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Amuesiert euch ruhig!

Wie ich vernehme, amuesieren sich einige von euch ueber Emma Noltes Erlebnisse. Das ist gut. Emma hat inzwischen, wahrscheinlich aufgrund ihres fuer NW-albertanische Verhaeltnisse extrem guten Ausbildungsstandes als Traktorfahrerin, bereits mehrere, allerdings nicht ganz ernst gemeinte Arbeitsangebote. Marvin sagt, so was haette er schon befuerchtet: kaum bildet man die Leute ordentlich aus, werden sie einem weg-engagiert. Tja. Aber ich bin eine loyale Mitarbeiterin und so werde ich wohl auch gleich wieder losziehen. Zwar hat es ja geregnet letzte Nacht, aber anscheinend nur wenig, und heute morgen hat ein frisches Windchen den Himmel schon blau geputzt und wahrscheinlich auch das Heu getrocknet.

Am Sonntag waren wir mit Walter und Sabine erst auf der Heuwiese, wenigstens schon mal gut 100 Ballen nach Hause holen. Das hat prima geklappt. Und danach, bzw. nach Kaffee und Kuchen, sind wir dann Richtung Biberteich gezockelt. Diese Naturfuehrungen vom Herrn Hoe., die haben es in sich. D.h. in erster Linie hatten wir nachher Wasser in Schuhen und Stiefeln. Der Wald ist jetzt wunderschoen: Ueberall bluehen blaulila Astern, dazwischen Goldrute und andere gelbe Bluemchen. Der Boden ist uebersaet mit Beeren aller Art. Unser Weg fuehrte uns durch einige ziemlich gute Blaubeerstellen. Ausserdem waechst ueberall kanadischer Hartriegel, das ist so eine kleine Pflanze, die man in Deutschland, wahrscheinlich fuer gutes Geld, in den Gaertnereien als Bodendecker kaufen kann. Hier deckt sie den Boden fuer umsonst und beschert uns jetzt bueschelweise kleine, orange-rote Beeren – sehr huebsch. Ausserdem gibt es High Bush Cranberries – nichts anderes als Schneeballbeeren, aus denen man ein schoenes, saeuerliches Gelee machen kann, wenn man denn Zeit bzw. einen Eimer bei sich hat. Das Gras steht manns- bzw. fraushoch, weil es immer noch so sehr feucht ist. Der kleine Hund war streckenweise nur noch an der Grasbewegung auszumachen, und an der Leine geschwommen ist er auch mal. Wasser findet er naemlich gut, so lange es unten ist. Dann springt er hemmungslos in jede Pfuetze. Regen dagegen ist unbeliebt. Emmi findet das ja genauso: Biberteiche sind zum Plantschen da. Die Biber uebrigens finden diesen Sommer wahrscheinlich superklasse. Ausbaumoeglichkeiten ohne Ende, und sie werden gut genutzt. An jeder Ecke gibt es neue Lehmdaemme, an denen anscheinend noch heftig gebaut wird.

Dies ist glaube ich mein Lieblingswetter. Ach, und die Moskitos sind auch merkwuerdigerweise weniger. Die Libellen schwirren immer noch zu vielen um uns herum, wenn wir abends schon mal am nunmehr offiziell genehmigten Feuerplatz sitzen. Jetzt hoert man auch wieder Gaense, die mit ihrem Teenies fliegen ueben. Ein bisschen wehmuetig macht einen das schon, der Sommer ist so gut wie vorbei, und ein bisschen graust mir immer vor dem Winter. Obwohl – laengst nicht so sehr wie in Deutschland.

Gestern abend habe ich alte Beitraege von mir gelesen, aus dem ersten Winter hier in Sunset House. Da war ich aber noch optimistisch, du meine Guete! Das Leben lehrt einen dann manchmal etwas anderes. Noch nicht mal die Schaukel habe ich jemals bekommen. Von den anderen Annehmlichkeiten ganz zu schweigen. Aber die Sonne scheint, neben mir knackt das Kaetzchen, draussen zanken sich die idiotischen Ziegenmaenner (bis einer weint, ich sage es euch, da bricht noch mal ein Horn ab!), und ich, ich esse Dark Chocolate Dreams, von der Peanut Butter & Co., und zwar mit dem Messer direkt aus dem Topf, jawoll! Die Freuden des mehr oder minder Solo-Lebens (der Herr Hoe. isst das naemlich nicht so gern, sind keine Kartoffeln drin…)

Und jetzt haltet mir die Daumen, dass dieses letzte Heu wenigstens mit nur einem Regenguss reinkommt!

