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Sommer mit Spaetzuendung

8:08, ich sitze drinnen, aber draussen scheint schon wieder die Sonne aus einem immer blauer werdenden Himmel. Sie beleuchtet Birken, die schon gelb werden (teilweise durch freundliche Hilfe der Ziegen…). Und den Dugout, auf dem immer mehr Blaetter schwimmen. Noch liegt das Thermometer im Schatten, das vorgestern nachmittag 30 Grad anzeigte. Meine Marktmenschen meinten gestern, es sei noch waermer draussen. Der Markt ist gluecklicherweise nicht so heiss. Die Hitze braeuchte ich ja nicht, aber August/September sind trotzdem glaube ich die schoensten Monate fuer mich. Nachdem es den ganzen Sommer ueber fuer viele und vieles zu kalt und zu nass war (ausser z.B. fuer den Klee, der in meinem Garten alles ueberwuchert hat), holt das Wetter jetzt einiges nach. Die Bienen bringen rein, was noch soeben geht, doch die Honigernte neigt sich ihrem Ende zu. Noch eine Schleuderung, und wenn wir dann Glueck haben, koennen wir so gerade eben alle Auftraege erfuellen. Dieses Jahr haette ich wahrscheinlich soviel Honig wie noch nie verkaufen koennen – wenn ich ihn denn haette! Es ist eine Schande. Ich wuenschte mir so sehr einen juengeren, dynamischen imkereiinteressierten Menschen mit einer Vision. Dem wuerde ich einen Bauplatz anbieten und ihn/sie dem Chef als Geschaeftspartner praesentieren, denn allein kommen wir hier nie weiter, aber ich bin sicher, dass da Potenzial ist fuer ein Geschaeft, das mehr als zwei Menschen ernaehren kann. Der Chef hat so wenig Zeit im Moment, weil naemlich trotz allgemeiner grosser Skepsis, was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, in seiner Firma gerade mal Boom herrscht. Ueberstunden, Samstagsarbeit sind gerade angesagt. Das laesst mich befuerchten, dass auch dieser Sommer voruebergehen wird, ohne dass wir nennesnwerte Fortschritte im und ums Haus machen. Fast ist es ein Glueck, dass einer unserer alten kleinen Inverter den Geist aufgegeben hat und der andere alte zu klein ist. So habe ich kurzerhand einen „anstaendigen“ Inverter bestellt, wie ihn naemlich Katrin und Adam, die „Stromangeber“, haben. Waer doch gelacht, wenn all das Ueberstundengeld nicht sinnvoll ausgegeben werden koennte.

Walter aus Deutschland macht auch Ueberstunden, was ihn aber nicht gehindert hat, am letzten Wochenende mit Frau Sabine hier anzureisen und mit dem Chef Brennholz zu machen. Bergeweise. Schoen! Das gab mir auch eine Gelegenheit, meinen neuen Tupperware(!) Pattymaker auszuprobieren. Die Hausfrau, die was auf sich haelt, produziert mit Hilfe einer solchen kleinen Hackfleisch-Form gleichmaessige Plattfrikadellen, die dann prima auf standardisierte Hamburger-Broetchen passen. Letztere hatten wir nicht, da haben wir improvisiert. Aber geschmeckt hat’s trotzdem. Unseren Feuerplatz haben wir in letzter Zeit oft genutzt, im Haus wird es einfach zu heiss, wenn ich den Holzofen anschmeisse, und der Gasherd vor der Tuer macht mir gar keinen Spass. Hinzu kommt, dass der Chef ja fuer sein Leben gern zuendelt. Der kleine Hund passt gern auf das Feuer auf.

