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Und immer noch Herbst

Boah, der Arne hat hier was umgebastelt, sieht ganz anders aus, und angeblich kann ich trimmen und untrimmen und more oder less, scheint aber (noch) nicht verlinkt. Macht nix. Stell ich jetzt ein, was ich heute morgen im finstern Walde geschrieben habe. Auf geht’s, oder wie Nachbarin Margaret sagt: „Onward!“

Sonnenaufgang um 8:57, Untergang um 18:20. Das laesst schon mal nicht mehr soviel Tag uebrig. Und vorm ersten Licht mit dem Melken anzufangen, das finden die Ziegen eine ziemliche Zumutung. Jetzt ist es erst zwanzig vor sieben, also hab ich noch was Zeit.
Es ist immer noch recht warm, vorgestern tagsueber 15 Grad (falls es nicht doch luegt, das Thermometer). Gaense fliegen auch nach wie vor in grossen Scharen. Nach Norden zum Fressen, nach Sueden zum Ruhen, und wieder zurueck. Zweimal taeglich. Der Dugout ist allerdings zugefroren, was die Wasserbeschaffung komplizierter macht. Nun muss naemlich ein Loch ins Eis gehackt werden, das dann doch dicker ist als ich dachte, naemlich etwa 2cm. Haetten wir Schnee, waere dieses Problem schon wieder geloest. Man weiss aber nicht, was schlimmer/besser waere.

So haben wir immer noch Gelegenheit, uns auf den Winter vorzubereiten. Dazu gehoert natuerlich der kulinarische Aspekt. Unsere gruen geernteten Tomaten waren mir im Weg, also hatte ich sie auf den „Hochregalen“ in der Kueche zum Nachreifen abgestellt. Bei einer Kontrolle kuerzlich fand ich sie sehr schoen rot, wenn auch etwas staubig. Und schmecken tun sie prima.

Kaese wird nun experimenteller. Ich habe in Oel eingelegt, in den Geschmacksrichtungen „Sultan“, „Hot“ und „Italiano“. Im Hintergrund sieht man Trudi, die schon einmal fuer Runas Weihnachtskarte uebt. Nachdem fuer diese paar Glaeschen fast drei Liter nie billiges Olivenoel draufgegangen sind, ist mir einmal mehr klar, warum Kaese, also echter Kaese, nicht diese Kloetze, die es hier sonst so gibt, warum der also so richtig teuer sein muss. Wehe, da schimmelt oder gaert was!

Gestern hatten wir unsere letzte Tomaten-Einkoch-Session, wir haben nunmehr ueber 100 Glaeser!

Weil der viele Quark, der immer noch nachwaechst, ja verarbeitet werden muss, am liebsten zu Omas Kaesekuchen, war ich auf der Suche nach Dr. Oetker Puddingpulver. Leider schwer zu bekommen, leider teuer. Was ich sonst so fand, das unvermeidliche Jello, ist aber immer alles stark gesuesst. Und dann stiess ich zufaellig auf Bird’s Custard Powder. Hat leider Tartrazin, ist aber im Grunde Puddingpulver in der 340-g-Dose. Wurde gleich an Apfelpfannkuchen ausprobiert, was diesen dann auch den Oma-Touch gibt, und fuer gut befunden! Bird’s war wohl etwas Altmodisch-englisches, bis Kraft daherkam und die Marke aufkaufte. Schade, aber dennoch lecker.

Und dann ging mir die Muskatnuss fast aus, die ganze. Meine deutschen Vorraete waren schneller geschrumpft als erwartet und ich machte mich auf die Suche nach ganzer Muskatnuss. Nicht ganz unvorhergesehen, war die Suche voellig erfolglos. Also ins Internet. Und siehe da, ich fand den Spice Trader in Ontario, scheinbar ein Einzelhandel, der seine Bio-Gewuerze auch verschickt. Und was die alles haben, ziemlich wunderbar. So trudelten dann Anfang dieser Woche, fuer ein kleines Porto von ueber 11$, unglaublich, nette gruene Doeschen hier ein, und ich bin stolze Besitzerin von, unter anderen Leckereien, ungefaehr 100 Muskatnuessen. Na ja, nicht ganz, aber wusste ich denn, dass die so wenig wiegen? Und die kleinste Einheit waren 50g. Das sind ne Menge Nuesse, wissen wir nun.