 

… aka Emma Nolte

Ich bin sozusagen befoerdert worden. Auf einen Traktorsitz. Und nenne mich nunmehr die kanadische Emma Nolte. Und das kam so:

Erst war irgendwie kein Sommer. Regen, Kaelte, der Garten wurde nix, die Bienen flogen nicht, keiner konnte Heu machen. Und dann, wie das ja oft geht, kam alles auf einmal. Es wurde warm und sonnig, im Garten waechst der Klee wie bloede – das Gemuese natuerlich nicht, vor lauter Klee. Al the appleman kam mit der ersten Fuhre, so dass ich einmachen musste. Und zwischendurch Brot backen. Tomaten hab ich auch schon geerntet, Bild ist nix geworden. Die Bienen wurden hektisch, denn der Klee, dem der Regen bis dahin sehr gut gefallen hatte, stand nun ueberall zur Verfuegung. Und dann sprach Marv, mein Heulieferant, mit dem Herrn Chef darueber, dass er so spaet sei mit dem Heu und dass er eigentlich Hilfe braeuchte, und der Herr Chef bot mich als Leiharbeiterin an. Jedenfalls habe ich mir das so zusammengereimt. Und nu fahr ich Trecker! Ach, der Herr Lieblings-Nachbar waere stolz auf mich. Irgendwie muss ich ihm noch ein Bildchen zukommen lassen. Der Weg zum tatsaechlichen Fahren war natuerlich etwas holperig. Schliesslich ist dies Nordwest-Alberta, neue Traktoren sind nicht die Norm. Morgens frueh um 6 stand ich also auf der Heuwiese und wurde von Marv eingewiesen in die Feinheiten des Case-Traktors (Baujahr geschaetzt 1975) und des Maehwerks (im Baujahr wahrscheinlich irgendwie passend). „Wir tauschen jetzt erstmal ein paar Messer aus!“ *gruselgruselgrusel* Das Maehwerk ist, anders als ich das aus Deutschland kannte, so ein breites Teil mit geschaetzt acht kleinen Kreiselmaehern drin. Dahinter laeuft eine Walze, die das Maehgut knickt, damit es nicht platt auf dem Boden liegt und somit besser trocknen kann. Gewendet wird hier ueblicherweise nicht. Der Messeraustausch erwies sich schon als schwierig. Nix passte zusammen, aber Marv, ein guter Albertaner, hatte noch ein paar eigentlich ausrangierte Messer, die er aber natuerlich nicht weggeworfen hatte („I hate to throw things out.“ Waer‘ ich nie drauf gekommen…) und die zwar nicht mehr gut, aber irgendwie noch brauchbar waren. Dann erklaerte er mir – gefuehlt – 100 Schmiernippel, die alle unterschiedliche Mengen Fett zu unterschiedlichen Zeiten bekommen mussten. Aus einer Fettpresse, die nicht mehr so wirklich funktionierte. Fuer die zweite, luxurioesere Presse fehlte aber gerade mal die Batterie. Nun ja. Als alles „repariert“ und geschmiert war, bestiegen wir das aeusserst komfortabel eingerichtete Fuehrerhaus. Es gibt Klimaanlage in Form von fehlenden Scheiben seitlich, sehr hilfreich. Der ergonomisch ausgezeichnet gestaltete Sitz war in Wirklichkeit gar nicht so unbequem. Heute weiss ich naemlich, dass der zweite Trecker noch ganz andere Dinge zu bieten hat. Auf meine Frage nach dem Sinn und Zweck eines Spanngummis von der Kupplung zum Traktorrahmen erfuhr ich, dass das die „Rueckholfeder“ fuer das Kupplungspedal sei, andernfalls funktioniere das nicht. Ah ja. Und dann donnerte Marv mit mir los. Es gibt drei Gaenge und drei Bereiche und siebentausend Hebel fuer die PTO (ich weiss nicht mehr, wie diese Welle auf deutsch heisst), und dann noch die Hydraulik, die ein bisschen undicht ist und und und. Nur die Bremse, die lernte ich erst spaeter kennen, denn „die benutze ich eigentlich nie“. Vor meiner ersten Selbstfahrerrunde warnte Marv nochmals, dass die Kupplung ein bisschen interessant sei und liess mich dann auf das Gras los mit den Worten: „Let ‚er buck!“ – Na, das hab ich dann auch getan. Mit einem Riesensatz knatterten wir ins Geschehen! Oh boy, wie peinlich! Aber inzwischen kann ich das Ding anfahren, ich sag’s euch, butterweich! Ach, und auch in die diversen Kurventechniken wurde ich eingewiesen. Linksrum ist schwierig, rechtsrum geht auf einem Untertaesschen, relativ gesehen, aber man muss hoellisch aufpassen, dass man das Maehwerk, wenn man sich schon so fortgeschritten fuehlt wie ich nach zwei Stunden, bei den schwungvollen grossen Linkskurven nicht in den Busch knallt – das kaeme nicht so gut. Irgendjemand hat es schon vor mir mit den Zaunpfaehlen ausprobiert, das konnte ich sehen. Kurven- ebenso wie Geradeausfahrten werden dadurch interessanter gemacht, dass die Lenkung ungefaehr eine Lenkradumdrehung Spiel hat. Da ist schon eine gewisse strategische Planung vonnoeten, um da abzubiegen, wo man das wirklich will. Ich ertappte mich dabei, dass ich am ersten Tag so schrecklich konzentriert fahren musste, dass ich beim Wiedereinbiegen auf die Maehspur immer blinken wollte… Einen Blinker habe ich aber da natuerlich nicht. Und auch nur einen schwierigen Rueckspiegel. Den haette ich lieber etwas besser gehabt, denn zu den systemimmanenten Herausforderungen kam dann noch der Nachbarshund, der es sehr witzig fand, neben, vor und hinter Traktor und Maehwerk herumzulaufen, vor mir oft so, dass ich ihn gar nicht mehr sehen konnte. Nix fuer meine schwachen Nerven. Und das ist der Hund, den wir neben dem Auto herlaufen hatten etwa anderthalb Kilometer weit mit knapp 40kmh, d.h. muede machen konnte ich den nicht. Aber als ich Dienstag abend nach Hause fuhr, lebte er noch. Ich war naemlich schlau und habe mir fuer meinen zweiten und dritten Arbeitseinsatz ein Halsband und eine lange Kette mitgenommen und den – sehr netten – Hund im Schatten an einen Baum gebunden. Er hat was von meinem „Pausenbrot“ abbekommen und schien gar nicht so ungluecklich.