Am 1. September hatten wir einen guten ersten Frost! Das Auto war gleichmaessig glasiert, doch zum Glueck hatten wir im Garten die Bohnen und Tomaten abgedeckt. Jetzt tut das Wetter so, als ob es kein Froestchen produzieren koennte. Dennoch mutierte mein Garten ja aufgrund der Regenfaelle zu einer Kleeplantage, ohne erwaehnenswertes Wachstum irgendwelcher essbaren Dinge, und so habe ich kurzerhand beschlossen, ich beteilige mich an einer CSA = Community Supported Agriculture. In Deutschland ist sowas wohl eine Gemuesekiste bzw. ein Gemueseabo oder so aehnlich. Hier kommt das Gemuese von einer einzigen Familie, die bisher nur Erdbeeren und ein paar Gemuese zum Selbsternten hatten, U-Pick genannt. Dieses Jahr haben sie den Abo-Versuch gestartet, und anscheinend laeuft es gut. Ich jedenfalls fuehlte foermlich, wie mir eine Last von den Schultern glitt, als ich die erste Lieferung in Empfang nahm. Gekocht wird jetzt, was in der Kiste bzw. den Kisten ist. Es ist schoen zu wissen, dass alles wirklich aus der „Nachbarschaft“ kommt, Loewens leben bei Crooked Creek, also nur etwa 20 Minuten von Valleyview. Vor einigen Wochen hatte ich schon eimerweise Erdbeeren genossen, und als ich gestern meine Kiste aufmachte, lag obenauf noch ein kleines Beutelchen mit mehr Erdbeeren – welcher Luxus. Wir haben Mais, Babykartoeffelchen, natuerlich Zucchini, Erbsen, Bohnen, Koehle aller Art, Zwiebeln, Rueben – you name it! Kostet 25 Dollar in der Woche. Und gefaellt mir so gut, dass ich allen Ernstes ueberlege, ob ich ueberhaupt noch einen Garten versuchen will. Loewens sind auch experimentierfreudig, es bestuende also Hoffnung auf Sellerieknollen, Lauch und Fenchel…

Jetzt kommt auch wieder der Obstlaster aus B.C. zu Margaret. Morgen z.b. mit Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Melonen, Nektarinen, Aepfeln etc.pp.. Ich habe mutig vier Kisten Tomaten bestellt, damit ich die gleich zu Tomatensauce verarbeiten kann. Muss das Rezept noch suchen… Ausserdem stehen schon seit letzter Woche Pfirsiche und Nektarinen in der alten Kueche, die eigentlich in Glaeser sollten.

Koennte aber passieren, dass ich demnaechst wieder kurzfristig in der Tierarztpraxis arbeite. Karla naemlich wird aufhoeren und hat schon jetzt keine Mitarbeiter mehr, muss aber noch auf einen Nachfolger warten. Bis der kommt, koennte ich einspringen. Und ein bisschen Taschengeld verdienen. Karla und ihre Familie werden dann in die direkte Nachbarschaft ziehen, was eventuell neue Perspektiven eroeffnet. Man denkt an einen kleinen Gartenbaubetrieb, an eine Hundepension, an einen Naturlehrpfad, … Finde ich alles spannend und wuerde mich bei dem einen oder anderen Projekt gern einklinken.

Wenn ich nur wuesste, wie ich hier noch jemanden hinlocken koennte, der sich auch im Busch selbstaendig machen will… Ideen gaebe es zuhauf.

Maedels aller Art

Gibt es hier. Echt. Und in meinen verschiedenen Rollen habe ich mit vielen verschiedenen zu tun. Im Moment machen mir meine Marktleiterin-Begegnungen manchmal Kopfzerbrechen. Unproblematisch sind solche hier:

