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Thermometer am Anschlag

1. Maerz. Laengere Tage. Schoeneres Wetter. Denkt man. Aber heute morgen, um 6:54, ist unser wunderbares neues Praezisionsthermometer am Anschlag, d.h. es ist kaelter als – 40 (MINUS VIERZIG!) Waer‘ jetzt auch nicht mehr noetig gewesen in diesem Winter. Damit natuerlich bisher definitiv die kaelteste Nacht des Jahres, aber ich glaube, auch des Winters. Wobei wir ja in der ersten Haelfte andere Thermometer und damit gefuehlt auch schoenere Temperaturen hatten – bis der Chef Praezision wollte. Und das haben wir nun davon… Der Wetterbericht flunkert natuerlich auch, wie so oft. Angeblich sind es im Moment nur -34, aber ich weiss es besser. Ich war naemlich schon zweimal draussen, in der Fruehmorgens-Kaelte-Kleidung: mein beruehmter schwarzer Bademantel, dazu Winterstiefel, Muetze und Handschuhe, bei Bedarf noch das Lichtmutzi. Extravagant, jawohl, selbst wenn einen keiner sieht! Und nein, keine Bilder… Wenn man frisch aus dem Bett kommt, kann man so z.B. den block heater, also den Auto-Oel-Vorwaermer einstoepseln, wenn man vorher den im Haus uebernachteten Generator rausgeschleppt und angeworfen hat. Zwischendurch aber mal kurz aufwaermen. Ab minus 40 naemlich, so warnt der Wetterbericht, kommt es bei exponierter Haut schon in weniger als 10 Minuten zu Erfrierungen.

Ludwig, nicht immer der kluegste unter den Schweinen, wollte trotz fallender Temperaturen gestern abend nicht in den Huehnerstall, sondern besteht auf Uebernachtung im „Sommerhaus“. Ich habe ihm Stroh bis unter’s Dach spendiert, aber ich vermute, sie werden trotzdem arg klappern, die armen Schweine.

Das Schoene ist natuerlich, dass es jetzt schon hell wird und die Sonne deutlich mehr Kraft hat. Doch ein paar Stunden wird es noch dauern, bis alles wieder auf Betriebstemperatur ist. Ich will gar nicht erwaehnen, wo ich hier im Haus heute morgen schon gefrorenes Wasser gefunden habe…

Und fuer so einen Tag hab ich mir dann drei Termine in Grande Prairie gemacht, das kann ja heiter werden.

Schickt uns warme Gedanken, haltet mir die Daumen, dass das Auto durchhaelt (auf dem Rueckweg werde ich Heupellets geladen haben, da koennte man ja zur Not drin uebernachten, eventuell, womoeglich… oder sie zumindest anstecken und ein kleines Feuerchen machen).

Ansonsten – bis naechste Woche!

Zur Abwechslung mal: Winter

Ehrlich, manchmal schwirrt mir der Kopf von lauter tollen Sachen, hoechst geistreich, amuesant und auch womoeglich noch lehrreich – die koennte ich euch alle aufschreiben, wenn ich die Zeit haette oder es nicht einfach wieder vergaesse. Aber heute war ich so ein Braves, habe den ganzen, na, fast den ganzen Tag an den Steuern gesessen (oh, Herr Schu., wie fehlst mir du…) Steuererklaerungen sind ja nicht so mein liebster Zeitvertreib. Ich ordne sie ebenso unter S ein wie Spuelen, Saubermachen, Staubsaugen. Nicht jedoch wie Skilaufen. Obwohl das vielleicht ein etwas hochtrabender Ausdruck ist fuer das, was ich mir dann in meiner wohlverdienten Mittagspause gegoennt habe. Weil naemlich ja immer noch Winter ist, habe ich kurz entschlossen auf unserer „alten“ Farm angerufen und gefragt, ob ich wohl die damals mir zur Verfuegung gestellten Langlaufskier, schon rot, erwerben koenne. Man sah da gar kein Problem. („Wir haben viel mehr Ski als wir Beine haben.“ – Das wusste ich, auf die Erkenntnis hatte ich gehofft 🙂

Auf der Farm begruesste mich in altgewohnter Anschleimermanier der inzwischen ziemlich betagte Puppinger. Nicht schlanker geworden, aber froehlich wie eh und je – wie schoen! Abendgegessen mit den beiden verbleibenden Herren, lange gequatscht und dann mit roten Skiern, seltsamen Schuhen und leicht demolierten Skistoecken heim.