Steine habe ich beim ersten Maeheinsatz so einige gefunden, gluecklicherweise sind mir Hirschkaelber erspart geblieben. Und ich hoffe, dass das so bleibt. Stattdessen habe ich bestimmt Millionen Heuschrecken zu Invaliden gemacht, diverse Maeuse getoetet und damit viele Raben und kleine Falken froehlich und satt gemacht. Auch eine Schneeeule und ein Kojote haben meine Maehspur begleitet. Die Heuschrecken sind heutechnisch meine direkten Konkurrenten, die fallen inzwischen in grossen Mengen ueber die Wiesen her, und es wird allerhoechste Zeit, dass das Gras zu Heu wird. Andererseits – Sommer in Alberta ist jetzt in meinem Kopf bestimmt fest verbunden mit dem unverwechselbaren Klicken der Heuschreckenfluegel, wenn sie durch die Gegend fliegen. Und wenn man sie mal unvoreingenommen anschaut, sind sie eigentlich schoen. Es gibt dunkelrote Hinterbeine, gelbe Fluegelunterseiten, irgendwo ist noch was knallrotes, und sie haben interessante Gesichter. Ueberhaupt fand ich also den Heueinsatz, insgesamt bis jetzt gut 20 Stunden, sehr nett. Es hat was, so frueh am Morgen ueber dem dunstigen Tal zu stehen, die Luft ist frisch, die Moskitos sind zwar schon da, aber auf dem Traktor erwischen sie einen nicht. Am dritten Tag hatte ich dann auch endlich Ohrstoepsel, so dass die betraechtliche Geraeuschkulisse etwas gedaempft war.

