Sommerschluss-Zusammenfassung

Es ist usselig kalt, und ich sitze im Bett, und Gereon hat schon eine Erkaeltung, und ich arbeite an einer. Nur, dass die Rahmenbedingungen mal klar sind. Aber das ist eine gute Ausrede, einfach hier sitzenzubleiben und endlich mal nachzuholen, was einige aus der werten Leserschaft immer mal wieder anfragen. Nur, wo anfangen?? Ich organisiere in Unterkapitel. Zuerst das Wetter, weil das ja immer das erste Thema ist.

Wetter
Einige Zeit (genaue Zeitraeume kann ich nicht behalten, alles fliesst hier ineinander, zumal, seit ich „arbeitslos“ bin) hatten wir perfektes Herbstwetter, der Himmel microsoft-blau (das bietet sich gerade so an, am Computer…) und die Baeume nach und nach gelber und gelber. Die Temperaturen waren genau richtig, nachts frisch und knackig, aber noch kein Frost, und tagsueber einfach wunderbar. (Ich merke schon, das wird nix mit den Kapiteln, immer faellt mir was anderes ein.) Das schoene Wetter war naemlich auch da, als wir einen weiteren Besuch von einem jungen Mann mit Begleitung hatten, der der hiesige Experte fuer kleine Waldbesitzer ist (Woodlot Extension Spezialist). Hiesig heisst in diesem Fall, dass sein Gebiet – ich rate mal – ungefaehr halb so gross ist wie Deutschland, na, vielleicht auch nur ein Viertel, aber jedenfalls riesig. Das ist Doug, mit dem ich auch in Fort St. John zwecks Birkensirup-Bildung war. Doug hatte ja unser Land sehr gut gefallen, und so kam er zu einer zweiten Begehung die_waldschrate.jpg und brachte einen Kollegen mit, links im Bild hinter dem Baum, und noch einen Woodlot-Menschen, Juri, der urspruenglich aus Deutschland kommt und jetzt seit sieben Jahren mit seiner Familie bei Peace River u.a. eine Reining-Pferde-Zucht und einen Trainingsbetrieb fuehrt. Das wollen wir uns natuerlich sehr gerne mal anschauen, zumal Juri auch einen Esel und eine Jersey-Kuh abzugeben haette…. Ich bin schon ganz aufgeregt. Doch die Zeit ist immer so knapp. Jedenfalls kam noch Freund Bob hinzu, und wir verkosteten erst einmal den Birkensirup. Keiner ist wirklich hingerissen, stellt sich heraus. Wir muessten Unmengen Baeume verbrennen, um ein paar Liter Sirup zu bekommen, den ich dann noch nicht einmal mit Ueberzeugung anpreisen koennte, weil ich ihn ziemlich unlecker finde. Also dieses Projekt, zumindest fuer mich, erst mal gestorben. Viel lieber woellte man doch Wein aus dem Saft machen, das scheint mir sinnvoller, weil ergiebiger. Gestaerkt brachen wir dann zu einer stundenlangen Wanderung durch den Wald auf. Das ist schon sehr schoen im Herbst, und in einer Gruppe von 6 habe sogar ich keine Angst vor Baeren. Juri, gelernter Forstwirt oder so was, kennt saemtliche Pilze, so scheint es – und wir haben jede Menge. Schade, dass man das nicht so im Voruebergehen mit lernen kann.
Das Gehen im Busch ist muehsam, und die Biber haben noch einige Daemme in den Weg gelegt. doug_bohrt.jpg Hier, wo Doug eine dicke Balsamtanne anbohrt, kann man an seiner Hose sehen, wie tief das Wasser war – und es war frisch. Keiner hatte trockene Fuesse, und die meisten mussten ihre Gummistiefel auskippen. Wir hatten viel Spass!!! heimweg.jpg Auf dem kurzen Rueckweg ueber unsere Strasse kann man sehen, dass ein Schredderteil von der Gemeindeverwaltung am Weg war. Der suedliche Strassenrand wurde freigeschnitten, mit enormem Laerm und viel Baumbeschaedigung. Gereon meint, das haette er in der halben Zeit viel ordentlicher machen koennen. Aber so isses hier, Hauptsache grosse Maschinen.
Wir erhoffen uns nun von Doug ein paar Anregungen, was wir – ausser Birkensirup – noch mit unserem Wald machen koennten. Moeglichkeiten gaebe es jede Menge, aber die meisten sind mit Anfangsinvestitionen verbunden, und das geht im Moment nun mal nicht. Na, wir schauen. Langweilen muessen wir uns sowieso nicht, denn es gibt ja noch

Die Baustelle
Hatte ich geschrieben, dass Gereons Chef sich zum Helfen angedroht hat, mit 5 Mann hoch? Das macht mich ganz nervoes. Deswegen, und auch, weil die Woodlot-Menschen kamen, habe ich bei schoensten Wetter vor ein paar Wochen erst mal den Pinsel geschwungen, und mit Martha’s Inspirationen meine Kuechenarbeitsplatten verschoent (und leichter zu saeubern gemacht). kueche_gestrichen.jpg Einmal gut, dass diese Martha eine so liebe Freundin ist. Dann hat Gereon endlich Bauholz bestellt, d.h. nachbestellt. Wir erinnern uns: Voriges Jahr hatten wir ja schon mal hohe Stapel liegen, aber das ist in der Zwischenzeit ja in einige andere Projekte gegangen, wie das halt so noetig war. Arvid kam also mit dickem Truck und Riesenanhaenger und fuhr kuehn und mutig bis vor das Poleshed bauholz.jpg Dann flugs abgeladen, und dann wollte er wieder raus. Da war aber die Matsche vor! Ich waere glaube ich in Traenen ausgebrochen und haette alles verlassen, Auto, Anhaenger, Baustelle. Doch mit zig-mal hin und her und viel Geduld kam Arvid schliesslich wieder raus, wir haben nun noch ein paar mehr tiefe Loecher. Also war klar, es muss jetzt was getan werden, vor allem im vorderen Teil der Einfahrt. Schotter wurde bestellt und kam auch prompt. Leider fing es gerade mal an zu regnen. Die Einfahrt ohne Schotter einfahrt_ohne_gravel.jpg , dann kam der LKW, der Fahrer hatte schon leichte Bedenken, ob er das langsam abkippen koennte,graveltruck.jpg und es kam, wie es kommen musste, ploink, alles auf einem dicken Haufen vorm Huehnerstall – herzlichen Glueckwunsch! einfahrt_mit_gravel.jpg So hat Gereon inzwischen Stunden und Stunden Schotter verteilt, aber jetzt sieht es schon sehr prima aus!!
Wenn er nicht Schotter verteilte, hat er an unserem Holzschuppen weitergebaut. Dafuer und fuer das zu errichtende Haus wurde erst mal eine Spezial-Werkbank konstruiert.werkbank.jpg woodshed_entsteht.jpg woodshed_weiter2.jpg Und als es fertig war, hat es der kanadische Seidenkarlheinz gleich uebernommen kanadischer_karl_heinz.jpg karl_heinz_frauen.jpg Diese Bilder sind inzwischen Geschichte, weil naemlich der kleine Karl-Heinz, kuehn und mutig, wie weisse Seidenhaehne zu sein scheinen, sich dem Feind, einem Goshawk (Habicht) in den Weg gestellt zu haben scheint. Jedenfalls kam Gereon hinzu, als der Habicht den Karl-Heinz schon gemeuchelt hatte. Es ergab sich, das Gereon ihn gleich rachen konnte. Die Huehner sind seitdem ziemlich verstoert und verschwinden immer mal halbstundenweise unter saemtlichen Gebaeuden. Und der naechste Raubvogel fliegt schon rum. Tja, so isses. Unsere Huehner uebrigens sind hoechst huebsch und interessant. bunte_huehnchen.jpg
Ach, und wenn er nicht baut oder Haehne raecht, dann schmilzt er auch noch Wachs, der Chef. Hat einen Heavy-Duty-Wachsofen gebaut, wachsschmelze.jpg in dem immer zwei Eimer vor sich hin koecheln wachseimer.jpg, und das Ergebnis sind diese Wachskuchen, wachskuchen.jpg die noch weiter gereinigt werden muessen und dann hoffentlich in Kerzen umgeformt werden koennen.