Die kommen mit ihren Mamas, leiern ihr einen Tutu aus dem Portemonnaie (Barzahlung auf meinem Markt, jawohl!) und sind dann zufrieden und ziemlich niedlich. Man beachte die Cowboystiefel mit Straussenlederpraegung! Aber es gibt auch die anderen. Die sitzen hinter den Tischen und hauen sich gegenseitig in die Pfanne und greinen mir dann die Ohren voll. Inzwischen nenne ich es das „Cream-pie-Phaenomen“, denn Sahnetorten bildeten den Stein des Anstosses. Malle, ich sag’s euch. Es wird mit Eifer darueber gestritten, wer wann wo eine Sahnetorte in Stueckchen schneiden darf, denn – das habe ich inzwischen begriffen – in den Augen der kanadischen Gesundheitsbehoerden sind Sahnetorten nur unwesentlich ungefaehrlicher als, sagen wir mal, Arsen oder so. Und somit koennten sie ein prima Mittel sein, ungeliebte Konkurrent(innen) aus dem Markt zu schubsen, und sei es auch nicht durch Verabreichung, sondern durch die Behauptung, dass man das oeffentliche Wohl im Auge habe und daher derlei Produkte dringend verboten werden muessten. Und dann gibt es noch abgelehnte Moechtegern-Verkaeuferinnen, die mangels Frustrationstoleranz auf Facebook ueber mich herziehen, dass es nur so rauscht. ICH habe inzwischen saemtliche Streitschlichtungsliteratur aus der Buecherei auf meinen Tischen und ums Bett verteilt. Wollte das alles lesen und dann am Chef ueben, aber es ist soooo langweilig, ich glaube, ich geb’s auf. Das Lesen, meine ich. Das Streitschlichten wird wohl bleiben muessen. In solchen Zeiten will naemlich auch keiner meinen Job, und natuerlich bin ich ausserdem der Meinung, dass ich den auch behalten sollte, sonst geht der Markt womoeglich voellig den Bach runter…

Und dann gibt es noch Maedels wie Katrin. Zankt nicht. Ist praktisch. Und war mit mir bei IKEA! Mit’m Truck. Noch besser als Treckerfahren! Freitag abend dueste ich schon zu Katrin und Adam, die mir ihren gesamten neuen Strom vorgefuehrt haben. Ich bin soooo neidisch! Die haben naemlich geschafft, was ich nach wie vor bei uns nicht sehe: Innerhalb kurzer Zeit eine Solaranlage installiert, die ihnen genug Strom fuer die gute Ausleuchtung ihres schoenen Hauses (incl. Aussenlampe, die Angeber) liefert, und fuer eine Tiefkuehltruhe und diverse Computer und eine Kochplatte und demnaechst noch eine Geschirrspuelmaschine (pure Dekadenz!). Der Chef vertroestet mich immer weiter – ob ich wohl doch noch mal nach den Buechern greifen sollte, den oben erwaehnten? Samstag morgen verschlafen, dennoch um 7:30 auf der Schotterpiste, beladen mit 13 Eimern Honig fuer einen kleinen Weinhersteller in der Naehe von Edmonton, ein Biologen-Ehepaar, das mit unserem Honig ziemlich leckeren Himbeerwein macht.

Erst haben wir uns verfahren, das passiert leicht. Dann hat Katrin auf dem Parkplatz ein anderes Auto getitscht. Es war naemlich langes Wochenende, und der Parkplatz pickepackevoll. Und so ein Truck ist ja zum Ein- und Ausparken nicht lustig. Aber wie ich schon sagte, Katrin zankt nicht und ist praktisch. Und sie hatte beschlossen, dass wir IKEA nicht eher verlassen, als bis wir mindestens eine schoene Stehlampe fuer meinen gemuetlichen Leseplatz in der Sofaecke gekauft haetten. Gesagt, getan. Sechs Stunden spaeter waren wir immer noch gut gelaunt, Katrin hatte bei IKEA noch schnell ein Regal demoliert, lachend, und ich war um ein bisschen Ueberstundengeld vom Chef aermer, dafuer reicher um zwei Kuechenschraenke, einen Kuechenwagen, einen Arbeitstisch, eine Garderobe, ein Schuhbaenkchen, diverses Kuechenmoebelzubehoer UND die schoene Leselampe! Woooohoooo!

Als wir aufgeladen hatten, stand neben uns ein Mini-Van und eine Familie, die das soeben gekaufte Bett leider nicht in den Van laden konnte, passte nicht. Kurzerhand baten sie uns, ihnen doch beim Transport in ihr nur 5 Minuten entferntes Heim behilflich zu sein, wir hatten naemlich noch Platz fuer eine ganze Wohnungseinrichtung. Gefragt, getan. Das bescherte uns einen kleinen Trip durch eine funkelnagelneue Ansiedlung suedlich von Edmonton, an einem wahrscheinlich kuenstlich angelegten, kleinen See. Ja sach mal – Haeuser gibt es hier! Palastartige Gebilde, die so tun, als seien sie aus Bruchsteinen. Mit Unmengen Winkelchen und Daechelchen und Tuermchen und Vorgaertchen und GARAGEN (nix -chen da) und auf alt getrimmten Fenstern in allen Groessen. Merkwuerdig, irgendwie merkwuerdig, fanden wir. Und man mag gar nicht dran denken, was so was kostet, obwohl die Steine alle nur aufgeklebt sind.Da kann man sich dann wahrscheinlich bestenfalls noch IKEA-Moebel leisten.