Tja, und jetzt hat es auf mein wunderbares Heu geregnet. Letzte Nacht gab es rundum fette Gewitter, wir selbst hatten hier nur etwa einen viertel Inch, aber Marv berichtete heute morgen, dass suedlich von ihm noch der Hagel auf den Feldern liege. So werde ich dann heute nicht in die Geheimnisse des Wellenschlagens eingeweiht. Vielleicht morgen. Und dann auch die Rundballenpresse. Die finde ich ein bisschen unheimlich, denn die laeuft hinter dem anderen Traktor, siehe unten. Heute aber Heu-Pause. Macht insofern nix, als der Chef unterwegs ist, Honig zu ernten. Am Dienstag naemlich, als ich nach acht Stunden Maehen heimkam, ging es gleich weiter mit der Honigschleuder. Es wurde eine Nachtschicht, und im direkten Vergleich muss ich sagen: Treckerfaaahn ist schoener. Klebt nicht so. Aber knapp 400 kg Honig sind im Tank, und heute kommen sicher noch mal 250 kg oder so. Ist dringend noetig, denn wir haben Auftraege fuer mindestens eine Tonne!

Gestern abend, als sich schon die Gewitterwolken auftuermten und fuer einen dramatischen Sonnenuntergang sorgten, durfte ich dann den anderen Traktor ausprobieren, der vom Feld nach Hause geholt werden musste. Marvs Frau ist – „She picked the right time…“ – fuer eine Woche weg, und so fehlt immer irgendwo ein Fahrer. Der andere Traktor ist ein alter International, erinnerte mich irgendwie an ganz fruehere Zeiten. Und ist graesslich. Aber jetzt hat er die Zaehne im Getriebe frisch geputzt, dafuer hab ich gesorgt. Hat ihm nicht gefallen, hat arg geknirscht, aber wat willste machen? Schalten ist ja bekanntlich kein Geheimnis… Da besteht der Sitz z.B. nur noch aus den Metallfedern, voellig ohne so eine ueberfluessige Polsterung. Kann auch nicht so heiss werden, sagt Marv. Wohl wahr! Und die Lenkung hat eher so zwei Umdrehungen Spiel. Dafuer aber einen schicken Kurbelknopf, den man auch dringend braucht. Auch hier war wieder ein Spanngummi im Einsatz, es hielt den Bolzen fuer die Anhaengerkupplung vor Ort – „Ach, das faellt nicht ab, hat es ja bis jetzt auch nicht getan…“ Die Tuer ging in Rechtskurven auf, in Linkskurven zu, alles automatisch… Aber bei Marv auf dem Hof, da stand dann der dicke John Deere, mit acht Raedern. Ich muss wohl irgendwas in meinem Blick gehabt haben, jedenfalls fragte er: Willste den mal gern fahren? – Klar, das wuerde mir Spass machen! Vielleicht kann ich das mal noch tun. Ins Fuehrerhaus bin ich jedenfalls schon geklettert. Das hat eine richtige Tuer, sogar mit Schloss! Und Klimaanlage, Radio, Licht, Geblaese, alles – und lt. Marv funktioniert sogar ALLES. Das reinste Wunder. Da kaeme dann hinten so ein Monster-Scheibenpflug dran oder so was. Ich glaube, ich stell schon mal einen Antrag, dass ich da mal mit spielen darf.

Nebenher kann ich noch berichten, dass ich fuer eine Woche eine sehr nette Hilfe hatte, die aber leider schon wieder weg ist. Und jede Woche Markt, der gerade intrigen-geschuettelt ist. Das ist etwas ganz neues fuer mich, und als Marktleiterin stehe ich natuerlich an vorderster Front und direkt in der Schusslinie. Weswegen ich nun auch schon auf Facebook mit haesslichen Namen bedacht wurde. Interessant. Aber Maryjane sagt: That, too, shall pass. Geht alles vorueber.

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Woodstock revisited?