Waehrend also der Mann baut (wenn seine Firma ihm freigibt, was nicht immer so klappt), beschaeftigt sich die Frau in der

Kueche
Nachbarin Margaret hat mich sozusagen angefuettert, als sie mir begeistert die Vorzuege von kleinen Aprikosen fuer das Einmachen schilderte. Also machte ich Aprikosen ein, unter unseren etwas erschwerten Bedingungen, und war hin und futsch, schon alleine, weil die so huebsch aussehen. Dann noch Himbeeren, die ich mit Margaret gepflueckt habe. Und noch Nektarinen. nektarinen.jpg Und als der Obstwagen das naechste Mal aus British Columbia angefahren kam, wurde ich uebermuetig und habe gleich eine Kiste Birnen, eine Kiste Pfirsiche und DREI Kisten richtige Pflaumen, also Zwetschen, erworben. Das war ein wenig voreilig, vielleicht. Bin noch nicht fertig mit dem Einmachen. Aber der Kuehlschrank ist ja jetzt ueberall, das Zeug haelt sich noch. Und Pflaumen essen wir in erstaunlichen Mengen, sowieso. Und so sieht das dann aus: birnen_pflaumen.jpg Ich erinnerte mich an die Birnen mit Pflaumen eingemacht, wie es sie bei meiner Oma gab. Das ganze findet hier natuerlich draussen statt, auf dem „Patio“ (Zitat Doug) einmachglaeser.jpg einmachkessel.jpg Parallel zum „normalen“ Einkochen hatte ich auch noch Pflaumenmus beschlossen pflaumenmus.jpg Und in voelliger Ueberschaetzung meiner Faehigkeiten machte ich auch noch Pflaumenkuchen, den ich bei Margaret backen wollte. Das fiel alles irgendwie ziemlich eng zusammen mit der Schotterlieferung. Aber es hat geklappt: Zwei Bleche Pflaumenkuchen, mmmhhhh, lecker, aber eingefroren, ohne Bild, und diverse Glaeser Obst und Mus eingemachtes.jpg Ich bitte um Beachtung der experimentellen Kombinationen, naemlich (langweilige) Birnen mit Zitronenverbene oder Vanille (nicht sichtbar, natuerlich). Jetzt harren noch eine Kiste Pflaumen und eine Kiste Pfirsiche meiner kreativen Kuechenhand, raeusper, raeusper.

Waehrenddessen sind um uns herum natuerliche immer unsere

Seltsamen Tiere
Dies ist jetzt u.a. der Teil fuer Fraeulein Anna. Gleich vorab muss ich sagen, dass der kleine Hund schon im Kaeltemodus ist und meistens so oder so aehnlich aussieht kleiner_hund_typisch.jpg Ueberhaupt sind die Liegegewohnheiten hin und wieder hoechst merkwuerdig, hier eine kleine Auswahl. Dabei ist natuerlich Trudy ein arges Aergernis, versucht sie doch hin und wieder, sich irgendwo ranzuschmeissen, vornehmlich an den kleinen Hund. zora_gartenbank.jpg zora_ninis_korb.jpg emmy_rueckenlage.jpg trudy_auf_handtasche.jpg trudy_steigt_zu.jpg trudy_steigt_zu2.jpg trudy_nini_gartenbank.jpg trudy_nini_gartenbank2.jpg trudy_nini_gartenbank3.jpg trudy_nini_koerbe.jpg trudy_turnt.jpg trudy_gereon_fruehstueck.jpg

Im Busch arbeiten derweil die Ziegen. Die Kinderchen sind ganz ordentlich gewachsen, auf dem ersten Bild laesst sich gerade einer der Ixis mal wieder vom Lama anspucken, das passiert oefter mal.
lama_spuckt_ixi.jpg krawallo_lama.jpg tallulah_burschen.jpg die_ixis.jpg griselda_mund_voll.jpg griselda_von_oben.jpg

Was noch? Gaense ueber Gaense, die immer noch ueben und sich sammeln. Und im Wetterbericht zum ersten Mal die Androhung von „Flurries“, also irgendwas mit Schnee. Und Gereon hat die ersten Flocken auch schon gesehen, ich gluecklicherweise nicht. Der Garten hat mehr oder minder aufgegeben, ich pfluecke gruene Tomaten, und ich habe Zwerg-Rote-Bete, die einfach nicht wachsen wollen. Aber gestern habe ich zu meiner grossen Freude auch deutsche Kartoffeln ausgegraben, von denen wir nur ganz wenige essen duerfen, damit der Rest zu wunderbaren Setzkartoffeln wird. Das ist bei Margaret im Garten, wo ich inmitten von Unmengen Unkraut, weil nur einmal gejaetet im ganzen Jahr, auch tatsaechlich recht ordentliche Moehren und Ruebchen gefunden habe. Permakultur oder so.

Inzwischen ist es nach 6 Uhr nachmittags, noch viel mehr ist passiert, aber ich hab die Kamera zu Hause liegen gelassen. Also demnaechst mehr aus diesem Affentheater.

Fort St. John

Wer haette das gedacht? Nun sitze ich im Pomeroy in Fort St. John, weil ich morgen an einem Birkensirup-Seminar teilnehmen werde. Weil es mehr Sinn macht, gemeinsam zu fahren, hat mich der freundliche Herr vom Landwirtschaftsministerium (oder so) in Peace River aufgegabelt, und nun bin ich im vornehmen Hotel. Ich habe ungefaehr 500 Handtuecher zu meiner Verfuegung, zwei Klopapierrollen mit zur Spitze gefaltetem Anfang und noch mehr Schnickschnack, den ich noch nicht ausgekundschaftet habe, den ich aber ja wohl aus meiner reichhaltigen Hotelvergangenheit kenne – wundervoll!!! Ich habe ein ganzes komplett ausgestattetes Badezimmer, und ich werde es ausgiebig nutzen. Leider haelt Duschen ja nicht so lange vor, man kann genauso wenig vorduschen wie vorschlafen. Egal. Jetzt gehen wir erstmal Nudeln essen, das ist auch gut.
Schade eigentlich, dass das nur einen Tag geht. Und schade, dass der arme Gereon zu Hause auf alles aufpassen muss. Sonst haetten wir mal gemeinsam den Luxus geniessen koennen. So muss ich ihm berichten und Proebchen mitbringen und ganz viel lernen. Damit es sich auch lohnt.
Spaeter hoffentlich noch Bilder von den neuesten Abenteuern zu Hause.

Fein aufgepasst!

