Archiv des Autors: Petra

Land zu verkaufen

Nein, keine Bildchen. Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei, als wir uns gestern die erste interessante Viertelsektion (nochmal zum Mitschreiben = etwa 64 Hektar) angeschaut haben. Der Besitzer brauste mit uns nämlich mit einem so genannten Argo (wir erinnern uns an Jason und das Goldene Vlies), einem achträdrigen stinkenden motorisierten (knallroten!!) Badewännchen über das Land, sehr lustig. So ähnlich stelle ich mir Rodeo vor! In der Mitte des fast völlig bewaldeten Landes mehrere Biberdämme, mit einer riesigen Biberburg in der Mitte, und fast hätte ich sogar einen gesehen, aber es hat wieder nicht ganz geklappt. Laut Erzählungen der Besitzer wandern immer mal wieder Luchse über den Hof, ein Grizzly wurde dreimal gesichtet, Elche sowieso, kein Mangel an Schwarzbären (alle 2 Jahre ein problem bear, but a little lead poisoning takes care of that …), die Wölfe räumen immer die Muskrat-Wohnungen (Bisamratten) aus… Ich sah Herrn Hö.s Augen schon leuchten. Ich dagegen stellte mir vor, dass ich auf so einem Land wirklich nur mit Knarre rausginge, und die Guste bräuchte einen persönlichen Schutzhund, und der kleine Hund müsste auch einen Selbstverteidigungskurs absolvieren, mit Diplom und schwarzem Gürtel, bitte sehr. ABER schön war es! Mit 87.000 Dollar allerdings für uns zu teuer, weil es leider auch noch keinen Allwetter-Zugang zum bereits grob freigeräumten Bauplatz gibt. Außerdem ist das beste Holz schon weg, so dass für ein Haus nichts mehr da ist, erst in 20 Jahren wieder.
Also haben wir heute im Internet noch ein bisschen weitergewühlt, und hier ein Link, den ich anschauenswert finde zu einer kompletten Sektion (das ist dann schon mehr als zwei Quadratkilometer, glaub ich jedenfalls 😉 Auch hier leuchten unser beider Augen, der Preis ist ja prima, 185.000 Dollar (ca. 117.000 Euro) für über 2 km², ABER sowohl nach Norden als auch nach Süden sind es mindestens 100 km bis zur nächsten Stadt, von denen aber keine auch nur annähernd so ist wie Grande Prairie. Dafür hat die nördliche, nämlich High Level, die höchste Verbrechensrate weit und breit. Tja…, schade eigentlich.
Aber Gucken ist spannend und kostenlos. Und wir haben eine Website entdeckt, auf der man Luftaufnahmen der Sektionen anschauen kann.

Schweres Los – schwer was los!

Heute einmal zur Ansicht drei Sonderfälle der Natur:
Da haben wir Haarlos, Zwillingslos und Eierlos.

Haarlos wurde so geboren, mit ganz wenig Haaren, aber anscheinend kein „Frühchen“. Jedenfalls hat es Zähne und ist sehr fröhlich, nur eben ein wenig fröstelich.
Zwillingslos ist ein bisschen traurig: die beiden waren ja gut gestartet mit ihrer Mama, und dann hat sich diese einfach auf die Nr. 3 gelegt – da war se platt.
Und dann ist da noch Eierlos, keine Probleme bis auf dieses eben. Aber das kann sich noch ändern (will sagen, er kann die Eierchen noch kriegen).
Wir pusseln ansonsten so vor uns hin, die Bauersleute wollen nächste Woche wieder fahren, ich zähle also schon rückwärts, bis dahin werde ich wohl mit meinem Homöo-Psychopharmakon noch durchhalten…