Gleich der erste Ausflug bescherte mir das Gegenteil von einer Bauchlandung. Gut, dass hier nicht so irre viel Verkehr ums Haus und auf der Strasse ist, da will man ja nicht bei beobachtet werden. Heute dann ein zweiter Versuch, meine athletischen PS auf den Schnee zu bringen. Soll ja alles der Blutdrucksenkung dienen… Schon der kleine „Abhang“ vor der Jurte versetzte mich in leichte Panik, aber ich hab’s geschafft, in Zeitlupe. Dann die Schneeschuhspur entlang Richtung erster Biberteich. Da war wieder so ein kleiner Abhang – gruselig. Ich bin quer gestakst. Auch hier: Wie gut, dass mich niemand sah (hoffe ich jedenfalls, es gab naemlich ziemlich frische Spuren von etwas mit Pfoten, das anscheinend neben sich etwas hergeschleift hatte, das womoeglich nicht mehr in der Lage war, seine Pfoten oder Vogelfuesse zu benutzen). Buckelige Schneeschuhspur ist nicht so wunderbar. Aber ich bin dann kurzerhand abgebogen auf den ersten Biberteich, wo ja saemtliche Buckel und auch kleinen Straeucher im Tiefschnee verschwunden sind, der sich fuer mich Super-Ski-As anfuehlt wie eine leicht gepuderte Betonpiste. Vor allem voellig ohne irgendwelche Neigungen nach oben oder unten. Sehr schoen. Mit zwar sehr schmalen, aber zwei Meter langen Fuessen sinkt selbst so ein zartes Wesen wie ich praktisch nicht ein. Und es hat was, so in der Stille ueber den Biberschneeteich zu gleiten. Mehr Spuren von Pfoten und Knacken im Wald liessen mich dann umkehren – bei dem harten Schnee will man niemanden ans Laufen bringen. Auf dem Rueckweg wollte ich ueber unseren Ziegenzaun klettern, von dem nur noch ein bis zwei Draehte aus dem Schnee gucken. Dabei verlor ich einen Ski – und gucke da: Die Betonpiste traegt nur lange oder breite Fuesse, nicht aber mich mit einem Schuh. Weg war ich bis ueber’s Knie. Doof. Doch immer noch: Gut, dass mich niemand sehen konnte.

Bilder gibt’s natuerlich von sowas nicht, ist auch besser so.

Heute morgen war’s zur Abwechslung mal wieder minus 30. Der fuer vorgestern angekuendigte Winter Storm war ein leeres Versprechen, die 10-20 cm Schnee haette ich ja gern gehabt, wenn auch ohne den Wind und nicht alle auf einmal. Aber gekommen sind vielleicht 3 cm, und gluecklicherweise kein Wind. Nur diese minus 30, die haetten sie dann auch behalten koennen. Ende Januar war es ja so warm, dass der Dugout oben drauf antaute und daraufhin die Raender einbrachen. Davon gibt’s Bilder.

Auch wollte der Chef bei dem warmen Wetter die Gelegenheit nutzen, mal den Futterzustand seiner Bienen zu pruefen. Ich habe Abstand gehalten – es brummte und summte und schwirrte gewaltig, als er einen Deckel oeffnete. Aber sie leben noch, jedenfalls anscheinend die meisten der Voelker. Das waere gut und wichtig, denn wir haben schon wieder viele Vorbestellungen fuer Honig.

Die sinkenden Temperaturen hielten den Chef natuerlich nicht davon ab, sein neuestes Projekt fertigzustellen und anzuschmeissen: Die Wachsschmelze. Natuerlich aus Edelstahl. Und angeblich gar nicht so unaehnlich einer Distille. Aber sowas wuerde ich natuerlich nicht wissen. Nun zieren schon viele gelbe Wachskuchen die Werkbank draussen. Der Herr Nachbar D., der auf einem Bild zu sehen ist, soll der Kerzenzieher werden. Mir traut man das anscheinend nicht zu. Aber waaate!