Ich wollte ja nur testen, ob ihr auch alle fein aufpasst, haha. Natuerlich meine ich August, wenn ich Oktober schreibe. Das macht die Hirnerweichung, der ich hier so langsam zu unterliegen scheine. Weiss nicht genau, woran das liegt. Jedenfalls sammeln sich auch schon die Gaense, sie fliegen nicht mehr in Familienverbaenden, sondern in Grossfamilienverbaenden ueber unsere Kueche. Doch als ich neulich zu Gereon sagte, dass die Baeume sich schon verfaerben, sagte er in seiner positivistischen Art: Nur’n bisschen. Also: Herbst ist nur’n bisschen.
Fuechse, liebe Helga, haben wir wenig. Dafuer umso mehr Kojoten, auch wenn Margaret neulich einen aus dem Traktor geschossen hat und unsere Emmy ja mit einem toten Kojotenwelpen ankam (Gereon fand das gar nicht lustig, alle anderen haben es gelobt!). Und Woelfe hoeren wir hin und wieder, Albert hat wohl neulich einen gesehen suedlich von uns auf seinem Land. Baeren haben wir keine mehr gesehen, also ich insgesamt zwei in diesem Jahr bis jetzt. Aber es gibt sie, daran besteht kein Zweifel. Sowohl Schwarz- als auch Grizzlybaeren. Und es gibt immer wieder auch Pumas, und das scheint das unangenehmste zu sein, was so rumlaeuft. Jetzt, wo Trudy uns ja wieder wissen laesst, wie lautlos Katzen sind, kann ich mir das wieder gut vorstellen.
Gestern hoerte ich grosses Geschrei aus dem Huehnerhof und dachte, der kueken-vergewaltigende Hahn sei wieder am Werke. Doch es sass eine Art Sperber auf einem Kueken. Den Sperber konnte ich verscheuchen, das Kueken floh unter einen Ziegenstall. Was nun aus ihm geworden ist, koennen wir nicht feststellen, wir finden weder ein totes noch ein verletztes Kueken. Das scheint im Moment die groesste Bedrohung fuer unsere Huehner: Eulen und andere Greifvoegel. Wir hatten ja wohl auch schon den Uhu in der Fichte gleich bei den Huehner sitzen, ich habe ihn nicht gesehen, aber Gereon.

Mittwoch abend – Herbst!

Ploetzlich scheint Herbst zu sein! Aber es ist ja auch schon wieder elend lange her, seit ich geschrieben habe. Also der Reihe nach und zuerst mal an Helga: Natuerlich ist das Wasser gar nicht klar – durchsichtiges Wasser ist doch eher fuer Weicheier, jedenfalls schwaetze ich mich damit froh. Wir haben Schwimmkaefer und frueher im Jahr Moskitolarven, die wir aber per Sieb ausfiltern. Und riechen tut es halt wie Teichwasser, nicht fies. Und zum Duschen (nach dem Filtern, also kaeferfrei) scheint es auch gut zu funktionieren. Jedenfalls haben wir keine Hautschaeden, und wir scheinen auch nach dem Duschen nicht schlechter zu riechen als vorher. Allerdings uebertreiben wir es auch nicht mit der Haeufigkeit…
Die Temperaturen fielen puenktlich Anfang August um 10 Grad. Nachts hat es schon letztes Wochenende erste Froeste gegeben, gluecklicherweise nicht bei uns, so dass der Tomatendschungel unveraendert dschungelt und ich die Hoffnung auf rote Tomaten noch nicht aufgeben will. tomatendschungel.jpg
Mit dem Bau ist es etwas weiter gegangen. Nach dem Bohrerchen im Miniformat kam ein Betonwagen im Normalformat. cement_truck.jpg Vorher wurde jedoch nochmal um den rechten Winkel gerungen bauherr.jpg bauteile.jpg und wegen des hohen Wasserstandes mussten die Bohrloecher ausgeschoepft werden. Dabei entdeckten wir in zwei Schoepfschichten 9 Kroeten, 6 davon an einem Tag. Gleich bei Sichtung der ersten hat Gereon einen Kroetenretter gebaut: kroetenretter.jpg kroete.jpg Kroeten sind entzueckend, hier fast auf der roten Liste und natuerlich immens nuetzlich bei der Vertilgung von allerlei Krabbeltierchen, die wir nicht unbedingt brauchen, und in Anlehnung an Sitten in anderen Laendern, u.a. Australien, ueberlege ich daran, unser Anwesen mit dem Namen „Nine Toads“ zu schmuecken. Das liesse doch jede Menge Raum fuer kreative Schilder, oder? Nachdem also alle Kroeten gerettet und einige Maeuse nur tot geborgen werden konnten, wurden dann in einem Affenzahn 4 cbm Beton vergossen. Hier die erschoepften Bauherren – auch Bob, der Fotograf war erschoepft und daher nicht in der Lage, scharf zu stellen bauherren_mit_hund.jpg

Inzwischen ist auch das Holz bestellt und duerfte naechste Woche eintrudeln. Der nette Arvid Thiessen hat uns wieder einen guten Preis gemacht und wird auch liefern.
Was gibt es sonst noch? Die Tage sind ja deutlich kuerzer, also haben wir noch in eine 3. (DRITTE!) Energiesparbirne investiert, die jetzt aus einer Handlampe unseren „Aussenbereich“ mit Aussen-Kueche beleuchtet. Ich sehe wieder Sterne, haha, das war ja den ganzen Sommer fast unmoeglich, weil es immer hell war. Die Honigernte ist im Gange, und weil sich abzeichnet, dass es viel Arbeit ist (und wir ja keine Anabel haben dieses Jahr), habe ich in der Buecherei gekuendigt. Wenn ich naemlich nicht dort arbeite, kostet das uns nur wenig Geld, aber wenn Geroen sich frei nehmen muss, dann verlieren wir zuviel. Und ich bin nicht allzu traurig, kann ich doch immer als Volunteer (freiwillige Helferin) zurueck.

Trudi waechst langsam und hat zu unserer Ueberraschung und Freude bereits ihre erste Maus gefangen! Ich habe angefangen, Obst einzukochen, hatte ich ja noch nie getan, aber mit Margarets Ratschlaegen war es ganz einfach und macht Spass, vor allem, wenn nachher reihenweise schoen gefaerbte Einmachglaeser vor einem stehen (Aprikosen und Himbeeren!)

Neulich beim Oeffnen des Sonnenschirms: fledermaus_2.jpg fledermaus.jpg Den Mauser haben wir danach oefter gesehen, immer im Sonnenschirm uebertagend, und Gereon hat schon ueberlegt, ein Flederhaus zu bauen. Schliesslich vertilgen auch die Moskitos. Immer her mit den Mausingern!

Und neulich beim Huehner-Zumachen: kuekenschar.jpg Elf Kueken, deren Mutter schon die Nerven blank hat und woanders schlaeft, und huehnerfamilie.jpg nochmal elf Kueken, deren Mutter offensichtlich sehr guten Willens ist, wenn sie auch nie im Leben mehr alle Elfe unter ihre Fittiche bekommt.

Und neulich morgens gegen 4:30: Ziegeneintopf: ziegentopf.jpg Was man sehen koennte, wenn das Bild heller waere, sind Griselda und Blanka, die in einem Beton/Wasser-Kuebel uebernachtet haben und die am fruehen Morgen schon von Huehnchen auf der Suche nach Moskitos besucht werden. Symbiose.

Und dann noch eine kleine Bilderfolge, die zeigt, warum bzw. dass Ziegen Gruenland in Wueste verwandeln koennen, wenn die Bedingungen auch nur ein bisschen unguenstig sind. Bei uns war der Effekt gewollt, und doch etwas traurig. Vorher: wald_vorher.jpg Rechter Teil nach 1 Tag „Beweidung“ wald_dazwischen.jpg Nach 2 Tagen: wald_nach_2_tagen.jpg Da liegen schon Baeume, die Gereon zum Fressen abgeschnitten hat. Nach einer guten Woche: wald_nachher1.jpg

Und ausserdem: Ankomme in Frankfurt am 14. November, 11:15.

