Archiv des Autors: Petra

Jetzt kann der Winter (fast) kommen

Nicht, dass man jemals wirklich fertig waere fuer den albertanischen Winter, der sich da im Wetterbericht ankuendigt, jedenfalls nicht hier bei uns, aber das Groebste scheint geschafft: Jurte ist abgebaut, wenn auch noch nicht ganz verstaut. Heu liegt ja schon laenger unter Dach. Stroh ist bestellt und liegt abholbereit. Die Schweine haben einen „neuen“ Stall! Um synergistische Effekte nutzen zu koennen, habe ich kurzerhand die Haelfte des Huehnerstalls abgetrennt und mit Schweinebettzeug gefuellt. Das Tuerchen existierte bereits letztes Jahr, aber da war Ludwig sehr unzufrieden mit der Tatsache, dass die Huehner auf seiner Bettumrandung sassen und ihm auf den Ruecken kackten. Das duerfte jetzt unmoeglich sein, ausserdem ist mehr Platz zum Umdrehen im Bett, ist ja wichtig. Ludwigs einziges Problem im Moment ist das „Einschliefen“. Aufgrund seiner im Sommer immer zunehmenden Leibesfuelle tut er sich etwas schwer mit dem Tuerchen. Raus ist recht einfach, aber rein muss er auch noch eine kleine Stufe ueberwinden, und das ist nicht einfach fuer ein Schwein von seinem Format. Lili macht das natuerlich alles mit Bravour, sie ist schlank und fit. Der Huehnerkopf, der unten ueber der Trennwand zu sehen ist, gehoert zu einer Henne, die da auf 7 Kueken sitzt. War mir beim Brueten durch die Lappen gegangen, und als ich sie entdeckte, wollte ich die Eier auch nicht mehr umkommen  lassen. Ein Kueken ist gestorben, aber die restlichen sieben sind fidel. Ich fuettere ihnen Vitamine A, D und E zu, damit sie hoffentlich die sonnenarmen Tage schadlos ueberstehen. Unsere Huehnerherde ist naemlich aus ungeklaerten Ursachen von 16 auf 14 geschrumpft. Ein Huhn lag tot im Stall, ich befuerchte, durch Ziegeneinwirkung. Eines ist einfach futsch, da war womoeglich Frau Haak im Spiel, die uns ja letztes Jahr schon so einige Huehner abgenommen hatte und die der Chef wieder gesichtet hat. Jedenfalls ist ein bisschen Verstaerkung bzw. Verjuengung durchaus wuenschenswert. Von den Schweinen als Untermieter erhoffe ich mir eine gewisse Heizwirkung.

Und die Fundamentloecher wurden gebohrt, die Stuetzen reingestellt, der Beton gegossen, d.h. mit Schubkarren verfrachtet. Das Bohren war natuerlich, nicht ganz unerwartet, etwas komplizierter, weil es wieder der freundliche Nachbar  mit dem Bobcat erledigte und nicht der Unternehmer, der so etwas hauptberuflich und haeufig macht. So gab es Probleme mit dem Geraet, und es mussten Teile in Valleyview geholt werden. Also nix mit 1 Stunde Arbeit. Auch sieht der Stuetzenwald nicht so gerade aus, wie sich das der Chef sicher gewuenscht haette. Aber wenn ein Teil der Hilfe zu spaet eintrudelt und es ausserdem keinen Masterplan gibt, was will man erwarten?! Der Chef scheint jedenfalls nicht unzufrieden, das ist die Hauptsache.

Let the sunshine in!

Dies ist jetzt der dritte Versuch, einen Artikel zu verfassen. Verdurri noch mal. Der neue Rechner macht mich noch gar nicht gluecklich. Irgendwie schafft das Teil es, in Eigeninitiative grosse Abschnitte zu selektieren und dann schwuppdidupp zu loeschen. Gefaellt mir gar nicht.

Jedenfalls: wir sind vom Solarstrom nunmehr nur noch ein paar Kabelanschluesse entfernt. Die Panels haengen – noch nicht verdrahtet – an der Wand, wo der Chef sie eigentlich  nicht haben wollte, ich aber nunmehr mal Naegel mit Koepfen machen wollte. Inverter, Ladekontrollgeraet, Sicherungen, Monsterkabel, mehr Batterien – alles ist oben unter’m Dach installliert. Und gibt mir Hoffnung, dass bald das Benzinsparen beginnt. Noch allerdings werden wir unsere arg misshandelten Batterien mittels Generatorladung wieder aufpaeppeln muessen. So selbst gemachter Strom erfordert doch deutlich mehr Mitdenken als das, was der normale Mitteleuropaeer bzw. Nordamerikaner so gewohnt ist.

Die Panels sind an Scharnieren aufgehaengt, so dass sie je nach Sonneneinfall im Winkel veraendert werden koennen. Ich finde, das war eine ziemlich geniale Idee, teilweise von mir…

Nach dem Anschluss der Panels waere der naechste Schritt die ordnungsgemaesse Verkabelung im Haus. Aber aus meiner Erfahrung wage ich die Prognose, dass das noch Jahre entfernt ist.