Der Herr Nachbar uebrigens traegt eine von mir gefilzte Kreation auf dem Kopf, die ich nicht fuer gut befunden hatte, die ihm aber gefiel. Und er hat da auch keinerlei Hemmungen – find ich gut. Und der Herr Chef strahlt auf beiden Bildern! Na ja, er hat jedenfalls sowas wie ein Laecheln auf dem Gesicht. Das geht immer dann, wenn irgendwo ein prima Feuer zugange ist!

Und dann noch das Emmi. Es kann gar nicht verstehen, was hier wieder mal schieflaeuft. Da haengt doch jemand Ziegenrippen AN DIE WAND – so ein Quatsch. Kann ein Hund nicht dran. Hat man den ganzen Tag Arbeit, das Gesocks zu vertreiben, dass sich immer wieder anschleicht. Totaler Bloedsinn. Aber es gibt ja Emmi, pflichtbewusst und immer da.

Schnee bis an die Ohren

Jedenfalls, wenn man ein Ludwig ist. Oder eine Zora – ja auch dann noch! Und wenn man dann unvorsichtig versucht, hoechst korrekt in den Wald zu huepfen zwecks Toilettengang – dann ist man einfach futschikato, im Schnee versunken. Natuerlich nicht fotografisch festgehalten, aber sehr amuesant zu sehen. Arme Zora…

Das neue Jahr hat sich ordentlich eingefuehrt, mit einer guten Kaelte- und dann Schneeperiode. Erst war es so um die minus dreissig Grad fuer ungefaehr eine Woche, und dann hat es, bei immer noch denselben Temperaturen, am Freitag glaube ich angefangen, ernsthaft zu schneien. Der Chef hatte schon immer Schnee geschippt. Den ganzen Samstag, zum Beispiel. Ich finde das ziemlich bewundernswert, weil mir schon die Knochen schmerzen nur vom Tore freischaufeln. Und Jurte unzerbrochen halten. Samstag also sah alles ganz ordentlich aus. Und Sonntag morgen hatten wir eine Schneefallwarnung. Und ja, hier kann es auch bei minus 30 immer noch erstaunlich ergiebig schneien, wie wir einmal mehr erleben durften. So hat er auch Sonntag geschippt. Und Montag. Montag allerdings mit deutlich weniger Elan, und wir waren einfach ein bisschen faul. Arbeit (die fuer Geld) wurde kurzerhand abgesagt. Die Strassenverhaeltnisse waren wirklich nicht lustig, und sind es auch noch nicht.

In solchen Schneezeiten ist natuerlich auch unser hoch geschaetzter und normalerweise zuverlaessiger albertanischer Sonnenschein voruebergehend ausser Betrieb, und so war es schon gestern abend um so schoener, die Wolken aufreissen und ein bisschen Blau zu sehen, dekoriert etwas spaeter dann noch mit abend-rosa. Heute gab es noch mehr blauen Himmel. Doch: Das ist laut Wetterbericht nur voruebergehend. Es soll zwar waermer bleiben (heute morgen fruehlingshafte -14C, da kommen sofort alle Huehner vor die Tuer), aber auch wieder Niederschlaege geben, sogar Eisregen ist gemeldet, und das ist kein Spass.

Kaelteverluste gab es bis jetzt keine, das ist schoen. Allerdings bedient sich das Wiesel mit relativer Regelmaessigkeit. Und isst nie den Teller leer, sprich: das Huhn auf. Finde ich ungehoerig. So muss Emmi hinterher raeumen, was sie aber gern und gruendlich tut.

Ansonsten: Ticket ist gekauft, vom 6. bis 31. Maerz bin ich unterwegs. Nun hoffe ich nur, dass die Behoerden auch wirklich, wie fast versprochen, die Bearbeitung der PR Karte beschleunigen.