Der rechte Winkel und seine Bedeutung fuer den Ehefrieden in verschiedenen Kulturen

Die Anthroposophen lieben ihn ja nicht, den rechten Winkel. Eigentlich muessten deren Ehen bestens funktionieren, weil sich die Partner nicht auf der Suche nach eben jenem rechten Winkel in schwierigste Situationen bringen muessen. Die Buddhisten bzw. auch andere oestliche Religionen, die ja Gelassenheit und freundliche Zugewandtheit predigen, muessten eine Welt voller rechter Winkel geradezu lieben, denn um diese Qualitaeten zu ueben, kann es speziell unter Eheleuten kaum etwas besseres geben. Gereon und ich haben geuebt, am Mittwoch abend, bis nach 11 Uhr! Ich gebe zu, mit der Gelassenheit bin ich immer besser, nur die freundliche Zugewandtheit geht mir phasenweise verloren, ich bin dann mistig zugewandt. Aber es waere ja auch alles so einfach gewesen, wenn er auf mich gehoert haette… ich sage nur: 3 – 4 – 5, und schon hat man den rechten Winkel. Langer Rede kurzer Sinn: Jetzt tut sich was, und am Mittwoch mussten die Loecher fuer die Hausfundamente markiert werden, dafuer waren rechte Winkel notwendig. Am Donnerstag morgen kam naemlich, eine halbe Stunde frueher als angekuendigt, also um 7:00 Uhr, ein kleiner Bobcat mit einem grossen Bohrer vorne dran und bohrte in einem Affenzahn 18 Loecher. Jedes 2.40 m tief und etwa 30 cm im Durchmesser, total Huehner- und Nini-gefaehrlich, aber nunmehr mit Brettern abgedeckt. Am kommenden Montag kommt der Herr Reimer Foundation mit Beton, und dann werden die Loecher vollgegossen, nachdem Gereon vorher die von ihm geschweissten Anker da irgendwie reingefummelt hat. Alles Heavy Duty, ich sag’s euch! bauplatz.jpg bobcat.jpg
Inzwischen waechst natuerlich auch die Camping-Infrastruktur. So ist die Dusche deutlich verbessert worden: dusche.jpg Die Brausetasse aus Naturholz, luftig, damit nur ja kein Schimmel sich bilden kann, haelt in angenehmem metallic-olivgruen den luxurioesen Brausekopf, der mit Hilfe von zwei Griffpositionen stufenlos verstellbar ist (na ja, so wie halt die Arme lang sind…) Im Vordergrund sieht man den Kaltwasserteil, waehrend sich in dem silbernen Behaelter im Hintergrund die Warmwasserversorgung befindet. Das alles laesst sich im Handumdrehen durch den Benutzer ebenfalls stufenlos mischen (Ergebnisse sind jedoch nicht immer so steuerbar…). Links das luxurioese Badetuch (Ikea mit Mauseloechern) auf dem fuer aeltere Menschen sehr angenehmen Hoeckerchen. Ach ja, und in der Mitte der Brausetasse befindet sich ja auch noch die originell gestaltete Halterung, ebenfalls aus Naturholz, fuer Shampoo und Seife. Und im Hintergrund der grosse Spiegel (could be good, could be bad…) Alles in allem hoechst funktional und doch bestechend im Design. Wenn es windig wird, hoert der Spass allerdings auf.

Und dann noch unsere Boeckchen mit ihren spriessenden Hoernchen und Loeckchen und Baertchen. Orca verfolgt schon mit seltsamen Geraeuschen die Damen, die ihn gluecklicherweise noch nicht ernst nehmen. orca_bart.jpg lulu_hoernchen.jpg

Weather warnings

hatten wir in letzter Zeit oefter, und vorgestern hat uns zum zweiten Mal so ein boeser Hagel erwischt: Stuecke, so gross wie Werthers oder so, oder wie dicke fette Haribos, und nicht rund, sondern brockig. Und machen natuerlich Loecher in den Salat. War zum Glueck nur ganz kurz, so dass alles noch in Ordnung ist. Dazu gab es nachts ein Gewitter mit Blitzen, die eine halbe Stunde lang praktisch alles permanent beleuchteten. Sehr interessant! Alles ist quatschnass, der Ziegenperk ist leider Plempe und riecht demnach auch nicht gut, weil es natuerlich trotzdem muckelig warm ist. Jetzt im Moment aber besser, so dass die Bauern wieder optimistisch auf den Wiesen sind. Die erste Ladung Heu hat’s natuerlich vielen verregnet.
Wir wurschteln uns so durch, die Bienen sind sehr fleissig, und 24 Stunden sind mal wieder viel zu wenig Zeit am Tag, weil der Schlaf dazwischenkommt, leider. Fast freut man sich auf den Winter, wo man einfach weniger tun kann, weil wegen dunkel und kalt und ueberhaupt. Dies alles aber nur, wenn man ein Haus hat…

Alberta Morning

Oh, das Hirn! Da hatte ich an diesem und am letzten Dienstag poetische Texte geschrieben und Bildchen ausgesucht, und jetzt hab ich den Text zu Hause gelassen. Aber die Bildchen sind da, und weil anscheinend Menschen ja visuelle Wesen sind, schick ich die schonmal und erklaer sie mit dem Text spaeter. Nur zum ersten Bild sag ich schonmal, dass da, wo die Sonne hinscheint, die Cabin entstehen soll.

Hier jetzt die „offiziellen Texte:
Das war am 10. Juli:
Zurueck aus der Zivilisation!
8:15 am Dienstag, und ich habe schon meinen Gatten mit einem Lunchpaket versehen zur Arbeit geschickt, etwa 1 Stunde gesportelt, die Ziegen gefuettert, mir Fruehstueck gemacht und jetzt sitze ich hier und schreibe euch was auf. Das sind alles die Nachwirkungen von meiner Woche in der Zivilisation, ich sag’s euch! Ich weiss gar nicht, wie ich das beschreiben soll, ohne alle meine Vorurteile hier zu lueften. Jedenfalls war es himmlisch, und ich fuehlte mich umgeben von „normalen“ Leuten, obwohl es ja eindeutig Spinner/innen waren! Wir fuhren ja zu viert, Jody (die mich zum Spinnen gebracht hat), ihre Freundin Josie (schwierige Namensverwirrungen vorprogrammiert), und Josies 11jaehrige Tochter Lyndan. Leider hatte ich urspruenglich aus Geldmangel nur den Master Spinners Kurs, Level 1, gebucht, die anderen hatten schon Samstag und Sonntag wunderbare Kurse, Filzen und Spindelspinnen und all so’n Zeugs. Ich hab mich ein bisschen geaergert, dass ich das verpennt habe. Dennoch war alleine das College fuer mich eine Offenbarung, weil es naemlich ein landwirtschaftliches ist und einen botanischen Garten hat – mit Staudenbeeten, ach war das schoen. Wenn man mal vom allgegenwaertigen Pestizidgeruch absieht, war die Welt voller Jasminstraeucher, Pfingstrosen, Baldrianstauden, lauter Dinge, die lecker riechen. Und dann alles, was schoen aussieht: Graeser, Stauden, Straeucher, wundervolle alte Baeume. Es war so beruhigend zu sehen, dass die das tatsaechlich doch hier koennen. Ich hatte ja fast schon aufgegeben. So bin ich Samstag und Sonntag verzueckt ueber den Campus gewandert, immer mit der Nase gelb vom Bluetenstaub und vom vielen Schnuffeln (ach, und die Iris!!!) Und dabei begegnete ich dann auch dauernd Frauen (ueberwiegend, wenn auch einige Maenner an den Kursen teilnahmen), die Spindeln spazierentrugen oder Spinnraeder oder Beutel mit Wolle. Weil ja alle zum selben Zweck da sind, quatscht jeder mit jedem, und weil die meisten Namensschildchen trugen, hatte man gleich einen Aufhaenger. Fuer mich war es meistens: Wo bitteschoen ist denn um Himmels Willen Sunset House???? Und es gab eine Vendor’s Mall, also eine kleine Reihe von Verkaufsstaenden. Ich war ja mit dem Vorsatz gekommen, mir was zu goennen, und so habe ich mich ueberhaupt nicht schlecht gefuehlt, wenn ich praktisch nach jedem Besuch dort mit einem weiteren Tuetchen voller Schaetze zu unserem netten Studentenreihenhaeuschen wanderte. Abends wurden dann Schaetze verglichen, Berichte ueber den jeweiligen Kurs erstattet und abenteuerlich gekocht, weil naemlich entgegen unserer Hoffnung die Wohnung keine Toepfe und kein Geschirr hatte. Mit einem Topf kann man tolle Sachen machen!