Parallel zu meinen Solarinitiativen hat der Chef auch eine Offensive gestartet: Das Honey House wird in Angriff genommen! Das finde ich prima. Morgen werden wir die Fundamente vermessen, Montag die entsprechenden Loecher bohren, Dienstag wird der Beton geliefert. So ist jedenfalls der Plan. Ob das klappt? Wir wissen es nicht. Haltet mal die Daumen!

 

Kleine Highlights aus der Praxis

Neben den zahlreichen unvernuenftigen Tierhaltern und den leider jetzt im Herbst wieder zahlreicheren abgegebenen Streunern gibt es immer wieder Highlights. Das erste ist ein Kaiserschnittchen, das einzige Welplein einer Franzoesischen Bulldogge, das aufgrund seines dicken Kopfes nicht natuerlich geboren werden konnte. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, es rosa und ins Leben zu rubbeln – erfolgreich abgeschlossen 🙂

Und dann kam am naechsten Tag dieses Winz-Kaetzchen, das in der Autowerkstatt gefunden worden war. Die Dame, die es ablieferte, hoffte, dass der Chef es als Ergaenzung zum aelter und fauler werdenden, ansonsten aber wunderbaren Werkstattkater uebernehmen wuerde. Das hoffe ich auch! Und habe es erstmal in zwei Badevorgaengen, einmal in Hundeshampoo, das zweite Mal in Spueli, mehr schlecht als recht von seinem Oelfilm befreit. Es kamen tatsaechlich weisse Fuesschen zum Vorschein! Schnurren kann es wie ein Profi.

Schoenes Gemuese!

Das aber jetzt wirklich, ohne genervten Unterton.

Ludwig, Lili und ich haben gestern die Reste aus dem Garten geholt, mit unterschiedlichen Werkzeugen und in unterschiedliche Behaelter.

Es gab noch eine schoene Portion Mangold, die sich im Hochbeet ganz gut gemacht hatte, und dann schnitt ich diesen mystery kohl.

Ich weiss nicht genau, was das ist, es war in einer so genannten Mesclun Salatmischung. Kennt es einer von euch? Dann bitte melden. Es ist etwas Brassica-Verwandtes, schmeckt aber roh milder als der Gruenkohl, den ich vor ein paar Tagen geerntet habe. Mal schauen, wie es sich im Kochtopf bzw. im Wok macht. Aussehen tut es huebsch mit seinen lila Blattadern. Der Sellerie hat natuerlich Frost bekommen wie alles andere auch, aber der wird dann ein bisschen glasig. Ich denke, als Wuerzmittel wird er immer noch gehen.

Heute morgen war dann zum ersten Mal der gesamte Dugout mit einer duennen Eisschicht bedeckt. Klapperbibberzitter – ich bin noch nicht so ganz drauf eingestellt.

Schoener Mist!

Das koennte ich mit viel Wohlwollen ueber das Ergebnis unserer letzten Aktion sagen. Es war naemlich so:

Die Ziegen ueberwintern, -fruehlingen, -herbsten ja seit unserer Ankunft hier am Snipe Lake in einer von uns immer Ziegenperk (nachfolgend „Perk“ genannt…) genannten Einfriedung mit Zugang zu zweieinhalb Haeuschen und einem Dachueberstand. Immer mal wieder hat der Chef in muehevoller Spaten- und Grabgabelarbeit einiges von dem sich ansammelnden Mist ueber den Zaun in den Garten geschaufelt. Ich auch, aber ich finde das schrecklich kreuz-schmerzlich. Dennoch sahen wir natuerlich schon laenger keinen Grund mehr. Schon im Fruehjahr, ich glaube auch schon letztes Fruehjahr, hatte ich den kuehnen Plan, einen Unternehmer mit einem Bobcat zu bestellen, um den ganzen Mist rauszuschaufeln, so wie das die Bauern hier auch immer mit ihren Corrals machen. Der Chef war aber nicht einverstanden, er will letztendlich diesen Perk dem Garten zuschlagen und die Ziegen umquartieren. Geschah aber in diesem Sommer nicht. Und vor kurzem bot „Nachbar“ Dusty (20 Minuten entfernt, Zur-Verfuegung-Steller unserer besten Bienenplaetze) seinen kleinen Skidsteer (Bobcat) an im Tausch gegen Schweissarbeiten. Der Chef sah die Moeglichkeit, richtig Geld zu sparen. Letztes Wochenende lud Dusty das Ding dann hier ab und wies mich in die groben Details des Betriebes ein.