Diese Bildperspektive hatte ich neulich schon mal – jetzt sollte ein deutlicher Unterschied in der Hoehe der „Seitenbegrenzung“ zu erkennen sein. Ludwig hat sich nicht weiter getraut, da, wo er steht, hat der Chef aufgehoert zu schieben. Und Schweinebaeuche haengen tief…

Schneelawinen wurden kontrolliert ausgeloest, damit es nicht zu Verlusten kommen konnte – so’n Hund oder Schwein ist schnell verschwunden. Auch ein Generator… der uebrigens da steht, weil er im Haus genaechtigt hat, wo es warm ist. Dann startet er morgens bei Bedarf ganz entspannt.

Was rechts am Jurtendach lehnt, ist ein „Schneeschaber“ extra fuer Daecher. Kann ich ausziehen auf 21 Fuss, also 7 Meter. Funktioniert prima fuer die Jurte, die nicht so gut einen knappen Meter Schnee auf dem Dach verkraftet. Sie war wegen abgezogenem und auch vom Poleshed abgerutschtem Schnee bis an die obere Kordel versunken… Aber es ist anscheinend alles heile geblieben.

So, nu wisst ihr’s. Jetzt seid ihr wieder dran mit Schnee…

Ach ja: Und auch wenn viele Nicht-Eingeweihte, darunter der Herr E. aus V., meinen, dass Winter verzichtbar sei: Ich find‘ ihn nach wie vor ok, oft auch wirklich schoen. Man muss es mal erlebt haben, sonst kann man wirklich nicht mitreden. Sagt sogar Frau B. aus W., und die ist nun wirklich nicht so’n doller Outdoor-Fan, gelle? 😉

Tief Petra

Hat ja was, dass ich jetzt auch noch an eurem Wetter schuld sein soll… Wo ich doch neulich an dieser Stelle ausdruecklich publiziert habe, dass ich Winter eigentlich schoen finde. Da hat sich der Winter gedacht, er gibt mir noch eins drauf. Einen ganzen Tag und wahrscheinlich eine halbe Nacht hat es geschneit. Gut, dass ich mit einem Schneeschieber verheiratet bin. Der allerdings nur einen ganzen Tag Schnee schieben konnte, weil er sich am Vorabend, als es naemlich den besagten ganzen Tag geschneit hatte, selbst mal in den Graben begeben hat. Beim Versuch, mit meinem kleinen Bus rueckwaerts aus unserer Einfahrt zu kommen, durfte ich mich und die Einfahrt etwa dreimal freischaufeln. Natuerlich nicht annaehernd so schoen, wie das der Chef macht. Wir haben halt etwas verschiedene Prioritaeten. Jedenfalls war am naechsten Morgen nicht an eine Fahrt zur Arbeit zu denken. Der Schneepflug liess auf sich warten, und unsere Schotterstrasse hatte nur eine Spur, die zu treffen aber Glueckssache war.

Heute isser dann aber wieder arbeiten, die Lohnerhoehung will schliesslich auch ausgenutzt werden. Ich habe eben eine kleine halbe Runde mit Schneeschuhen gedreht. Es flogen naemlich so einige Raben um mich rum, und aus dem Wald vernahm ich seltsame, nie gehoerte Toene. Also Hunde bei Fuss (na ja, so gut es geht mit unerzogenen Hunden im Tiefschnee…), Schneeschuhe an und raus. Ich hab mich aber nicht aus dem Ziegenzaun getraut und nichts sehen koennen. Wenn der Chef heute frueher kommt, zerre ich ihn noch mal mit. Sowas ist doch immer sehr spannend. Auf dem Rueckweg habe ich noch eine kleine Spitzmaus hoffentlich gerettet. Wie diese Winzlinge ueberleben, ist mir ein voelliges Raetsel. Die Temperaturen gehen lt. Wetterbericht im Moment nicht ueber -17 oder so am Tag, nachts natuerlich etwas frischer. Unsere Thermometer luegen und geben uns immer -10 bis -15.

(George ist verwackelt, weil mir wahrscheinlich kalt war…)

So sahen die beiden Einfahrtshaelften nach fast einem Tag schaufeln aus. Ich moechte hier mal erwaehnen, dass ein nicht namentlich genannter Nachbar, allein und von Arbeitslosengeld im geheizten Haus und mit fliessend Wasser auf einem relativ kleinen Grundstueck lebend, einen Snow Blower hat. Ich weiss nie so genau, was ich dazu denken soll, bzw. ob ueberhaupt was. Vielleicht besser nicht. Wir suchen uns das ja aus. Also still jetzt!