Montag fing mein Kurs an. Die Kursleiterin war sehr nett, aber auch recht unorganisiert. Die Teilnehmerinnen waren durchweg sehr nett, und ich habe die tollsten Sachen gelernt, die wahrscheinlich bei euch niemanden interessieren (ausser vielleicht Frau Claudi und Kusine Maren). In der Theorie kann ich nun Wolle mit Seide mischen, woollen und worsted spinnen, letzteres ist Kammgarn, wie das andere, puschelige auf deutsch heisst, weiss ich nicht. Ich habe mit so genannten Hackles gearbeitet, moerderisch gefaehrlich aussehende, weil mit 2 Reihen von spitzesten Zinken versehene stationaere Wollkaemme, dann mit Handkaemmen verschiedener Groessen, ich habe mit Cochenille gefaerbt und anderen Leuten beim Faerben mit Ringelblumen und Cotoneaster zugeschaut (sehr schoene Farben, wer haette das vor allem dem oeden Cotoneaster zugetraut!?) Ich habe gehoert ueber Seidenknubbels, Seidenkammzug, Seidenabfaelle (weiss der Geier, wie das alles korrekt auf deutsch heisst), und ich habe gehoert, dass manche Leute mit ihren Seidenraupen reisen, jawohl! Muessen naemlich alle 2 Stunden mit Maulbeerblaettern gefuettert werden, die Guten… Ich habe Gereon schon vorgeschlagen, ob wir nicht von Bienen auf Raupen umsteigen wollen, aber er ist nicht drauf eingestiegen. Noch nicht… Weil, eigentlich mag ich ja Seide lieber als Honig.
Bei der Vliesschau habe ich mich fuer ein Lamavlies eingetragen, leider aber noch nichts gehoert. Ein schickes Vlies, schwarz und weich. Dann musste ich unbedingt ein Teeswater-Vlies aus Oklahoma kaufen, it spoke to me. Das ist hier die Ausrede: It spoke to me. So sprachen auch jede Menge Beutelchen Wolle zum Filzen und Spinnen zu mir, dazu noch zwei Spindeln und die bereits anvisierte Nostepinne. Von den Kaemmen, die ich wollte, hoere ich noch nix, die waren nicht da, und ich werde sie wohl bestellen muessen. Aber Kaemme machen Kammzug, und Kammzug spinnt sich wie Butter. Also wollen wir da mal drauf hinarbeiten.
Es waren 7 Provinzen und die Nordwestlichen Territorien vertreten, dazu 5 US-Staaten und ein Teilnehmer aus Nepal, der absolut erstaunliche Wandbehaenge herstellte.
Und obwohl alles so sehr nett war, waren wir nach der Woche platt, Information Overload. Und im Hinterkopf geistert der Gedanke an einen Webstuhl herum… Das Faservirus ist extrem virulent oder wie das heisst, und es nimmt verschiedene Auspraegungen an, am liebsten alle gleichzeitig, da waren sich die Teilnehmer einig. Kaum eine/r, die/der „nur“ spinnt, die meisten stricken, weben, haekeln, faerben, naehen und filzen natuerlich, die ganz Dollen sticken auch noch. Erstaunlicherweise sind manche zudem berufstaetig. Wie das alles geht, ist mir ein voelliges Raetsel.

Auf dem Rueckweg haben wir dann noch ein paar Entchen eingepackt, so genannte Call Ducks, die unfairerweise urspruenglich dazu da sind, von den Jaegern zum Anlocken (Call) der zu jagenden Enten rumgeschleppt zu werden. Meine sind weiss, theoretisch ein Paerchen. Sie haben sicherheitshalber gestutzte Fluegel, was sie aber nicht zu wissen scheinen, denn sie fliegen wie die Adler, na ja, relative Adler, etwas unkontrolliert, doch immerhin quer ueber die Kueche. Heute haben sie beschlossen, dass der beste Platz nicht in der Wassertonne, sondern bei den Huehnern unterm Ziegenstall ist. Wie daemlich! Kuekenstand hat sich mindestens verdoppelt, und taeglich koennen neue auftauchen, u.a. sitzt der Wellensittich versonnen in einem kleinen Brutappartement.

Der Garten ist prima gewachsen, wenn auch noch laengst nicht so gut wie der bei Nachbars, die natuerlich ihren seit Jahren mit Mist fuettern. Naechstes Jahr koennen wir das auch. Doch immerhin gibt es ja schon seit ein paar Wochen bei uns eigenen Salat, und gestern abend gab’s das erste eigene Blattgemuese, vom Ausduennen der roten Bete und des Mangolds.

Martha kocht nun luxurioes draussen J, mit sommerlich leichtgewichtigem Kuechentresen unterm Dach. Das ist fein und sehr praktisch, weil es doch immer mal wieder regnet. Was auch praktisch ist, weil wir dann nicht soviel giessen muessen.