Und dann ratterte ich los. Liess sich auch ganz spassig an. Man kann da auf einer relativ kleinen Flaeche umdrehen, und das Buddeln und Abladen macht schon Laune. Nach relativ kurzer Zeit geriet ich aber an meine Grenzen. Mist aus vier Jahren ist ganz schoen kompakt! Und nach dem sehr nassen Sommer ist der Untergrund schmierig wie Seife. Und was nicht kompakt genug ist, wird von den Ketten umgewuehlt. Rolfs Devise damals in DeBolt war ja immer: No ruts! Aber jetzt haben wir welche. Ich also gab nach zwei Tagen auf und rief Chris und David an, die auch sofort zur Hilfe eilten. Nach einem weiteren halben Tag des intensiven Arbeitens erklaerte David, der ja professionell jahrelang einen Raeumer gefahren hat, dass es wirklich nicht einfach sei und der Boden eben sehr schmierig. Ich habe dann noch den Unternehmer bestellt, den ich eigentlich haben wollte, und auch sein Urteil war: zu nass. Versucht spaeter noch mal, vielleicht, vielleicht geht es, wenn alles ein bisschen abgetrocknet ist. Samstag rief dann Dusty an, um sich zu erkundigen nach dem Fortschritt der Arbeiten. Als er meinen Frust abgehoert hatte, machte er sich kurzentschlossen auf den Weg, um mit Gereon das mal eben fertig zu machen. Nachts um 11:30 haben die beiden Feierabend gemacht. Dusty sagt, er arbeitet normalerweise bis Mitternacht, nur wenn etwas superwichtig ist, macht er laenger. Aber am Samstag haben sie dann halt schon um halb zwoelf sich fuer den Rest des Tages freigenommen. Fertig geworden sind sie nicht. Das Ergebnis sieht so aus und gibt mir arg zu denken.

Ich befuerchte, die Bilder werden dem ganzen Ausmass der Verwuestung gar nicht gerecht. Die Spurrinnen sind leicht einen  halben Meter tief… Dusty reiste uebrigens mit seinem neuesten Gefaehrt an:

Neuer Rechner – grosser Spass?

Angesichts der unerfreulichen Langsamkeit und nach sechs Jahren ja auch relativen Antiquitaet meines alten Laptops habe ich mich sehr kurz zum Kauf eines neuen Maschinchens entschlossen. Ich hatte vergessen, was das alles nach sich zieht. Es ist ja fast so wie ein neuer Hund, oder womoeglich schlimmer. Na, haaren tut es nicht. Aber alles ist irgendwie anders. Wahrscheinlich gut fuer’s Gehirn, so eine neue Herausforderung. Und das soll der Anfang sein fuer eine weitere neue Herausforderung, naemlich einen Online-Job fuer die Alberta Farmers‘ Market Association. Da wuerde ich naemlich, wenn ich je die neue Software kriege (irgendwo auf dem Weg von Edmonton nach Grande Prairie verschuett gegangen, so scheint es), solche Inhaltsangaben erarbeiten, wie sie auf Lebensmitteln stehen. Food labels heissen die hier. Hab schon wieder vergessen, wie das bei euch heisst. Unsere Lebensmittelverkaeufer, die auch ausserhalb von Farmers‘ Markets verkaufen wollen, muessen solche Angaben auf ihren Produkten haben, und rauszufinden, wieviel Gramm ungesaettigte Fette in deinen Keksen sind, kann dich ganz ordentlich Geld kosten. Es sei denn, Frau Hoe. arbeitet sich ein und liefert diese Informationen mittels des angeblich gut funktionierenden Programmes zu einem akzeptablen Preis. Und wird dafuer bezaehlt – das ist das beste.

Daher sitze ich also hier um kurz nach sieben morgens, wo vor 40 Jahren die Welt ja noch in Ordnung sein sollte, und versuche, dem neuen Maschinchen meine Wunschmanieren beizubringen. Und mich an die etwas andere Tastatur zu gewoehnen. Aber ich schaff das. Und dann gehe ich in die Praxis, arbeiten. Dort suchen mal wieder SIEBEN Katzen aller Art ein neues Zuhause. Draussen regnet und windet es, ein richtiger Herbsttag, und mehr und mehr tauchen auch diese kristallinen Strukturen im Wetterbericht auf – nicht so erfreulich, aber durchaus zu erwarten im Oktober. Und das, wo wir zwar diesen neuen alten Allrad-Truck haben, mein kraenkelnder Plymouth-Minivan aber nunmehr beschlossen hat, dass er mal die Benzinpumpe sterben lassen moechte und sich dazu noch ein Loch in den Tank gerostet hat. Das wird wohl ein Trennungsgrund sein. Und weil Gereons alter Ford Ranger auch kurz vorm voelligen Auseinanderfallen steht, haben wir dann wahrscheinlich ein kleines bis mittleres Problem. Noch eins… Es bleibt spannend!

Oktoberwetter

Kaum ist der von mir vor einem knappen Monat noch als wunderschoen besungene September vorueber, da ist es auch schon „usselig“ draussen. Kuehl, nass, und nix mit Scheun‘ und Fass mehr. Dafuer aber habe ich heute Sauerkraut gemacht! Und gestern und vorgestern eine Weste gefilzt! Die Bewegungen fuer beides aehneln sich streckenweise sehr, und sie sind auch recht intensiv, so dass ich morgen bestimmt Muskelkater haben werde. Will sagen: Kohlhobel bedienen ist fast wie Filz walken. Aber ich fange mal etwas frueher an. Wir waren beim Obstlaster stehengeblieben, wenn ich mich recht erinnere. Der kam dann. Und ich hatte alles voller Obstbehaeltnisse stehen.

