Spring has sprung! So sagt man hier (geht auf deutsch leider nicht). Das ist schoen. Es staubt nicht mehr, jedenfalls nicht mehr in der Kueche und darumherum. Auf der Strasse erstaunlicherweise schon wieder!
Heute habe ich mich besser organisiert und sitze relativ entspannt in der Kueche, mit dicken isolierten Gummistiefeln und trotzdem kalten Fuessen, weil Gummistiefel widerlich sind. Schnee und Frost waren eigentlich gar nicht so schlecht. Bei der Durchsicht der aktuellen Fotos habe ich mein Fruehstueck anbrennen lassen. Aergerlich. Draussen ist es knapp unter null, ich habe heute morgen frueh schon zwei Ziegen gemolken, so dass wir wieder echte Milch haben – wunderbar! Gleich muss ich arbeiten fahren, doch vorher habe ich noch ein bisschen Ruhe, um euch alle mit einem langen Artikel zu beliefern (in den Foren heisst es doch immer: Achtung – lang!) Fruehling also. Die kleinen Ziegen wachsen wie Unkraut, die Huehner legen prima, gerade meldet der Wetterbericht ein Hoch von +4 in Grande Prairie und von +10 in Peace River, wir liegen irgendwo dazwischen, das duerfte also schoen werden. Fuer Suedalberta werden bis zu 20 cm Schnee und Schneeregen gemeldet, da will man ja wohl gerade nicht sein.
Die Matsche ist ziemlich unangenehm, die Kueche war ueberflutet, so dass der Kater einmal auf den von Gereon verlegten Stegbrettern Wasserski fuhr. Gereon hat aber das Design verbessert, und nun ist an strategisch wichtigen Stellen jeweils ein Loch unter den Brettern, in dem sich das Wasser sammelt. Gestern habe ich etwa 30 Liter ausgeschoepft aus einem Loch! Noch ist kein Ende abzusehen, obwohl wir schon einen Teil des festgefrorenen Schnees westlich von der Kueche einfach auf das neu gebaute Fruehbeet gekippt haben. In diesem befindet sich naemlich der Mist aus einem ganzen Ziegenstall, sehr praktisch, weil kurze Wege. Der war aber so trocken, dass natuerlich gegossen werden muss. Nun bin ich ganz aufgeregt und hoffe auf Glasscheiben von den Nachbarn, damit wir das alles abdecken und warm werden lassen koennen! Ich sehe schon Salat und bald Tomaten vor meinem geistigen Auge. Ich habe eine kleine Kiste mit Samentuetchen, die ich als meinen Schatz betrachte.
Taeglich ziehen Gaense ueber uns hinweg, und am Montag, als es besonders schoen und sonnig und blauhimmelig war, hoerte ich andere Toene und sah dann fuenf wilde Schwaene genau ueber mich hinweg fliegen, dazu Schmetterlinge auf der Hundehuette und Bienen, die Wasser holen. Dieses Letztere ist ein Zeichen – so sagt der Chef-Imker – dass sie Brut haben. Auch schleppen sie bereits Weidenpollen in grossen Mengen an, sehr erfreulich. Der Fluss ist wohl gestern aufgebrochen, der Schnee schmilzt in einem erstaunlichen Tempo. Ich glaube, ich hab mich noch nie so ueber den Fruehling gefreut wie dieses Jahr! Allerdings: Auch die ersten Moskitos wurden schon gesichtet – in der Kueche! Schweine! Aber das ist eben Alberta: Es wird nicht gekleckert, es wird immer gleich geklotzt, mit allem.
Dennoch: Auch wenn ich viel meckere und jammere, bin ich doch fasziniert, wie anders es sich lebt in so direkter Abhaengigkeit von der Natur/Umgebung. Vieles wird viel wertvoller und geschaetzter, Wasser ist fast das Wichtigste, waehrend anderes eindeutig an Vorrangigkeit verliert, dazu gehoeren Telefon und Computer.
