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50 Farben Grau

 

IMG_20160422_132747So sieht der Himmel im Moment aus, und heute morgen hat es sogar ein bisschen geregnet und geschneit. Plus fuenf Grad, wirklich usselig, aber im Moment durchaus willkommen. Wir braeuchten Regen, Regen, Regen! Kaum zu glauben fuer den Durchschnitts-Oberberger, aber hier ist es super-trocken. Die Feuerturm-Frau, Megan, erzaehlte, dass diese Gegend hier im letzten Winter nur 60% der ueblichen Niederschlaege bekommen hat, und weil normalerweise der Winter die Zeit ist, in der praktisch die Speicher aufgefuellt werden, koennte es ziemlich bloed werden, wenn da nicht noch was kommt. Dazu ist es aber windig, so dass die Feuertuerme auf hohem Risiko sind und Megan den ganzen Tag in der Kuppel sitzen muss. Sie hatte schon zwei Feuer zu melden, und eines davon entstand, als ein Bauer mit der Egge ueber’s Feld fuhr, einen Stein traf, der einen Funken schlug – und schwuppididu, stand der ganze Acker in Flammen! So kann’s gehen!

Gestern war es nicht grau, sondern blau und sonnig, wenn auch windig. Nach einem schoenen Morgen-Kaffee bei der Nachbarin – man hat sich nach 6 Monaten viel zu erzaehlen – verbrachte ich den ganzen Nachmittag im Garten, wo ich immerhin vier von fuenf Hochbeeten auf Vordermann gebracht habe. Eines ist sogar schon mit Glas abgedeckt, denn ich will saeen. Megan hat bereits so einiges in der Erde, und ich will jetzt auch loslegen. Hochbeete haben den Vorteil, dass sie schweinesicher sind und relativ leicht huehnersicher gemacht werden koennen.

IMG_20160422_124126Natuerlich tut mir jetzt der Ruecken weh… Das kommt von der mangelnden Uebung. Die merkte ich auch, als ich eben Kochhoelzchen hackte.

IMG_20160422_123936Die Axt doppelt so schwer wie in Deutschland, die Hoelzer doppelt bis dreimal so unhandlich. Aber mir ist nach Kuchen! Und die Truhe muss umgewaelzt werden, da habe ich noch tausendjaehriges Obst gefunden, das wird jetzt verarbeitet, zusammen mit den Milliausen von Eiern, die es um diese Jahreszeit ja immer gibt. Heute morgen habe ich allerdings einen Raben beobachtet, der sich ganz nah an die Lamas traute. Ich sah dann, dass er ein Off-Limits-Nest im Gras gefunden hatte und nach und nach alle Eier wegtrug. Spaeter musste ich ihn scheuchen, denn da war er offensichtlich hinter den relativ frischen Kueken her, der Knilch. Ich habe ihm erklaert, dass der Chef da inzwischen nicht lange fackelt und schon ein Rabe auf diese Tour sein Leben gelassen hat. Hoffentlich hat er das begriffen!

So, los geht’s. Ofen heizen, Butter erweichen, Eikes aufschlagen, ach, und erst Mehl mahlen.

Farmer Style

Ich gehe bei jedem Wetter raus, denn: Unser Essen waechst (noch) nicht in klimatisierten Innenraeumen. Jedenfalls ueberwiegend nicht, so weit ich informiert bin. Ich sehe mich nicht als Landwirtin, aber einen Teil unseres Essens „produzieren“ wir hier ja doch selbst. Und die Tiere, die uns mit Milch, Fleisch und Eiern versorgen, wollen immer essen, auch und gerade bei solchen frischen Temperaturen.

Ich gehe also raus, damit es so aussehen kann:

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Und wie man hier immer betont: Legal kann man nur eine begrenzte Anzahl von Kleidungsstuecken AUSziehen, aber noch eine Lage ANziehen geht immer 😉 Weswegen ich manchmal das Honigschleudern in der Sommerhitze viel unangenehmer finde als das Fuettern im Winter.

Ein guter Start? Und ein kleiner Rueckblick

Endlich tropft wieder Molke aus einem Quarkpaket! So lange hab ich keinen gemacht, es hat irgendwie nie gepasst. Aber jetzt, mit Pflaumenmus und Johannisbeermarmelee, kann es einfach kein gekaufter Cream Cheese mehr sein, mit 87 Zutaten etc.pp. Sondern der Gute, der echte Quark von mir persoenlich bekannten Ziegen.