Ein bisschen zuviel Optimismus, denn woechentliche Maerkte und die rumstehenden und -liegenden IKEA-Kisten nagten an meinen Nerven und meiner Laune. Und so ist nicht alles ordnungsgemaess von mir in Glaeser verbracht worden. Aber das meiste… Die Aepfel halten natuerlich, da koche ich gerade aus einem halben Dutzend Apfelkompott, das wir gleich mit CSA-Rotkohl und Wuerstchen vom Farmers‘ Markt und Kartoffeln aus dem Garten essen werden.

Aber bevor ich mich ernsthaft ans Einkochen gegeben habe, goennte ich mir den IKEA-Aufbau. Der Chef war nicht da, also kein maennliches Vorpreschen ohne vorheriges Studium der Aufbauanleitung zu befuerchten. Nur einmal musste ich Margaret zur Hilfe rufen, weil naemlich nicht nur zwei Maennchen in der Anleitung abgebildet waren, sondern weil der Schrank tatsaechlich so unhandlich war, dass zwei Personen benoetigt wurden. Ging aber auch mit zwei Frauen, und ein Bleistift hinterm Ohr war auch nicht noetig, obwohl der abgebildet war…

Und jetzt habe ich also zum ersten Mal in meinem Leben Kuechenschubladen, die (fast) schliessen wie eine Mercedes-Tuer (das jedenfalls sollte). Und das letzte Stueckchen wie von alleine. Fuehrt natuerlich dazu, dass ich die viel oefter auf- und zumachen muss als erforderlich, einfach, weil es so wunderhimmlisch ist. Angeblich hat der Herr IKEA so etwas aber ja vorausgesehen und deshalb all seinen Krams ausfuehrlichst getestet. Leider hatte er ein bisschen Probleme mit rechts und links, der Herr IKEA, weswegen ich statt der erforderlichen 4+4 Schubladenschienen 6+2 (linke bzw. rechte) hatte. Das war dumm. Glueck war, dass MJ sofort am naechsten Wochenende nach Edmonton dueste und alles fein fuer mich umgetauscht hat. Vier Schraeubchen spaeter glitten dann auch die letzten Schubladen rein, und raus, und rein, und raus… Dafuer musste ich also fast ins Rentenalter kommen!

Im Rahmen dieser Aufbauarbeiten bin ich recht geuebt in der Handhabung der schnurlosen Bohrmaschine geworden, so dass ich mir jetzt auch weitere Projekte zutrauen wuerde. Als naechstes sollte ich vielleicht mal Handkreissaege ueben. Dann koennte ich womoeglich die alte Kueche isolieren. Das steht naemlich auch noch auf meinem Plan, zusammen mit vielen anderen Dingen, deren Prioritaeten noch nicht genau festgelegt wurden. Ziemlich wichtig waere jedenfalls die Ausmistung der Ziegenzaeune, damit der Winter kommen und ich Toerchen oeffnen und schliessen kann. Dabei koennte es passieren, dass ich Bobcat fahren lerne. Das waere bestimmt ein Spass, aber erscheint im Moment unwahrscheinlich, weil der Besitzer uns das Ding leihen wuerde, wenn der Chef ihm dafuer irgendwelche Reparaturen erledigt. Der Chef aber arbeitet immer noch zuviel, gern auch an Wochenenden und dann gern auch noch Ueberstunden. Also werde ich wohl jemanden anheuern. Es gibt einige Bobcat-Unternehmer, und die meisten scheinen das Ausmisten von Corrals in ihrem Programm zu haben.

Damit ich mich nur ja nicht langweile, habe ich mir auch noch ein paar IKEA-Kartons aufbewahrt, mit Inhalt. Es gaebe noch eine Garderobe sowie einen Arbeitstisch aufzubauen. Aber erstmal war Filzen angesagt. So lange schon hatte ich nichts mehr gemacht, und so kam mir das crafting weekend in Little Smoky gerade recht. Eine Weste sollte es werden, nachempfunden meiner uralten braunen Weste, die ich gern zum Arbeiten anziehe. Die habe ich also kurzerhand gewogen und so rausgefunden, dass ich zwischen 600 und 700 Gramm Wolle benoetigen wuerde. Dann bin ich durch meine Wollsammlung gegangen, und die einzigen Farben, die ich mochte und die noch in genuegender Menge vorhanden waren, waren zwei Orange-Toene. Na, unsichtbar waere ja auch langweilig gewesen.

So habe ich meine alte Weste ausgemessen und eine Schablone erstellt, 50% groesser, weil der Filz erfahrungsgemaess um 30 Prozent schrumpft. Das war ein Riesending, und als alles ausgelegt war, kamen Zweifel auf, nicht nur von mir, sondern auch von den anderen Basteldamen (die uebrigens auch erstmal vermuteten, ich wolle meinem Gatten eine Jagdweste filzen. Traegt man naemlich hier aus Sicherheitsgruenden in Orange. Jedenfalls anscheinend manche manchmal.) Allein das Anfeuchten hat mindestens 5 Liter Wasser gebraucht, und immer noch hatte ich Luft in der Wolle. Ein bisschen frustrierend. Aber irgendwann war alles nass und einigermassen angefilzt. Da habe ich es dann ein wenig abtropfen lassen, die Schablone rausgezogen, alles in Tueten gestopft und bin heimgefahren. Schliesslich war es schon wieder 10 Uhr. Gestern dann wurde draussen weitergefilzt. Und siehe da: Das Ding passt. Es hat Bewegungsraum, aber das ist auch gut so, denn im Winter will man ja auch noch was drunter anziehen koennen. Inzwischen denke ich, ich haette ruhig Aermel wagen sollen. Na, beim naechsten Mal. Jetzt ueberleg ich mir, wie ich die Taschen gestalte und ob und wie ich das gute Stueck vielleicht besticke oder sonstwie „verziere“, und dann muss ich auch noch eine gute Idee fuer einen Verschluss finden.

