Archiv des Autors: Petra

Konditionierung

Man kann Ziegen auf Motorsaegengeraeusche konditionieren. Das wissen wir nun wirklich. Heute morgen fuhr ich mit meiner Heuschubkarre zu den wartenden, quengelnden Ziegen, die sich nach wie vor im abgefressen Zaun rumtreiben
Dann warf Gereon im Hintergrund die Motorsaege an. Hoch gehen die Koepfe, und schwuppididu, wenden sich alle Ziegen „wie ein Mann“ von mir ab und rennen in Richtung Motorsaegengeraeusch. Sie wissen naemlich inzwischen genau, dass da dann gleich Baeume mit gruenem (!!) Laub umfallen, lecker!
Wer aber jemals all das abgefressene Holz da aufraeumen soll/will, das weiss der liebe Himmel. Any volunteers? Walter??? 🙂

Ansonsten: Die Wirtschaftskrise scheint uns nun doch ernsthaft zu erreichen. Zwar sieht Gereon das immer noch nicht so, aber ich gehe davon aus, dass er in kurzer Kuerze seine Arbeit verlieren wird. Sein Chef hat ihm angeboten, ihn zu entlassen, weil er sich mit Arbeitslosengeld besser steht als mit einem Tag Arbeit pro Woche. Logisch. So ergab es sich fuer mich guenstig, dass Karla gerade mal wieder Unterstuetzung sucht. Nachdem ich mich schweren Herzens zum Einstellen meines Melkbetriebes durchgerungen habe, ist nun der Weg frei fuer eine Arbeit gegen Geld. Im Moment sieht es nach drei Tagen pro Woche aus. Der allergroesste Vorteil, meiner Meinung nach, ist der, dass wir dann weiterhin Benefits haben. Denn zwar ist ja die medizinische Grundversorgung inzwischen voellig kostenlos, aber Medikamente und Sondergeschichten bezahlt man selbst, und vor allem geht der Zahnarzt auf die eigene Rechnung. Und der ist richtig teuer! Ueber die so genannten Benefits sind aber auch Zahnarztkosten zumindest teilweise abgedeckt. Ich faende das wichtig. Zudem gibt es wohl auch noch Nachlaesse bei tieraerztlichen Einsaetzen. Und das ist auch nicht von Schaden, scheint mir. So ist es dann ab naechste Woche vorbei mit dem „sorglosen Leben der Hausfrau“, und ich muss wieder oefter auf die Uhr schauen. Aber nuetzt ja nix, Bargeld muss her.

Schade, dass man keine Huehner gewinnbringend verkaufen kann. Seit etwa 14 Tagen stuerzen die Kueken nur so auf uns ein. Wir sind jetzt auf insgesamt 43. Noetig war das alles nicht gewesen. Was zwei Haehne fuer ein Unheil anrichten koennen. Aber es wird keinen Mangel an Huehnersuppe geben, da darf man von ausgehen. Und Gemuese fuer in die Suppe ist auch ausreichend vorhanden. Der Garten sieht derzeit so aus

Und meine zweiten Sieglinde-Testkartoffeln so!

Und ja, die Beissspuren am „Kloesschen“ sind wohl von Zora, als sie noch jung und unvernuenftig war. Ueber die Kartoffeln freut sich glaube ich Gereon am meisten. Ich mache mir schon wieder Gedanken, wo ich sie wohl lagern kann. Denn in dieser Hinsicht ist ja noch kein Land in Sicht. Koennte sein, dass dieses Jahr sogar Sellerieknollen gewachsen sind, das waere natuerlich ziemlich wunderbar. Dafuer faengt mein Lauch heftig an zu bluehen, Dieter meint, es liegt am mangelnden Wasser. Doof.

Der Farmers‘ Market ist jetzt runter auf einmal monatlich, aber die Honigverkaeufe sind nach wie vor recht gut. Beim vorletzten Schleudern rief Gereon mich, um mir den auslaufenden Honig zu zeigen: Dunkel wie Ruebensirup! Ich war eher entsetzt. Nun zeigt sich, dass das Honigtau-Honig ist, von den Birken, die in diesem Jahr ganz besonders von Blattlaeusen geplagt wurden. Ich hatte schon ueberlegt, wie ich den wohl an die wenig experimentierfreudige Valleyviewer Kundschaft verticke, aber ein Gespraech heute mit Adony Melithopoulos (ist das nicht ein wunderbarer Name??!) von der Beaverlodge Research Farm ergab, dass, jedenfalls lt. Adony, Honigtau-Honig hier noch nie bewusst geerntet worden ist, oder so aehnlich jedenfalls. Also haben wir eine absolute Raritaet (die uebrigens meiner bescheidenen Meinung nach auch schmeckt wie Ruebensirup, also nix wirklich besonderes…), die wir versuchen werden, zu einem hoeheren Preis in Kleingebinden an die interessierte Kundschaft abzugeben. Irgendwo, wie gesagt, muss Bares herkommen. Und ungewoehnlich ist er mit Sicherheit. Suess, suess, suess. Sollte eigentlich fuer die Einheimischen genau richtig sein.