Was man auf dem Foto noch sieht, sind kleine Anregungen fuer den Rueckblick.

Jetzt sind wir seit sechs Jahren auf unserem Land. Nach zwei Jahren in einer unisolierten „Kueche“ ohne Fussboden und einem zwar isolierten, dennoch nicht immer frostfreien „Schlafzimmer“ (von den ersten beiden Monaten auf der „Empore“ des Planengebaeudes wollen wir jetzt mal gar nicht reden…) stieg meine Hochachtung fuer die Frauen, die dies alles vor mir durchgestanden hatten, ins Unermessliche. Im Gegensatz zu mir hatten diese Wunderwesen kein Telefon, kein Auto, keine Nachbarn mit Heizung und Dusche. Und die meisten hatten Kinder zu bekommen und/oder aufzuziehen. Hut ab! Dennoch war ich mehr als froh, als wir im Dezember 2008 in das vom Herrn Chef mit Unterstuetzung von Freunden, Bekannten, Nachbarn etc. selbst gebaute Haus umziehen konnten. Natuerlich war es mehr oder minder noch ein Rohbau. Und, fast ebenso natuerlich, hat sich daran nicht viel geaendert… Kann man auf dem Foto an den nach wie vor im Urzustand befindlichen Sperrholzplatten erkennen, die theoretisch irgendwann mit „schoenem“ Holz verkleidet werden sollen. Ich bezweifle, dass ich das erleben werde. Wirklich wichtig ist es auch nicht.

Dann der Quark. Der sagt, dass ich immer noch Ziegen habe. Lt. Chef zu viele, sein Wunschzahlen gehen gegen Null. Ich sage ihm nicht, was ich alles fuer Plaene habe, das wuerde ihn nur unnoetig beunruhigen.

Dann die Pflaume unten rechts. Das ist ein Problem. Sie ist naemlich angefressen von einer unserer resident mice! Maeuse – irgendwie muss ich sie auch bewundern, vollbringen sie doch trotz ihrer minimalen Koerpergroesse ungeheure Leistungen. So z.b. hat vorletzte Nacht eines dieser Tierchen eine Tuete Reis in der Suedostecke des Hauses angefressen und dann, wie wir wissen, in halsbrecherischen Balanceakten ueber unter der Decke aufgehaengte Verlaengerungskabel ein bis zwei Mausmuender voll der Koerner in der diagonal gegenueberliegenden Ecke auf der Schuhbank deponiert. Das alles wahrscheinlich unter den geschlossenen Augen von Trudi und dem Kittikatzi. Nicht gut. Eine Maus hat der Chef gestern morgen erlegt (ueber das Wie hat er sich nicht geaeussert). Den anderen habe ich nach gutem Zureden und null Reaktion nun Fallen aufgestellt, aber die interessieren sie nicht. Abhilfe erwarte ich mir von den in Auftrag gegebenen Tueren! Es gibt allerdings auch, weil unser Haus voelliges Eigendesign ist, ohne Beruecksichtigung der hiesigen Baustandards, noch ein paar andere Stellen, wo Maeuse Zugang finden koennten. Also werde ich mehr verschliessbare Schraenke aufstellen muessen. Die liegen schon im Haus, warten nur noch auf meine Zuwendung.

Dann das Licht. Es war kein Blitzfoto, die Beleuchtung kommt von einer Energiesparlampe, die ihre Sparenergie von unserem Solarenergiesystem bezieht. Letzteres wurde letzten Winter endlich in Betrieb genommen und wartet nun auf eine Verdoppelung der PV-Kapazitaet. Die Photovoltaik-Elemente, die ich bestellt habe, werden pro Stueck doppelt soviel Strom liefern wie die bereits vorhandenen, kosten aber nur die Haelfte. Im Moment ist die Anlage arg belastet, weil wir die Tiefkuehltruhe, die seit unserem Einzug hier bei den Nachbarn lebte, ans Haus geholt haben. Solarenergie, jedenfalls in der Form, wie wir sie haben, macht einem bewusst, wieviel Strom man wofuer braucht. Ich weiss nun, dass Licht gar nichts ist, Telefone und Computer wenig, meine hoch geschaetzte Kuechenmaschine auch nicht viel, aber die Getreidemuehle und vor allem die Gefriertruhe richtig hungrig. Getreidemuehle laeuft ja nur selten und kurz, aber fuer die Truhe musste Abhilfe her. So habe ich eine super-energiesparende, deutlich kleinere Truhe gekauft, die nun ebenfalls auf Anschluss wartet. Sie funktioniert naemlich mit 12V, hatte ich uebersehen, und so muessen Spezialkabel etc.pp. her. Der „Solar Cowboy“, wie ich meinen urspruenglich schweizerischen Lieferanten von Ziegen und Solaranlagen nun nenne, ist schon bestellt!