Hoffentlich nichts Kulinarisches ist der Wichtigvogel, mein derzeitiges Lieblingshuhn. Man kann auf dem Bild mangels Streichholzschachtel nicht erkennen, dass der Wichtigvogel nur etwa amselgross ist und wohl dieses Jahr nicht mehr wachsen mag. Zu wichtig sind die Missionen, in denen er (hoffentlich sie) unterwegs ist, da kann das Huhn nicht auch noch wachsen. Einzelgaengerisch und immer in Eile, vermute ich den Wichtigvogel in den Diensten des Lamas. Eingreifend in den Lauf der Dinge, im Auftrag. Vielleicht hat er aber auch einfach nur einen Psychoschaden. Schliesslich wurde die Mutter versehentlich geschlachtet, und eines der drei Geschwister nahm sich schon das Leben im Wassereimer. Ein anderes hat eine leichte Gehbehinderung, weil es sich wohl vor eine Ziege geworfen hat. Wer weiss, was in diesen kleinen Puschelkoepfen so vorgeht und wo beim Huhn die Seele sitzt.

Nun noch ein paar Worte zur Telefontechnik. Kurzer Rueckblick: Man will uns kein Festnetz verlegen, da zu teuer fuer Telus, den anscheinend einzigen Anbieter fuer Festnetz in unserer Gegend. Dann bot man uns Anfang des Jahres ein so genanntes Drahtloses Festnetz an, das per Antenne ins Haus kommt und dann normal verkabelt wird. Koennten wir aber erst haben, wenn das Haus fertig sei. Eine Nummer wies man uns bereits voriges Jahr zu, bei meiner urspruenglichen Antragstellung. Diese erschien dann diesen Sommer mit meinem Namen auch im Telefonbuch, gar nicht witzig. Also wollten wir das Telefon dann auch gefaelligst haben. Bei erneuten Anrufen ergab sich (ich will das nicht in aller Ausfuehrlichkeit schildern, obwohl, ich koennte, und koennte dabei gleich meinen Blutdruck in Schwung bringen). Es ergab sich also: Man hatte unsere derzeitige Handynummer verbaselt und hatte nur die Nummer aus Debolt, also von vor zwei Jahren (!!!), konnte uns also nicht kontaktieren. Man hatte die uns zugewiesene Nummer versehentlich jemand anderem zugeteilt, obwohl mein Name damit im Telefonbuch steht. Auf meine Fragen hin beschied mir die Dame, dass die Antenne 0.5V Strom ziehe (ich schuettelte vorsichtig den Kopf, Gereon schuettelte energisch den Kopf). Sie beschied mir auch, dass man das Geraet mit einem Ueberspannungsschutz ausstatten wuerde, weil ja, wenn man von den Sonnenkollektoren in den Generator gehe, leicht mal Spannungsspitzen auftreten koennten, und da muesse vorgesorgt werden. Hochkompetente Mitarbeiter allerorten, das wird aus drei Saetzen offenbar. Da kann man mir doch auch meine Notluege nicht veruebeln, dass das Haus praktisch fertig ist und sie gefaelligst ihre drei Wochen Vorlauf starten sollen. Denn wer weiss, bei soviel Verwirrung sind drei Wochen womoeglich nicht das, was ich so denke. Immerhin aber hat man uns eine neue schoene Nummer zugewiesen, wenn sie denn haelt: 5511. Ist doch gut zu merken.

Und zum Schluss noch etwas Erstaunliches: Obwohl weit von allen Kuesten und auch nicht in der Naehe eines erwaehnenswerten Zoos, koennen wir doch hier immer wieder Walgesang hoeren. Schade, dass es noch kein Geruchsinternet gibt…

Wie peinlich, Walter!

