Archiv der Kategorie: Kanadisches

Es fliegen Hubschrauber und Flugzeuge

Draussen passiert gerade irgendwas: Fast den ganzen Tag schon fliegen Hubschrauber von Forestry, also vom Forstamt, über den Hof und jetzt kommen dicke viermotorige Maschinen hinzu. Zwar zeigt die Waldbrand-Statuskarte nichts an, aber ich befürchte, dass es irgendwo brennt. Kein Wunder wäre das, denn es ist rappeltrocken, überall. Da bin ich mal gespannt.

NACHTRAG: Inzwischen habe ich mit Megan, der Tower Lady, gesprochen. Es gab nördlich von uns ein grosses, aber genehmigtes Feuer. Leider war die Genehmigung nicht in allen erforderlichen Listen eingetragen, und so hatten zwei Türme es gesehen und gemeldet. Hubschrauber und Flugzeug wurden ausgesendet, um zu prüfen, ob es auch nicht ausser Kontrolle geraten war. Hubschrauber = choppers. Diese Art von viermotorigem dickem Flugzeug = BirdDog (obwohl damit meinen Recherchen zufolge eigentlich ein ganz anderer Typ Flugzeug bezeichnet wird – wahrscheinlich künstlerische Freiheit).

Auf jeden Fall: kein grosses Buschfeuer – das ist gut.

Kommt, wir finden einen Schatz!

Das war die – unausgesprochene – Devise unseres heutigen Morgenspaziergangs.

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Meine Aufpasser.

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Der erste Schatz: ein Stück Elchfell. Der kleine Hund war sehr stolz!

 

So, und wie ihr seht, seht ihr nichts. Das, meine Lieben, liegt am Obst, genauer gesagt, am Apfel. Der will nämlich weder mit Blackberry noch mit WordPress, der kleine elitäre Knilch… Vielleicht will er auch nur nicht mit mir. Weil ICH elitär bin. Auf jeden Fall muss ich jetzt leider spülen, und wenn ich dann wieder Nerven habe, schreibe ich euch vielleicht, wie es heute auf der Schatzseuche war (Rechtschreib-Vorschläge sind ebenfalls sehr eklektisch… affiges kleines Ding…)
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Und jetzt funktioniert’s dann doch, lag wohl an der Dateigröße, die ca. 7 Jahre zum Hochladen brauchte. Der nächste Schatz: ein (drittes) Elchbein. Die werden so nach und nach vom Grader bei uns abgeladen. Wir haben jetzt zwei Vorder- und ein Hinterbein.

Mein Schatz fiel ein bisschen kleiner aus: ein wahrscheinlich vom Raben leergefressenes Ei.

Mein "Schatz": ein vom Raben geleertes Ei

Mein „Schatz“: ein vom Raben geleertes Ei

 

Die Dinge normalisieren sich

Diese Fotos sind ja sattsam bekannt, und doch für mich immer wieder nett: Frisches Brot, mit frischem Duft und leckeren, gebackenen Haferflocken, die unweigerlich abfallen und dann unter dem Brot weggeklaubt und gegessen werden können.

Das Wetter ist auch sattsam bekannt: Sonne. Frisch. Ein paar dekorative Wolken. Gänse in der Luft. Enten in der Luft. Bäume werden immer grüner. Es ist sehr nett.

Gestern war ich, ebenfalls nicht unbekannt, fast den ganzen Tag in Grande Prairie. Eigentlich mit einer relativ kleinen To-Do-Liste, und doch war ich erst gegen 20:30h zuhause. Schliesslich musste ich mal wieder ein bisschen von der kriminellen Jersey-Milch abholen und diesmal sogar illegalen Käse – wunderbar! Jetzt fehlt nur noch der Garten, dann sind wir bestens versorgt: Selbst gebackenes Bio-Brot, eigene Fast-Bio-Eier und Bio-Hühner, Bio-Elch, Bio-Milch und -Käse aus der relativen Nachbarschaft.

(Kleine Zwischenbemerkung: Irgendwas stimmt hier nicht, gerade fährt schon das zweite Auto für heute vorbei, tztztz.)

Wie ich höre, gibt es in Deutschland gerade sehr apriliges Wetter, incl. Schnee und Graupel. Yikes!

Albertas Farben

Blau, gruen, gelb(lich). Erster Gang zum Hochsitz, ohne Schwächeanfall, bei schoenstem Sonnenschein und unter lautem Froschgesang.‎ So gehoert es!

So, wo waren wir stehengeblieben?