Der Chef jedenfalls sieht nachher so aus:

Er fand, es sei schrecklich warm draussen…

Aus meinem Fenster sehe ich am liebsten sowas: fressende Tiere, die nicht frieren, ein schoener Himmel, und ich im Warmen.

Vorne rechts uebrigens mein derzeit liebstes Gefaehrt: der calf sled, also der Schlitten, mit dem theoretisch der Bauer ein neugeborenes Kalb aus der Kaelte reinschleppen kann. Kann aber auch fuer den Transport eines erlegten Wildes genutzt werden. Haelt drei Heuballen (ordentlich gestapelt und bei vorsichtiger Fahrweise!). Dito diverse Saecke Futter. Dito eine Wanne Feuerholz + einen Arm voll (fuer die alte Kueche).

Jetzt memmt also mal nicht mehr rum. Schnallt euch die Schneeschuhe unter und dann ab in den Wald!

Bizarre Welt

Ein anderes Wort faellt mir gerade nicht ein fuer die letzten paar Tage. Der letzte Weihnachtsmarkt ist geschafft, ohne Probleme, im Gegenteil mit freundlichen Helfern und netten Gespraechen. Aber auch einigen Bizarrheiten. Manchmal gucke ich eher von aussen drauf und sehe mich in diesem Film, in dem dunkel gekleidete Hutterermaedchen eifrig in Avon-Katalogen blaettern, deren Produkte sie offiziell nie benutzen duerfen. In dem sehr runde aeltliche (wahrscheinlich 54) kleine Damen mit grauen Persianerloeckchen Polyacryl-Babykleidung haekeln in – na ja – babyrosa, babyblau, babygruen, babygelb, in dem es aber auch die schon mal erwaehnte tarnfarben-baumwollene Umhuellung fuer die Spueliflasche gibt. Professionell hergestellte Alpaca-Webdecken neben den allgegenwaertigen Haekel-„Afghans“, haeufig mit wellenfoermigem Muster versehenen Polyacryl-Decken, die hier anscheinend unabdingbar auf Sofas und Betten herumliegen. Ein Mann mit staerkstem osteuropaeischem Akzent, der ukrainische Wurst und Mohn- und Walnussstrudel verkauft (den ich natuerlich kaufe, weil superlecker und Heimwehmaterial) und der hinter seinen Tischen in einer kleinen Gideons-Bibel liest. Der aber von den anderen Baeckerdamen misstrauisch beaeugt wird, bringt er doch seine Waren aus der City of Edmonton. Gegenueber von den Hutterern eine junge Frau, die essentielle Oele fuer die Energiearbeit mit Menschen und Raeumen anbietet, darunter Monsterspray (Lavender und Kamille, anzuwenden gern in Kinderschlafzimmern, wenn dort mal wieder schwarze Wesen unterm Bett lauern 🙂 Eine beinamputierte froehliche junge Frau, die immer tiefdekolletiert rumlaeuft, zwei entzueckende Kinder hat, einen hoch interessanten Nachnamen, und die wunderschoene handgestrickte Cowls (solche Halswaermerteile) verkauft. Daneben die Petit-Point-Polyacryl-gestickten, haeuschenfoermigen Behaeltnisse fuer Kleenex-Schachteln. Barbie-Koepfe auf Draht-Perlen-Krinolinen-Konstruktionen, mit Fluegeln zudem. Die Lebenserinnerungen eines alten Trappers, von ihm selbst aufgeschrieben und als Buch veroeffentlicht, mit dem Trapper mit Pelzmuetze hinterm Tisch.

Ich sag es euch, man muss es sehen, um es zu glauben. Und das alles in unserem kleinen Valleyview! Und dazu Intrigen, Anfeindungen, Umarmungen, Dankeschoens fuer einen guten Markt von relativ fremden Menschen. Nach einigem an Vorbereitung in Form von Telefonaten, Emails, Papierkrams hatte der Markttag fuer mich um 5 Uhr begonnen, und um 20:08 waren wir mit Abbauen fertig, und vor mir lag nur noch das Einraeumen der Hinweisschilder von den Buergersteigen und dann die Heimfahrt durch den stetig fallenden Schnee, minus 20 Grad. Als ich aus der ueberheizten Halle trat, musste ich erst mal vorsichtig atmen. Aber frische Luft, wie wunderbar! Winter ist immer noch ok.