Und noch ein paar Zahlen aus XXL-Kanada: Eben flog ein kleines Flugzeug über mich hinweg, als ich vom Briefkasten kam. Da fiel mir ein (falls ich es noch nicht erwähnt hatte): der Bauer Balisky, just down the road, hat eine eigene kleine Landebahn. Und er ist natürlich nicht der einzige hier.
– Ein Bruder eines Nachbarn fliegt Helikopter, zwar auch gegen Geld, aber auch zum Vergnügen.
– Zwei Brüder desselben Nachbarn (er hat glaube ich ca. 1000 Geschwister) fahren Speedboats (nur zum Spaß), für die eine Tankfüllung derzeit 800 Dollar kostet.
– Wir haben letzten Monat kleine 1260 kWh Strom verbraucht – da kommt Freude auf. Und das war noch nicht der Monat mit dem höchsten Verbrauch, das war der Januar, mit über 1500 kWh.
– Aufgrund der BSE-Krise vermutete jemand neulich, dass in unserer relativen Nähe in diesem Jahr ca. 100 Quarter Sections Land zum Verkauf stehen werden, das sind 6400 Hektar. Gerechnet wird mit einer riesigen Pleite-Welle, weil die Grenze zu den USA immer noch geschlossen ist und die Beef-Bauern einfach nicht mehr können. Das könnte unser Glück sein, weil womöglich auch schönes (oder gutes) Land günstig zu haben sein wird.

Zwingerlinge

Die Damen wollen noch nicht so richtig liefern, bis jetzt sind es immer noch nur sieben Kälber, davon aber zwei Zwillingspärchen! Und weil die zweite Zwillingsmutter anscheinend nur ein weißes mickriges Kalb bestellt hatte und daher das braune, dickere einfach nicht wollte, ist nun Georges unglückliche Kuh auch wieder fröhlich, weil ihr dieses „zuviele“ Kalb untergeschoben wurde. So fügt sich denn alles… Ein bisschen traurig bin ich natürlich, weil ich mir insgeheim Hoffnungen auf eine kleine handzahme Milchkuh gemacht hatte, nachdem ich das braune Kalb dreimal schon mit der Flasche gefüttert hatte. Aber so ist es sicher besser, dann kann ich wild weiterplanen…

Flocken-Frühling, Piggy-Popsicle

Also ich hör jetzt doch einfach wieder auf zu greinen und schick stattdessen wieder Bilder. Was zieht wohl der Herr Hö. da?
Das erste Kälbchen! Nicht gross, aber recht fröhlich und neugierig.
Das Wetter ist nicht wirklich zum Kälber-Kriegen, es schneit wieder ziemlich, und wir hatten heftigen Nord-Ost-Wind, was ja die Temperaturen gleich um einige Grade senkt. Nützt aber nix, überall purzeln die Kälbchen. So auch bei Nachbar George. George hat nicht irgendwelche Kühe, sondern Herefords. Und außerdem hat George Schweine, und die kriegen von uns Molke (und wir erhoffen uns im Herbst vielleicht den einen oder anderen Schinken…) Und weil die Molke gefroren ist, gibt das einen Piggy-Popsicle – mmmmhhh, lecker! Statt mit Krokant mit Walzhafer dazu!
Und Georges Frau, die Mary, backt ein geniales Banana-Loaf, mmmmhhhh! Und jetzt hab ich das Rezept, und dazu noch einen großen Milchfilter. Wir sind also schon ziemlich prima ausgestattet. Und heute hätte ich auch gleich die Milchkuh leihen können: George hat eine sich melken-lassende Kuh, die leider gestern versehentlich auf ihr neugeborenes Kalb getreten hat – das hat es nicht überlebt. Wenn wir jetzt nicht diese etwas beengte Situation im Hause hätten, dann würde ich es wohl probieren! Ich könnte SAHNE machen – schließlich besitze ich ja nunmehr die zugehörige Zentrifuge! Ich könnte Cream cheese machen! Quark in Massen! Mal schauen, George sagt, ich hab noch „a couple days“ zum Entscheiden…

Land unter!

