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Vegetationsperiode

Ich muss es kurz veröffentlichen: Gestern hatten wir die Ankündigung einer nächtlichen Tiefsttemperatur von 0°C. Gereon und ich haben hastig die Tomaten zugedeckt, so gut wir konnten – und heute morgen sind doch tatsächlich einige Kürbisblätter gewelkt! Und für heute Nacht gibt es Frostwarnung offiziell! Verflixte Hacke, da gehen sie hin, meine Milliausen Kürbisse, Zucchini und womöglich auch Tomaten, die ich eigentlich alle noch hätte ernten wollen. Wir sprechen also von einer Vegetationsperiode von 90 Tagen, gesät habe ich nach den Eisheiligen. Das ist echt gewöhnungsbedürftig.

Travels with my goat

Oder auch „The travellin‘ goat show“ – gestern hatten wir sie, und nu ham wer se, die „Neue“ .
Gibt’s nicht viel zu zu sagen, rein optisch: eine weiße Saanenziege, wie gehabt, allerdings mit ziemlich zerfetzten Ohren, wie man vielleicht sehen kann, ein bisschen dünner als unsere beiden Damen waren, dafür aber mit noch längeren Hörnern versehen. Innerlich scheint sie ein netter Mensch zu sein, lässt sich sehr leicht, wenn auch noch ungern von mir melken, vor allem das Leichtgängige tut meinen geplagten Fingern gut! Wir hatten eine interessante Rückfahrt, die Ziege angebunden auf dem umgeklappten Rücksitz des hundertjährigen Mazda, weil doch der Ford Pickup streikt. Doch ich muss sagen, sie hat sich auf diesen 175 km ausnehmend gut benommen, war völlig trocken, hat nicht gemeckert und war eine angenehme Beifahrerin. Zu Hause ist sie elegant rausgehüpft, hat sich brav an der Leine zum Heufeld führen lassen, wo sie freundlich Gereon guten Tag gesagt, ein bisschen Heu getestet hat und dann zu den neuen Teenie-Kollegen gestiefelt ist. Im Moment muss sie noch an einem Baum angebunden fressen, aber ich denke, wir werden sie schon bald mit den Verbrechern laufen lassen können. Leider gibt sie derzeit ziemlich wenig Milch, weil die Ziegen bei Sam und Corinne schon auf magerer Weide waren, wir hoffen, sie noch wieder ein bisschen päppeln zu können. Und sie hat noch keinen Namen! Hieß die Tante von Graham nicht Augusta?

Erntezeit

So, nu hab ich immer soviel gejammert. Jetzt will ich mal Bilder, ein paar, von der Ernte schicken. Heu gibt’s genug, wenn die Bauern es trocken reinkriegen. Gereon hat das erste Viertel noch nicht geschafft – es ist unendlich viel zu mähen und zu wenden und reinzufahren mit diesen High-Tech-Maschinen. Und spätestens alle drei Tage regnet es. Doch die Haystacks werden mehr und mehr, derzeit 49 (von mindestens 160 zu machenden). Und neulich gab’s doch auf der Wiese eine unerwartete Leckerlichkeit
Ich hab gleich welche getrocknet und andere gescheibelt eingefroren, aber die meisten haben wir gegessen. Eimerweise wären sie da gewesen, wenn wir Zeit gehabt hätten. Zwei Eimer aber hatten wir bestimmt. Dann wurde es wieder trocken, und vorbei war die Herrlichkeit. Aber vielleicht kommen sie noch mal – die schönsten Champignons.
Und dann legen ja nun auch die Hühner – 4 bis 6 Eier am Tag. Marketing-Ideen müssen bald her. Aber am schönsten, finde ich jedenfalls, ist die Honigernte. Tilly, die Nachbarin, hatte Gereon gebeten, für sie Wabenhonig zu produzieren. Die Bienen waren sehr kooperativ, und nun verkauft Tilly diesen Wabenhonig stückchenweise für gutes Geld auf dem Farmers Market, und wir teilen uns die Einnahmen. Letzten Sonntag haben wir dann zum ersten Mal unseren eigenen Honig geschleudert. Schon beim Hochnehmen der Zargen sieht man, wie fleißig die Damen waren . Und so richtig schön sahen die meisten Waben aus Zwar nicht spektakulär, doch hier fließt er, der gute Kleehonig „Canadian #1 White Honey“
Besondere Beachtung verdienen übrigens die Rähmchen und Kästen und Deckel, die man auf den Fotos erkennen kann: Gereon hat ja gearbeitet wie ein Wilder und fast alles selbst gebaut. Das find ich schon arg klasse!
Es könnte dieses Jahr laut Aussagen von Bob Ballard, meines Imker-Chefs, eine sehr gute Ernte geben. Nur, damit ihr mal die Dimensionen wisst: Neulich haben wir 4 Runden + 1 Schleuder geschleudert, das heißt 4x drei Honigschleudern + 1 à etwa 100 Honigwaben bzw. Rahmen. Heraus kamen etwa 9 Fässer Honig à ca. 300 Kilo pro Fass, macht also 2.700 Kilo. Das hat man so in 5 Stunden etwa erledigt, vielleicht auch schneller. Ein Haufen Zeugs, fällt mir gerade selbst auf! Dann mussten wir aufhören, weil alle Tanks voll waren, leider! Wenn ich mich nicht verrechne, macht das ein durchschnittliches Wabengewicht von etwa 2 Kilo, aber viele sind deutlich leichter oder praktisch leer, andere dafür um so schwerer! Und die meisten hab ich angehoben!Könnt ihr euch vorstellen, was ich dabei für Muckis kriege? Boah ey!

31. Juli im Sommer…

…was ist denn da los? Hier rufen die Hühner was von den Bäumen . Und alle kommen . Singen wir schon? Nein. Erst wird gebadet Der Herr Hö. kommt auch gerade erst vom Heufeld Und Nini und Pup haben noch zu tun Aber einen Blumenstrauß haben wir schon entdeckt, aus meinem Lieblings-Alfalfa und Astern , die hier freundlicherweise ums Haus herum im Wald wachsen. Zu essen gibt’s natürlich aus dem Garten, nämlich mindestens Rotkohl und Salat (Romana wegen der mehreren Nährstoffe, sagt meine Ärztin, jawoll!) . Tja, und Mama stiftet den Bienenstich
ALLE GUTEN WÜNSCHE ZUM GEBURTSTAG VON MIR UND DER RESTLICHEN KANADAFRAKTION!!

Dairyland ade again!

Wir kriegen eine neue Ziege! Die netten Glausers tauschen zwei Zicklein gegen eine melke Ziege, das ist sehr nett, find ich. Es sei keine Spitzenproduzentin, 2 Liter pro „Melkung“ etwa – was ich ja prima finde.
Ich habe nämlich, während mein Frühstück kocht, nochmal auf die Milch geguckt, die wir ja jetzt wieder kaufen mussten. Also, die Milch besteht aus teilweise entrahmter Milch, Vitamin A und Vitamin D. Das geht ja noch. Milch mit natürlichem Fettgehalt gibt’s ja hier nicht. Aber man höre und staune: Die schlichte Schlagsahne, die der Mensch ja zum Kochen doch mal gern verwendet, besteht aus 5 bis 7 Zutaten!!! Haben die einen Knall oder nicht?
Gesundheit geht ihnen ja über alles, deswegen futtern sie auch immer Nahrungsmittelergänzung und vergiften alles, was sich bewegt und leben von Antibiotika etc.pp. Aber gestern haben sich in Ontario welche mit E-coli vom Rindfleisch (natürlich aus Alberta 😉 umgebracht, weil sie dann wieder anscheinend nicht in der Lage sind, sich die Hände zu waschen, nachdem sie mit dem ekligen Zeugs umgegangen sind. Was soll man dazu sagen?!?

Kopf hoch!