OK, das eine, Woodstock, war vor 42 Jahren, dann aber nie wieder, das andere (wo ich war) gibt es immerhin schon seit 33 Jahren alljaehrlich. Und natuerlich hinkt der Vergleich. Aber wenn auch die Besucherzahlen sehr unterschiedlich sind, so aehneln sich doch wahrscheinlich die „Schlaemme“. Wir, d.h. ich spreche von der North Country Fair, benannt nach einem Begriff in Bob Dylans unvergesslichem, von mir heiss geliebten Girl From the North Country, im Volksmund auch als Hippy Days bezeichnet oder Hippy Daze, wie es auf einem von Bob geschenkten T-Shirt steht. Freund Bob hatte mich und dann auch Maryjane schon seit Jahren gedraengt, mit ihm zu kommen, wir haben es beide nie geschafft. Dabei ist Maryjane ja „echt eingeborene“ Kanadierin aus Sexsmith, aber sie ist viel in der Welt herumgekommen, nur nie bis zur NCF.

Freitag hinterliess sie mir eine Nachricht: Ich will zur North Country Fair, kommst du mit? Und spontan, wie wir aelteren Damen nunmal sind, schoss ich andere Plaene in den Wind (eher in den Regen) und am Samstag um 11 Uhr brausten wir, mit Regenzeugs und Wanderschuhen bzw. Stiefeln, Muetzen, Hueten, warmen Lagen ausgestattet gen Nordosten, ins noch schlechtere Wetter. Bei unablaessig mal mehr, mal weniger heftig fallendem Regen haben wir es erstmal nicht gefunden. Aber wir sind ja keine Maenner, wollten also gerade nach dem Weg fragen, da standen wir auch schon am einzigen Hinweisschild. Also ab von der Teerstrasse, rein in die Plempe. Gravel Road, irgendwie ohne Gravel, dafuer mit Unmengen von Schlagloechern, und bei Gegenverkehr sassen wir in milchkaffeefarbener Finsternis, bis die Scheibenwischer wieder fuer ein Guckloch sorgten. But: A roadtrip is a roadtrip, und wir waren fest entschlossen, uns zu amuesieren. Nach einigen Kilometern Schlammpiste entdeckten wir ein Begruessungsschild. Dann den Eingang und dann den Parkplatz. Wir warfen uns in Regenschutzschale, nachdem wir klug geparkt hatten, schon wieder mit Nase in Heimatrichtung und auf einer kleinen Anhoehe. Ab da war naemlich Schlamm. Was aber die Menschen nicht davon abhielt, Spass zu haben. Und wir mittendrin. Musik gab es auch, aber ich fand es fast noch interessanter, mir die Leute anzuschauen. Ich haette mir sehr gewuenscht, besser mit meiner Kamera umgehen zu koennen oder gar eine bessere Kamera zu haben. Etwas hinderlich auch die Regentropfen, die sich immer wieder auf die Linse setzten. Aber hier habt ihr einen kleinen Eindruck von der Szenerie rund um die Main Stage. Es gab abenteuerlichste Outfits, manche sehr der Umgebung angepasst, andere eher schrill. Innovativer Einsatz von Muelltueten und eigens produzierten muelltuetenartigen Regencapes war zu sehen. Dreadlocks in allen Formen und Farben (Wo sind diese Leute, wenn sie nicht auf der NCF sind? Das habe ich mich bei vielen der Typen gefragt.) Sogar manche Musiker trugen Gummistiefel, und wie man auf den Bildern sehen kann, passen schwarze Gummistiefel zu allem, ob das nun ein Paillettenrock oder ein Tutu, ein Brokatjaeckchen oder ein Laptop ist – alles geht.

Fast noch spannender fand ich allerdings unsere kleine Tour durch den Campground. Die Herren mit dem Harley Davidson Feuerring haben uns sogar in ihr Zelt eingeladen, aber Maryjane hat abgelehnt, tztztz… Es gab Trucks in allen Groessen, Formen und Farben und jeglichen Alters. Aeusserst kreativer Einsatz von Planen ebenfalls aller Groessen, Formen und Farben war zu verzeichnen. Es gab eine Couch, eine leicht veraenderte Canada-Flagge, Blumentoepfe, Peters vornehmen Airstream Wohnwagen auf dem letzten Bild, interessante Spuelideen und vieles mehr. Und Schlamm. Ueberall. Und ein Verbot fuer „Canned Music“, ergo viele Gitarren. Freundliche Menschen, unglaublich schmutzige Fuesse, viele Kinder, das ganze durchzogen von stetig wehenden Wolken altbekannter Gerueche, hier fiel haeufig der Begriff Skunk, den ich natuerlich mir erst einmal erschliessen musste. Da merkt man dann, dass mir ein paar Jahre in der Entwicklung fehlen… Natuerlich wurde Maryjane in diesem Zusammenhang auf ihren Namen angesprochen, haha. Der aber kein Spitzname ist, sondern echt.

MJ’s abschliessender Kommentar, als wir bei heftigst stroemendem Regen wieder auf der Schlammpiste gen Heimat waren: Now we’re not virgins anymore. Na bitte! Und wir wiederholen das!

Und uebrigens: Ich habe natuerlich kein Telefon… Aber davon spaeter mehr.

A girl’s best friend…

Das sind ganz klar nicht Diamonds, sondern Heukoerdelchen. Als ich letzte Woche so bei den Vorbereitungen fuer „meinen“ Farmers‘ Market war, da fiel mir das wieder einmal auf. Sie, die Heukoerdelchen, halten die Welt zusammen. Jedenfalls in manchen Regionen. Und was fuer elegante, zerstoerungsfreie Loesungen sind damit doch moeglich. Nix Loecher irgendwo rein haemmern, wie Maenner das tun wuerden, oder jede Menge nicht nachwachsendes Metall verplempern. Nein, ein, zwei  attraktive Schleifchen, und schon ist der Zaun wieder heile, zum Beispiel. Hier eine kleine Galerie der Einsatzmoeglichkeiten, gefunden innerhalb von 10 Minuten in unmittelbarer Umgebung des Hauses, es wird kein Anspruch auf Vollstaendigkeit erhoben.

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Die Diskriminierung und die Latzhose

Frauen werden weiterhin benachteiligt. Das merke ich sogar bei den Arbeitsklamotten. Goenne ich mir doch immer mal Carhartt Woman, weil das angeblich eher auf Frauenformate zugeschnittene Kleidung ist. Aber seht, was mir neulich im Rahmen des unvermeidlichen Toilettenganges auffiel.

VORHER:

NACHHER:

Zwar etwas verwackelt – wahrscheinlich war ich so entruestet, doch dem aufmerksamen Betrachter wird nicht entgehen, dass ich den Bleistift und die Brille aus den Brusttaschen verloren habe. Maennern passiert sowas natuerlich nicht, wissen wir ja, weil das Verfahren ein anderes ist. Ein(e) pfiffige(r) Designer(in) muesste sich doch dazu was einfallen lassen. Oder habe ich nur noch nicht verstanden, wie frau das knopflochartige Schlitzchen und die Druckknoepfe nutzt?

Was man uebrigens im Hintergrund auch sehr schoen sieht, ist der schluepfergruene (genau passend fuer den Sommer-Winter-Mischtyp, das bin ich!) Gipskarton, auf den in ferner Zukunft einmal Fliesen kommen sollen…

Keine Schonung fuer (Schwieger-)Muetter

Waer ja noch schoener, wenn Urlaub bei den Hoe’s auch noch Erholung sein koennte! Und so wird Helga frueh noch vor sechs in die Thermohose gepackt und zum Swan Lake gefahren, wo die beiden dann ihren Fischfreuden nachgehen, bis das Limit erfuellt ist (fuenf pro Nase). Das Ergebnis gefaellt auch mir: Raeucherforelle!

Deswegen sieht es heute morgen hier auch schon wieder so aus – Nebel, der keiner ist, liegt ueber dem Hof, dem Dugout und – wie ich von meinem Schreibtisch aus sehen kann – sogar ueber der Strasse!

Wenn sie nicht angeln gehen darf, muss sie wandern, die Helga. Gestern erneut zum Hochsitz, weil der Chef mal das Uhu-Nest mit dem Fernrohr anschauen wollte. In den letzten Tagen ist der Schnee rapide geschmolzen, aber im Wald sind Teile unseres Weges noch so schneebedeckt, dass diejenigen von uns, die nicht Fraeulein Smillas Gespuer haben, leicht mal die tragfaehigen Stellen um zwei Zentimeter verpassen und – ups! – bis ueber’s Knie versinken. Doch Helga ficht das nicht an, schliesslich hat sie auch den Hoe-Nachnamen, da koennen so kleine Haerten einen nicht abschrecken. Und so ziehen die beiden ueber das „Elchfeld“, waehrend die Autorin (that would be me 🙂 ) es sich auf dem Hochsitz gemuetlich macht, den Flugverkehr ueber Hoe-Land dokumentiert (gestern mindestens vier Flugzeuge, du meine Guete!), die Sonne und die Stille geniesst und ueberhaupt…

Uhu hin –

und Uhu rueck.

Der Uhu bzw. die Uhus haben uebrigens, wie der Chef mir dann berichtete, insgesamt sieben halbe Huehner verkimmelt seit letztem Sonntag. Da hatten wir naemlich geschlachtet, und er hatte die Reste zum Hochsitz geschleppt. Ich hatte mich schon gewundert, wo die so schnell hin verschwunden waren… Dieser Tage werden wir also wahrscheinlich auch noch einen handzahmen Uhu haben… Und ich hoffe, bald Fotos von den Jungtieren zu bekommen.

Auf dem Rueckweg musste ich dann mal am Ende des kleinen Biberteiches, der gerade auftaut, auf einem Baumstamm probesitzen fuer den Platz, an den mal eine Bank soll. Also ich faende diese Aussicht z.b. gut:

Vor wenigen Tagen bin ich da noch mit den Hunden drueber gewandert – haette ich gestern mich nicht mehr getraut.

Ach, aber so eine kleine Wanderung am Nachmittag reicht ja nicht als Programm, wenn man schon nicht angeln geht. Also haben wir Helga vormittags noch in den Chevy gepackt und sind mit ihr zum Little Smoky, genauer, zur Alderridge Bridge gefahren. Leider konnten wir da noch nicht an den Fluss, Suedufer oder so, also noch Tiefschnee. Aber ein Stueckchen vorher ging’s. So haben wir eine ganze Weile am schmutzigbraunen Wasser gestanden und den Eisschollen zugeschaut, wie sie vorbeitrieben oder vor unserer Nase abbrachen und loszogen. Das ganze immer begleitet von Gaenserufen und Enten-Ueberfluegen. Und natuerlich blauer Himmel ueber allem. Und mit viel Wohlwollen meint man schon eine ganz geringe Farbveraenderung in den Baeumen zu sehen, oder??? Jedenfalls will ich das.

Der Schnee schmilzt, wie gesagt. In den Strassengraeben fliesst es, wenn auch nicht so ueppig, wie wir es schon gesehen haben. Unser Dugout ist nach wie vor zugefroren, doch interessanterweise steigt der Pegel. Das ist sehr erfreulich, und bei einer kleinen Kontrolle heute morgen stelle ich fest, dass er tatsaechlich voll ist! Wasser fuer die Ziegen haette ich also nun, fehlt mir „nur noch“ Futter.

Hier sieht man auf dem Foto vom gesunkenen Dugout vorne rechts im Bild denselben Schlauch (allerdings schneebedeckt) wie auf dem obigen Foto, deutlich hoeher ueber dem Eis.

So, jetzt aber fruehstuecken, waehrend Mutter und Sohn sich wahrscheinlich zum letzten Mal fuer diese Saison auf dem Eis amuesieren. Fuer heute sind 18 Grad UEBER NULL angesagt – da staunt ihr aber!

Fortschritt – mal wieder!

Der Fortschritt bzw. die Rationalisierung macht auch vor Sunset House nicht halt. Allerdings habe ich im Moment noch so gar keine Befuerchtungen, dass ich durch derartige Rationalisierungen meinen Job als Wassertraegerin, Koechin, Futterbringerin, Buerohilfe etc. verliere. Es will naemlich niemand anderes ihn machen. Jedenfalls brauche ich so nur einmal zu laufen und bringe gleich mindestens drei Liter Wasser zurueck. Hatte ich erwaehnt, dass von 10 cm Schnee etwa 1 cm Wasser uebrigbleibt? Und dass Alfred an guten/schlechten Tagen einen halben Eimer auf einen Schluck ausleert? Alfred ist immer noch einer von 17 verbliebenen Ziegen… und drei Lamas.

Ob das schon das Weihnachtsfoto ist? Wir wissen es nicht. Der Chef ist heute nach Grande Prairie und hat von mir den ausdruecklichen Auftrag, uns was „Schoenes“ mitzubringen. Wir duerfen gespannt sein…

PS: Da ist mir doch glatt beim Schreiben mein Toast auf dem Hi-Tech-Multifunktions-Smooth-Top-nicht-ganz-stainless-steel-Toaster schwarz geworden. Zuviel Technik.