Fuer das Wochenende steht nun was von Null Grad im Wetterbericht. Mal sehen. Bis jetzt ist es noch gut gegangen, obwohl Bohnen und Tomaten praktisch ein Totalausfall sind. Ansonsten koennen wir ueber das Wetter kaum klagen, blauer, unglaublich blauer Himmel, warm, heute sind 27 Grad gemeldet, manchmal eine leichte Brise, angenehm kuehle Naechte. Ideales Urlaubswetter. Doch auch hier eine Downside: Es ist nach wie vor extrem trocken, so dass die Waldbrandgefahr auch immer noch extrem hoch ist. Und unser Dugout ist mindestens einen Meter runter.

Gestern abend sassen wir zum Abkuehlen in der Abenddaemmerung vorm Haus auf der Bank (wie die alten Leute das so tun), da schwirrte ploetzlich wieder die Luft ueber uns, es klingt wie ein frischer Wind, aber es sind Hunderte von kleinen Enten, die, aus Norden kommend, anscheinend zum Uebernachten auf den Snipe Lake fliegen. Als Gereon das letzte Mal am Biberteich war, berichtete er von etwa 1000 solcher Entchen auf dem Teich. Leider hat er auch entdeckt, dass die Biber unsere womoeglich dickste Aspe schon halb durch haben – schade. Inzwischen liegt sie sicher am Boden.

Und waehrend wir gestern abend da also mit Dieter, der in Kuerze nach B.C. faehrt, um seinen Hausstand dort einzuladen und in unsere Nachbarschaft zu ziehen, waehrend wir also da sassen und quatschten (mit einem kurzen „a“!), geht das Heulen wieder los. Kojoten im Sueden und Woelfe im Norden. Ziemlich beunruhigend nach dem letzten Intermezzo. Die Hunde natuerlich voellig aus dem Haeuschen. Ich konnte kaum einschlafen, so viel und lange musste die arme Emmi bellen. Ein Nachteil unserer schoenen Wege ist natuerlich, dass das auch fuer die Wildtiere die reinsten Autobahnen sind.

Und noch: Das Buecherei-Team der „Dewey Decimals“ (zu dem ich gehoere), hat seinen Titel bei der diesjaehrigen Spelling Bee an einer Valleyviewer Schule erfolgreich verteidigt. Zu buchstabierende Woerter waren u.a. „Whippoorwill“, „marbleize“, „onomatopoeia“ (ha, einfach fuer den Altsprachler), „caterwaul“ (haeh?? hatten wir natuerlich falsch!).

Haelfte zu verkaufen?