Da ist der Gatte dann doch weg gewesen und hat nicht Bescheid gesagt – das tut mir leid. Wenn Du einen Kommentar hinterlaesst, dann fragt das Programm nach Deiner Internet-Adresse, und niemand sonst sieht sie, und dann kann ich Dir schreiben. Ist aber auch zu bloede, dass wir noch nicht mal Nachnamen oder Telefonnummern ausgetauscht haben. Vielleicht klappt es ja doch noch, waehrend Du hier bist.
Schoene Gruesse derweil von Petra

Und dienstags bei den Nachbarn vorm Haus…

… sitze ich und habe mich dann doch ins Internet einloggen koennen. Hier steht naemlich ja noch die Schuessel, die ich schon uebernommen habe, samt wireless network dingenskirchen. Bisher hatte ich das Einloggen nicht geschafft, hat aber eindeutig an mir gelegen. Doch nu, oh Wunder funktioniert es. Nicht rasend schnell, natuerlich, schuesselchen-langsam halt, doch immerhin. Leider will Margaret das Ding unbedingt los werden, verstaendlich, weil das Kabel durch einen Schlitz im Fenster ins Haus gefuehrt wird. Und es wird ja bekanntlich kalt. Haette ich mal einen feinen Kompass und jemanden, der mir die Schuessel irgendwo aufbaute…
Doch irgendwann wird auch das klappen. Dann kann ich ja jetzt beruhigt zur Post fahren.

Oh, und ich muss noch kurz angeben, auch wenn der Opa das ja leider nicht liest. Ich verlasse mich auf die Rohrpost. Nachbarin Margaret und ich haben gemeinsam, sie allerdings viel fleissiger als ich, bis jetzt 92 Literglaeser Tomaten eingekocht!! Wir werden die 100 erreichen und wohl ueberschreiten, weil naemlich immer noch ein halber grosser Tisch und mehrere Kisten in ihrem Keller voller Tomaten sind, die auf Verarbeitung warten. Wenn alles nix nuetzt, machen wir ein italienisches Ristorante auf.

Samstags vor der Buecherei

… parkt ein kleiner, rostiger, eindeutig aelterer Truck, ROSA. Es dauert einige Zeit, bis ich ihn mit einer alten Dame in Verbindung bringe, die am Computer sitzt, seit bald 2 Stunden. Es entspinnt sich folgender Dialog:
Ich: Ist das Ihr Truck da draussen?
Dame (mit Baseballkappe, Hoodie, Fleeceweste und dicken Schuhen, Jeans natuerlich, und grauen kurzen Haaren): Ja, das ist meiner.
Ich: Und der Hund am Steuer faehrt?
Dame: Ja, ja, der faehrt, das ist ok.
Ich: Ist das eine Pudelmischung?
Dame: Reinrassig!
Ich: Gross?
Dame: 25 inches, das ist gross fuer eine Huendin.
Ich: Gibt’s die hier irgendwo oder wo haben Sie die her?
Dame: Dafuer bin ich nach New York geflogen. Ich wollte was Besonderes.

Tja, da siehste mal. Was man auf meinen dilettantischen Fotos nicht sehen kann: Der Truck ist fliederlila-rosa, hat vorne drauf ein lila Seil, keine Ahnung wofuer, der Hund traegt ein moeglicherweise lilanes Halstuch. Man fragt sich…

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Sowohl Hund als auch Auto naehme ich sofort, zu und zu niedlich.

Fenster

Immerhin. Alle Fenster sind drin. Man hat das Gefuehl, dass es gleich waermer ist. Jetzt fehlen also noch 4 Tueren, was unterm Dach, die Isolierung und schliesslich mindestens ein Ofen. Zuviel nachdenken darf ich darueber nicht, denn nebenher muessen noch dringend Ziegenunterstaende gebaut werden und die Bienen winterfest gemacht. Kaese erwaehnen wir nicht, den mach ich ja, da hab ich Einfluss. Aber das Wetter ist nach wie vor prima, nicht wirklich eklig kalt, kein Schnee, relativ viel Sonne immer noch. There you go!
fenster_drin.jpg

So, jetzt aber mit Bildchen

Und die Bildchen mal zuerst, vielleicht faellt mir dann noch was ein.
3fenster1.jpg herbstwald20081.jpg allesqark.jpg
Das mit dem Wetter bzw. den goldenen Blaettern hat sich so gut wie erledigt. Die Blaetter sind fast runter, und die Temperaturen auch. Es scheint, dass ich in diesem Jahr fast uebergangslos von „Wie kuehlen wir die Milch?“ zu „Wie hindern wir die Milch am Frieren?“ gehe. Und ich weiss nicht, welches Problem mir lieber ist. Die Finger tun jedenfalls schon wieder weh fuer -20 Grad, obwohl es gerade mal -6 oder so war. Vorteil: weniger Matsche.