Zu Hause war es warm, und der Chef hatte nach kurzer Uebersicht ueber die Einnahmen schon eine Flasche Wein temperiert (und auch schon angebrochen, der ungeduldige Mensch.) Und die Heimfahrt hatte auch geklappt. Im Gegensatz zu der vom Vortag…

Ich war naemlich Ziegen ausliefern, drei Stueck, die erstmal der Tiefkuehltruhe entronnen sind, wie schoen! Sie werden die ohnehin schon grosse Herde (300 Stueck) der benachbarten Kaschmirziegenzuechterin mit ihren Milchqualitaeten bereichern. Dann schnell in die Stadt, Buecher abliefern, ein paar Dinge erledigen, und heimwaerts. Auf dem Highway nach Osten Gegenverkehr, festgefahrene Schneedecke, Schneegestoeber – und keine Last mehr auf den Hinterraedern, bei Antrieb eben dort. Um nicht zu weit auf die Gegenfahrbahn zu kommen, geriet ich wohl zu weit an den schneebedeckten Teerrand, der Bus zog kaum merklich erst, aber dann doch sehr bestaendig nach rechts, ich kriegte ihn nicht rumgezogen, und so rauschte ich einmal mehr in den Graben! Diesmal allerdings mit Ueberquerung einer Einfahrt und dem dazugehoerigen Aufprall auf deren Boeschung, und diesmal auch mit der Sorge, dass ich mich tatsaechlich seitlich ueberschlagen koennte, so bedrohlich schief hing ich voruebergehend. Hat aber alles prima geklappt. Bus gruendlich festgefahren, direkt gegenueber von dem Hof, wo ich schon mal wegen eines Platten liegengeblieben bin und dessen Bewohner ich fluechtig kenne. Der Chef war sowieso auf dem Heimweg, hat mich und die Wertsachen eingesammelt und den Bus haben wir erstmal seinem Schicksal ueberlassen. Was fuer ein Glueck, dass wir keine teuren Autos haben, davon aber einige. Gestern allerdings bat sich der Chef aus, dass ich den anderen Bus auf der Strasse lasse: „Wir haben ja nur so viele Autos!“

Jetzt sitze ich muede und mit so’ner Art Muskelkater im Bett und mag mich dem Tag noch nicht stellen. Immer noch kalt, immer noch Schnee, immer noch dunkel. Ich verstehe nicht, wieso die ganze Schlepperei (Wasser, Heu, Futtersaecke, Markttische, Honigeimer, widersetzliche Ziegen) mich, statt staerker, nur muskelkateriger macht. Gestern sagte eine Haendlerin: Sport gilt anscheinend nur, wenn man dafuer bezahlt, alles andere nuetzt nix. Wer weiss, vielleicht ist das so… Und dann wollten sie mir auch noch weismachen, dass man nur bis 30 fitter wird, danach unabdingbar schwaecher. Nein, nein, nein, das geht ja wohl gar nicht! Allerdings habe ich durch den Markt herausgefunden, dass in der relativen Nachbarschaft eine gepruefte Masseurin lebt, die sowohl zu Hause arbeitet als auch Hausbesuche macht. Der werde ich wohl meinen Nacken und meine Schultern mal anvertrauen, als kleines Weihnachtsgeschenk fuer mich selbst.

Und jetzt noch einen Tee, und dann Tuerchen Nr. 10 geoeffnet!

Winter ist schoen.

Jedenfalls bis jetzt. Nach dem ersten kleinen Besuch im Tiefkuehlschrank ist es jetzt mild und war auch heute wieder den ganzen Tag wunderbar blauhimmelig und sonnig. Nur eben, als ich alles erledigt hatte draussen, kam ploetzlich Nebel von Norden, und – schwupp – war es finster. Aber das ist ok. Da kann ich schoen am PC sitzen und ein bisschen Sonntag spielen und etwas faul sein.