Manno, hab ich heute aber eine Laune. Jetzt sitze ich nach dem (hoffentlich erfolgreichen) Farmers‘ Market in der Buecherei und quaele mich mit irgendwas langsamem rum, ich weiss nicht, ob es das bloede drahtlose Netzwerk ist oder mein Rechner, der sich langsam zumuellt. Jedenfalls ist alles aetzend schleppend. Und das Wetter war heute erst deprimierend, aber jetzt soll es fuer die naechsten fuenf Tage sonnig bleiben. Die Ziegen zanken mich ziemlich, weil im Grunde das schoenst eingezaeunte Land leerst gefressen ist. Was Gereon ihnen abschneidet, ist fuer den hohlen Zahn. 25 Ziegen, davon 6, die Milch geben, die tun sich schon ganz schoen was rein. Also sind sie immer graetig drauf und boxen und pruegeln und ich, ohne Hoerner, bin im Nachteil. Tore ohne Scharniere, die man immer komplett anheben muss, die aber leider mindestens 2 Meter lang sind, helfen auch nicht. Immerhin haben wir, also Margaret und Katrin und ich, eingekocht wie die Doofen oder eher wie die Schlauen. Diverse Dutzende Glaeser Tomaten, Kirschen, Pfirsiche, Aprikosen und Tomatensauce zieren nun die alte Kueche. D.h. sie zieren nicht, sie verstauben, so sie nicht in Kisten sind. Dazu haben wir am Montag noch zu viert 175 lbs Sauerkraut produziert, das wir dann unter 5 oder 6 Abnehmer aufgeteilt haben. Es bubbelt neben dem Herd froehlich vor sich hin. Das sind die Highlights, einerseits. Die Downlights (haha!) beinhalten eben die mistigen Ziegen, das suboptimale (danke Severin fuer das schoene Wort!) Handlingsystem, das nicht vorhandene fliessende Wasser (das naemlich das Einkochen deutlich erschwert, dito die Kaeseproduktion, denn jetzt muss ich mit allem Wasser noch zwei Stufen ueberwinden, auf dem Rein- und dem Rausweg). Heute morgen also waere ich bereit gewesen, meinen Anteil dem Meistbietenden zu ueberlassen, gegen ein Ticket und etwas Bares. Na ja. Markt hilft immer. Meine Marketenderinnen-Gene schlagen dann voll durch, und ich amuesiere mich. Und am Wochenende werde ich mit MaryJane und Bob zu einem Hauskonzert fahren. Wenn das nix wird, dann weiss ich es auch nicht.
Meine Assembly-Line fuer das Einmachgut bilde ich hier mal ab, ausserdem Ludwigs Nickerchen-Frisurenkreation fuer Schwesterfrau Lili



Ach ja, und noch neun winzige neue Kueken, doch immer noch kein Babylama. Aber es besteht noch Hoffnung. Auf das Babylama.

Albatrosse???

Hat das keiner gemerkt? Albatrosse gibt’s hier naemlich nicht. Und auf dem Bild hat Severin Pelikane erwischt.

Letzte Nacht der erste ernsthaftere Frost nach doch immerhin, na, gut zwei Monaten, schaetze ich mal. Die Bohnen, die unter der Abdeckung hervorlugten, sind transparent geworden. Prima. Nicht, dass schon ueberhaupt Bohnen dran waeren, aber doch Blueten.

Das Lama bastelt anscheinend an der Milchproduktion, die Spannung waechst also.

Und Severin hat die Heimreise angetreten – schade eigentlich. Gereon wollte ihn ja zwangsverpflichten, aber selbst das ist bei all der Holzmacherei und Zaunbauerei scheint’s untergegangen.

Nach der Aufregung

Zum einen versuche ich das jetzt doch nochmal mit dem Bildchen, weil wegen des Groessenvergleiches mit Emmi.

Pelikane

Pelikane


zu kleiner Hecht

zu kleiner Hecht


abends am snipe lake

abends am snipe lake


pseudonilpferde

pseudonilpferde


die chefin

die chefin


DAS lama

DAS lama


wirklich schade

wirklich schade


neugieriges huhn

neugieriges huhn

So, nun habe ich Severins Bilder einfach kreuz und krach eingestellt. Alle machen schoenere Bilder als ich, finde ich. Albatrosse z.B. hatte ich noch nie. Und natuerlich auch nicht kitschige Sonnenuntergaenge, weil ich naemlich dann nie auf dem See bin, sondern meist am Steuer. Ziegen und Lama und Huehner kennt ihr ja alle zur Genuege, aber mir gefielen die Bilder so gut. Erschuetternd ist, dass nach all der Arbeit mit dem Zaun die Ziegen nach einer Woche ihren aktuellen Teil schon so runtergefressen haben, dass sie unzufrieden sind und ihre Baeuche nicht mehr korrekt gerundet.

Ansonsten ist es kaum zu glauben, aber Severin ist schon drei Wochen hier, jetzt planen die Maenner noch einen Ausflug nach Two Lakes und zum Rodeo muss er auch noch. Ich habe den Verdacht, dass Gereon ganz froh ist, Severin als „Ausrede“ zu nutzen. Und das ist auch absolut in Ordnung so. Sollen die beiden mal noch was angeln gehen. Es wird ja hoffentlich nicht in Kuerze Frau Wolf vorbeischauen. Das waere natuerlich bloede.

Heute morgen in Valleyview am „Flughafen“ +3 Grad. Gefuehlt ist der Sommer vorbei. Auf dem Weg zu meinem Farmers Market heute sah ich die ersten gelben Blaetter. Dabei haben meine Tomaten ueberhaupt keine Blueten (und auch nicht wirklich sonst was an Blaettern oder so) und meine Bohnen fangen gerade erst an zu bluehen. Mit dem Garten ist es dieses Jahr trotz dschungelartigen Aussehens (ueberwiegend durch ueppig wucherndes Unkraut verursacht) wirklich schwierig. Wir werden uns wohl von Ziegen, Kartoffeln und ein paar Moehren ernaehren muessen.

Mehr faellt mir nicht ein, nach einem Markt kuesst mich die Muse nicht mehr. Nuetzt ja nix.

Der Wolf und die 25 Geisslein

Adrenalin am Morgen! Jetzt hab ich also noch mal eine echte Kanada-Busch-Geschichte fuer die geneigte Leserschaft.
Wecker klingelt um 5, wir drehen uns noch einmal um, dann faengt Emmi in der Kueche an zu bellen wie bloede. Zora springt auf und steht am Fenster, und auch auf Gereons freundlichen „Schnauze-halten“-Klaps beruhigt sie sich nicht. Ich gucke mal raus, und da laeuft was ueber den Hof! Kojote? Also Zora rausgelassen, der Gatte aus dem Bett, Emmi aus der Kueche, grosses Tohowabohu, Hunde in die falsche und richtige Richtung (wer lief wohl in die falsche Richtung???), Riesen-Gebell, nix mehr zu sehen bis auf die total aufgeregten Schweine, die mit einer Kopfhaltung, so nah, wie ein Schwein an was Arabisches rankommt, ueber den Hof flitzen. Wir wieder ins Bett. Gebell geht weiter, dann aus einer anderen Richtung, direkt neben dem Haus. Ich gucke doch sicherheitshalber nochmal nach den Ziegen, die beim ersten Aufruhr wie ein Mann, ein Lama vorn, ein Lama hinten, zur hausnahen Ecke gerannt kamen. Und da sehe ich das Tier stehen. Fuenf Meter vom Ziegenzaun, die Hunde davor, und man liefert sich einen klassischen Standoff, die Parteien bewegen sich immer unisono vor- und rueckwaerts und versuchen, sich niederzustarren, Motto: „Wer blinzelt, verliert.“ Der Herr Hoe. ist wie der Wind aus dem Bett, Gewehr geholt, geladen und raus, natuerlich in der Unterwaesche. Wenn uns einer gesehen haette!!! Dann knallt der Schuss, doch der Wolf (das inzwischen war klar) faellt nicht um, sondern laeuft weg! Hunde hinterher, aber nix. Gereon in die Klamotten, auch hinterher. Nun kommt auch Severin aus seinem „Bau“, hatte die ganze Aufregung fast verpasst. Bei Ueberpruefung finden wir Blut an der Stelle, wo der Wolf die Ziegen gezaehlt hatte. Also Nachsuche! Emmi zeigt sich desinteressiert (zu bange?). Doch, wer haette das gedacht, der kleine Hund erweist sich an der Leine als prima Schweisshund und fuehrt uns durch das Gestruepp zu dem inzwischen verstorbenen Wolf (was die grossen Hunde sich nicht getraut hatten). Blieb tatsaechlich ein paar Meter vor dem Tier stehen und zeigte mit der Nase immer in die richtige Richtung, aber naeher ran wollte er nicht mehr. Auch ein typisches Foto mit kleinem Hund als Streichholzschachtel fand Nini so total ueberfluessig. Der Schuss hatte dann doch eigentlich sehr gut gesessen, weit war der Wolf, ein Ruede, nicht mehr gekommen. Schade isses schon! Sind ja beeindruckende Tiere, mit immens grossen Zaehnen und Riesenfuessen. Inzwischen habe ich die Beinlaengen mal verglichen: Der Wolf hat locker 10cm mehr Vorderbein als Zora. Wenn er sich verduennisiert haette oder hinterm Dugout geblieben waere, haetten wir ihn auch nur fotografiert. Aber er hatte ganz klar einen Plan, und da kamen Ziegen drin vor. Inzwischen denke ich, dass der unsere gesamten Aktivitaeten schon seit Monaten beobachtet haben muss, Gereon hatte ja auch im Winter immer wieder Spuren eines einzelnen, des sprichwoertlichen Einsamen Wolfes gesehen. Und jetzt waren die Ziegen die zweite Nacht draussen, und da fand er wohl, es sei an der Zeit. Bilder hier nicht, nach der Reaktion auf die Sache mit dem Baerchen wollen wir das lieber lassen. Jedenfalls waren wir dann alle ziemlich wach. Und das alles am 31. Juli im Sommer!

Doch, doch, wir leben noch!