Und dann noch, heute in der Post, frei nach der Frage von Henne oder Ei: Unser Antrag auf eine Strasse zur noerdlichen Quarter Section, damit wir Zugang haetten und dort bauen koennten, wurde abgelehnt mit dem Argument, dass da ja keinerlei Bauaktivitaeten sind. Nicht, dass ich uns in naechster Zeit ueberhaupt schon wieder bauen saehe, aber die Argumentation ist doch bestechend!
So, ich glaub, mehr weiss ich im Moment nicht. Gereons Arbeit scheint etwas auf der Kippe, bin gespannt. Das waere ja mal was ganz Neues, wenn er ploetzlich arbeitslos waere.

Mondlandung verkehrt

Ein kleiner Schritt fuer die Menschheit, aber ein grosser Schritt fuer uns: Seht ihr den Unterschied zu vorher???

Nein? Koennt ihr auch nicht, logisch, weil ich naemlich hier im angezapften Internet in Grande Prairie auf dem Farmers Market keine Bilder hochladen kann. Jedenfalls: Wir haben 4 (in Grossbuchstaben VIER) Fenster eingebaut!!! Das heisst, dass wir gestern luxurioes hinter dreien davon, zwar auf Bienenkaesten, aber immerhin gesessen, Tee bzw. Kaffee getrunken und Chocolate Ginger Brownies gegessen haben. Ziemlich gut. Der kleine Hund hat sich schon ordnungsgemaess auf einem Sonnenfleck rumgewaelzt. Ziemlich erstaunlich eigentlich, weil ja noch keinerlei Polsterung fuer die Knochen da ist. Aber Sonnenfleck.

Nine openings to go, das heisst, noch fuenf Fenster und vier Tueren, wovon wir aber wohl die oberen Tueren eher einfach fest verbrettern werden, einstweilen, der Eilbeduerftigkeit halber. Jetzt scharre ich naemlich richtig mit den Hufen, ich will unbedingt einziehen, sofortissimo. Kann schliesslich nur besser werden als Kueche jetzt.

Derweil ist, ebenfalls fotografiert zur spaeteren Veroeffentlichung, immer noch schoenstes Herbstwetter, leider fallen die Blaetter schnell. Aber sie sind golden, und immer noch fliegen die Gaense, und gestern sogar noch ein paar Kraniche. Es gibt Morgennebel und dekorative Sonnenauf- und -untergaenge (obwohl wir die tatsaechlich, wie der Name ja auch sagt, in Sunset House sehr oft haben).

Gelernt haben wir, dass bei Quark von 20 Litern Milch unsere Grenzen liegen. Irgendwie wiegt das Zeug nach dem Abfuellen in den neu erworbenen 25-l-Abtropfbeutel immer noch etwas viel, selbst mit meinem kraeftigen Molkereiassistenten war es schwierig, den Beutel hoch genug zu haengen. Beim Abnehmen war ich ohne Assistenz, und dann hatte ich das Zeug nicht lange genug abtropfen lassen, und dann war es immer noch schwer, und duenn, aber zu spaet – nie wieder haette ich es in den Beutel gekriegt. Also hab ich mal 7,5 kg semi-fluessigen, aber wohlschmeckenden Quark eingefroren. Das machen wir jetzt nicht mehr, 20 Liter auf einmal. Glaube ich jedenfalls. Andererseits: Feta von 20 Litern, das macht Spass. Wie im Sand spielen. Ich habe naemlich noch kleine Foermchen von Thomas und Julia entdeckt, und so habe ich lustige kleine Fetas produziert, die nun alle mit ihren grossen Bruedern und Schwestern (die Feta, der Feta?) im Salzbad schwimmen. Das mach ich jetzt lieber oefter. Die Truhe ist voller Milch und Kaese. Aber heute habe ich einen ziegenfreien Tag, das ist auch mal nett.

Alles Quark?

Wahrscheinlich haette ich das vorbildliche Wetter nicht beschreiben sollen…
Vorgestern sah das Lama so aus graupellama.jpg Und der Rotkohl so rotkohl_an_graupeln.jpg Und gestern abend sagte der Wetterbericht fuer heute morgen Regen oder Schnee (es wurde dann Regen, man ist ja fuer Kleinigkeiten dankbar).
Vorher allerdings sind die Boecke in ihren schoenen neuen Zaun gezogen bockzaun.jpg Den unterziehen sie nun einem Qualitaetstest – den er streckenweise nicht besteht. Erste Panels lagen schon flach, doch nur das Lama buechste aus. Auch ist nicht alles zu ihrer Zufriedenheit geschaelt, und wenn Ziegen Nadelholz schaelen, sehen sie nachher etwas geschminkt aus, wie Odettes Soehnchen hier odettessohn.jpg Bitte beachtet auch die schicke Lockenfrisur!