Da liegt man so als kleiner Hund harmlos und gut eingepackt unter’m Plumeau, schon kommt der grässliche Herr Hö. und kitzelt einen mit einer handgefilzten (!!) Schnur an der Nase. Weil nämlich der Frühling da ist (es scheint jedenfalls so). Das erkennt man daran, dass der Billinger plötzlich sportliche Spagate macht und Gustes Busen bei dem warmen Wetter auf maximale Produktion geschaltet ist
Zwar steht der Herr Hö. noch im relativ tiefen Schnee, doch im Hintergrund sieht man, wie der Dugout auftaut (heute ist er schon VOLL!). Und dann locken einen diese widerlichen Hö’s raus in’s offene Schmelzwasser-Meer. Furchtbar gefährlich, diese Flussüberquerungen, knallrote Biberfüsse bekommt man beim Navigieren zwischen Eiswasser und weichem Schnee (mit Eiswasser drunter!) Zwar scheint die Sonne wunderbar, doch ohne Haare wie Zoe ist man ganz schön aufgeschmissen. Frau Hö. lässt derweil in Gartennähe Joghurtbecher-Schiffchen schwimmen und platscht wie ein Kleinkind mit Gummistiefeln im Wasser rum…

So sieht das wahrscheinlich der kleine Hund, der, während ich dies schreibe, wieder warm verpackt unter „seiner“ Mohairdecke auf dem Sofa ruht, nur die Nase guckt raus. Wo ist die Filzschnur?
Zwar traut niemand diesem Frühling so recht, er ist viel zu früh. Wir haben die Bilder vom letzten Jahr angeschaut, und eigentlich sollte noch alles unter dickem Schnee ruhen. Stattdessen fließen wirklich die reinsten Flüsse links und rechts von der Straße, manchmal auch über die Straße. Überall stehen Seen, und ich warte schon gespannt auf die Gänse!
Noch zu erwähnen ist, dass wir von einer Nachbarin, die sich als ehemalige Ziegenmelkerin entpuppte, eine fast antike Zentrifuge gekauft haben. Nun steht meiner Sahne- und womöglich Butterproduktion fast nix mehr im Wege. Als nächstes kauf ich noch größere Stahltöpfe für meine Hartkäseproduktion, für 8 Liter lohnt sich die Arbeit ja kaum, und Milch haben wir immer mehr als genug. Was uns nur noch fehlt, sind anständige Formen. Käse-Experten – falls ihr dies lest: Wo bekommt man die in Deutschland und was kosten die? Hier scheint das alles teuer und aus den USA angefahren. Und ich bin fest entschlossen, unserem Besuch Ende Mai so allerhand ins Gepäck zu „schmuggeln“.

Alliterationen

Weil man in diesem Lande bzw. in der englischen Sprache ja Alliterationen liebt und sich ihrer gern und häufig, wenn auch nicht immer geschmackvoll bedient, hier auch ein paar Versuche von mir:
Käse-Katastrophen oder Gouda-Glück: Morgens noch spreche ich mit Runa über Käse, und sie erzählt mir, dass das Wasserbad bei der Käseherstellung ja nachheizt. Und dann hab ich das gleich mal ausprobiert. Mein schöner Ansatz, fein gesäuert, wurde nach Überhitzung um klitzekleine 6 Grad Fahrenheit oder so (wer kann aber auch schon so ein Mikrothermometer genau ablesen, ohne Brille?) und Hinzufügung von Lab im Rubbeldikatz zu Klump (wir haben es allerdings abgetropft, leicht gepresst und Feta-Test getauft, Gereon isst ja fast alles!) Weil genügend Milch da war, hab ich mit den nächsten 5 Litern gleich nochmal probiert, gaaaanz voooorsichtig. Man beachte die professionelle Käsepresse, wahrscheinlich viel zu schwer, aber das ist ein GH-Design, heavy duty.

Frost-Fleisch
Eine ganze alte Kuh zu Hundefutter verarbeiten, das sieht dann im Stadium des „Einzeln-Schockfrostens“ so aus: Ich bin natürlich prompt drauf ausgerutscht und hab mich fast hingelatzt! Alle Hunde, Katzen und Hühner waren und sind begeistert, und so kommen wir zum grauslichen
Leber-Lutscher
Ieeeehhhbabababahhh! Hat sie gestohlen und reingeschleppt…
Und weil es wieder kalt ist und Guste beim Melken immer so furchtbar zittert, gibt es auch noch
Gustes Gemütliches Gestrick (von Tilly und eigentlich für mich, nicht verraten!)
Ich denke allerdings, die Farbe macht sie blass, „hot pink“ wäre vielleicht etwas frischer. Und der Schnitt, na ja, ob man in dem Alter (und mit der Figur) bauch- (und busen-) frei tragen sollte?? But: there is no accounting for taste, hers or mine.

New kid in town!

Nach viel Rumtelefonieren und Überlegen und in der Hoffnung, dass unsere Ziegen-Jungfern überhaupt noch rossig werden, haben wir gestern bei Wohlgemuths (bei denen auch unsere zweite dicke Odette nunmehr wohnt) eine weitere Wunderkiste gefüllt: Ein Billy No-Name (den Namen haben nämlich leider sowohl Wohlgemuths als auch ich sofortissimo vergessen) verschaffte sich erstmal einen Überblick und betrat dann, geleitet vom „Best Man“ die Szene
Die Jungfern waren mehr oder weniger entsetzt
Doch der „Neue“ hat prima Manieren und wird sich schon noch einschleimen. Und hübsch anzusehen ist er auch, finden wir. Er hat Alpine- und Nubier-Eltern, und von beiden sieht man ja auch was. Guste würde gern mit ihm flirten, aber die darf nicht. Doch der kleine Billy, den wir vor dem Neuen schützen zu müssen glaubten, ist einfach mit rein gesprungen, und offensichtlich vertragen sie sich nicht nur, nein, der Neue sorgt sogar für Ruhe beim Essen – sehr schön!

Trecker faaaahhhn!

Winter sieht hier im Moment so aus, wenn ich zur Arbeit fahre, zuerst Blick zurück, dann Blick nach vorn (ihr seht hoffentlich alle den Unterschied 😉

Heute durfte ich dann mal wieder Trecker faahn – macht Spaß. Heu musste vor marodierenden Wapitis gerettet werden, mittels Mercedes LKW, Bale Wagon und Traktor zum Laden. Ich fuhr den High-Tech-Traktor – hier ein paar Ansichten. Man beachte insbesondere den bandscheibenfreundlichen Sitz in der rundum extrem transparenten Fahrerkabine. Das sauberste an dem ganzen Ding sind übrigens glaube ich die Schneeketten!

Was man weder mit Worten noch in Bildern wiedergeben kann, sind die Geräusche (Kette klackert leider gegen „Schutzblech“, Haube fehlt ja halb) und Gerüche (Auspuff ist irgendwie so kurz, dass der meiste Geruch in Richtung Fahrer geht). Für mich als ahnungslose Traktorfahrerin natürlich auch hochinteressant: Handgas, super-leichtgängige Schaltung, Extrem-Servo-Lenkung, leicht nachlassende Hydraulikfunktionen, will sagen, sowohl Schneeschild als auch „Hinterlader“ müssen während der Fahrt hin und wieder nachjustiert werden, sonst hängt man hinten oder vorne womöglich fest.
Und hier die Aktion. Dazu darf man anmerken, dass das „Gespann“ LKW + Bale Wagon von Fahrer Gereon so ca. 800 m rückwärts diesen Weg entlang rangiert werden muss – wenden geht da irgendwie nicht. Insgesamt passen 10 Ballen auf den Anhänger. Auch nicht wiedergeben kann man die Logistik, die bei niedrigeren Temperaturen erforderlich ist, um diese Gefährte überhaupt ans Laufen zu kriegen und dann bei Eis auf der Straße zu halten. Gereon und der Nachbar haben eine Transportaktion an einen anderen Platz wegen widriger Umstände „einfach“ nach 10 Ballen aufgeben müssen!

Auf dem Heimweg durfte ich mit Ballen hintendrauf durch die „gefährliche Schlucht“ – sehr spannend, aber geschafft! Dafür dann das hier das Siegerfoto:

Der alljährliche Sonntagsspaziergang (oder "Die Tiefschnee-Expedition")

Zuerst kurz für die Interessierten: Hypochonder-Pup schleimt sich ein: Gesundheitszustand deutlich besser, muss tagsüber wieder draußen sein, leidet sehr ostentativ darunter. Gleichzeitig auch eine Gegendarstellung von Gereon: Nur ausnahmsweise ist er so unfrisiert wie auf dem Foto, normalerweise ist er immer frisch geföhnt und gestylt. (Die Redaktion behält sich eine eigene Meinung vor…)
Und heute, am ruhigen Sonntag, sagte der frisch geföhnte Herr Hö: „Sollen wir nicht einen kleinen Spaziergang machen?“ Und ich sagte naiv: „Au ja!“ „Gut, ich würde mal gern nach den Bienen schauen.“
Dabei hatte ich vergessen/verdrängt/übersehen, dass der Schnee überall meist mindestens 35 cm hoch liegt, in Verwehungen gern mehr, außerdem gibt’s keine geräumten Wanderwege, und außerdem sind die Bienen doch irgendwie weit wech. (Lena kennt einen großen Teil des Weges, übers Heufeld, durch den Wald, über das nächste Feld, durch die Senke, durch den Wald, über das nächste Feld, dann links ab…)
(Gefühlte) Stunden später: Schneeengel (drei E) gemacht, muss sein! Wildschaden besichtigt – wär‘ nicht nötig gewesen. Mindestens 10 gemütliche Hirsch-Liegeplätze in unmittelbarer Nähe des Frühstücksbuffets, da darf man dann wohl auch mal einen Hirsch essen. Bienen kontrolliert – erstaunliche Schneegebilde an den Fluglöchern, und, oh Wunder, die Batterie des Weidezaungeräts tickte noch fröhlich vor sich hin. Wenn doch unsere Auto-Batterie soooo gut wäre! Bienen schienen noch zu leben, ich konnte sie summen hören – faszinierend.

Nun hatte ich heute morgen noch über mangelnde Bewegung geklagt, heute hatte ich sie dann. Das ganze Land scheint von Elch-Autobahnen durchzogen, die erstaunliche Abstände zwischen den einzelnen Fußabdrücken aufweisen.
Ich hätte mal besser die Schneeschuhe angezogen – beim nächsten Mal!
Wenn es dolle friert, sieht man nach einer Wanderung (zum Briefkasten) ungefähr so aus Aber es wird im Moment warm, bis -10 diese Nacht.

Die Kälte, der Kojotenwald, die Immigrationsminister

Thema Nr. 1 überall ist die Kälte, die über den Westen Kanadas hereingebrochen ist. Wir als naive Newcomer denken natürlich immer, das g’hört so. Doch selbst die Einheimischen stöhnen – andererseits, irgendwie stöhnen ja immer alle über das Wetter, das ist nicht anders als in Deutschland. Die Fakten: Vorgestern Nacht am Flughafen in Edmonton, den Windchill, als die zusätzliche Abkühlung durch den Wind, eingerechnet: -52°C. Bei uns fühlt sich das nicht ganz so übel an. Zum einen haben wir ja rund ums Haus Bäume, und besonders bei Winterwind weiß man, warum! Zum anderen war bei uns der Wind nur sehr schwach, und man gewöhnt sich auch irgendwie an die Kälte. Ärgerlich ist nur immer wieder, dass dieses Haus so derart blödsinnig unterisoliert ist, dass wir ganze Wälder verheizen und trotzdem längst nicht überall die Temperaturen haben, die ich mir wünschen würde. Im Schlafzimmer, direkt neben meiner Bettseite, ist immer dickes Eis an einer nicht mehr benutzten Außentür. Ich hab jetzt Schafswolle in die Ritzen gestopft, das scheint zu helfen. KEINE Außentür schliesst dicht, Fenster ähnlich. Nun ja! Gestern blieb meine Library geschlossen, weil das Auto nicht läuft (immer noch nicht wirklich!), aber meine Vorgesetzten gaben mir ihr OK, weil nämlich auch keine Schulbusse fuhren bei der Kälte.