Und gar nicht so schlecht. Schliesslich ist Severin hier und unterstuetzt uns tatkraeftig. Aber es ist einfach so viel zu tun, dass ich nicht zum Stillhalten fuer Musenkuesse und auch kaum zu Fahrten in die Stadt fuer die Veroeffentlichung derartiger Kuesse komme. Also Kurzfassung: Allen geht es gut soweit, Zaun ist zu etwa einem Drittel fertig und Ziegen sind drin – wundervoll. Lama hat noch keinen Nachwuchs, doch wir hoffen nach wie vor.


Wie man sieht, verstehen Severin und Amadeus sich praechtig.

Und so sah der Ziegendschungel gestern abend noch aus – Mal schauen, wie sich das in den naechsten Tagen entwickelt…

Es ist heiss, aber fuer die naechsten Tage werden Schauern gemeldet. Die Trockenheit war so heftig, dass das Gras fuer’s wichtige Heu schlecht gewachsen ist, und dann kam/kommt noch eine Heuschreckeninvasion hinzu. Das ist nicht so sehr erfreulich, aber – wie immer – nuetzt ja nix, muessen wir durch. In diesem Sinne schoenen Sommer noch!

Hochsommer?

Heute morgen zeigte das Thermometer +5 Grad. Plus muss man hinzuschreiben, es haette ja auch Frost geben koennen, eine Warnung war wohl im Wetterbericht. Aber der Regen hat aufgehoert, und die Sonne scheint vom blitzblauen Himmel. Ich hatte glaube ich noch gar nicht erwaehnt, jedenfalls nicht hier, dass ueberall ueber die Trockenheit gestoehnt wurde. Dabei war es nicht wirklich warm, so dass nichts so recht wachsen wollte. Aber jetzt hat ueber einige Tage recht ordentlich geregnet, d.h. bei uns mindestens 2cm (verglichen mit Oberberg wahrscheinlich nur ein Hauch). Ich brauchte nicht zu giessen, und alles ist trotzdem gewachsen. Aber kuehl war es, bei Dieter auf dem Turm war es noch letzte Woche 2.5 Grad in der Nacht, und der armen Katrin sind vor etwa 14 Tagen alle Gurken, Zucchini und so’n Krams befroren. Wir hatten Glueck. Und der angedrohte Hagel ist auch an uns voruebergegangen. Und morgen kommt Severin – things are looking up!

Zwischendurch haben wir noch die letzten unserer Ziegenkinder fuer dieses Jahr bekommen, drei Ganze in ueberraschender Kombination. Und bunt, hier sind die Beweisfotos! Und winzig, das kann man auf den Bildern glaube ich auch erkennen. Das Familienfoto zeigt im Hintergrund links Omma Mafalda, dann mit dem Ruecken zu uns ihre beiden diesjaehrigen Kinder, glaube ich jedenfalls, und rechts neben den Winzlingen, den Enkelchen Skinny Minni und Namenlos, die Mutter Melissa. Die kleinen waren so klein, dass ich ein wenig Sorge um ihr Leben hatte, aber jetzt sind es arge Wildschweine, zusammen mit Halbschwester Puenktchen machen sie den Hof unsicher



Und dann noch Ludwig inkognito:

Und dann ueben wir noch an unserer eigenen Version der Bremer Stadtmusikanten:

Der Fortschritt ist bunt!

Jedenfalls bei uns im Garten bzw. am Dugout. Weil es dann mit dem Sommer doch passiert ist, aehnlich wie Weihnachten, blitzschnell und ueberraschend, und wir beschlossen haben, dass dieses Jahr aber im Garten wirklich ordentlich was wachsen muss, wurde nach reiflicher Ueberlegung entschieden, dass wir uns eine kleine benzingetriebene Pumpe goennen. Rot, weil von Honda. Mit gruenem Ansaugschlauch und Filter zum Froschschutz, und mit blauem weichem, seltsamem Schlauch, der bis in den Garten zum auf einem Bock installierten Wasserfass reicht. In einem Affenzahn fuellt die Pumpe dieses Fass, und mit zwei aneinandergekuppelten Wasserschlaeuchen komme ich durch den ganzen Garten. Dauert allerdings seine Zeit, weil die Schwerkraft das Wasser nur recht langsam ausfliessen laesst. So aeusserte ich den Gedanken, wie schoen es waere, so eine Art Brause mit langem Stiel zu haben. Auf sowas springt der Herr Hoe. ja sofortissimo an. Im Rutsch war ein Adapter erworben sowie eine Brause, und jetzt lasse ich die Pumpe etwa eine Stunde laufen und waessere dabei den Garten mit mehr Schmackes und schoenem weichem Brausewasser. Wenn das nix wird, dann weiss ich es aber auch nicht. Das einzig wirklich Unerfreuliche sind im Moment diese Huehner. Ein paar Revoluzzer haben es sich in den Kopf gesetzt, uns um unser Gemuese zu bringen. Ein paar nicht mehr abgedeckte Erbsen sind ihnen schon zum Opfer gefallen. Ich habe Appetit auf frische Huehnersuppe, wenn ich das sehe. Der Herr Schu. empfahl ein Elektro-Gefluegelnetz, warnte aber gleich vor den Kosten. Und dann braucht das Ding ja auch schon wieder konstant Strom. Nicht so einfach. Ultimativ soll ich ja einen Zaun tackern, aber das muss vielleicht warten bis – hurraaah – Severin eintrudelt, fuer den ich heimlisch schon lange Listen von Aufgaben formuliere. Dabei sagt Gereon, er hat natuerlich auch Plaene fuer ihn. Also, lieber Severin, flexe schonmal deine muscles, du wirst sie wohl brauchen. Dafuer aber werden wir Dich prima fuettern mit frischen Eiern und Milchprodukten. Als Beweis hier Mafalda am Morgen. Kann einem doch wohl ein bisschen leid tun, oder? Sie geht dann etwas seltsam, scheint aber ganz froehlich. Mager ist sie natuerlich bei einer solchen Produktion immer noch, aber wieder kraeftig und froehlich. Sie hatte vielleicht sowas wie eine post-natale Depression, wer weiss schon, was in den Hoernern vorgeht. Auch hat sie dankenswerterweise sich entschieden, den Ziegengeschmack aus ihrer Milch zu entfernen. Warum und wieso das genau wie im letzten Jahr am Anfang ziemlich heftig war, das haben wir noch nicht herausgefunden. Ist auch egal. Jetzt schmeckt die Milch prima, ich kriege einiges am Tag und kann also stolz die neue Quarkernte ankuendigen. Alle zwei Tage von gut 6 Litern, das haelt uns schon am Essen. Und der Garten macht sich erstaunlich gut, nach den anfaenglichen Schwierigkeiten essen wir nun Salat und jungen Mangold und junges Rote-Bete-Gruen-Rot und natuerlich Petersilie und Schnittlauch und Sauerampfer (in den Quark, logisch!)

Ein neues Sauerteigrezept macht sich nun nach kleinen Startschwierigkeiten auch sehr gut. Jetzt habe ich wieder das Problem, dass nicht genug in den kleinen Ofen passt und wir immer das ofenwarme Brot zuerst essen. Irgendwie haelt es nicht wirklich lang. So sitzen wir dann mit einigen aelteren Resten da, die keiner mehr so recht will, und dann gibt es wieder warmes, frisches Brot, und Ludwig frisst mehr altes Brot, als ihm eigentlich gut tut.

Auch die Bienen wachsen und gedeihen. Dieses Wochenende will Gereon Loewenzahnhonig schleudern. Mein erster Marktbesuch nach dem Desaster im vorletzten Winter war nicht sonderlich erfolgreich, weil die Leute ja nicht so risikofreudig sind und der Weidenhonig wirklich ziemlich anders schmeckt. Aber nun wissen sie, dass wir wieder im Geschaeft sind, und Spass macht der Markt sowieso.

Sommer, die zweite

Es ist immer noch Sommer, auch wenn Dieter vom Sweathouse Tower behauptet, dass SEIN Wetterbericht abnormal niedrige Temperaturen fuer heute und morgen ankuendigt. Ich sitze in der Buecherei und draussen ist es windig und bewoelkt, aber noch nicht wirklich kalt. Aber im Garten ist alles abgedeckt, sozusagen in trockenen Tuechern. So trocken, dass mir versehentlich der wegen der Abdeckung von den Huehnern unangetastete Sellerie diesmal halb vertrocknet ist. Ich weiss es nicht. Vielleicht sollte ich Sellerie aufgeben.
Am Sonntag waren wir bei Katrin und Adam, die ja ein Stackwall-Haus bauen. Das ist eine interessante Bauweise, die auf den ersten Blick ein bisschen wie ein Brennholzstapel mit Zement dazwischen aussieht. Ein bisschen so ist es auch, aber was man nicht sieht, ist dass zwischen den aeusseren Zementschichten eine dicke Schicht Isolierung steckt. Waermetechnisch ist das alles also ziemlich gut. Und dann sammeln die beiden schon seit laengerem schoen gefaerbte Flaschen, die statt Holz an ausgesuchten Stellen in die Waende eingearbeitet werden – das sieht sehr schoen aus! Wir sind gespannt. Gereon hat jedenfalls geholfen, Baeume zu faellen – da ist er in seinem Element, wie man sehen kann.
Auch seht ihr hier nun auf Internet-Zelluloid den bereits beschriebenen „Brueckenbau“. Besonders interessant finde ich dabei den Belaubungsstatus im Vergleich zum Bild mit den Ziegen. Man bedenke: Vor drei Wochen hatten wir Schnee, und jetzt ist wirklich alles gruen. Ueberall sind Schmetterlinge, vor allem die Schwalbenschwaenze sind auffaellig. Kaulquappen habe ich gesichtet, wo ich auch immer noch hoch interessante Laichschnuere sehe. Machen Froesche auch Schnuere? Ich weiss das gar nicht. Mein Apfelbaeumchen blueht, aber mein Crab Apple ist leider verstorben. Goesselchen wurden schon gesichtet, und eine Miniatur-Ente, die tapfer im Strassengraben rumpaddelte.

Das mag euch nun nicht so sehr beeindrucken, ich weiss ja, dass Familie Dew-Schu schon das Heu unter Dach und Fach hat, aber fuer uns hier ist das doch ziemlich prima. Der kleine Hund flaezt sich gern auf dem Hof rum, und sogar Zora rennt nicht mehr immer gleich in den Busch (wo sie naemlich hofft, das erspaehte Groundhog-Tier zu fangen…, oder wenigstens ein Hoernchen), sondern streckt sich platt vorm Haus aus. Der Weidenhonig ist geruehrt und fast komplett abgefuellt. Weil ich auf Anweisung des Chefs zwecks guter Fliesseigenschaften des Honigs das Haus lieber warmhalten sollte und heizen, hatte ich dann gestern auch einen kleinen Kaminbrand, sehr interessant.

Ach, und das Quad. Ausnahmsweise mal hat der Chef den Schluessel nicht abgezogen, und das haben die Zickis dann uebernommen. Nu isser wech… der einzige, natuerlich. Das sind die kleinen Vergnuegungen des Alltags.

Ach, und die Waschmaschine. Also ich habe ja Margarets alte Waschmaschine, weil sie jetzt einen Vorderlader hat, den sie gar nicht so schoen findet. Weil kanadische Toplader ja nicht so schleudern, wie wir das von Miele und Co. gewohnt sind, bestand kein Risiko, das Ding auf dem Deck vor der Eingangstuer waagerecht auszurichten und an den Generator anzuschliessen. Gelernt habe ich: Kanadische Waschmaschinen brauchen pro Waschgang bei der Einstellung fuer den niedrigsten Wasserstand mindestens 60 Liter Wasser. Dieses schleppe ich also in drei Gaengen ins Haus, wo ich es auf dem Herd erhitze, um es dann wieder raus und in die Waschmaschine zu schleppen. Dann werfe ich den Generator an, druecke den Knopf und mit grossem Gerumpele und Geaechze setzt sich die Waschmaschine zoegerlich in Bewegung. Das Waschen dauert nur etwa 20 Minuten, und so scheinen mir auch die Ergebnisse. Schleudern will sie nicht, da hat sie sich wohl beim Umzug was verrenkt. Gereon ist optimistisch, dass er das reparieren kann. Nur ueber den Termin gibt es noch keine Angaben… Als naechstes habe ich aber auch gelernt, dass Dugoutwasser seine Farbe stellenweise an die Waesche weitergibt. Auf keinen Fall darf man die Waesche zum Abtropfen ein bisschen im Waeschekorb stehen lassen. Die Stellen, die dann in der Sonne trocknen, werden gleichzeitig mit einem Dugout-Wasser-braunen Rand gekennzeichnet. Ob der wieder rausgeht, wissen wir noch nicht. Teile, die ich tropfnass aufgehaengt hatte, zeichnen sich nach dem Trocknen durch einen batikartiken Braunschleier aus, auch recht attraktiv. Besonders an Unterwaesche… Das Auswringen hilft etwas, gestaltet sich aber bei Jeans doch schwieriger als erwartet. Ich habe schon ueberlegt, ob ich in Zukunft also meine Kleidung und auch Gereons in strategisch guenstigen Farben kaufen muss. Das wuerde sowieso helfen. Schlammbraun ist immer eine gute Idee und passt zu allem, insbesondere zu matschegrau in allen Schattierungen. Nur die weissen Haare, was machen wir mit denen? Denn die bleiben ja bekanntlich hier in der Waesche, es sei denn, wir benutzen einen Trockner. Tun wir aber nicht.
Jedenfalls habe ich heute meine geliebte Spitzl-Kollektion mit in die Buecherei genommen und werde gleich den Waschsalon besuchen. Da wollen wir mal kein Risiko eingehen.

Eben marschierte auf der Valleyviewer Hauptstrasse eine Schuelerparade entlang, es handelte sich wohl um die erfolgreichen Sportler des Jahres. Begleitet wurde der Zug natuerlich von RCMP vorne und hinten, mit Sirenen und Blaulicht und Krams, und von dem unvermeidlichen Cowgirl, diesmal auf einem typischen Appaloosa. Irgendwie niedlich.

Und ploetzlich ist Sommer!

Fuer in fuenf Tagen sind Hoechsttemperaturen von 27 Grad gemeldet. Die Sonne scheint vom im Moment nur leicht bewoelkten Himmel. Zwar blaest ein frisches Windchen, aber da trocknet die Waesche um so besser. Leider auch der Garten. Wasserschleppen zum Spuelen und selbst fuer meine Waschmaschine (das erzaehle ich ein andermal, jedenfalls 60 l pro Waschgang) geht ja noch, aber fuer den Garten sprengt das einfach meine Kapazitaeten, trotz Gereons starker Hilfe. So haben wir beschlossen, dass wir uns ein Pumpe goennen, yippieh! Das wird zwar leider eine benzingetriebene sein, aber das nuetzt jetzt grad mal nix. Die waere dann auch als Notfallpumpe im Falle eines Feuers (was der Himmel verhueten moege!) geeignet. Und obwohl wir oben auf unserem Doughnut schon etwas ueber Austrocknung klagen, rinnt in den Tiefen des Waldes noch das Wasser. So blieb Gereon gestern auf dem Rueckweg vom Zaunpfaehle-Schneiden leider mit dem neuen Quad (habt ihr das ueberhaupt gesehen, im Schnee, auf den Maibildern??) im Wasser und in der Plempe stecken. Heute hat er dann aus Gestraeuch und kleinen Staemmen eine Art Ueberbrueckung gebastelt. Das zugehoerige Foto habe ich leider mit Kamera zu Hause liegen lassen. Demnaechst in diesem Theater.

Ueberall ist die Welt voller Kaelbchen. Jede Menge Voegel inzwischen, auf unserem Dugout sahen wir insgesamt nun schon die unvermeidlichen Schnepfen, aber auch American Widgeon, Blue Teal, Green-winged Teal und Stockenten, dazu landete einmal ein Gaensepaerchen, das war ziemlich interessant. Unsere kleinen Zickis entwickeln sich gut. Nach langem Hin und Her und ungezaehlten Vorschlaegen, die alle vom Chef abgelehnt wurden (Casanova war der letzte…) heisst der kleine Toggenburgerich nunmehr Amadeus. Frau Mafalda hat sich erholt. Sie sieht immer noch schrottig aus, aber sie produziert wieder Unmengen Milch, und ich fuettere sie, was das Zeug haelt. Gereon berichtete gestern abend, dass er beim Wasserpumpen einen Steinadler dicht ueber den Hof fliegen sah, der eindeutig nach den kleinen Zickis guckte. Da wird es einem schon ein bisschen bange um die kleinen Viecher. Heute stolperte das erste und bis eben einzige Kueken dieser Saison unter dem Ziegenstall hervor. Ueberlebenschancen sehr gering, weil Einzelkinder irgendwie nicht so recht die Mutterinstinkte zu wecken scheinen. Jedenfalls sass Trudi schon auf dem Melkstand und wartete auf eine Wachluecke. Bis jetzt anscheinend erfolglos.
So, nun muss ich schon weiter wurschteln, es ist jetzt immer soviel im Garten zu tun, dass der Mensch zu nix mehr kommt… aber die Moehrchen wachsen, und die Erbsen, dazu rote Bete, Mangold und endlich, endlich Feldsalat. Es ist jedoch ein stetiger Kampf gegen die Huehner, die beschlossen haben, alles umzupflanzen bzw. von unten anzugucken. So auch sehr gerne und zum wiederholten Male meinen geschaetzten (und gekauften) Sellerie. Nur der Lauch blieb bisher unangetastet. Ist auch besser so!