Und in dem Zusammenhang kommt dann hoffentlich auch endlich das heisse Wasser, fliessend, aus dem bereits seit Jahren vorhandenen Wasserhahn! Die benoetigte Technik ist teilweise bereits vorhanden, muss aber von einem offiziellen Klempner installiert werden. Und solche Menschen sind hier rar und immer sehr beschaeftigt. Aber dann! Ich plane eine Party mit Heisswasser und Beleuchtung, dazu vielleicht Eis am Stiel! Oder so aehnlich.

Noch ein bisschen mehr Rueckblick: Der Chef arbeitet nach wie vor in derselben Firma. Keine Aenderung gewuenscht und auch anscheinend keine in Sicht. Das ist sicher gut. Die Bienen haben sich, nach einigen Auf’s und Ab’s, in diesem Jahr wieder einmal gut gemacht, so dass der Imker nun ueber eine Verdoppelung der Voelker nachdenkt. Seit wir das Honey House gemietet haben, wird er uebermuetig 😉 Das hier vor Ort geplante Honey House ist ueber die Punktfundamente mit Eisenstuetzen bis jetzt nicht hinausgekommen.

Ich bin nach meinen Teilzeitjobs zuerst in der Buecherei, dann in der Tierarztpraxis, nun seit einiger Zeit „Nur-Hausfrau“. Was fuer ein wunderbares Wort! Bei mir heisst das, dass ich fast nur zu Hause bin. Meistens ist das in Ordnung, manchmal brauche ich Menschen, und manchmal muss ich nach Grande Prairie, ich kombiniere das dann, und nach zwei Stunden hab ich die Faxen meist schon wieder dicke und will nach Hause.

Menschen sind ein schwieriges Thema hier auf dem Land. Es gibt nur wenige, „few and far between“, wie man hier sagt. Und die, mit denen man oefter und/oder regelmaessig zu tun haben wollte, sind noch seltener. Ich glaube, eine Hand reicht dicke zum zaehlen. Allgemeine Einstellungen zur Umwelt, zur Politik und zur Religion erweisen sich fuer mich da oft als Hindernisse. Das hier ist Redneck Country, und man muss es erlebt haben, um es zu glauben. Und weil das so ist, ist die geringe Bevoelkerungsdichte auch ein Segen, finde ich.

Und jetzt geh ich melken! Vorher aber bastele ich euch noch ein paar Bildchen rein.

So fing es an im Honey House: Ordentlich gestrichener Fussboden, Schleuder, Tank. Siebe an der Wand, sehr schoen.

Ungefaehr einen Monat spaeter: Drei Tanks und schon jede Menge Honig abgefuellt. Vorgestern habe ich den letzten Tank in Behaelter geleert, und wir wissen: In diesem Jahr haben wir 2661 kg Honig abgefuellt. Nicht schlecht, oder? Eine Tonne mehr als letztes Jahr.

Feldkueche vorm Honey House. Es geht gar nix ohne Tee/Kaffee, und weil Besuch da war, gab’s auch kranke Chips, Schokimandeln und Diet Coke (nicht fuer mich!). Leider geht auch nix mehr ohne Brille…

Alles zurueck auf Anfang?

Vor ein paar Tagen habe ich meinen voellig ausser Kontrolle geratenen „Gemuese“garten mit der Sense abgemaeht. Ganz schoener Frust! Drei Wochen Norwegen bzw. Deutschland, waehrend hier tropische Wachstumsbedingungen herrschten, haben so gar nicht geholfen. Und statt die paar Erbschen und Boehnchen zu haetscheln, habe ich beschlossen, dass tabula rasa der einzige Ausweg ist und danach eine gepflegte Sommerbrache. Gestern haben Nadja und ich dann versucht, diese Brache zu organisieren. Gar nicht so einfach. Der abgemaehte Dschungel aus Hemp Nettle und Vogelmiere wickelte sich um Nadjas Werkzeuge, ich hatte viel Arbeit, den ganzen Schmodder wieder rauszuporkeln, aber jetzt sieht der Garten so aus. Ernten werden wir wohl nur ein paar Tomaten, etwas merkwuerdigen Gruenkohl, Salat, Sellerie, Petersilie und – hoffentlich – viele Kartoffeln. Ich muss sagen, ich hab mir ein paar Traenchen zerdrueckt, als ich die Markierungsstaebe aus meinen urspruenglich ordentlich angelegten Beeten gezogen habe. So ein Mist!