Quark, ja, das ist ein heikles Thema. Hatte ich letztes Mal noch froehlich geschrieben, haette ich heute morgen den ganzen Quark in die Ecke schmeissen koennen, blieb er doch trotz (oder wegen?) neuer Kultur und neuem Rezept, extra fuer Quark, fluessig und damit fuer mich unbrauchbar. Das ist ein schoener Anblick, wenn der erhoffte Kaese einfach durch den Abtropfbeutel laeuft – grummelgrummelgrummel. 16 Liter, alles fuer’s Schwein, so ein Mist! Aber ich gebe nicht auf. Letztens hatte ich nach einem Fehlstart noch einen sehr schoenen Erfolg, fast perfekt quarkig.
Etwa 15 Liter Milch kriege ich im Moment pro Tag, das ist fuer mich die Grenze des Machbaren unter den gegebenen Umstaenden. D.h., genau genommen habe ich die Grenze glaube ich ueberschritten. Es bleibt naemlich noch mehr liegen als sonst. Der Frost, der nach dem Graupellama folgte, hat die Bohnen dahingerafft, die Tomaten sind angeschlagen, Margaret, die mehr als einen Orden verdient, hilft mir beim Einmachen (d.h. sie hat es praktisch uebernommen). Ausser Fuettern, Melken, Spuelen, Kaesen und Kochen schaffe ich nix. Und dann habe ich heute noch um kleine zwei Stunden verschlafen, dabei musste ich in die Buecherei zum Arbeiten. Hier ist es jetzt sehr erholsam. Sieben Stunden zuverlaessig ohne Spuelwasser an den Haenden und zweifelhafte Matsche an den Fuessen, das ist mal sehr schoen. Und dann hab ich auch noch Schoki hier am Pult gefunden – himmlisch!

Die Ziegen, das ist ja schon was Interessantes. Ich weiss ja nie, wer alles hier liest, und ich vermute, einige werden sich an die Stirn tippen, aber mein Tagesablauf, ach, was sag ich, im Moment mein ganzer Lebensrhythmus wird von diesen Tierchen bestimmt, auch wenn das nicht immer lustig ist. Derzeit sind sie umschichtig „rossig“. Fies stolzieren sie ueber die Gangway an den Boecken entlang und wedeln, was das Zeug haelt. Dann muss der Zaun ganz schoen was aushalten. Sie duerfen jetzt nicht mehr frei laufen, eben wegen dieses unakzeptablen Verhaltens, sowas geht hier im prueden Alberta bittesehr aber gar nicht! Beim Melken habe ich fuenf Ziegen mit fuenf sehr verschiedenen Melk- und Fressverhalten, und Gereon und ich unterhalten uns schonmal darueber, wie gut wir sie unterscheiden koennen. Manche erkennt man an der Stimme, bei Rossigkeit leider auch nachts. Manche an den Ohren. Manche an einem Punkt auf der Nase. Manche sprechen mit offenem Mund, manche halten die Lippen so gut wie geschlossen, wenn sie greinen. Nett sind sie alle, meistens. Natuerlich versuche ich, mich mit den Kastraten, die ja auch ueberwiegend keine Namen haben, nicht so sehr anzufreunden, weil sie wohl doch den Gang in die Truhe gehen werden. Wenn ich durch die Matsche stapfe, um sie zu fuettern, bin ich fest entschlossen, sie nicht ueber den Winter zu fuettern. Wenn die Sonne scheint und sie in den Busch gehen koennen, wuerde ich sie am liebsten alle behalten, logisch. Hatte ich erwaehnt, dass ich mal ausgerechnet habe: Wenn wir immer zwei Ziegen melkten, also im Schnitt 4 Zicklein im Jahr haetten, und wir wuerden 80 werden und alle Ziegen behalten, dann haetten wir insgesamt nur 120 Ziegen, das klingt doch gar nicht soviel, oder? Wenn nur der Winter nicht waere.