Auf der Rueckfahrt wieder ein bisschen verfahren, aber macht nix. Jetzt habe ich diese Weihnachtskisten hier stehen, aufgebaut bis jetzt nur den Kuechenwagen, ziemlich schick, Martha waere stolz auf mich! Und alle sind wir froh, dass wir wieder im Wald sitzen duerfen und nicht in Edmonton Summerside.

Amuesiert euch ruhig!

Wie ich vernehme, amuesieren sich einige von euch ueber Emma Noltes Erlebnisse. Das ist gut. Emma hat inzwischen, wahrscheinlich aufgrund ihres fuer NW-albertanische Verhaeltnisse extrem guten Ausbildungsstandes als Traktorfahrerin, bereits mehrere, allerdings nicht ganz ernst gemeinte Arbeitsangebote. Marvin sagt, so was haette er schon befuerchtet: kaum bildet man die Leute ordentlich aus, werden sie einem weg-engagiert. Tja. Aber ich bin eine loyale Mitarbeiterin und so werde ich wohl auch gleich wieder losziehen. Zwar hat es ja geregnet letzte Nacht, aber anscheinend nur wenig, und heute morgen hat ein frisches Windchen den Himmel schon blau geputzt und wahrscheinlich auch das Heu getrocknet.

Am Sonntag waren wir mit Walter und Sabine erst auf der Heuwiese, wenigstens schon mal gut 100 Ballen nach Hause holen. Das hat prima geklappt. Und danach, bzw. nach Kaffee und Kuchen, sind wir dann Richtung Biberteich gezockelt. Diese Naturfuehrungen vom Herrn Hoe., die haben es in sich. D.h. in erster Linie hatten wir nachher Wasser in Schuhen und Stiefeln. Der Wald ist jetzt wunderschoen: Ueberall bluehen blaulila Astern, dazwischen Goldrute und andere gelbe Bluemchen. Der Boden ist uebersaet mit Beeren aller Art. Unser Weg fuehrte uns durch einige ziemlich gute Blaubeerstellen. Ausserdem waechst ueberall kanadischer Hartriegel, das ist so eine kleine Pflanze, die man in Deutschland, wahrscheinlich fuer gutes Geld, in den Gaertnereien als Bodendecker kaufen kann. Hier deckt sie den Boden fuer umsonst und beschert uns jetzt bueschelweise kleine, orange-rote Beeren – sehr huebsch. Ausserdem gibt es High Bush Cranberries – nichts anderes als Schneeballbeeren, aus denen man ein schoenes, saeuerliches Gelee machen kann, wenn man denn Zeit bzw. einen Eimer bei sich hat. Das Gras steht manns- bzw. fraushoch, weil es immer noch so sehr feucht ist. Der kleine Hund war streckenweise nur noch an der Grasbewegung auszumachen, und an der Leine geschwommen ist er auch mal. Wasser findet er naemlich gut, so lange es unten ist. Dann springt er hemmungslos in jede Pfuetze. Regen dagegen ist unbeliebt. Emmi findet das ja genauso: Biberteiche sind zum Plantschen da. Die Biber uebrigens finden diesen Sommer wahrscheinlich superklasse. Ausbaumoeglichkeiten ohne Ende, und sie werden gut genutzt. An jeder Ecke gibt es neue Lehmdaemme, an denen anscheinend noch heftig gebaut wird.

Dies ist glaube ich mein Lieblingswetter. Ach, und die Moskitos sind auch merkwuerdigerweise weniger. Die Libellen schwirren immer noch zu vielen um uns herum, wenn wir abends schon mal am nunmehr offiziell genehmigten Feuerplatz sitzen. Jetzt hoert man auch wieder Gaense, die mit ihrem Teenies fliegen ueben. Ein bisschen wehmuetig macht einen das schon, der Sommer ist so gut wie vorbei, und ein bisschen graust mir immer vor dem Winter. Obwohl – laengst nicht so sehr wie in Deutschland.

