal hinter die Bäume!
Ach ja, und im Radio laufen nordamerikanischen Christmas-Schnulzen ohne Ende – schade, dass keiner von euch allen hier ist, wir könnten es richtig gemütlich haben, mit lecker Braten und Rotwein und knisterndem Feuer. Na, vielleicht nächstes Jahr!
Fröhliche Weihnachten!
Keine böse Absicht
Bilder sind futsch, ich weiß. Arne weiß es auch, und ich glaube, er schämt sich ein bisschen. Da ist irgendetwas Bedauerliches passiert. Und im Moment habe ich weder Zeit noch Nerv, die da wieder reinzubasteln. Wer also nicht zur rechten Zeit geschaut hat, hat nunmehr ein bisschen Pech, vielleicht. Aber nächste Infos gibt’s dann wieder mit aktuellem Bildmaterial.
Derzeit: jahreszeit-untypisch mild, doch Schnee. Bücherei-Weihnachtsparty mit relativ wenig geschmacklosem Geschenk (Wichteln!!) hinter mich gebracht. Immer noch keine Weihnachtskarten nach Deutschland geschrieben, wird wohl nichts Pünktliches mehr werden. Wir rechnen und rechnen und machen uns Gedanken, das hält uns von derlei „puren Vergnügungen“ ab.
Und wieder keine Kinder beim Bastelnachmittag – ich rätsele, ob ich das nun doch persönlich nehmen soll. Dabei hätte ich mit den Kinderchen entzückende Engelein aus Kaffeefiltern gebastelt und/oder Glanzpapier-Herzen geflochten…
Das Abenteuer geht weiter
So scheint es jedenfalls derzeit. Gestern haben wir nämlich, völlig ohne Beanstandung, die Verlängerung unserer beiden Arbeitserlaubnisse bekommen. Da haben wir uns aber gefreut.
Und damit niemand denkt, wir müssten hier allzu sehr leiden, könnt ihr hier mal sehen, was der kleine Hund so ausbrütet, wenn er den ganzen Tag im Bett liegt
Macht er doch gut, oder? Die Tomaten hatten wir grasgrün unterm Bett geparkt, und immer, wenn ich denn mal nachschaue, bin ich ganz erstaunt, dass die immer noch funktionieren. Ich hatte ja gar nicht erwartet, dass die noch so lange und so relativ ordentlich nachreifen. Es sind nur wenige matschig, bin ganz stolz!
"Im Frühtau…
…zu Berge“ – oder doch so ähnlich. Nur, dass da kein Frühtau war, sondern immer noch -25°C klirrten, als die Ziegen morgens enthusiastisch die höchste Erhebung hier in der Gegend erklommen. Willkommenes Kino natürlich auch für die Pferde. Und Gereon berichtet, dass Guste energisch alle Nachklimmer vom Gipfel geboxt hat, der kleine dicke Billy (unten links im Bild) ist schließlich sogar mit einer ganzen Heukante abgebrochen. Gut, dass er geländegängig ist. Oben bei Auguste befindet sich die kleine blaue Odette, die es geschafft hat, sich bei Auguste so einzuschleimen, dass sie sogar manchmal mit ihr zusammen fressen darf.
Weil die armen Hörnertierchen bei -30°C so erbärmlich klapperten, hatte der Herr Hö. ein Einsehen, und wir haben sie in die leicht vorgeheizte Kälber-Wärmekiste gepackt. Am ersten Abend mussten wir sie noch zerren, am zweiten Abend ging das schon wie von selbst, und heute morgen hatte Gereon den Eindruck, sie hätten auch noch 1-2 Stündchen mehr darin verbringen wollen. Das ist Prärie-Luxus!
Doch jetzt hat es wieder kuschelige -2°C, und da will man ja die Tiere nicht verpimpeln, deshalb schlafen sie jetzt wieder unterm Scheunendach.
Fast einmal rund!
Nu sind sie wieder wech, unsere Arbeit- und Gastgeber! Pünktlich am 1. Dezember düsten sie bei rekordwarmem Gar-Nicht-Winter-Wetter (+8°C!!) gen Süden, Richtung Mexiko. Und so sind wir denn jetzt fast einmal rund: die Kühe stehen wieder alle beim Haus und werden gefüttert, erste Kälber ausser der Reihe kamen auch schon an. Eines übrigens gestern, nachdem die Tierärztin vor etwa 2 Wochen mit langem Arm alle Kühe auf Schwangerschaft untersucht und uns beschieden hat, dass keine unmittelbar bevorstehenden Geburten zu erwarten seien. Nun denn!
Die Kälber vom letzten Jahr sind alle verkauft, und jetzt müssen wir anhand vieler Zahlen für uns rausfinden, ob wir uns überhaupt noch ein Jahr hier leisten können – wenn denn Gereons Arbeitserlaubnis verlängert wird, was auch noch nicht 100% sicher ist. Ganz schön spannend!