Nachdem in den letzten Tagen Hunderte von Kranichen ueber uns hinweg gezogen sind, steht er wohl vor der Tuer. Margaret sagt, wenn die Kraniche ziehen, muss man die Kartoffeln ausmachen. Was mich erinnert – das habe ich auch noch nicht getan. Die Gaense sammeln sich noch, vielleicht muessen die nicht so weit, ich weiss das gar nicht.

So, und jetzt ess ich noch weiter Schokolade und geniesse meinen lauen Tag hier! Warm, trocken, Schoki, wat willste mehr?

Fortschritte

Es geht voran! Das muss mal als erstes gesagt werden. Es passiert jede Menge, jeden Tag, wenn auch nicht immer alles am Haus. Ich bin voll im Melkfieber, die Ziegen, von denen ich ja nur zwei bis drei melke, produzieren wie bloede, manchmal ist der ganze Kuehlschrank voller Milch. Nach meinem inspirierenden Kaeseworkshop mache ich mich aber immer frisch ans Werk und kaese munter drauflos. Und siehe da, bis jetzt war auch alles Kaese, wenn auch nicht immer ganz formschoen. Gewichte so auf Kaese zu plazieren, dass das Pressen gleichmaessig erfolgt, das ist eine echte Herausforderung. So bekam denn auch der erste „Gouda“ eine interessante Keilform (in der Seitenansicht). Aber Frischkaese ist ja tolerant, was die Formen angeht, kaeseproduktion.jpg und so quetsche ich ihn in meine Glasschuesseln oder was immer gerade frei ist. Jetzt gibt es immer Pancakes mit „Quark“ und Marmelade – nicht schlecht. Auch einen Fetakaese habe ich produziert, 2 kg, boah! Und schmeckt! Das ganze ist natuerlich zeitlich (und auch logistisch) ein ziemliches Unterfangen. Es ist ja hinlaenglich bekannt, dass unser Teichwasser eine Farbe hat und diese wahrscheinlich auch einen Grund, so dass ich das Wasser nur in den ersten Spuelstadien verwende. Danach muss abgekochtes, zugekauftes, durchsichtiges Wasser verwendet werden. Und das alles dauert gewaltig lange. Und dann die Temperatursteuerung auf dem Holzofen ohne Wasserbad (weil ich mir naemlich einen 20-l-Topf gekauft habe, fuer den ich kein noch groesseres Behaeltnis fand, bis jetzt). Aber weil Debra uns erklaert hat, dass am Schluss auf jeden Fall Kaese rauskommt, bin ich ganz entspannt.

Letztes Wochenende wieder eine Workbee, Thomas reiste dankenswerterweise erneut an, diesmal mit grosser Besetzung, sprich fuenf arbeitswilligen Jungs. Und so wurde ordentlich was geschafft, Isolierung oben angefangen, Unterboden eingebracht, und am Sonntag haben Gereon und ich dann die interessante Zelluloseisolierung reingepustet und Gereon hat die ersten Bodenplatten aufgeschraubt.

isolierung_oben.jpg zellulose.jpg fussbodenanfaenge.jpg

Das ganze findet statt bei allerschoenstem, vorbildlichem Herbstwetter (nicht abgebildet…), mit blauem Himmel, Ketten von Gaensen auf Uebungsfluegen, gelben Baeumen und immer noch recht vollem Garten. Was mich immer wieder daran erinnert, dass ich auch noch drei Kisten Pflaumen, eine Kiste Birnen und eine Kiste Nektarinen einzumachen habe. Dazu immer noch jede Menge rote Bete, die ich leichtsinnig gesaet habe. Ich muss wohl fuer naechstes Jahr meine Mengenverteilung ueberdenken. Mehr Erbsen und Bohnen, weniger Bete. Weniger Sellerie, glaube ich. Oder aber mehr Mist, damit der Sellerie besser wird. Macht nur Laub, kaum Knollen.

garten_2008.jpg fenchel.jpg paprikaplantage.jpg

Die Ziegen laufen im Moment viel frei herum, jedenfalls die Damen, damit sie sich jede Menge Futter suchen koennen. Ruhen tut man dann gern im „Keller“. Damit das aber mal wieder kontrollierter wird, saegt Gereon jede Menge Bretter, und daraus haben wir ja schon mit Runas Hilfe angefangen, mehr Gatter zu produzieren. Der neue Ziegenzaun ist begonnen und hier zu sehen – ich glaube, das wird prima.

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Und dann war da noch Lili, mal wieder rauschig. Sie wird dann in Erwartung interessanter Dinge total malle und ist absolut schmerzunempfindlich (SM unter Schweinen?). Die Ziegen machten sich also einen Spass daraus, mal ein Schwein anzuschieben. Am naechsten Morgen wurde es noch schlimmer, jedoch undokumentiert, als Mafalda sie immer mit voller Wucht an die Hauswand donnerte. Doch was sind schon ein paar Hoernerstriemen auf der Schweineschwarte, wenn man nach Beruehrung lechzt? Na, zum Glueck ist der Rausch erstmal wieder vorbei, ich war wirklich etwas in Sorge. Mafalda naemlich rammt immer gegen Hauswand oder Tuer, wenn sie findet, dass es jetzt Zeit fuer ihr Kraftfutter ist – bis buchstaeblich die Waende wackeln. Das ist dann eine schoene Geraeuschkulisse beim Melken.
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Was sonst noch? Es gab und gibt einen Lebensmittelskandal, dem schon 17 Menschen zum Opfer gefallen sind, Listerien in Aufschnitt, kanadaweit (und das ist weit). Der Tipp der Beamtin von CFIA, der Canadian Food Inspection Agency: Es gibt eben Lebensmittel, die von gewissen Bevoelkerungsgruppen, wie alten Menschen, Kindern, Schwangeren und Kranken, gemieden werden sollten, also Rohmilch und Rohmilchprodukte. Sogar Gereon war entruestet. Es ging schliesslich um Fleisch aus einem Riesenbetrieb. Und nicht um die hier als todesgefaehrlich angesehene Rohmilch, die ich noch nicht mal verschenken duerfte und auch nicht als Hundefutter abgeben, glaube ich. Aber weil der Landwirtschaftsminister, der auch fuer die Lebensmittelsicherheit zustaendig ist, wohl mehr als eine saudumme Bemerkung gemacht hat zu diesem Thema, koennte es ihn den Posten kosten, was die Konservativen schmerzen wuerde, weil sie naemlich Wahlen anberaumt haben. Das kann hier anscheinend jede Regierung machen, wenn und wann es ihr am besten in den Kram passt.
Wenn es um diesen Lebensmittelkrams geht, koennte ich ja auch noch politisch werden. Habe aber anscheinend vor lauter Milchwirtschaft keine Zeit dazu. Ist auch wahrscheinlich besser.