Neulich hatte ich eine kleine Korrespondenz zum Thema Redundanz, die mir immer noch durch den Kopf geht. Es ging um die Redundanz meiner Ziegenberichte, wo ich doch eigentlich ueber, ja was denn eigentlich, Spannenderes schreiben koennte. Aber in Wirklichkeit ist das mein taegliches Leben. Redundanz. Garten, Ziegen, alltaegliche Tragoedien (das Kueken hat es uebrigens nicht geschafft…) und Frustrationen und kleine Mirakel, Honig und Bienen, Markt, Rednecks und Road Trips. Alles andere waere aufgesetzt, zwar vielleicht gut beobachtet, aber nicht mein Leben. Draussen scharren die beiden Hennen, die sich fuenf Kueken teilen, im Ziegenzaun herum. Fast wie jedes Jahr.

Endlich wieder Emma!

Gestern rief Nachbar Jim an und suchte jemanden, der ihm den – oh Himmel, schon wieder das Wort vergessen – „Wellenschlaeger“ (Schwader?) faehrt. Ha, da ging aber meine Hand hoch! Warum macht mich „Treckerfaahn“ wohl so froehlich?

Regen auf das Hamsterrad – Dollars in der Luft

Es regnet. Prima Ausrede, nicht gleich rauszurennen und etwas Wichtiges zu erledigen. Stattdessen, so denke ich, schreibe ich ein bisschen. Natuerlich steigt erstmal der Rechner bzw. diverse Programme aus. Ich liebe das.

Der Regen gibt nach (relativ) hektischen Tagen ein bisschen Gelegenheit zum Durchatmen. Es war heiss, und die Bienen haben gearbeitet wie Bienen halt. Taeglich etwa 100 kg Honig, schaetzt der Bienenkoenig. Die wollen natuerlich verarbeitet werden. Es laesst sich gut an diesen Sommer mit dem Honig. Meine Marktkunden strahlten letzte Woche, als der erste weisse Honig auf dem Tisch stand.

Gestern ergab sich zufaellig, dass ein altes Honeyhouse, das wir schon letztes Jahr mieten wollten, aber nicht konnten, weil die Mieter des dazugehoerigen Wohnhauses Angst vor Bienen hatten, wieder zu haben ist. Und wir haben es! Der Chef plant,  noch diese Woche mit dem Umzug zu beginnen, so dass die naechste Schleuderung schon unter wesentlich angenehmeren Bedingungen stattfinden koennte. Es gibt eine Laderampe, also kein Hin- und Hertransport der Kaesten mit der Schubkarre mehr! Und der Raum kann beheizt werden, also kein schrecklich steifer, nicht fliessen wollender Honig, wenn es jetzt kuehler wird. Aufregend!

Neulich, als wir mit Besuch mal still sassen, meinte der Besuch: Was ist denn das da hinten in der Luft? Es war ein Schwarm! Wie auch in schon in vergangenen Jahren, scheinen Bienenschwaerme, die anderen Imkern in der Gegend abhanden kommen, gern bei uns durchzufliegen. Und da landete schon der zweite Schwarm fuer dieses Jahr direkt in bzw. an unserem Poleshed, wo die Bienenkaesten gelagert sind. Sehr praktisch. Gereon hatte schon morgens Kundschafterbienen gesehen, und so war er nicht wirklich erstaunt, als die Dollars durch die Luft flogen. So ein dicker Schwarm kann durchaus, denke ich jedenfalls, 200 Dollar wert sein. Immer wieder beeindruckend, wenn die wimmelnde Wolke sich naehert, sich langsam niederlaesst und dann wie ein einziger Organismus sitzt und abkehrt werden kann. Sicherheitshalber werden sie noch ein bisschen mit Wasser angesprueht, damit sie nicht gleich wieder starten koennen. Und dann ab in die Kiste! Wie ihr auch sehen koennt, arbeitet der Bienenkoenig so gut wie nie mit Handschuhen – mich gruselt das immer etwas. Inzwischen schleudern wir schon die neuen Waben, die wunderbar hell und ordentlich sind, auch dank der freundlichen Hilfe von Walter und Sabine 🙂