Gestern abend habe ich alte Beitraege von mir gelesen, aus dem ersten Winter hier in Sunset House. Da war ich aber noch optimistisch, du meine Guete! Das Leben lehrt einen dann manchmal etwas anderes. Noch nicht mal die Schaukel habe ich jemals bekommen. Von den anderen Annehmlichkeiten ganz zu schweigen. Aber die Sonne scheint, neben mir knackt das Kaetzchen, draussen zanken sich die idiotischen Ziegenmaenner (bis einer weint, ich sage es euch, da bricht noch mal ein Horn ab!), und ich, ich esse Dark Chocolate Dreams, von der Peanut Butter & Co., und zwar mit dem Messer direkt aus dem Topf, jawoll! Die Freuden des mehr oder minder Solo-Lebens (der Herr Hoe. isst das naemlich nicht so gern, sind keine Kartoffeln drin…)

Und jetzt haltet mir die Daumen, dass dieses letzte Heu wenigstens mit nur einem Regenguss reinkommt!

 

emma greint!

es regnet schon wieder, bestimmt auch auf mein am samstag geschnittenes gras, so ein mist. wenigstens die haelfte meines heus wollte ich trocken reinkriegen. aber das wird wohl nix. es donnert und blitzt, und der regen prasselt gemuetlich auf blechdach und teich. da machste nix. vielleicht ’nen kleinen verzweiflungs-eierlikoer von katrin?

A girl’s best friend…

Das sind ganz klar nicht Diamonds, sondern Heukoerdelchen. Als ich letzte Woche so bei den Vorbereitungen fuer „meinen“ Farmers‘ Market war, da fiel mir das wieder einmal auf. Sie, die Heukoerdelchen, halten die Welt zusammen. Jedenfalls in manchen Regionen. Und was fuer elegante, zerstoerungsfreie Loesungen sind damit doch moeglich. Nix Loecher irgendwo rein haemmern, wie Maenner das tun wuerden, oder jede Menge nicht nachwachsendes Metall verplempern. Nein, ein, zwei  attraktive Schleifchen, und schon ist der Zaun wieder heile, zum Beispiel. Hier eine kleine Galerie der Einsatzmoeglichkeiten, gefunden innerhalb von 10 Minuten in unmittelbarer Umgebung des Hauses, es wird kein Anspruch auf Vollstaendigkeit erhoben.

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Die Diskriminierung und die Latzhose

Frauen werden weiterhin benachteiligt. Das merke ich sogar bei den Arbeitsklamotten. Goenne ich mir doch immer mal Carhartt Woman, weil das angeblich eher auf Frauenformate zugeschnittene Kleidung ist. Aber seht, was mir neulich im Rahmen des unvermeidlichen Toilettenganges auffiel.

VORHER:

NACHHER:

Zwar etwas verwackelt – wahrscheinlich war ich so entruestet, doch dem aufmerksamen Betrachter wird nicht entgehen, dass ich den Bleistift und die Brille aus den Brusttaschen verloren habe. Maennern passiert sowas natuerlich nicht, wissen wir ja, weil das Verfahren ein anderes ist. Ein(e) pfiffige(r) Designer(in) muesste sich doch dazu was einfallen lassen. Oder habe ich nur noch nicht verstanden, wie frau das knopflochartige Schlitzchen und die Druckknoepfe nutzt?

Was man uebrigens im Hintergrund auch sehr schoen sieht, ist der schluepfergruene (genau passend fuer den Sommer-Winter-Mischtyp, das bin ich!) Gipskarton, auf den in ferner Zukunft einmal Fliesen kommen sollen…

Fruehsommermorgen in Sunset House

Es ist Ende Mai, definitiv. Woanders ist da Sommer. Hier zwar irgendwie auch, aber nur, weil Fruehling nicht wirklich stattfindet. Als ich gegen sieben Uhr rausging, sah ich das hier.

Die Tiere stoert sowas natuerlich schon laengst nicht mehr. Schliesslich liegt kein Schnee, und es friert auch nicht wirklich. Emmi prueft die Luft, d.h. in Wirklichkeit guckt sie neidisch (sind Hunde neidisch?) hinter dem kleinen Roten her, das mal wieder allein unterwegs ist, wichtig „checken“.

Mancher ist aber um sieben noch nicht so wirklich wach…

Andere sind schon mit so einer Art Fruehstueck beschaeftigt (allerdings wiedergekaeut, pre-processed, sozusagen)

Nur das Lila-Lama ist schon auf dem Posten und laesst sich die Sonne, die heute offiziell um 5:25 aufgegangen ist, auf den Latz scheinen. (Als ich gestern nach Mitternacht das kleine Rote reinliess – das noch eine spaete Checker-Runde drehen musste -, war es nicht wirklich dunkel!)

Und hier ist das Ergebnis des gestrigen Arbeitstages im ersten Sonnenlicht: Gartenzaun ist fertig. Nix mehr Ludwig in den Kartoffeln, und keine Ziegen mehr in den Himbeeren. Fuer letztere kommt vielleicht diese Hilfe zu spaet, aber die Kartoffeln sind noch nicht im Boden fuer dieses Jahr. Ueberhaupt ist noch nix im Garten ausser Geruempel vom vorigen Jahr. Es wartet eine Herkuleanische Aufgabe auf mich, aber ich bin streckenweise optimistisch. Es ist schon ein bisschen wie ein weisses Blatt Papier, wenn auch mit Flecken drauf…

Derweil wachsen im Haus merkwuerdige Topfpflanzen…

Wildfires – neue Folge

HISTORICAL DATA TO DATE
Gesamtzahl Braende Gesamte Brandflaeche (ha)
Waldbranddaten 2011 528 421,531.75
5-Jahres-Durchschnitt 570 2,582.69

Die obige Tabelle (die ich fuer euch mal uebersetzt habe) zeigt, was wir gestern wieder aus relativer Naehe erlebten: Alberta brennt heftig.

Die Zahlen, denke ich, sprechen fuer sich und ich muss das nicht uebersetzen: ueber 400.000 Hektar sind verbrannt – ich kann mir das auch nicht annaehernd vorstellen. Und die Saison ist immer noch am Anfang. Vorgestern morgen wurde ich wach mit Rauchgeruch in der Nase. Bin natuerlich sofort rausgegangen, um zu gucken. Alles war neblig-rauchig, aber nirgendwo schien eine Quelle zu ein. Wir haben dann abgewartet und wissen bis heute nicht genau, wo der Rauch herkam, der sich mit aufsteigender Sonne dann verfluechtigte. Aber in Grande Prairie (nochmal zur Erinnerung: ca 150 km westlich) und etwa eine Stunde suedlich von uns, bei Adam und Katrin, war er auch. Wenn man aus Sunset House rausfaehrt, ist der Horizont rundum rauchverhangen.

Der Samstag bescherte uns auch wieder eine frische Brise, die natuerlich die Feuer gut am Brennen haelt. Und gestern kam Gereon von den Bienen zurueck und meinte, er habe Wassertanker ueber den Snipe Lake fliegen hoeren. Und dann sahen wir schon eines von den Flugzeugen, die Chemikalien verteilen, ueber unser Haus fliegen. Ein Anruf bei Dieter, der brav auf dem Turm sitzt und auf uns aufpasst, ergab: etwa 40 km westlich von uns war innerhalb kuerzester Zeit ein heftiger Waldbrand entstanden, man vermutete (weil es kein Gewitter gab), verursacht durch Camper. Das absolute Feuerverbot, das ein paar Tage herrschte, war naemlich kuerzlich wieder aufgehoben worden, und schon zuendeln sie wieder. Auf dem Weg zu Adam und Katrin (neue Solaranlage begutachten!!! Bei denen kommt der Strom jetzt aus der Steckdose, und ich gebe zu, ich bin ziemlich neidisch!) sahen wir noch zwei Loeschflugzeuge und folgten ihnen bis zum Snipe Lake – leider waren wir zu langsam. Statt des erhoffenten Auftankvorganges sahen wir am See nur zwei Adler – ist ja eigentlich auch viel schoener.

Aus aktuellem Anlass

Was bei uns nur dem Poleshed das Dach abgehoben hat, , naemlich der heftige Windverursachte und verursacht noch groesste Schaeden in der Provinz.  Weil ich hier umgeben von Baeumen sass, konnte ich es nicht sehen, aber Dieter wies mich telefonisch darauf hin, und auf dem Weg nach Grande Prairie, um den Mietwagen zurueckzubringen, konnten wir es sehen: Riesige Rauchwolken im Osten (und das bei heftigem Ostwind!) von einem Feuer in der Naehe von House Mountain, und der ganze Blick nach Grande Prairie neblig von einem grossen Feuer im Sueden, in der Naehe von Fox Creek. Und gerade sagt mir Dieter, dass Slave Lake von den Flammen ueberrollt wurde. Da waren wir ja mit Helga noch letztes Wochenende. Offensichtlich hat es die zustaendigen Behoerden ueberrascht, noch mittags hatte man eine kleine Hoffnung, ungeschoren davonzukommen, doch dann verstaerkten sich die Winde bis auf 100 km/h und drehten, und die Stadt war zeitweilig eingekesselt. Hinzu kam ein Zusammenbruch der Telekommunikation, die Radiostation konnte nicht mehr senden und ist inzwischen auch verbrannt.

Dieter war gestern kurz auf „seinem“ Turm und berichtete, dass die junge Frau, die ihn vertritt, ebenfalls aufgrund der Feuer ganz kurzfristig von ihrem vorigen Turm evakuiert wurde. Sie hat einen Rucksack und einen Schlafsack mitnehmen koennen, man gab ihr 5 Minuten. Dieter befuerchtet, dass inzwischen ihr gesamtes Hab und Gut am Turm verbrannt ist, darunter zwei Webstuehle.

Nicht schoen, nicht schoen. Wen es interessiert, der kann hier, schon fast makaber, die Feuerchen brennen sehen. Wir sind in der Region „Lesser Slave“.

Poleshed Cabrio

Der Himmel ist blitzeblau. Es kann sich naemlich aufgrund des Stuermchens kein Woelkchen halten, auch ein Wuermchen haette auf einem Tuermchen wahrscheinlich schlechte Karten. Schon gestern abend blies es heftig, als ich den Balkon aufgeraeumt und dann dort den Abend mit Salat, Wein, Baba und Sudoku (ich bin da neu und noch in den ersten heftigen Stadien der Infektion…) verbracht habe. Das Aufraeumen war ein Seligkeitsding, was aussieht wie nach einem Sturm, habe ich mit viel Schwung und Spass ueber die Reling gekippt, Ludwig fand das ziemlich entnervend.

Heute morgen dann, nach einer stuermischen Nacht, das, worauf ich schon lange gewartet hatte. Das Poleshed-Dach flattert froehlich im Wind!

Da wird der Chef ja einen Spass haben, wenn er heute zurueckkommt! Beklagen duerfen wir uns nicht. Zum einen uebe ich ja Gelassenheit, mit wechselnden, heute sehr guten Erfolgen. (Das waere heute uebrigens anders, wenn es regnen wuerde – oh weh!). Zum anderen hat die Plane uns erstaunliche viereinhalb Jahre brav alles trockengehalten, was wir darunter gelagert haben. Ob wir aber heute noch eine neue bekommen, ist fraglich, immerhin sind manche Geschaefte doch Sonntags geschlossen. Und wie und wann wir das naechste Mal nach Grande Prairie kommen, steht natuerlich auch in den Sternen, haben wir doch im Moment gar kein Auto, das faehrt.

Das kann mich aber alles kaum anfechten. Ich werde heute trotz warmen Wetters den Kuechenherd ordentlich heizen und Kuchen backen, Martha’s Marble Pound Cake und Martha’s Lemon Poppyseed Pound Cake. Ich habe naemlich irgendwie mehr oder minder ploetzlich um die 100 (in Worten: EINHUNDERT) Eier zuviel. Pro Kuchen etwa 5 Eier, Moment mal, schnell rechnen, hab ich ja geuebt… das sind dann nur 20 Kuchen, und schon waere mein Problem geloest.