Goats West und Ziegenboecke

War ich also ja vom 22. bis 24. August auf einer Goat Convention, klingt ziemlich grandios, oder? War aber natuerlich eher klein, weil im Gegensatz zu den Rindern die Ziegen ja hier nach wie vor von den meisten Albertanischen Redneck-Bauern nicht ernst genommen werden. Selbst schuld, kann ich da nur sagen. Ich jedenfalls hatte einen Riesenspass und kam hoch inspiriert und voller Aenderungsvorschlaege wieder nach Hause. Schade, dass wir nicht juenger sind. Dann haette ich mich vielleicht doch noch in das Abenteuer der Milchwirtschaft zum Verkauf gestuerzt. Aber so wie die Dinge liegen, koennten wir zwar theoretisch ganz vielleicht ein Darlehen aufnehmen, um die ordentlich teuren, vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Geraetschaften zu kaufen, aber wir haetten nicht genuegend Zeit, um es abzubezahlen, fuerchte ich. Ausserdem ruempfen hier oben im Norden ja noch jede Menge Menschen die Nase, wenn die Rede von Ziegenkaese ist. Auch hier: selbst schuld! Am 22. gab es naemlich zum Einstieg einen kleinen Kaese-Workshop mit einer sehr kompetenten und sympathischen Kaeserin aus B.C., die auch mal 10 Jahre in der Schweiz gelebt hatte – das muss wohl ordentlich praegen! Guckt mal bei http://www.farmhousecheeses.com – bin ein bisschen neidisch.
Weiterhin lernte ich etwas ueber das Zaehlen von Wurmeiern, nicht so lecker, aber sicher sinnvoll, dann Ernaehrung, Aufzucht, Zaeune (!!! ungeheuer wichtig !!!). Einer der Vortragenden kam aus Texas, so dass sein Akzent alleine das Zuhoeren wert war. Wie im Kino! Koestlich!!
Und dann gab es Hofbesichtigungen, das Allerschoenste! Natuerlich wurden uns bei jedem Besuch die Haende desinfiziert und wir mussten blaue Plastikgaloschen ueber das Schuhwerk streifen – Biosecurity wird extragross geschrieben, ist das in Deutschland inzwischen auch so? Man fuehlte sich richtig schmuddelig. Ich bin mir immer noch nicht so sicher, ob das alles nicht ein bisschen uebertrieben ist. So sahen wir auf einer Burenziegen-Betrieb diese schoenen Futterraufen, die wir wohl als Anregung uebernehmen wollen. Fuer mich das spannendste aber war der Besuch auf einem Milchziegenhof (wo es eine Vorfuehrung von kuenstlicher Besamung bei Ziegen gab), der von einem Schweizer Ehepaar geleitet wird. Die beiden melken 150 Ziegen und drei Kuehe (fuer die Zickleinmilch) und liefern alles an eine Ziegenmolkerei. Die Molkereien in Suedalberta koennen den Bedarf gar nicht erfuellen, so spriessen neue Milchbetriebe wie Pilze aus dem Boden. Ich lernte eine junge Frau kennen, die seit zwei Jahren im „Milchgeschaeft“ ist, sie melkt derzeit 90 Ziegen, aber sie will noch gewaltig aufstocken. Das ist ganz schoen viel Arbeit! Aber wie man auf den Fotos sehen kann, haben Muellers alles im Griff: Melkstand fuer 20 Ziegen, grosse, helle Scheune fuer die Melkdamen und ebenso heller luftiger Aufenthalt fuer das Jungvolk. Natuerlich kommen diese Ziegen nie auf die Wiese. Uns ist inzwischen auch viel klarer warum. Seit ich naemlich in Folge des Gelernten Alfalfa-Heu-Knubbels (wie heissen die auf deutsch?) zufuettere, schmeckt unsere Milch wieder suess und nicht mehr so herb, wie sie schmeckte, als die Ziegen nur im Wald waren. Aha, dazugelernt!
Ja, so war das in Leduc. Ziegenmenschen sind lustig. Da fahr ich naechstes Jahr wieder hin.
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Und dann dieses Wochenende bei H’s im Busch: Der Stapellauf des neuen Saegewerks. Ich sag euch, wenn der Herr H. jetzt noch zwei Pferde kriegt, dann wird er abwechselnd abholzen, ranschleppen und zersaegen – bis wir in der Prairie wohnen. Er leugnet das vehement, aber ich bin mir nicht so sicher. Konnte gar kein Ende finden, der Mann! Abgelichtet sind der „Jungfernschnitt“, der stolze Saeger mit noch desinteressierten Ziegen im Hintergrund, die Ziegen in einer kleinen Arbeitspause (kann man da was umwerfen? klappert es gar? beklettern? – Die Antwort natuerlich zu allem: Jawoll!), und der Chef mit der Chefin(ziege) in der Schaffenspause.
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Das Wetter ist ziemlich himmlisch, ach ja, und den ersten Frost hatten wir auch. Wie wir auch jetzt zum ersten Mal merken, kann der Ziegen(bock)halter das Ende des Sommers kaum verpassen, legen doch die Boecke mit kuerzer werdenden Tagen und kuehleren Naechten ihr umwerfendes Parfum an. Oh manno, sie sind jetzt in den Busch verbannt, denn selbst bei Windstille ist es recht penetrant.
Der Frost hat noch keinen Schaden angerichtet, macht aber der Hauswirtschafterin ordentlich Druck: Bohnen sind noch zu pfluecken, Fenchel zu retten, letzte Salaetchen und Koehlchen optimistisch auszupflanzen und abzudecken, schliesslich hatten wir schon wunderbar warme September, dazwischen ist Obst einzukochen, rote Beete einzulegen, Mangold einzufrieren, ach ja, und Unmengen Kaese zu machen. Ich weiss nicht so recht, wann und ob das alles gehen kann, aber ich gebe (noch) nicht auf. Fast haetten wir ja anscheinend einen Wander-Zimmermann bekommen, aber der hat nach einer ziemlich echt klingenden Zusage einfach nix mehr von sich hoeren lassen – sehr bedauerlich. Sonst waere das Haus vielleicht jetzt schon beziehbar.