Was mich aergert, ist, dass ich wohl demnaechst mir was anzuziehen kaufen muss, weil einfach vieles verschlissen ist. Wie und vor allem wo das gehen soll, weiss ich noch nicht…
In Anbetracht der Tatsache, dass die Aspenknospen schwellen und damit dann die Baeren sozusagen vor der Tuer stehen, hat Gereon mit mir erste „Waffenkunde“-Lektionen begonnen. Ich finde das ja nicht toll, muss ich sagen. Ich kann also nunmehr laden und unterladen und entladen und abziehen (-druecken?), allerdings noch ohne Knallblaettchen. Wenn ich mir nur die albernen Ausdruecke merken koennte, aber ich habe einen inneren Widerstand, und so bleiben wohl weder die englischen noch die deutschen haengen. Und das Zielen scheint mir ein fast unmoegliches Unterfangen: Das Ding ist schwer, und wenn man gerade keine Hundehuette zum Auflegen hat, dann kann ich es kaum gerade halten. Zudem blinzele ich immer und alles wackelt dauernd. Ich will Hunde! Viele! Zora und Emmy gehen leider immer oefter auf Ausfluege in den Wald, so dass nun wohl in Kuerze ein Zwinger fuer Zora und eine Anbindemoeglichkeit fuer Emmy geschaffen werden muessen. Wenn Emmy mit aufgeregter Miene bellend in den Wald rennt, bin ich immer etwas nervoes. Aber ich werde mich wohl wieder gewoehnen daran, mich immer umzuschauen und auf seltsame Geraeusche zu hoeren. Bob beruhigt mich immer und meint, mit den Hunden duerfte das alles kein Problem sein.
Viel schoener als dieses ganze Baerenthema fand ich neulich die Mithilfe beim Schafscheren bei Jody und Rory. Das war ein Spass – ich durfte den ganzen Tag in wunderbaren Vliesen wuehlen und sie sortieren, dabei bekommt man ganz weiche Haut natuerlich von dem ganzen Lanolin, und nun weiss ich schon, dass ich zu dem Vlies, das ich geschenkt bekommen habe, mir noch mindestens zwei weitere kaufen werden muesse. Spinnen von Anfang an ist schon deswegen so toll, weil es so viel Vorfreude beinhaltet.
Morgens wird es um halb sechs schon so ganz ganz leicht hell, und wenn wir abends natuerlich frueh, also so gegen 9 oder so ins Bett gehen, dann ist es noch hell. Wir sparen viel Strom. Den nutze ich, um nunmehr endlich Radio zu hoeren. Ich habe naemlich kurzentschlossen einen Draht von der Antenne aufs Kuechendach verlegt – und das funktioniert prima! So kann ich jetzt morgens endlich zwischen 5 und 6 „The Road Home“ hoeren, meine neue Lieblingssendung auf CKUA mit dem reizenden Bob Chelmick. Er sendet von seiner Cabin by the lake, solar-powered, wood-fired und mit Kompostklo. Ich fuehle mich ihm also verbunden!
Zum Geburtstag wuensche ich mir eine Schaukel, aufgehaengt von zwei hohen Baeumen – stelle ich mir sehr schoen vor. Auch ueberlegen wir an einer Kaffeeterrasse auf dem Container. Doch als erstes und naechstes hoffen wir, dass Gereon einen Bagger von seiner Firma hierhin bekommen kann, damit wir das Wasser in eine Art kleinen Lauf leiten koennen, dazu noch einen Dugout graben und eine Zisterne und schliesslich den Bauplatz von noch verbliebenen Baumstuempfen saeubern.
Bilder ohne weiteren Kommentar, weil ich noch nicht weiss, in welcher Reihenfolge ich sie hier eingebaut kriege. Die Ziegen-Nahaufnahmen entstehen natuerlich, weil die Ziegen bitte gern in die Kamera gucken wollen – koennte ja was drin sein.