Diese verflixte Grippe hat mich so derartig aus der Bahn geworfen, dass es wirklich nicht lustig ist. Eine ganze Woche im Delirium, kein Koffer ausgepackt, nichts vernuenftiges geschafft, nur rumgehustet, rumgehangen, geschwitzt, Kreislauf gehabt. Nicht nur fuehlte ich mich koerperlich wie ein Putzlumpen, auch mental ist das widerlich: Sah ich mich doch hier ankommen, die Aermel aufkrempeln und wie Superwoman zur Rettung vor dem Chaos einschweben. Tja, das war so gar nix. Aber jetzt, jetzt wird es, das spuere ich in den Knochen.

Und so schnappte ich mir heute morgen zum ersten Mal das alte Hundchen und wanderte Richtung Saegeplatz. Frisch-kuehle Morgenluft, Sonne knapp ueber dem Horizont, leider Generatorgeraeusche, aber sonst: Frieden. Der kleine Hund natuerlich auf wichtiger Mission vorneweg.

IMG_20160419_064459Und faengt im Sawmill Yard gleich an, irgendwas zu verbellen. Weil ich keine Heldin bin, habe ich umgedreht und bin Richtung Strasse, wo ich diesen schoenen, frisch ergruenten Baum sah.

IMG_20160419_065517Und waehrend ich noch so guckte, hoerte ich nach langen Jahren zum ersten Mal wieder: den Wolf! Fast wie im Oberbergischen, dachte ich mir… Mit schoener, sonorer Schauerstimme heulte er ein Ruendchen hinter mir rum. Die Hunde reagieren darauf ganz anders als auf Koyoten, naemlich nur mit kurzem Bellen und dann, so wirkt es, mit beeindrucktem Schweigen. Ich hoere ihn gern, es ist ein ganz einzigartiger Ton bzw Gesang. Die Chef-Reaktion (musste ich natuerlich gleich informieren): Ja, dann stell mal die Knarre neben die Tuer… Aber nix gibt’s, so lange ich hier bin, werden keine Woelfe einfach so geschossen, no way! Ausserdem steht Bauer Albert bestimmt sowieso mit Gewehr bei Fuss, denn es ist Kalbezeit, und da will man natuerlich wirklich nicht so dringend einen Wolf um die Kuehe schleichen haben. Er ist akut gefaehrdet, wenn er im Nordwesten bleibt.

Das ist also heute mein aktiver Einstieg ins albertanische Leben. Weiter geht’s jetzt mit der Steuererklaerung, ist ja auch was Feines.

Reiseerleichterungen

Zum Einen das:

IMG-20130915-01003Warum ist es wohl, dass ich auch nach zehn Jahren nicht in der Lage bin, „normale“ kanadische Kartoffeln so zu kochen, dass sie zwar gar, aber am Stueck sind? Die oben abgebildeten Matschteile waren aussen, na ja, wie man sieht, und innen teilweise knackig. Sowieso ist die Kartoffelphilosophie hier eine ganz andere als in Oberberg: Wenn man die Sortenbeschreibungen nachliest, dann gibt es Bakers, Mashers, Boilers etc.pp., die angeblich alle unterschiedliche Kocheigenschaften haben. Fuer mich erweisen sie sich immer als mehlig, mehlig oder mehlig. Und schoene, gelbe Kartoffeln muss man mit dem Navi suchen.

Na, und dann das:

IMG-20130916-01005Nach Wochen schoensten und fuer September fast ungewoehnlichen Herbstwetters rollten gestern abend von Westen die dunklen Wolken herein. Die ganze Nacht regnete und stuermte es, und heute morgen habe ich von meinen drei Metern Regenrinne zwei Faesser voll.

Jetzt ist es grau und immer noch windig und regnerisch. Da habe ich gestern abend vorsichtshalber schon mal Marzipankartoeffelchen gemacht, aus Rohmasse und Dunklem Diwan – na, die sind aber lecker!

IMG-20130917-01006Mmmm, sehen auf dem Bild gar nicht so lecker aus. Na, egal, ich esse sie trotzdem.

A fantastic send-off!

IMG-20130912-00975So nannte meine Nachfolgerin am Farmers‘ Market die Verabschiedung, die mir meine entzueckenden Markthaendler an meinem letzten Markttag bereiteten. Ich hab‘ geheult! Aber erst nachher und hinter der dunklen Sonnenbrille.  Noch waehrend der Marktzeit kamen immer mal welche und brachten kleine Geschenke, einige davon wirklich Herzensdinge, andere nicht so dolle 😉 Es gab jede Menge Umarmungen und „Schreib aber mal“, „Hier ist meine email-Adresse“, „Wann kommst du wieder?“, „Wie soll das denn gehen ohne dich?“ Und dann hatten sie auch noch ein Abschiedsessen organisiert, mehr oder minder heimlich, weil manche sich verplapperten. Sogar die Hutterer waren da. Man sagte mir, dass das eher ungewoehnlich sei und ich daraus schliessen duerfe, wie sehr man mich moege. Ja, macht nur weiter so – dann bleib ich einfach hier!

abschied fmMeine Geschenke!