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Dankesbriefe

Dankesnotiz

Ist das niedlich oder was? Fand ich bei Durchsicht der steuerrelevanten Unterlagen. Dass man mich die „Honeylady“ nennt, ist inzwischen ja alt, aber Lady Honey, das war letztes Jahr ein Novum. Besser als Gaga, oder? (vielleicht doch fuer die nicht so Englischen eine kleine deutsche Uebersetzung: Lady Honey (das verstehen alle, oder? 🙂 – ganz herzlichen Dank. Es ist ein wahrer Segen fuer uns, dass ihr bereit seid, den Honig zu ernten.)

Heute rief mich auch wieder eine Honigkundin an, um vorsichtig anzufragen, ob es noch frueh genug sei, ihren Namen auf die Bestellliste zu setzen. Soweit ist es also jetzt, dass sich die Kunden schon im Februar (und vorher) Gedanken machen, ob man wohl noch Honig reservieren lassen kann, auch wenn gerade Snowfall Warning ist und keine Bluete in Sicht und ich persoenlich noch gar nicht an Honig denke. Und dann geraten sie unweigerlich ins Schwaermen: Wie unvergleichlich gut der Honig sei, und wie die Freunde und Bekannten immer gleich wissen wollen, wo’s denn sowas Gutes gibt, und so durfte ich heute einen neuen Namen auf meine Liste setzen und konnte die Kundin auch beruhigen, dass sie eine der ersten Bestellerinnen ist und somit gute Chancen hat, tatsaechlich auch Honig zu bekommen. Auch bestellen diese Menschen ja selten noch „normale“ Pfundglaeser, die meisten wollen 2.5-kg-Eimer bzw., inzwischen noch haeufiger, 15-kg-Eimer, und davon gleich mehrere. Letztes Jahr hatte unser Rekordkunde eine Bestellung ueber 27 Eimer aufgegeben. Mennonitischer Hintergrund, viele Kinder, viele Bekannte und Freunde, gekocht und gebacken wird nur mit Honig als Suessungsmittel – dann kann man schon so einiges verbrauchen. Und ich freu mich! Es ist wirklich schade, dass wir den Absprung immer noch nicht schaffen (koennen, lt. Chef), uns nur mit der Produktion und dem Verkauf von Honig ueber Wasser zu halten. Die Kundin heute erklaerte mir auch, dass man doch eigentlich annehmen solle, der Honig aus unserer Region schmecke immer gleich. Aber sie habe schon Honig von vielen verschiedenen Imkern probiert, und mancher sei wirklich richtig fies. (Wir koennen uns denken warum: wahrscheinlich waren die Bienen in der Canola-Bluete…)

Und dieses Kaertchen mit seinem bluetenbedruckten Umschlag ist natuerlich nicht die einzige Danksagung, die wir bekommen, oh nein. Oft stecken Geld oder Scheck in einem Umschlag mit aehnlichen netten Worten. Es waermt einem das Herz!

klapperbibberzitter…

Ob das nu noetich waere?

Ich meine nicht. Aber mich fragt ja niemand. Anscheinend  kann der Wetterbericht bei derartig haesslichen Kaeltegraden uns noch  nicht einmal ein huebsches Wettersymbol zeigen. Es soll aber laut einem anderen Wetterbericht durchwachsen sein, teilweise wolkig oder so. Und so sitze ich im kleinen gelben Haus und klappere. Denn heute habe ich – nach einer ziemlich kalten Nacht, trotz Zora unter der Decke – festgestellt, dass die Einzelteile des Hauses, das ja aus einem langen Rechteck mit angefuegten kleinen Rechtecken besteht, wirklich  nicht so ganz zusammengeschoben sind, d.h. es gibt gut daumenbreite Ritzen, und durch diese kommt ein Minusgrad nach dem anderen hereingezogen. Jetzt habe ich ganze Alpakas in die Ritzen gestopft, soweit ich sie erreichen konnte (die Ritzen, nicht die Alpakas), aber eine Tuere schliesst auch nicht so ganz dicht. Und am ebenfalls aufgehaengten, ziemlich geblaehten Vorhang kann ich erkennen, dass aus dem „Flur“ immer noch jede Menge kalte Luft hereinkommt. Schade, schade, schade! Wenn sich das nicht gleich ziemlich aendert, werde ich wohl alles Frostgefaehrdete einpacken, u.a. diesen Rechner, und fuer ein paar Naechte wieder nach Norden ziehen.

Doch eigentlich darf ich nicht quengeln, bis jetzt hatten wir einen (viel zu) milden und schneearmen Winter. Das Kuehefuettern war der reinste Spass, und inzwischen bin ich befoerdert worden. Ich fahre nunmehr einen John Deere 7510. Ich weiss nicht, wie sich der im Vergleich so darstellt, aber mir kommt er schon ganz schoen gross vor. 16 Gaenge, und dann ja noch Schildkroete bis Hase – und vorwaerts und rueckwaerts. Wenn ich 4-4 fahren will, dann muss ich schon freies Feld haben, sonst trau ich mich nicht. Und das Ding hat statt zwei Zinken diesen Grapple, fuer den mir noch immer niemand das deutsche Wort gesagt hat – Herr Lieblingsnachbar, bitte sehr!! Die Befoerderung auf das groessere Geraet erfolgte versehentlich, weil der Bauer vergessen hatte, mir den Schluessel fuer den „Kleinen“ dazulassen. Die Einweisung erhielt ich – passend zur modernen Technik – mit zwei SMS, die eigentlich nur sagten: wenn du dich traust, dann mal los! Na, das hab ich mir nicht zweimal schreiben lassen. Dieses Grapple-Ding bedarf allerdings einiger feinmotorische Koordination, und da musste ich doch ganz schoen ueberlegen, welchen Knopf ich wann druecke und in welche Richtung ich den Joystick bewege, damit ich den Kuehen nicht versehentlich die Ballen auf den Kopf regne. Wenn der Bauer selbst faehrt, ist das Ganze sehr fluessig und zuegig, bei mir eher ruckelig und lahm – aber alle werden trotzdem satt.

Der Kleine

Der Grosse

Ordentlich eingeworfen!

Leider ist der Bauer ganz viel zuhause, so dass ich nicht so oft in den Genuss komme. Weil er aber so oft zuhause ist, hatte er neulich auch Zeit, die Dicken vom Feld zu holen und anzuspannen. Das war ein Spass! Die beiden Damen, Belgierinnen namens Jill und Judy, waren ein Jahr lang praktisch nicht angefasst worden, und am Anfang, in der Scheune, zeigten sie sich ein bisschen hibbelig, so dass ich uns schon mit dem Schlitten hinter durchgehenden Pferden herfliegen sah. Der Bauer sah das nicht. Gereon war auch mit von der Partie, und trotz Hinfahrt zum See bei Gegenwind und eisiger Kaelte hatten wir Spass, und ich war aeusserst beeindruckt von der Feinfuehligkeit und dem Gehorsam der wuchtigen Damen. Die Fotos heute sind alle mit dem Handy geschossen, daher qualitativ nicht dolle, aber ich wollte euch das nicht vorenthalten. Wie im Film war’s, nickende Koepfe, klingelnde Gloeckchen, Dampfwolken aus Pferdenuestern, Knirschen von Hufen und Kufen, kitschiger Himmel – ziemlich wunderbar! Da muss man sich die steifgefrorenen Lippen einfach mal wegdenken…

die dicke Judy

Jill, Judy, Jim und Gereon (v.l.n.r.)

Nach einigem Hin und Her (der Chef war eher dagegen) habe ich dann kurzentschlossen vor Neujahr noch ein Auto gekauft! Nicht neu, aber mit sehr wenigen Kilometern, weiss (!!!), Pickup, schicke Box mit einem so genannten Canopy (nennt man das Hardtop?), der Vorbesitzer hat eine hoelzerne Box eingebaut, und die Ladeflaeche ist so lang, dass ich darin schlafen koennte. Die Fenster im Canopy haben Moskitonetze! Die Sparsamkeit laesst ziemlich zu wuenschen uebrig, aber weniger als der dicke dunkelrote Chevy trinkt der kleine Ford Ranger allemal. Und er war so sauber und ordentlich. Das laesst natuerlich schon langsam nach. Katrin und ich haben ihn „Madame Delphine“ getauft. Fuer Freunde „Madame“. Es ist ein ungewohntes und ziemlich wundersames Gefuehl fuer mich, in ein Auto zu steigen, in dem (fast) alles funktioniert (Scheibenwischer klemmt manchmal). Vor allem die Heizung ist ausgezeichnet und schnell. Und ’nen CD-Spieler hab ich nun auch. Purer Luxus! Preislich war das Ding anscheinend geschenkt. Hinten auf dem Canopy steht „Joycraft“! Hihi!

Madame Delphine

Seit Silvester oder kurz nachher hatten wir Glatteis von der feinsten Sorte. Madame streikt dann gern und stellt sich quer. Ich konnte (und kann) mich auf ebener Flaeche festfahren, das muss mir erstmal jemand nachmachen. Um das nicht zu haeufig tun zu muessen, habe ich mir heute bei Karla drei schwere Gehwegplatten eingeladen. Da koennen die Hunde immer noch drauf sitzen, und das Gewicht hilft.

Du meine Guete, um mich herum knistert und knackt es, das muss die Kaelte sein. Da ist frau ja dankbar fuer menopausale Hitzewellen! 😉

Draussen muhen die Kuehe ganz dolle. Heute war eigentlich ein trauriger Tag. Man mag mich unrealistisch nennen oder romantisch, aber heute wurden die Kaelber aussortiert, in zwei riesige Viehtransporter geladen und in solche widerlichen Maestereien transportiert, wo sie bis an den Bauch im Mist stehen und sich kaum bewegen koennen, aber alles natuerlich draussen, und das finde ich nach wie vor scheusslich und unanstaendig. 140 Kaelber, 10 Kuehe und zwei unflaetige Bullen auf dem Highway, und das bei diesen Temperaturen in einem Transporter, der an den Seiten gelocht ist. Ich mag nicht drueber nachdenken, was es da an Verlusten geben kann und wie es fuer die armen Viecher weitergeht. Morgen beim Fuettern muss ich dann gut aufpassen, dass mir die verwirrten Muetter nicht auf der Suche nach ihren Kindern durch’s Tor flitschen.

Und schliesslich: Flug ist gebucht, ich reise am 4. Maerz an und am 13. April wieder ab. Vielleicht sieht man sich 🙂

Gerade gucke ich nochmal nach dem Wetter: inzwischen ist es -30. Und fuer Mittwoch ein HOCH von -30. Auweiah! Immerhin scheint mein Alpaka in den Ritzen hier seine Arbeit zu tun, es ist ausreichend warm. Und die gute Emmi waermt schon mal das Bett vor.

Alles auf Hase!

So langsam schiesse ich mich ein mit „meinem“ John Deere, den ihr unten in seinem Nachtquartier seht. Das ist das, was man hier Shop, also Werkstatt nennt. Bauer Jim, der glaube ich selten kleckert, hat natuerlich einen ziemlich grossen Shop, und dann hat er nochmal eine Geraethallein etwa derselben Groesse. Alles voll verkabelt. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nicht so eine Steckdosendichte gesehen. Den Shop finde ich schon klasse. Empore fuer ich weiss nicht was. Abschliessbares Nebenraeumchen oder so. Allerhand Maschinen, ein Quad, ein Skidoo, jede Menge Werkzeug, Tiefkuehltruehe, Waffensafe – alles gibt es da. Auch die Solar Panels, die eigentlich zu „meinem“ Haeuschen gehoeren, habe ich dort entdeckt, und die scheinen sogar auf einem Tracker montiert zu seine, also einer Vorrichtung, die sie immer voll in die Sonne dreht. Oh, das haette ich sooo gern installiert. Wenn ich also die Huehner und die Ziegen versorgt habe, dann fahre ich das Rolltor hoch, schmeisse den Traktor an, lasse ihn ein bisschen warmlaufen (muss man hier, ist schliesslich Alberta), und dann legen Dundee und ich los. Neulich war es morgens so schoen, dass ich mich extra beeilt habe, um frueh rauszukommen – es gab noch ein bisschen Sonnenaufgangsstimmung. Auf dem Weg zu den See-Kuehen (es gibt auch noch die Barn-Kuehe und die Ost-Kuehe, jedenfalls in meinem Kopf, zur besseren Sortierung) fahren wir an einem Teil der Getreidespeicher vorbei. Es gibt noch mehr, direkt auf dem Hof. Nur damit ihr mal seht, dass das hier kein ganz kleiner Betrieb ist, denn ich „beaufsichtige“. Mit dem LKW transportiert der Bauer das Getreide vom Feld in die Speicher. Der LKW hat ein Fuehrerhaus mit Schlafkabine, Marke „Pro-Sleeper“. Wann er da schlaeft, der Bauer, weiss ich allerdings nicht. Dundee kennt natuerlich das Prozedere und rennt gern hundert Meter vorauf. Man sieht ihn klein auf dem Sonnenaufgangsbild, auf dem auch der See als ganz kleiner weisser Streifen zu sehen ist. Als ich an dem Tag so durch den Wald in den Sonnenaufgang und auf das freie Feld tuckerte, da dachte ich wirklich so bei mir: Einen Traktor, einen Hund, eine Aufgabe und einen Sonnenaufgang – was braucht die Frau mehr? Natuerlich aenderte sich das dann unmittelbar, als ich an eine ueberlaufende Traenke kam. Laestig und unromantisch – schlimmstenfalls waere der Dugout leergelaufen, weil die Kuehe irgendwie den Schwimmer verheddert hatten, so dass das Ventil nicht mehr schloss. Aber selbst ist die Frau, und ein Hirn hat sie auch, und so fiel mir die Loesung des Problems ein und ich reparierte die Traenke ohne Bauernhilfe. Sehr gut, Emma! Auf dem Rueckweg fuehrte mir Dundee noch mit Hilfe eines Kojoten vor, wie schnell er wirklich laufen kann – beeindruckend. Fand auch der Kojote und verschwand flinkoflugso im Wald. Der war deutlich groesser als Dundee, aber Dienst ist Dienst, und Kojoten muessen weg, also verfolgte der kleine Hund den dicken Kojoten mit vollem Einsatz. Ich sah den Kojoten am anderen Ende aus dem Wald kommen, und da fand auch Dundee, dass es genug sei und kam zurueck zum Traktor.