Heute bin ich dann kurz entschlossen an meine Kohlstapel gegangen. Und schwuppididu, schon steht da ein 10-l-Gaertopf voll mit Sauerkraut-im-Werden auf meinem schicken Kuechenschrank. So gefaellt mir das: ein produktives Wochenende. Und gerade habe ich drei Brote in den Ofen geschoben. Das Abendessen koechelt ja schon seit einiger Zeit vor sich hin… Und bitte beachten Sie auch die Gewuerzregale sowie die Edelstahlborde und -buegel – alles von eigener Hand zusammengeschraubt und angebracht. Maenno, bin ich aber stolz!

Sommer mit Spaetzuendung

8:08, ich sitze drinnen, aber draussen scheint schon wieder die Sonne aus einem immer blauer werdenden Himmel. Sie beleuchtet Birken, die schon gelb werden (teilweise durch freundliche Hilfe der Ziegen…). Und den Dugout, auf dem immer mehr Blaetter schwimmen. Noch liegt das Thermometer im Schatten, das vorgestern nachmittag 30 Grad anzeigte. Meine Marktmenschen meinten gestern, es sei noch waermer draussen. Der Markt ist gluecklicherweise nicht so heiss. Die Hitze braeuchte ich ja nicht, aber August/September sind trotzdem glaube ich die schoensten Monate fuer mich. Nachdem es den ganzen Sommer ueber fuer viele und vieles zu kalt und zu nass war (ausser z.B. fuer den Klee, der in meinem Garten alles ueberwuchert hat), holt das Wetter jetzt einiges nach. Die Bienen bringen rein, was noch soeben geht, doch die Honigernte neigt sich ihrem Ende zu. Noch eine Schleuderung, und wenn wir dann Glueck haben, koennen wir so gerade eben alle Auftraege erfuellen. Dieses Jahr haette ich wahrscheinlich soviel Honig wie noch nie verkaufen koennen – wenn ich ihn denn haette! Es ist eine Schande. Ich wuenschte mir so sehr einen juengeren, dynamischen imkereiinteressierten Menschen mit einer Vision. Dem wuerde ich einen Bauplatz anbieten und ihn/sie dem Chef als Geschaeftspartner praesentieren, denn allein kommen wir hier nie weiter, aber ich bin sicher, dass da Potenzial ist fuer ein Geschaeft, das mehr als zwei Menschen ernaehren kann. Der Chef hat so wenig Zeit im Moment, weil naemlich trotz allgemeiner grosser Skepsis, was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, in seiner Firma gerade mal Boom herrscht. Ueberstunden, Samstagsarbeit sind gerade angesagt. Das laesst mich befuerchten, dass auch dieser Sommer voruebergehen wird, ohne dass wir nennesnwerte Fortschritte im und ums Haus machen. Fast ist es ein Glueck, dass einer unserer alten kleinen Inverter den Geist aufgegeben hat und der andere alte zu klein ist. So habe ich kurzerhand einen „anstaendigen“ Inverter bestellt, wie ihn naemlich Katrin und Adam, die „Stromangeber“, haben. Waer doch gelacht, wenn all das Ueberstundengeld nicht sinnvoll ausgegeben werden koennte.

Walter aus Deutschland macht auch Ueberstunden, was ihn aber nicht gehindert hat, am letzten Wochenende mit Frau Sabine hier anzureisen und mit dem Chef Brennholz zu machen. Bergeweise. Schoen! Das gab mir auch eine Gelegenheit, meinen neuen Tupperware(!) Pattymaker auszuprobieren. Die Hausfrau, die was auf sich haelt, produziert mit Hilfe einer solchen kleinen Hackfleisch-Form gleichmaessige Plattfrikadellen, die dann prima auf standardisierte Hamburger-Broetchen passen. Letztere hatten wir nicht, da haben wir improvisiert. Aber geschmeckt hat’s trotzdem. Unseren Feuerplatz haben wir in letzter Zeit oft genutzt, im Haus wird es einfach zu heiss, wenn ich den Holzofen anschmeisse, und der Gasherd vor der Tuer macht mir gar keinen Spass. Hinzu kommt, dass der Chef ja fuer sein Leben gern zuendelt. Der kleine Hund passt gern auf das Feuer auf.