Und dann der Puppinger. Als es richtig kalt wurde, lief der Puppinger ganz krumbuckelig und voller Eis und Schnee am ganzen Körper rum. Wir konnten uns das nicht erklären. Gereon stellte fest, dass er speziell unterm Bauch Eiszapfen hatte und befürchtete schon, er sei in den Dugout eingebrochen. Doch später stellten wir fest, dass es sich nicht um Eis-, sondern um Blut-Eiszapfen handelte – ieeehbabah! So holten wir den Puppinger, der ja IMMER draussen wohnt, ins Haus. Mittels einer Taschenlampe (ordentliches Licht ist auch Mangelware) stellten wir fest, dass er ein dickes Loch im Brustkorb unten hatte, was die Zapfen produzierte. So tauten wir ihn langsam auf, der Nachbar George kam noch prüfen, tippte auf Hirsch- oder Kojoten-Scharmützel. Der arme Pup blieb daraufhin 40 Stunden lang auf den Beinen, er wollte oder konnte sich nicht hinlegen! Dr. Höntgesberg, sein Hausarzt, konnte das nicht länger mit ansehen, und mit viel Überredungskunst und sanfter Gewalt brachte er den Patienten in die Knie und schließlich auf die Seite. Schwester Nini unterstütze fachgerecht die Bemühungen. Hacke aus der Hand wurde dann gern genommen! Und weil der Dr. Hö. so ein weiches Herz hat, hat er den Pup sogar zugedeckt, finde ich ja ein bisschen viel des Guten, aber nun ja, die beiden mögen sich sehr.
Weitere Untersuchungen, nach dem Auftauen, ergaben, dass das arme Viech überall voller kleiner Verletzungen ist – also wohl nicht Hirsch, sondern Kojoten. U.a. hatten sie versucht, ihn zu kastrieren, war aber ja schon zu spät. Von diesem Versuch hat er nun ein Loch, da wo die OP-Stelle wäre und ein dick geschwollenes Bein, wohl der Grund für seine Standfestigkeit. Sein dickes Fell hat ihn wahrscheinlich vor tieferen Wunden bewahrt. Ich sage ihm täglich, dass er froh sein kann, dass WIR hier sind. Die Bauersleute hätten ihn in der Kälte gelassen, und das wäre bestimmt nicht schön geworden! Nun allerdings übt er fleissig hypochondern – bin mal gespannt, wie wir ihn wieder aus dem Haus kriegen. Er steht nämlich jetzt ohne gutes Zureden einfach nicht mehr auf. Er hat allerdings auch sofort verstanden, dass man sich nur Freunde erhält, wenn man den Stoffwechsel herunterschaltet und nur draußen aktiv werden lässt – guter Hund!

Und schließlich die Immigrationsminister. Wir erleben nun gerade den dritten, nachdem Mrs Sgro, die Vorgängerin ihr Amt niederlegte in Folge diverser Anschuldigungen, u.a. wegen eines Programmes, das Stripperinnen bevorzugt die Einwanderung ermöglicht. Außerdem hat sie angeblich eine rumänische Stripperin reingeholt, die ihr dafür im Wahlkampf geholfen hat (???). Der Neue nun hat einen deutschen Nachnamen, es ist der Herr Volpe. Vielleicht ist das ein gutes Omen. Wir haben nämlich gerade festgestellt, dass das für uns zuständige Konsulat in Buffalo, USA, 20 Monate für die Bearbeitung der ersten 30% der Anträge braucht, und bis es dann 80% bearbeitet hat, vergehen insgesamt 29 Monate. Im Klartext scheint das zu bedeuten, dass wir gar nicht wirklich eine Chance haben, noch dieses Jahr überhaupt eine Entscheidung zu bekommen. Ich hab die nicht lieb, wirklich nicht.