Gestern abend dann Grillen bei Adam und Katrin, mit Walter, Peter (noch ein Schweizer Zimmermann) und mit Nadja und Hans und den Kindern. Traumwetter, leckeres Essen aus eigener Herstellung, nette Gespraeche, viel Lachen. Schoen!

Und jetzt wird es hier langsam eng. Die Buecher fuer den Farmers‘ Market sind soweit organisiert, am Dienstag kommen meine Nachfolger und auch Katrin, um eben jene Buecher und, in Katrins Fall, auch so allerhand Lebensmittel, Blumen, Buecher, vielleicht Wolle etc. zu uebernehmen, von denen man annehmen darf, dass der Herr Chef sie nicht benutzen und noch nicht einmal vermissen wird.

Heute morgen erwachte ich zu Schuessen im Sueden: Die Jagdsaison fuer Gefluegel ist auf, und jetzt geht’s den Gaensen an den Hals. DAS werde ich nicht vermissen. Jaeger mag ich einfach nicht, mit einigen ganz wenigen handverlesenen Ausnahmen, insgesamt vielleicht zwei.

Anderes Gefluegel hielt diese Nacht den kleinen Hund auf Trab. Er war draussen geblieben und klaeffte dann ploetzlich wie bescheuert und wollte dabei rein. Die Kombination ist selten, und ich ging mal nachschauen. Im Licht meiner Kopflampe sah ich einen jungen Uhu im Baum sitzen und konnte dann auch die Toene zuordnen, die ich zuerst fuer das Schreckensgeschrei eines Huhns gehalten hatte.

Das Wetter, wie gesagt, ist immer noch traumhaft, die Bauern freuen sich ueber den unerwarteten Aufschub des kalten Herbstes, und ich geniesse die Sonne und die angenehmen Temperaturen (statt hier alles auf Vordermann zu bringen…)

Ich wuensche mir dann bitte eine Fortsetzung davon in Deutschland – esst mal schoen eure Teller leer!

Spaetsommer/Fruehherbst in Nordwest-Alberta

IMG-20130910-00965Heute Morgen war es mal wieder besonders kitschig-schoen. Und dann konnte ich noch einen Roadtrip nach High Prairie machen, um Honig auszuliefern. Das tu ich immer gern, der Norden zieht mich sehr an. Heute wurde ueberall geerntet bzw. die Ernte vorbereitet. Auf dem Hinweg kam ich an diesem Feld vorbei, auf dem DREI Riesen-Maehdrescher gerade parallel ihre ersten Runden drehten, dazu zwei grosse Getreidetransporter und Traktoren, die den Maehdreschern im Fahren die Ladung abnehmen, um sie in die grossen Lastwagen umzufuellen. Auf dem Rueckweg war das Feld halb abgeerntet. Ich schaetze, es war eine ganze Quarter Section, also ca. 64 Hektar, mindestens. Und die geschaetzte Arbeitsbreite der Maehdrescher: vielleicht 20 Fuss, also sieben Meter? Man verliert ein bisschen den Blick fuer die wirklichen Ausmasse, weil alles so riesig ist.

IMG-20130910-00966Ausserdem gab es lange, ordentliche Reihen von gemaehtem Canola, also kanadischem Raps, das gleich beim Maehen auf diese interessanten Wellen gelegt wird. Ist zwar bedenkliches Zeugs, sieht aber nett aus, finde ich.

IMG-20130910-00969 IMG-20130910-00970Mir gefaellt ja auch das verdorrte Gras, das jetzt auf manchen Wiesen  noch steht, und darin Weidenbuesche.

IMG-20130910-00971Und die unumgaenglichen Heuballen, auf’s Feld getupft, diesmal mit Blick nach Westen.

IMG-20130905-00954 IMG-20130905-00956Und schliesslich  noch ein Blick nach Westen, Richtung Valleyview. Die Strasse geht ueber 20 km schnurgeradeaus, das ist sehr praktisch, um illegal zu telefonieren oder mal schon ein bisschen Post zu lesen… Was man leider auf meinem dilettantischen Foto nicht sieht, ist der Nebel, der sehr malerisch im Flusstal in der Ferne liegt.

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