Am 1. September hatten wir einen guten ersten Frost! Das Auto war gleichmaessig glasiert, doch zum Glueck hatten wir im Garten die Bohnen und Tomaten abgedeckt. Jetzt tut das Wetter so, als ob es kein Froestchen produzieren koennte. Dennoch mutierte mein Garten ja aufgrund der Regenfaelle zu einer Kleeplantage, ohne erwaehnenswertes Wachstum irgendwelcher essbaren Dinge, und so habe ich kurzerhand beschlossen, ich beteilige mich an einer CSA = Community Supported Agriculture. In Deutschland ist sowas wohl eine Gemuesekiste bzw. ein Gemueseabo oder so aehnlich. Hier kommt das Gemuese von einer einzigen Familie, die bisher nur Erdbeeren und ein paar Gemuese zum Selbsternten hatten, U-Pick genannt. Dieses Jahr haben sie den Abo-Versuch gestartet, und anscheinend laeuft es gut. Ich jedenfalls fuehlte foermlich, wie mir eine Last von den Schultern glitt, als ich die erste Lieferung in Empfang nahm. Gekocht wird jetzt, was in der Kiste bzw. den Kisten ist. Es ist schoen zu wissen, dass alles wirklich aus der „Nachbarschaft“ kommt, Loewens leben bei Crooked Creek, also nur etwa 20 Minuten von Valleyview. Vor einigen Wochen hatte ich schon eimerweise Erdbeeren genossen, und als ich gestern meine Kiste aufmachte, lag obenauf noch ein kleines Beutelchen mit mehr Erdbeeren – welcher Luxus. Wir haben Mais, Babykartoeffelchen, natuerlich Zucchini, Erbsen, Bohnen, Koehle aller Art, Zwiebeln, Rueben – you name it! Kostet 25 Dollar in der Woche. Und gefaellt mir so gut, dass ich allen Ernstes ueberlege, ob ich ueberhaupt noch einen Garten versuchen will. Loewens sind auch experimentierfreudig, es bestuende also Hoffnung auf Sellerieknollen, Lauch und Fenchel…

Jetzt kommt auch wieder der Obstlaster aus B.C. zu Margaret. Morgen z.b. mit Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Melonen, Nektarinen, Aepfeln etc.pp.. Ich habe mutig vier Kisten Tomaten bestellt, damit ich die gleich zu Tomatensauce verarbeiten kann. Muss das Rezept noch suchen… Ausserdem stehen schon seit letzter Woche Pfirsiche und Nektarinen in der alten Kueche, die eigentlich in Glaeser sollten.

Koennte aber passieren, dass ich demnaechst wieder kurzfristig in der Tierarztpraxis arbeite. Karla naemlich wird aufhoeren und hat schon jetzt keine Mitarbeiter mehr, muss aber noch auf einen Nachfolger warten. Bis der kommt, koennte ich einspringen. Und ein bisschen Taschengeld verdienen. Karla und ihre Familie werden dann in die direkte Nachbarschaft ziehen, was eventuell neue Perspektiven eroeffnet. Man denkt an einen kleinen Gartenbaubetrieb, an eine Hundepension, an einen Naturlehrpfad, … Finde ich alles spannend und wuerde mich bei dem einen oder anderen Projekt gern einklinken.

Wenn ich nur wuesste, wie ich hier noch jemanden hinlocken koennte, der sich auch im Busch selbstaendig machen will… Ideen gaebe es zuhauf.

Maedels aller Art

Gibt es hier. Echt. Und in meinen verschiedenen Rollen habe ich mit vielen verschiedenen zu tun. Im Moment machen mir meine Marktleiterin-Begegnungen manchmal Kopfzerbrechen. Unproblematisch sind solche hier:

Die kommen mit ihren Mamas, leiern ihr einen Tutu aus dem Portemonnaie (Barzahlung auf meinem Markt, jawohl!) und sind dann zufrieden und ziemlich niedlich. Man beachte die Cowboystiefel mit Straussenlederpraegung! Aber es gibt auch die anderen. Die sitzen hinter den Tischen und hauen sich gegenseitig in die Pfanne und greinen mir dann die Ohren voll. Inzwischen nenne ich es das „Cream-pie-Phaenomen“, denn Sahnetorten bildeten den Stein des Anstosses. Malle, ich sag’s euch. Es wird mit Eifer darueber gestritten, wer wann wo eine Sahnetorte in Stueckchen schneiden darf, denn – das habe ich inzwischen begriffen – in den Augen der kanadischen Gesundheitsbehoerden sind Sahnetorten nur unwesentlich ungefaehrlicher als, sagen wir mal, Arsen oder so. Und somit koennten sie ein prima Mittel sein, ungeliebte Konkurrent(innen) aus dem Markt zu schubsen, und sei es auch nicht durch Verabreichung, sondern durch die Behauptung, dass man das oeffentliche Wohl im Auge habe und daher derlei Produkte dringend verboten werden muessten. Und dann gibt es noch abgelehnte Moechtegern-Verkaeuferinnen, die mangels Frustrationstoleranz auf Facebook ueber mich herziehen, dass es nur so rauscht. ICH habe inzwischen saemtliche Streitschlichtungsliteratur aus der Buecherei auf meinen Tischen und ums Bett verteilt. Wollte das alles lesen und dann am Chef ueben, aber es ist soooo langweilig, ich glaube, ich geb’s auf. Das Lesen, meine ich. Das Streitschlichten wird wohl bleiben muessen. In solchen Zeiten will naemlich auch keiner meinen Job, und natuerlich bin ich ausserdem der Meinung, dass ich den auch behalten sollte, sonst geht der Markt womoeglich voellig den Bach runter…