Und das war am 17. Juli:
Jetzt ist schon wieder Dienstag, ein wunderschoener Alberta Morning, mit knackigen 15 Grad und nach einem Nachtregen schoener frischer Luft. Fast koennte man glauben, dass „morgens um sieben die Welt noch in Ordnung“ ist, selbst hier in Alberta. Hanna und ich wissen das besser, aber wir sagen heute mal nix… Wo die Sonne hinscheint, soll uebrigens die Cabin entstehen (ich sag jetzt nicht mehr Haus, in der Hoffnung, dass dann nicht ganz so viele Fragen nach dem Baufortschritt kommen).
Ueber eine Woche ist vergangen, seit ich aus Olds zurueck bin, und noch immer habe ich nicht alles ausgepackt. Aber einen kleinen Eindruck von meinen Schaetzen gebe ich weiter unten: Zwei neue Spindeln und die Nostepinne. Und einige wenige der milliausen Beutelchen voller Wolle, die ich mitgebracht habe.
Letzten Dienstag abend waren die Entchen verschwunden und blieben zwei Tage lang verschwunden, bis ich sie auf dem Dugout suedlich unserer Strasse entdeckte. In einer Aktion, die Gereon schlammnasse Fuesse und mir diverse Moskitostiche einbrachte, haben wir sie muehsam wieder eingefangen und auf unserem „Haus-Dugout“ ausgesetzt, Insel inklusive. Das scheint ihnen zu gefallen, und so machen sie heute morgen sehr dekorative Bildchen auf dem Wasser, ueber dem jetzt, mit aufgehender Sonne, ein Dunstschleier liegt. Die Ziegen sind noch muede, das Lama liegt wie tot mit ausgestrecktem Hals und seltsamen Hinterbeinen, wie immer. Das arme Vieh sollte laengst geschoren sein, doch noch hat es alle Haare. Das muss so jucken, dass es sich gestern von mir den HALS HAT KRAULEN LASSEN, ohne Festhalten. Das hat es noch nie gegeben! Vielleicht wird es doch noch kuschelig.
Die Gegend um die Ziegenstaelle ist gesprenkelt mit eifrigen Kueken, wir haben sicher etwa 50 inzwischen. Auch der Wellensittich tauchte aus der Wochenstube auf, mit einigen Schwierigkeiten und in zwei Anlaeufen hat er 4 Kueken erbruetet, 6 Eier hintenan gelassen. Das scheint so ueblich zu sein, dass die Huehnchen hier eine Menge Ausschuss produzieren. Liegt wohl an ihrem aeusserst unsortierten, kommunalen Legeverhalten, wo jede, die den Drang verspuert, mal noch ein Ei dazu legt, so dass der Schlupf nicht fuer alle am selben Tag stattfaende. Schade. Aber wir haben auch so genug Huehner.
Direkt neben mir in der Birke an der Kueche fuettern Herr und Frau Robin ihre Brut, und ich sehe, wie nach und nach mehr abenteuerlustige Huehner-Teenager in den Garten klettern, um Krabbeltierchen zu erbeuten. Sollen sie mal machen, schadet nicht. Die Tomaten gedeihen praechtig, auch ohne das von der Nachbarin empfohlene Spray, das die Pflanzen auch ohne Bestaeubung zum Fruchtansatz provozieren soll. Es enthaelt Chlor-Hexa-Pheno-Gedoehnsrat, lauter Wort-Teile, die ich nicht auf unseren Tomaten haben will. Ich frage mich, wo die Sinngebung liegt. Haben Tomatenpflanzen nicht das inherente Beduerfnis, unter einigermassen guenstigen Bedingungen eben Tomaten zu produzieren? Und fuer Tomaten duerften die Bedingungen gerade guenstig sein: Es ist heiss, heiss, mehrere Tage hatten wir 35 Grad und mehr, leider kuehlte es auch nachts nicht wirklich ab, und unser Schlafzimmer ist viel zu warm. Nur eines unserer Fenster hat ein Moskitogitter, so dass wir keinen Durchzug machen koennen. Diese Moskitos naemlich gehen Tag und Nacht ihrem unerquicklichen Treiben nach. Nur bei der Gluthitze scheint es sogar ihnen zu warm zu sein – bis der kuehlere Abend kommt, und dann nehmen sie Anlauf. Dass es wirklich heiss ist, sieht man daran, dass der Imker kurze Aermel traegt – eine absolute Seltenheit! Im Wald ueberall wachsen jetzt mannshohe wilde Rittersporne, Larkspurs, die zwar giftig fuer das Vieh, aber wunderschoen sind – waren mir letztes Jahr gar nicht aufgefallen. Da wuenschte ich mir mehr Talent als Fotografin. In der Strassengraeben bluehen dazu jetzt ueberall die roten Indian Paintbrushes, Weidenroeschen und jetzt auch Goldruten. Paintbrush und Goldruten sollen mir noch fuer meine Spinner-Hausaufgaben als Faerbemittel dienen – ich habe jede Menge zu erledigen, und da scheint ein Jahr kurz.
Trotz des heissen Wetters gibt es noch echte Schlammloecher, wie die Woelkchenziege auf die harte Tour feststellen musste. Ich sah sie etwas seltsam den Kopf bewegen und ahnte schon Boeses. Bis ich mir allerdings die Schuhe angezogen hatte, war sie schon selbst aus dem Loch beim Dugout freigekommen. Die Fangopackung hielte eine Zeitlang sogar ihre milchgierigen Soehnchen von ihr fern!
Ja, und dann ist da noch Trudi. Trudi kam am letzten Donnerstag zu uns, als Nachfolgerin des verstorbenen mehr oder weniger namenlosen Katers. Trudi ist unehelich, und Monica, die mir Trudi geschenkt hat, weiss nicht, wer der Vater ist. Die Mutter jedoch vererbt Puscheligkeit. Trudi sieht aus, als wuerde sie regelmaessig den Schwanz in die Steckdose halten, um ihre Frisur „auf Stand“ zu halten. Das Handyhuellen-Krokodil zeigt, wie winzig sie mit ihren sieben Wochen ist. Das hindert sie jedoch nicht daran, unsere Beine als Untergrund fuer ihre Nadelfilz-Uebungen zu benutzen, dieser Tage ist mein Rock an mir festgetackert. Noch wohnt sie aufgrund ihrer Winzigkeit im Schlafzimmer und kennt nur Nini und Zora, Emmy ist manchmal doch sehr unkontrolliert, sie scheucht auch die wertvollen Entchen. Da muessen wir uns mal Zeit nehmen und Trudi und Emmy einander vorstellen.

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Und dann ist da noch Trudi!
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Titel: Hab ich vergessen.

Der Sommer hat sich merklich abgekuehlt, dafuer kriegen wir immer mal wieder Wolken und Schauern, auch mal mit kleinen Gewittern. Das hat den Vorteil, dass ich praktisch ueberhaupt nicht mehr giessen muss. Die Moskitos finden dieses Wetter absolut paradiesisch. Sie sind so wild und blutruenstig, dass die Ziegen noch nicht einmal ihre neu eingezaeunte Waldwiese geniessen wollten, sondern lieber durch den Elektrozaun ausbrachen und wieder nach Hause rannten. Wir haben uns aber immer noch nicht fuer so ein Moskito-Killer-Dings entscheiden koennen – teuer und aufwendig, so scheint es uns. So bewaffnen wir uns abends mit Mosquito Coils, giftigen Raeucherspiralen, die die Biester recht zuverlaessig von uns abhalten. Und natuerlich muss man spruehen, giftig oder ungiftig, Hauptsache ueberhaupt. Tatsaechlich aber scheint man sich auch ein bisschen zu gewoehnen, will sagen, es juckt nicht mehr so dolle/lange, wenn sie einen unvermeidlich natuerlich immer irgendwo doch erwischen. Als kleine Zugabe kamen dann noch die Blackflies, winzige Fliegchen, die auch beissen, dabei aber freundlicherweise auch noch in die Kleidung krabbeln – was die Moskitos dann doch lassen. Na ja.

Dennoch findet unser Leben inzwischen meist im Garten statt, es ist ja endlos hell, und bei Temperaturen selbst um die 15 Grad kann man das gut aushalten. (Auch wenn Gerti in Australien dann den Wintermantel rausholt, wie sie mir neulich erzaehlte…) In den Beeten waechst alles zufriedenstellend, wenn auch nicht ueberwaeltigend ueppig. Das liegt natuerlich am recht schlechten Boden. Aber naechstes Jahr bekommt er jede Menge Mist, den Ziegen, Lama und Huehner brav produzieren. Gereon hat mir noch mehr Kaesten gebaut, in denen die Tomaten etwas geschuetzter dieser Tage wuchern sollen. Und Bohnenstangen – so was Vornehmes hat sonst bestimmt niemand: handgenagt von Billy und aus so genannter Diamond Willow (weiss nicht genau, warum Diamond, es bilden sich in dieser Weide solche Wucherungen um abgebrochene Aeste, das nennen die hier dann Diamond). Andere Leute machen daraus gruselige Gartenmoebel, wir eben Bohnenstangen. Und Erbsenreiser. Dann gibt es noch Birken-Rankgerueste fuer Tomaten und Gurken (ueber die dann auch bei schlechtem Wetter Schutzfolie gehaengt werden kann. Und Gerueste ueber dem urspruenglichen Fruehbeet, ebenfalls, um Tomaten ggfs. schuetzen zu koennen. Und am Sonntag kam dann die bisherige Kroenung an Gartenbaulichkeiten hinzu – das unvermeidliche Deck (jeder Kanader, der was auf sich haelt, hat schliesslich mindestens eins – da konnten wir doch nicht zurueckstehen!) Vorher war der Boden bestreut mit Brennholzstueckchen, es gab dicke Stammteile und ansonsten nicht viel, und der Drainagegraben stellte ein Verkehrsrisiko dar. Aber jetzt: Luxus pur!! Wir koennen wackelfrei auf Stuehlen mit Lehne sitzen, bei leichtem Regen dennoch draussen, die Hunde aalen sich schon in der Sonne, es ist hell, weil der Boden (noch sauber) reflektiert, und heute sind Gartentisch und –bank rausgezogen, wie es sich gehoert. Die Kueche hab ich nun umgeraeumt, das macht Spass. Der einzige Nachteil ist, dass ich jetzt wohl hin und wieder einen Besen werde einsetzen muessen – wie laestig.

