Archiv der Kategorie: Kanadisches

Noch ein Mal…

Board Meeting fuer den Farmers‘ Market

IMG-20130902-00938Ordnungsgemaess, wie das hier viele tun, trafen wir uns bei Timmie’s (Tim Horton), einer urspruenglich kanadischen Kaffee/Bagel/Donut-Kette. Was in Nuembrecht frueher das Cafe Heckmann war, ist hier Tim Horton’s. Na ja, vielleicht nicht ganz. Aber Hinz und Kunz, Alte und Junge, Durchreisende und Einheimische sitzen dort ueber Kaffee aus Pappbechern, gruseligen Kaltgetraenken aus merkwuerdigen Plastikbehaeltnissen und suessen oder nicht so suessen Backwaren, mittags auch ueber Suppe. „Meine“ Maedels und ich hatten eine letzte Grossbesprechung, damit die Geschicke des Farmers‘ Markets in gute Haende kommen. Jetzt noch zwei Maerkte fuer mich, und dann ist das auch erstmal erledigt.

Und noch ein Mal…

IMG-20130903-00941Ziegenmilch am Muesli. In den Zeiten der Milchschwemme hatte ich die ueberschuessige Milch eingefroren und bin jetzt an den letzten Tueten. Da werde ich schon sentimental und manchmal ueberlege ich so vor mich hin, was es denn wohl in Deutschland fuer Milchziegen gibt… Ich klopfe mir dann aber sofort mental auf die Finger. Und gucke stattdessen Webseiten von Hundezuechtern an. Der Mensch braucht Optionen.

IMG-20130903-00946Draussen gibt es auch schon ganz viel Abschied. Gestern abend sassen wir, wie an jedem der letzten paar Abende, wieder draussen am Feuer und warteten auf die recht zahlreichen Fledermaeuse, als wir Zugvoegel hoerten. Bob erklaerte uns, dass es sich um White-Fronted Geese handelt, in Europa heissen sie Blaessgaense. Und waehrend wir noch so sassen, zogen Hunderte von diesen Voegeln ueber uns. Ob die mehr ueber’s Wetter wissen als wir? Sie kommen allerdings vom Nordmeer und muessen noch bis in den Sueden der USA, hatten also noch gut zwei Drittel oder so vor sich.

IMG-20130903-00948 IMG-20130903-00947Die Baeume veraendern sich langsam, das Wetter ist so, wie ich es am allerschoensten finde, sonnig, blau, frische Naechte, warme Tage. (Gerade schaue ich auf den Wetterbericht, und der sagt fuer morgen 28 Grad voraus. Ja, wer will denn sowas?)

Ich freue mich sehr auf Deutschland, aber ich bin auch wehmuetig, und sogar der Winter hier fehlt mir jetzt schon. Da kam die gestrige email sehr passend, die mir mitteilte, dass meinem Antrag auf Beibehaltung der deutschen Staatsangehoerigkeit stattgegeben wurde, und das nach nur sechs Wochen Bearbeitungszeit. Wow! Das nenne ich Service, denn genannt worden waren mir bis zu sechs Monate. Ich warte jetzt auf das Eintreffen der Urkunde, hoffentlich vor meiner Abreise, und dann werde ich den kanadischen Antrag losschicken. Auf der entsprechenden kanadischen Website werden derzeit 25 Monate als moegliche Bearbeitungszeit angegeben. Das wuerde ich aber lieber schneller haben…

Muetter unterbewertet!

IMG-20130829-00935Aus der „Merkwuerdigkeiten“-Serie. Und ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob es auf die Muetter in Toepfen nochmals 15% Rabatt auf die $15 gibt – das waere ja unglaublich. (Gemeint sind aber „mums“, die auch hier um diese Jahreszeit allgegenwaertigen Chrysanthemen in Toepfen.)

Viel schoener als Muetter in Toepfen fand ich das hier vor dem Farmers‘ Market – abends, als ich zumachte, waren die Blueten verschwunden. Abgerissen, abgetreten? Schade.

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Eine merkwuerdigkeit, zb

Leider durch die frontscheibe (ja, sie hat einen sprung, ich weiss) und unscharf. Der fahrer ist ein durchaus alter mann, der ueber den sears-parkplatz humpelte, dann aber mit schwung vor mir her fuhr. In seinem verbeulten, mit rolle oder pinsel gestrichenen uralt-ford, der hinten gitteraufsaetze hat, ausserdem eine hinter dem fuehrerhaus eingehaengte winde, die anscheinend die heckklappe haelt. Sicherheitshalber sind um das gestell hinterm fuehrerhaus noch seile, ketten und drahtseile gewickelt – you never know, eh? In einem rohr an der box hinten links steckt eine axt. Beim deutschen tuev wuerden sie gleich herpes kriegen, ich bin sicher!

Nochmal starbuccaneers draussen!

Wer weiss, wann ich das in der huebschen umgebung von grande prairie wieder geniessen kann. Auf dem parkplatz steht naemlich madame delphine mit der ebenfalls abgelichteten riesenkiste. In diese wird zora am 27. september einsteigen, und dann fliegen wir gemeinsam nach amsterdam. Ich habe ein rueckflugticket fuer maerz, zora nicht 🙂 Ich laufe mit abschiedsaugen durch die gegend und knipse merkwuerdigkeiten.
Und ich freue mich auf weihnachtsmaerkte, jawohl, mit gluehwein, jawohl. Und vorher aepfel pfluecken. Pflaumen werden wohl schon ab sein. Buntes laub. Deutschen nebel (na ja, maessige freude da.) Und viele baerenfreie spaziergaenge. Und dann schauen wir mal weiter.

Wenn das Wetter schoen ist…

Hier noch einmal ein kleiner Bilderbogen vom schoenen Wetter in den letzten Tagen. Im Moment ist es leider schon wieder grau, also heute mal wieder kein Honig. Oder Strom.

Auch prae-Puma, als die Welt noch in Ordnung war, hatte ich schon leicht beunruhigende Erlebnisse. Dieser Heustapel, den Reto dankenswerterweise sehr schoen aufgeschichtet und mit einer Plane abgedeckt hatte, diente Ziegen und Schweinchen schon lange als Schlafplatz, d.h. man kroch unter die Plane und entzog sich dort den Blicken und dem Wetter. Dabei blieb natuerlich nicht alles ordentlich, und so kam ich eines Tages vom Hundespaziergang zurueck und alles war kollabiert. Eine sofortige Zaehlung der Haeupter meiner Lieben ergab: Lili fehlte. Ich rief und rief und rief, aber keine Lili. Also hab ich Heu abgeraeumt. Als ich fast alles auseinander hatte, kam Lili von ganz weit weg (heute wissen wir: aus Puma-Land) angerannt. Die Ziegen fanden und finden die neu gestalteten Heu-Alpen himmlisch. Ganz oben links Tinki, die nun verbuddelt im Wald liegt, wie der Chef gestern in einer nervenaufreibenden Expedition feststellte. Das Tolle ist naemlich, dass auf dem Container Dachblech liegt, das wunderbare Toene macht, wenn man mit Schmackes die Heu-Alpen hochrennt und dann mit groesstmoeglichem Schwung auf das Dach springt. Ausserdem kann man bisher unberuehrte Fichtenzweige knabbern. Nur das Lama findet das ganze total daneben: Ziegen in der Hoehe sind einfach nicht richtig, und es muss schnorcheln und probespucken und sogar auf die untersten Ballen klettern.

IMG-20130802-00857Unsere hofeigene Pythia orakelt derweil bei der Feuerstelle. Hector liebt den Rauch, wer weiss, was in seinem huebschen Koepfchen dann vorgeht.

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Letzten Montag haben wir zum ersten Mal fuer dieses Jahr eine kleine Runde um den See gedreht. Es ist fast Tradition, dass wir das mindestens zweimal im Jahr tun, aber dieses Jahr hatte es noch nicht geklappt. Und auch am Montag war es streckenweise interessant, denn die Strasse war durch die vielen Regenfaelle nur mit Allradantrieb zu befahren, und auch das manchmal nur knapp. Die Gegend um den See ist ein bisschen huegelig, und ich mag sie sehr. Und jetzt steht am Campingplatz (der praktisch leer war) eine Bank auf dem Anleger – sehr nett. Es gab (Hauben)Taucher und Pelikane, dicke Fische im Wasser und wenig Moskitos. IMG-20130729-00839 IMG-20130729-00841 IMG-20130729-00842 IMG-20130729-00847 IMG-20130729-00850Am Sonntag dann zog es uns Richtung Nose Creek, etwa 250 km von uns in Richtung Rocky Mountains. Auf der Karte sieht man die senkrechte Linie, die Grenze zu British Columbia, und am linken Rand die ersten Gipfel der Rockies bzw. die Foothills. Das Wetter war im Westen schoener als bei uns. Auf dem Rueckweg fuhren wir dunkle Wolken, wurden aber mit einem doppelten Regenbogen belohnt.

road to nose creek IMG-20130804-00870 IMG-20130804-00873Derweil zuhause 🙂

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North Country Fair 2013

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Was fuer ein Unterschied zu 2011! Strahlender Sonnenschein fast den ganzen Samstag, den wir, MJ und ich, auf der North Country Fair verbrachten. Noch besser als die Musik fand ich – wie auch beim letzten Mal – das People-Watching, Leute-Gucken. Einfach wunderbar.

Es gab Menschen aller Formen, Farben und jeden Alters. Eine alte Dame mit ihrem Elektro-Rolli musste hin und wieder angeschoben werden, wenn der Rolli die kleinen Erhebungen nicht schaffte. Einige aeltere Herren haetten sich vielleicht vor einigen Jahrzehnten besser ueberlegen sollen, wie es aussieht, wenn sie – nur mal so als Beispiel – mit einem Stones-Sticky-Fingers-Tattoo auf der weissen, wabbeligen Brust rumlaufen. Auffaellig war, dass Kilts eindeutig „trenden“. Vor zwei Jahren gab es ein paar wenige, dieses Jahr bestimmt ein Dutzend. Das Gelaende war bis jetzt wunderbarerweise von der allgegenwaertigen Raupenplage verschont geblieben, und den Moskitos muss jemand mit der Chemiekeule zu Leibe gerueckt sein, denn es gab keine. In diesem Fall wollten wir ueber den Chemieeinsatz ausnahmsweise nicht klagen.

IMG-20130622-00744 IMG-20130622-00775 Big Lakes-20130622-00773 IMG-20130622-00779 IMG-20130622-00749 IMG-20130622-00747 IMG-20130622-00745 IMG-20130622-00760 Big Lakes-20130622-00771 IMG-20130622-00781 IMG-20130622-00762 Big Lakes-20130622-00769 Big Lakes-20130622-00774 IMG-20130622-00756 IMG-20130622-00754 IMG-20130622-00753 IMG-20130622-00752 IMG-20130622-00784 Big Lakes-20130622-00786Schoen war’s!

Zu Hause haben wir noch bis halb zwoelf am Feuer gesessen, dann wurden uns die Moskitos trotz vieler Klamotten und Sprayeinsatz zu dolle. Das Foto ist von 23 Uhr.

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Meet the neighbours – Mama and the Mechanics

Zuerst hat uns dieses juengere Wesen eine Kamera „unfachmaennisch abmontiert“.

M2E77L215-216R385B331Also kam die verbleibende Kamera an diesen Platz. Und dann tauchten Mama and the Mechanics auf, dieselben, die sich schon voriges Jahr mehrfach hatten ablichten lassen und auch da eine Kamera abmontiert hatten. Tztz! Die haben bestimmt keine Haftpflichtversicherung fuer derlei kleine Unfaelle.

M2E77L226-224R378B324M2E77L226-224R378B324M2E77L225-224R378B324M2E77L225-224R378B324Nach diesem Foto drehten die beiden nochmal um, man sah einen „Arm“ und danach wieder viel Himmel… Und jetzt ist keine Kamera mehr vor Ort.

Heute morgen dachte ich darueber nach. Wahrscheinlich sind diese Nachbarn uns oft raeumlich naeher als die Menschen-Nachbarn, auch wenn wir sie nicht sehen. Selbst Gereon, der ja sehr entspannt im Busch ist, warnte Kathrin und Reto eindringlich, die Baerin nicht unbedingt aus der Naehe anschauen zu wollen, sondern beim Entdecken sofort den Rueckzug anzutreten. Ich habe sowieso einen Heidenrespekt vor ihr. Gleichzeitig dachte ich so bei mir, dass wir uns wahrscheinlich in unseren Ansichten naeher sind als ich der Menschen-Nachbarin (und erst recht dem Nachbarn) meist bin. Ich find’s schoen, dass du da bist, Nach-Baerin, mit deiner Familie. Lass uns nur jede auf ihrem Weg bleiben.

Kein Fensterplatz fuer Elche

walters elchFreund Walter (Schmitten im Hochtaunus, derzeit Grande Prairie) mag es Kanadisch, und so ziert schon laenger diese nicht winzige Elch-Handpuppe sein jeweiliges Fahrzeug. Bei seinem Wochenend-Besuch berichtete er, dass er neulich morgens, so gegen 6:35 Uhr, in Grande Prairie zur Arbeit fuhr, korrekt knapp unter 50 in der Stadt, weil er wusste, dass an der Stelle, die er passierte, haeufig die Polizei mit dem Radargeraet stand. So auch an diesem Morgen. Walter pruefte kurz den Tacho, alles im gruenen Bereich! Im Rueckspiegel sah er, wie einer der Polizisten zu seinem Auto rannte und losfuhr, und Walter vermutete, dass der nach ihm Fahrende wohl zu schnell gewesen sein musste. Gross war sein Erstaunen, als ihm ein weiterer Blick in den Rueckspiegel deutlich machte, dass das Blaulicht-Feuerwerk ihm galt. Er fuhr rechts ran, der Polizist stieg aus, kam flott zum Auto marschiert, guckte auf den Ruecksitz – und schlug mehr oder minder gackernd die Haende ueber’m Kopf zusammen. Im Gespraech klaerte sich, dass der Mann geglaubt hatte, in dem vorueberhuschenden Autofenster einen Menschen zu sehen, der auf der Rueckbank lag und mit Handschellen irgendwo ueber’m Fenster angetackert war… Walter wunderte sich nicht schlecht, aber er verkniff sich, den Polizisten nach dem Grund fuer die bereits am fruehen Morgen aufgesetzte dunkle Sonnenbrille zu fragen. Man lachte froehlich  noch ein bisschen weiter, und dann meinte der Polizist, wo man nun schon einmal am Rand geparkt sei, wolle er doch auch gleich mal Walters Papiere ueberpruefen. Das war schade. Walter fuhr naemlich ohne, und sein Fuehrerschein, den er gar nicht dabei hatte, war sowieso abgelaufen. (Dazu muss man sagen, dass das nicht Walters Verschulden war, sondern eine weitere kanadische Behoerdenmerkwuerdigkeit und eine andere laengere Geschichte.) Auch die Anmeldung und die Versicherungspapiere lagen sicher bei Walter zuhause. Zwar liess sich der Polizist davon ueberzeugen, dass es all diese Papiere gibt (er war naemlich, wie sich herausstellte, deutscher Abstammung und mit einer Europaeerin verheiratet, man hatte also viel Gespraechsstoff), aber er folgte Walter dennoch bis zu dessen Arbeitsstelle, um die Angaben zu ueberpruefen – und schrieb ihm einen Bussgeldbescheid ueber $171! Teure Elch-Fahrt. Der Elch sitzt jetzt mitten auf der Rueckbank, in der Aussparung fuer die herunterklappbare Armlehne.

Ich wollte SO eine Bruecke!

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Hab extra diese wunderbare Zeichnung gemacht! Die beiden (ZWEI, in Zahlen 2) Maenner, die damit beschaeftigt sind, beschieden mir unabhaengig voneinander, aber uebereinstimmend, dass man erst mal den unteren Teil bauen werde. Und dann legten sie los, der Herr Chef und Reto, der Schweizer Zimmermann, der uns – ein bisschen wie ein Lottogewinn – ins Haus geflattert ist. So wird jetzt tagsueber gebaut, Heu geholt, Brennholz gemacht, waehrend trotzdem der Chef noch Bares verdienen gehen und ich Tiere und Haushalt versorgen kann (letzteres – na ja…) Am liebsten wuerde ich Retos Pass einziehen, aber das ist wohl leider verboten oder zumindest unanstaendig.

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Zwischendurch mussten der Chef und ich  mal schnell nach Edmonton, unsere Reisepaesse neu beantragen. Auch dort gibt es Baustellen, aber nicht so schoen wie unsere. Wohneinheiten, direkt an der Whyte Avenue, direkt an der Bahnlinie. Gereon sagt natuerlich: WER will denn DA wohnen?

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Immerhin aber sassen wir gleich nebenan im Restaurant Under the High Wheel, neben dem netten Bioladen Blush Lane und genossen Bangers and Mash (Bratwuerstchen, Kartoffelpueree, Spiegeleier – fuer den Chef natuerlich) und Borschtsch und ein Salattrio, dazu Wasser aus schoenen Flaschen und um uns herum so viele anders aussehende Menschen, dass es sogar Gereon auffiel. Sowohl der Bioladen als auch das Restaurant befinden sich in einem Gebaeude, in dem es lauter interessante Dinge gibt, Roots on Whyte. Es geht also schon was Nettes, wenn sich nur das rechte Publikum einfindet. Aber wohl eher nicht in Valleyview…

Aber wenn ich erstmal meine Bruecke habe, dann vermiete ich die fuer Hochzeiten, mit Moskitobegleitung, und dann werde ich reich und dann bauen wir auch ein Community Centre – waer doch nett, oder? Bis dahin pussele ich weiter hier vor mich hin und versuche, dieses Jahr wenigstens wieder einen Gemuesegarten zu haben. Neben mir stehen immerhin schon vier Tomatenpflaenzchen und noch einiges andere essbare Gruenzeugs. Der Himmel ist blau, Reto holt Heu, Tom Waits singt, und ich mach mir jetzt mal noch ne Kanne Tee. Vor uns liegt das May Long Weekend, Montag ist also frei, und es hat sich mehr Besuch angekuendigt. Freut euch am Fruehling, wie ich hoere, regnet es in Deutschland schon wieder…