Und dann gibt es noch Maedels wie Katrin. Zankt nicht. Ist praktisch. Und war mit mir bei IKEA! Mit’m Truck. Noch besser als Treckerfahren! Freitag abend dueste ich schon zu Katrin und Adam, die mir ihren gesamten neuen Strom vorgefuehrt haben. Ich bin soooo neidisch! Die haben naemlich geschafft, was ich nach wie vor bei uns nicht sehe: Innerhalb kurzer Zeit eine Solaranlage installiert, die ihnen genug Strom fuer die gute Ausleuchtung ihres schoenen Hauses (incl. Aussenlampe, die Angeber) liefert, und fuer eine Tiefkuehltruhe und diverse Computer und eine Kochplatte und demnaechst noch eine Geschirrspuelmaschine (pure Dekadenz!). Der Chef vertroestet mich immer weiter – ob ich wohl doch noch mal nach den Buechern greifen sollte, den oben erwaehnten? Samstag morgen verschlafen, dennoch um 7:30 auf der Schotterpiste, beladen mit 13 Eimern Honig fuer einen kleinen Weinhersteller in der Naehe von Edmonton, ein Biologen-Ehepaar, das mit unserem Honig ziemlich leckeren Himbeerwein macht.

Erst haben wir uns verfahren, das passiert leicht. Dann hat Katrin auf dem Parkplatz ein anderes Auto getitscht. Es war naemlich langes Wochenende, und der Parkplatz pickepackevoll. Und so ein Truck ist ja zum Ein- und Ausparken nicht lustig. Aber wie ich schon sagte, Katrin zankt nicht und ist praktisch. Und sie hatte beschlossen, dass wir IKEA nicht eher verlassen, als bis wir mindestens eine schoene Stehlampe fuer meinen gemuetlichen Leseplatz in der Sofaecke gekauft haetten. Gesagt, getan. Sechs Stunden spaeter waren wir immer noch gut gelaunt, Katrin hatte bei IKEA noch schnell ein Regal demoliert, lachend, und ich war um ein bisschen Ueberstundengeld vom Chef aermer, dafuer reicher um zwei Kuechenschraenke, einen Kuechenwagen, einen Arbeitstisch, eine Garderobe, ein Schuhbaenkchen, diverses Kuechenmoebelzubehoer UND die schoene Leselampe! Woooohoooo!

Als wir aufgeladen hatten, stand neben uns ein Mini-Van und eine Familie, die das soeben gekaufte Bett leider nicht in den Van laden konnte, passte nicht. Kurzerhand baten sie uns, ihnen doch beim Transport in ihr nur 5 Minuten entferntes Heim behilflich zu sein, wir hatten naemlich noch Platz fuer eine ganze Wohnungseinrichtung. Gefragt, getan. Das bescherte uns einen kleinen Trip durch eine funkelnagelneue Ansiedlung suedlich von Edmonton, an einem wahrscheinlich kuenstlich angelegten, kleinen See. Ja sach mal – Haeuser gibt es hier! Palastartige Gebilde, die so tun, als seien sie aus Bruchsteinen. Mit Unmengen Winkelchen und Daechelchen und Tuermchen und Vorgaertchen und GARAGEN (nix -chen da) und auf alt getrimmten Fenstern in allen Groessen. Merkwuerdig, irgendwie merkwuerdig, fanden wir. Und man mag gar nicht dran denken, was so was kostet, obwohl die Steine alle nur aufgeklebt sind.Da kann man sich dann wahrscheinlich bestenfalls noch IKEA-Moebel leisten.

Auf der Rueckfahrt wieder ein bisschen verfahren, aber macht nix. Jetzt habe ich diese Weihnachtskisten hier stehen, aufgebaut bis jetzt nur den Kuechenwagen, ziemlich schick, Martha waere stolz auf mich! Und alle sind wir froh, dass wir wieder im Wald sitzen duerfen und nicht in Edmonton Summerside.

Emma treckerte weiter

Jetzt bin ich so weit hintenan, da muss ich die „wichtigen Mitteilungen“ in Stueckchen schneiden. In chronologischer Ordnung also zuerst ein kleines Emma-Update: Heu ist gemacht, und meine bestellten Ballen liegen nunmehr unter zwei Planen bei mir am Haus. Das ist ein gutes Gefuehl. Dennoch kommt es mir schon wieder wenig vor, und mein Ziegenfutter-Sicherheitsbeduerfnis hat mich vorsichtshalber noch weitere 10 Rundballen reservieren lassen. Schliesslich habe ich dank meines persoenlichen Einsatzes ein Vorkaufsrecht.

In Stunden gerechnet, habe ich eine fast normale kanadische Arbeitswoche auf dem Treckersitz verbracht, knapp 60 Stunden. Und dabei, ich muss jetzt mal angeben, knapp 100 Hektar gemaeht, auf Wellen geschlagen und teilweise gepresst. Ein grosser Spass!! Ohne weitere Vorkommnisse, bis auf die Tatsache, dass mir doch einmal im Eifer des Gefechts der Wellenschlaeger verloren ging – tztztz. Das lag aber natuerlich nicht an irgendwelchen Maengeln in meinem Fahrstil, sondern war eher durch die „Kanadisch-Keit“ der Anhaengerkupplung bedingt. Hatte ich nicht schon berichtet, dass es da gewisse Schwaechen gab, will sagen, ein dicker Bolzen ohne Splint sollte das jeweils angehaengte Geraet vor Ort halten? Das geht auch – wenn man eine prima glatte Wiese hat. Aber wer hat die schon? Mein letzter Tatort jedenfalls war ziemlich puckelig, und ich habe auch einen ganzen Haufen beste Wackersteine eingesammelt, jeden Wolf koennte man damit prima beschweren. Und so tuckerte ich frohen Mutes und mutterseelenallein auf „meiner“ wunderbaren Heuwiese den Berg hinan, hinter mir semi-perfekte Wellen von noch weniger perfektem Heu schlagend, da aenderte sich ploetzlich das Geraeusch, das ich durch meine leuchtorangenen Ohrstoepsel vernahm. Ich blickte mich um, und siehe da, mein Wellenschlaeger (wie heisst das Ding denn nun eigentlich offiziell in Deutschland, hier heisst es Rake, und so nenne ich es jetzt, weil das ein kuerzeres Wort ist), jedenfalls, also der Rake hatte sich vom Traktor getrennt und parkte nun mit der Nase im Dreck ein paar Meter hinter mir. Mit meiner Erfahrung jedoch konnte mich das nicht mehr bangemachen – schliesslich hatte ich eine Idee, wo der Rueckwaertsgang war. In einem Praezisionsmanoever fuhr ich also die Anhaengerkupplung in das dafuer vorgesehene Maul, das ich auf ziemlich exakt die korrekte Hoehe hochgekurbelt hatte, haengte die Hydraulikschlaeuche ordnungsgemaess ueber den mir von Marvin fuer so einen Zweck beschriebenen merkwuerdigen Haken, amuesierte mich ueber das abgerissene Spanngummi, das ich aber – kanadisch – in der Wiese liegen liess, steckte den nicht weit gefallenen Bolzen wieder in die Kupplung und tuckerte weiter. Nach einigen Metern fiel mir auf, dass die Zahnraeder, die uebrigens bei meinem Einsatz ziemlich karioes geworden sind, zu tief standen. Ich waehlte aus meinen milliausen Hydraulikhebeln, insgesamt zwei, den richtigen, um sie anzuheben, aber nichts geschah. Und da daemmerte es Emma: Hydraulikschlaeuche gehoeren in dieser Geraetekombination nicht auf merkwuerdige Haken, sondern angeschlossen. Aaaahhh! Doch auch das focht mich nicht an, hatte Marvin mir schliesslich erklaert, wie ich und wo ich die Dinger anzuschliessen haette. Also wieder angehalten an einem guenstigen Ort (weil ich naemlich es nicht schaffte, die Handbremse zu betaetigen, musste ich eine ebene Stelle anpeilen), Hydraulikschlaeuche in die vorgesehenen Nupsis geschoben. Aber das ging nicht. Ich habe probiert und probiert, aber nichts tat das, was Marvin mir erklaert hatte. Also rief ich seine Frau an, die mich troestete, er sei nunmehr wieder unterwegs zum Heufeld. Und waehrend er mit dem dicken Truck durch die Reihen angeknattert kam, fiel mir das Problem auf: Ich hatte ein Teil verloren! Schade eigentlich. Damit hatte ich naemlich eine Situation geschaffen, die man als die „Nadel im Heuhaufen“ bezeichnen koennte. Ein Glueck, dass ich das abgerissene Spanngummi liegengelassen hatte. Das fand ich naemlich beim Abschreiten der Welle, und direkt dabei, wenn auch unterm Heu verborgen, entdeckten wir das Adapterteil. Alle Teile wieder verbunden, nix kaputt, und weiter ging das. Marvin sagt, das zaehlt trotzdem als Erfahrung. Na bitte!

Am letzten Abend haben wir dann noch im schwindenden Licht Ballen gepresst und gestooked (Maryjane meint, so schreibt man es). Im vorigen Beitrag war ein Foto von dem Stooker, einem Uralt-Teil aus Rohren und Brettern, auf dem Marvin hinter der Presse hergezogen wurde und die fertigen Ballen entgegennahm, sie auf eine Laengskante in die vorgesehenen Oeffnungen stellte und jeweils nach 10 Ballen einen kleinen Fusshebel trat, der das Ganze abgleiten laesst. Die Idee ist, dass sie so zum einen ein bisschen besser einen moeglichen Regenschauer aushalten und – und das habe ich deutlich gemerkt – das Aufladen natuerlich viel einfacher ist, weil man nur jeweils einen Zehnerpacken anfahren muss. Aussehen tut das so:

Nun habe ich die kleine Hoffnung, dass ich doch diesen Herbst noch auf den bereits erwaehnten dicken John Deere komme, den mit den acht Raedern. Es muss naemlich gescheibeneggt werden, und Marvin hat zugesagt, dass ich auch noch mal drankomme. Ein bisschen denke ich aber, dass er den ganzen Spass fuer sich haben will… I’ll keep you posted 🙂