Der erste Honig ist uebrigens geerntet und verkauft sich recht ordentlich, die Bienen haben gesammelt auf Weiden und Sumpfdotterbluemchen, die bei mir Ranunkelbluemchen heissen, weswegen ich finde, dass es auch Nunki’s Honig sein koennte.

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Nachsatz, eine Woche spaeter:
Inzwischen hat ein bzw. drei Hagelschauern an einem Tag mir zwar nicht die Petersilie, aber doch viel vom Salat verhagelt. Die Tomaten haben tapfer durchgehalten, aber rote Bete, Mangold und Schnittkoehlchen liegen noch recht flach. Werden sich wohl erholen, die Salaetchen aber bestimmt nicht, die sind pueriert. Muss ich neue machen…
Ich bin schlecht gelaunt, weil ich Stunden mit Telus, der Telefongesellschaft, am Telefon war, widerlich, ohne greifbare Ergebnisse, mit inkompetenten Mitarbeitern, einer nach dem anderen. Jetzt muss ich schnell in die Stadt, haha, fahren, um zu waschen und Internet und Emails zu erledigen, Huehnerfutter kaufen (Kuekenstand: 14!), Ziegenfutter kaufen, DENN (und das macht mich etwas froehlicher): am Freitag fahre ich mit zwei anderen Frauen fuer eine Woche nach Suedalberta, zu meinem Spinnkurs! Das wird hoffentlich wundervoll. Wir haben zusammen eine Studentenwohnung und sind fest entschlossen, uns bestens zu amuesieren, viel zu lernen und Dinge zu erwerben, die die Welt nicht braucht (ich will englische Wollkaemme, eine Nostepinne und noch eine Spindel, jawoll!)

Erst ist Winter ohne Ende…

… Und dann ist Sommer!
Vor etwas ueber einem Monat habe ich noch Schneebilder. Heute morgen habe ich dieses hier gemacht: schwalbenschwanz.jpg Auch die anderen Falter sind da, Blaeulinge, Trauermaentel, orange-farbene, deren Namen ich nicht weiss (das erinnert mich, dass ich unbedingt MEHR Bestimmungsbuecher kaufen muss.) Es ist hier doch noch eine ganz andere Welt als im relativ „zivilisierten“ DeBolt. Das merken wir vor allem an der Vielfalt der Voegel, die wir hoeren und/oder sehen.
Waehrend ich hier in der schattigen Kueche sitze und dies tippe, donnert es draussen: Die kleinen Ziegen knattern ueber das Kanu auf die Hundehuette und dann auf die Haube des Camper-Trucks – das macht offensichtlich irren Spass und den so begehrten perkussiven Laerm. Eine andere Beschaeftigung ist das Balancieren auf dem umgekippten Hunde-Transportkaefig. Den muss ich gleich mal retten. Eben haben sie ihrem Ruf alle Ehre gemacht: Waehrend ein Zicklein mit einer umgestuelpten Waesche-Muelltuete um den Kopf ungluecklich war (die Waesche war auf dem neu errichteten Boden des zukuenftigen Holzschuppens verstreut), oeffnete Odette erfolgreich eine neu erworbene Kiste mit 5“-Naegeln, nahm hungrig zwei in den Mund und sog sie ein. Nachdem ich ja einmal ein Eis am Stiel mit Stiel habe komplett in der Elsa verschwinden sehen, sind meine Nerven fuer derartige Instinkte und mein Vertrauen in die Urteilsfaehigkeit unserer Haustiere nicht mehr so dolle – ich habe die Naegel rausgezogen und die Kiste in Sicherheit gebracht. Sie wollte dann gleich die zweite Kiste oeffnen, waehrend ihre Kinder begannen, das ebenfalls neu erworbene Sperrholz anzunagen. Zwischendurch muessen natuerlich Boxduelle ueberstanden werden, wonach man dann hechelnd in der Sonne steht.
Es kam nun oft das Wort „neu“ vor, und tatsaechlich haben wir – so finde ich – ziemliche Fortschritte gemacht. Am langen Wochenende haben Chris und David ja nicht nur geholfen, Gebaeude zu schleppen (wir ueberlegen jetzt an Strassennamen hier in unserem kleinen Dorf. Chris schlug als Fortsetzung der Main Street „Biffy Alley“ vor, auch koennte es eine Chicken Terrace geben). Auch Brandholz wurde geschleppt und gleich verarbeitet. Der Versuch, den Wurzelhaufen auf dem zukuenftigen Hausbauplatz abzutragen, schlug leider fehl. Und dann haben die Burschen kurzerhand noch mit dem Holzschuppen angefangen. Wir besitzen also jetzt wieder einen Tanzboden, eignet sich auch als Fruehstuecksterrasse ausgezeichnet (wenn alle Ziegen eingesperrt sind!)
chris_konzentriert.jpg holzruecken.jpg mehr_gebaeude.jpg neues_toerchen.jpg wurzelhaufen.jpg

Ich bin total im Gartenwahn. Jetzt, wo alles sicher eingezaeunt scheint, macht es richtig Spass. Gereon hat weiter umgegraben , und ich kaufe Pflaenzchen. Weil wir ja auch eine (Hand-)pumpe am Dugout haben, ist das mit dem Giessen kein Problem. Die vielen Johannis- und Himbeerstraeucher von Linda sind eingepflanzt, und zwei Apfelbaeume habe ich auch gekauft. „Normale“ Aepfel tun sich hier sehr schwer, aber die so genannten Crabapples (die hin und wieder auf dieser Seite oben im Kopfbild auftauchen, klein und rot) koennen prima Ernten bringen und sind ausserdem fuer meinen oberbergischen Gaumen angenehm saeuerlich. Hier will man ja auch die Aepfel eher widerlich suess. Gestern hatte ich Extra Dry Soft Cider, also bizzeligen Apfelsaft ohne Alkohol gekauft, in der Hoffnung ein herberes Getraenk zu bekommen. Na ja. Der gute Possmann wuerde hier wahrscheinlich in den Abfluss gekippt werden!