Zweimal schon habe ich auf meinen Touren einen Weisskopfseeadler gesehen. Beim ersten Mal sass er direkt bei der Scheune im Baum und guckte mir bestimmt eine Stunde lang zu. Und heute morgen war er bei den See-Kuehen im Baum. Adler mag ich. Und Raben. Und Kojoten. Und ueberhaupt.

Ach ja, und wenn ich so vor mich hin fahre, dann stehen die Knoepfe und die Geschwindigkeit auf Hase, jawoll. Schliesslich muss es ja vorangehen. Igel ist, wenn ich Ballen wie Golfbaelle in die Raufen platziere, da will man nicht zu hastig sein. Hole in one, sag ich nur. Ich bin ein kleines bisschen stolz auf meine neuen Faehigkeiten, falls ihr das noch nicht bemerkt habt. Und meine Freundin MJ erklaert mir, dass die wahrscheinlich gesucht sind – immer gebe es Bauern, die jemanden zum Kuehefuettern oder Heumachen suchen. Vielleicht tun sich da ganz neue berufliche Perspektiven auf, who knows?

Und waehrend ich so tuckere und meinen Spass habe, fuehren meine grossen Hunde im kleinen Haeuschen ein Hundeleben…

Aktueller Nachtrag zum Adler: Auf meine Frage an Gereon, was der denn so frisst, der Adler, meinte G: Lag nicht vielleicht eine tote Kuh irgendwo? – Hatte ich aber keine gesehen. Als ich den Adler zum dritten Mal antraf, da entdeckte ich dann auch die Raben – und fand die tote Kuh. Von der waren allerdings nur noch Knochen uebrig. Also zu spaet, um mich noch aufzuregen. Soviel zur Adlerromantik…

Und auch Nachtrag zum Igel: Der Igel ist angeblich, wenn ich denn eine Brille truege, eine Schildkroete. Habe ich aber immer noch nicht mit Brille ueberprueft. Den achten Gang rein – und los geht’s!

Und noch mehr Nachtrag: Inzwischen kann ich auch Ballen abwickeln, na ja, jedenfalls meistens. Das ist ein bisschen uebungsbeduerftig, manchmal widersetzen sie sich dem Vorderrad des Traktors, mit dem die Rollerei theoretisch erledigt wird. Aber seit ich auch die See-Kuehe fuettere, hat sich das ganze sowieso noch netter entwickelt, und ich nenne es jetzt nicht mehr Heu-Golf, sondern Bullen-Schubsen! Mit Heuballen. Es gibt am See vier dicke Hereford- und einen kleinen Angus-Bullen, der aber laut Cowboy Jim ein „Shit Disturber“ ist. Die Kleinen…