So, nachdem diese schlechte Woche (hier flucht man ja nicht, statt sh.. sagt man also shoot, jawoll!) vorbei ist, hoffen wir auf bessere Zeiten. Wenigstens haben die Hühner angefangen zu legen, wenn auch nicht an den designierten Plätzen, sondern neben der Haustür hinter dem Hauklotz. Na ja, man ist ja schon für kleine Freuden dankbar. Und ab morgen werde ich noch einen zweiten Job antreten, wie alle guten, armen Nordamerikaner. Ich werde bei Ballards im Honey House arbeiten und – oh Graus – vielleicht auch den Bee Blower, euphemistisch-englisch für Laubpüster, betätigen und die Bienen von ihren Honigwaben scheuchen. Lieber allerdings wär ich glaub ich im Honey House, auch wenn’s da laut ist. Die Bezahlung ist auch nicht so wirklich berauschen, dafür aber macht man lange Tage, kloppt also Stunden, und unterm Strich bleibt hoffentlich mal bald was hängen.

Hier sind die Kolkraben gerade wie bekloppt, ich hoffe, dass wir nicht irgendwie noch ne Leiche rumliegen haben. Aber vielleicht unterstützen sie nur unser Heuschrecken-Boden-Jagdgeschwader (die Truter in Phalanx-Formation) aus der Luft, wer weiß. Wenn ich geahnt hätte, dass es solche Massen von Schrecken hier gibt, hätt‘ ich glaub ich für mehr Truter plädiert, die man dann hätte verkaufen können. Die Wiese und überhaupt alles wimmelt von hüpfendem Protein – 100 kriegten wir locker groß und dick und fröhlich.

Tallulah ist tot

Unsere schöne Tallulah hat einen Ausflug in die Hafersäcke nicht überlebt. Wir haben leider die Gefahr gewaltig unterschätzt und nicht sofort massiv eingegriffen, als die Mädels am Morgen nach der Tat heftig geschissen haben, und nachmittags verschlechterte sich die Lage trotz eingeflößtem Medikament und vielen freundlichen Tipps von Rudi drastisch, und Tallulah hat es nicht geschafft. Odette kämpft noch, und wir hoffen, dass wir wenigstens sie durchkriegen. So ein überflüssiger Tod! Macht einen schon arg traurig.

9.30: Odette nun auch. Wir hatten ein sehr trauriges Frühstück, doppelte Tragödie, hässliche Tode für die beiden netten Ziegendamen, und die Aussicht auf mindestens 10 ziegenmilch-freie Monate. Und natürlich machen die vier Waisenkinder jetzt erstmal nur Blödsinn, sie sind ja wie ein Schiff ohne Segel und Ruder. Aber Corinne, unsere Ziegenverkäuferin, hat mich gerade schon ein bisschen getröstet. Vielleicht können wir zwei Lämmer gegen eine melke Ziege tauschen, das wär ein kleiner Trost.

Twister

Fahr ich doch gestern nach Grande Prairie. Schlechter Tag – ich hatte die Hälfte vergessen, und das Wetter war beschissen, und ich hatte schlechte Laune und kein Geld und es gab keine schönen billigen Bücher und überhaupt fand ich die Welt böse. So gegen 14.00 war ich wieder zu Hause. Etwas später kam Gereon mit dem Radio rein, und ich hörte was von „touch the ground“, verstand aber nix. Was war? Ein Tornado in Grande Prairie, den ich um etwa eine Stunde verpasst habe – der Tag hätte also noch viel schlechter sein können. Es gab umgekippte Autos, teilweise auch auf Hausdächer gehoben, natürlich jede Menge rausgerissene Bäume, abgedeckte Dächer, ein kleines Feuer, jede Menge Sachschaden, glücklicher- und völlig überraschenderweise keinerlei verletzte Menschen. Der neue Chef war in der Stadt, er sagt, sein Puls sei den ganzen Tag nicht wieder runtergegangen. Bilder hat zwar der Chef, aber ich leider nicht, kann im Netz (noch) keine finden. Für heute ist auch noch bzw. wieder eine Tornado Watch in Kraft. Man hält dann immer Ausschau nach „funnel clouds“, und dann geht man gefälligst sofortissimo in den Keller – so man einen hat. Denn wenn die „funnel clouds“ den „ground touchen“, dann wird’s fies. Tja, so isses hier auch.

Bülder

Vor allem auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Herrn (Schu.) stelle ich hier jetzt mal in der Eile ein paar Gartenbilder etc. ein, hinter den Fragezeichen, weil ich keinen Bock hab, die alle zu verkleinern etc. Hier zu Hause herrscht nämlich das „Böse“, sprich, die Tochter des Hauses ist für eine Woche etwa hier eingefallen und hat, ohne mich zu fragen, „meine“ Küche sortiert. Wer weiß, wie ich Käse schneide und meine grenzenlose Toleranz kennt, kann sich vorstellen, in was für eine Laune mich das versetzt. Sogar mein arg duldsamer Gereon wird zickig darüber! Deswegen werde ich gleich melken und dann in die Stadt fliehen, und den Anzeichen zufolge wird ES bei meiner Rückkehr wieder verschwunden sein! Obwohl es nämlich eine rasend unangenehm laute Stimme hat, spricht es mit mir kaum – warum wohl ? 😉 Und nachdem Gereon einem Hund, den es mitgebracht hat und der mehrfach unsere Hühner gejagt hat, ohne dass es ernsthaft eingegriffen hat, auf frischer Tat ein Stück Holz versehentlich so zwischen die Augen (ist wohl ein guter Schütze) geworfen hat, dass er kurzfristig taumelte, hat es den auch nicht mehr so lieb. Tja – shit happens!
Hier regnet es ohn‘ Unterlass, das Regenmesserle war voll (5 Inches) und jetzt sind schon wieder 1 1/2 Inches drin!
Aber trotz langsamem Regenüberdruss und feindlicher Invasion und UNKRAUT (ohjeohjeohje – alles voller stinkweed da, wo mein Salbei und Blumen sein sollten – das hab ich aufgegeben!) haben wir überwiegend Spaß, der Herr Hö. mit „seinen“ Kindern, und ich mit „meinen“. Los geht’s! Ach ja, und weil es so usselig ist (Temperaturen von +9°C), bastelt der kleine Hund schon an seiner Rheumadecke.

Anwesen im Vergleich

Dies nur mal so als kleines Muster der Bandbreite (die ja der Geschmack bekanntlich ist…) Viele der Anwesen mit Nebengebäude, die ich inzwischen kenne (unser eigenes hier ja leider inbegriffen), sehen so oder so ähnlich aus (zuerst das Wohnhaus, dann die „Garage“) In diesem Haus wohnt ein sehr netter Mensch!
Dann am Sonntag das totale Kontrastprogramm: Fritz und Linda, er aus dem Allgäu, sie aus dem Schwäbischen, 1961 ausgewandert, er Schreiner, sie Gärtnerin, beide so was von deutsch, wie man es sich kaum vorstellen kann. Den ganzen Tag läuft ein deutscher Auswanderersender (Radio Herz!!), und man äußert sich abwertend über all die „Pakis“, die einfach so ins Land gelassen werden. Selbstgemachtes Bier und selbstgemachter Wein wurden auf den Tisch gebracht. Dazu musste Gereon einen selbstgebrannten Schnaps probieren, und dann noch eine andere Sorte, und dann hat er dankend abgelehnt… Ich fühlte mich gleich wie zu Hause (in Deutschland!). Doch wir wurden mit einer enormen Gastfreundschaft empfangen und verabschiedet mit dicken Salatköpfen und himmlischen kleinen Fingerle-Speckkartöffelchen (festkochend, was es sonst hier nur auf Antrag gibt!) Das ganze Haus ist picobello, NIRGENDWO ein totes Auto, ordentliche Hühnerställe, überhaupt alles ordentlich – und ein riesiger, bestens gepflegter Garten. Linda will bei mir Rhabarber holen, ich glaub, ich trau mich gar nicht, die reinzulassen, die kriegt bestimmt Herpes schon auf der Auffahrt! Ach ja, und das Haus ist natürlich ein Blockhaus, was man auf dem Bild nicht richtig erkennen kann.