Letzte Nacht sind etwa 5 cm Schnee gefallen, so dass ich heute erstmal wieder das Jurtendach freigeschoben habe. Besser ist das. Waere ja schade, wenn da ploetzlich ein Mikado entstuende.

Jetzt warte ich noch auf eine Heulieferung, weil mein schoenes Quaderheu ja schon so schrecklich geschrumpft ist. Aber dann kann ich wieder beruhigt dem Restwinter entgegensehen. Ludwig und Lili sind in den Huehnerstall umgezogen, haben jetzt also Huehnerheizung, oder die Huehner Schweineheizung. Sie haben sich aber noch nicht so recht gewoehnen wollen und versuchen immer wieder, die Nacht in ihrem „Sommerhaus“ zu verbringen. Dumm. Denn das hat praktisch keine Isolierung und natuerlich keine Lebendheizung. Na, mit ein bisschen Hundefutter kann man sie ueberreden.

Neulich morgens, allerdings nach einer knackig kalten Nacht, sah mein Wasserloch so aus:

Wenn Butella…

… eine Konsistenz wie Fensterkitt bekommt,

… die Milch aus dem Kuehlschrank wie Sorbet mit Creme-Fraiche-Haeubchen aussieht (wiederum konsistenz-bezogen, natuerlich…)

… wenn die Waescheklammern sich weder von der Waesche noch mitsamt dieser von der Leine trennen wollen

… wenn Teppiche ploetzlich nach dem Lueften (und nach ein bisschen Niederschlag) selbststehend sind

… dann ist Winter. Wie zum Beispiel jetzt.

Natuerlich musste das ausgerechnet passieren, wo ich doch morgen meinen ersten Weihnachtsmarkt als Marktleiterin absolvieren muss. Es macht mich ziemlich nervoes, das kann ich euch aber sagen.

kalt – mal wieder

Nur damit sich keiner mehr ueber mein schweigen beklagt 😉

Diese zeilen tippe ich mit steifen fingern auf dem handy, waehrend ich im dicksten winteranzug neben dem ofen sitze. Draussen hat das eine thermometer bei -38 seinee grenzen erreicht, das andere laesst mindestens -40 vermuten – kaelteeinbruch kurz vor fruehlingsanfang. Die anhaltende bzw immer wiederkehrede kaelte ist einer der gruende warum hier nichts aktualisert wird. Es ist manchmal zu frisch, um dafuer in die stadt zu fahren. Ausserdem ist es gar nicht schoen, das haus laenger allein zu lassen, es kuehlt aus und wird widerlich. Bilder waeren auch immer gleich – schnee, schnee, schnee!
Weiter muss man versuchen, soviel wie moeglich gutes futter in die tiere zu kriegen, damit sie besser heizen koennen. Bis jetzt scheinen wr noch keine verluste zu haben, habe allerdings heute morgen noch nicht jede/n gesehen. Am bedrohtesten sind glaube ich die huehner. Die schweinchen halten sich tapfer und schimpfend, die lamas koennen anscheinend beim haarewachsenlassen einen schnellgang einlegen, jedenfalls zittern sie noch nicht mal mehr.

Der arme gereon musste am wochenende bei minus 31 windchill ein neues rolltor in der firma vorbereiten, das war gar kein spass und er hat sich ausnahmsweise mal eine erkaeltung mitgebracht. Fuer heute morgen ist eine windchil warning in kraft: kleine -48 macht das bisschen luftbewegung aus den -35 oder so.
Die nachbarin hat in einer nacht 10 laemmer verloren.

Zora klappert selbst im haus, wo natuerlich auch in ecken und bodennaehe so einiges gefroren ist. Zora wuenscht sich einen vlies-pyjama.

Ich hoffe dass es jetzt mit der kaelte mal gut ist. Es reicht allen. Am 21 maerz reise ich an und bleibe bis 15 april. Macht mal schoenes wetter da in deutschland, bitte sehr. Regen und kuehl brauch ich nu auch nich mehr. Und uebrigens scheint natuerlich hier bei all den minus-graden die sonne vom strahlendblauen himmel. Nuetzt aber grad nicht viel.