Das Schöne ist, dass wir tatsächlich ganz alleine sind. Der Sohn des Hauses hat eine Arbeit in der Stadt angenommen, und so haben wir das „Reich“ für uns. Erste Amtshandlung war – angesichts der oben erwähnten Zahlen – die Heizung wieder auszuschalten. Nun jedoch sind die Temperaturen innerhalb eines Tages um fast 30 Grad gefallen, heute morgen hatten wir -19°C und mindestens 5 cm Neuschnee, und für diese Nacht werden -27°C vorausgesagt. Die Ziegen werden immer eisbäriger, und der kleine Hund probiert auch schon neue Tricks gegen die Kälte aus.
Wenn er nicht mit gewagten Kreationen der Kälte trotzt (er legt dabei Wert auf die Feststellung, dass es sich um Fake Fur handelt und kein Tier für den kleinen Hund sein Leben lassen musste – noch nicht…), liegt er allerdings meistens im Bett, unter zwei Decken, und kommt nur raus, um halbgefrorene Wildhäppchen ins Lager zu schleppen oder gleich zu essen.
Und noch ein Bild der gemischten Landwirtschaft, wie Hühner und Pferde sie interpretieren: Jasper kleckert beim Haferessen gewaltig, und die Hühner finden das ziemlich prima. Und wenn sie nicht vorne fressen, dann sortieren sie, was hinten wieder rauskommt – gute Verwerter!
. Die Hühner haben noch nicht begriffen, dass man Eier nicht unbeaufsichtigt in der Kälte liegen lässt, einige sind schon geplatzt, weil die Damen nicht brav auf uns gewartet haben, bevor sie das Nest verließen.
Wild life – wildlife
Da haben wir doch am Wochenende unseren Jahresurlaub (1 1/2 Tage) genommen! Den kleinen Hund eingepackt, ein paar Stücke Truter, dicke Schuhe, und sind Richtung Nose Creek gedüst, um Chris und David, Bekannte von Gereon zu besuchen. Das ist sozusagen Gereons Heimstrecke, dort hat er einen ziemlichen Bekanntheitsgrad (als „dieser Verrückte, der nur mit einem Stock und einem riesenschweren Rucksack tagelang durch Grizzlyland wandert“ – ich frage mich dann immer, ob ich eine so kluge Entscheidung getroffen habe ;-)) Zuerst war’s widerlich, wettertechnisch, schon am Piglet Mountain (für diejenigen ohne Wörterbuch: das ist der Ferkelberg) hätte man im Schlamm schliddern können. Bei Chris und David angekommen, wurde es jedoch arg gemütlich, mit Holzofen, lecker Essen (der kleine Hund wurde stündlich mit Elch und so was gefüttert, er hatte ein eigenes Sofa und fand das Leben sehr schön). Nose Creek liegt etwa 130 km südwestlich von uns und besteht aus etwa 6 Häusern. Es ist dort sehr waldig und geht in die Foothills über, also nix Weizenfelder, Kuhwiesen und platt. Aber auch nix Telefon, zum Beispiel. Chris und David fahren täglich einige Kilometer auf einen Hügel, um dann mit ihrem Handy den Anrufbeantworter abzuhören und ihre Telefonate zu erledigen. Versteht sich von selbst, dass man nur in Grande Prairie einkaufen und die Post abholen kann… Wasser haben die beiden fast als einzige in der Siedlung, weil sie einen Brunnen gegraben haben. Dort jagt man natürlich gern, und so traten wir dann auch mal wieder als Zerlegebetrieb in Erscheinung, d.h. ich hab mehr so zugeschaut. Schnee in der Nacht ließ das Ganze am nächsten Morgen sehr puderzuckrig und schön aussehen. Hier z.B. der Nose Creek
Als Gereon dort im Sommer schonmal zwei Tage war, saß in seiner Nähe dieser Uhu
. Gereon hat ihn beobachtet, wie er Libellen fing – bestimmt schön knackig-knusprig! Und immer mal wieder sieht man auch Weißkopfseeadler – sehr beeindruckend!

Der Schnee
ist wieder da – und mit ihm unsere Arbeit-/Gastgeber. Meine Nerven sind eher weg. Zurück zu tausendjähriger Kuh, Essen ohne Salz (soll ja gesund sein), Chaos (noch mehr) allerorten. Viel zu viele Menschen und viel zu viel Lärm. Meinen armen Kindern jaule ich schon seit Freitag die Ohren voll. Ich wünsche mir nunmehr stärkende Gedanken und freundliche Post – jawoll! Einen Monat soll das dauern hier, dann – so ist unsere Hoffnung – sind wir wieder für fast vier Monate allein, und wenn es klappt, sogar ganz allein!
Doch immerhin: mit dem Schnee kam auch die Sonne, für den Rest der Woche ist klares, kaltes, sonniges Wetter gemeldet.
Und meine Bibliothek ist einfach nett! Ich hab sie mit Grapefruit-Öl aufgepeppt, weil man da nicht lüften kann und einige der Bücher incl. Mief recht alt sind… Als nächstes bastele ich neue Schilder – weg von sticky tape und rosa (!) Papier. Das wird fein!