Noch stehen Baeumchen und die Pfingstrosen und eine echte Rose, denen ich nicht widerstehen konnte, noch auf der „Terrasse“, bei den neuen Gartenmoebeln, doch schnellstens muss Gereon jetzt Riesenloecher buddeln, und dann heisst es waessern, waessern, waessern. Fuer heute sind 27 Grad gemeldet!

pflanzen_fuer_garten.jpgsitzecke_2.jpg

Der kleine Hund ist im Sommermodus, daran zu erkennen, dass er hechelnd draussen in der Sonne braet und anscheinend saemtliche Haare abzuwerfen gedenkt, vornehmlich im Bett…
Zora und Emmy sind nicht so hitzebestaendig und gehen mit ihren eigenen Mitteln dagegen an. Die Ergebnisse sind sehr attraktiv, wie ein gut aufgebrachter Unterbodenschutz.
zora_emmy_matsche.jpg zora_unterbodenschutz.jpg
Das scheint gegen Moskitos zu helfen, bleibt jedoch uns Menschen irgendwie verwehrt. Wir muessen zu konventionellen Mitteln greifen, Giftspray oder Stark-Riech-Aromaoel-Spray. Von verschiedenen Stellen hoerten wir kuerzlich ueber ein eher neues System, das mit Hilfe von Propangas die Moskitos erst anlockt und sie dann moerdert, und zwar auf einer Flaeche von einem Acre, das sind glaube ich 4000 Quadratmeter. Preisangaben gingen von 350-500 Dollar, doch Gereon und ich haben schon gesagt, dass uns das durchaus auch 500 Dollar wert waere. Und angeblich scheint es wirklich zu funktionieren. Was fuer eine wunderbare Vorstellung. Gestern musste ich naemlich aufgrund einer Reifenpanne unter unguenstigen Umstaenden eine Stunde auf dem Highway auf Gereon warten. Damit meine Einkaeufe im Auto nicht sofort schmolzen, hatte ich beide Fenster auf. Sobald ich anhielt, quollen die Moskitos nur so ins Auto, und ich hatte die Wahl zwischen aufgefressen werden oder schmelzen. Ja ja…

Nachdem ich mir gerade telefonisch frei genommen habe, ist dieses Geschreibse schon wieder aelter, wenn ihr es lest. Aber frei und Garten giessen ist soviel schoener (und jetzt auch nutzbringender, so hofft man) als arbeiten fuer kleines Geld. Ausserdem hat mir die gute Margaret den Rest ihres Gartens angeboten, zur freien Verfuegung (Zitat: You can plant to your heart’s content! But: You plant it – you hoe it. Will sagen, dass auch das Unkraut alles meines ist in meinen Pflanzreihen. Aber dort koennten wir unsere deutschen Kartoffeln hoffentlich vermehren.)

Nachsatz: Das war Mittwoch. Jetzt ist Samstag, es gab diese 27 Grad seitdem taeglich, und etwas schwuelen Regen und vielleicht heute ein Gewitter. Der Garten naehert sich saattechnisch seiner Vollendung, und wir kochen auf Propan draussen, weil es sonst zu heiss in der Kueche wird. Heute morgen gab es eine himmlische Premiere: Ich habe zu Hause geduscht, mit Gereons Hilfe, einer Giesskanne und Shampoo fuer silbernes Haar (etwas Luxus braucht der Mensch). Vielleicht hab ich ein paar Moskitos ertraenkt und auf mir verrieben beim Abtrocknen, aber ansonsten war es einfach wundervoll. Fehlt nur noch ein Duschvorhang… Aber Besuch ist ja eher selten.

Es gruent so gruen

Endlich, endlich gruent es hier doch nun auch so gruen und mit mehr Sonnenschein, dass ich gestern gleich meine Tomatenbabies verkoechelt habe – zu und zu schade aber auch. So muss ich heute neue holen fahren. Bei nur etwas ueber 90 Tagen Vegetationszeit im Garten kann ich mir eine Neuaussaat wohl zeitlich nicht leisten…
An meinem Geburtstag hatte ich eine feine Ueberraschung: Chris und David aus Nose Creek riefen in der altbekannten Art an und fragten, ob wir sie aufnehmen koennten, zwei einsame Menschen und einen kleinen Hund! Klaro, Platz ist in der kleinsten Huette, selbst wenn keine da ist. Morgens war schon der nette Herr vom Forstamt da, der fuer kleine Waldbesitzer wie uns zustaendig ist. Er erklaerte uns bei einer schoenen Wanderung ueber’s Land, dass er noch nie so grosse und alte Aspen auf Privatland gesehen haette. Das hat uns sehr gefreut. Die Aspen sind etwa 90 Jahre alt, Birken um die 40 (kleine, pieselige Dingerchen, wir haben noch dickere), Fichten hat er mit ebenfalls etwa 80 oder so gemessen. Alles in allem deutet dies darauf hin, dass es tatsaechlich, laut seiner Aussage, wohl in den letzten 200 Jahren auf unserem Land nicht wirklich gebrannt hat. Das ist anscheinend eher selten und fuehrt zu einem interessanten Baumbestand.

Und dank Dieter, dem Tower-Man vom Sweathouse Tower, weiss ich nun auch, dass unsere Schwarzpappeln, oder auch Balsampappeln (ganz nah verwandt oder identisch, weiss ich nicht) super lecker riechen, d.h. die Knospen duften, und wenn die Sonne scheint, ist die Luft voll davon. Dieter macht aus den Winterknospen und Sheabutter eine leckere Handcreme, von der er mir ein Doeschen geschenkt hat. Das will ich auch versuchen.

Ja, und dann kamen Chris und David. Schwer beladen. Sie kamen naemlich mit Anhaenger und darauf zwei Quads. Und natuerlich mit Proviant fuer eine ganze Garnison, so kam es mir vor. Und voller Tatendrang (Chris’s staendige Frage: Was wollen wir denn noch tun? Welches Projekt als naechstes?) Himmlisch. Am Samstag fuhr die ganze Truppe mit dem netten Nachbarn nach Debolt und holte alles zurueckgelassene vom kleinen Haeuschen ab. Ich war ja arbeiten, aber ich glaube, alle hatten Spass. Ich nun auch, weil meine Schuessel wieder bei uns wohnt, wenn auch noch nicht aufgestellt. Doch es gibt Hoffnung!
Auch sind unsere Honigfaesser endlich zu Hause, fehlt nur noch das Gewaechshaus, aber das schaffen wir auch noch.

Leider war das Wetter super-miserabel, mit Regen und kalt und Wind und eklig, erst am Montag morgen wurde es schoener. Montag war naemlich noch frei, hier war Victoria Day, das ist immer am dritten Wochenende im Mai. Ich kann mir also ausrechnen, dass um meinen Geburtstag rum immer irgendwie was frei ist, nicht schlecht. Dadurch hatten wir allerdings auch viel Verkehr auf unserer Strasse, jede Menge Wohnwagen und Zeugs.

Jetzt ist es sommerlich warm, leider gibt es irre Mengen Moskitos, die ich im Moment deutlich unangenehmer finde als die Baeren, die sich noch nicht haben blicken lassen. Lieber taete ich im Moment drei Baeren sehen als drei Moskitos, aber ich sehe 300 oder 3000 der letztgenannten, wo auch immer ich hinblicke. Habe allerdings festgestellt, dass man sie mit Fensterreiniger in Sekundenschnelle ummoerdert und dabei gleichzeitig die Scheiben putzen kann. Ist ja so schlecht nicht.

Hier also Chris auf ihrem Quad, froehlich ein Honigfass bewegend chris_honigschlitten.jpg Leider zeigen die Bilder nicht, wieviel Spass sie wohl hatte. Das Motto, wenn es nicht so recht wollte, war „Giv’er!“ Wie will man das uebersetzen: Gib Gummi!? honig_abladen.jpg Auch der Huehnerstall wurde so an Ort und Stelle „verbracht“. huehnerstall_schlitten.jpg
Emmy ruhte derweil an einer weiteren koerperformgerechten Stelle: emmy_wurzelberg_2.jpg Und Griselda uebte schonmal, Kopf feststecken, wie fuer den Melkstand: griselda_uebt.jpg Wenn wir nach einer Nacht im Stall, weil ich morgens melken will, die kleinen Zickis rauslassen, purzeln sie wasserfallartig aus der Tuer, und man muss feste stehen ziegen_purzeln.jpg Und dann sind sie soooo durstig, dass man nicht Ziegenmama sein moechte zickis_durstig.jpg
Der Blick von der Nordseite des Dugouts auf unser Anwesen: